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Schluss mit dem Singledasein. Der Plan von Rebecca K. Maddox klingt einfach: 1 Jahr. 20 Dates. Einer der werten Herren wird ja wohl hoffentlich Mr Right sein. In diesem Buch erzählt die Autorin von ihrem Selbstversuch. Ein Experiment, das ihr die skurrilsten Situationen bescherte: Tauben, die vom Himmel fallen, pupsende Tiger, eine schimpfende Omi und Irrfahrten zu entlegenen Plätzen. Kurzum: das pure Leben der Dating-Welt. Neben einer Menge Spaß spielt in diesem Singleratgeber auch der Glaube der Autorin eine wichtige Rolle. Wer selbst auf Partnersuche ist, wird in vielerlei Hinsicht profitieren. Das steht fest.
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Seitenzahl: 308
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Über die Autorin
Rebecca K. Maddox glaubte, den Mann fürs Leben gefunden zu haben, und war mit ihm bereits kurz vor dem Traualtar, doch leider hat es für ein Leben zu zweit nicht gereicht. Im Moment befindet sie sich also wieder auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Und damit sie nicht permanent auf ihre lustigen wie peinlichen Episoden in ihrem Buch angesprochen wird, hat sie sowohl ihren Namen als auch die aller Beteiligten geändert.
Wenn nicht anders vermerkt, wurde für Bibelzitate die Neues-Leben-Übersetzung verwendet: Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten
Die englische Originalausgabe erschien im VerlagAuthentic Media Limited, 52 Presley Way, Crownhill, Milton Keynes, MK8 0ES, UKunter dem Titel »20 First Dates«.© 2011 by Rebecca K. Maddox© der deutschen Ausgabe 2013 Gerth Medien GmbH, Dillerberg 1, 35614 Asslar
ISBN: 978-3-96122-122-6
1. Auflage 2013
Umschlaggestaltung: Immanuel Grapentin
Titelfoto: shutterstock
Satz: Uhl + Massopust GmbH, Aalen
Für Adam – meinen letzten Mann
Inhalt
Einleitung
Anmerkung der Autorin
Teil I Die Dates
1
Softeis und Tauben, die vom Himmel fallen Oder: »Das allerschlimmste Date, das ich je hatte«
Vogelgrippe und Morast
2
Viele Fische im Meer? (Wo man geeignete Dates finden kann Teil I)
Im eigenen Teich angeln?
»Bekehrungsflirten«
Bücherwurm-Liebe
Nicht aufgeben!
3
Die Teiche der anderen (Wo man geeignete Dates finden kann Teil II)
Auf zum Angeln!
Hochzeitsglocken und Schönlinge
4
Freund oder sogar Partner fürs Leben?
Das unwissentliche Date mit dem Schneemann
Die Dinge nehmen, wie sie sind
5
www.suchediegrosseliebe.de
Das Profil
Weitere Toptipps
Der Horror!?
6
Speeddating
Der große Moment
Geben Sie niemals auf
Direkter geht es kaum
Die falsche Speeddating-Veranstaltung
Toptipps fürs Speeddating
7
Reden, reden, reden
Die Oma, die Gorillas und der Mann, der nicht in den Krieg zog
Im Zoo
Fauxpas beim Essen
Im Reich der Gorillas
Der Soldat, der nicht in den Krieg zog
Wie kann man also herausfinden, ob er »The Talk« hat?
Und schließlich als Letztes … wahrscheinlich das Schlimmste, was ich jemals von einem Mann gefragt worden bin
Die SMS
Wie kann man einen Serien-Simser zu einem Telefonierer bekehren?
Wie viele Küsse?
8
Dating Basics
Wohin?
Soll es überhaupt ein zweites Date geben?
Wie man jemandem nach drei Dates möglichst behutsam »einen Korb« gibt
Teil II Achtung – Fallen und Tücken beachten!
9
Langsamer machen und gleich weit sein
10
Bedürftigkeit
Darf ich vorstellen: Molly und Zeb, Sarah und Mark
Bedürftigkeit überwinden
Briefe
Frauenprobleme?
Keine Panik
Immer wieder neu entscheiden
11
»Junggesellen« und »Einzelstücke«
Perfekt?
