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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.
© 2010 E-Book-Ausgabe (EPUB) © 2004 Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Verantwortlich: Volker ThenLektorat: Michael KühlenHerstellung: Sabine ReimannUmschlaggestaltung: Nadine HumannUmschlagabbildung: ImagesourceGesamtherstellung: Hans Kock Buch- und Offsetdruck GmbH, Bielefeld
ISBN : 978-3-86793-156-4
www.bertelsmann-stiftung.de/verlag
Vorwort
Seit den grundlegenden Forschungsarbeiten des internationalen, vergleichenden Johns-Hopkins-Projektes verfügen wir über eine Informationsbasis zum gemeinnützigen Sektor. Die vergleichende Arbeitsweise des Projektes hat zudem gezeigt, dass sich gemeinnützige Arbeit in Deutschland gegenüber anderen Ländern in zweierlei Weise anders finanziert: Das Spenden- und Zustiftungsvolumen ist geringer als in vielen anderen Ländern - eine erwartbare Information -, und die Eigenfinanzierungskraft des Sektors aus Einnahmen für Leistungen ist eine der geringsten überhaupt.
Diese knappe Aussage zur Datenlage war für Bertelsmann Stiftung und Heinrich-Böll-Stiftung schon im Jahr 1999 Anlass, gemeinsame Veranstaltungen als Briefings der politischen Entscheidungsträger zu organisieren. In einer großen Konferenz, die im Herbst 1999 von der Heinrich-Böll-Stiftung mit Beteiligung der Bertelsmann Stiftung organisiert wurde, fand zudem eine intensive Debatte zum Selbstverständnis des Dritten Sektors mit Beteiligten aus dem Sektor und der Politik statt.
Auf dieser Grundlage haben die beiden Stiftungen ein Team von Autoren gebeten, eine Standortbestimmung des Sektors »zwischen Eigennutz und Gemeinwohl« vorzunehmen. Dabei wurden Fragestellungen der vorangegangenen Veranstaltungsarbeit aufgegriffen. Ziel der Publikation ist es, die rechtlichen, wirtschaftlichen, sozialwissenschaftlichen und politischen Kriterien, die ein zeitgemäßes Verständnis von Gemeinnützigkeit definieren, in Einzelbeiträgen herauszuarbeiten.
Die Herausgeber hoffen, mit diesem Band einen weiteren Impuls für die überfällige Reformdiskussion in Deutschland geben zu können. Im Anschluss an die Schritte zur Reform des Stiftungs- und des Stiftungssteuerrechts muss es um die Rahmenbedingungen für Investitionen in öffentliche Güter insgesamt gehen. Soll der ordnungspolitische Rahmen für private Beiträge zu öffentlichen Leistungen und Gütern so gesteckt werden, dass private Akteure einen größeren Beitrag leisten können, bedarf es einer Neubestimmung.
Die Herausgeber hoffen, dass dieser Band interessierte Leser finden möge. Wir danken namentlich Ute Brümmer von der Heinrich-Böll-Stiftung für gute Zusammenarbeit. Niels Barth M.A. hat wertvolle editorische Dienste bei der Vorbereitung der Manuskripte für den Druck geleistet.
Helmut K. Anheier
Gütersloh/Los Angeles, im Februar 2004
Volker Then
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort
Einleitung
Gemeinwohlverantwortung und Staatsverständnis
Vom Nutzen des Denkens in Staatsbildern und Staatstypen
Unterschiedliche Orte der Gemeinwohlverantwortung
Zusammenfassung
Literatur
Die Organisation des Gemeinwohls in der Bürgergesellschaft: Dritter Sektor und Steuerprivileg
Zur Einführung: Vom Wohlfahrtsstaat zur Wohlfahrtsgesellschaft
Gemeinwohl, Staat und Dritter Sektor: Historische und systematische Perspektiven
Zur Organisation des Gemeinwohls: Formen und Zwecke gemeinwohlförderlicher Organisationen
Zusammenfassung
Literatur
Gemeinnützigkeit als Organisationsproblem
Einleitung
Organisationsproblematik und Ziele
Das Selbstverständnis des Dritten Sektors
Zugehörigkeit zum Dritten Sektor
Bürgerschaftliches Engagement
Gebundene und assoziative Organisationen
Sonderformen
Innenwelt
Außenwelt
Literatur
Zwischen staatlich gesteuertem Altruismus und organisiertem Voluntarismus: ...
Im »Gewächshaus der Aufwandsentschädigungskultur«
Gemeinnützigkeit in der »Zivilgesellschaft«
Literatur
Solidarität, Gemeinwesen, Gemeinwohl - das Assoziationswesen in aktuellen Diskursen
Das Assoziationswesen als Hoffnungsträger für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
Das Assoziationswesen als theoretische Abstraktion
Die assoziative Lebenswelt
Integrationsleistungen freiwilliger Vereinigungen
Zusammenfassung und Ausblick
Literatur
Akteurstypen, Kompetenzprofile und Motivationsmuster aktiven Gemeinsinns: ...
