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Jungen sind wild und raufen sich dauernd! Oder sind sie sensibel und (über-)empfindlich? Dieser Ratgeber bietet willkommene Hilfe für Mütter und Väter. Er zeigt auf, wie Jungen heute aufwachsen und gibt Antworten auf die Fragen, welche Herausforderungen und Risiken auftreten und wie diese erfolgreich gemeistert werden können. Das Buch wird damit zu einem hilfreichen Begleiter der Eltern durch die Erziehung ihrer Söhne vom Kleinkindalter bis hin zur Ablösung vom Elternhaus.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Lu Decurtins ist als Diplom-Sozialpädagoge seit vielen Jahren in der Jungen-und Männerarbeit in Zürich/Schweiz tätig. Er ist Mitbegründer des „mannebüro züri“ und des „Netzwerk Schulische Bubenarbeit“ (heute JUMPPS – Jungen- und Mädchenpädagogik und -Projekte an Schulen). Als Supervisor und Coach berät und begleitet er Teams und Projekte im Bereich der Gender- und Jugendarbeit. Er ist Vater von zwei Söhnen und einer Tochter.
Hinweis: Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnungen nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.d-nb.de> abrufbar.
ISBN 978-3-497-02707-1 (Print)
ISBN 978-3-497-60399-2 (PDF-E-Book)
ISBN 978-3-497-61018-1 (EPUB)
4., durchgesehene Auflage
© 2018 by Ernst Reinhardt, GmbH & Co KG, Verlag, München
Dieses Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne schriftliche Zustimmung der Ernst Reinhardt GmbH & Co KG, München, unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen in andere Sprachen, Mikroverfilmungen und für die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Printed in EU
Cover unter Verwendung von Abbildungen von © bluebat – fotolia.com
und © BillionPhoto.com
Satz: ew print & medien service gmbh, Würzburg
Ernst Reinhardt Verlag, Kemnatenstr. 46, D-80639 München
Net: www.reinhardt-verlag.de E-Mail: [email protected]
Inhalt
Einleitung
Von Lu Decurtins
Jungen – wie sie sind und was sie prägt
1 „Papa ist der Größte!“ – Die Rolle der Eltern in der Sozialisation
Von Lu Decurtins
2 Wie ein Junge ein Mann wird – von Biologie und Sozialisation
Von Lu Decurtins
3 Mütter und andere Frauen – die Rolle der Frauen in der Entwicklung der Jungen
Von Magie Scheuble-Wächter
4 Die Bedeutung der Männer für die Entwicklung von Jungen
Von Felix Wettstein
5 „Hast du eigene Kinder?“ – Ein Stiefvater antwortet
Von Ron Halbright
Die Wahrnehmungs- und Gefühlswelt von Jungen
6 Versteckte Tränen – Einblicke in die Gefühlswelt der Jungen
Von Ron Halbright
7 Den Panzer ablegen – Jungen und ihre Körpergrenzen
Von Andi Geu
8 ADHS – eine Frage der Perspektive
Von Lu Decurtins und Matthias Wenke
Jungen in ihren Alltagsbezügen
9 Jungen in der Schule
Von Hansjürg Sieber
10 Aufwachsen in einer multikulturellen Welt – Jungen im Umgang mit dem Fremden
Von Ron Halbright
Gewalt – Jungen als Täter und/oder Opfer
11 Lieber gewalttätig als feige? – Jungen und Gewalt
Von Ron Halbright
12 Ein Indianer kennt keinen Schmerz? – Wenn Jungen Opfer sexueller Gewalt werden
Von Karl Weilbach
13 Der Vogel, der nachts fliegen lernte – oder die Kunst, unsichere Jungen zu stärken
Von Olivier Andermatt
Wenn Jungen geschlechtsreif werden
14 Wenn Jungen geschlechtsreif werden
Von Lu Decurtins
15 Sexualerziehung von Jungen – wie Mütter und Väter mit der Sexualität ihrer Kinder ermutigend umgehen können
Von Lukas Geiser
16 „Der Junge ist schwul!“ – „Na und?“ – Wenn Eltern entdecken, dass ihr Sohn das gleiche Geschlecht begehrt
Von Karl Weilbach
Rausch und Risiko – Sucht und Sehnsucht von Jungen
17 Gut unterwegs im Cyberspace
Von Gisela Roth
18 Mit Jungen über Genuss- und Suchtmittel reden
Von René Kostka
19 No risk – no fun!? – Rasen und anderes Risikoverhalten von Jungen
Von Lu Decurtins
Jungen auf dem Weg zum Mannsein
20 Auf der Suche nach dem „Kick“ und männlicher Initiation – Übergangsrituale auf dem Weg zum Mannwerden
Von Stefan Gasser-Kehl
21 Ablösung – und was jetzt? – Eltern im Spagat zwischen Loslassen und Halten
Von Ursula Enderli
Literatur
Literaturtipps
Autorinnen und Autoren
Sachregister
Einleitung
Von Lu Decurtins
Seit der Erstausgabe dieses Buches sind bereits 16 Jahre vergangen. Mein älterer Sohn wird somit demnächst 16 Jahre alt und ist dem Kindesalter definitiv entwachsen. Er ist mittlerweile ebenso groß wie ich und ich erlebe hautnah, wie es bei ihm weiterhin „spielend“ bergauf geht, während ich allein schon für den Erhalt meiner körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zu arbeiten habe.