Serienmonogamie
Rollatoren
Und was ist, wenn Sie kein Tim und keine Mim sind?
12
Weg mit den Fantasiegestalten!
Die Schönheit des Kompromisses
Ein Geheimnis, das bleibt
Lernen, vollkommen zu sein?
13
Das Herz riskieren
Männersache
Wieder loslassen
In einem Pub in East Croydon
14
»Gut aussehend«
Einundzwanzigmal
Die unverrückbare Tatsache
Alle Formen und Größen
Brachliegendes Kapital
Was ziehe ich an …?
Bitte keine Höhenbegrenzungen
Ein paar Fragen …
15
Sex
Freund oder Trophäe?
Erkenntnisse aus diesem Superdate
Eine Frage an Sie
Teil III Wie Sie Kraft und emotionale Stabilität für die Partnersuche gewinnen
16
Glück
Lawrence – Glyzinie und Hysterie
Sie haben es verdient, geliebt zu werden und zu lieben
Bringen Sie die kleine Stimme in Ihrem Kopf zum Schweigen
17
Ein Leben haben und es auch behalten
Simon – ein Mann mit einem Leben
Ein Tag voller schöner Dinge
Nur am Rande
Überlegen Sie mal …
18
Sieben »Must-haves«
19
Freundschaften
Eine Frage der Freundschaft
Der Beginn einer wunderschönen Freundschaft?
Teil IV Wie Gemeinden Singles unterstützen und ihnen ein Zuhause geben können
20
Singlesein in der Gemeinde
»Hilfe« von außen …
21
Die »Nur ein Date«-Theorie
Eine Lösung finden
Es zu versuchen ist besser, als es nicht zu versuchen
Das Märchenspiel
Unsichtbare Gründe
22
Was die Gemeinden tun können
»Junge Erwachsene«
Der stille und leise Ansatz
Aussprechen, was man sich wünscht
Farbe bekennen!
23
Setzen Sie sich in Bewegung!
Soll ich wirklich …?
Oder soll ich nicht …?
24
Sich einlassen
Versuchen Sie nicht, den anderen zu verändern, sondern seien Sie bereit, sich gemeinsam zu verändern
Die Hosen anlassen
Wichtig: Der Blick über den Tellerrand
Das Wort mit »H«
Teil V Alles unter Dach und Fach bringen
25
Zuallererst Gott lieben
Fehlt noch etwas?
26
Süchtig nach Verliebtsein?
Eine kleine Liebesgeschichte
Das Risiko eingehen
Nachwort
100 Prozent
Die wichtigsten Tipps auf einen Blick
Einleitung
Hallo, mein Name ist Becky, ich bin Christin, Single, 28 Jahre alt, und ich bin jetzt so weit, dass ich gern den Mann fürs Leben kennenlernen möchte. Meine Freunde in der Gemeinde und auch meine Familie wissen, dass ich bereit bin; meine Freunde, die nichts mit Kirche und Gemeinde zu tun haben, wissen es ebenfalls, und vor allen Dingen weiß es auch Gott. Und dennoch passiert nichts. Ich habe aber trotz einer Reihe spektakulärer (und oft urkomischer) Fehlschläge auf diesem Gebiet beschlossen, nicht aufzugeben, sondern im Gegenteil Expertin in Sachen Partnersuche und Dating zu werden. Wie ich das angestellt habe? Nun, ich bin in einer Art Experiment auf ganz unterschiedliche Weise mit zwanzig verschiedenen Männern in Kontakt gekommen, habe Dates mit ihnen gehabt und die Ergebnisse dieses Experimentes dann zu Papier gebracht.
Manche Leute waren absolut begeistert von der Idee und hüpften wie aufgeregte kleine Kinder auf der Stelle und klatschten in die Hände, wenn ich ihnen davon erzählte. Andere waren weniger angetan. Und wieder andere sagten, ich solle doch lieber »auf Gottes Zeitpunkt und Handeln warten« oder »Jesus nachfolgen, dann würde mir alles andere zufallen«. Auf den ersten Blick schien das zwar richtig zu sein, denn beides zeugt ja von Vertrauen und Geduld, und ich habe früher sogar selbst hin und wieder etwas in dieser Richtung verlauten lassen, aber ehrlich gesagt hat es bei mir so nicht funktioniert. Und offenbar funktioniert es bei einer ganzen Menge von Leuten ebenfalls so nicht.
