Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbiografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2011 E-Book-Ausgabe (EPUB) © 2011 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Dr. Jan ArpeLektorat: Heike Herrberg, BielefeldHerstellung: Christiane RaffelUmschlaggestaltung: Nadine HumannUmschlagfoto: Thomas KunschIllustrationen: Anna Luise Sulimma, TrendSketcherSatz und Druck: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-396-4
'www.bertelsmann-stiftung.de/verlag'
Vorwort
Noch vor ein paar Jahren galt die deutsche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung der Sozialen Marktwirtschaft als überholtes Auslaufmodell. Reparaturen schienen nicht mehr auszureichen, ein klarer Systemwechsel zur umfassenden Liberalisierung wurde innerhalb unseres Landes, aber auch von außen vehement eingefordert.
Dann kam die globale Finanz- und Wirtschaftskrise und veränderte die Rahmenbedingungen, Erwartungen und Sichtweisen grundlegend. Nach Jahren des Aufschwungs und der ständig steigenden Gewinnerwartungen brachen erst die Kurse und dann die Unternehmen ein. Die größte ökonomische Krise aller Zeiten hinterließ weltweit insolvente Firmen, ein großes Heer an Arbeitslosen, rückläufige Volkswirtschaften und vor allem große Verunsicherung. Natürlich haben diese Konsequenzen auch Deutschland als Exportnation hart getroffen – die Auswirkungen waren im internationalen Vergleich aber deutlich schwächer. Auch deshalb, weil Politik, Gesellschaft und Wirtschaft der Krise anders begegnet sind.
Das deutsche Sozialsystem hat sich als stabil genug erwiesen, um auch die Folgen einer globalen Wirtschaftskrise aufzufangen. Außerdem sind unsere politischen und gesellschaftlichen Strukturen darauf ausgerichtet, im Konsens Wege zu finden, die auch von einer breiten Mehrheit getragen und unterstützt werden. In der Krise haben diese Faktoren dafür gesorgt, dass die Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft intakt geblieben sind, die Unternehmen gestützt wurden und Arbeitsplätze nicht massiv abgebaut werden mussten.
Aber Deutschland ist nicht nur gut durch die Krise gekommen, es ist auch sehr schnell und dynamisch in den Aufschwung gestartet. Die stabilen Strukturen boten die Grundlage dafür, die langsam anziehende weltweite Nachfrage zeitnah zu bedienen. Andere mussten erst langsam anfangen, Kapazitäten aufzubauen. Wir konnten liefern – und das in der bekannt hohen Qualität »Made in Germany«.
Das deutsche Konsensmodell der Sozialen Marktwirtschaft war damit nicht nur ein festes Fundament in der Krise, es bot auch eine hervorragende Plattform für den aktuellen Aufschwung. Die Soziale Marktwirtschaft hat bewiesen, dass sie nicht nur für sozialen Ausgleich und Sicherheit taugt, sondern noch immer ein enormes ökonomisches Potenzial besitzt.
Trotz aller Erleichterung und Zufriedenheit mit unserer momentanen Situation können wir uns mit Blick auf den Euro und die noch immer vorhandenen weltweiten Konjunkturrisiken nicht einfach zurücklehnen. Wir müssen uns vielmehr selbstkritisch fragen, wo bei uns selbst noch Defizite und Herausforderungen liegen.
In der Wahrnehmung der Menschen stand die Soziale Marktwirtschaft früher insbesondere für Ausgleich, Teilhabe und sozialen Aufstieg – ein Anspruch, dem sie aus Sicht vieler Bürger und auf der Grundlage unserer Untersuchungen nicht mehr in jedem Fall gerecht wird. Hier gibt es einen grundsätzlichen Handlungsbedarf.
Wir brauchen aber nicht nur eine Renaissance der Sozialen Marktwirtschaft, indem wir ihre alten Tugenden wiederbeleben. Die Soziale Marktwirtschaft muss sich neuen Herausforderungen stellen, denn unsere Gesellschaft sowie die globalen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahrzehnten tiefgreifend gewandelt. Gefordert ist eine langfristige Strategie, die die Probleme und Herausforderungen grundlegend angeht. Deshalb brauchen wir sozusagen eine »Soziale Marktwirtschaft 3.0«!
Arbeitsmarkt, Integration, Bildung, demographischer Wandel, Beteiligung und nachhaltiger Umgang mit Umwelt und Ressourcen – das sind die großen Herausforderungen für ein modernes Deutschland. Die Soziale Marktwirtschaft muss beweisen, dass sie auch an diesen Stellen tragfähige Lösungsmodelle für die Zukunft bietet. Diese Weiterentwicklung unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung kann und darf man nicht einfach an den Staat oder die Wirtschaft delegieren. Die Gestaltung der Sozialen Marktwirtschaft sollte vielmehr ein Thema sein, das die Politik, die Bürger, die Wirtschaft und die zahlreichen Organisationen der Zivilgesellschaft gemeinsam nutzen, um einen umfassenden Dialog über unsere Zukunft zu eröffnen. Die Einbeziehung möglichst vieler Bürger und Akteure würde damit zu einem neuen Merkmal der Sozialen Marktwirtschaft der Zukunft.
Die Bertelsmann Stiftung hat 2009 das übergreifende Projekt Zukunft Soziale Marktwirtschaft gestartet. Mit Unterstützung des Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt und der Heinz Nixdorf Stiftung wurden Perspektiven und Herausforderungen für die Soziale Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert erarbeitet. Dieses Buch dokumentiert die Ergebnisse und präsentiert Gestaltungsideen der Bertelsmann Stiftung für die Zukunft der Soziale Marktwirtschaft.