Gemeinsame Vater-Sohn-Ferien mit dem Mountainbike waren letztes Jahr ein prägendes Erlebnis für uns beide. Als Heranwachsender wurde er in eine Gruppe von Männern aufgenommen und erlebte sich und seinen Vater in Beziehungen zu anderen Männern und in einer fremden Umgebung. Raum und Zeit ermöglichten ihm, Männern Fragen zu stellen, die im Alltag nicht gestellt worden wären. Dies zeigte mir ein weiteres Mal, wie wichtig es ist, die einzelne Vater-Sohn-Beziehung (gilt auch für die anderen Eltern–Kind–Konstellationen), zu pflegen und sich auch in einer Lebensphase, in der man von den Heranwachsenden nicht mehr wirklich gebraucht wird, Zeit für Auseinandersetzung und Beziehungspflege zu nehmen.
In diesem Sinne flossen in das Buch immer wieder Erfahrungen aus meinem beruflichen und privaten Alltag ein. Auch der Austausch im Netzwerk mit anderen Fachpersonen der Jungenarbeit, die sich mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Sichtweisen mit dem gleichen Thema beschäftigen, war für mich von großer Bedeutung für die Arbeit an den Inhalten des Buches. Hinzu kommen all die Erfahrungen der MitautorInnen, die sie z.B. in den Bereichen Gewaltprävention und Suchtberatung, in Schuleinsätzen, Workshops zum Thema Sexualität und vielem anderen gesammelt haben.
Es ist mir besonders wichtig, dass Sie als LeserIn hier nicht ein weiteres Werk eines Einzelnen vorfinden, sondern verschiedene Sichtweisen auf die Lebenswelt von Jungen vermittelt bekommen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit auf beschränkter Seitenzahl den Jungen in ihrer gesamten individuellen Vielfältigkeit gekoppelt mit den verschiedenen Familienformen und kulturellen Hintergründen gerecht zu werden. Wir haben versucht, immer wieder die Verschiedenheit der Jungen zu betonen, kommen jedoch nicht um gewisse Vereinfachungen herum. Wir gehen von Jungen aus, deren Familien eher dem Mittelstand angehören und im deutschsprachigen Kulturraum leben. Dazu gehören selbstverständlich auch Jungen mit Migrationshintergrund, doch müsste hierzu jede Kultur separat behandelt werden, um den einzelnen Lebenssituationen gerecht zu werden. Hierfür reicht der Platz leider nicht aus.
Wir bringen diese Neuauflage außerdem schneller als geplant heraus, nicht nur um aktuell zu sein, sondern weil wir uns von einem damaligen Mitautoren abgrenzen möchten.
Es gibt präventive Maßnahmen, die man in der Arbeit mit Kindern treffen kann, wie z.B. Transparenz im Arbeitsalltag (offene Türen), Kontrolle bei Anstellungsverfahren, das Ernst nehmen jedes Vorwurfs sowie die kindergerechte Thematisierung von Sexualität und Grenzen. Solche Maßnahmen scheinen manchmal zu aufwendig zu sein. Dennoch sollte diese Thematik in jedem Konzept und Planungsinstrument offen deklariert und integriert sein.
Dass wir eine anerkannte Fachperson in der letzten Ausgabe des Buchs als Autor berücksichtigten – aufgrund ihres Leumunds und des Inhalts ihrer Publikationen – ohne von ihren Taten gewusst zu haben, zeigt, dass sowohl Einzelpersonen wie auch System noch zu lernen haben und dass die oben aufgeführten Präventionsmaßnahmen immer notwendig sind – und dennoch nicht immer genügen.
Dass in der pädagogischen Arbeit positiver Schein und Abgrund nahe beieinander stehen, musste ich im Zusammenhang mit diesem Buch leider am eigenen Leib erfahren. Die MitautorInnen und ich mussten erleben, dass selbst Fachpersonen gegen Täuschungen nicht gefeit sind. Dass wir uns hier in der Neuausgabe von den Taten von einem der Mitautoren der vorhergehenden Ausgabe in aller Form distanzieren müssen, tut uns leid. Doch die Auseinandersetzung mit eigener Begrenztheit und Ohnmacht hilft uns, zu verstehen, wie andere Menschen im Umgang mit Unfassbarem scheitern.
Jungen – immer noch ein Thema!
Früher fand man es oftmals selbstverständlich toll, ein Junge zu sein, und auch die Eltern waren häufig froh, einen „Stammhalter“ zu bekommen. Ein Junge musste sich zumeist nicht erst beweisen, sondern er hatte Platz, Raum und ein Selbstverständnis des Angenommenseins. Kaum ein Vater kann sich daran erinnern, sich benachteiligt gefühlt zu haben, oder dass er lieber einmal ein Mädchen gewesen wäre.
Heute sieht das z. T. anders aus. Jungen sind häufig irritiert in Bezug auf ihr Mannsein. Dies kann sich u.a. durch auffälliges Verhalten zeigen, so berichten Medien vermehrt von auffälligen Jungen. Eltern sind oftmals verunsichert, was ihren Erziehungsstil gegenüber dem Sohn betrifft. In den letzten Jahren wurden mehr und mehr Jungen mit Medikamenten bei ihrer Anpassung an unser (Schul-)System unterstützt. Allein dies ist Anlass genug für ein Buch zum Thema Jungen.
Das Buch soll ein Ratgeber in dem Sinne sein, dass Sie sich selbst befähigt fühlen, einen Umgang mit Ihrem Sohn zu finden – auch über Krisenzeiten hinweg. Es werden keine idealen Erziehungsmethoden vermittelt. Vielmehr will dieses Buch eine Grundlage liefern, damit Sie selbst ausprobieren können, was bei Ihnen und Ihrem Sohn positiv wirkt. Lassen Sie sich ein. Probieren Sie. Erlauben Sie sich Misserfolge. Diskutieren Sie mit Ihrem Partner. Entwickeln Sie sich weiter. Lassen Sie nicht locker. Nehmen Sie sich Zeit. So bleiben Sie in Beziehung. Ihr Sohn wird es Ihnen danken.
