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Beschreibung

Ella hat die Nase voll. Ihre Eltern wollen zurück nach Russland und sie soll mit. Von wegen! Schließlich ist sie in Deutschland zu Hause. Wütend zieht sie bei ihrer Oma in Castrop-Rauxel auf dem Dachboden ein. Dort stößt sie auf einen Koffer mit seltsamem Inhalt: eine Pistole, blutbeflecktes Geld, alte Fotos und Liebesbriefe. Durch den Koffer entspinnt sich ein Briefwechsel mit Ilja, der in Russland wohnt. Gemeinsam versuchen Ella und Ilja das Geheimnis um den Koffer zu lüften und stoßen auf eine Wahrheit, die sie vielleicht lieber nicht gekannt hätten. 29 Jugendliche aus Deutschland und Russland haben das Theaterstück von Ella und Ilja wechselseitig über Ländergrenzen hinweg geschrieben.

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Seitenzahl: 90

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Zwischen uns

Ein Hellweg-Krimi

Herausgegeben vonSascha Pranschke, Sarah Meyer-Dietrichund Kathrin Oerters

Das Buch enthält das deutsch-russische Theaterstück Zwischen uns – Между нами, entstanden im gleichnamigen Projekt. Das Projekt versteht sich als Teil der Projektfamilie FlussLandStadt. Eure Heimat – euer Roman der Kooperationspartner jugendstil – das kinder- und jugendliteraturzentrum nrw, Friedrich-Bödecker-Kreis NRW und Emschergenossenschaft/Lippeverband.

Mehr Informationen unter:http://www.boedecker-kreis-nrw.de/flusslandstadt-eure-heimat-euer-roman

Zwischen uns – Между нами

Das Projekt wurde initiiert und realisiert durch die Robert Bosch Kulturmanagerin Kathrin Oerters in Zusammenarbeit mit der Direktion zur Realisierung von Festivals, Wettbewerben und Kulturgroßveranstaltungen Astrachan, dem Ministerium für Kultur und Tourismus der Astrachaner Oblast und dem Astrachaner Staatlichen Konservatorium (russische Seite), sowie durch jugendstil – das kinder- und jugendliteraturzentrum nrw (Projektträger auf deutscher Seite), Friedrich-Bödecker-Kreis NRW, das Westfälische Landestheater, die Emschergenossenschaft und bunt international e.V.

Das Projekt wurde im Rahmen des »Jahres der deutschen Sprache und Literatur in der Russischen Föderation« durch das Auswärtige Amt sowie von der Robert Bosch Stiftung und dem Goethe-Institut im Rahmen des Programms »Robert Bosch Kulturmanager in der Russischen Föderation« gefördert. Es wurde durch Sonderprojektmittel des Landes Nordrhein-Westfalen und durch Mittel der Emschergenossenschaft unterstützt.

Projektteam

Zwischen uns – между нами (russische Seite)

Kathrin Oerters (Projektleitung, Werkstattleitung)

Roman Bekkulow (Werkstattleitung)

Sergej Taraskin (Theaterpädagoge)

Anna Akischina (interkulturelle Beraterin)

Zwischen uns – между нами (deutsche Seite)

Sarah Meyer-Dietrich (Projektleitung, Werkstattleitung)

Ipek Abali (Theaterpädagogin, Werkstattleitung)

Janna Keberlein (interkulturelle Beraterin)

Martina Oldengott (wissenschaftliche Beraterin, Exkursionsleiterin)

Übersetzer

Irina Bondas und Nikolaj Stepkin, unterstützt von: Olga Kelsch, Jana Dobrjanskaja, Irina Kim, Elena Sedowa, Irina Pawlowa

Lektorat

Sascha Pranschke, Kathrin Oerters, Sarah Meyer-Dietrich, Ipek Abali, Roman Bekkulow, Sergej Taraskin, Walentina Murawjewa

Coverfoto

Frank Vinken, Motiv: Die Emscher in Castrop-Rauxel an der Industriestraße.

Vielen Dank an Gerrit, die für das Foto Modell stand.