Wenn ich mich in meiner Gemeinde umschaue, dann ist genau dieses Thema absolut aktuell. Meine Freundin Marion zum Beispiel ist intelligent, lustig, hübsch, nett und … Single. Wir wissen beide, dass sie eigentlich lieber nicht Single wäre, aber sie wartet einfach geduldig ab. Und dann ist da mein Freund Neil – die gleiche Geschichte: gut aussehender Typ, nett, lustig. Warum ist er allein?
Ob das vielleicht an dem »Abwarten-und-Tee-trinken«-Ansatz liegen könnte, der in vielen Gemeinden praktiziert und propagiert wird? An der Vorstellung, dass wir einfach nur geduldig zu warten brauchen und uns dann irgendwann ein Ehepartner in den Schoß fällt – wahrscheinlich genau in dem Moment, wenn wir gerade in der Kirche sitzen und um ihn beten! Der »Abwarten-und Tee-trinken«-Ansatz beruht auf der Vorstellung, dass Gott wie ein Blitz ist – er schlägt ein und dann passiert irgendetwas Erstaunliches in unserem Leben –, plötzlich ist der Traumjob oder der perfekte Partner da. Aber in Wirklichkeit wirkt Gott nicht so. Er schlägt nicht ohne Gegenbemühung ein.
Und kürzlich habe ich sogar erfahren, dass auch das Naturphänomen eines Blitzeinschlags nicht so funktioniert. Denn wenn ein Blitz einschlägt, schießt er nicht mit voller Kraft vom Himmel herunter und berührt sofort an irgendeiner Stelle den Boden. Vielmehr gelangt die elektrische Ladung, die von oben niedergeht, nur etwa bis zur Höhe eines sehr hohen Baumes nach unten. Damit es schließlich zu einem Einschlag kommen kann, kommt ihr vom Boden eine Gegenladung entgegen, und erst wenn die beiden Ladungen aufeinandertreffen, entsteht ein Blitz, der so aussieht, als schlüge er vom Himmel aus direkt in den Boden ein. Doch das ist eine Täuschung.
Unsere Interaktion mit Gott funktioniert ganz ähnlich. Wir sollen nicht einfach herumsitzen und darauf warten, dass er etwas tut, sondern wir sollen selbst handeln. Wenn Sie sich einen neuen Job wünschen, dann beten Sie natürlich darum, aber Sie arbeiten doch auch an Ihrem Lebenslauf, bilden sich fort, lesen Stellenanzeigen, schreiben Bewerbungen und gehen zu Vorstellungsgesprächen, und zwar so lange, bis Sie den richtigen Job für sich gefunden haben. Was Gott dazu tut, ist zwar entscheidend, aber Sie sitzen doch nicht einfach nur zu Hause herum und warten, dass Ihnen ein Job in den Schoß fällt. Das will ich wenigstens nicht hoffen!
Wenn wir Christen also bei der Jobsuche nicht diese »Abwarten-und-Tee-trinken«-Methode anwenden, warum um alles in der Welt schwören wir dann bei der Partnersuche darauf? Mir kommt es oft so vor, als ob wir die ganze Angelegenheit erst einmal auf eine geistliche Ebene zerren und dann vor Angst so gelähmt sind, dass gar nichts mehr passiert.
Nachdem ich erfahren hatte, dass Blitze sowohl von oben als auch von unten kommen, wurde ich irgendwie das Gefühl nicht mehr los, dass Gott möchte, dass wir uns aktiv an der Suche nach unserem Seelengefährten beteiligen. Bei der Partnersuche ist es nämlich ganz genauso wie bei der Jobsuche. Bete, aber suche gleichzeitig, klopfe an und finde (hoffentlich). Uns muss klar sein, dass Gott die Kontrolle hat, aber auch, dass wir selbst unseren Part bei der Angelegenheit zu leisten haben. Das vorliegende Buch und die Recherche, auf der es beruht, ist meine Art, aktiv zu werden, gleichzeitig aber auch im Laufe dieses Prozesses Gott ganz und gar zu vertrauen.
