Zwei Winter - Thomas Schulte - E-Book

Zwei Winter E-Book

Thomas Schulte

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Beschreibung

Sie waren alle erst seit acht Wochen Soldat, waren durch den Oktober und November gekrochen und gelaufen, hatten gelernt, das Gewehr mit verbundenen Augen auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen. Es war die letzte Novembernacht vor dem 1. Advent und niemand hatte verstanden, warum gerade sie die Standortwache übernehmen mussten ... Gropius leistet in den 60er-Jahren seinen Wehrdienst ab. Er passt nicht ins Bild, das man sich von Soldaten macht, ist kein stumpfer Befehlsempfänger, der nichts hinterfragt. Ihm kommt es nicht in den Sinn, seine Zeit einfach abzureißen oder sogar zu verlängern, um einige Jahre gut versorgt zu sein und dabei eine ruhige Kugel zu schieben. In Gesprächen mit den Kameraden, bei Gefechtslärm im Manöver, bei der Verkostung des Erdbeerkompotts der Frau des Unteroffiziers betrachtet er sich und die Welt und zieht seine persönlichen Schlüsse. Die Reflektionen, Situationsschilderungen und Dialoge übermitteln subtile Eindrücke aus dem militärischen Leben. Manche der aufgeworfenen Fragen reichen in die Jetztzeit hinein und berühren die Diskussion um die Abschaffung der Wehrpflicht.

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Seitenzahl: 200

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Thomas Schulte

Zwei Winter

Thomas Schulte

Zwei Winter

Erzählung

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2012 by edition fischer GmbH

Orber Str. 30, D-60386 Frankfurt/Main

Alle Rechte vorbehalten

Schriftart: Times New Roman

Herstellung: ef / NL

Printed in Germany

ISBN 978-3-86455-968-6

Für Albertine

Die Wände der Standortwache in Osterode hatten eine blassgraue Farbe, die Heizkörper unter den Fenstern waren klein, in einem kranken Elfenbein gestrichen und verströmten eine ungewöhnliche Hitze, welche die Luft so trocken machte, dass sie den acht Soldaten, die an dem Holztisch in der Mitte saßen, staubig vorkam.

Es war kurz vor 18 Uhr, draußen war es schon vollkommen dunkel, und durch die Fenster sahen sie im bläulichen Neonlicht einer Bogenlampe am Tor, dass es leise regnete.

Sie waren alle erst sei acht Wochen Soldat, waren durch den Oktober und November gekrochen und gelaufen, hatten gelernt das Gewehr mit verbundenen Augen auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen. Es war die letzte Novembernacht vor dem ersten Advent und niemand hatte verstanden, warum gerade sie, noch einen Monat vor dem Ende der Grundausbildung, die Standortwache übernehmen mussten: Im Schilderhäuschen vor dem Tor zu stehen, Ausweise zu kontrollieren oder Vorgesetzte zu grüßen, vor allem bei der Ablösung die richtigen Schritte zu machen und dazu den richtigen Text zu murmeln, hatte in ihnen das Gefühl entstehen lassen, vor einer sinnlosen Aufgabe zu stehen, aber auch gleichzeitig vor einer seltsamen Bewährungsprobe.

Sie zu definieren, hätte niemand vermocht. Vermutlich bestand sie aus der Angst, in den zwei Stunden der Torwache jemandem zu begegnen, der das Recht gehabt hätte, auf den Sitz der Krawatte oder die geputzten Stiefel zu achten, ohne dass man in der demütigenden Grundstellung Gelegenheit gehabt hätte, irgendetwas Rechtfertigendes zu äußern; unter dem Verzicht auf Körpersprache nicht die Hände heben zu dürfen; der Frage nachzugehen, wie man bei der Kälte an sein Taschentuch käme. Durfte man sich überhaupt schnäuzen? Vor dem Grüßen – während des Grüßens? Durfte man das Gewehr, das mit scharfer Munition geladen war, vorher oder währenddessen von der Schulter nehmen und für einen Moment, einen kleinen Moment in die Ecke des Häuschens stellen, um Entschuldigung bitten, sich mit dem Taschentuch mit beiden Händen schnäuzen, oder müsste man die Nase tropfen lassen?

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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