Fotos

Frank Vinken, Volker Beushausen, Anatolij Denikin, Baoquan Song, Sarah

Meyer-Dietrich

Impressum

1. Auflage Mai 2015

Satz und GestaltungHeike Amthor | Klartext Verlag

ISBN 978-3-8375-1425-4

ISBN ePUB 978-3-8375-1603-6

Alle Rechte der Verbreitung, einschließlich der Bearbeitung für Film, Funk, Fernsehen, CD-ROM, der Übersetzung, Fotokopie und des auszugsweisen Nachdrucks und Gebrauchs im In- und Ausland sind geschützt.

© Klartext Verlag, Essen 2015

www.klartext-verlag.de

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet unter http://www.dnb.de abrufbar.

Zwischen uns

Personen

Ella Dimitri, 17 Jahre

Galina Dimitri, Ellas Oma

Katja Dimitri, Ellas Cousine, 16 Jahre

Emscher, Fluss in Deutschland

Natascha Dimitri, Ellas Mutter

Iwan Dimitri, Ellas Vater

Ilja Aleksejewitsch Lajfarow, 19 Jahre

Olga Aleksejewna Lajfarowa, Iljas Schwester, 14 Jahre

Marja (Mascha) Petrowna Lajfarowa, Iljas und Olgas Mutter

Felix Luck, Ellas Freund, 17 Jahre

Freundin 1, Ellas Freundin

Freundin 2, Ellas Freundin

Freundin 3, Ellas Freundin

Alex, Iljas Freund, 19 Jahre

Iljas Nachbarin

Barcelona, Iljas Katze

Alina, Alex’ Freundin

Mann im Zug

Vera Dimitri, Katjas Mutter

Sascha Dimitri, Katjas Vater

Viktor

Sergej, Freund von Viktor

Ein Freund von Viktor

Katze in Nischni Nowgorod

Unbekannter

Szene 1 // Deutschland // Castrop-Rauxel

Auf einem Dachboden. Es ist dämmrig. Hier und da steht Gerümpel herum: Kartons, ein paar Möbel, etwas versteckt in einem Winkel ein verstaubter Koffer.

Ella betritt den Dachboden, dreht sich im Türrahmen noch einmal um.

Ella:

(

ruft)

Babuschka, ich bin schon mal auf dem Dachboden! (

geht in die Mitte des Raumes, blickt sich um)

Woahhh, total die Gothic-Location. (

durchquert den Raum)

Hier könnte mein Bett stehen und hier ... Bah! Spinnweben! (

weicht zurück)

Oma könnte hier mal putzen!

(stolpert dabei rücklings über den verstaubten Koffer, der Koffer fällt um, Ella stürzt zu Boden)

Aua. So ein Mist! (

rappelt sich hoch, klopft Staub von ihrer Jeans, beugt sich vor, um den Koffer zu begutachten, wischt Staub vom Koffer, ein großes »V« kommt zum Vorschein, lacht leise)

V – wie voll vintage. (

will den Koffer anheben und beiseite stellen, da klappt er auf, Gegenstände poltern zu Boden)

Oh, nee! (

greift nach einem Kleidungsstück, das aus dem Koffer gefallen ist)

Hey, coole Jacke.

(legt die Jacke beiseite, kniet sich vor den Koffer)

Was ist das denn alles für ein Zeug?

(greift nach einer Zeitung)

Russisch. (

blättert darin)

1995 ... da war ich ja noch gar nicht auf der Welt.

(liest eine Schlagzeile vor)

Viktor »Molotok« schwimmt allen davon.

(kopfschüttelnd)

Wer interessiert sich denn für sowas?

(greift nach einer Urkunde, liest)

1. Platz, Schwimmmeisterschaft, Viktor Kusnezow ...

(murmelt)

Wieder Viktor ...

(hält eine VHS-Videokassette hoch, betrachtet sie erstaunt)

Sowas gibt’s noch?

(ruft in Richtung Tür)

Babuschka, hast du einen Videorekorder?

(als keine Antwort kommt, legt sie die Kassette beiseite)

Guck ich mir vielleicht irgendwann mal an.

(wühlt im Koffer, hält eine Zahnbürste mit spitzen Fingern hoch)

Igitt!

