15,99 €
Alle lebendigen Wesen sind Buddhas und verfügen über Weisheit und Tugend.„ (Buddha) Buddha zählt zu den am häufigsten dargestellten Heiligenfiguren der gesamten Welt, vielleicht ist er sogar häufiger als der in der westlichen Kunst so wichtige Christus abgebildet worden. Buddha wird in ganz Asien und weit darüber hinaus verehrt. Sein Bild nahm an der Seidenstraße, dem Geburtsort vieler Varianten des Buddhismus, Gestalt an. Die buddhistische Religion erkennt viele verschiedene Buddhas an, die wiederum unterschiedliche Traditionen verkörpern: so z. B. den Buddhismus der Lehre der Ordens-Älteren (Theravada), des Großen Fahrzeugs (Mahayana) und den Tantrischen Buddhismus (Vajrayana).Der in allen Traditionen verehrte Buddha ist in jeder Kunstform dargestellt worden: in der Bildhauerei, häufig in monumentalen Skulpturen wie etwa den heute zerstörten Buddhas von Bamyan, in der Malerei und vor allem in unzähligen Höhlenmalereien wie etwa jenen im indischen Ajanta oder in den Dunhuang-Höhlen in China. Das vorliegende Werk ist sowohl für den leidenschaftlichen Liebhaber asiatischer Kunst als auch für Neulinge auf diesem Feld ideal geeignet. Es lädt ein, Buddha, seine Geschichte, seine Lehren, aber auch seine unzähligen Gesichter durch insgesamt tausend Abbildungen, großartige Kunstwerke aus den größten Museen der Welt, zu entdecken oder wiederzuentdecken.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 309
Veröffentlichungsjahr: 2014
Autor: T. W. Rhys Davids, Ph.D., LLD. Victoria Charles
Redaktion der deutschen Ausgabe: Klaus H. Carl
Layout:
Baseline Co. Ltd
61A-63A Vo Van Tan Street
4. Etage
Distrikt 3, Ho Chi Minh City
Vietnam
© Confidential Concepts, Worldwide, USA
© Parkstone Press International, New York, USA
© Liu Xiao Xian copyright reserved
© Solias Mendis copyright reserved
© Jeremy Richard/ Dreamstime.com
© Donald L. Sanders copyright reserved
© Michael Tong copyright reserved
© Joachim Wendler - Fotolia.com
Alle Rechte vorbehalten.
Keine Teile dieser Veröffentlichung dürfen ohne die Genehmigung des Besitzers des Urheberrechts reproduziert oder angepasst werden, dies gilt weltweit. Wenn nichts Anderes bestimmt ist, liegt das Urheberrecht für das Fotomaterial bei den jeweiligen Fotografen. Trotz intensiver Recherchen war es nicht immer möglich, die Besitzer der Urheberrechte klar zu ermitteln. Wo dies der Fall ist, würden wir uns über eine entsprechende Mitteilung freuen.
ISBN: 978-1-78310-959-3
Inhalt
Das Leben des Buddhas
Gautamas Leben bis in die Zeit seines Erscheinens als Lehrer:
Asita, der Seher, besucht den neugeborenen Prinzen (aus dem Pali-Kanon, der Standardsammlung für Schriften des Theravada-Buddhismus)
Mit 29 Jahren geht der junge Prinz in die Obdachlosigkeit (aus dem Pali-Kanon):
Buddha spricht über Mara, die Verkörperung des Bösen (aus dem Pali-Kanon)
Die Vorbeigehenden bemerken seine Ausstrahlung von Reinheit und Weisheit (aus dem Pali-Kanon)
Ein König fragt „Warum bist Du fortgegangen?“
Er übt strengste Askese im Wald
Er stellt sich unmittelbar der Angst und dem Schrecken
Er gibt seine Askese auf (aus dem Pali-Kanon)
Die Höchste Erleuchtung (aus dem Pali-Kanon)
Der Buddha untersucht die Gesetze von Ursache und Wirkung (aus dem Pali-Kanon)
Der Buddha fragt sich: „Wen sollte ich als meinen Lehrer verehren?“
Er fragt sich: „Sollte ich andere diese Lehre lehren?“
Buddhas erste Predigt an die Gruppe der fünf Asketen (aus dem Pali-Kanon):
Was den Buddha heraushebt (aus dem Pali-Kanon):
Aus dem Pali-Kanon:
Seine Lehren, die immer praktisch waren, beinhalten Lektionen über grundlegende gute Manieren:
Lektionen über den Wert der Großzügigkeit:
Lektionen über den Wert der Tugend:
Lektionen über die Früchte des tugendhaften Verhaltens:
Lektionen über die Gefahren aller sinnlichen Lust – auch der himmlischen:
Lektionen über den Wert der Entsagung:
Lektionen über die vier Edlen Wahrheiten:
Kurz gesagt, der Buddha lehrt, wie wahres und dauerhaftes Glück, das Nirvana, verwirklicht werden kann:
Sein Ruf verbreitet sich (aus dem Pali-Kanon):
Er unternimmt weite Reisen und predigt zu Tausenden von Laienschülern (aus dem Pali-Kanon):
Er predigt zu Mönchen:
Er predigt zu Menschen aus allen Kasten und allen Lebensbereichen:
Er predigt auch zu Aussätzigen:
Er predigt auch zu Ausgestoßenen:
Er predigt auch zu himmlischen Wesen:
Der Buddha belehrt seine Familie, darunter auch seinen Sohn Rahula:
Der Buddha belehrt seine Stiefmutter, Mahapajapati Gotami:
Der Buddha führt seinen Bruder Nanda zum Status des Arahant:
Der Buddha empfiehlt vier Pilgerorte:
Tausende trauern um den sterbenden Buddha:
Solange der Edle Achtfache Pfad praktiziert wird, wird es Arahants geben:
Die Abschiedsworte des Buddhas:
Aus dem Pali-Kanon:
Indien, Sri Lanka und die Zentralasiatischen Länder
Thailand und Südostasien
Die Länder im Himalaya
China
Korea und Japan
Anhang
Namen des Buddhas
Mudras
Glossar
Chronologie
Von 14000 v. Chr. bis 0
Von 0 bis 500
Von 500 bis 800
Von 800 bis 1000
Von 1000 bis 1500
Von 1500 bis 1800
Von 1800 bis 1900
Von 1900 bis heute
Zeitstrahl der Weltreligionen
Bibliographie
Museumsindex
Australien
Bhutan
China
Deutschland
Frankreich
Indien
Japan
Korea
Pakistan
Russland
Singapur
Schweiz
Thailand
USA
Vereinigtes Königreich
Länderindex
Afghanistan
Bhutan
Burma
China
China/Australien
China oder Osttibet
Indien
Indonesien
Japan
Kambodscha
Kambodscha oder Thailand
Korea
Laos
Malaysia
Nepal
Pakistan
Singapur
Sri Lanka
Thailand
Tibet
Vietnam
USA
Unbekannte Herkunft
1. Sitzender Buddha auf einem Altar,
Datum unbekannt, Ort unbekannt,
bemalte und vergoldete Bronze.
2. Sitzender Buddha, Datum unbekannt,
Ort unbekannt, Farbe und Gold.
3. Kopf des Buddhas, Datum unbekannt,
Shwedagon-Pagode, Yangoon, Burma, Gold.
Um 500 v. Chr. siedelte sich in dem kleinen, am Ufer des Flusses Rohini im heutigen Nepal gelegenen Ort Kapilavastu der Stamm der Sakyer an. Der Fluss entsprang dreißig oder vierzig Meilen nördlich ihrer Siedlung in den Ausläufern des mächtigen Himalayas, dessen riesige Gipfel weit entfernt vor dem Hintergrund des klaren, blauen indischen Himmels aufragten. Die Sakyer sind weiter nach Osten vorgedrungen als die meisten anderen Stämme, aber jenseits lag in dieser Richtung das mächtige Bündnis der Licchavis mit dem aufstrebenden Königtum von Magadha, während hinter ihnen im Westen die Länder lagen, die den Brahmanen am heiligsten waren. Ihre nächsten gefährlichen Nachbarn waren die Untertanen des Königs von Sravasti, dem Rivalen des Königs von Magadha. Mehr aufgrund dieser Rivalität und weniger wegen ihrer eigenen Stärke genossen die Sakyer eine prekäre Unabhängigkeit; aber sie waren stark genug, um sich selbst vor den Überfällen marodierender Gruppen aus den Hügeln zu schützen und sie in ihren Streitigkeiten mit benachbarten Clans zu unterstützen, die dieselbe Stellung hatten wie sie selbst. Sie lebten vom Ertrag ihrer Reisfelder und ihrer Rinderherden; ihr Wasser nahmen sie aus dem Fluss Rohini, auf dessen anderer Seite die Koliyer lebten, ein verwandter Stamm.
Die Sakyer gerieten über den Besitz der Wasserquellen mit den Koliyern manchmal in Streit, aber zu jener Zeit herrschte Frieden zwischen den beiden Clans, und die Töchter des Raja, des Königs der Koliyer, waren mit Suddhodana verheiratet, dem Raja der Sakyer. Die Geschichte erzählt, dass die beiden kinderlos waren, ein Unglück, das schon in anderen Ländern und auch zu anderen Zeiten groß genug, aber besonders schlimm in jener Kultur und zu jener Zeit war, in der man fest daran glaubte, dass der Zustand des Menschen nach dem Tod von Zeremonien abhing, die von seinem Erben zu vollziehen waren.
Groß war daher die Freude, als die ältere Schwester Suddhodana im Alter von immerhin schon 45 Jahren einen Sohn in Aussicht stellte. Im Einklang mit der Sitte erklärte sie, zunächst im Haus ihrer Eltern zu bleiben, aber dann gebar sie unerwarteterweise unterwegs in einem schönen Wäldchen bei Lumbini im Schatten einiger hoher Salabäume ihren Sohn, den zukünftigen Buddha. Mutter und Kind wurden zum Haus von Suddhodana gebracht; dort starb die Mutter sieben Tage später. Aber der Junge fand in der Schwester seiner Mutter, der anderen Frau seines Vaters, eine sorgsame Pflegemutter.
[Zeit: 80 v. Chr.]
Zur Mittagszeit sah Asita, der Seher, in seiner Meditation
Die Devas aus der Himmlischen Schar der Dreißig
freudig jubelnd – in reines Weiß gekleidet, lobten sie Indra,
hielten Banner in die Höhe und jauchzten, und als er sah, wie froh und
glücklich die Devas waren, bezeugte er Ihnen seine Achtung und sagte:
„Warum ist die Götterschar so überaus erfreut ?
Warum halten sie Banner in die Höhe und schwenken sie hin und her ?
Selbst nach dem Krieg mit den Asuras
– als die Götter siegten und die Asuras unterlagen –
selbst da gab es nicht solch eine Aufregung.
Welches ist das Wunder, dessen Anblick die Götter so beglückt?
Sie rufen,
sie singen,
spielen Musik,
klatschen in die Hände
und tanzen.
So frage ich euch, die ihr auf Merus Gipfel wohnt.
Zerstreut meine Zweifel schnell, Ihr Verehrten.“
„Der unerreichte Bodhisattva, köstliches Kleinod,
wurde in die Menschenwelt geboren, zum Wohl und Heil,
in Lumbini, einem Dorf der Sakyer.
Deshalb sind wir alle so erfreut.
Das Höchste aller Wesen,
höchster Mensch,
ein Bulle unter den Männern, Bester allen Volks,
wird das Rad der Lehre drehen
im Wald der Seher,
brüllend wie der starke Löwe, Herrscher über die Tiere.“
Als er diese Worte hörte, stieg Asita schnell [vom Himmel] herab
und ging zum Haus des Suddhodana.
Dort setzte er sich und sprach zu den Sakyern:
„Wo ist der Prinz ?
Auch ich möchte ihn sehen.“
Darauf zeigten die Sakyer dem Seher Ahita
Ihren Sohn, den Prinzen,
der strahlte wie reinstes Gold,
das ein Schmiedemeister im Schmelzgefäß geläutert,
glorreich leuchtend, von erlesenem Glanze.
Als er den Prinzen sah, leuchtend wie ein Feuer,
rein wie der Herr der Sterne, der über den Himmel wandert,
– strahlend wie die Sonne,
befreit von den Wolken des Herbstes –
da war er entzückt vor Freude.
Da trugen die Götter einen Baldachin im Himmel
mit vielen Streben und tausendfachem Umfang.
An goldenen Stöcken schwangen sie Wedel auf und nieder,
aber die Träger der Wedel und des Baldachins konnte man nicht sehen.
Als der Seher mit dem geflochtenen Haar, genannt die ‘Dunkle Pracht’,
den Knaben auf der roten Wolldecke sah,
wie eine goldene Zierde,
ein weißer Schirm ward über sein Haupt getragen,
da nahm er es an sich, überglücklich vor Freude.
Und als er den Edelsten der Sakyer voller Sehnsucht hielt,
rief der Meister der Mantras und Zeichen
voller Zuversicht:
„Dies ist der Unvergleichliche,
der Höchste aller Menschen.“
Doch wusste er, dass seine eigene Zeit gekommen war,
und so weinte er vor Trauer.
Als die Sakyer seine Tränen sahen, fragten sie:
„Aber der Prinz wird doch nicht etwa in Gefahr sein?“
Als er die Sakyer so in Sorge sah, antwortete er:
„Nein, ich sehe weder Schaden
noch Gefahren für den Prinzen voraus.
Er ist kein Geringer: Ihr könnt Euch sicher sein.
Die höchste Erleuchtung wird dieser Prinz erfahren.
Er wird die höchste Reinheit schauen
und das Rad der Lehre drehen
aus Erbarmen und zum Wohle Vieler.
Sein heiliges Leben wird alles durchdringen.
Aber was mich angeht,
meine Tage sind gezählt;
schon vorher kommt mein Tod.
Nicht mehr werde ich hören
Die Lehre dieses Einzigartigen.
4. Shakyamuni Buddha, der mit der rechten
Hand Furchtlosigkeit und mit der linken das Zeichen der
Geschenkvergabe signalisiert, Datum unbekannt, China.
5. Ein ruhender und ein sitzender Buddha,
Datum unbekannt,Shwedagon-Pagode,
Yangoon, Burma.
6. Nordwand des vorderen Raumes der Grotte 9 in Yungang,
mit Maitreya, Shakyamuni und Prabhutaratna,
Datum unbekannt, Yungang, China.
7. Sitzender Buddha, Datum unbekannt,
Mogao-Höhle 254, Dunhuang, China.
Über die wundersame Geburt, die frühe Reife und Weisheit und die Macht des Gautama sind, wie bei anderen Menschen, die als Erwachsene Berühmtheit erlangten, viele Geschichten erzählt worden; sie dienen der Darstellung des Zeitgeistes, aus dem sie entstanden sind und in dem sie sich entwickelt haben. Es ist recht wahrscheinlich, dass die Umstände seiner Geburt – seine Stellung als frühzeitig zur Welt gekommenes Einzelkind, der darauf folgende Tod seiner Mutter – das instinktive Gefühl verstärken, dass seine Geburt sich von der normaler Menschen unterscheidet.
Der Name Siddhartha, der ihm angeblich als Kind verliehen wurde, könnte auch eine spätere Erfindung sein, denn er bedeutet ‘der sein Ziel erreicht hat’. Aber Eltern in der Stellung von Suddhodana waren großen Namen nie abgeneigt gewesen, und in zahlreichen Geschichten aus jener Zeit sind andere Siddharthas erwähnt. Wie dem auch sei, sein Familienname war sicher Gautama, und da er nach seinem Tode gewöhnlich unter diesem Namen bekannt war, werden wir ihn in diesem Buch durchgängig verwenden.
Jegliche sonstigen Namen, die dem Begründer des Buddhismus gegeben wurden, sind eher Titel als Namen. Für den frommen Buddhisten ziemt es sich nicht, Gautama mit seinem menschlichen Namen zu bezeichnen – daher stammen die zahlreichen Beinamen, die verwendet werden, um den Buddha, den Erleuchteten, zu bezeichnen. Solche Beinamen sind Sakya-Sinha, ‘der Löwe des Stammes der Sakyer’; Sakya-Muni, ‘der Weise Sakyer’; Sugata, ‘der Glückliche’; Sattha, ‘der Lehrer’; Jina, ‘der Eroberer’; Bhagava, ‘der Gesegnete’; Loka-natha, ‘der Herr der Welt’; Sarvajna, ‘der Allwissende’; Dharma-Raja, ‘der König der Gerechtigkeit’ und viele andere. Diese Ausdrücke hatten in Momenten der poetischen Begeisterung eine sehr reale Bedeutung, aber ihre ständige Verwendung unter Buddhisten hat die Tendenz, die Persönlichkeit des Gautama nicht deutlicher zu machen, sondern eher zu verschleiern und seine mysteriöse Aura zu erhalten.
Gautama selbst wurde schon frühzeitig als allwissend und frei von jeder Sünde betrachtet. Seine vollkommene Weisheit wird durch seinen Titel Samma-Sambuddha ausgedrückt, ‘der Vollständig Erleuchtete’, der am Anfang jedes Pali-Textes steht. Nach buddhistischem Glauben ergibt sich seine Sündenlosigkeit aus seiner vollkommenen Weisheit.
8. Verzierter Kopf eines Buddhas,
Datum unbekannt,Ort unbekannt, Holz.
9. Kopf des Gautama Buddhas,
Datum unbekannt,Indien, Stein,
Nationalmuseum, Neu-Delhi, Indien.
Als Folge dieser Annahme kam bald die Annahme auf, dass er nicht wie ein gewöhnlicher Mensch geboren sein konnte; dass er keinen irdischen Vater hatte, sondern aus eigenem Entschluss von seinem himmlischen Thron in den Bauch seiner Mutter hinabstieg und gleich nach seiner Geburt unmissverständliche Hinweise auf seine hohe Art und zukünftige Größe gab. Bei seiner Geburt vereinigten sich Himmel und Erde, um ihn zu würdigen; aus freien Stücken beugten sich die Bäume über seine Mutter, und auch die Engel und Erzengel standen hilfreich zur Seite. Seine Mutter war die Beste und Reinste unter den Erdentöchtern, und sein Vater war aus königlichem Geschlecht, ein Prinz der Macht und des Reichtums. Es war für die Geschichtenerzähler eine fromme Übung, Gautamas Verzicht und seine Bereitschaft, die Lehre zu verbreiten, durch den Vergleich zwischen der Pracht seiner Stellung, die er aufgeben sollte, und der Armut, in der er danach lebte, bedeutender zu machen.
Man glaubt, dass Gautama sehr früh mit seiner Cousine verheiratet wurde, der Tochter des Raja von Koli. Er erwies sich jedoch als ein nicht sehr vorbildlicher Prinz. Nach den meisten Berichten aus dem Süden beschwerten sich viele von Gautamas Verwandten beim Raja Suddhodana darüber, dass sein Sohn sich häuslichen Vergnügungen hingab und die vielen Übungen vernachlässigte, die für jemanden erforderlich waren, der einst vielleicht mit seinem Volk in den Krieg ziehen müsse. Es wird erzählt, dass Gautama, als er davon erfuhr, einen Tag festlegte, um sich allen seinen Herausforderern zu stellen, und als er sogar den geschicktesten Bogenschützen übertraf und seine Meisterschaft in den „… zwölf Künsten“ bewies, gewann er bei den klagenden Verwandten seinen guten Ruf zurück.
Dies ist die einzige Geschichte aus seiner Jugend. Wir hören nichts mehr von Gautama, bis er mit 20 Jahren plötzlich sein Heim verließ, um sich vollständig dem Studium der Philosophie und der Religion zu widmen. Die Geschichte erzählt, wie ihm in vier Visionen ein Engel in den folgenden Gestalten erschien: als ein altersschwacher Mann, als ein kranker Mann, als ein verwesender Leichnam und schließlich als ein würdevoller Einsiedler.
10. Torso und Kopf des Buddhas,
Datum unbekannt, Sehhtatgyi, Pyay, Burma.
11. Sitzender Buddha,
Datum unbekannt, China.
12. Sitzender Buddha, der das Vyakhyana
Mudra zeigt,das vollkommene Weisheit und
denSchwur symbolisiert, andere zu lehren,
Datum unbekannt,Ort unbekannt.
13. Sitzender Buddha,
Datum unbekannt, China,
vergoldete Bronze, Höhe: 17,5cm.
Solche Gefühle müssen in Gautamas Geist immer stärker geworden sein, als etwa zehn Jahre nach seiner Heirat seine Ehefrau ihr einziges Kind zur Welt brachte, einen Sohn mit dem Namen Rahula. Die Angst, dass diese neue Bindung so stark werden könnte, dass er sie niemals würde aufbrechen können, scheint der unmittelbare Anlass für seine Flucht gewesen zu sein. Nach den ältesten Autoritäten der südlichen Buddhisten war Gautama die Geburt seines Sohnes in einem Garten am Fluss angekündigt worden, den er aufgesucht hatte, nachdem er seine vierte Vision (die des Einsiedlers) hatte. Man sagt, Gautama habe, statt Freude über seinen Sohn zu zeigen, nur ruhig gesagt: „… Dies ist ein neues, starkes Band, das ich zerreißen muss“, und grüblerisch und bedrückt kehrte er nach Hause zurück.
Die Dorfbewohner aber waren überglücklich über die Geburt des Kindes, des einzigen Enkels ihres Rajas. Gautamas Rückkehr wurde ein großes Fest, und er zog inmitten einer Menge frohlockender Verwandter in Kapilavastu ein. Unter den an sein Ohr dringenden Triumphrufen hat, wie man sagt, einer seine Aufmerksamkeit ganz besonders auf sich gezogen: Ein junges Mädchen, seine Cousine, sang eine Strophe: „Selig der Vater, selig die Mutter, selig das Eheweib eines solchen Sohnes und Ehemanns.“ In dem Wort ‘selig’ lag ein doppelter Sinn; es bedeutete neben ‘befreit’ auch ‘erlöst’ von den Ketten der Sünde und Wiedergeburt. Aus Dank gegenüber dem Menschen, der ihn an seine höchsten Gedanken erinnerte, nahm er seine Perlenkette ab und sandte sie ihr mit den Worten: „Dies soll ihr Lohn als Lehrerin sein.“ Sie glaubte nun: „Der junge Siddhartha ist in mich verliebt und hat mir ein Geschenk geschickt“, er aber beachtete sie nicht weiter und zog davon.
In jener Nacht schickte er um Mitternacht seinen Wagenlenker Channa, um sein Pferd zu holen. Während der Diener abwesend war, ging Gautama zur Schwelle des Zimmers seiner Ehefrau, und im Lichte einer flackernden Fackel sah er sie schlafen, umgeben von Blumen, ihre Hand auf dem Kopf des Kindes ruhend. Er hätte sich gewünscht, sein Kind zum Abschied ein letztes Mal in seine Arme nehmen zu können, aber er sah nun, dass er dies nicht tun konnte, ohne dabei die Mutter zu wecken. Da dies alle seine Absichten hätte vereiteln können, siegte letztlich die Sorge, Yasodhara aufzuwecken. Widerwillig zog er sich zurück und verließ das Haus seines Vaters. Nur von Channa begleitet, ließ er seine Macht, seinen Reichtum, seine junge Frau und sein einziges Kind zurück. Er ritt in die Nacht hinaus, um ein armer, verachteter Student und heimatloser Wanderer zu werden. Daher stammt der Name, der dem Sanskrit-Original des chinesischen Werks seinen Titel gab: Mahabhinishkramana Sutta oder Sutta des Großen Verzichts.
[Zeit: 51 v. Chr.]
„Vor meinen Erwachen, als ich noch ein unerweckter Bodhisattva war, kam mir der Gedanke: ‘Das heimische Leben ist eine staubige, überfüllte Straße. Das weite Leben ist das an der frischen Luft. Es ist nicht leicht, zu Hause das heilige Leben zu führen, das vollkommen und völlig rein wie eine glänzende Muschel ist. Was wäre, wenn ich mir den Bart und die Haare abrasieren, das gelbe Gewand überziehen und aus dem heimischen Leben in die Obdachlosigkeit gehen würde?’
„Später, ich war noch ein junger Mann, mit schwarzen Haaren und mit der Jugend des ersten Lebensabschnitts gesegnet, rasierte ich dann meine Haare und meinen Bart ab – obwohl meine Eltern dagegen waren und unglücklich weinten – zog ich das gelbe Gewand an und ging von zu Hause weg in die Obdachlosigkeit.“
[MN 36]
Als Nächstes finden wir den Bericht über eine weitere Prüfung, nämlich eine Vision, die Gautama im Geiste erschienen sein soll: Mara, der Dämon des Bösen, erschien am Himmel, drängte Gautama, auf seiner Reise einzuhalten und versprach ihm dafür die allumfassende königliche Herrschaft über die vier großen Erdteile. Als seine Worte nicht die erhoffte Wirkung zeigten, tröstete sich der Versucher in der Hoffnung, er würde seinen Feind dennoch überwinden, und so dachte er: „Früher oder später muss irgendein böser, bitterer oder verletzender Gedanke in seinem Geist entstehen; und genau in dem Moment werde ich sein Meister.“
14. Stehender Buddha,
Datum unbekannt, China,
vergoldete Bronze,
Höhe: 26,6cm.
15. Stehender Buddha,
Datum unbekannt,
Altes Nordwestindisches Reich, Stein.
16. Stehender Gautama Buddha,
Datum unbekannt, China, Stein.
17. Amitayus, „Der Ewiges Leben hat“,
ein Aspekt von Amitabha, Datum unbekannt,
Tibet, vergoldete Bronze.
18. Sitzender Buddha in der Paryankasana-Stellung,
„auf einem Thron sitzend“, Datum unbekannt,
Nanchan-Si-Kloster, Berg Wutai,
Provinz Shanxi, China.
19. Sitzender Buddha mit Gebetsrad und Gläubigen,
Datum unbekannt, Ort unbekannt,
vergoldete Bronze.
20. Lachender Buddha, vielleicht Maitreya,
Datum unbekannt,Lingyin-Si-Tempel,
Hangzhou, Zhejiang Provinz, China, Fels.
21. Vairocana Buddha auf einem Lotosthron,
Datum unbekannt, Hangzhou, China.
Zu mir –
Der ich fest entschlossen
beim Fluss Nerañjara weilte,
mich dem Jhana hingab,
um von allen Banden mich zu lösen –
kam Namuci (Mara)
und sprach Worte des Mitleids:
„Du bist aschfahl und dürr.
In Deiner Erscheinung liegt der Tod.
Der Tod besitzt 1000 Teile von Dir.
Nur ein Teil ist Dein Leben.
Lebe doch, guter Herr !
Das Leben ist besser.
Lebendig kannst Du Dich verdient machen.
Wenn Du das heilige Leben lebst
und das Feueropfer vollziehst,
wirst Du große Verdienste sammeln.
Wofür plagst Du Dich so?
Er ist schwer und hart
– der Weg der Anstrengung –
es ist schwer, ihm zu folgen.“
Mara sprach diese Worte im Beisein des Erwachten.
Als er so sprach, sagte der Gesegnete zu Mara:
„Du Bösartiger,
aus der Sippe der Achtlosen,
Du kannst kommen und tun, was Dir beliebt:
Ich bedarf gar keines Verdienstes.
Diejenigen, die des Verdienstes bedürfen:
An die sollte Mara sich wenden.
In mir sind Überzeugung,
Selbstbeherrschung,
Ausdauer,
Erkenntnis.
Warum bittest Du mich zu leben, mich,
den Entschlossenen?
Dieser Wind könnte sogar den Strom der Flüsse verbrennen.
Wenn ich entschlossen bin,
warum sollte mein Blut nicht austrocknen?
Wenn mein Blut austrocknet,
dann trocknen auch Galle und Schleim.
Wenn die Muskeln zerfallen,
wird der Geist klarer;
Bewusstsein, Erkenntnis und
Verstand sind stärker und fester.
In diesem Zustand verharrt der Geist,
und wenn er das höchste Gefühl erreicht,
dann drängt ihn nichts mehr zum Sinnengenuss.
Siehe:
Die Reinheit
eines Wesens!
Die Leidenschaften der Sinne sind Deine erste Armee.
Deine zweite nennt sich Unzufriedenheit.
Deine dritte ist Hunger und Durst.
Deine vierte wird Gier genannt.
Die fünfte ist Faulheit und Trägheit.
Die sechste ist als Schrecken bekannt.
Die siebte als Zweifel.
Heuchelei und Sturheit, Deine achte.
Gewinn, Geschenke, Ruhm und Stellung,
durch Unrecht erlangt,
und jeder, der sich selber preist
und andere verachtet.
Dies, Namuci, dies ist Deine Armee,
die Heerscharen des Düsteren.
Ein Feigling kann sie nicht besiegen,
doch wer sie besiegt, dem wird die Seligkeit zuteil.
Trage ich auch das Munja-Gras?
Ich spucke auf mein Leben.
Der Tod in der Schlacht wäre besser für mich
als dass ich besiegt überleben muss.
Hier herab gesunken sind auch einige Priester
und Denker, doch erscheinen sie nicht.
Sie kennen nicht die Wege, auf denen die
Tugendhaften gehn.
Im Angesicht der Heerscharen mit
ihren Bannern auf allen Seiten –
der Truppen und Mara mit seinem Gefolge –
ziehe ich in den Kampf.
Mögen sie mich nicht verdrängen
von meiner Stelle.
Dieses Dein Heer,
das unbesiegt ist von der Welt
und allen ihren Göttern,
Mit der Kraft der Erkenntnis werde ich’s zerschmettern –
wie einen ungebrannten Krug mit einem Stein.
Entschlossen und beherrscht,
gefestigt gut die Achtsamkeit,
werd’ ich ziehen von Königreich zu Königreich,
und viele Jünger lehren.
Und achtsam und entschlossen werden sie
meiner Weisung folgen –
Deinem Willen trotzend, werden sie
Dorthin gehen, wo kein Unglück mehr herrscht.“
[…] Als [Mara] so ward von Furcht ergriffen,
da fiel ihm die Laute aus dem Arm.
Da verlor der Dämon seinen Mut,
und so verschwand er
auf der Stelle.
[Snp III.2]
Rajagriha, die Hauptstadt von Magadha, war der Sitz von Bimbisara, der damals einer der mächtigsten Prinzen im östlichen Gangestal war. Die Stadt lag in einem lieblichen Tal, eng umringt von fünf Hügeln, im nördlichsten Ausläufer des Vindhya-Gebirges. In den Höhlen dieser Hügellandschaft hatten sich einige Einsiedler niedergelassen. Dort waren sie frei von den Gefahren dichter besiedelter Gebiete, aber nah genug an der Stadt, wo sie sich die wenigen Dinge beschafften, die sie für ihren einfachen Lebenswandel benötigten, blieben dabei aber selbst von der Einsamkeit der Natur umgeben.
22. Buddha-Gemälde mit Blattgold,
Datum unbekannt, Wat Chakrawat,
Bangkok, Thailand, Blattgold.
23. Sitzender Buddha,
Datum unbekannt,Sagaing, Burma.
24. Buddha aus den Acht Tempeln außerhalb
des Gubei Passes in Chengde, Hebei,
Datum unbekannt, Chengde, China.
Während er weiterging,
verbot er seinem Körper alle bösen Taten.
Auch enthielt er sich aller bösen Worte
und reinigte sein Leben.
Sodann ging er, der Buddha, nach Rajagriha,
der Bergfestung der Einwohner von Magadha,
er ging als bettelnder Wanderer,
doch aufrecht und in edler Gestalt.
König Bimbisara, der in seinem Palaste stand,
erblickte ihn, sah seine erhabene Haltung und sprach:
„Schaut Euch diesen Mann an, ihr Herren.
Wie edel, schön und rein er ist!
Wie vollendet ist sein Auftreten!
Gewissenhaft hält er den Blick gesenkt,
und schaut nur einen Pflug lang vor sich auf den Boden,
so wie ein Mann aus edlem Geschlecht:
Schickt die Boten des Königs sofort zu ihm,
wir wollen sehen, wohin dieser Mönch zu wandern gedenkt.“
Sie folgten ihm – nachdem er die Boten ausgesandt.
„Wohin will dieser Mönch nur gehen ?
Wo wird wohl sein Wohnsitz sein?“
Als jener ging von Haus zu Haus –
beherrscht, bescheiden, achtsam und
mit großem Geschick –
da füllte seine Schale sich recht schnell.
Nachdem der Bettelgang vollendet war,
verließ der Weise gleich die Stadt,
und schlug den Weg zum Pandava-Berg ein.
„Dort wird er seinen Wohnsitz haben.“
Drei der Boten nahmen Platz,
als sie ihn nach Hause gehen sahen,
doch einer kehrte zum König zurück,
um ihm die Kunde zu bringen.
„Dieser Mönch, oh Majestät,
er sitzt am Rande des Pandava,
gleich wie ein Tiger oder Bulle,
in einem Bergspalt, löwengleich!“
25. Sitzender Buddha,
Datum unbekannt, Burma,
vergoldetes Holz.
26. Buddha mit Flammen,
die aus Kopf und Schultern hervorschlagen,
Datum unbekannt, Bangkok, Thailand, Gold.
27. Kopf und Torso des Buddhas,
Datum unbekannt, Ngarhtatgyi-Pagode,
Yangoon, Burma.
28. Kopf einer Buddhastatue, Datum unbekannt,
Swayambhunath-Tempel, Kathmandu, Nepal.
Der edle Kriegerkönig vernahm die Worte seiner Boten,
und sogleich nahm er die königliche Kutsche,
begab sich zum Berg Pandava.
Er fuhr, so weit die Kutsche kam,
dann stieg er aus, und stieg zu Fuß
den Berg hinauf, und als er ankam,
nahm er Platz und setzte sich.
Und wie er saß,
begrüßten sie sich höflich, und er sprach:
„Du bist noch jung, so jung,
Dein Leben liegt noch ganz vor Dir,
und prächtig bist Du anzuschau’n,
ganz wie ein edler Krieger.
Du würdest großen Eindruck machen,
wärst Du, so herrlich anzuseh’n,
in der Vorhut eines Heeres,
inmitten einer Schar von Elefanten.
Ich will Dir Reichtum bieten: Erfreu’ Dich daran.
Sag mir doch, woher Du stammst.“
„Geradeaus, oh Majestät,
am Fuß des Himalaya,
dort liegt ein Land,
das gar vollkommen ist,
so reich und voller Leben,
dort wohnen die Kosaler:
die vom Sonnenclan,
als Sakyer geboren.
Von dieser Sippe stamme ich,
doch wandere ich nicht umher,
um Sinnenfreuden zu erlangen,
die Sinnenfreude meide ich,
sie bringt mir nur Gefahren –
so seh’ ich den Verzicht
als Ruhe und Erholung an,
Nur danach strebe ich,
29. Sitzender Buddha, Datum unbekannt,
Farbstift auf Papier.
„Ich dachte: ‘Wie wäre es, wenn ich die Zähne zusammenpressen, meine Zunge an den Gaumen drücken und durch mein Bewusstsein so meinen Geist mir unterwerfen würde, ihn bezwänge, unterdrückte?’ Und so presste ich meine Zähne zusammen, drückte meine Zunge an den Gaumen und unterwarf meinen Geist, bezwang und unterdrückte ihn durch mein Bewusstsein. So wie ein starker Mann einen schwächeren Mann am Kopf, an der Gurgel oder den Schultern packt und ihn vielleicht bezwingt, umwirft und niederdrückt, genauso unterwarf ich meinen Geist, bezwang und unterdrückte ihn durch mein Bewusstsein, und dabei troff mir der Schweiß unter den Achseln. Und obwohl in mir unermüdliche Ausdauer herrschte und mein Verstand ganz klar und wachsam war, war doch mein Körper durch diese schmerzhafte Übung erregt und unruhig. Doch das schmerzliche Gefühl, das so entstand, machte auf mein Gemüt keinen bleibenden Eindruck.“
„Ich dachte wieder: ‘Wie wäre es, wenn ich mich in atemlose Entrückung versenken würde.’ So hörte ich auf, mit Mund und Nase ein- und auszuatmen. Und als ich dies tat, kam ein donnerndes Windgetöse aus meinen Ohren, ganz ähnlich dem lauten Tosen der Luft aus dem Blasebalg eines Schmiedes; messerscharfe Schnitte fuhren mir durch den Kopf, als ob ein starker Mann mit einem Schwert meinen Schädel spaltete; starke Schmerzen durchfuhren meinen Kopf, als ob ein starker Mann einen Turban aus engen Lederstreifen um meinen Kopf wickelte; mächtige Kräfte schnitten mir durch die Bauchhöhle, ganz so, wie ein Metzger oder sein Lehrling die Bauchhöhle eines Ochsen aufschneiden. Mein Körper brannte wie Feuer, als ob zwei starke Männer, die einen schwächeren Mann an den Armen halten, ihn über der Glut braten und rösten wollten. Und obwohl in mir unermüdliche Ausdauer herrschte und mein Verstand ganz klar und wachsam war, war doch mein Körper durch diese schmerzhafte Übung erregt und unruhig. Doch das schmerzliche Gefühl, das so entstand, machte auf mein Gemüt keinen bleibenden Eindruck.“
„Als einige Götter mich so sahen, sagten sie: ‘Gautama, der Weise, ist tot.’ Andere Götter sagten: ‘Er ist nicht tot, er stirbt gerade.’ Wieder andere sagten ‘Er ist weder tot noch liegt er im Sterben, er ist ein Arahant, denn dies ist die Art, wie Arahants leben.’“
„Ich dachte wieder: ‘Wie wäre es, wenn ich mich nun ganz der Nahrung enthielte?’ Da kamen Götter zu mir und sprachen: ‘Bitte, Ehrwürdiger, enthalte Dich nicht ganz der Nahrung. Wenn Du ganz aufhörst zu essen, dann werden wir Dir göttliche Nahrung durch die Poren einhauchen, und so wirst Du überleben.’ Ich dachte: ‘Was wäre, wenn ich vorgäbe, vollständig zu fasten, diese Götter mir aber gleichzeitig durch meine Poren göttliche Nahrung zuführten, dann würde ich doch lügen.’ So schickte ich sie fort und sagte ‘Genug!’“
„Ich dachte wieder: ‘Was wäre, wenn ich jedes Mal nur eine Hand voll Speise zu mir nähme, nur ein kleines bisschen Bohnensuppe, Linsensuppe, Wicke- oder Erbsensuppe?’ So nahm ich immer nur eine Hand voll zu mir, nur ein kleines bisschen Bohnensuppe, Linsensuppe, Wicke- oder Erbsensuppe. So wurde mein Körper ganz abgemagert. Weil ich so wenig aß, wurden mir meine Glieder so dünn und klapprig wie die gebundenen Streben von Weinstöcken oder Bambusstämmen. Bald glich mein Rücken einem Kamelhuf. Mein Rückgrat ragte heraus wie eine Perlenkette. Meine Rippen standen hervor wie herausragende Dachsparren einer alten, heruntergekommenen Scheune. Der Glanz meiner Augen schien tief in meine Augenhöhlen versunken zu sein, wie das Schimmern des Wassers tief in einem Brunnen. Meine Kopfhaut schrumpfte zusammen und verdorrte wie ein bitterer grüner Kürbis, geschrumpft und verdorrt durch Wind und Hitze. Die Haut meines Bauches klebte so eng an meinem Rückgrat, dass, wenn ich meinen Bauch halten wollte, ich auch mein Rückgrat erfasste; und wenn ich mein Rückgrat fassen wollte, spürte ich auch die Haut meines Bauches. Wenn ich meine Notdurft verrichtete, fiel ich dort geradewegs auf mein Gesicht. Nur weil ich so wenig aß, wenn ich meinen Körper entspannen und mit den Händen meine Glieder reiben wollte, fiel mein Haar – verrottet in den Wurzeln – beim Reiben von meinem Körper herab, nur weil ich so wenig aß. Wenn die Leute mich sahen, sagten sie: ‘Gautama, der Weise, ist schwarz. Andere Leute sagten: ‘Gautama, der Weise, ist nicht schwarz, er ist braun.’ Und wieder andere sagten: ‘Gautama, der Weise, ist weder schwarz noch braun, golden ist seine Haut.’ So sehr war die helle, weiße Farbe meiner Haut verdunkelt worden, nur weil ich so wenig aß.“
„Ich dachte wieder: ‘Was auch immer Priester oder Asketen in der Vergangenheit aufgrund ihres Bestrebens für schmerzhafte, stechende oder fürchterliche Gefühle empfunden haben mögen, diese hier sind das Äußerste. Keine davon waren stärker als diese. Was auch immer Priester oder Asketen in der Zukunft aufgrund ihres Bestrebens für schmerzhafte, stechende oder fürchterliche Gefühle empfinden werden, diese hier sind das Äußerste. Keine davon werden stärker sein als diese. Was auch immer Priester oder Asketen in der Gegenwart aufgrund ihres Bestrebens für schmerzhafte, stechende oder fürchterliche Gefühle empfinden mögen, diese hier sind das Äußerste. Keine davon sind stärker als diese. Aber mit dieser furchtbaren Übung der Entsagung habe ich keinerlei höheren menschlichen Zustand erreicht, keine Auszeichnung in Wissen oder Visionen, die der der Ehrwürdigen gleichkäme. Könnte es einen anderen Weg zum Erwachen geben?’“
[MN 36]
30. Sitzender Buddha,
Datum unbekannt, Ort unbekannt.
31. Buddha auf den Stufen zur Swayambunath-Stupa,
Datum unbekannt, Kathmandu-Tal,
Nepal, bemalter Stein.
32. Sitzender Buddha, Datum unbekannt,
Shwedagon-Pagode, Yangoon, Burma.
33. Sitzender Buddha, Datum unbekannt,
Taungtoo Zedi, Inle-See, Burma.
„Ich hielt mich an solchen Orten auf, die Ehrfurcht gebieten und das Haar zu Berge stehen lassen, wie bei Grabmälern in Parks und Wäldern und heiligen Bäumen. Und wenn ich dort war und ein wildes Tier vorbeikam, ein Vogel einen Zweig abbrach oder Wind durch das abgefallene Laub fuhr, dann kam mir der Gedanke: ‘Sind dies nun Angst und Schrecken, die da kommen?’ Dann dachte ich: ‘Warum warte ich denn nur auf die Angst? Was wäre, wenn ich nun Angst und Schrecken erleiden würde, egal in welcher Form sie auf mich zukommen?’ Wenn also Angst und Schrecken über mich kamen, während ich hin- und herging, so blieb ich nicht stehen, noch legte oder setzte ich mich hin. Ich ging weiter hin und her, bis diese Angst und dieser Schrecken über mich gekommen waren. Wenn Angst und Schrecken dann über mich kamen, wenn ich aufrecht stand, fing ich nicht an zu laufen, noch legte oder setzte ich mich hin. Ich blieb stehen, bis diese Angst und dieser Schrecken über mich gekommen waren. Wenn Angst und Schrecken dann über mich kamen, wenn ich saß, dann legte ich mich nicht hin, stand nicht auf und fing nicht an zu laufen. Ich blieb sitzen, bis diese Angst und dieser Schrecken über mich gekommen waren. Wenn Angst und Schrecken dann über mich kamen, wenn ich da lag, setzte ich mich nicht auf, noch stand ich auf oder ging umher. Ich blieb liegen, bis diese Angst und dieser Schrecken über mich gekommen waren.“
[MN 4]
Man kann feststellen, dass die Frage der Beziehungen zwischen Buddhismus und den verschiedenen Systemen der hinduistischen Philosophie ebenso schwierig wie interessant ist. Es ist sicher, dass lange vor Gautamas Zeit die Brahmanen den tiefsten Fragen der Ethik und Ontologie große Aufmerksamkeit gewidmet hatten und in verschiedene Schulen aufgeteilt waren, von denen Gautama viele seiner metaphysischen Lehren bezog. Die Originalität seiner Lehren ergibt sich eher aus der Bedeutung, die er der moralischen Schulung zuwies, vorrangig vor Buße oder Ritual, sowie der systematischen Form, in der er Ideen darstellte, die von denen verschiedener früherer Denker abgeleitet waren.
Wie alle anderen geistigen Führer war Gautama ein Geschöpf seiner Zeit, und man sollte nicht annehmen, das seine ganze Philosophie seine eigene Schöpfung war. Eine der chinesischen Autoritäten bietet lange Berichte an über die Gespräche, die er mit Alara, Bhagava und Udraka führte, die insofern interessant sind, als sie auf alten Traditionen beruhen. Eine der am häufigsten von den Brahmanen eingeimpften Lehren war der Glaube an die Wirksamkeit von Buße als einem Mittel, übermenschliche Macht und Einsicht zu gewinnen; als Gautama, nachdem er die Systeme von Alara und Udraka studiert hatte, immer noch unzufrieden war, beschloss er, selbst weiterzuschreiten und zu sehen, was für Fortschritte er durch diese vorgeschriebene Methode selber machen könne.
34. Sitzender Buddha, umgeben von vielen Buddhas,
Datum unbekannt, Wat Si Phoutthabath,
Luang Prabang, Laos, verschiedene Materialien.
