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Als aufgeklärte und neugierige Menschen interessiert uns die Zukunft. Im besten Falle möchten wir mehr darüber wissen, im schlechtesten möchten wir sie bereits heute ändern. Beides funktioniert nicht. Was wir aber können, ist die Zukunft vorzudenken, und zwar in Geschichten. Fünfzehn Dozierende und Forschende des Zukunftslabors CreaLab der Hochschule Luzern haben sich deshalb entschlossen, in Form von Kurzgeschichten zu beschreiben, wie für sie die Zukunft aussehen könnte.
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Ute Klotz und Patricia Wolf
Als aufgeklärte und neugierige Menschen interessiert uns die Zukunft. Im besten Falle möchten wir mehr darüber wissen, im schlechtesten möchten wir sie bereits heute ändern. Beides funktioniert nicht. Die Zukunft ist im Heute noch grau – wir können sie nicht vorhersehen. Auch wenn wir gerne die Möglichkeit hätten, zu einer Handleserin zu gehen und zu versuchen, den Nebel aus der Glaskugel zu schütteln.
Was wir jedoch können, ist, die Zukunft vorausdenken, nicht deterministisch, sondern in Geschichten darüber, wie sie sein könnte. Das wäre eine individuelle und proaktive Zukunftsbewältigung, welche eine Vielfalt von Perspektiven, Interpretationen von Trends und Themen bringt. Und Geschichtenpluralität braucht die Menschheit, auch als Gegengewicht zur Gleichschaltung in vielen Lebensbereichen.
Die Geschichten in unserem Buch wurden von den Mitgliedern des Zukunftslabors CreaLab der Hochschule Luzern geschrieben. Sie beziehen sich auf jeweils drei Megatrends aus der Megatrend-Map 2.0 vom Zukunftsinstitut in Wien. Die Kombination der Trends und auch die Geschichten, die daraus entstanden sind, sind einzigartig. Sie sind keine Vorhersagen und frei erfunden. Und wenn sie Leser zu weiteren Geschichten über die Zukunft inspirieren sollten, freuen wir uns auf Zuschriften unter [email protected].
Zukunftsgeschichten
Kuhglück
Bettina Minder und Sibylla Amstutz
Lesen Verboten
Urs Gaudenz und Patricia Wolf
Letzte Zelebration der Sitzungen
Julie Harboe
Die Jährliche Gehirnwäsche
Ute Klotz
Rückeroberung
Christian Lars Schuchert, Ute Klotz und Patricia Wolf
Lilea‘s Reports
Chris Ebbert
Im Zweifel für den Angeklagten
Christine Larbig
Lisa‘s Haus
Christine Larbig
Manipulation der Zeit
Christine Larbig
Das Einstellungsgespräch
Christine Larbig
Nur ganz kurz
Christine Larbig
Secreto
Christine Larbig
Angel
Jens O. Meissner
Healthy Flavours
Stijn Ossevoort
Matrizenmultiplikation
Roland Portmann und Patricia Wolf
Gute-Nacht-Geschichte von der Zukunft I
Christian Lars Schuchert
Gute-Nacht-Geschichte von der Zukunft II
Christian Lars Schuchert
Gute-Nacht-Geschichte von der Zukunft III
Christian Lars Schuchert
Besuch bei Paul
Ursula Sury
Humbug, denn DZS!
Michael Doerk und Patricia Wolf
Kopfkino
Barbara Kummler und Patricia Wolf
Interview mit Jens Jan Jackobson, Cow-Working-Coach (CWC), 19.02.2047
Jetzt coachen Sie diese Kühe in ihrer Lebensgestaltung, wie ist es zu dem gekommen?
Wir konnten in der Vergangenheit zwei Entwicklungen beobachten. Die erste war, dass unsere Kühe in der Schweiz eine grosse Sinnkrise hatten. Dies merkte man daran, dass sie anfingen, Tanzschritte zu machen und Lachanfälle hatten. Etwas völlig Artfremdes. Wir haben uns wirklich Sorgen um die psychische Gesundheit unserer Kühe gemacht. Die zweite Entwicklung war, dass die Bauern ratlos und überfordert waren, wie sie mit der Hitzebelastung der Kühe umgehen sollten. Wofür eine Lösung gefunden werden musste. Traditionelle Betreuungskonzepte haben da völlig versagt. Aufgrund dieser Entwicklung haben wir begonnen, verschiedene Massnahmen auszuprobieren. Zum Beispiel kultureller Austausch, Bewegungstherapien und neue Umgebungen.
Das entwickelte Modell ist ja einzigartig und sehr erfolgreich auf der Welt, und Ihre Kühe werden auf Kongresse eingeladen. Was macht dieses Modell aus?
Die Kühe erhalten individuell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte, sinngebende Aufgaben, wie z.B. Verkehrsberuhigung und Patienten-Gesellschaft. Die Fähigkeiten und Charaktereigenschaften der einzelnen Kühe unterscheiden sich sehr stark. Und daher ist es wichtig, mit ihnen zusammen die entsprechenden Aufgaben zu definieren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es kontraproduktiv wäre, ihnen Aufgaben zu verordnen. Zum Beispiel gibt es Kühe, die gerne unterwegs sind und andere, die eine gewohnte Umgebung bevorzugen.
