101 Dinge, die man über Panzer wissen muss - Thomas Anderson - E-Book

101 Dinge, die man über Panzer wissen muss E-Book

Thomas Anderson

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Beschreibung

Was hat Leonardo da Vinci mit dem Thema Panzer zu tun? Was ist unter eine Panzerglocke zu verstehen? Woher kommt das Wort tank? Diese und viele andere Fragen beantwortet der militärhistorische Fachmann Thomas Anderson in diesem kleinen Kompendium zum Thema Panzerfahrzeuge. Neben allen wichtigen Informationen zur Geschichte und Gegenwart dieser Waffe kommen Kuriositäten und Rekorde nicht zu kurz. – 101 Aha-Momente für historisch Interessierte.

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Seitenzahl: 148

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Frühe Anfänge – Ein PzKpfw I Ausf A erklimmt einen Hügel. Bild: Sammlung Thomas Anderson

Thomas Anderson

101 Dingedie man überPanzerwissen muss

Inhalt

Vorwort

1Keule, Bogen, Feuerwaffe | Verteidigung und Jagd

2Ein Schutz gegen Keulen? | Sarwürker und Panzermacher

3In Bewegung | Vom Schildkrötenpanzer bis zum Panzerreiter

4Immer wieder Leonardo … | »Die Idee ist mir lieber als deren Ausführung«

5Radpanzer | Es müssen keine Ketten sein

6Überleben! | Grabenpanzer und bewegliche Schießscharten

7Ein Panzer für den Zaren | Der Tank Lebedenko

8Wie die Panzer laufen lernten | Der Holt 120 Tractor

9Der k.u.k. Panzer | Burstyns Vision

10Mehr Dampf! | Lokomobile im Einsatz

11»Little Willie« | »Landships«, die ersten Panzer

12Mother & family | Die Panzer ziehen in den Krieg

13Die Franzosen kommen! | Die frühen Panzer

14Schützenpanzer Teil 1 | Von »The Pig« zum »Eisenschwein«

15Erste Abwehrmittel gegen Panzer | Jagd auf die stählernen Ungetüme

16Eine runde Sache? | Mit dem Kugelpanzer unterwegs

17Panzer an der Heimatfront | Propaganda

18Renaults FT | Louis baut einen Panzer

19Debut des A7V | Der erste deutsche Panzer

20Leben und Kampf im Panzer | Stress, Lärm und Hitze

21Zwischen den Kriegen | Panzer in den Dreißigern

22Christie – Der Visionär | Schneller ist besser

23Niete für Niete | Die Panzerung

24Ist Guss besser? | Noch mehr Panzerung

25Exportschlager | Mit dem Sechstonner in die Welt

26Walzstahl | Plattgewalzt

27Zwitter im Gefecht? | Räder-Raupenfahrzeuge

28Mehrturm-Panzer | Landship, mal wörtlich genommen

29Ist dicker immer besser? | Passive Verstärkung der Panzerung

30Amphibien … | Panzer auf dem Wasser

31Der kann alles! | Fantastische Waffen in fantastischen Welten

32Fliegende Panzer? | Christie will´s noch mal wissen

33Deutschland rüstet auf | Mit dem »Krupp-Boxer« ins Manöver

34Waltzing Matilda? | Pleiten, Pech und Pannen 1

35Hauptteile eines Panzers | Der moderne Panzer

36Alles gut gefedert? | Federung Teil 1

37Blattfedern federn auch | Federung Teil 2

38Federung durch Drehbewegung | Die Torsionsstabfeder

39Das Laufwerk | Ketten und Räder

40Kettenfahrzeug | Mit dem Radgürtel fing es an …

41Platten auf Ketten | Bessere Bodendruckverteilung

42Bolzenkette | Gut Bolz!

43Endverbinder-Kette | Aus den USA

44Eine Gleiskette aus Gummi? | Der rollt weich

45Halbketten-Fahrzeuge | Weder Fisch noch Fleisch?

46Länge ist wichtig | Zahlenspiele

47Spanien 1936 | Alles andere als Urlaub

48Schon wieder Krieg! | Der Krieg der Panzer

49Leichte Panzer im Einsatz | Leichter, schneller, schwächer?

50Es funkt … | Drahtlose Kommunikation

51Hin zum echten Schützenpanzer | Schützenpanzer Teil 2

52Noch ein kleiner Brummer | Pleiten, Pech und Pannen 2

53Panzerführer | Berühmt und berüchtigt!