(wirft die Zahnbürste zu Boden, greift nach einem Stapel Briefe, löst das Band, mit dem sie zusammengebunden sind, murmelt)

Auch auf Russisch. Lieber Viktor, ich vermisse dich ... Wer ist bloß dieser Viktor? Ein Freund von Oma? Wow ... so viele Briefe. So viel Liebe ...

(schaut überrascht in den Koffer)

Oh, wow! Wie cool.

(zieht einen Revolver aus dem Koffer, hält ihn hoch, wiegt ihn in der Hand, zielt an die Decke)

Ob der geladen ist?

(legt den Revolver schnell zur Seite, nimmt ein dickes Bündel Geld aus dem Koffer)

Dollar ... Warum liegt hier so viel Geld rum?

(blättert durch das Bündel, entsetzt)

Krass! Ist das Blut?

(legt das Bündel schnell neben den Revolver, zögert, wühlt noch einmal im Koffer, murmelt)

Ein Abholschein ... Ein Notizbuch ... Was für eine Sauklaue ... Fotos

(stutzt)

Das ist doch Papa!

(betrachtet das Foto eingehender, dreht es um, liest)

Iwan und Viktor, 1995.

Von der Tür her hört man Schritte.

Oma:

(ruft)

Ella? Bist du noch da oben? Elena?

Ella:

(springt auf, schiebt Geld und Revolver schnell unter die alte Jacke, den Koffer tiefer in die Ecke)

Ja, Babuschka, ich bin hier. (

geht auf die Tür zu, das Foto noch in der Hand)

Oma betritt den Raum.

Ella:

(streckt ihr das Foto entgegen)

Wer ist denn der Typ neben Papa?

Oma:

(wirft nur einen kurzen Blick auf das Bild)

Ach, das seh ich doch so ohne Lesebrille nicht.

(blickt sich auf dem Dachboden um)

Und? Was meinst du? Hier können wir es dir bestimmt gemütlich einrichten.

Szene 2 // Deutschland // Castrop-Rauxel

Ella und Oma in der Küche. Oma werkelt. Ella sitzt am Tisch, zupft am Foto herum.

Ella:

Babuschka, jetzt sag schon, kennst du den Mann?

Oma werkelt weiter, reagiert nicht.

Ella:

Babuschka!

Oma:

(über die Schulter hinweg)

Sag mal, wie geht es denn jetzt mit dir weiter? Wechselst du die Schule, oder wie war das?

Ella:

Nein, ich besuche weiterhin meine alte Schule in Dortmund. Ist ja nicht weit. Aber zu dem Mann: Ich hab auf dem Da-

Oma:

(fällt ihr ins Wort)

Ach, Himmel, ich muss ja noch nach nebenan! Frau Köhler wollte uns eine Matratze leihen, wo sollst du sonst schlafen?

Ella:

Auf der Couch. Ist schon in Ordnung. Sag mir lieber-

Oma:

(unterbricht)

Nichts da! Du machst dir nur den Rücken kaputt bei dem ollen Ding. Nein, nein, ich geh gleich rüber und bitte Herrn Köhler, uns die Matratze zu bringen. Und morgen fahren wir zu diesem einen Möbelgeschäft ... du weißt schon ... das, wo man so lecker frühstücken kann. Und dann kaufen wir dir noch ein paar hübsch-

Ella:

Babuschka! Jetzt hör mir doch endlich mal zu! Da ist so ein komischer Koffer auf dem Dachboden.

In dem Moment platzt Katja in die Küche.

Katja:

Was für ein Koffer? Auf dem Dachboden? Klingt spannend!

Ella:

(verdreht die Augen)

Nichts für dich, Katja.

Oma:

(seufzt)

Warum ihr beiden Mädchen euch nicht besser versteht.

Ella:

(gereizt)

Weißt du was? Egal ... Ich geh spazieren.

Szene 3 // Deutschland // Castrop-Rauxel

Ella an der Emscher-Brücke. In der Hand hält sie einen Briefumschlag.

Ella:

Hallo Emscher.

Emscher:

Hey! Du hier und nicht in Dortmund?

