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Bleibe ich eine graue Maus im Schneckenhaus oder starte ich heute, um Schritt für Schritt zu einer starken, echten Persönlichkeit zu werden und zu wachsen? Was ist dabei gut für meinen Körper, Geist und damit für mich? Genau hier setzt jeder der zwölf Impulse an. Die Autoren gehen u. a. der Frage nach, wie wir bewusster mit all den Reizen, die auf uns zu kommen, umgehen. Mit jedem Beitrag werden wir nicht nur für ein Thema sensibilisiert, sondern erhalten konkrete Tipps und Hinweise, wie wir sowohl privat als auch beruflich mehr Klarheit, mehr Power und dadurch mehr Selbstbewusstsein entwickeln. Inhalte: - 7 Schritte zum starken Selbstvertrauen - Essenzielle Grundlagen für Wirksamkeit - Mit wertschätzender Kommunikation online richtig wirken - MEHRwert erfolgreicher Zeitplanung und Selbstorganisation - Life-Changer - der ultimative Weg zum Glücklichsein mit Hypnose
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Seitenzahl: 351
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Haufe Lexware GmbH & Co KG
[4]Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
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ISBN 978-3-648-15760-2
Bestell-Nr. 33663-0001
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ISBN 978-3-648-15761-9
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ePDF:
ISBN 978-3-648-15761-9
Bestell-Nr. 33663-0150
Werner Dieball (Hrsg.)
Zwölf Impulse für eine starke Persönlichkeit
1. Auflage 2021
© 2021 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg
www.haufe.de
Bildnachweis (Cover): DNY59, GettyImages
Produktmanagement: Jürgen Fischer
Lektorat: Text+Design Jutta Cram, 86157 Augsburg
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Wieso noch ein Buch zum Thema Persönlichkeitsentwicklung? Diese Frage ist berechtigt. Der Markt für Ratgeberliteratur ist bereits überschwemmt.
Bei der Suche auf Google kommen wir auf 3.750.000 Beiträge zur Optimierung der Persönlichkeit. Auf der Seite von Amazon sind es immerhin noch 70.000 Vorschläge, doch auch hier verlieren wir den Überblick. Wer jetzt also dieses Buch in den Händen hält und zu lesen beginnt, hat sich durch den Dschungel der vielen Ratgeber geschlagen.
Wenn wir eine starke Ausstrahlung entwickeln möchten, benötigen wir eine gehörige Portion Willen und Disziplin. Im Laufe der Lektüre werden Sie merken: Ganz gleich, bei welchem Impuls wir uns gerade in diesem Buch befinden: Es reicht nicht aus, nur zu lesen. Im gleichen Atemzug, mit dem wir eine Erkenntnis erlangen, startet meist auch ein konkretes Projekt. Diesem Vorhaben gehen wir dann fokussiert nach. Tag für Tag.
Gekoppelt an ein theoretisches Fundament liefern die zwölf Autorinnen und Autoren praxistaugliche Handlungsempfehlungen, damit alle zielgerichtet an ihren individuellen Stellschrauben drehen und an ihren Zielen arbeiten können.
Damit wir nach innen wie nach außen souverän wirken, ist es essenziell, dass unsere Gesundheit und Kommunikation mit individueller Eigen-PR im Einklang sind. In jedem Kapitel finden sich Anregungen, die uns dazu animieren und dafür sensibilisieren, die eigene Persönlichkeit ganzheitlich zu betrachten.
Im ersten Impuls von Dr. Werner Dieball gehen wir der Frage nach, ob es wirklich möglich ist, die Fähigkeiten zu entwickeln, nach der sich viele Menschen sehnen: souverän, überzeugend und schlagfertig zu sein.
Damit unsere verbalen Repliken auch beim Gegenüber ankommen, benötigen wir die geballte Kraft unserer Stimme. Basierend auf ihrer jahrzehntelangen Expertise und vielen praxisnahen Beispielen widmet sich Petra Ziegler dieser Thematik.
Es ist schon mal beruhigend zu wissen, dass wir Antwortmodule entwickeln können, die wir – auch mithilfe einer angenehmen und überzeugenden Sprechweise – [8]anwenden können. Doch wie gewinnen wir die Energie, um all den Widerständen des Alltags robust entgegenzutreten? Genau! Durch eine bewusste, ausgewogene Ernährung. Wenn wir das machen bzw. essen, was Dr. Burkhard Jahn empfiehlt, schaffen wir die Grundlage für einen gesunden Geist in einem gesunden Körper.
Nach der Lektüre der ersten drei Kapitel denken manche vielleicht: »Na toll! Jetzt kommuniziere ich besser und klarer, auf meine Ernährung achte ich ebenfalls – und dennoch plagen mich gelegentlich Selbstzweifel, Schlafstörungen, unerklärliche Ängste oder einfach nur Kopfschmerzen.« Einen entscheidenden Beitrag, dem entgegenzuwirken, liefert der Life-Changer-Impuls von Dr. Holger Ahlsdorff.
Wer den Weg zu sich selbst und seinem Glück mit einem starken Selbstvertrauen fortsetzen möchte, ist in Kapitel 5 bei Sijo Klaus Dingeldein in guten Händen. Seine Tipps helfen uns dabei, noch mehr Selbstwertgefühl aufzubauen.
Dies führt uns direkt zur Selbstliebe und den Erkenntnissen von Annette Dernick. Wie kommen wir aus einem richtig festsitzenden Lebenstief wieder heraus? In ihrer Lebensstory offenbart sie uns, mit welchen Techniken wir wieder zu uns selbst finden, auch wenn es uns mal richtig schlecht geht.
Die Gründe, warum Menschen in existenzielle Nöte geraten, sind vielfältig. Neben gesundheitlichen Problemen plagen viele Menschen finanzielle Sorgen. Manche retten sich dann mit Galgenhumor – nach der Devise: »Das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anders.« Der Investmentprofi Michael Duarte bringt mit Logik Klarheit in unsere Finanzen.
Doch was nützt uns das gesammelte Wissen, wenn wir nicht gehört und gesehen werden? Andrea Thiel bringt Ihnen mit ihrer Lebenserfahrung das Thema »Wie mache ich meine Botschaften und mich sichtbar?« nahe.
Bis in die Achtzigerjahre hinein hatten die meisten privaten Haushalte drei Fernsehprogramme. Und heute? Unendlich viele – plus Social Media. Auf welcher dieser Plattformen kann und will ich mitwirken? Andreas Söntgerath ist mit seiner Agentur schwarzwild Kommunikation in seinem Element.
Und jetzt spielen wir überall mit, posten Fotos, drehen Videos, doch gelegentlich wundern und ärgern wir uns, dass wir dabei nicht so optimal, nicht so professionell [9]rüberkommen. Die PR-Expertin Birgit Lutzer gibt uns in diesem Kontext erprobte Hinweise aus dem »Schatzkästchen der Medienpräsenz«.
Doch Obacht! Wer sich zu viel auflädt, gerät schnell in Stress. Was können wir tun, um diesem Teufelskreis zu entkommen? Antworten auf diese und mehr Fragen gibt Holger Krebs.
Ein probates Mittel, unseren Alltag in den Griff zu bekommen und unseren Stress-level gering zu halten, ist eine strukturierte Zeitplanung und ein wirkungsvolles Selbstmanagement. Genau hier setzt Manuela Lott an. Mit ihrem Impuls schließt sich der Kreis zu 360 Grad Persönlichkeit.
Wer sich unmittelbar auf den Weg begibt, wird zwar nicht sofort ankommen, dafür aber zwölf Schritte weiter sein: step by step.
Nachwirkungsvolle Erkenntnisse wünschen
Dr. Werner Dieball und das Autorenteam.
PS: In dieser Publikation verwenden die Autorinnen und Autoren ihre persönliche Ansprache. So schreiben manche in der Du-, andere wiederum in der Sie- oder Wir-Form.
Ebenso verhält es sich mit der geschlechtergerechten Sprache. Dort, wo das für die jeweiligen Autorinnen und Autoren nicht möglich war bzw. die Lesbarkeit des Textes erschweren würde, gelten die gewählten personenbezogenen Bezeichnungen für alle Geschlechter.
Dr. Werner Dieball, Kommunikationstrainer
Wie reagieren wir, wenn uns jemand verbal angreift? Eine Attacke trifft uns direkt ins Mark. Oder ist es nur ein Einwand, der wie ein Vampir unsere Energie aufsaugt und nanosekündlich zersetzt?
In unserer Kränkung haben wir das Bedürfnis, schlagfertig antworten zu können – am besten mit dem ultimativen Satz, den goldenen Worten – zur richtigen Zeit, versteht sich. In der Regel warten wir vergebens, verspüren nur Gedankenleere. In diesen Augenblicken stehen wir auf dem sprichwörtlichen Schlauch, fühlen uns völlig hilflos und allein. Den damit verbundenen Ärger schleppen wir häufig noch den ganzen Tag, bisweilen bis in die Nacht und darüber hinaus mit uns herum.
Wieso entstehen bei uns diese Emotionen? Wir könnten es ja auch gut sein und Kränkungen an unserem antrainierten dicken Panzer abperlen lassen. Wir alle stellen hohe Erwartungen an uns selbst und vor allem auch an unsere Mitmenschen. Und das, obwohl wir Weisheiten kennen wie »Des Glückes Tod ist immer der Vergleich« oder »Mach dich frei von jeglichen Erwartungen«.
Wir nehmen uns und alles Drumherum wichtiger als richtig wichtig. Die Relevanz der Wortwirkung liegt da auf der Hand. Wir verleihen den Worten ihre Bedeutung und nehmen sie persönlich. Nur: Wie denn sonst? Ist es nicht so, dass, gerade weil jemand an uns appelliert: »Bitte nimm es nicht persönlich«, sich eben dieser Trigger-effekt bei uns einstellt? Das nagt an uns.
Die verbale Speerspitze hinterlässt Risse in unserer Herzseele, brennt sich ein, voller Pein, im Sein wollen wir zurückschlagen, uns nicht sozial miteinander vertragen, sondern getreu der Redensart: »Wie du mir, so ich dir!«, ballern wir zurück, im Hier und Jetzt, real, in echt. Was soll denn der biblische Satz »Wenn dir einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die rechte hin«? So weit geht selbst das tiefe Glaubensverständnis bei engagierten Christen nicht.
[12]Oder gerade bei diesen nicht. Da bedient sich manch einer lieber aus dem Alten Testament und agiert nach dem Motto: »Ist weiterer Schaden entstanden, dann musst du geben: Leben für Leben, Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß, Brandmahl für Brandmahl, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.« (2. Mose 21:24)
»Dieses Zitat findet sich doch auch in der Bibel«, so die Rechtfertigung, nun so richtig die Verbalkeule auszupacken. Das ist die Legitimation, in die Steinzeit oder, zeitlich noch näher, ins Mittelalter zurückzufallen. Wenn wir uns gegenwärtig das gesellschaftliche Treiben bspw. auf Social Media näher anschauen, sind wir nicht weit davon entfernt, sondern mittendrin in der ganz dunklen Zeit – nur unter dem Deckmantel der Digitalisierung. Wer versteht, was an den »sozialen Medien« »sozial« ist, ist wahrscheinlich wahrhaftig erleuchtet.
Der Wolf im Schafspelz mutiert zum Aggressor, verschmilzt mit dem Niveau seines Visavis, bemerkt dabei nicht, wie er das Spiel im Spiel verliert, gefriert zur selbigen Substanz, ohne jeglichen persönlichen Glanz, tanzt er im selben Takt, geführt vom inneren zum äußeren Stockschlag.
Bei Kindern heißt es in diesem Kontext: »Nein, nein, du darfst den Horst-Leander nicht hauen, das macht man nicht!« Oder, wenn es um die verbale Ausdrucksweise geht, erklingt es mahnend: »Solche bösen Wörter benutzt man aber nicht!« Schließlich erfolgt der adäquate Hinweis: »Du sollst dich freundlich gegenüber deinen Mitmenschen verhalten, bleib ruhig, lass dich doch nicht provozieren. Das musst du noch lernen, mein Kind.« So der explizit für Kinder geltende Ratschlag.
Und wie präsentiert sich ein Großteil der sogenannten aufgeklärten Erwachsenenwelt? Die Großen rechtfertigen sich, bis der Akku leer ist.
Wir hören selbstgefällige Phrasen wie: »Na ja, wer mir so kommt, der/die muss auch das Echo vertragen. Das hat er/sie nun davon. Hätte ja nicht so was sagen müssen.« Genau, und dann sind wir voll drin in der authentischen Kommunikation. Die rhetorische Krönung ist das viel zitierte: »Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.« Wenn gar nichts mehr geht: »Trotzdem. Ist halt so.« Wenn wir emotional unter null sind, kommen lediglich banale Killerphrasen. Totschlagargumente, die keine lebendigen Gedanken mehr zulassen. Verbrannte Gedanken finden wir sowohl in der analogen als auch in der virtuellen Welt.
[13]In diesen Situationen sind wir nur ein weiterer statischer Pflock, wir haben keinen Bock, keinen Willen, keinen Drang uns zu entwickeln – wie auch? Wir sind emotional so starr, hoppeln, ohne es zu bemerken, auf der geistigen grauen Weide herum. Dabei ist es nicht schwer, sich aus diesem Takt zu lösen und sich in seinem individuellen Takt zu bewegen. In seinen eigenen, emotionalen Rhythmus zu gelangen.
Nur, wie soll das funktionieren? Von der gern erwähnten Souveränität bei vollkommener Ahnungslosigkeit träumen wir doch alle. Doch einen Moment: Es gibt ja bereits eine Vielzahl von Menschen, die sehr viel Wissen mitbringen und dennoch nicht souverän wirken. Trotz Expertise geben sie sich unsicher.
Wie kann das sein? Wir alle haben sie oder ihn schon mal erlebt. Wir führen uns die Person direkt vor unser inneres Auge: Vorn auf der Kanzel steht ein wahrer Experte, vielleicht sogar noch mit einem akademischen Titel ausgestattet. Nur leider kommt inhaltlich nichts resp. vergleichsweise wenig bei der versammelten Zuhörerschaft an. Auch wenn Fragen an diese Fachleute gerichtet werden, reden sie sich teilweise um Kopf und Kragen. Sicherlich ebenfalls eine Möglichkeit, um die Rezipienten inhaltlich k. o. zu schlagen.
Was machen diese Akteure falsch bzw. welche Verhaltensweisen sind nicht so wirkungsvoll?
Expertinnen und Experten können locker mehr als drei Stunden über ihr Fachthema referieren und hinterher noch mal mehr als zwei Stunden lang Fragen beantworten. Oft und gern ohne Punkt und Komma. Viele der Zuhörenden fühlen sich danach inhaltlich nicht gefüllt, sondern im Gegenteil: Sie sind völlig erschöpft, da sie guten Willen zeigen wollten und versucht haben, so wie damals in der Schule aufmerksam zu folgen. Dieser ehrenwerte Vorsatz bringt hier leider nichts.
Und dann gibt es noch solche Teilnehmer, die bereits nach wenigen Minuten, häufig nach einigen Sekunden im »geistigen Garten« versinken. Durch die Flut der vorgetragenen Zahlen, Daten und Fakten werden sie ins emotionale wie inhaltliche Nirwana geschickt.
Gut, dieser Zustand ist per se nichts Schlechtes. Im Gegenteil, er ist ein wunderschöner Ort. Hier gibt es unheimlich viel zu entdecken, manche experimentieren gar in diesem intimen Paradies. Die Menschen geben sich dort völlig unbeschwert und frei [14]ihrer eigenen Gedankenwelt hin. Je nach Vorliebe flanieren sie umher, malen sich die schönen Dinge aus, die nach dieser Veranstaltung auf sie warten: die Speisen im Restaurant, den kräftigen, trockenen Rotwein, das kühle Bier, vorher vielleicht noch etwas Sport, ein kulturelles Ereignis wie das inspirierende Theaterstück oder einfach nur das Buch resp. Videospiel, in dem es gerade so spannend zugeht. Kurzum, sie sind in ihrer individuellen Welt für sich. Das alles klingt sehr verlockend, es hat nur leider wenig bis nichts mit dem aktuell laufenden Fachvortrag oder Meeting zu tun.
Gegenwärtig gibt es noch eine weitere aufstrebende Gruppierung: Immer mehr Menschen machen sich gar nicht mehr die Mühe, selbst zu denken, um in ihren kognitiven Wunschhorizont zu gelangen. Sie greifen lieber direkt und unmittelbar zu ihren »Dienstwaffen« – ganz unverblümt werden Smartphone, Laptop oder das Tablet gezückt. Über ihre digitalen Endgeräte surfen sie oft unbemerkt ihrem geistigen Exitus entgegen. Die schneeweißen AirPods machen es sogar möglich, dass wir uns nicht nur visuell verabschieden, sondern auch noch auditiv in eine Parallelwelt flüchten können. Was bleibt von den möglichen wertvollen Erkenntnissen übrig? Wenig bis gar nichts. Wie schade, denn diese Lebenszeit können wir sinnvoller gestalten.
Was ergibt sich hieraus? Selbst bei Expertendialogen oder Vorträgen kann es dazu kommen, dass diese Fachleute ihr Gegenüber nach kurzer Zeit verlieren und sich oftmals in ihrem erarbeiteten Wissensvorsprung, in ihrem Tempo überholen, ohne es zu bemerken.
Im Straßenverkehr oder beim Sport werden Menschen dafür gelegentlich mit einem Bußgeld belegt, bestraft oder bei stetiger Wiederholung sogar verkehrsrechtlich verurteilt. Bei den sogenannten Experten wird die überhöhte Geschwindigkeit aber nicht als »Wirkungsvergehen« geahndet, sondern allzu oft hingenommen, mit der Rechtfertigung, dass er oder sie ja so viel zu seinem bzw. ihrem Themengebiet zu sagen hat.
Dann ist es so, wie es ist und wirkt. In manchen Kreisen gilt es sogar als intellektuell schick, möglichst viele Informationen verbunden mit Endlosschleifenschachtelsätzen in einer Korsetthaltung und einer massiven Tempoüberschreitung vorzutragen. Verstehe dies, wer will. Bei einem solchen Szenario sollte es keinen strafmildernden Expertenbonus geben. Wir sollten eher von vorsätzlichen »Wirkungsverstößen« ausgehen.
[15]Da wir Menschen bekanntlich Weltmeister im Rechtfertigen sind, entstehen Erklärungen wie: »Ich möchte so viele Inhalte vermitteln, deshalb rede ich so schnell.« Genau, und direkt auch noch »so viel«. Übrigens ist es nicht nur respektabel, sondern auch essenziell, dass jemand über geistige Tiefe in Gestalt von Zahlen, Daten, Fakten verfügt. Das ist die Basis. Daran schließt sich die Frage an: Wie lässt sich das Wissen verständlich an das Auditorium transferieren?
Es ist wichtig zu betonen, dass sich meine Ausführungen an beide Seiten richten: die Experten und die Gruppe derer, die sich unsicher fühlen, weil sie wissen, dass sie zu wenig wissen. Die zuerst Genannten haben den Vorteil, dass sie bereits durch Inhalte punkten können. Sie brauchen »nur« noch an ihrer Wirkung zu feilen. Doch wie können sie nachjustieren, an welchen Stellschrauben können sie kurzfristig, direkt drehen? Wie ist es möglich, bei all den im Folgenden vorgestellten Techniken und Methoden authentisch zu wirken und zu bleiben?
Es geht nicht darum, durch Tipps und Ratschläge neue Typologien zu kreieren. Menschen zu Marionetten zu machen. Sie so zu beeinflussen, dass nur noch eine artifizielle Maskerade, eine leere, beliebig austauschbare Hülle übrigbleibt, die dann grenzdebil in die Kameras schaut und den Kollegen zulächelt, alternativ winkt.
Manch einer erinnert sich in diesem Kontext noch an die wirkungsvoll gemeinten Auftritte des immer bemühten Edmund Stoiber im Bundestagswahlkampf 2002. Als ob ihm ein Souffleur immer wieder gepredigt hätte: »Edmund, lächle mehr als andere (LMAA)!« griente er bisweilen zu verkrampft und offensichtlich in jede Linse und von jeder Bühne.
Das Problem liegt hier nicht im Lächeln, sondern vielmehr in der Inkongruenz, d. h., wenn das »nonverbale Management« nicht zum Inhalt passt und vice versa.
Bei aller Lektüre von Fachbüchern, all den Seminarbesuchen und Coachingmaßnahmen sollte jeder für sich herausfiltern, was wirklich zu ihm passt. Auf diese Weise entwickelt sich souveräne Echtheit, die sich wiederum auf sämtliche Lebensbereiche übertragen lässt. Wenn wir für uns diese Kommunikationsharmonie eruiert haben, sind wir in der Lage, unsere Wirkung und unsere Auftritte so zu steuern und zu lenken, dass wir mit viel und auch mit weniger Ahnung dennoch einen sicheren, selbstbewussten Eindruck machen und hinterlassen.
Wenn es heißt, dass für einen selbstbewussten, souveränen Eindruck drei Wirkungsmechanismen von Bedeutung sind, klingt dies in vielen Ohren wie eine Binsenweisheit. Egal, wo wir uns präsentieren: Wir wollen das übereinstimmende Zusammenspiel von Worten, Körpersprache und Stimme erreichen.
Sofern die Menschen es nicht laut sagen, so denken sie es sich: »Ja, das mach ich doch. Darauf achte ich. Wirklich. Im Ernst.« Oder es wird erklärt: »Genau, das hab ich schon mal trainiert. Kenne ich doch. Ich weiß.« Wahrscheinlich ist das auch völlig richtig und stimmt. Nur sind das klassische Verhaltensmuster, die wir gerne und oft wiederholen. Immer und immer wieder. Hier offenbart sich das Mindset der Menschen: Wir denken, weil wir das einmal gemacht haben, kennen und können wir das.
Dann sitzen wir in einer Videokonferenz oder in einem Präsenzmeeting und wirken wieder wie der erste Mensch. Ein Urlaut – »ähm« – wird vom nächsten »Ähm und ja und ähm …« abgelöst. Die weniger netten Kolleginnen und Kollegen führen schon Strichlisten, wie viele »Ähms« und »Jas« es heute wieder sind. Andere schämen sich einfach nur fremd und schauen verstohlen zur Seite.
Hinzu kommen verbale Weichspüler wie »quasi«. Die Schwester von »quasi« heißt »sozusagen«. »Ist halt so«, rechtfertigt man sich. Und weiter: »Eigentlich bin ich normalerweise ja auch mehr oder weniger viel besser vorbereitet. Sag ich mal.« Es wird geredet und geredet. Nur zum Punkt kommen wir nicht. Mal wieder: ohne Punkt, ohne Komma, ohne Pausentechnik.
Die Sprechgeschwindigkeit nimmt mehr und mehr zu. Während der ausufernden Ausführungen überschlägt sich die Stimme, sie zittert hörbar und wird immer dünner. Die Atmung gleicht dabei der eines Fisches, der am Ufer vergeblich nach Luft schnappt. Zeitweise verlieren wir völlig den roten Faden und sind gänzlich von der Rolle. Vor lauter Nervosität und Tempo kommt es zum befürchteten Blackout. Und das, obwohl wir doch so viel zum Thema wissen. Wie konnte das passieren? Es ist doch unser Fachgebiet!
Parallel dazu wirkt die Körpersprache mit. Unsere Haltung ist entweder eng und schmal – verharrt komplett im statischen Korsett, in Schockstarre. Oder wir sind so voller Adrenalin, dass wir planlos umhertänzeln und wild mit den Händen herum[17]fuchteln. Zeitgleich blinkt unser Gesicht tomatenfarben und die Augen irren suchend im Raum umher, suggerieren Unruhe und Nervosität.
So zeigen wir gerade mal zehn Prozent von dem, was wir tatsächlich draufhaben, was wirklich in uns steckt. Unsere Außenwirkung ist so wie ein kalter, nasser Lappen, der von den Augenpaaren der mitleidenden Akteure ausgewrungen wird. Das Problem: Man kommt sich vor wie der Lappen, mit dem der Boden, sinnbildlich betrachtet, gewischt wird.
Die Kollegen oder Kunden – falls sie nicht bereits ins Koma gefallen sind – sitzen dort kaum lebendig, immerhin atmen sie noch. Doch das ist auch das einzige Lebenszeichen. Die zentralen Inhalte bleiben auf der Strecke, sie verkümmern im nebulösen Wortschwall, der atemlos als aneinandergereihte argumentative Endlosschleife herausquillt.
Das Dumme ist: Es wird nicht besser. Nicht einfach so. Nicht via App, mit einem Wisch.
Im Geiste höre ich jetzt schon aus dem Off die Stimmen der Ja-aber-Sager-Armada: »Das ist ja alles sehr negativ, überzeichnet. So schlimm ist es auch wieder nicht bei mir.« Richtig! Nebenbei könnten wir es uns ja ganz simpel gestalten und empfehlen, die Urlaute »ähm« und »ja« einfach wegzulassen, ebenso die verbalen Weichspüler. Des Weiteren: Reden wir einfach langsamer, sind entspannter, bewahren die Contenance und setzen unsere Körpersprache kongruent mit aller Seelenruhe ein. Selbstredend situationsgerecht.
Und wenn uns jemand unterbricht, verbal attackiert oder unsere nun souverän präsentierten Inhalte kritisch hinterfragt, dann reagieren wir nicht völlig sprachlos, sondern kontern mit der nötigen Schlagfertigkeit. Wir benötigen nicht à la Mark Twain vierundzwanzig Stunden, bis uns eine passende Replik einfällt. Im Gegenteil – wie ein Rhetorikprofi antworten wir innerhalb einer Nanosekunde zielgenau.
Dabei beherrschen wir die komplette Bandbreite der sozialverträglichen Kommunikation. Unser »Portfolio der Schlagfertigkeit« ist so umfangreich, dass wir uns bei[18]nahe über jeden Einwand freuen. Wahlweise brillieren wir in schwierigen Situationen sogar mit einer Prise Humor und intelligentem Wortwitz.
Wow, das alles klingt zu gut – zu leicht, um wahr zu sein. Obwohl die soeben formulierte »Wirkverfassung« unser anvisierter Hafen ist, benötigen wir mehr Differenzierung und noch mehr technisches Repertoire, damit wir immer und überall souverän ankommen. Die hohe Kunst besteht darin, sich weder von einer lauen Brise noch von einem aufkommenden Sturm triggern zu lassen. Egal, wie die Situation ist, wir behalten die Kontrolle, ziehen die Fäden im Geiste und bleiben präsent.
Zunächst richten wir den Fokus auf die »Drei mal drei«-Wirkformel für mehr echte Souveränität.
Dazu nehmen wir als Erstes die oben aufgeführten Wirkkriterien Worte, Körpersprache und Stimme detaillierter ins Visier. Um wirklich besser nachzuwirken, speichern wir drei Merksätze ab:
Glaube führt zur Tat.Konzentration führt zum Erfolg.Wiederholung führt zur Meisterschaft.Dabei konzentrieren wir uns zielgerichtet auf einen Punkt der Wirkung. Wir fokussieren uns auf den letzten und entscheidenden Punkt der Dreier-Wirkformel: Damit wir Routine gewinnen, wiederholen wir für drei Wochen täglich eine Sache. Denn einmal reicht leider bei Weitem nicht, um Ausstrahlung zu entwickeln. Das ist ganz ähnlich wie beim Sporttreiben oder Musizieren. Auch hier pflegen viele Menschen oft sehr ambitionierte Vorstellungen. Manche melden sich sogar im Fitnessstudio an oder richten sich zu Hause eines ein. Nach einem Training bekommen wir Muskelkater. Das tut weh. Das schmerzt. Und dann? Was wird allzu häufig daraus? Wer trainiert denn wirklich konstant jeden Tag oder – nehmen wir die »Lightvariante« – dreimal die Woche? Genau, sehr wenige. Die Folgen? Wir verkümmern, wir verwelken unaufhörlich. Analog verhält es sich auch mit all den jungfräulich bleibenden Gitarren, Keyboards, Sprachlernprogrammen, Büchern und vielem mehr.
[19]Das Gefährliche daran ist, dass es erst gar nicht bemerkt wird. Wie bei der Inflation des Geldes vollzieht sich eine regelrechte »Persönlichkeitsinflation«: Es reicht schon aus, wenn wir tagtäglich im Promillebereich an Außenwirkung verlieren.
In diesem Zusammenhang unterschätzen wir wie bei den Finanzen den Zinseszins-effekt. Nur hier heißt es »Wirkungseffekt«. Wer drei Wochen lang jeden Tag vorangeht und sich passgenau einem Kriterium widmet, der wächst garantiert, und zwar unweigerlich und unaufhaltsam. Drei Wochen benötigen Körper und Geist, einen neuen oder auch einen älteren Impuls zu verinnerlichen.
Wer sich bspw. für drei Wochen darauf konzentriert, seine Aussagen in kürzeren Hauptsätzen zu formulieren, der macht einen unmittelbaren Wirkungsschritt. Bei diesem Dreiwochenprojekt achten wir am besten auf Achtwortsätze. Hier kommt der gute alte Tipp aus Kurt Tucholskys Buch »Ratschläge für einen guten Redner« zur Geltung: »Hauptsätze, Hauptsätze, Hauptsätze. Klare Disposition im Kopf – möglichst wenig auf dem Papier.« Hier reiht sich treffend der Hinweis ein, dass Nebensätze Nebelsätze sind. Dadurch verschleiern wir das, was wir sagen wollen. Wir alle sind schon mehr als einmal Zeugen gewesen, wie uns jemand mit seinen verschachtelten Satzkonstruktionen direkt ins nebulöse, geistige Abseits befördert hat.
Positiv ist, dass wir innerhalb eines Dreiwochenprojekts den doppelten Wirkeffekt erzielen können. Wenn wir fortan nicht nur selbst auf die besagten Achtworthauptsätze achten, sondern gleichzeitig auch die Ausdrucksweise bei unseren Mitmenschen bewusster wahrnehmen, erhalten wir ein wirkungsvolleres Ergebnis in derselben Zeit. Ganz gleich, ob wir mit dem Auto oder der Bahn unterwegs sind, Radio oder einen Podcast hören – wir registrieren ab sofort noch aufmerksamer nicht nur was, sondern wie der- oder diejenige gerade spricht. Wir fokussieren uns darauf, wie viele Wörter unser Gegenüber braucht, um zum Punkt zu kommen.
Allein dieses Projekt lässt sich wunderbar im beruflichen wie im privaten Umfeld umsetzen. Bereits mit der Lektüre dieser Zeilen befindet sich jeder in seinem Dreiwochenprojekt der kurzen Sätze. Für all diejenigen, die meinen, damit intellektuell unterfordert zu sein, bieten sich multiple Wirkprojekte an. Alternativ widmen wir uns den rhetorischen Wirkpausen, den plastischen, anschaulichen Wirkgesten und der sozialverträglichen Schlagfertigkeit.
[20]Allein mit den in diesem Beitrag aufgeführten Empfehlungen kann sich jeder monatelang beschäftigen. Wer konsequent ist, nimmt sich parallel die Hinweise aus den anderen Buchbeiträgen zu Herzen und verfolgt diese in weiteren Dreiwochenprojekten. Damit sind wir dann für die nächsten Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte beschäftigt. Allein die Themen Gesundheit, Ernährung und Finanzen sind bis zu unserem Lebensende von entscheidender Bedeutung.
Das sind die Hausaufgaben, die jeder, der besser wirken möchte, machen sollte. Vielleicht intervenieren nun einige und lamentieren: »Was ist denn am Wochenende? Oder wenn ich Urlaub habe? Man muss ja auch mal frei haben!« Oh ja, das sei jedem gegönnt, doch streng genommen gibt es von jetzt an kein »frei« mehr. Was auch überhaupt nicht schlimm oder persönlich von Nachteil ist. Im Gegenteil, alle stellen für sich fest und erkennen, dass es sogar Freude bereitet, bewusster hinzuhören und hinzuschauen. Selbst wenn wir ins Ausland reisen, nehmen wir nun die dortigen Gepflogenheiten und Kommunikationsweisen sensibler wahr. Dort beobachten wir interkulturelle Standards und Stereotype, die privat wie im Business von enormer »Wirkungsbedeutung« sein können. Das Thema der interkulturellen Kompetenz ist ein weiteres Forschungsgebiet, mit dem sich jeder noch mal gesondert auseinandersetzen sollte.
Des Weiteren resultieren daraus positive Nebenwirkungen. Es entsteht gesellschaftlich nicht nur mehr Bewusstsein, sondern zusätzlich entwickeln wir ein Gespür, das zu der derzeit von so vielen thematisierten Achtsamkeit führt. Durch unser tägliches Tun und Handeln leisten wir hierfür einen wesentlichen Beitrag. Wir zeigen echte Haltung und agieren in sämtlichen Situationen deutlich souveräner. Ganz gleich, ob wir nun über genügend Zahlen, Daten und Fakten verfügen oder eben auch nicht. Mit jedem Tag, mit jedem Wirkprojekt erarbeiten wir uns das, wonach wir alle streben: kongruente Präsenz in sämtlichen Lebenssituationen.
Als Zwischenfazit vernehmen wir einige Stimmen, die protestieren: »Ja, aber was mache ich denn nun, wenn mich jemand so oder so angeht? Brutal zurückschlagen soll ich nicht. Das habe ich verstanden.« Das ist doch schon mal eine prima Erkenntnis.
Werfen wir einen Blick auf unsere typischen drei Verhaltensmuster und mögliche alternative Formulierungen, die wir in unser Antwortportfolio aufnehmen. Stellen wir uns eine noch etwas mädchenhaft aussehende Projektleiterin vor. Bei digitalen wie auch in Präsenzmeetings kommt es seitens der Kollegen immer wieder zu überflüs[21]sigen Kommentaren, polemischen Sticheleien oder energieraubenden Einwänden. Mit ihren zweiunddreißig Jahren wirkt sie eher noch wie dreiundzwanzig. Am liebsten möchte sie es allen recht machen, alle mit ins Boot holen und mitnehmen. Wie sie in zahlreichen Workshops erarbeitet hat, sind ihr die Unternehmenswerte und die agile Führung besonders wichtig. Doch trotz aller Agilität wirkt sie in den letzten Monaten emotional angezählt.
Dabei hat sie sich selbst ertappt, wie sie in die klassischen Kommunikationsfallen geraten ist.
Beim Meeting stellt die Projektleiterin, top vorbereitet, mit vollem Elan und Begeisterung das ausgearbeitete Konzept vor. Doch schon nach wenigen Minuten kommt von einem älteren, männlichen Kollegen der lapidare Spruch, die tödlichste aller Killerphrasen: »Das haben wir hier noch nie so gemacht.« (Der Zwilling lautet: »Das haben wir schon immer so gemacht.«) Trotz des inhaltsleeren Beitrags nicken die Kollegen anerkennend und pflichten ihm mit Äußerungen aus der Rubrik »Mmmhmm!« bei.
Dieses Mal möchte die »junge Projektleiterin« das nicht auf sich sitzen lassen. Sie baut sich vor dem Kollegen auf, fuchtelt mit den Händen vor ihrem Gesicht herum, ihre Beine vibrieren ebenso wie ihre stakkatohaft ertönende Stimme: »Das ist doch kein Argument! Immer wieder dasselbe. Immer wieder dieselben, destruktiven Energievampire. Jetzt ist es aber mal gut!«, echauffiert sie sich.
Während sie sich so richtig ungeniert in Rage redet, schauen die Kollegen mit stoischer Ruhe, vielleicht etwas mitleidig auf die immer lauter werdende Führungskraft. Über ihre emotionale Eruption ärgert sie sich hinterher sehr. Sie versteht nicht, wieso sie sich von so einer Allerweltsfloskel hat triggern lassen.
Unser erstes Learning aus diesem No-Go: Wir bewahren die Contenance, wir bleiben emotional dickhäutig. Wir haben auch in schwierigen Situationen die Kontrolle über uns und damit die gesamte Situation. Manchmal hilft es in diesen Momenten, auch mal die Spucke zu sparen, den Sturm vorüberziehen zu lassen und tief durchzuatmen. Gerade bei solchen Szenarien ist es essenziell, bewusst auf die Atmung zu achten. Nur keine Schnappatmung durch den Mund, sondern ruhig durch die Nase [22]atmen. Damit steht wieder ein Dreiwochenprojekt auf unserer persönlichen To-do-Liste der Souveränität.
In einer anderen Besprechung reagiert ein auswärtiger Kollege überrascht, als die Projektleiterin die Moderation übernimmt. Auf sein »Oh, Sie sind ja noch ganz schön jung!« holt sie zu einer endlosen Rechtfertigungslitanei aus: »Also, wissen Sie, bereits früher, als ich in der Kita war, habe ich kleine Projekte übernommen, Verantwortung gezeigt, dann, auf der Grundschule, habe ich als Klassensprecherin die Lehrerinnen unterstützt, auf der weiterführenden Schule konnte ich in der Schülervertretung diverse Prozesse erfolgreich steuern. Und parallel zu meinem dualen, internationalen, dreisprachigen Studium habe ich im In- und Ausland diverse Projekterfahrungen gesammelt, die ich nun zielorientiert an meine Kollegen und Sie weitergebe (…).«
Nach dieser Rechtfertigungsarie herrscht zwar Ruhe, allerdings ist es eine eher ungemütliche Stille mit Fremdschämcharakter. Körpersprachlich tauschen sich die Kollegen mit vielsagendem Augenverdrehen aus. Als sie später unter sich sind, fallen diverse mokante Äußerungen über den »beachtlichen, bewundernswerten Karriereweg der jungen Kollegin«.
Bevor wir zu einer möglichen schlagfertigeren Alternativantwort kommen, ziehen wir unser zweites Learning aus dieser Sequenz: Wir rechtfertigen uns ab sofort nicht mehr. Wem das zu ambitioniert klingt, dem sei zunächst auch eine abgespeckte Version gestattet: Wir rechtfertigen uns von nun an deutlich weniger. Auch hier bietet es sich an, dabei nicht nur auf sich, sondern wiederum ebenfalls bewusster auf die Mitmenschen zu achten. Es ist garantiert, dass uns tagtäglich mehr als ein Mensch begegnet, der sich vor uns oder sonst wem rechtfertigt.
Es ist nicht zu hoch gegriffen, dass wir in puncto Rechtfertigung nicht nur von einem Dreiwochenprojekt sprechen, sondern vielmehr von einem persönlichen Lebensvorhaben.
Zurück zur jungen Projektleiterin. In einem Call mit der Assistentin der Geschäftsführung triggert sie der ironisch gemeinte, abfällige Spruch: »Das müssten Sie als international erfahrene Frau doch wissen!« Ihre Replik lässt nicht lange auf sich warten: »Passen Sie mal auf: Wissen Sie überhaupt, wer ich bin, wissen Sie überhaupt, mit wem Sie hier reden? Haben Sie studiert, Frau Assistentin? Wir können ja mal googeln, wessen Name mehr Treffer erzielt.« Nach dieser authentischen Antwort fühlt sie sich [23]schlagartig besser. Sogar richtig erleichtert. »Da hab ich der Möchtegern-Chefin mal so richtig Paroli geboten. Nachdem ich der die Leviten gelesen und ihre ›Liechtenstein-Grenzen‹ aufgezeigt habe, kam gar nichts mehr von der blöden Kuh«, erzählt sie am Abend einer Freundin bei einem Glas Wein.
Genau wie bei ihrer Rechtfertigungsstory bei dem auswärtigen Kollegen bleibt auch in dieser Situation eine direkte Erwiderung aus. Doch für das dritte No-Go der Souveränität, die aufgeführte Arroganz und den damit entstandenen »emotionalen Scherbenhaufen«, bekommt sie intern – in Form einer deutlichen Ansage seitens der Geschäftsführung – postwendend die Quittung. Bis dahin war sich die Projektleiterin ihrer Wirkung nicht bewusst. In diesem Zusammenhang hilft es auch nicht, wenn sie – oder wir – erklären: »Nein, sorry, das ist alles ein Missverständnis, ich war gar nicht arrogant, das war doch gar nicht so gemeint. Also, ganz im Gegenteil …«
Es ist doch so: Ob wir wollen oder nicht – wir wirken, wie wir wirken. Oder, um es aus der Perspektive der Kommunikationswissenschaften zu formulieren: Es ist immer wieder das gute alte Sender-Empfänger-Modell. Der Empfänger bestimmt, wie er die Botschaft des Senders versteht.
Wenn uns jemand als arrogant wahrnimmt oder sehen möchte, dann ist das für ihn so. Da können wir uns auf den Kopf stellen und singen – es bringt hier rein gar nichts.
Es ist wohl für alle plausibel, dass durch die drei Faktoren Worte, Körpersprache und Stimme die arrogante Wirkung verstärkt wird. Im negativen Wirksinn kann unsere Außendarstellung durch diesen »Dreier-Hebel« direkt ins soziale Aus führen.
Doch es gibt Perspektiven. Denn mit dem dritten Arroganz-No-Go folgt das nächste Dreiwochenprojekt. Wenn wir es wieder mal mit einem schwierigen, provokanten Zeitgenossen zu tun haben, ziehen wir es vor, eben nicht unbedarft, ohne Umschweife draufloszuwettern, sondern wir atmen auch hier einmal bis mehrmals tief durch, holen uns die Kontrolle zurück und setzen stattdessen einen sozialverträglichen Konter.
Verständlicherweise wird die junge Projektleiterin nun sagen: »Das war mir so alles nicht klar, ich wusste gar nicht, dass sich meine Verhaltensweisen so negativ auswirken.« Das ist schon mal hilfreich, denn die beste Erkenntnis ist und bleibt die Selbsterkenntnis.
[24]Wer in der Lage ist und es versteht, sich wirklich ernsthaft und ehrlich zu reflektieren, der weiß nicht nur Bescheid, für den ist es um ein Vielfaches leichter, die nun folgenden sieben Tipps und Methoden anzuwenden und im Alltag umzusetzen.
Die erste Empfehlung – Aussagen aufzunehmen und umzuleiten – steht hier als Synonym für »Pacing and Leading«. Dabei nehmen wir die Worte des Gegenübers wortwörtlich auf, bevor wir schließlich in die Führung gehen. Als Formulierung verwenden wir »Gerade weil …«.
Diese Technik projizieren wir auf die drei No-Gos der Souveränität aus dem Fallbeispiel der jungen Projektleiterin.
Auf »Das haben wir hier noch nie so gemacht« lassen wir sie antworten: »Gerade weil wir es hier noch nie gemacht haben, schauen wir, wie wir neue Wege gehen können.« Diese Redewendung lässt sich ebenso passend auf den Zwilling transferieren. Ergo erwidern wir auf »Das haben wir schon immer so gemacht« mit: »Gerade weil wir es schon immer so gemacht haben, sollten wir neue Denkpfade einschlagen.«
Vorausgesetzt, es sind Argumente vorhanden, bietet es sich an, im Anschluss die Zahlen, Daten und Fakten anzuführen. So kann nicht nur sozialverträglich kommuniziert, sondern parallel auch noch zielgerichtet mit erstens, zweitens und drittens auf den Punkt argumentiert werden.
Damit wäre der emotionale Trigger wirkungsvoll entkräftet.
Wobei wir bei der Frage sind: Lässt sich das auch sinnvoll auf »Oh, Sie sind ja noch ganz schön jung!« anwenden? Wenn wir ausführen: »Gerade weil ich ja noch ganz schön jung bin, bringe ich viele interessante Ideen und Innovationen mit«, passt es. Würde das auch mit dem Gegenteil – »Sie sind zu alt« – harmonieren? Wir stellen prompt fest, dass es sich adäquat konvertieren lässt: »Gerade weil ich älter bin, bringe ich viel Erfahrung und Know-how mit.« So umschiffen wir sozialverträglich die Rechtfertigungsspirale.
[25]Hingegen stoßen wir beim vorwurfsvollen »Das müssten Sie als international erfahrene Frau doch wissen!« auf einen kommunikativen Engpass. Zwar ließe sich ableiten: »Gerade weil ich eine international erfahrene Frau bin, nehme ich das gerne auf und mache mir ein Bild«, doch so hundertprozentig rund klingt das nicht. Das ist eine weitere Erkenntnis. Wir brauchen ein hohes Maß an sozialer Intelligenz, um die Techniken im jeweiligen Moment aus unserem Werkzeugkoffer zu holen und schlüssig einzusetzen.
Stellen wir uns vor, jemand tituliert uns in einer Telefonkonferenz als »ignorant« und wir nehmen das wie vorgeschlagen auf, dann hieße es: »Gerade weil ich ignorant bin, spreche ich auch nicht mit dir.« Zugegeben, das klingt sehr schlagfertig und für manche amüsant, doch möglicherweise erfährt die Beziehung zwischen den beiden Akteuren gerade einen ordentlichen Knacks. Es ist also ratsam, auf Alternativen zu blicken.
Mal angenommen, in einer Verhandlung kommt es zum vorhersehbaren Einwand: »Das ist aber teuer!« Dann könnten wir entgegnen: »Gerade weil es teuer ist, sollten wir detailliert über die finanziellen Aspekte sprechen.« Allerdings bietet sich in diesem Fall eine alternative Variante des Aufnehmens und Umleitens an. Hierbei finden wir Synonyme für die Wörter »Ja, aber…« und parieren die Widerrede mit: »Da haben Sie recht, das vorliegende Konzept zum Projekt ist teuer und aufwendig. Es ist sogar kostspieliger als viele andere Vorschläge. Nur sollten wir bedenken, dass …« Nun kann wieder die unterstützende Argumentation mit erstens, zweitens und drittens erfolgen. Dadurch, dass wir anführen, es sei »sogar kostspieliger als viele andere Vorschläge«, nehmen wir diesen möglichen Einwand vorweg und dem Gegenüber den Wind aus den Segeln.
Stellen wir uns ein klassisches Kommunikationstraining mit geplantem Videofeedback vor. Mal angenommen, die Seminarleiterin fragt vor einer Übung in die Runde: »Wer möchte denn mal vor die Kamera?« Wer meldet sich? Wenn überhaupt einer aktiv mitwirkt, erbarmen sich die Personen, die ohnehin schon extrovertierter sind. Hinterher klatschen und loben alle, wie mutig und toll sie das gemacht haben.
[26]In solchen Situationen bleiben die introvertierten Teilnehmer i. d. R. passiv auf der Strecke. Um hier gegenzusteuern, eignet sich die vorgestellte »Einwandvorwegnahmebehandlung«, indem die Seminarleiterin erklärt: »Wisst ihr, was das Schlimmste für mich ist? Videoübungen. Das ist für mich schlimmer als jeder Horrorfilm. Wenn wir uns jetzt einige Videosequenzen von mir anschauen, ist das unerträglich für mich. Allerdings: Wenn wir es tun, bekomme ich direkt einen Mehrwert, nämlich euer Feedback. Daraus lerne ich unschätzbar viel für meine persönliche Entwicklung. Das Gute heute ist: Wir gucken uns keine Videos von mir an, sondern explizit nur von euch allen. Los geht’s.«
Durch diese Art der Kommunikation wird es keine leidige Diskussion mehr darüber geben, ob jetzt jemand mitmacht oder nicht. Der mögliche Einwurf ist verbalisiert und damit vorweggenommen. Egal, ob im Business, im Privatleben oder im Ehrenamt, dieses Muster funktioniert. Es stellt eine hilfreiche Option dar, um beispielsweise in Besprechungen mutig in die Offensive zu gehen. Dies erfordert von uns eine große Portion Souveränität, die wir weiterentwickeln sollten.
Bereits mit diesen beiden Techniken haben wir das verbale Rüstzeug, um bei mehr als fünf von zehn Entgegnungen wirkungsvoll und sozialverträglich zu kontern. Die positive Nebenwirkung ist, dass wir mit diesem Vokabular unserem Gegenüber Respekt und Wertschätzung entgegenbringen. Denn dadurch, dass wir seine Formulierungen wortgetreu aufnehmen, signalisieren wir ihm, dass wir wirklich aufmerksam zuhören. Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass wir damit bei narzisstisch veranlagten Menschen punkten. Wen oder was hören Narzissten am liebsten? Genau, sich selbst.
Leider hat alles im Leben einen Haken. So auch diese beiden ersten Methoden. Sie lassen sich nicht blind, flächendeckend, immer und überall einsetzen. Da können wir noch so kreativ und wortgewandt sein.
Stellen wir uns vor, jemand stellt in einem Meeting sein Konzept vor. Nach nur sieben Minuten wirft jemand ungefragt aus dem Nichts ein: »Das ist doch alles völliger Mumpitz. Reine Zeitverschwendung!« Die Replik: »Gerade weil das alles völliger Mumpitz ist, …« ist absolut ungeeignet. Analog verhält es sich mit der anderen Variante: »Das stimmt, das ist alles reine Zeitverschwendung. Und das noch über zwei Tage verteilt. Bloß, von irgendwas muss ich ja auch leben.« Derartige Fehlinterpretationen der Techniken ergeben wahrlich keinen Sinn.
[27]An diesen Beispielen erkennen wir, dass es wie in der Mathematik oder Chemie zielführend ist, die verbalen Formeln situativ anzuwenden. Unser nächstes Learning und Dreiwochenprojekt lautet, dass wir in schwierigen Situationen sozial intelligent kommunizieren. Um hier einen Schritt weiterzukommen, werfen wir einen Blick auf die nächsten beiden Möglichkeiten.
Beim »Bedürfnis-Ermittler« kommt es auf ein hohes Empathielevel an. Es erfordert überdurchschnittlich viel emotionale Intelligenz, sich in sein Gegenüber einzufühlen und es dort abzuholen, wo es gerade steht.
Auf das vorherige Beispiel angewandt begegnen wir dem verbalen Angriff: »Das ist doch alles völliger Mumpitz und Zeitverschwendung!« mit: »Verstehe ich Sie richtig, Ihnen ist wichtig, dass wir die Zeit sinnvoll nutzen?« Auf diese geschlossene Frage kann unser Visavis nur mit Ja oder Nein antworten. Wenn es zustimmt, bietet es sich an, es mit einer weiterführenden W-Frage zu konfrontieren, z. B.: »Welche Themen sind Ihnen wichtig?«
Gesetzt den unwahrscheinlichen Fall, dass unser Gegenüber verneint, fragen wir entweder weiter oder es äußert, was es gerade triggert. Dann ist das Problem auf dem Tisch und wir können uns damit auseinandersetzen und Klarheit bekommen.
Versetzen wir uns in ein zwei Stunden andauerndes Onlinemeeting. Auf einmal interveniert ein Kollege und poltert drauflos: »Mannomann, wir reden hier und reden, es nervt total!« In dieser Situation könnten wir fragen: »Du meinst also, dass wir auf den Punkt kommen sollen?« Wenn er Ja sagt, haben wir sein Bedürfnis ermittelt und können mit »Wie ist denn dein Vorschlag in dieser Sache?« weiter nachfragen. Bei einem Nein wird der Kollege ebenfalls mit recht hoher Wahrscheinlichkeit kundtun, was ihn stört, etwa, dass »man mal nach zwei Stunden eine Pause machen sollte«.
In der Maslow’schen Bedürfnispyramide zählt die Pause zu den physiologischen Dringlichkeiten der Menschen. Es ist also ratsam, diesem Wunsch unmittelbar nachzukommen. In diesen skizzierten Fällen koppeln wir sachlich an, um dann zum inhaltlichen Verständnis vorzudringen. Dabei fassen wir die Informationen mit eige[28]nen Worten zusammen und lassen gleichzeitig eine Korrektur durch den Dialogpartner zu.
Folgende Einstiegsformulierungen bieten sich dabei an:
»Verstehe ich Sie richtig, dass …?«»Wenn ich das richtig verstehe, geht es darum, dass …«»Was du sagst, nehme ich so auf …«»Du meinst also …«Bei unserer »jungen Projektleiterin« steht noch der provozierende Kommentar »Das müssten Sie als international erfahrene Frau doch wissen!« im Raum. Wenn sie sensibel auf Zwischentöne achtet und es ihr gelingt, die mitschwingenden Emotionen zu erspüren und zu verbalisieren, könnte sie durch »Sie sind offenbar verärgert darüber, dass ich …« auf der Beziehungsebene ankern. Vielleicht würde ihr die Assistentin der Geschäftsführung nun offen mitteilen, was emotional in ihr vorgeht.
Folgende Einstiegsformulierungen bieten sich dabei an:
»Für mich klingt es so, als wärst du …«»Sie scheinen das Gefühl zu haben …«»Sie sind offenbar enttäuscht …«»Ich stelle mir gerade die Frage, ob …«