54Panzer in der Wüste | Sand und Geröll

55Porsches Elektro-Panzer | Pleiten, Pech und Pannen 3

56In der Panzer-Fahrschule | Dicke Brummer fahren lernen

57Revolution! | Der T-34 betritt die Bühne

58Revolution, die 2. | Ein echter schwerer Panzer

59Der Wettlauf beginnt | Jagd auf die Panzer Teil 2

60Mit allen Mitteln … | Quereinsteiger

61Sturmgeschütze | Ein Schritt zurück?

62Konterrevolution | Der Tiger kommt

63Noch ein Raubtier … | Mit dem Panther an die Spitze

64Unter Wasser | Tauchpanzer

65Panzerabwehr Selbstfahrlafetten | Neue Kanonen auf alten Fahrgestellen

66Absonderlich! | PaK auf Schnecken-Schlepper

67Achtung Minen! | Flegelhafter Minenräumer

68Masse statt Klasse? | Die Vereinigten Staaten liefern

69Hobart´s Funnies | Die Stunde der Spezialisten

70Sturmpanzer | Dicke Wumme, schwerer Panzer

71Improvisierte Panzerungen | Wenn man sich so besser fühlt?

72Kanonen auf Ketten | Artillerie-Selbstfahrlafetten

73Ein echter Schwimmer | Der geht nicht unter!

74Paper Tiger | Tarnen – Täuschen – Tricksen

75Jagdpanzer | Das bessere Sturmgeschütz?

76Der König spricht! | Überlegenheit

77Kugeln gegen Flieger | FlaKpanzer

78Risiko! | Tod im Panzer

79Superschwere Panzer | Kolossal nutzlos

80Bergen, schleppen, reparieren | Zugmaschinen und Bergepanzer

81Main Battle Tank | Ein Universalpanzer?

82Vom Battle Taxi zum IFV | Kampffahrzeuge für die Infanterie

83Kalte Krieger | Die letzten schweren Panzer

84Panzerhaubitzen | Neue Waffensysteme zur Unterstützung

85Ohne Turm in den Kampf | Und noch einmal Jagdpanzer?

86Showdown mit Sgt. York! | Pleiten, Pech und Pannen 4

87FlaRakPanzer | Flugabwehr-Raketen auf Ketten

88Geht’s noch besser? | Kampfwertsteigerungen

89Puma & Konsorten | Der moderne Schützenpanzer

90Fluch der Hohlladung | Mit Wucht durch den Panzer

91ERA | Gegenexplosion!

92Pimp my rocket | Panzerabwehr-Lenkraketen im Einsatz

93Flotte Flitzer | Wieselflink ins Gefecht

94Rakete im Rohr? | Mal was anderes verschießen

95Kampfroboter? | Ferngelenkte Panzer

96Ein Turm ohne Besatzung? | Panzer des 21. Jahrhunderts

97Die weichen Faktoren … | … machen oft den Unterschied

98Kampfpanzer der Zukunft | Die Zukunft beginnt jetzt

99Panzerparade | Protz und Propaganda

100Panzer im Museum | Bovington und Munster

101Ein letztes Wort | Eine launige Reise durch die Zeit

Impressum

Vorwort

Panzer – Eine Annäherung

Über die Jahrhunderte waren Menschen gezwungen, sich in einem feindlichen Umfeld durchzusetzen. Unsere gemeinsame Geschichte ist, zumindest zu einem großen Teil, von kriegerischen Konflikten durchzogen.

Hier sollte sich der Stärkere, Klügere und Skrupellosere durchsetzen, zunächst im Kleinen, im Familien- oder Clanverband, und bald in immer größerem und tödlicherem Rahmen.

Krieg hat unendliches Leid über den Menschen gebracht. Es ist verständlich, dass es vielen schwerfällt, sich damit auseinanderzusetzen. Themen wie die Militärgeschichte oder Rüstungstechnik werden leicht, und vorschnell, ausgeblendet.

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesen Realitäten, historisch und aktuell, ist in Deutschland aus verständlichen emotionalen Gründen konfliktbeladen.

Trotzdem, lasst uns darüber sprechen! Dieses Büchlein beschreibt den Werdegang einer Waffe des modernen Kriegs – des Panzers. Dabei möchte ich durchaus unterhaltsam, informativ, aber keinesfalls akademisch sein.

Die üblichen Nachschlagewerke, in der heutigen Realität wohl eher Google und Wikipedia, definieren einen Panzer als ein »gegen Beschuss geschütztes Kampffahrzeug, das als Militärfahrzeug oft bewaffnet ist«.

Der Ansatz ist gut: Waffe! Beweglichkeit! Schutz!

Thomas Anderson

1 Keule, Bogen, Feuerwaffe

Verteidigung und Jagd

Es scheint sehr wahrscheinlich, dass bereits Frühmenschen sich mit allem, was ihnen zur Verfügung stand, ihrer Haut wehrten. Mit der Keule, dem Stein in der Hand eines unserer Vorfahren war die erste Waffe geboren.

Da der Höhlenmensch sich schnell zum Jäger und Sammler weiterentwickelte, sollten findige Köpfe bald bessere Waffen erfinden. Der Faustkeil entstand aus Steinen, und gab dieser Phase, der Steinzeit, ihren Namen. Der Faustkeil war ein gutes Werkzeug, und eine tödliche Waffe. Daraus entstanden später Äxte und Spieße.

Die ersten Wurfwaffen

Der nächste Fortschritt war die Einführung von weitreichenden Waffen, wie Speeren und schließlich Pfeil und Bogen.

Damit war bereits viel erreicht. In der Bronzezeit lernte der Mensch das Verhütten. Aus dem schon bekannten »Gestein« Kupfer und Zinn wurde durch Erhitzen ein wesentlich härteres Material hergestellt – Bronze. Nachdem hunderte von Bronzemachern beim Bronze machen elendig in ihren Hütten erstickt waren, setzte sich die Erkenntnis durch, das Verhütten doch lieber an der frischen Luft durchzuführen. Eine weitere bemerkenswerte zivilisatorische Leistung. Hieb- und Stichwaffen waren nun wirkungsvoller, weil härter und schärfer.

Die ersten Feuerwaffen

Darauf folgte fast zwangsläufig die Eisenzeit, diese Epoche dauert bis heute an.

Die Erkenntnis, dass man mit Schwarzpulver alles Mögliche beschleunigen und auf eine bogenförmige Flugbahn bringen kann, war eine weitere technische Revolution. Auch diese Technik, mutmaßlich von den Chinesen erfunden und vom Westen kopiert (nicht umgekehrt), hat sich bis heute gehalten.

Feuerwaffen sollten sich schnell durchsetzen und den Weg in die Arsenale aller Streitkräfte finden.

2 Ein Schutz gegen Keulen?

Sarwürker und Panzermacher

Mit dem Aufkommen von Waffen wurden Menschen Opfer teils schwerer Verletzungen.

Diese existenzielle Bedrohung zog naturgemäß die Schaffung von Schutzmechanismen nach sich. Um Hieb- und Stichwaffen abzuwehren, wurden aus den jeweils verfügbaren Materialien Formteile angefertigt, um die empfindlichen Körperteile zu schützen. Schwere Textilien wurden über Leib und Muskelgewebe gewickelt, auch Holz und Bambus wurden nutzbringend verwendet.

Schilde und Rüstungen

Auch tragbare Schilde sollten aus verschiedensten Materialien wie Leder, Weidengeflecht, Holz und Metall eingeführt werden. Im Zweikampf konnten Hieb- und Stichwaffen effektiv abgewehrt werden. Später boten Kettenpanzer aus Metallringen Schutz und die nötige Beweglichkeit. Im Mittelalter folgte die schwere Rüstung. Neue Berufe entstanden, Handwerker wie Panzermacher schufen Rüstungen, Sarwürker Kettenhemden. Auch die Tragtiere wurden mit »Panzern« versehen. Diese Entwicklung hatte auch ihre Schattenseiten, das gestiegene Gewicht drohte, die Beweglichkeit im gefährlichen Maße einzuschränken.

Hi-Tech im Mittelalter. Rüstungen gegen Hieb- und Stichwaffen aus dem »Sigenot« um 1470. Bild: Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 67, 32v

Die Einführung moderner Feuerwaffen machte die bisherigen Schutztechniken bald obsolet. Bleikugeln entwickelten eine große Durchschlagswucht und konnten Rüstungen aller Art zerstören und den Träger verletzen oder töten.

Nun begann ein Wettlauf, immer stärkere Waffen zogen immer stärkere Defensiv-Maßnahmen nach sich.

Der Schutz einzelner Soldaten war sehr schwierig, da bis Mitte des 20. Jahrhunderts praktisch nur (schwere) Metalle zur Verfügung standen. Mit der Entwicklung von komplexen Kunststoffen und -fasern konnte hier entgegengesteuert werden.

Die großmaßstäbliche Einführung der Panzer zog unweigerlich die Schaffung geeigneter Panzerabwehrwaffen nach sich. Diese zwangen wiederum zur Entwicklung von immer besseren Panzerungen, ein Wettlauf begann, der bis heute nicht entschieden ist.

3 In Bewegung

Vom Schildkrötenpanzer bis zum Panzerreiter

Das Moment der Bewegung ist bei kriegerischen Auseinandersetzungen von nicht unerheblicher Wichtigkeit.

Lange Jahrhunderte war sowohl die strategische als auch die taktische Mobilität von Heeren auf den Fußmarsch beschränkt. So führte die römische Infanterie in disziplinierter Marschordnung mit der Rechten das Gladius, das Schwert. Die Linke hielt das Scutum, den Langschild. Dieses war so groß, dass es den ganzen Legionar schützte. In der Formation des Schildkrötenpanzers war der Vormarsch einer ganzen Zenturie bei Feindbeschuss unter Panzerschutz möglich. Dem erschrockenen Gegner blieb nur das Weglaufen.

Schon früh sollten Pferde für den Kriegsdienst herangezogen werden, diese genügsamen Tiere konnten als Reit- und Transportmittel Verwendung finden. Reitende Verbände konnten schnell verlegt werden. Während ein Fußsoldat am Tag 20 Kilometer marschierte, legte ein Reiter bis zu 50 Kilometer zurück. In großer Zahl war der Einsatz der Reiter schlachtenentscheidend, die schiere Masse brach dank ihrer hohen Geschwindigkeit die gegnerischen Linien.

Die römische Taktik der Schildkröte wird hier von einer Reenactment-Gruppe nachgestellt. Disziplin und Koordination waren unabdingbar. Bild: Neil Carey/C.C. 2.0

Ein einschneidendes Ereignis war die großmaßstäbliche Einführung des Steigbügels. Dank dieses Hilfsmittels erhielt der Reiter eine ausgezeichnete Stabilität im Sattel. Damit konnten schwere Waffen, wie Spieße und Lanzen, sicher geführt werden. Auch das Schießen eines Bogens in vollem Galopp wurde so möglich.

Schon früh wurden Pferd und Reiter gepanzert, was sich jedoch negativ auf die Beweglichkeit auswirkte.

Während sich die Waffentechnik – Feuerkraft und in gewissem Rahmen auch der Panzerschutz – immer weiterentwickelte, konnte die Beweglichkeit von Infanterie und Artillerie nicht entscheidend verbessert werden. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schlug die Stunde der Ingenieure.

4 Immer wieder Leonardo …

»Die Idee ist mir lieber als deren Ausführung«

Dieser Satz wird Leonardo da Vinci zugeschrieben. Der Künstler schuf Werke von unermesslicher Schönheit, auch in der Architektur, der Medizin, den Naturwissenschaften und im Ingenieurswesen leistete er Großes. Leonardo gilt bis heute als Universalgenie.

Neueste Erkenntnisse legen nahe, dass viele seiner technischen Ideen auf älteren Erkenntnissen der Antike fußten. Auch ist interessant, dass einige mechanische Prinzipien, die er zu Papier brachte, als nicht funktionstüchtig erkannt wurden, da diese auf Denkfehlern beruhten.

Leonardo als Ingenieur

Auf dem Gebiet der Ingenieurskunst sollte Leonardo verschiedene Konzepte theoretisch entwickeln. Dazu gehörten Zahnrad-Getriebe und wasserbetriebene Hebezeuge und Pumpen.

Auch auf dem Gebiet der Waffentechnik sollte er ungewöhnliche Ansätze verfolgen. Er ersann eine gigantische »Armbrust« mit einer Spannweite von fast 20 Metern. Auch ein Salvengeschütz mit zwölf Läufen entstand auf dem Papier.

Der Panzer

Mit den Mitteln seiner Zeit ersann er auch ein bewaffnetes gepanzertes Fahrzeug. Wieder suchte er ein Vorbild in der Natur, und fand es in der Schildkröte. Massive und dicke Holzbohlen boten einen gewissen Schutz gegen Beschuss aus leichten Feuerwaffen, ein Dach schützte die Besatzung.

In dem kreisrunden Fahrzeug sollten acht leichte Hinterlader-Kanonen eingebaut werden, die dem »Panzer« eine ausgezeichnete Rundum-Feuerkraft gegeben hätten.

Ein Modell zeigt in der Spitze des Fahrzeugs einen Beobachtungsstand. Die Frage eines leistungsfähigen Antriebs konnte mit den Mitteln seiner Zeit wohl nicht gelöst werden. Der angedachte Mechanismus aus Handkurbeln und Zahnrädern hätte das tonnenschwere Gerät keinesfalls sicher bewegen können. Da Vincis Vision sollte zwar nicht praktisch umgesetzt werden, die Idee des Panzers war jedoch in der Welt. Andere Ingenieure schufen ähnliche Kampfwagen, die durch Pferde bewegt wurden.

Leonardos »Carro Armato« – Kanonen unter Holzpanzer mit angehobenem Deckel. In der Mitte ist die Kraftübertragung sichtbar. Bild: di Allessandro

5 Radpanzer

Es müssen keine Ketten sein

Nach der Einführung von Kraftwagen lag es nahe, diese neue Technologie auch für militärische Zwecke zu nutzen. Wie Jahrzehnte zuvor beim Siegeszug der Eisenbahn sollte die Logistik einen starken Schub erhalten. Der Transport von Waffen, der Nachschub von Munition und Lebensmitteln war nun auch abseits der Bahnhöfe möglich.

Bewaffnung

Es sollte nicht lang dauern, dass motorisierte Radfahrzeuge in einem nächsten Schritt mit Waffen versehen wurden. Erste, teils abenteuerliche Lösungen fanden den Weg in die Arsenale.

Schließlich wurden diese Fahrzeuge mit einfachen Panzerungen versehen. Wegbereiter dieser Technik war der Brite Simms, der Ende des 19. Jahrhunderts den Motor War Car konstruierte. Angetrieben durch einen deutschen Daimler-Motor, trug das einfache Gefährt eine Panzerung von fünf Millimetern Stärke. Die Bewaffnung bestand aus mehreren Maxim-MG. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs investierten alle Industrienationen in ähnliche Lösungen, unterstützt durch die stürmische technische Entwicklung der Motorfahrzeuge.

Motor War Car – Bereits 1902 stellte der Brite Simms einen Radpanzer mit Maschinengewehren vor, der durch einen Verbrennungsmotor angetrieben wurde. Bild: Library of Congress

»Sporting Forty« goes war! Der britische Lanchester Armoured Car basierte auf einem 60-PS-Sportwagen und trug ein wassergekühltes Vickers-MG. Bild: Doyle

Vor allem auf der Straße

Die zweiachsigen Fahrzeuge boten eine hohe Beweglichkeit auf befestigten Wegen, waren somit perfekt für den Einsatz in Städten geeignet. Die Standfestigkeit dieser Konstruktionen war nur gering, dieser Nachteil wurde jedoch durch niedrige Fertigungskosten und eine hohe Wirtschaftlichkeit mehr als ausgeglichen.

Die frühen Radpanzer sollten bald durch modernere Konstruktionen ersetzt werden. Zumeist sollten diese als Aufklärungsfahrzeuge oder zur Überwachung eingesetzt werden. Ein Problem blieb die nur mangelhafte Geländegängigkeit. Trotz Einführung von Allradantrieb und Geländeketten, die zur Herabsetzung des Bodendrucks über die Heckräder gezogen werden konnten, blieb die Gleiskette des Panzers lange überlegen.

Auch auf deutscher Seite wurden handelsübliche Kfz mit Panzeraufbauten versehen und mit Maschinengewehren bewaffnet. Bild: Sammlung Thomas Anderson

»Tin Lizzie« auf Speed! Britische Truppen in Palästina auf einem Ford Model T. Das Kommando-Fahrzeug ist mit einem Lewis-MG bewaffnet. Bild: Library of Congress

Auch in den USA wurden während des Ersten Weltkriegs Panzerautos wie dieses konstruiert. Bild: Library of Congress

Dieser ehrwürdige Vickers-Crossley der britischen Streitkräfte sollte noch 1938 in Indien im Einsatz stehen. Bild: Doyle

6 Überleben!

Grabenpanzer und bewegliche Schießscharten

Die gestiegene Feuerkraft der Infanteriewaffen war ein Grund für den sich ab 1914 entwickelnden statischen Stellungskrieg. Angriffe auf befestigte gegnerische Stellungen erfolgten in der Regel nach einer massiven Artillerievorbereitung. Die darauffolgenden Sturmangriffe waren in der Regel äußerst verlustreich, je nach Stärke der verbliebenen gegnerischen Grabenstärke.

Panzer wurden eingeführt, um dieses Problem zu lösen, MG-Stellungen und leichte Artillerie konnten direkt bekämpft werden. Zugleich wurden so Stacheldraht-Hindernisse geräumt, im Idealfall konnten die Linien des Feindes durchbrochen werden.

Um die Graben-Besatzungen vor Artilleriesplittern und in gewissem Rahmen vor direkten Gewehrtreffern zu schützen, wurden schnell Schutztechniken eingeführt. Ein Problem hatten alle gemein, in Schlamm und Schnee waren sie nicht mehr beweglich.

Diese von den Deutschen erbeutete mobile Schießscharte aus dem Ersten Weltkrieg bot Platz für fünf russische Schützen. Bild: Sammlung Thomas Anderson

In tiefster Gangart an den Feind! Kriechend sollte dieser Infanterist seine gepanzerte Einmann-Stellung voranschieben. Bild: Netrebenko

Auch das wassergekühlte Maxim-MG wurde unter Panzerschutz mobilisiert. Eine Flucht wäre wohl nicht möglich gewesen. Bild: Netrebenko

Die Einführung des Stahlhelms

Schutzhelme waren bereits seit der Vorzeit im Einsatz, fast alle Materialien wurden für diese Hilfsmittel herangezogen. Im Ersten Weltkrieg setzte sich bei allen Kriegsteilnehmern schnell der Stahlhelm durch. Ein gutes Beispiel ist der deutsche Stahlhelm M18, der eine Panzerstärke von etwa einem Millimeter zeigte. Im vorderen Bereich konnte dieser mit einer aufsteckbaren zehn Millimeter starken Stirnplatte verstärkt werden.

Russland nutzte weiter bewegliche Schießscharten, die einen gewissen Schutz bei Angriffen boten, wie schon im Mittelalter.

Es ist offensichtlich, dass diese Techniken die individuelle Beweglichkeit des Soldaten zum Teil beträchtlich beeinträchtigten. Ein Rückzug war zumeist nicht möglich.

Stahlhelme sollten, in Wesentlichen unverändert, mehr als 70 Jahre im Einsatz bleiben.

Der »Grabenpanzer« war die Rüstung des Ersten Weltkriegs. Heute mutierte diese durchaus brauchbare Entwicklung zur schusssicheren Weste. Bild: Sammlung Thomas Anderson

Ein Kämpfer mit seinem Stahlhelm M18, der in erster Linie vor Splittern schützen sollte. Die »Knubbel« dienten zur Aufnahme einer Panzerverstärkung. Bild: Sammlung Thomas Anderson

7 Ein Panzer für den Zaren

Der Tank Lebedenko

Zu den eher ungewöhnlichen Auswüchsen des Panzerbaus gehört sicherlich der Tank Lebedenko. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde auch in Russland die Entwicklung eines gepanzerten Kampffahrzeugs vorangetrieben. Der Ansatz unterschied sich stark von dem anderer Nationen.

Während andernorts Gleisketten als Antrieb genutzt werden, entschieden sich die russischen Ingenieure, ein überdimensioniertes Dreirad zu entwickeln Dieses bestand aus zwei großen Speichenrädern mit einem Durchmesser von etwa neun Metern. Die Achse war außen durch Profileisen-Konstruktionen mit einem gepanzerten, etwa zwölf Meter breiten Aufbau verbunden. Die Konstruktion sollte hinten durch einen Ausleger mit zwei kleinen Rädern abgestützt werden. Diese Räder dienten auch der Lenkung des Ungetüms.

Steam Punk! Panzer des Zaren. Bild: Netrebenko