Ella:

Nee, ich wohn seit einer Woche in Castrop-Rauxel. Bei Babuschka auf dem Dachboden. Schon beinahe fertig eingerichtet jetzt. Fehlt nur noch eine Sitzecke. Sonst müssen meine Freunde auf dem Boden sitzen.

Emscher:

Klingt gut.

Ella:

Der Dachboden ist viel größer als mein altes Zimmer. Das ganze Haus ist so schön groß. Außerdem wohne ich mit Babuschka hier allein. Wenn auch Katja oft vorbei kommt. Die nervt voll.

Emscher:

Sie ist immerhin deine Cousine.

Ella:

Na und? Aber mit Babuschka komm ich super klar. Sie steht immer hinter mir und versteht meine Entscheidungen. Nicht so wie Mama und Papa. Die wollen immer noch unbedingt nach Russland.

Emscher:

Klar, weil sie Heimweh haben.

Ella:

Aber andersrum wär’s doch das gleiche für mich, wenn ich mit nach Russland ziehe. Dann wär ich es, die alles vermisst. Babuschka, meine Freunde. Und vor allem Felix.

(mit Nachdruck)

Ich kann doch Felix nicht verlassen! Wie können meine Eltern das erwarten?

Emscher:

Sie sind halt manchmal etwas uneinsichtig.

Ella:

Kannste laut sagen! Wenn ich an unseren letzten Streit denke ...

Rückblende

Ella und ihre Eltern Iwan und Natascha.

Natascha:

(besänftigend)

Schau, Lenotschka, in Russland wohnt doch meine Mamotschka. Ich vermisse sie so. Sie wäre auch froh, ihre einzige Enkelin öfter zu sehen. Sie ist zu alt für so lange Reisen.

Iwan:

(streng)

Außerdem gehören wir nach Russland.

Ella:

(traurig)

Aber ich bin hier aufgewachsen. Was ist mit der Schule? Mit Babuschka Galina und meinen Freunden? Und was ist mit Felix?

Natascha:

(sanft)

Mit der Schule kriegen wir das schon hin. Und du findest neue Freunde.

Iwan:

Einen neuen Freund findest du auch.

(mehr zu sich selbst)

Ein Russe wäre mir sowieso lieber ...

Ella:

(wütend)

Ich will aber keinen neuen Freund!

Natascha:

(besänftigend)

Dotscha, Dotschenka ... Jetzt schrei doch nicht so.

Ella:

Ihr versteht das nicht! Ich will nicht nach Russland! Deutschland ist meine Heimat.

Ende der Rückblende

Ella an der Emscher.

Ella:

Nach dem Streit bin ich zu Babuschka und hab mich erstmal ausgeweint. Was soll ich in Russland? Da bin ich nicht einmal geboren.

Emscher:

Aber was sich dein Vater in den Kopf gesetzt hat ...

Ella:

Bald bin ich 18, dann kann der mir gar nichts mehr vorschreiben! Und solange werde ich hier bei Babuschka auf dem Dachboden wohnen.

Emscher:

Gut, dass ich nicht nur durch Dortmund fließe, was?

Ella:

(lacht, wird dann wieder ernst)

Mit Papa hab ich seit dem Umzug nicht geredet.

Emscher:

Der kriegt sich schon wieder ein.

Ella:

Hat Babuschka auch gesagt. Die muss es ja wissen. Ist schließlich ihr Sohn. Fühlt sich trotzdem nicht gut an.

Emscher:

Und was sagt Felix dazu? Sitzt oft in Dortmund allein an meinem Ufer. Spielt Gitarre und singt. Hab euch länger nicht zusammen gesehen.

Ella:

Ja, ausgerechnet jetzt verstehen wir uns nicht gut.

Emscher:

Was hat er denn?

Ella:

Er ist sauer, dass ich umgezogen bin, ohne vorher mit ihm drüber zu sprechen. Ich kann ihn ja irgendwie verstehen. Wir haben uns in letzter Zeit sowieso nicht oft gesehen, weil die Schule stresst. Jetzt wohnen wir nicht einmal mehr in einer Stadt. Macht es nicht leichter. Ohne Führerschein. Aber er könnte mich doch auch einfach unterstützen.

Emscher: