Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Was geschah wirklich am 30.04./01.05.1945 im Führerbunker? Gab es im Delirium des Untergangs einen Massensuizid? Starben elf "Hitler" im und um den Führerbunker herum? Wurde Hitler von den eigenen Leuten oder von anonym gebliebenen wütenden Sowjetsoldaten brutal zusammengeschlagen und erschossen? Oder erhielt er eine Giftspritze von seinem SS-Begleitarzt? Wurde eine Generalsleiche als "Hitler" verbrannt? Wurde die Leiche von Gestapo-Müller wirklich später auf einem jüdischen Friedhof begraben? Vergiftete man sechs Kinder aus einem Berliner Waisenhaus im Führerbunker, um die Flucht der Goebbelskinder zu vertuschen? Ist Magda Goebbels irgendwann und irgendwo auf der Welt, erst viele Jahre nach dem Krieg, im Kreise ihrer Kinder und Enkel verstorben? Starb "Bormann", hineingezwängt in eine viel zu kleine Uniform, beim Führerbunker?
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 662
Veröffentlichungsjahr: 2019
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Einleitung
Die Leichen aus Hitlers beiden Luftschutzbunkern
I.1 Leichenberge prominenter Nationalsozialisten in und bei Hitlers Bunker?
I.2 Bemerkungen zu den Räumlichkeiten in denen Leichenfunde erfolgten
I.3 Die Leichen aus dem Führerbunker
1.3.1 Zehn Leichen aus Hitlers Bunker?
1.3.2 Die „Hitlerleichen“ im Führerbunker
Die „Hitlerleichen“ eins bis vier
Die fünfte „Hitlerleiche“
1.3.3 Die Leichen der Wehrmachtsgeneräle
Wurden die Generalsleichen wirklich gefunden?
Wo wurden die Generalsleichen entdeckt?
Auf welche Weise starben die beiden Generäle?
Warum schrieben wir „angebliche Leiche von Krebs“?
I.3.4 Die Todesfälle Joseph und Magda Goebbels
Der Tod des Ehepaares Goebbels – ein weiteres Element in dem Verwirrspiel „Das Ende im Führerbunker“
Weshalb und wie kam die Familie Goebbels in den Bunker?
Zur Todesabsicht des Ehepaares Goebbels
Zur Art der Selbsttötung von Joseph und Magda Goebbels
Zum Zeitpunkt der Selbsttötung des Ehepaares Goebbels
Zum Ort der Selbsttötung von Magda und Joseph Goebbels
Wann und wo wurden die Leichen des Ehepaares Goebbels angeblich oder tatsächlich letztlich aufgefunden?
Zum Zustand und zur Identifizierung der Leichen von Magda und Joseph Goebbels
Auffälligkeiten an den Darstellungen der Zeugen zum Tode des Ehepaares Goebbels
Zwei Varianten zu Art und Ort des Todes des Ehepaares Goebbels
Weitere Auffälligkeiten
I.4 Die Leichen aus dem Vorbunker
I.4.1 Tatsächlich und angeblich aufgefundene Leichen im Vorbunker
I.4.2 Sechs Kinderleichen aus dem Vorbunker
I.4.3 Untersuchungen zum Schicksal der Goebbelskinder
Zum Zeitpunkt des Auffindens der Kinderleichen
Wo wurden die toten Kinder aufgefunden?
Wie waren die Kinder kurz vor ihrer Tötung und danach bekleidet?
Wann sollen die Kinder getötet worden sein?
Zu den widersprüchlichen Aussagen der Zeugen hinsichtlich der Haltung der Eltern zur Zukunft ihrer Kinder
I.4.4 Rettungsversuche für die Kinder durch Dritte
I.4.5 Wer waren die Kindermörder?
1.5 Zum angeblichen Ablauf der Geschehnisse
I.6 Eine mögliche ganz andere Wahrheit
I.6.1 Die Hypothese des Überlebens der Goebbelskinder
Siebzehn Indizien dafür, dass eine Täuschungsaktion stattfand, um die echten Goebbelskinder zu retten
Vier Indizien dafür, dass auch die Mutter der Kinder flüchtete
Das vermutlich tatsächliche Geschehen im Zusammenhang mit dem Schicksal der Goebbelskinder ab dem 29. 04. 1945 und bei der Vorbereitung und Tötung von sechs Kindern am Abend des 01.05. 1945
Die Rettung der Kinder nach einem Geheimplan
I.6.2 Das vermutlich tatsächliche Geschehen im Zusammenhang mit dem Schicksal der Goebbelskinder
Relevante Leichen sowie Kadaver außerhalb von Hitlers beiden Luftschutzbunkern
II.1 Zu den Leichen vor dem Führerbunker
II.2 Die „Hitlerleichen“ außerhalb des Bunkers
Die sechste „Hitlerleiche“
Die siebente „Hitlerleiche“
Die achte „Hitlerleiche“
Die neunte „Hitlerleiche“
Die zehnte „Hitlerleiche“
Die elfte „Hitlerleiche“
Die siebente „Hitlerleiche“ als Objekt der offiziellen Geschichtsschreibung
Zum Tode von Adolf Hitler
Wurde Hitlers Leiche 1945 tatsächlich von den Russen gefunden und geborgen?
II.3 Die Leiche der Darstellerin der Eva Hitler
II.4 Die Kadaver von Hitlers Hunden (Blondi und Wolf)
Die nicht aufgefundenen Leichen von 1945 bereits als tot geltenden Personen
III.1 Die Leiche von Hitlers Sekretär Martin Bormann
III.2 Die verschwundene Leiche des SS-Gruppenführers Heinrich Müller („Gestapo-Müller“)
Entschiedene Jagd oder nur verhaltene Suche nach Heinrich Müller?
Was geschah mit dem Gestapochef Müller nach dem 02.05.1945?
Das Mysterium der beiden Gräber des Gestapochefs
III.3 Die verschwundene Leiche des Hermann Fegelein
III.4 Die verschwundene Leiche von Hitlers Chefleibwächter Franz Schädle
Informationsspeicher
Dossiers zum Beweis der Unglaubwürdigkeit der wichtigsten „Zeugen“ sowie weitere Dossiers
Axmann
Baur
Günsche
Hofbeck
Hentschel
Junge
Karnau
Kempka
Dr. Kunz
Linge
Misch Mengershausen
Dr. Naumann
Rattenhuber
Schneider
Schwägermann
Lüders
Albrecht
Wollte Eva Hitler wirklich sterben?
Polewoi
Goebbelskinderrettung am 29.04.1945
Schädle
Benzinanforderungen und Transporte für den Führerbunker
Porträt Friedrichs des Großen
Verzeichnis der Tabellen / Verzeichnis der Abbildungen
Abkürzungsverzeichnis / SS-Dienstgrade
Personenverzeichnis
Literaturverzeichnis
Quellen und Anmerkungen
Von absichtsvoll verbreiteten Lügen über das jeweilige Geschehen durch bestimmte Zeugen ist da leider keine Rede. Deshalb müssen wir die obige, ansonsten wohl stimmende Feststellung, ergänzen. Unsere Analyse der Ereignisse in und um den Führerbunker in den letzten Tagen des Dritten Reiches, welche wir in nun bereits fünf Bänden der Reihe „Beweise oder Vermutungen?“ vorgestellt haben, hat im Unterschied zu den meisten anderen Autoren die bewussten Lügen der Zeugen, bzw. angeblichen Zeugen aus dem Umfeld von Hitler, Bormann und Goebbels als solche enttarnt und dabei ein deutliches Strickmuster von Verschwörungen erkannt.
Daneben haben Zeugen oder angebliche Zeugen gelogen, weil sie sich in ein rechtes Licht rücken wollten, sich interessant machen wollten, sich oder andere Personen schützen wollten. Ein Beispiel dafür, wie sich jemand wichtig machen wollte, findet man in der Behauptung zweier verschiedener Personen, welche angeblich dabei gewesen sein wollten, als Hitler die Nachricht vom Englandflug seines Stellvertreters in der NSDAP, Rudolf Heß, erhielt. Während Hitlers Chefdiener Linge in seinem Buch schrieb, er habe Hitler, von dem er annahm, dass er noch schlafen würde, die Nachricht überbracht, die er von dem Adjutanten von Heß, Karl-Heinz Pintsch, und von Albert Bormann erhalten habe2, behauptete Hitlers damaliger Heeresadjutant Gerhard Engel, er habe Hitler gerade Vortrag gehalten, als Albert Bormann erschienen sei, um Hitler zu erklären, dass der Karl-Heinz Pintsch ihm eine Botschaft von Heß überreichen wolle. Der Ghostwriter von Linge, Werner Maser, hat die Version von Engel in einer Fußnote gebracht und dazu notiert: „Linge bezeichnet die Engel-Version als nicht zutreffend.“3
Bei unseren Untersuchungen zu den Geschehnissen im Führerbunker in den letzten Tagen vor deren Eroberung durch die Sowjetarmee4 wurde uns klar, dass die von uns vermutete Verschwörung nicht einfach der Vertuschung des Überlebens und der Flucht Hitlers diente, sondern, dass sie weitere Facetten besaß, welche uns untersuchungswürdig erschienen. So zeigte sich auch hier, wie schon bei unseren Untersuchungen zum Schicksal Hitlers und Bormanns, wie beinahe unentwirrbar die Knoten und Schlingen der Verschwörung durch die Lügen der Zeugen zu den echten oder gefakten Todesfällen in den Bunkern sind.