Zürich, im November 2011
Lu Decurtins
1 „Papa ist der Größte!“ – die Rolle der Eltern in der Sozialisation
Von Lu Decurtins
Der kleine Eisbär
Im Film „Der Eisbär“ spielt Til Schweiger einen erfolglosen Killer. In seinem Frust landet er abends in einer Bar, wo er zu später Stunde eine Frau kennenlernt. Nach einigen gekippten Gläsern erzählt er ihr einen Witz:
Dieser handelt von einem kleinen Eisbären, der seine Mutter immer wieder mit der Frage nervt, ob er denn auch wirklich ein Eisbär sei. Die Mutter bestätigt ihm das jedes Mal aufs Neue, bis der Witz schließlich seine Pointe erreicht und der kleine Eisbär verstört fragt, warum ihm denn dann immer so kalt sei?
Zur Beruhigung aller, die beim Lesen nicht laut gelacht haben – ich habe den Witz auch nicht verstanden. Entscheidend ist hier allein der Umstand, dass der kleine Eisbär verunsichert ist durch die Tatsache, dass ihm kalt ist und er sich dies auch nicht eingestehen will. Denn er denkt, dass ein richtiger Eisbär niemals frieren würde. Dieses Gleichnis kann dabei helfen, besser zu verstehen, was in den Jungen vorgeht: Auch Jungen fühlen sich oftmals schwach und verletzlich, sind traurig oder ängstlich. Aber wie der kleine Eisbär wollen sie sich diese „Schwäche“ nicht eingestehen, aus Angst, sie seien dann keine richtigen Männer. So steckt in manchem Jungen oder Mann ein kleiner Eisbär, der unter dem struppigen Fell friert.
Kleine Helden in Not
Wer kennt ihn nicht, den kleinen Helden, der plötzlich zusammenbricht, nur noch weint und einem so leid tun könnte? Dennoch hört man sich sagen: „Ätsch, das geschieht dir recht, du Großmaul, gerade vorher noch den Starken markiert und jetzt losheulen …“ Eine verständliche Reaktion, löst doch die wackelige Identität des Jungen gemischte Gefühle aus. Wie soll man denn gerade denjenigen umsorgen, der einem vor ein paar Minuten noch rotzfrech die Zunge herausgestreckt hat, als sei er auf dieser Welt auf nichts und niemanden mehr angewiesen? Doch genau dann braucht der Junge Zuwendung. Reaktionen, die das Zeigen von Schwäche unterbinden oder lächerlich machen, weisen den Jungen in die traditionelle Männerrolle, statt ihn bei der Suche nach seiner eigenen Männlichkeit zu unterstützen. „Indianer weinen nicht!“ (Väter meist auch nicht). Dem Jungen wird vermittelt, dass Verletzung, Kränkung, Ohnmacht und Angst nicht ins Männerleben gehören. Der kleine Junge wird versuchen, diese Gefühle nicht mehr zu zeigen, sie sich abzugewöhnen. Ob er sie vermissen wird, hängt letztlich von ihm ab. Fehlen werden sie ihm bestimmt.
Der Mann: die Nicht-Frau
Mann wird zum Mann gemacht, vom ersten Kinderschrei an (Dank Pränataldiagnostik beginnt das heute oft sogar schon früher). Viele Studien belegen, dass Eltern anders auf weibliche Säuglinge reagieren als auf männliche. Das lässt sich trotz allem emanzipatorischen Bemühen nicht ändern. Doch bewirkt es schon einiges, wenn man sich dessen bewusst wird und eigene Handlungen reflektiert. Zum besseren Verständnis der Jungensozialisation möchte ich im Folgenden die Entwicklung eines Jungen mit der „Geschlechterbrille“ vor Augen durchlaufen.
Das allererste Liebesobjekt für den Jungen wie für das Mädchen ist die Mutter. Dies ist auch der Fall, wenn beide Elternteile sich die Aufgaben in Haushalt und Kindererziehung teilen. Für den Jungen ist die erste Ablösung von der Mutter unmittelbar und direkt. Während das Mädchen von der symbiotischen Beziehung zu einer Identifikation mit der Mutter gelangt, heißt es für den Jungen zum ersten Mal, Abschied zu nehmen. Im Gegensatz zum Mädchen, das sich auf der Suche nach Geschlechtsidentität primär von der Mutter und sekundär auch von anderen weiblichen Bezugspersonen leiten lässt, sucht der Junge nach einem Mann als Orientierung und Vorbild.
Das Geschlecht, das der Junge etwa bis zum Alter von 3 Jahren wahrnimmt, wird vor allem definiert durch Kleider, Haarschnitt, aber auch Gebärden und Verhalten. Der kleine Junge, dem die Bedeutung des Geschlechts schon von früh auf mitgegeben wurde (→ Kap. 2), spielt die vorgezeigte Geschlechterrolle nach. Dies tut er, bevor er überhaupt wirklich versteht, was Geschlecht ist. Seine Spielzeugwahl, sein Gebaren etc. sollen deutlich machen: „Ich bin ein Mann.“ Solches „Gehabe“ – von Müttern meist als Machogehabe abgetan – ist eine Inszenierung von Männlichkeit, um zu zeigen: „Hey, ich bin ein Junge!“
Wie kann ein Junge erkennen, was wirklich ein Mann ist? Im öffentlichen Leben begegnen ihm die Männer bald als Autofahrer, Lastwagenführer, Kranführer, auf der Baustelle, auf Plakaten in Aktion etc. Er nimmt Tätigkeiten, Haltungen und Stimmungen wahr, die zum Männerbild gehören. Männer arbeiten, bauen, fahren, sind kräftig und mutig, brauchen Platz etc. Doch oft fehlen reale Männer zum Vergleich. Männer, die ihm verschiedene Aspekte von Männlichkeit zeigen und mit ihm in Beziehung treten.
Kann dies nicht die Mutter vermitteln? Auch wenn die Mutter eine genaue Vorstellung von einem richtigen, anständigen oder liebevollen Mann hat, als männliches (Geschlechts-)Rollenvorbild eignet sie sich nicht. Sie ist nämlich genau das, was der Junge nicht werden wird – eine Frau. Auf der Suche nach dem, was ein Mann ist, liegt der Gedanke nahe, den Mann als Gegenteil der Frau zu sehen und ihm, durch die Abgrenzung vom Weiblichen, Konturen zu geben. Das heißt, dass man zum Mann wird, indem man alles negiert, was die Mutter und andere weibliche Bezugspersonen darstellen. Der Junge muss sich über die Abgrenzung definieren. So lehnt der Junge vermeintlich weibliche Eigenschaften und Handlungen ab („Ich bin doch nicht schwul!“). Dies ist für viele Jungen mehr oder weniger der Weg auf der Suche nach der eigenen Identität als Mann (je nachdem, wie stark Männer im Leben des Jungen präsent sind). Doch oft fehlen reale Männer zum Vergleich. Männer, die ihm verschiedene Aspekte von Männlichkeit zeigen und mit ihm in Beziehung treten. Wenn denn einmal ein Mann eine solche Rolle übernimmt, dann bekommt er einen großen Stellenwert im Leben eines Jungen.
„Das einzige echte Männervorbild in meinem Leben war mein Kindergärtner.“ (Moritz Bleibtreu, zit. nach Förster 2007, 110)
Wenn dem Jungen greifbare Vorbilder fehlen, sucht er sich weiter entfernte Leitfiguren. Nebst den oben genannten Männern im öffentlichen Raum, dienen ihm dazu als Hilfsmittel Figuren aus der Werbung sowie Märchen-, Buch- und Filmhelden (Polizist, Lokführer, Rapper, Cowboy, Fußballstar oder auch Asterix und Spider-Man). Je plakativer die Figur ist, desto besser erfüllt sie ihre Funktion, ihn von der Mutter wegzuführen in eine männliche Welt, die letztlich nur im Traum existiert. Unter Umständen wird er Hilfsmittel verwenden, z.B. Verkleidung, Waffen, Autos, die ihn eindeutig als das kennzeichnen, was er so gerne sein möchte.
Unweigerlich wächst der Junge in seine Rolle hinein. So hat der Mann zu sein, vermutet er und weiß nicht, dass das Ganze ein riesiges Rollenspiel ist. Die Leitfiguren verkörpern Stärke, Kraft und Unabhängigkeit, sie brauchen, anders als er, keine Unterstützung, Hilfe, Wärme und auch keinen Trost. Die „männlichsten“ der Kinohelden brauchen keine Frauen. Dort hat Liebe und Abhängigkeit keinen Platz. Aber der Junge braucht Liebe, auch wenn er dieses Bedürfnis verheimlicht und aus Unsicherheit versteckt. Frauen wissen vom Geheimnis der kleinen Eisbären: „Eigentlich ist er ganz anders, als er sich nach außen gibt.“
Manchmal äußert sich die Abgrenzung vom „Weiblichen“ in einer Abwertung der Mutter oder der Schwestern bzw. der Frau allgemein („Bäh, das ist mädchenhaft“) bei gleichzeitiger Bewunderung und Liebe zum anderen Geschlecht. Dies kann bei Müttern Kränkung, Enttäuschung, Trotz oder Wut auslösen. Versuchen Sie, sich in solchen Situationen den Zusammenhang zu vergegenwärtigen. Lassen Sie sich jedoch nicht abweisen. Grenzen Sie sich ab, seien Sie klar, fordern Sie! So prägen Sie das Frauenbild Ihres Sohnes. Aber wenden Sie sich nicht ab.
Lassen Sie Ihrem Sohn auch seine Inszenierungen. Diese schaden ihm weniger als Verbote. Erklären Sie ihm jedoch, dass diese Rollen nicht wirkliche Männer darstellen, sondern dass es sich dabei um Rollen handelt, wie die, die von Schauspielern im Theater gespielt werden, und dass Männer in Wirklichkeit ganz anders sind.
Die Kinderwelt ist nichts für Männer (?)
Zwar gibt es heute immer mehr Männer, die sich die Erziehungsaufgabe mit der Partnerin teilen, doch sind sie auf Spielplätzen, in Spielgruppen und bei den täglichen Verrichtungen rund um das Kind noch klar in der Unterzahl. Dies nehmen Kinder jedenfalls so wahr. Männerwelten sind für Kinder oft weit weg, ebenso Kinderwelten für Männer. Männer fühlen sich dort oft fremd und unwohl und ziehen sich nach anfänglichem Interesse mehr und mehr aus dem Kinderbereich zurück. Sie überlassen Elternabende, Kindergeburtstage, Kinderarztbesuche und anderes mehr den Frauen und wenden sich – so sieht es jedenfalls der Junge – wichtigeren Tätigkeiten zu. Unbewusst nimmt der Junge wahr: Männer interessieren sich nicht für Kinder. Insbesondere der Junge sieht daher den Arbeitsplatz oder Sportwettkampf u.ä. als attraktive, fremde Welten an. Kinder müssen schnell groß werden, um das Interesse der Männer zu wecken. Jungen müssen häufig eher eine Leistung erbringen, um Erwachsenen aufzufallen. Für Mädchen dagegen ist dieser Leistungsdruck oft weit weniger groß: Sie haben die Möglichkeit durch Schönheit, Sozialverhalten, aber auch durch Leistung auf sich aufmerksam zu machen.