»Charaktermasken« und Akteurstypen aktiver Gesellschaft
Selbststeuerung: Netzwerke und Lernprozesse
Persönlichkeit als institutionelles Potenzial
Literatur
Unternehmerisches Handeln in Nonprofit-Organisationen: Seine Rolle in Theorie ...
Die Hauptargumente der Theorien unternehmerischen Handelns
Die »Prognosefähigkeit« der Theorien unternehmerischen Handelns
Der Einfluss des unternehmerischen Handelns auf die Theorieentwicklung und die ...
Literatur
Gemeinnützigkeitsrecht aus vergleichender Sicht
Einleitung
Die Bedeutung des Gemeinnützigkeitsstatus
Die Gewährung des Gemeinnützigkeitsstatus
Die Überprüfungskriterien
Abschließende Bemerkungen
Literatur
Die Autoren
Einleitung
Helmut K. Anheier, Volker Then
Einführung
Dem Begriffspaar Gemeinwohl und Gemeinnützigkeit wird von Wissenschaft und Politik wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wie dies durch herausragende Beispiele der Enquetekommission des Deutschen Bundestages (2002), der Expertenkommission zur Reform des Stiftungsrechts1 und der umfassenden Vortragsreihe der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften2 eindrücklich bestätigt wird.
Das Begriffspaar bleibt aber gerade in seinen theoretischen, politischen und praktischen Dimensionen für eine zukünftige Gestaltung der deutschen und europäischen Gesellschaft nur ungenügend verstanden: Gemeinwohl erscheint leicht zu sehr in traditionellen, staatsnahen Denkmustern verhaftet, und Gemeinnützigkeit, d. h. der gemeinwohlbezogene Beitrag individuellen oder organisatorischen Handelns, wird zu schnell in steuerrechtliche Zusammenhänge überführt, wo er als Kategorie der bundesdeutschen Abgabenordnung diskutiert wird, in seiner weiteren soziologischen und gesellschaftspolitischen Dimension aber unterbelichtet bleibt.
Es scheint an der Zeit, die Leitbegriffe Gemeinwohl und Gemeinnützigkeit auf ihren Beitrag für die zukünftige Politikgestaltung zu untersuchen und somit die von der Berlin-Brandenburgischen Akademie historisch fundierte und sozialwissenschaftlich wohl abgedeckte Diskussion fortzusetzen. Dabei sollen Gemeinwohl und Gemeinnützigkeit gerade aus dem Blickwinkel der Forschung zum Dritten Sektor neu betrachtet werden, mit der weitergehenden Absicht, zu ihrer Modernisierung und zukünftigen Relevanz beizutragen.
Will man den Tenor der folgenden Kapitel zusammenfassen, so ist als Grundaussage festzuhalten, dass sich die Relevanz und das Potenzial des Gemeinwohls und der Gemeinnützigkeit erst dann erschließen, wenn wir begreifen, wie sehr an ihnen zentrale Aspekte der postindustriellen Gesellschaft herauskristallisierbar sind, nämlich die fundamentale Verschiebung oder Reallokation dessen, was vom Staat, von der Erwerbswirtschaft, vom Dritten Sektor und letztlich vom Einzelnen geleistet werden kann und soll.
Die Gesellschaften der entwickelten Welt erleben gegenwärtig Prozesse des Umbruchs, in deren Verlauf das Verhältnis von Eigennutz und Gemeinnutz, von individuellem Handeln und gesellschaftlicher Integration neu bestimmt wird. Das heißt, dass sich der Staat, wirtschaftliches Handeln am Markt und gemeinnütziges Handeln im Dritten Sektor neu aufeinander beziehen müssen.
Der gemeinnützige Sektor befindet sich selbst in tief greifenden Veränderungen. Das internationale Johns Hopkins Nonprofit-Sektor-Projekt zeigt bereits auf der Grundlage von Daten aus den 90er Jahren, dass der gemeinnützige Sektor seit Jahren schneller wächst als der öffentliche Bereich und auch die meisten erwerbswirtschaftlichen Branchen.3
Er wird aber auch mit massiven Veränderungen der beiden anderen Sektoren konfrontiert. Die Bereitstellung von gesellschaftlichen Integrationsbeiträgen und die Produktion öffentlicher Güter ist gekennzeichnet durch eine Situation des Marktversagens: Längst nicht alles, was moderne Gesellschaften an Integrationsleistungen benötigen, kann durch marktförmigen Austausch bereitgestellt werden.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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