Für die meisten Journalisten und Buchautoren war das kein Problem weiter, da sie offensichtlich den Zeugen den Ehrenmannstatus zukommen ließen (Joachimsthaler: Die Herren Mohnke und Günsche sind ehrbare Männer) und deren Aussagen für bare Münze nahmen oder die Lügen als Erinnerungsfehler definierten und wegerklärten. Diese Autoren haben wohl nicht begriffen, dass die SS-Angehörigen eine verschworene Gemeinschaft waren, für welche das Prinzip „Unsere Ehre heißt Treue“ galt und die ihren Führer und andere Hochgestellte vor Nachforschungen schützen wollten, weil für sie das Dritte Reich nicht untergegangen sondern nur eine militärische Schlacht verloren worden war.
Im Führerbunker der Berliner Reichskanzlei bzw. im unmittelbaren Umfeld des Bunkers sollen in den letzten Apriltagen des Jahres 1945 zwischen zehn und zwanzig Personen (sowie Hunde), die zu Hitlers Umfeld gehörten, gestorben sein (Mordopfer, Tod auf Verlangen, Selbstmörder, Getäuschte, freiwillig Gestorbene) und fast alle ihre Leichen beziehungsweise die Tierkadaver wurden von sowjetrussischen Geheimdienstlern gefunden.
Der amerikanische Militärrichter Musmanno sprach von fünfzehn Leichen, welche im Garten der Reichskanzlei gefunden worden seien.5 Dazu gehörten die im Lazarett Verstorbenen der letzten Stunden, welche aufgrund des starken Beschusses der Reichskanzlei nicht mehr begraben werden konnten. Dazu gehörte aber auch ein erschossener Doppelgänger Hitlers, dessen Leiche die Russen zunächst als Hitlers Leiche betrachteten.
Der britische Historiker und damalige Geheimdienstoffizier Trevor-Roper soll am 03.11.1945 der us-amerikanischen Zeitschrift „The Stars and Stripes“ mitgeteilt haben, dass die Russen mindestens 100 Leichen „im Garten der Reichskanzlei in Berlin“ ausgegraben hätten.6 Der Cheftechniker Hentschel, der seinen Dienstplatz im Führerbunker hatte, berichtete von neun Leichen, die in der Nacht vom 01. auf den 02.05. 1945 noch unbegraben im Bunker oder in dessen direkter Nähe gelegen hätten.7 Der britische Autor Cornelius Ryan, im Zweiten Weltkrieg Kriegsberichterstatter für die Nachrichtenagentur „Reuter“ und den „Daily Telegraph“ veröffentlichte zwei Jahrzehnte nach dem Krieg sein Buch „Der letzte Kampf“. Darin schrieb er: „Drei blieben im Bunker und begingen Selbstmord: Der Chef des Heerespersonalamtes General Burgdorf, der Stabschef des OKH General Hans Krebs und SS-Hauptsturmführer Schedle von der Bunkerwache.“8
Einige der Personen aus dem Führerbunker, deren Tod in diesen letzten Apriltagen des Jahres 1945 und in diesem erwähnten Umfeld, in der Literatur als gegeben dargestellt wurde, gelten zwar als tot, aber ihre Leichen wurden niemals gefunden. Von anderen wurden zwar die vermeintlichen Leichen entdeckt, aber es waren nicht die Leichen der Personen, denen diese zugeordnet wurden.
Es wurde viel spekuliert über die Leichen aus dem Führerbunker und dessen Vorbunker und es wurde auch viel Falsches behauptet. In einem im Netz veröffentlichten Aufsatz „Mord an Hitler: Hitlers Ende in der Darstellung Martin Bormanns“9 lässt der unbekannte Autor Hitlers Sekretär, Reichsleiter Bormann, in einem fiktiven Brief an einen dem Leser unbekannt Bleibenden aus Hitlers Umgebung die angeblich zahlreichen Toten im Führerbunker so erklären: Hitler sei in schlechtester Verfassung gewesen, habe aber auch am 30.04.1945 immer noch nicht sterben wollen. Die Leute aus seiner Umgebung dagegen wollten mehrheitlich ihr eigenes Leben retten.10 Dem stand Hitler im Wege. Während Bormann und Krebs unterschiedlicher Meinung gewesen seien, was nun getan werden müsse, habe Fegelein die Initiative übernommen und Bormann und Schädle hätten Krebs, der die Erschießung Hitlers durch Fegelein verhindern wollte, nieder gehalten. „Es gab keine andere Lösung. als den Dingen jetzt ihren Lauf zu lassen ... Später hörten wir eine Reihe von Schüssen. Zunächst saßen wir noch eine ganze Zeit schweigend beieinander. Keiner hatte das Bedürfnis, Hitlers Räume zu betreten ...“
So seien Hitler und seine Frau sowie einer der Hunde zu Tode gekommen. Und schließlich habe Fegelein auch Goebbels erschossen. Später habe General Krebs dann wiederum Fegelein erschossen.
Dieser erfundene und ins Weltnetz gesetzte angebliche Brief Bormanns zeigt zum einen, dass der Autor sich zwar mit den Ereignissen beschäftigt hat und die Toten und die Verschwundenen genau zuordnen konnte, aber zum anderen wird anhand einiger gravierender Fehler in Randbereichen der Darstellung deutlich, dass ihm zahlreiche Quellen zu den Ereignissen der letzten Tage im Führerluftschutzbunker nicht bekannt waren und dass er sich mit denen, welche er nutzte, nicht tiefgründig genug auseinander gesetzt hat.11 Nach dieser völlig ungeplanten und überhaupt nicht absehbaren Entwicklung der Dinge wäre es wegen der Anzahl der im Ergebnis toten Personen absolut unmöglich gewesen, mit den später agierenden Zeugen die vielen Legenden eines angeblichen Geschehens wie es in den Geschichtsbüchern steht, miteinander abzustimmen.
Das ist aber kein Einzelfall. Wie wenig sich viele Autoren, insbesondere Journalisten, von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart, mit dem Gegenstand ihrer Betrachtungen bekannt machen, zeigen immer wieder völlig falsche Behauptungen in Artikeln, die sich mit dem Ende Hitlers und seiner Umgebung im Führerbunker beschäftigen. So behauptete beispielsweise eine Autorin in einem Artikel vom 21.04.2015, Joseph Goebbels habe seine Kinder vergiftet: „Nazi-Propagandami-nister Goebbels vergiftete 1945 seine sechs Kinder, bevor er und seine Frau in Hitlers Bunker Selbstmord begingen.“12 Daran falsch ist die Behauptung der unmittel-baren Täterschaft von Goebbels. Mit wissenschaftlicher Analyse hat das nichts zu tun. Auch Journalisten sollten sich bei historischen Betrachtungen an den letzten Stand der historischen Erkenntnis halten.
Da also einiges ungeklärt ist und selbst bei den Leichen, die tatsächlich aufgefunden wurden, Ungereimtheiten bestehen, hat das Forschungsteam um Alfred H. Mühlhäuser sich nach der Aufdeckung der Bunkerverschwörung vom 30.04.1945 (Band I – III) und dem Überleben von Martin Bormann über den 02.05.1945 hinaus (Band IV) nun dieser speziellen Untersuchung zugewandt und ein weiteres analytisch-synthetisches Informationsmittel erarbeitet, welches Interessierten einen Überblick über den zu den jeweiligen Themen vorhandenen Erkenntnisstand geben und für die historische Forschung eine wichtige Hilfe sein können.
Weitere Veröffentlichungen aus unserer Reihe „Beweise oder Vermutungen?
Alfred H. Mühlhäuser (Hrsg.): Die Totgesagten leben länger: Der ungeklärte Todesfall Hitler. Beweise oder Vermutungen, Band I. Books on Demand. Norderstedt, 2017. 204 S. ISBN 9783744813822
Beides gelang ihnen nicht. Das Einzige, was die sowjetischen Ermittler nach einigen Tagen fanden, das waren zwei verkohlte Leichen, die als die Leichen von Hitler und seiner Frau durch die Geschichtsbücher geistern. Von diesen Leichen wissen wir heute, dass sie absolut nichts mit Hitler und möglicherweise auch nichts mit Eva Braun zu tun hatten. Höchstens indirekt, insofern nämlich, als sie vermutlich als Köder dienen sollten, um eine weitere Suche nach Hitler aufzugeben.
Für unsere Beschäftigung mit diesem Thema sind die in die Legion gehenden Veröffentlichungen über eine Flucht Hitlers und seine Verortung nach 1945 in verschiedensten Teilen der Erde nicht entscheidend gewesen, wenngleich sie natürlich auch auf der Basis des ungeklärten Todesfalles Hitler entstanden sind. Anstoß für unsere Forschungen gab uns dagegen die Tatsache, dass es von Anfang an Zeugen der Ereignisse am 30.04.1945 im Führerbunker gab, welche behaupteten, es könne keine Hitlerleiche geben, weil diese völlig verbrannt sei und ihre Überreste aufgrund von Bombenabwürfen und Granateinschlägen beseitigt seien.
Damit könnte man sich zufriedengeben. Allerdings wird das forscherische Interesse geweckt dadurch, dass trotz der angeblich spurlosen Beseitigung Hitlers unbeschädigte Zahnprothesen und Kiefer sichergestellt worden sein sollen, mit denen der Tod Hitlers angeblich unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte. Und das Erstaunliche: Sie wurden bei genau den Leichen „von Hitler und Frau“, die es gar nicht geben dürfte, gefunden. Allein das war schon äußerst verdächtig. Die Russen waren sich ebenfalls nicht sicher, ob es die Leichen von Adolf und Eva Hitler waren, sie konnten es auch nicht wirklich nachweisen, aber sie waren damals froh, überhaupt zwei Leichen gefunden zu haben, die sie als die von Hitler und seiner Frau stammend ausgeben konnten, ohne dass sie jemals ein Angehöriger von Hitlers Hofstaat oder gar erst ein unabhängiger ausländischer Gutachter gesehen hätte.
Grundlage des wackeligen Beweisgebäudes für Hitlers Bunkertod war vor allem die Befragung von Zeugen aus Hitlers Umfeld. Es gab Zeugen, die ihre Zeugenschaft für bestimmte Ereignisse am 30.04.1945 im Führerbunker leugneten. Und es gab angebliche Zeugen, die gern dabei gewesen wären bei dem, was geschah, und die, obwohl es eben nicht so war, dennoch gern über ihre angeblichen Beobachtungen berichteten. Das Auffallende bei der Auswertung der Zeugenaussagen war, dass diese so unglaublich widersprüchlich waren. Es hätte sich also aufgrund verwirrender und eindeutig falscher Zeugenaussagen und fehlender Beweise für Hitlers Tod eine offensichtlich vertuschte Flucht aus dem Bunker den Untersuchungsorganen und den Autoren entsprechender Veröffentlichungen geradezu aufdrängen müssen. Diese Tatsache veranlasste aber kaum einen der zahllosen Autoren, die sich mit dem Thema befassten, an der Behauptung, Hitler habe einen Suizid begangen und seine Leiche sei verbrannt worden, in irgendeiner Weise zu zweifeln. Es besteht nach wie vor und heute umso mehr, da selbst die ehemaligen Hauptbeweise für Hitlers Tod (Schädelbruchstück, Kiefer und Prothese) nicht mehr greifen, begründeter Zweifel an der bekannten Darstellung vom Tode Hitlers am 30.04.1945 im Führerbunker der Reichskanzlei. Das veranlasste uns, zu versuchen, mehr Licht in das Dunkel des Falles zu bringen und mit diesem analytisch-synthetischen Informationsmittel auch Anregung für weitere Forschungen zu liefern. Die bekannten Ermittlungsergebnisse wurden kritisch hinterfragt und die von den sowjetischen Untersuchungsführern und in ihrem Gefolge auch von zahlreichen Autoren angeführten angeblich „begründeten Vermutungen“, „handfesten Indizien“ und „unwiderlegbaren Beweise“, wurden massiv erschüttert und mussten als falsch charakterisiert werden.
In verschiedenartigen Medien, welche sich mit den Geschehnissen im Führerbunker, während und nach dem Ausbruch aus der Reichskanzlei beschäftigen, bekommt man den Eindruck, als ob der Luftschutzbunker Hitlers und sein Umfeld, als die Russen eintrafen, als Ergebnis eines Deliriums des Unterganges voller, zumeist selbstgemordeter, Leichen gewesen sei. In der sowjetischen Armeezeitung „Roter Stern“ hieß es am 07.05.1945, Massenselbstmorde deutscher Generale und prominenter SA-Führer hätten im Garten der Reichskanzlei stattgefunden.13 Pure Kriegspropaganda aus der Küche der Propagandisten der Politabteilungen aufbereitet für die sowjetkommunistische Militärpresse. Offiziell wurde niemals ein vollständiger Bericht darüber veröffentlicht, wie es wirklich war.
Aber auch Generalleutnant Baur, Hitlers Chefpilot, beteiligte sich an den maßlosen Übertreibungen, indem er, sich auf den tatsächlichen oder angeblichen Tod von General Krebs, General Burgdorf, Gestapochef Müller, Botschafter Hewel und Chefleibwächter Schädle beziehend, schrieb: „Eine Flut der Selbstvernichtung raffte so an einem Tage Menschen hinweg, die ein Ende mit Schrecken einem Schrecken ohne Ende vorzogen.“14 Bei einem einzigen dieser Männer (Botschafter Hewel) waren Augenzeugen anwesend, als er sich tötete. Burgdorf, Müller und Schädle sind vermisst. Ihre Leichen wurden niemals aufgefunden.
Der sowjetrussische Ermittler Oberstleutnant Klausen hat zwei Kriegsgefangenen, dem Chefpiloten Hitlers, Generalleutnant Baur, und dem Chefdiener Hitlers, SS-Sturmbannführer Linge, im April 1946 sibyllinisch mitgeteilt, „... dass man viele Leichen gefunden habe...“15, ohne Namen zu nennen.
Der deutsche Autor Joachimsthaler schrieb: „Die Russen fanden in der Nähe des Bunkerausgangs im Garten der Reichskanzlei 13 bis 15 mehr oder weniger verbrannte und zerstörte Leichenüberreste.“16
Schauen wir uns das näher an. Wie viele und welche Leichen waren wirklich den beiden Luftschutzbunkern Hitlers zuzuordnen?
Natürlich lagen im Garten der Reichskanzlei offen oder vergraben zahlreiche Leichen von im Lazarett Verstorbenen, da lagen auch Leichen von Verteidigern der Reichskanzlei, welche im Gefecht oder durch Granateinschlag getötet wurden und da lag auch mindestens einer, der offensichtlich erschossen worden war: ein Hitlerdouble.
Unsere Untersuchungen betreffen die Leichen von Personen mit unmittelbarem Kontakt zum Führerbunker und zu Hitler, welche im Bunker oder vor dem Bunker gefunden worden sind, und ebenso jene, welche zum Umfeld Hitlers im Bunker gehörten, als tot gelten, deren Leichen aber nie gefunden wurden.
So wurden vier Leichen im Führerbunker entdeckt, sechs weitere Leichen wurden im Vorbunker gefunden (Kinderleichen). Vier Leichen wurden vor dem Bunker gefunden: Goebbels, vermutet die Frau von Goebbels; eine vergrabene Männerleiche, angeblich Hitler, und eine vergrabene Frauenleiche, angeblich Eva Hitler. Dazu kamen zwei vergrabene Hundekadaver (Hitlers Hündin Blondi und einer ihrer Welpen). Angeblich wurden zwei weitere männliche Leichen vor dem Bunker gefunden, die eine trug Hitlers, die andere Bormanns Uniform.
Nicht aufgefunden wurden dagegen die Leichen von General Burgdorf der sich im Bunker getötet haben soll; die Leiche von SS-Obersturmbannführer Schädle, der sich im Keller der Reichskanzlei das Leben genommen haben soll, die Leichen von SS-Adjutant Albrecht, von Gestapochef Müller sowie die von SS-Gruppenführer Fegelein, welcher von Hitlers Leibwache erschossen worden sein soll.
Tabelle 1: Leichen in und um den Führerbunker gefunden oder vermisst
Welche Leichen?
Leiche aufgefunden?
Leiche aufgefunden?
6 Kinderleichen
ja
-
Dr. Josef Goebbels
ja
-
Krebs
ja
-
Magda Goebbels
angeblich
-
Adolf Hitler
angeblich
-
Eva Braun
angeblich
-
Burgdorf
angeblich
-
Fegelein
-
nein
Gestapochef Müller
-
nein
FBK-Chef Schädle
-
nein
Was die Anzahl von Zeugen der Ereignisse betraf, so wird oft geglaubt, das müssten sehr viele gewesen sein, da Hitler ja einen großen Hofstaat gehabt habe. Dazu hat der Rittmeister Boldt beigetragen, der in seinem Buch behauptete, in und um den Bunker herum habe es 600 – 700 SS-Leute, Ordonnanzen, Schreibkräfte, Köche, Diener gegeben.17 Es waren aber in Wahrheit bei weitem nicht so viele. Die meisten davon befanden sich auch nicht im oder um den Führerbunker herum, sondern in den Kellern der Reichskanzlei. In den beiden Luftschutzbunkern Hitlers lebten nur Hitler und seine Partnerin, als Arzt Dr. Morell (zuletzt Dr. Stumpfegger) und der Chefdiener Linge. In den letzten Tagen kamen hinzu die Familie Goebbels (acht Personen). An den Eingängen zu den Bunkern und im Aufenthaltsraum am Ende des Führerbunkers befanden sich im Schichtwechsel einige RSD-Leibwächter und Leibwächter vom Führerbegleitkommando. Dazu kamen die Besucher, wie die zwei Sekretärinnen und die Diätköchin Hitlers, Hitlers Adjutanten sowie verschiedene Militärs jeweils zu den Lagebesprechungen. Selbst die häufig anwesenden Personen, wie Bormann, die Generale Krebs und Burgdorf, Staatssekretär Naumann, Vizeadmiral Voss, der persönliche SS-Adjutant Hitlers, Günsche, aber auch die Chefleibwächter Rattenhuber, Högl und Schädle, waren nur Besucher und schliefen alle in den Kellern der Reichskanzlei, nicht aber in einem der Bunker Hitlers.
Schon von daher war die Anzahl möglicher Zeugen gering. Hinzu kam natürlich, dass bei den einzelnen Ereignissen die Personen, die sich in den Bunkern befanden, nicht extra zusammen gerufen worden sind, um etwas beobachten zu können. Wie zum Beispiel bei dem Transport der angeblichen Hitlerleiche, als alles „ganz schnell“ ging und ganz leise, wie der Bunkertelefonist Misch berichtete, so war es auch in anderen Fällen, etwa als die Leichen der toten Generäle Krebs und Burgdorf aus dem Lagevorraum verschwanden, wie ebenfalls Misch berichtete.
Einige Merkwürdigkeiten um die aufgefundenen Leichen
An diesen zwei Tagen (02. und 03.05.1945) wurden also tatsächlich eine Reihe von Leichen gefunden und neun dieser Leichen, als zum Umfeld von Hitler gehörende Personen, wurden auch geborgen. Es handelte sich dabei um die acht Leichen der Goebbelsfamilie und um die Leiche des Generals Krebs.
Man könnte nun bei der Betrachtung der einzelnen Todesfälle ausgehen vom Auffundort der jeweiligen Leiche, man könnte aber auch ausgehen davon, wo sie sich tatsächlich oder angeblich das Leben genommen haben oder ermordet wurden.
Wir haben uns dafür entschieden, so vorzugehen, dass wir überwiegend die einzelnen Leichenfunde von ihrem Fundort ausgehend betrachten, also zunächst Leichen aus dem Führerbunker, dann Leichen aus dem Vorbunker, dann Leichen aus dem unmittelbaren Umfeld des Bunkers und schließlich die Leichen der Personen, von denen behauptet wurde, dass sie Selbstmord begangen hätten oder erschossen wurden, aber nicht auffindbar waren. Diese von uns gewählte Vorgehensweise lässt sich aber leider aus Gründen der zweckmäßigen Darstellung nicht zu einhundert Prozent realisieren.
Wir rufen noch einmal in Erinnerung, dass der Luftschutzbunker Hitlers aus zwei Teilen bestand, einmal aus dem Vorbunker, auf den man zunächst stieß, wenn man von den Kellern der Reichskanzlei aus Hitlers Luftschutzbunker betrat, dies war der alte Luftschutzbunker Hitlers.
Daran schloss sich der tiefer gelegene neue Luftschutzbunker Hitlers (Führerbunker) an, der ab Februar 1945 unfertig, wie er war, in Benutzung genommen wurde.
Aus dem Führerbunker gelangte man über vier Treppenabsätze zum Notausgang des Bunkers, der in den Garten der Reichskanzlei führte. Es gab noch einen zweiten Ausgang zum Garten, der lag aber noch vor der Eingangstür des Vorbunkers.
Was die Räumlichkeiten betrifft, so werden sie auf allen bekannten Darstellungen weitgehend richtig aufgezeigt, nur die Zuordnung der Türen zu den Räumen stimmt in einigen Fällen nicht. Hier gilt es zu erwähnen, dass es nach dem Krieg nicht gelungen ist, die Originalbaupläne für den Führerbunker zu finden.20 Allerdings ist die Zuordnung der Räume zu bestimmten Personen, die darin wohnten oder sie in den letzten Apriltagen 1945 zeitweilig nutzten, praktisch in jeder Darstellung anders und oft völlig falsch.
Die meisten Autoren haben entweder die falschen Zeugen zur Befragung gehabt oder sich von den Zeugen belügen lassen oder einfach selbst die erhaltenen Informationen nicht richtig erfasst und zu einem stimmigen Bild verarbeitet. Das betraf sowohl die Räumlichkeiten im Führerbunker und im Vorbunker, als auch die Belegung dieser Räume. So schrieben die Autoren Fraenkel und Manvell: „Zu den übrigen Bewohnern des Bunkers gehörten Goebbels’ Adjutant Günther Schwägermann, und Dr. Ludwig Stumpfegger ... außerdem Hitlers Adjutant, sein Kammerdiener, seine zwei Sekretärinnen und der für Hitlers vegetarische Diät zuständige Koch. Bormann hatte einen Separatbunker in allernächster Nähe.“21
Richtigstellung: Die Adjutanten von Hitler (Günsche) und Goebbels (Schwägermann) waren zwar meist im Führerbunker bei ihren Chefs, sie hatten aber ihren Schlafplatz weit weg, im Keller der Reichskanzlei. Das trifft auch auf die beiden Sekretärinnen Hitlers (Christian und Junge) zu. Einen Koch für Hitlers vegetarische Mahlzeiten gab es nicht. Diese Aufgabe hatte die Diätköchin Manziarly. Ob sie einen Schlafplatz in der Diätküche hatte ist unbekannt aber wenig wahrscheinlich. Sie wird aber möglicherweise in den letzten Tagen an ihrem Arbeitsplatz geschlafen haben, so wie das auch der Bunkertelefonist und die beiden Sekretärinnen (auf Matratzen im Lageraum) taten. Martin Bormann hatte keinen separaten Bunker. Er war im Keller der Reichskanzlei untergebracht, zusammen mit Gruppenführer Rattenhuber, Standatenführer Betz, Polizeirat Högl, General Baur. „Die Räume waren notdürftig mit Pappwänden voneinander getrennt.“22
Die auf den Folgeseiten zu sehende Darstellungen sind nicht maßstabgerecht und dient nur der Visualisierung für die Leser zum besseren Verständnis.
Wir empfehlen, zum Verständnis der Raumaufteilung und der Zuordnung bestimmter Personen zu den Räumen durch uns, das „Dossier Raumaufteilung“ zu lesen.
Abbildung 1: Raumaufteilung Führerbunker
Hier anschließend der Vorbunker, wenige Meter höher gelegen und über eine Wendeltreppe zu erreichen.
Die Darstellung ist nicht maßstabsgerecht und dient nur der Visualisierung für die Leser zum besseren Verständnis.
Abbildung 2: Raumaufteilung Vorbunker
Es folgte hier eine Stahltür, welche den Vorbunker zum Gang abtrennte, welcher in den Keller der Reichskanzlei führte bzw. auch zu einem weiteren Gartenausgang.
Die Darstellung ist nicht maßstabsgerecht und dient nur der Visualisierung für die Leser zum besseren Verständnis.
Zeugen in dieser Sache
Oberstleutnant Klimenko (sowjetischer Offizier des SMERSCH)
*
Auf einer am 06.06.1945 einberufenen Pressekonferenz des Oberkommandos der Sowjettruppen in Deutschland, einberufen für die Kriegskorrespondenten der Westalliierten, wurde aber erklärt, man habe am 03. und 04.05. 1945 im Führerbunker vier „rauchgeschwärzte und verkohlte“ Leichen gefunden. Diese Leichen seien durch Flammenwerfer im Korridor, also im Mittelgang, auch Lagevorraum genannt, verbrannt worden.23
In allen späteren Dokumenten und Verlautbarungen sowie in den Aussagen der Zeugen wurde das so nicht wieder dargestellt. Alle im Führerbunker Verstorbenen waren danach angeblich außerhalb des Bunkers aufgefunden worden. Zudem war der Führerbunker bereits am 02.05.1945 zunächst durch Angehörige der Front des Marschalls Konjew und danach von Geheimdienstlern der Front des Marschalls Schukow durchsucht worden.
Dass die im Bunker gefundenen Leichen „stark verkohlt gewesen“ seien, soll, wie weiter oben bereits erwähnt, am Einsatz von Flammenwerfern der Russen gelegen haben. Der Cheftechniker Hentschel, der behauptete, bis zu seiner Gefangennahme im Bunker geblieben zu sein, hat zwar in der ganzen Nacht keine Sowjetsoldaten mit Flammenwerfern im Bunker gesehen, aber der Sowjetmajor Polewoi hat später berichtet, dass er erst den Bunker betreten habe, nachdem der von eigenen Leuten auf Sprengfallen geprüft und vor einem Angriff durch Verteidiger gesäubert worden sei.24
Ungeklärt:
Wenn die Russen aber nicht unter dem Einsatz von Flammenwerfern in die beiden Luftschutzbunker Hitlers eingedrungen waren, und so die Brandspuren und verbrannten Leichen hinterließen, dann wären dies die Deutschen selbst gewesen. Die Autoren Fraenkel und Manvell schrieben in ihrer Goebbelsbiografie, dass Goebbels am Abend des 01.05.1945 „... den Befehl hinterlassen (habe), dass der Bunker zu zerstören sei.“25 Dementsprechend befahl der Kampfkommandnat der „Zitadelle“, SS-Brigadeführer Mohnke, dem Adjutanten von Goebbels, SS-Hauptsturmführer Schwägermann, er solle mit seinen Leuten den Bunker in Brand setzen.26 „Sie gossen eine übrig gebliebene Kanne Benzin im Konferenzzimmer aus und zündeten es an. Dann verließen sie den Führerbunker, denn es war nun 21.00 Uhr und der Massenausbruch aus der Neuen Reichskanzlei sollte beginnen.“27
Der Cheftechniker Hentschel, der als Allerletzter im Bunker verblieben war, bestätigte dies, in dem er nach dem Krieg dem Bunkertelefonisten Misch, der den Führerbunker nach dem großen Ausbruch aus der Reichskanzlei mit großem zeitlichen Abstand zu den anderen als Letzter lebend verließ, berichtete, dass die Mitarbeiter von Goebbels auf Befehl von SS-Brigadeführer Mohnke versucht hatten, den Bunker in Brand zu setzen.28 Demnach wäre Hentschel entlastet. Er hätte gar keine sowjetischen Flammenwerfer in Aktion sehen können, weil die nicht zum Einsatz kamen. Wären sie zum Einsatz gekommen, dann hätte er selbst auch nicht überlebt.
Die Leichen wurden also von den eigenen Leuten befehlsgemäß in Brand gesetzt (Ehepaar Goebbels) oder das waren „Kollateralschäden“ beim Versuch sämtliche Spuren von Hitler im Bunker zu vernichten.
Die Russen hatten auf der Pressekonferenz vom 06.06.1945 berichtet, man habe im Bunker sogar vier Leichen gefunden, „die einige Ähnlichkeit mit Hitler“ gehabt hätten.29 Möglich ist alles. So könnte man durchaus den Gedanken fassen, dass Gestapochef Müller, der noch einen Tag nach Hitlers offiziellem Tod mit seinen Leuten in der Reichskanzlei und sogar im Führerbunker anwesend war, die Doppelgänger Hitlers in den Bunker hat bringen lassen, um sie zu töten und die Eroberer zu verwirren. Aber wir glauben nicht wirklich an ein „Familientreffen“ der Doppelgänger Hitlers im Führerbunker.
Lassen wir die Behauptung der Russen, dass die aufgefundenen vier „rauchgschwärzten und verkohlten“ Leichen „einige Ähnlichkeit mit Hitler“ gehabt hätten, beiseite und gehen davon aus, dass die Leiche Hitlers darunter gewesen und mit ziemlicher Sicherheit identifiziert worden sei.30 Wer sollen dann die anderen drei Leichen gewesen sein?
Zwei der verbrannten Leichen hätten Goebbels und seine Frau gewesen sein können, denn diese wurden ja unten im Führerbunker durch Schwägermann und zwei andere Leute aus Goebbels Stab in Brand gesetzt.31 Wenn auch die Leiche der Frau Goebbels nicht wirklich identifiziert werden konnte, so war doch die Leiche ihres Mannes als solche erkannt worden.
Es bleiben also weiterhin drei Leichen, von denen man nicht weiß, wer sie waren. Zwei der männlichen Leichen hätten Krebs und Burgdorf gewesen sein können. Wer aber hätte diese in Brand gesetzt? War das geschehen, als der Goebbelsadjutant Schwägermann auf Befehl von Goebbels und von Brigadeführer Mohnke Hitlers Räume in Brand setzen sollte? Außerdem wurde die Leiche von General Burgdorf vermutlich überhaupt nicht gefunden.
Tabelle 2: Die Leichen im Führerbunker
Leiche von
Wo gefunden?
Erkennbar?
Zeugen
vier „Hitlerleichen“
im Führerbunker
„einige Ähnlichkeit mit Hitler“
Sowjet-Quellen
32
darunter: erste
Korridor
angeblich als Leiche
„Hitlerleiche“
des Bunkers
Hitlers identifiziert
zweite „Hitlerleiche“
keine konkrete Angabe, wo im Führerbunker
„einige Ähnlichkeit mit Hitler“
dritte „Hitlerleiche“
keine konkrete Angabe, wo im Führerbunker
„einige Ähnlichkeit mit Hitler“
vierte „Hitlerleiche“
keine konkrete Angabe, wo im Führerbunker
„einige Ähnlichkeit mit Hitler“
fünfte „Hitlerleiche“
im Führerbunker
von Kugeln durchlöchert, offensichtlich zu Tode geprügelt
Sowjet-Quellen
33
Goebbels
im Führerbunker
ja
Sowjet-Quellen u. deutsche Zeugen.
34
,
35
36
Goebbels Frau
nicht wirklich
General Krebs
“im Hof“, vermutlich „Ehrenhof“ der RK
37
erkennbar
Rshewskaja-Kagan
38
im Korridor des Vorbunkers
angeblich erkennbar
Polewoi
39
im Bunker (keine konkrete Angabe)
angeblich erkennbar
Klimenko
40
Lageraum des Führerbunkers
erkennbar
Katukow
41
Misch
42
im Mittelgang (Lagevorraum)
erkennbar
Misch
43
General Burgdorf
im Vorbunker
angeblich identifiziert anhand von Papieren
Polewoi
44
Im folgenden Abschnitt werden wir uns mit den Leichen näher beschäftigen, welche im Führerbunker lagen oder von dort stammten.
Eine unglaubliche Zahl.
Wir werden in diesem Abschnitt nur Informationen zu den ersten fünf „Hitlerleichen“ näher betrachten. Die anderen „Hitlerleichen“ wurden außerhalb des Bunkers gefunden und wir kommen deshalb im entsprechenden Kapitel darauf zurück.
Die „Hitlerleichen“ eins bis vier
Allein deshalb ist es schon nachzuvollziehen, dass sie jede sich dafür anbietende Leiche als die von ihnen entdeckte Hitlerleiche meldeten. Wenn die eine nicht überzeugend genug war, dann musste die nächste her. Und deshalb sprachen sie auch davon, dass sie die „verdächtigen“ Leichen „versuchsweise“ als die Hitlers untersuchten.46
Am 03. und 04.05.1945 sollen, wie bereits angeführt, laut Informationen auf einer Pressekonferenz der sowjetischen Militärführung in Berlin für Kriegskorrespondenten der Westalliierten, welche am 06.06.1945 stattfand, im Korridor des Bunkers vier angeblich mit Flammenwerfern in Brand gesetzte Leichen gefunden worden sein. Eine der rußgeschwärzten und verkohlten Leichen soll die Hitlers gewesen sein.47
Passend dazu wurde schon am 04.05.1945 in der Sowjetpresse erwogen, dass Hitlers Leiche wohl bei dem Feuer, welches im Bunker gewütet habe, verbrannt sei. Von dieser angeblich im Führerbunker verbrannten „Hitlerleiche“ hat man dann später nie wieder etwas gehört.
Merkwürdig ist auch, dass diese Leichen erst am 03./04.05.1945 gefunden sein sollen, obwohl der Bunker bereits am 02.05.1945 durchsucht worden war.
Die fünfte „Hitlerleiche“
Diese Leiche wird jedenfalls nicht zu den verbrannten vier Leichen gehört haben, denn davon war keine Rede. Und auf jeden Fall gehörten der Fahrer und das Dienstmädchen nicht zu den Personen, die entsprechend gebrieft worden waren, zu behaupten, dass Hitler tot sei.
Zeugen in dieser Sache
Oberstleutnant Klimenko (sowjetischer Offizier des SMERSCH)
Die Generale Krebs (Generalstabschef des Heeres) und Burgdorf (Personalchef des Heeres und Hitlers Wehrmachtsadjutant) verkündeten offensichtlich am 30.04. und am 01.05.1945 zu verschiedenen Gelegenheiten, und gegenüber unterschiedlichen Personen, dass sie sich nicht am Ausbruch beteiligen würden und statt dessen ihrem Leben im Bunker ein Ende zu setzen gedächten.
Von den oben gelisteten angeblichen oder auch tatsächlichen Zeugen war Polewoi, obwohl seine schriftstellerischen Arbeiten ihn als einen „Märchenerzähler“ auswiesen, der Einzige, der kein Interesse an irgendeiner Vertuschung zu haben schien.
Baur, Mohnke, Günsche und Junge haben nur die Absicht der beiden Generäle von diesen vernommen, sich umzubringen, aber weder einen Selbstmord beobachtet, noch eine Leiche gesehen.
Von den Autoren von „Katakombe“ wurde ohne Angabe von Quellen behauptet: „Die Generale Burgdorf und Krebs hatten ihre Absicht, sich im Bunker zu erschießen, schon nach dem Nervenzusammenbruch Hitlers am 22. April geäußert. Sie wollten ‚einen soldatischen Tod’ sterben.“49
Als sich der SS-Brigadeführer Mohnke, vor dem Ausbruch ein letztes Mal in den Führerbunker begab, um sich von Burgdorf und Krebs zu verabschieden, wieder-holten sie diese Absicht: „Beide erklärten mir, für sie sei das nun schon der zweite verlorene Krieg; sie wollten eine Niederlage nicht noch einmal erleben und würden im Bunker bleiben, um Schluß zu machen.“50
Der Chefpilot Hitlers, Generalleutnant Baur, berichtete, dass der General Burgdorf an ihn herangetreten sei, mit der Bitte, dass Baur ihn erschießen möge. „Da ich aber ablehnte, zum Mörder an ihm zu werden, wofür seine Frau und seine vier Kinder mich für immer verfluchen würden, hat auch er durch Freitod sein Leben beendet. Desgleichen General Krebs ...“51 Wohlgemerkt: Baur hat davon nichts gesehen, er sah weder die Leiche von Burgdorf, noch die von Krebs. Er hörte davon erst viel später davon, nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft.