Mein Dank geht an alle Autoren, die an diesem Buchprojekt mitgewirkt haben. Ich wünsche mir, dass diese Veröffentlichung einen Beitrag für die wichtige Debatte um die Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft liefert.
Gunter Thielen
Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort
Einführung
Zentrale Ergebnisse
Konzepte
Die Soziale Marktwirtschaft – Intention und Praxis: Ideen der Gründerväter und ...
Die wichtigsten Ergebnisse
Zwischen Theorie und Praxis
Theoretische Grundlagen
Soziale Marktwirtschaft im realpolitischen Raum
Vorwärts zu den Wurzeln: die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft
Dank
Literatur
Die Soziale Marktwirtschaft im internationalen Vergleich: Großbritannien, ...
Zusammenfassung
Einleitung
Basis und Element zukunftsfähiger Politik: eine theoretische Fundierung
Drei Ländertypen: drei Staat-Markt-Verhältnisse
Vorbilder identifizieren und den eigenen Kontext prüfen
Dank
Literatur
Empirie
Soziale Marktwirtschaft zwischen Wunsch und Wirklichkeit – Einstellungen der ...
Erwartungen an die Soziale Marktwirtschaft
Die Rolle des Staates
Erwartungen zur zukünftigen sozioökonomischen Entwicklung
Beitrag von Politik und Institutionen zur Zukunftsfähigkeit von Deutschland
Fazit
Literatur
Politisches Tagesgeschäft Soziale Marktwirtschaft – Ergebnisse aus qualitativen ...
Interviews machen Wissen sichtbar
Die Einblicke der Interviewten
Interpretationen und Querverknüpfungen
Anhang zu Methoden: narrative Befragung und systemische Analyse
Dank
Literatur
Perspektiven
Soziale Marktwirtschaft 2030 – Herausforderungen und Gestaltungsoptionen für ...
Zusammenfassung
Einleitung
Soziale Marktwirtschaft 2030 – die Vision
Globale Megatrends und Auswirkungen auf Deutschland
Handlungsfelder mit Anpassungsbedarf
Das Zukunftsmodell Soziale Marktwirtschaft
Über die Autorinnen und Autoren
Einführung
Jan Arpe, Andreas Esche
Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und ihre Folgen haben – national wie international – zu einem wiedererstarkten Interesse an der Sozialen Marktwirtschaft geführt. Während man im Ausland das »German Jobwunder« und die Exportstärke als Ausprägungen der »Social Market Economy« bestaunt, hört man auch in der Bundesrepublik quer durch Medien, Parteien und Wirtschaftsinstitute, die Soziale Marktwirtschaft habe sich in der Krise unerwartet gut bewährt.
Es besteht kein Zweifel daran, dass Deutschland hinsichtlich wirtschaftlicher Erfolgsgrößen im internationalen Vergleich seit 2009 wieder sehr gut dasteht. Dies ist umso erstaunlicher, als doch vor allem die starke Exportabhängigkeit zunächst dazu führte, dass die deutsche Wirtschaft viel stärkere Einbrüche hinnehmen musste als viele andere Industrienationen. Als Gründe für die rasche Erholung der deutschen Wirtschaft werden immer wieder die starke Konsensorientierung der Sozialpartner sowie klug genutzte wirtschaftspolitische Instrumente wie die Kurzarbeiterregelung genannt.
Wirtschaftlicher Erfolg im Umgang mit der Finanzkrise
So erfreulich diese Nachrichten sind und so naheliegend es ist, diesen Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft zuzuschreiben, stellen sich doch bei etwas kritischerer Betrachtung folgende Fragen:
Zentrale Fragen
• Welche der Aspekte, die zur Überwindung der Finanzkrise beigetragen haben, sind tatsächlich spezifisch für die Soziale Marktwirtschaft (in Abgrenzung zu anderen Wirtschafts- und Sozialmodellen)?
• Wie ist es um den sozialen Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft bestellt? Wird die Soziale Marktwirtschaft noch ihrem immanenten Anspruch gerecht, Wirtschaft und Soziales zum größtmöglichen Wohle der Menschen miteinander zu verbinden?
• Wie ist die Soziale Marktwirtschaft vor dem Hintergrund sich rasant ändernder Rahmenbedingungen und besonders in der Auseinandersetzung mit einer voranschreitenden Globalisierung für die Zukunft aufgestellt? Wird sie sich angesichts großer Herausforderungen wie dem demographischen Wandel, dem Klimawandel, globaler Ressourcenknappheiten oderzunehmender gesellschaftlicher Heterogenität behaupten können?
Das Projekt »Zukunftsmodell Soziale Marktwirtschaft«
Ein frischer Blick auf die Soziale Marktwirtschaft
Gerade in einer Zeit, in der die Soziale Marktwirtschaft als Erfolgsmodell gefeiert wird, erscheint es sowohl günstig als auch überaus wichtig, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Schließlich geht die Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft mindestens bis in die 30er Jahre zurück und wurde seit den 60er Jahren nicht mehr explizit überarbeitet. Zwar beschäftigen sich bereits diverse Vereinigungen wie die »Initiative Soziale Marktwirtschaft«, die »Jenaer Allianz zur Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft« oder die »Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft« aus unterschiedlichen Interessenlagen heraus mit diesem Thema – doch scheint es höchste Zeit zu sein, einmal grundlegend und mit frischem, unideologischem Blick daranzugehen. Dies war Gegenstand des Projekts »Zukunftsmodell Soziale Marktwirtschaft« der Bertelsmann Stiftung, das in Kooperation mit dem Zentrum für gesellschaftlichen Fortschritt und mit Unterstützung der Heinz Nixdorf Stiftung durchgeführt wurde und dessen Ergebnisse in diesem Buch präsentiert werden. Das Projekt verfolgte drei Ziele:
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