Diese Aufgaben geben den Kühen Sinn und man merkt, dass sie Verantwortung übernehmen und Teil der Gesellschaft sind. Zum anderen konnten wir mit den Kühen in den Städten und Quartieren neue Gesundheitsmodelle etablieren. Es gibt Quartierkühe, die beim Transport der Einkäufe helfen, und es gibt Streichelkühe in ausgewählten Siedlungen, die auch für ältere Personen zugänglich sind. Ausserdem sind die Kühe in unseren Strassen allgegenwärtig und der Verkehr hat sich damit beruhigt und die Strassen sind sicherer geworden.
Und das zweite Hauptelement ist der kulturelle Austausch mit Indien. Wir haben festgestellt, dass insbesondere die Kühe mit verantwortungsvollen Aufgaben Pausen brauchen, in denen sie andere Eindrücke erhalten und Erfahrungen sammeln können. Viele der Kühe sind nach einem Austausch in Delhi offener für neue Aufgaben und können das Wissen weitergeben. Die indischen Kühe, die sich hier aufhalten, bringen eine neue Kultur in den Westen, unter anderem Gelassenheit.
Was meint denn die Bevölkerung in den Städten dazu, wenn sich Kühe in öffentlichen Parks und in den Strassen aufhalten?
Anfänglich war das sicher ungewohnt und zum Teil gefährlich, weil Mensch und Tier den Umgang nicht gewohnt waren. Bis auf zwei, drei ungelöste Fragen hat sich das Modell bei uns etabliert. Die Leute sehen den Vorteil und insbesondere die Kinder haben geholfen, den Erwachsenen die Vorteile aufzuzeigen. Sie sind beispielsweise bei einem Stau ausgestiegen und haben die Kühe gestreichelt.
Nach einer Pilotphase sahen die anfänglich kritischen Politiker den finanziellen und gesellschaftlichen Mehrwert des Modells. Mittlerweile sind die Kühe bei uns so selbstverständlich, dass man sie nicht mehr missen möchte.
Was würden Sie einem anderen Land empfehlen, welches das gleiche Modell einführen möchte?
Wir haben gelernt, dass der Aufwand für die Bedürfnisabklärung unterschätzt wurde. Es lohnt sich wirklich, von Anfang an viel Zeit dafür zu investieren. Wir haben unter anderem Beobachtungsstudien durchgeführt und uns anschliessend über die Ergebnisse mit den Kühen in langen und mehrmaligen Sitzungen ausgetauscht. Dort haben uns die anfänglich skeptischen Bauern geholfen, die Kühe zu verstehen. Erstaunlich ist, dass jede Kuh genau vermittelt, was sie will und was sie nicht will. Und so haben wir für jede Kuh ein eigenes Profil erstellt. Die Daten sind in einer interaktiven Datenbank gespeichert. So sind wir in der Lage, Bedürfnisse und passende Kühe zu matchen. Bisher hat das sehr gut funktioniert.
Des Weiteren haben wir unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, unter anderem Kinder, Autofahrer, Pflegeinstitutionen, Polizei und ältere Menschen, am Modell partizipieren lassen. Bei den älteren Menschen konnten wir von den Erfahrungen, die sie aus ihrer Kindheit mit Kühen hatten, sehr profitieren.
Wichtig ist, dass man im kulturellen Austausch mit anderen Ländern bleibt, die ebenfalls bereits Erfahrungen gesammelt haben. So sehen wir die Zusammenarbeit mit Indien als wichtigen Teil dieses Modells an. Mittlerweile ist die Cow-Working-Community weltweit stark gewachsen, hat alljährliche Veranstaltungen und tauscht sich im Netz aus.
Haben Sie das Gefühl, dass diese Entwicklung die Gesellschaft verändert hat?
Es gibt weniger Wohnungswechsel in den Städten und Quartieren. Es scheint also, dass die Bevölkerung eine gewisse Beziehung zu den Kühen entwickelt hat. Gleichzeitig entwickelt sich das Konzept laufend weiter: Es gibt neue Kühe und neue Aufgaben, Quartiere verändern sich und es bilden sich Netzwerke.
Auf der gesundheitlichen Ebene haben wir noch keine konkreten Daten erhoben, wir nehmen jedoch an, dass die neue Tätigkeit der Kühe sich positiv auf die Stresssymptome der Menschen auswirkt.
Möchten Sie noch etwas hinzufügen?
Wir stellen zunehmend fest, dass andere Tiere an diesem Modell Interesse haben und mitarbeiten möchten. Insbesondere Enten und Schwäne kann man immer wieder in den Quartieren sehen, wie sie vermehrt Aufgaben übernehmen, unter anderem Kinder über die Strasse begleiten. Der nächste Schritt wird nun sein, deren Bedürfnisse zu erheben und die Aufgaben zu koordinieren. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es noch weitere Tiere geben wird, die am gesellschaftlichen Miteinander partizipieren möchten.
Zeitung: New Delhi Paragraph
Interviewer: Omin
„Auszug aus der Zeitschrift „Genetische Philosophie“ vom 04.08.2214:
Die Vorstellung vom wissenschaftlich geprägten Beginn unseres Jahrtausends geht häufig mit der Annahme einher, es habe sich um ein Zeitalter der Gentechnik gehandelt. Aber bis vor 100 Jahren kannten die wenigsten ihr Genom, das Gottesbuch, wie es damals auch genannt wurde aus eigener Lektüre. Das lag nicht nur daran, dass ein grosser Teil der Gesellschaft keinen Zugang zu Lesegeräten zur Entschlüsselung der DNA besass. Sie waren zudem nicht in der Lage, den Gencode zu lesen und das darin gespeicherte Wissen zu interpretieren. Deshalb waren die meisten auf einfache sogenannte DNA Tests wie 23andMe angewiesen. Bis zum Ende der Ära der Wis