Misch wäre demnach der einzige deutsche Zeuge gewesen, welcher die Leichen der beiden Generäle gesehen hätte. Misch log aber vermutlich. Misch’s Märchenerzählungen, auch zu anderen Ereignissen in den letzten Tagen im Führerbunker, haben wir in dem „Dossier Misch“ dokumentiert.
Die sowjetische Geheimdienstlerin Rshewskaja hat auch vieles nur gehört, war aber selbst nicht dabei. Sie begleitete nämlich als Dolmetscherin den Vorgesetz-ten von Oberstleutnant Klimenko, Oberst Gorbuschin, welcher immer erst auf der Bildfläche erschien, wenn die anderen Offiziere die Aufgaben bereits gelöst hatten, bzw. der sich danach berichten ließ.
Der Cheftechniker Hentschel, welcher aufgrund seines angeblichen Aufenthaltes in den beiden Luftschutzbunkern Hitlers bis zuletzt, als die Russen eindrangen, hätte Auskunft geben können, betonte ausdrücklich, dass er die Leiche von General Krebs nicht gesehen habe. Burgdorf erwähnte er überhaupt nicht: „Nein, die Leichen von General Krebs und Oberst Schädle habe ich nicht gesehen.“52
Was über das Ende von Krebs und Burgdorf berichtet wurde, war alles sehr widersprüchlich. Die beiden Generäle sollen davon gesprochen haben, sich im Bunker, aber auch im Ehrenhof der Reichskanzlei töten zu wollen. Sie sollen sich dann tatsächlich entweder im Führerbunker oder aber im Vorbunker oder aber auch außerhalb des Bunkers umgebracht haben. Sie sollen es entweder mit Hilfe ihrer Handfeuerwaffen oder aber mit Giftkapseln getan haben. Die Leichen sollen angeblich im Vorbunker, aber auch im Führerbunker und schließlich auch im Hof bzw. im Garten der Reichskanzlei aufgefunden und – was die Krebs-Leiche betraf – geborgen worden sein. Die Leiche von General Burgdorf soll vermisst oder aber gefunden worden sein.
Sehen wir uns die Zeugenaussagen an (Hervorhebungen durch den Hrsg.).
Die Hitlersekretärin Junge wartete am 01.05.1945, mit anderen im Lagevorraum des Führerbunker sitzend, auf den gemeinsamen Ausbruch aus der Reichskanzlei. Sie schrieb später: „Krebs und Burgdorf stehen auf aus der Runde, ziehen ihre Uniformröcke glatt, reichen jedem die Hand zum Abschied. Sie wollen nicht fort, sondern sich
hier
erschießen. Dann gehen sie
hinaus
und sondern sich ab von denen, die noch länger warten wollen.“
53
Wohin gingen die beiden Generale? Wenn sie hinauf in den Vorbunker gegangen wären, dann hätte Frau Junge nicht geschrieben „... gehen sie hinaus“, denn dann wären die im Gegenteil „hinauf“ gegangen. Wenn die Generale zur Treppe des Gartenausganges gegangen wären, dann wären sie wohl „hinauf“ oder „hinaus“ gegangen. Aber so war es mit Sicherheit nicht. Außerdem hat der Bunkertelefonist ja berichtet, dass die beiden Generale noch lange nachdem die anderen Personen, die sich am Ausbruch beteiligten, weggegangen waren, im Lagevorraum gesessen hätten.
Als der SS-Brigadeführer Mohnke vor dem Ausbruch ein letztes Mal im Führerbunker war, um sich von Burgdorf und Krebs zu verabschieden, sagten ihm die Generäle: „... sie ... würden
im Bunker
bleiben, um Schluß zu machen.“
54
Der Hitleradjutant Günsche sagte über Krebs und Burgdorf: „Sie wollten nicht an dem Ausbruchsversuch teilnehmen, sondern sich
im ‚Ehrenhof’
erschießen, wenn die Russen in die Reichskanzlei eindrangen.“
55
Wie zum Ort des Suizides der beiden Generale, so gab es auch zum Zeitpunkt widersprüchliche Angaben (Hervorhebungen durch den Hrsg.).
Hitleradjutant Günsche behauptete, er habe sich
um 22:00 Uhr
„... von Hitlers Flügeladjutanten Burgdorf und dem Generalstabschef des Heeres, Krebs“, verabschiedet.
56
Der Bunkertelefonist Misch hat hierzu sehr unterschiedliche Aussagen gemacht. Auf die Frage der Autoren von „Katakombe“: „Wann sahen Sie die beiden Generale zuletzt?“, antwortete er: „Nach dem Tod des Ehepaares Goebbels. Ich sah sie im Kartenzimmer sitzen; Flaschen und Gläser standen auf dem Tisch.“
57
Mit „Kartenzimmer“ meinte Misch den Lageraum. Dabei erwähnte er nicht, dass die beiden Generale tot gewesen wären. In seinem später geschriebenen Buch schrieb er zunächst auch, dass Krebs und Burgdorf zu der Zeit, als oben der Ausbruch begann (21:30 Uhr), im Mittelgang (Lagevorraum) zechten, er hörte sie auch reden, konzentrierte sich aber auf seine Arbeit. Allerdings behauptete er dann, dass er gegen 22:00 Uhr den General Krebs gesucht habe, weil ein Anruf für diesen eingegangen war. „Als ich auf den Flur trat, bemerkte ich, dass beide, Krebs und Burgdorf, noch auf den Cocktailsesseln im Mittelgang saßen ... Krebs und Burgdorf waren beide tot ... Ich hatte keinen Schuss gehört. Sie mussten sich vergiftet haben, keine fünf Meter von mir.“58
Und eines lässt ebenfalls aufhorchen. Misch schrieb nämlich: Ohne noch mal hinzuschauen drehte ich mich um und machte bei Goebbels Meldung.“59 Goebbels aber soll zu der Zeit nach den Aussagen mehrerer Zeugen und auch nach Mischs eigener Aussage, schon tot gewesen sein: „Nach dem Tod des Ehepaares Goebbels.“, so sagte er an anderer Stelle, habe er die beiden Generale gesehen.60
Noch verrückter wird es, wenn man die Aussage des Hitler-Leibwächters Karnau vom RSD liest. Dieser sagte nämlich aus, dass er am Abend des 01.05.1945, kurz vor dem Ausbruch, im Bunker nur noch seinen Vorgesetzten, den Kriminalrat Högl angetroffen habe. Sonst wäre niemand mehr dort gewesen.
61
Wo waren die Generale Krebs und Burgdorf, wo war Gestapo-chef Müller? Wo waren Misch und Hentschel?
Ungeklärt:
Keiner von den erwähnten Zeugen hat die Leichen der beiden Generale gesehen. außer Misch. Er war der einzige der behauptete, sie gesehen zu haben. So blieb der Suizid der Generale im Bunker fester Bestandteil der Geschichtsschreibung, obwohl er nicht bewiesen war.
Wurden die Generalsleichen überhaupt gefunden?
Major Polewoi behauptete, er habe beide Leichen64, die von Krebs und die von Burgdorf gesehen.
Was General Burgdorf betraf, so wurde diese vermutlich nicht gefunden.
Während Misch die beiden Generale etwa um 22:00 Uhr angeblich tot im Lagevorraum sitzen sah, später, als er den Führerbunker endgültig verließ, aber nicht mehr, was er sich so erklärte, dass vermutlich RSD-Angehörige die Leichen nach oben vor den Bunker geschafft haben könnten, wurden sie Stunden später dann aber von den Russen doch im Führerbunker gefunden?
Was war da wirklich geschehen?
Der Journalist Cornelius Ryan erfuhr von dem sowjetischen Geheimdienstoffizier Boris Polewoi, der zusammen mit einem Begleiter noch vor den Geheimdienstlern der SMERSCH den Bunker betreten hatte, die beiden Generale hätten mit Schusswunden im Korridor des Vorbunkers an einem langen Tisch voller Flaschen und Gläser gesessen. Sie wurden angeblich anhand ihrer Papiere identifiziert.
65
Ryan schrieb: „... man identifizierte sie an Hand von Papieren, die man in ihren Uniformen fand.“
66
Die Autoren von „Katakombe“ schrieben dagegen, zumindest Krebs sei anhand seines Soldbuches identifiziert worden.
67
Da Misch, der in der Nacht durch den Vorbunker zum Keller der Reichskanzlei lief, um den Stunden vor ihm Aufgebrochenen zu folgen, nicht davon berichtete, die Generalsleichen im Vorbunker gesehen zu haben, muss man annehmen, dass Polewoi gelogen oder sich falsch erinnert hat, oder dass der Autor Ryan etwas durcheinander gebracht hat. Die alternative Betrachtung wäre anzunehmen, dass der Bunkertelefonist Misch, der behauptete, die beiden Generale hätten sich im Lagevorraum des Führerbunkers, in Cocktailsesseln sitzend, das Leben genommen, wie in vielen anderen Fällen sich etwas zusammenfantasiert hat, was ihn und sein Buch interessant machen sollte. Im Lagevorraum gab es keinen langen Tisch.
Auch hätte der Cheftechniker Hentschel die Leichen im Vorbunker sehen müssen, denn er hielt sich überwiegend im Vorbunker auf.
Hentschel sagte später: „Nein, die Leichen von General Krebs ... habe ich nicht gesehen.“68
Die Rshewska, Dolmetscherin einer Geheimdienstabteilung der Sowjetarmee, berichtete, die Leiche von General Krebs sei im Hof gefunden worden. Er habe sich vergiftet.
69
„Im Hof ist General Krebs entdeckt und identifiziert worden. Vom graugrünen Uniformrock hingen die Schulterstücken. Auch er hatte sich vergiftet.“
70
Der Oberstleutnant Klimenko, Offizier der selben Geheimdienstabteilung, behauptete, dass die Leiche von General Krebs im Bunker geborgen worden sei.
71
Sowjetgeneral Katukow behauptete in seinem 1979 in deutscher Sprache erschienenen Buch, dass die Leiche von General Krebs in einem der Räume, also nicht im Korridor, Flur, Vorraum oder wie der Lagevorraum auch immer bezeichnet wurde, gefunden worden sei.
72
Katukow und weitere Generale waren zwar einen Tag nach Polewoi in den Bunker gekommen, aber es ist doch sehr fraglich, weshalb die Leiche von Krebs aus dem Lagevorraum in einen der Räume gebracht worden sein sollte, anstatt nach oben.
Der Telefonist Misch berichtete: „... bemerkte ich, dass ... Krebs und Burgdorf, noch auf den Cocktailsesseln im Mittelgang saßen ...“ und zwar tot.
73
Es handelte sich um den Führerbunker.
Misch schrieb weiter: „Als ich später auf den Flur trat, hatten RSD-Angehörige die Leichen von Krebs und Burgdorf hinausgebracht, wahrscheinlich über den Notausgang in den Garten.“74 Das war allerdings nur eine Vermutung von Misch, um sich das Verschwinden der beiden Leichen zu erklären.
Ungeklärt:
Es wurde eine aufgefundene Leiche als die von Krebs betrachtet und in Berlin-Buch obduziert. In der Obduktionsakte Nr. 7 (General Krebs) wurde keine Schusswunde erwähnt und dokumentiert, dass zwar in der Mundhöhle keine Glassplitter gefunden wurden, dass aber bei der Öffnung des Hirns und bei der Öffnung der inneren Organe deutlicher Bittermandelgeruch habe festgestellt werden können.79
Nach der Erinnerung des sowjetischen Frontkameramannes Schneiderow war die Leiche von Krebs nicht verbrannt. „... man konnte ihn unschwer identifizieren.“80 Allerdings hat Besymenski ein Foto einer ganz offensichtlich zumindest durchgehend oberflächlich verbrannten Leiche als die des Generals Krebs präsentiert.81 Das ist alles sehr merkwürdig und zeigt allein schon am Beispiel der angeblichen Leiche des Generals Krebs, wie widersprüchlich auch die Ermittlungsergebnisse der Hitlerjäger zu anderen Personen als zu Hitler waren.
Stalin hatte immer die Informationen durch mehrere Geheimdienste zur Verfügung. Und alle Informationen zusammen werden zu dieser Auffassung Stalins geführt haben.
Stalins Einschätzung, dass Hitler nicht tot sei, wurde oft von Autoren dahingehend eingeschätzt, dass er wohl mit der angeblich haltlosen Behauptung von Hitlers Überleben die internationale Jagd nach diesem aufrechterhalten wollte, um ein Wiedererstarken des Nationalsozialismus zu verhindern. Bei Krebs wäre diese Einschätzung völlig daneben gewesen. Krebs war keiner der ganz Großen des Nationalsozialismus. Er war General einer Waffengattung und erst in den letzten Tagen Generalstabschef des Heeres geworden.
Merkwürdig war, dass Burgdorf, dessen Leiche vermutlich nicht gefunden wurde, am Abend noch betrunken bei dem Reichsrundfunkchef Fritzsche gewesen sein soll, um ihn zu erschießen, da dieser als Zivilist den Russen die Kapitulation anbieten wollte. Er erzeugte dabei großes Aufsehen. War das beabsichtigt? Gab es für Burgdorf und Müller (und vielleicht auch Krebs) einen besseren Weg heraus, als den, den alle Ausbrechenden gingen? Man bedenke: Krebs wurde nur anhand der Papiere identifiziert. Zu Burgdorf wurde Widersprüchliches ausgesagt, ob seine Leiche gefunden
worden sei und ob diese Leiche identifiziert werden konnte. Die Leiche des Gestapochefs Müller übrigens ebenfalls nicht. Überraschend für jeden, der sich mit den örtlichen Verhältnissen im Regierungsviertel vertraut gemacht hat, da es keinen unterirdischen Gang von der Reichskanzlei in das Propagandaministerium gab, ist es auch, dass der betrunkene General Burgdorf unbeschadet über die Straße gekommen sein soll, wo doch mehrere Melder von RJF Axmann, die zur Reichskanzlei hinübermussten, reihenweise verletzt wurden! Auf jeden Fall ist die angebliche Leiche des Generals Krebs gefleddert worden: Stiefel und Gürtel wurden geraubt. Und das wohl durch sowjetische Soldaten, die er-bärmlich ausgestattet waren und Gürtel und Stiefel gut gebrauchen konnten. Erstaunlich ist außerdem noch die Tatsache, dass der Bunkertelefonist Misch angeblich die Leichen von Krebs und Burgdorf im Führerbunker sah, während Hentschel, der sich ja bis zuletzt im Führerbunker befand, Burgdorf überhaupt nicht erwähnte und ausdrücklich betonte, dass er die Leiche von Krebs nicht gesehen habe.84
Ungeklärt:
Im Protokoll zur Obduktion der angeblichen Leiche von General Krebs wurde wegen mehrerer Wunden und Blutergüsse am Kopf des Generals vermutet, dass sie beim Sturz des in Agonie befindlichen Körpers zustande gekommen seien. Rochus Misch hatte aber berichtet, dass die beiden Generale Krebs und Burgdorf tot in den Sesseln im Lagevorraum des Führerbunkers gesessen hätten! Krebs war also nicht gestürzt.
Wie war es zu den Wunden am Körper des Generals Krebs gekommen?
Fazit
Es gab mehrere Zeugen, die etwas aussagen konnten zur verkündeten Absicht der beiden Generale, einen Suizid zu begehen. Es gab nur einen einzigen deutschen Zeugen, der die beiden Generale im Führerbunker tot gesehen haben will. Dieser Zeuge ist aufgrund zahlloser Lügen und Falschdarstellungen unglaubwürdig (siehe „Dossier Misch“).
Tabelle 3: Was die Zeugen angeblich gesehen, gehört oder erlebt haben
Zeuge hat von den Generalen gehört, dass sie sich umbringen wollten
Zeuge hat Krebs als Leiche gesehen
Zeuge hat Burgdorf als Leiche gesehen
Tod von Krebs durch Gift oder Kugel
Tod von Burgdorf durch Gift oder Kugel
Baur
85
nein
nein
-
-
Mohnke
nein
nein
-
-
Günsche
nein
nein
-
-
Junge
86
nein
nein
-
-
Misch
87
Misch
88
Misch: Tod durch Gift
89
Misch: Tod durch Gift
90
Polewoi
91
Polewoi
92
Polewoi Tod durch Kugel
93
Polewoi Tod durch Kugel
94
Rshewskaja Tod durch Gift
95
Klimenko
96
Zeugen in dieser Sache
Oberstleutnant Klimenko (sowjetischer Offizier des SMERSCH)
Der Tod des Ehepaares Goebbels – ein weiteres Element in dem Verwirrspiel „Das Ende im Führerbunker“
Der Tod der Familie Goebbels ist ein Geschehnis, das ebenso verworren und nebulös ist, wie die ganze durch Zeugenaussagen dargestellte Szenerie der letzten Tage im Führerbunker der Reichskanzlei.
Was ist definitiv sicher?
Sicher ist, dass der Reichsminister für Propaganda und Volksaufklärung und Gauleiter von Berlin, Dr. Joseph Goebbels, bereits zwei, drei Wochen vor seinem Ende erklärte, selbst wenn Hitler Berlin verlasse, ... wolle er selber sein Ende in Berlin finden.“97
Sicher ist, dass am 02.05.1945 eine angesengte männliche und eine angesengte weibliche Leiche vor dem Führerbunker liegend aufgefunden wurden. Im Protokoll zur Auffindung der Leichen, welche als die von Dr. Joseph Goebbels und seiner Frau Magda galten, heißt es: „Am 2. Mai 1945 wurden um 17 Uhr im Zentrum von Berlin, auf dem Gelände des Bunkers der Reichskanzlei, einige Meter vom Eingang entfernt, von Oberstleutnant Klimenko, den Majoren Bystrow und Chasin im Beisein Berliner Bürger – der Deutschen Lange, Wilhelm, Koch der Reichskanzlei, und Schneider, Karl, Garagenwart der Reichskanzlei – die verkohlten Leichen eines Mannes und einer Frau gefunden. Der Mann war von niedrigem Wuchs, sein rechter Fuß gebogen (Klumpfuß) und mit einer Metallprothese versehen, er trug die verkohlten Reste einer Parteiuniform der NSDAP und ein goldenes Abzeichen mit Brandspuren.“98
Die männliche Leiche wurde von zwanzig Zeugen99 (darunter Voss, Fritzsche, Schneider, Lange, Ziehm) als die Leiche von Dr. Joseph Goebbels identifiziert, während die weibliche Leiche nur zwei Zeugen (Voss, Schneider) zur Identifizierung gezeigt wurde, welche diese auch, wie erwartet, als Goebbels Frau, Magda Goebbels, identifizierten, obwohl sie als solche nicht wirklich erkennbar war.