Jungen – für Männer unwichtig?
Natürlich ist der Vater da, werden Sie sagen, abends, am Wochenende, beim Skifahren, in den Ferien. Dies sind wichtige Erlebnisse. Doch aus der Perspektive des kleinen Jungen ist der Vater meist für unabsehbare Zeiträume abwesend. Einzig der Teilzeit arbeitende Vater oder der Betreuer in der Kita haben die Chance, ein ganzheitliches Bild vom Mann zu vermitteln – wenn sie sich authentisch zeigen. Für einen kleinen Jungen ist der berufstätige Vater beinahe den ganzen (Kinder-)Tag abwesend. Oft sieht er den Papa nur noch abends kurz vor dem zu Bett gehen. Der Vater, so lernt er bald, ist weg, weil er etwas Wichtiges tut. Er arbeitet, verdient Geld. Der Junge selbst, so wird dieser folgern, ist wohl eher unwichtig und nebensächlich, er wird ja die meiste Zeit der Mutter oder anderen BetreuerInnen überlassen. Wenn es um den kleinen Jungen geht, hält sich der Vater oft (aus Respekt vor der Kompetenz der Mutter) zurück – der Vater nimmt eine passive Rolle im Familiengeschehen ein –, anders als beim Auto- oder Computerkauf. So ist es häufig auch die Partnerin, die sich mit dem Kinderwunsch durchsetzt, und der Vater rutscht einfach so in seine Rolle hinein.
Obwohl sich viele Paare die Betreuung partnerschaftlich teilen, ist es meist immer noch die Frau, die mehr Verantwortung übernimmt: Wo bestimmt denn der Vater, wie viele Pullover für den Sohn angemessen sind? Wo ist der Vater für den Kleiderkauf oder das Impfen verantwortlich?
Nur selten werden diese Bereiche vom Vater abgedeckt. Dies hängt mit unserer eigenen Rollenverteilung und -wertung zusammen. Pflege und soziale Aspekte wird der Junge folglich auch abwerten im Verhältnis zu denjenigen Tätigkeiten, die der Vater meist trotz beruflicher Anspannung übernimmt (Autofahren, Reparaturen etc.). Auch die Beziehungsarbeit mit Kindern wird von Männern abgewertet. „Ich bin als Kind nicht so wichtig für Männer“, lernt der Junge. Er gewöhnt sich an die Abwesenheit der Männer und verdrängt die Sehnsucht nach dem Vater.
Wenn sich Mütter hilfsbereit „aufdrängen“ und sich unentbehrlich machen, helfen sie mit, den Mann im Abseits stehen zu lassen und ihn damit aufzuwerten, gleich dem Scheinriesen im Kinderbuch „Jim Knopf“ von Michael Ende.
Der Wunsch, groß herauszukommen
Um an Bedeutung zu gewinnen, gibt es für den Jungen nur eins: möglichst schnell groß zu werden.
„Mein Vater ist Lastwagenfahrer. Meist ist er lange unterwegs und weit weg. Das Größte ist, wenn er mich mal auf eine Spritztour mitnimmt. Ich möchte auch mal so werden wie er.“ (Manuel, 13 Jahre)
Die Momente, in denen der Junge seinen Vater sieht, zeigen den Vater als Befreier, als souveränen Helden, der dem Jungen die Tür zur Welt außerhalb der der Frauen und Kinder öffnet. Wochenendausflüge zeigen dem kleinen Jungen neue, spannende und fremde Bereiche. Der Vater nimmt ihn mit zum Fußballspielen, Drachenbauen etc.
Mann werden heißt für den Jungen auch: Souverän, stark, kompetent, cool u.ä. werden. Genau das, was ein Kind nicht ist.
Jungen haben ein Recht auf Schwächen!
Die meisten Jungen kennen keine Schwächen vom Vater. Könnte Ihr Sohn ein Beispiel nennen, was der Vater schlechter kann als die Mutter und gerne können würde? Umgekehrt kommt eine Antwort häufig wie aus der Pistole geschossen.
Mannwerden – eine unlösbare Aufgabe! Männlichkeit bedeutet für Jungen oft: keine Fehler machen, keine Schwächen haben. Das führt bei vielen Jungen zu großem Stress. Sie wollen möglichst früh schon alles können und sind nicht bereit, zu lernen und an ihren Schwächen zu arbeiten. Oft zeigt sich dies in Form mangelnder Frustrationstoleranz oder einem Schwanken zwischen Heldentum und Versagensängsten.
„Das muss ich alleine austragen“ – männliche Innenwelten bleiben meist verschlossen
Früher waren Väter meist abwesende, autoritäre Überfiguren, die kaum emotionalen Kontakt zu den Kindern hatten. Heute kümmern sich Väter viel mehr um ihre Kinder als noch z. B. in den 1980er Jahren. Doch wenn der Vater den Jungen heute an die Hand nimmt, dann ist dies immer noch die Einladung zu einer Reise in Außenräume, wo gebaut, gefahren, geflogen und konstruiert wird. Diese Außenräume werden häufig von einem Vater beherrscht, der alles kann und sich freut, wenn der kleine Junge ihn bewundert. Der Vater ahnt in diesem Moment des gemeinsamen Glücks aber häufig nicht, dass er dem Sohn gleichzeitig etwas verwehrt: Den Blick in das Innere eines Mannes, der ebenfalls Schwächen sowie zarte und empfindsame Momente hat. Ein solcher Einblick bleibt den Jungen (und später den Männern) oft versagt. Es entsteht ein schönes, teils nur vages und unsicheres Gefühl der Gemeinsamkeit, doch da es nicht formuliert werden kann, bleibt es schwer fassbar.
Wortlose Augenblicke der Gemeinsamkeit sind etwas Schönes und Wertvolles. Doch müssen sie ergänzt werden durch verbale Kommunikation. In Konfliktsituationen sind wir darauf angewiesen, uns präzise ausdrücken zu können.
„Neue Männer“ braucht das Land
Jungen brauchen Männer, die ihnen Brücken schlagen und erlauben, aus der vermeintlichen (Männer-)Rolle zu fallen. Durch Männer können Jungen lernen, den Spagat zu machen zwischen verschiedenen Rollen, die sie zu spielen haben, und dabei nicht zu vergessen, wer sie sind, als Mensch und Mann.
Glücklicherweise gibt es heute einige Väter, die auch andere Seiten von sich zeigen und ihr Inneres offenbaren. Dies ist für Jungen sehr wichtig. Daher wäre es von großer Bedeutung, dass auch mehr Pädagogen Jungen so wichtig nähmen, dass sie auch im Kleinkindalter z.B. als Kindergärtner, Spielgruppenleiter etc. mit ihnen arbeiten würden. So hätten die Jungen mehrere Beispiele, aus denen sie ihr Männerbild ableiten können, ähnlich wie dies umgekehrt Mädchen haben. Leider interessieren sich männliche Pädagogen häufig erst dann für Jungen, wenn sie auffällig oder gar delinquent werden.
Väter in der Arbeitswelt und echte Männerfreundschaften
Es kann dem Jungen ganz neue Seiten des Vaters eröffnen, wenn er ihn am Arbeitsplatz erlebt. Meist haben Jungen nämlich ein verklärtes Bild von ihrem Vater, das viel mehr vorgibt, als real da ist.
Oder auch den Vater mit seinen Freunden zu sehen, wenn er solche hat, kann hilfreich sein. Zu erleben, was Männer einander geben können, an Freundschaft, Zuneigung und Vertrauen, das stärkt den Jungen auf dem Weg zum Mannsein.
Wenn ein Kumpel sich verliebt
Mangels männlichen Vorbilds überlassen die Jungen die Bereiche Freundschaft und Beziehungspflege oftmals den Mädchen. Jungen sind füreinander „Kumpel“ oder „Kollegen“. Ein „Freund“ wäre ja schon schwul. Wie kann der Junge lernen, Trost von einem anderen Jungen anzunehmen oder Trost zu geben, wenn der Vater weder tröstet noch sich trösten lässt? Wo sind die Freunde des Vaters, die dem Jungen zeigen, dass sie nicht nur Kumpel sind, dass sie sich für den Vater und vielleicht gar für den Sohn interessieren, die ihn unterstützen?
Für Mädchen ist es ein Leichtes, von der Mädchenfreundschaft zur Liebesbeziehung zu wechseln. Sie setzen nur fort, was sie dort schon gelernt haben – mit dem Zusatz der Sexualität und der gegengeschlechtlichen Erotik. Für Jungen ist die Paarbeziehung eine fremde Welt. So möchten sie auch meist die Zweisamkeit wieder durchbrechen und die Freundin mitnehmen in die vertraute Welt der Kumpel, um sie in die Clique zu integrieren. Dabei wäre die Beziehung zur Mutter das ideale Übungsfeld für den Umgang mit dem Gegengeschlecht. Hier steht dem Jungen jedoch die Sehnsucht nach Autonomie mit den damit einhergehenden Abgrenzungsbemühungen im Wege.
Mutterliebe – es kann auch des Guten zu viel sein
Manche Mutter, die ihrem älteren Sohn noch das Pausenbrot schmiert, ihm das Zimmer aufräumt und mehrmals wöchentlich die verdreckten Kleider aus dem Zimmer holt und wäscht, beklagt sich über den kleinen Macho. Darin zeigt sich oft auch die eigene Ambivalenz dem Sohn gegenüber: Einerseits möchte sie einen starken Mann aus ihm machen, andererseits will sie, dass er klein und abhängig bleibt. Wenn er zu unabhängig wird, wird die Mutter ja nicht mehr gebraucht. Und sie läuft Gefahr, keine Bestätigung mehr zu erhalten. Je zentraler die Wichtigkeit der Familie im Leben der Frau, desto größer die Gefahr, dass sie will, dass ihr Sohn klein bleibt, und dass sie ihm Autonomie verweigert. Dies kann dann für sie zur Falle werden – und letztlich auch für den Sohn. Selbst läuft sie Gefahr, gebraucht und abgewertet zu werden. Und der Sohn verpasst es, eine gleichberechtigte Beziehung zu einer Frau zu erproben und (Mit-)Verantwortung für sich und die Beziehung zu übernehmen. Es sollte dem Sohn vermittelt werden, dass auch er das Umfeld für eine Beziehung gestalten kann. Viele Männer haben es nicht gelernt, für sich und andere zu sorgen, eine Beziehung zu pflegen, Wertschätzung und Lob zu vermitteln. Die Folgen sind offensichtlich. Hohe Scheidungsraten – zumeist von der Frau eingeleitet.
Eine funktionierende Paarbeziehung entlastet den Jungen im Dreieck zwischen Vater, Mutter und Kind.
„Damit das Dreieck förderlich wirken kann, muss es an allen drei Seiten stabil sein. Mutter und Vater sind ein Paar in Beziehung, vom Vater zur Mutter und von der Mutter zum Vater sind Anerkennung und bestenfalls Liebe tatsächlich erkennbar. Und zwischen Mutter und Sohn wie auch zwischen Vater und Sohn gibt es die jeweils sichere Bindung, eine Liebesbeziehung mit eigenen Qualitäten.“ (Winter 2011, 70)
Der Mann zwischen Softie und Macho
Der Junge sieht sich in der Außenwelt mit einer Menge Erwartungen und Anforderungen (von Mutter, Vater und der Gruppe der Gleichaltrigen, d.h. der sogenannten „Peergroup“ sowie der Werbung und von öffentlichen Figuren etc.) konfrontiert, die er als kleiner Junge bei Weitem nicht erfüllen kann. Einerseits wird da ein „richtiger Junge“ gewünscht mit den entsprechenden traditionell männlichen Eigenschaften. Andererseits aber wird auch der sensible, sozial kompetente, liebevolle Sohn (oftmals von Müttern) gelobt und geschätzt. So lebt der Junge zuweilen das eine Ideal und dann wieder das andere. Manchmal aber kommt er durcheinander. So entsteht ein Bruch zwischen Innen- und Außenwelt: Der Junge wird zum kleinen Eisbären.
Dementsprechend stolzieren die kleinen Helden, kurz nach dem schmerzhaften Abschied von ihrer Mutter, ihre Vorbilder nachahmend, durch die Babyecke des Kindergartens hin zu den Jungenspielen und hüten sich davor, etwas von ihrer anderen Seite nach außen dringen zu lassen. Es befremdet Eltern, wenn sie ihren kleinen Jungen so in der „Außenwelt“ agieren sehen. Schnack/Neutzling beschreiben dies in ihrem Buch „Kleine Helden in Not“ ganz treffend: „Während er zuhause durch effektvoll eingesetztes Weinen und Brüllen auf regressive Weise seinen Willen durchsetzt, muss er hier beweisen, dass er der kleinkindhaften Abhängigkeit längst entwachsen ist.“ (1990, 24)
Diese Ambivalenz zwischen vermitteltem Bild und Selbstwahrnehmung zieht sich oft weiter durch das ganze spätere Männerleben. Was zuerst als Trennung zwischen drinnen und draußen wahrgenommen wird, erleben Männer später häufig als den Spagat zwischen Beruf und Familie zu Hause. Der Mann muss einen „fliegenden Wechsel“ vollziehen, wenn er von der harten Geschäftswelt zur Familie heimkommt, wo von ihm Einfühlungsvermögen und Emotionalität gefordert werden. Ein weiteres Beispiel für die ambivalente Erwartung, die an einen Jungen gestellt wird, ist der Umgang mit Aggression.
Aggressivität
Oft haben wir (vor allem Mütter und andere weibliche Bezugspersonen) Mühe mit der Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Jungen.
Es ist jedoch wichtig, zu erkennen, was hinter der demonstrativen Aggressivität oder Gewalt steckt. Häufig ist das aggressive Verhalten nur eine Abwehr von anderen Gefühlen wie z. B. Angst oder eine Reaktion auf Verletzung und Kränkung, ähnlich dem kleinen Jungen, der versucht, Bauklötze zu einem Turm aufzuschichten, und der das wiederholte Scheitern verdrängt durch einen Fußtritt in den ganzen Turm, der wiederum seinen „heldenhaften“ und coolen Abgang einleitet.
Wichtig ist hierbei, die aggressive Handlung richtig zu deuten und dem Jungen zu helfen, indem die Gefühle angesprochen werden, die er meint, nicht haben zu dürfen. Ein Ächten der Aggression bringt hier mit Sicherheit nicht den gewünschten Effekt. Der Junge braucht zudem einen Rahmen, wo er mit Aggression umzugehen lernt, sie positiv nutzen kann. Sport, Kampfspiele oder Ähnliches bieten hier einen wertvollen Erfahrungsraum.
Elternsolidarität oder Elternauthentizität?
Unterschiedliche Haltungen zwischen den Elternteilen sind kein Zeichen von Schwäche. Schwach sind vor allem die Väter, die keine eigene Haltung entwickeln, das Terrain Familie der Frau überlassen im Tausch gegen die Macht und den Einfluss im öffentlichen Bereich. Oft entmutigt es Männer, wenn sie sich „nur“ als Unterstützung der Frau sehen – oder sie rebellieren innerlich dagegen. Der Sohn spürt das, es irritiert ihn. Später wird er sich daran gewöhnen, dass da ein Niemand ist, wo eigentlich der Platz des Vaters gewesen wäre. Ich höre dies häufig von Männern, deren Väter nach der Generation der autoritären Väter kamen. Diese Väter waren die ersten, die nicht nur physisch (durch den Gelderwerb) abwesend waren, sondern wirklich keinen Platz in der Familie fanden. Zurück bleibt eine Generation von Söhnen, die in Männergruppen auf die Suche nach ihren Vätern geht.
Das Modell, das Sie als Paar vorleben, hat große Bedeutung für Ihren Sohn. Es ist das Beziehungsmodell, das er hautnah miterlebt. Eine starke und liebevolle Paarbeziehung erlaubt es dem Sohn, Abstand zu nehmen und seinen Weg zu finden. Wenn er zu stark ins Dreieck zwischen Vater, Mutter und Kind eingebunden ist, bleibt ihm der Blick aufs Paar und die damit verbundene Erfahrung sowie die Möglichkeit zum Lernen verwehrt!
Väter – Vorbild und Gegenbild
Wir haben gehört, dass für den Jungen die erste Identifikationsfigur der Vater ist. Der Junge nimmt sensibel auf, was der Vater für eine Rolle spielt. Aber auch, wie er wirklich ist. Dafür muss das Vorbild ehrlich sein. Wie soll der Vater dem Sohn verbieten, mit dem Snowboard riskante Varianten zu fahren, wenn er selbst ständig zu schnell auf der Autobahn fährt? Wie soll der Vater dem Kind Respekt vor Frauen vermitteln, wenn er die Lehrerin des Sohnes abkanzelt?
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Impressum
Inhalt
Einleitung
Jungen – wie sie sind und was sie prägt
1 „Papa ist der Größte!“ – die Rolle der Eltern in der Sozialisation
2 Wie ein Junge ein Mann wird – von Biologie und Sozialisation
3 Mütter und andere Frauen – die Rolle der Frauen in der Entwicklung der Jungen
4 Die Bedeutung der Männer für die Entwicklung von Jungen
5 „Hast du eigene Kinder?“ – Ein Stiefvater antwortet
Die Wahrnehmungs- und Gefühlswelt von Jungen
6 Versteckte Tränen – Einblicke in die Gefühlswelt der Jungen
7 Den Panzer ablegen – Jungen und ihre Körpergrenzen
8 ADHS – eine Frage der Perspektive
Jungen in ihren Alltagsbezügen
9 Jungen in der Schule
10 Aufwachsen in einer multikulturellen Welt – Jungen im Umgang mit dem Fremden
Gewalt – Jungen als Täter und / oder Opfer
11 Lieber gewalttätig als feige? – Jungen und Gewalt
12 Ein Indianer kennt keinen Schmerz? – Wenn Jungen Opfer sexueller Gewalt werden
13 Der Vogel, der nachts fliegen lernte – oder die Kunst, unsichere Jungen zu stärken
Wenn Jungen geschlechtsreif werden
14 Wenn Jungen geschlechtsreif werden
15 Sexualerziehung von Jungen – wie Mütter und Väter mit der Sexualität ihrer Kinder ermutigend umgehen können
16 „Der Junge ist schwul!“ – „Na und?“ – Wenn Eltern entdecken, dass ihr Sohn das gleiche Geschlecht begehrt
Rausch und Risiko – Sucht und Sehnsucht von Jungen
17 Gut unterwegs im Cyberspace
18 Mit Jungen über Genuss- und Suchtmittel reden
19 No risk – no fun!? – Rasen und anderes Risikoverhalten von Jungen
Jungen auf dem Weg zum Mannsein
20 Auf der Suche nach dem „Kick“ und männlicher Initiation – Übergangsrituale auf dem Weg zum Mannwerden
21 Ablösung – und was jetzt? – Eltern im Spagat zwischen Loslassen und Halten
Literatur
Literaturtipps
Autorinnen und Autoren
Sachregister
Rückseite
Cover
Impressum
Inhalt
Einleitung
Jungen – wie sie sind und was sie prägt
1 „Papa ist der Größte!“ – die Rolle der Eltern in der Sozialisation
2 Wie ein Junge ein Mann wird – von Biologie und Sozialisation
3 Mütter und andere Frauen – die Rolle der Frauen in der Entwicklung der Jungen
4 Die Bedeutung der Männer für die Entwicklung von Jungen
5 „Hast du eigene Kinder?“ – Ein Stiefvater antwortet
Die Wahrnehmungs- und Gefühlswelt von Jungen
6 Versteckte Tränen – Einblicke in die Gefühlswelt der Jungen
7 Den Panzer ablegen – Jungen und ihre Körpergrenzen
8 ADHS – eine Frage der Perspektive
Jungen in ihren Alltagsbezügen
9 Jungen in der Schule
10 Aufwachsen in einer multikulturellen Welt – Jungen im Umgang mit dem Fremden
Gewalt – Jungen als Täter und / oder Opfer
11 Lieber gewalttätig als feige? – Jungen und Gewalt
12 Ein Indianer kennt keinen Schmerz? – Wenn Jungen Opfer sexueller Gewalt werden
13 Der Vogel, der nachts fliegen lernte – oder die Kunst, unsichere Jungen zu stärken
Wenn Jungen geschlechtsreif werden
14 Wenn Jungen geschlechtsreif werden
15 Sexualerziehung von Jungen – wie Mütter und Väter mit der Sexualität ihrer Kinder ermutigend umgehen können
16 „Der Junge ist schwul!“ – „Na und?“ – Wenn Eltern entdecken, dass ihr Sohn das gleiche Geschlecht begehrt
Rausch und Risiko – Sucht und Sehnsucht von Jungen
17 Gut unterwegs im Cyberspace
18 Mit Jungen über Genuss- und Suchtmittel reden
19 No risk – no fun!? – Rasen und anderes Risikoverhalten von Jungen
Jungen auf dem Weg zum Mannsein
20 Auf der Suche nach dem „Kick“ und männlicher Initiation – Übergangsrituale auf dem Weg zum Mannwerden
21 Ablösung – und was jetzt? – Eltern im Spagat zwischen Loslassen und Halten
Literatur
Literaturtipps
Autorinnen und Autoren
Sachregister
Rückseite