Vor der Obduktion wurde die männliche Leiche am Abend des 02.05.1945 noch fotodokumentarisch erfasst: „Goebbels Leiche wird auf die Straße getragen. Ein schwarzes, verkohltes Gesicht. Die Parteiuniform hängt in Fetzen, das Feuer hat brandige Spuren hinterlassen, aber nicht seine Aufgabe erledigt. Es wird gefilmt für die Chronik und für das Filmarchiv.“100
Sicher ist auch, dass die Russen sechs Kinderleichen fanden, welche als die Leichen der Goebbelskinder angesehen wurden, nachdem zwei Zeugen sie als diese identifiziert hatten.
Es deutet einiges darauf hin, dass die Zeugen, welche die Leichen identifizieren mussten, nur Dr. Goebbels wirklich guten Gewissens identifiziert haben.
In der folgenden Tabelle haben wir alle Zeugen aufgeführt, die den Krieg überlebt haben und sich zum Ende von Magda und Joseph Goebbels geäußert haben.101
Auffallend widersprüchlich sind die Aussagen, die zum Zeitpunkt der Selbsttötung, zum Ort der Selbsttötung, zum Auffindungsort der Leichen und zum Zustand der Leichen von Dr. Joseph und Magda Goebbels gemacht wurden.
Tabelle 4: Die Glaubwürdigkeit der Zeugen für den Tod des Ehepaares Goebbels
Name des Zeugen bzw. angeblichen Zeugen
Glaubwürdigkeit
Dr. Naumann (Staatssekretär im Propagandaministerium)
Zeuge hat mehrfach gelogen.
SS-Hauptsturmführer Günther Schwägermann (Adjutant von Goebbels)
Zeuge hat mehrfach gelogen
SS-Brigadeführer Wilhelm Mohnke (Kampfkommandant der Reichskanzlei)
Zeuge hat mehrfach gelogen
Vizeadmiral Voss (Verbindungsmann Hitlers zu Dönitz)
bedingt glaubwürdig
SS-Sturmbannführer Otto Günsche (SS-Adjutant Hitlers)
Zeuge hat mehrfach gelogen
SS-Oberscharführer Rochus Misch (Bunkertelefonist)
Obwohl direkt im Nebenzimmer anwesend konnte Misch nur vom Hörensagen berichten. Zeuge hat zudem mehrfach gelogen und erzählte Märchen
SS-Gruppenführer Hans Baur (Chefpilot Hitlers)
Hat in anderen Zusammenhängen oft gelogen.
Johannes Hentschel (Cheftechniker in Hitlers Luftschutzbunkern)
Zeuge hat mehrfach gelogen und erzählte vermutlich Märchen
Frau Traudl Junge (eine Hitlersekretärin)
Frau Junge hatte Erinnerungslücken und erzählte Märchen
SS-Hauptsturmführer Schneider (Garagenmeister der RK)
bedingt glaubwürdig
Lange (Koch in der RK)
bedingt glaubwürdig
Major Boris Polewoi (sowjetischer Offizier)
Sah angeblich am 02.05.1945 beide Leichen bei den toten Kindern.
Leutnant Rshewskaja (Dolmetscherin)
Und daraus resultieren dann natürlich diverse Vermutungen über das Ende der Familie Goebbels, zu denen auch die Darstellung des Autors Vladimir Brjuhanov gehört. Der vermutlich in Deutschland lebende Autor hat in seinem unveröffentlichten Manuskript „Hinter den Kulissen der vermeintlichen Selbsttötung Hitlers“ über das Schicksal der Familie Goebbels folgende Vermutungen angestellt:
•
Erstens: Das Ehepaar Goebbels hat sein Leben geopfert, um die Leben der Kinder zu retten. Das war der Deal.
•
Zweitens: Das Ehepaar Goebbels starb in dem Glauben, dass die Kinder gerettet würden.
•
Drittens: Die Kinder wurden nach dem Tod der Eltern umgebracht, weil die Gefahr bestand, dass sie gesprächige Zeugen hätten werden können.
102
Zwei dieser Vermutungen sind falsch. Es war kein Deal, das Ehepaar Goebbels wurde nicht zum Selbstmord genötigt. Goebbels hatte seit langem vor, zu sterben, wenn Berlin fallen würde. Und es wurden im Vorbunker zu Hitlers Bunker sechs Kinder umgebracht, von denen man annimmt, dass es die Kinder von Goebbels waren und dieses geschah noch zu Lebzeiten der Eltern und angeblich unter deren Beteiligung.
Aus dem Tagebuch von Goebbels wissen wir, dass die Familie für eine unbestimmte Zeit in seiner Dienstvilla an der Hermann-Göring-Straße, also nahe der Reichskanzlei, wohnte. Aufgrund der Bombardements wurde das aber zu gefährlich. Am 28.03.1945 schrieb er in sein Tagebuch: „Magda ist nach Schwanenwerder gefahren, um die Übersiedlung unserer Kinder nach dort vorzubereiten. Aber sie hat sich leider wieder etwas übernommen und liegt nun krank zu Bett. Das fehlte mir auch noch.“105 Offensichtlich war der Umzug gelungen, denn am 08.04.1945 schrieb Goebbels in sein Tagebuch: „Magda ist von Schwanenwerder aus nach Berlin zu Besuch gekommen.“106 In Schwanenwerder wohnte die Familie (bis auf Goebbels, der in seiner Dienstvilla wohnte), als der RM Speer Frau Goebbels Mitte April besuchte. Einige Tage später besuchte er sie erneut.107
Sie war also mit den Kindern in der zweiten Hälfte des April noch in Schwanenwerder. Da die ganze Familie am 22.04.1945 in der Dienstvilla von Goebbels wohnte, von wo aus sie an diesem Tag in den Führerbunker zogen108, war Magda Goebbels vermutlich nur drei Tage zuvor aus dem sicheren Schwanenwerder in die Hölle der Bombardements direkt in das Zentrum Berlins gezogen.
Die Autoren Fraenkel/Manvell schrieben, offensichtlich ganz falsch, „... in der ersten Aprilwoche kam sie in die Stadt zurück, um ihren Platz neben ihrem Mann und ihrem Führer einzunehmen.“109 Auch der Autor Völklein schrieb, sich auf das Motiv der Eva Braun, für ihr Zurückkommen aus München in die Reichskanzlei, um mit Hitler zu sterben, beziehend: „Den gleichen Entschluss faßte die Familie Goebbels am 22. April.“110
Wie oben zu sehen hat Goebbels in seinem Tagebuch nur von einem Besuch seiner Frau bei ihm am Ende der ersten Aprilwoche geschrieben und RM Speer hat Frau Goebbels, die nach Fraenkel/Manvell schon wieder mit den Kindern in die Berliner Dienstvilla ihres Mannes eingezogen sein soll, Mitte April in Schwanenwerder besucht.
Es sei hier darauf hingewiesen, dass Goebbels Adjutant Schwägermann am 26.06. 1954 berichtete, dass Goebbels und damit auch er bereits am 20.04.1945 zu Hitler in den Führerbunker gezogen sei.111 Das heißt, dass Goebbels Frau und die Kinder zwischen dem 15. und dem 20.04.1945 aus Schwanenwerder kommend zu Goebbels in die Hermann-Göring-Straße 20 gezogen sein müssen.
General Baur datierte die Ankunft von Frau Goebbels im Führerbunker auf bereits den 15.04.1945 und behauptete, dass Goebbels sogar schon etwas länger im Führerbunker gewesen sei: „An jenem Tage (15.04.1945 – der Hrsg.) traf auch Frau Goebbels in der Reichskanzlei ein. ... Hitler sorgte dafür, dass Frau Goebbels mit ihren Kindern in den Bunkerräumen untergebracht wurde. Goebbels selbst wohnte hier schon seit kurzer Zeit.“112
Das passt nun überhaupt nicht zu dem, was der RM Speer in seinen „Erinnerungen“ schrieb, dass nämlich er Mitte April und auch noch einmal einige Tage später Magda Goebbels in ihrem Haus in Schwanenwerder besucht habe.113
In der Literatur findet man mehrere falsche Darstellungen dazu, wie und warum die Familie Goebbels am 22.04.1945 in den Führerbunker einzog.
So wurde in einer Goebbels-Biografie geschrieben: „Am Nachmittag des 22. April gegen 17 Uhr verließen Goebbels, Magda und die sechs Kinder die Stadtwohnung des Ministers. Sie benutzten zwei Wagen: der eine wurde von Goebbels’ Chauffeur Rach, der andere von seinem Adjutanten Günther Schwägermann gefahren.“114
Im Buch „Die Katakombe“ behaupteten die Autoren, Goebbels habe als demonstratives Treuebekenntnis zu Hitler seine Familie in den Bunker „geholt“, obwohl er doch „in geräumigere Unterkünfte“ hätte gehen können „... unter dem Wilhelmsplatz oder unter seiner Residenz in der Hermann-Göring-Straße ...“115