Ich war kurz davor, die Partnersuche aufzugeben, als ich mit diesem Projekt begann, war aber doch noch gerade eben bereit, ein paar wenige Schritte in der Welt der christlichen Partnersuche zu unternehmen, weil ich anderen Mut machen und vermitteln wollte, dass es eine Reihe von Möglichkeiten für die Partnersuche gibt, und dass es auch kein Weltuntergang ist, wenn es dabei mal peinlich wird oder eine Verabredung sogar richtig danebengeht. Irgendwann klappt es.
Letztlich wollen wir doch alle erleben, dass Gottes Wille auf dieser Erde geschieht, und wir sind die Hände, Füße und Herzen, die das umsetzen können.
Ich hoffe, es macht Ihnen Spaß, von meinem Abenteuer zu lesen, und ich wünsche mir sehr, dass mein Buch Ihnen Mut macht, Ihr eigenes zu erleben.
Fröhliches Lesen!
Becky
Anmerkung der Autorin
Als ich mit der Arbeit an diesem Buch begann, hatte ich eigentlich vor, nur meine Date-Erlebnisse aufzuschreiben und es dabei zu belassen. Aber nachdem ich immer mehr zu dem Thema gelesen und auch mit Freunden darüber gesprochen hatte, wurde mir klar, dass die Partnersuche für viele Christen kein Thema ist, über das man offen reden kann. Und leider gibt es in der Bibel kein Muster und keinen Plan, wie man bei der Partnersuche vorgehen sollte (außer vielleicht ein paar Hinweise im Hohelied und im Buch Ruth).
Manche Christen finden, dass aktive Partnersuche oder gar Dating nichts für Christen ist, und auch diejenigen, die es in Ordnung finden, sehen oft in erster Linie die Risiken dabei. Und dann bleibt schließlich immer noch die Frage, ob man persönlich bereit ist, es mit den Fehlern, Rückschlägen und Enttäuschungen aufzunehmen, die eine aktive Partnersuche nun mal unweigerlich mit sich bringt. Die Tage, an denen man sich zu Füßen eines rettenden Verwandten legte und wenig später verheiratet war, so wie Ruth, sind ja nun doch vorbei. Für die Jungs und Mädels von heute ist es schon sehr viel komplizierter.
Ich hatte jedenfalls das Gefühl, dass all diese Aspekte einmal offen angesprochen werden müssen, und deshalb umfasst dieses Buch eine große Bandbreite von Themenbereichen. Ich hoffe, dass Sie nach der Lektüre keine Entschuldigung mehr dafür finden, sich nicht aktiv auf Partnersuche zu begeben!
Teil I Die Dates
1
Softeis und Tauben, die vom Himmel fallen Oder: »Das allerschlimmste Date, das ich je hatte«
Wenn du Triumph und Niederlage hinnimmst, beide Betrüger du gleich willkommen heißt.
Rudyard Kipling
Vor etwa anderthalb Jahren hatte ich ein Erlebnis, das den Wunsch in mir weckte, dieses Buch zu schreiben. Ich gehörte zu einer Kleingruppe in meiner Gemeinde, die aus lauter Singlefrauen bestand, welche allerdings alle »kein großes Ding« aus ihrem Singlestatus machten (auch wenn es ehrlich gesagt in Wirklichkeit für uns alle sehr wohl »ein großes Ding« war). Es kam aber auch vor, dass es in unserem Programm ganz direkt um »unseren Weg als Single« ging. So auch eines Abends, als wir zusammen zu einem Vortrag über »Singlesein und Ehe« gingen. Laut Ankündigung war die Referentin Spezialistin für das Thema und hatte gerade ein Buch darüber veröffentlicht. Wir waren also alle guter Hoffnung, dass sie ein paar wirkungsvolle Tipps für uns auf Lager haben würde.
An einem Freitagabend machten wir uns also mit glänzenden Augen, viel Hoffnung im Herzen und großen Erwartungen auf den Weg, alle begierig, von einer klugen und erfahrenen Christin ein paar weise Worte zu dieser Thematik zu hören.
Der optimistische Teil von mir hoffte, dass wir am Ende des Abends alle einen passenden Mann gefunden haben würden, dass wir entsprechend fröhlich heimwärts ziehen würden und wenigstens diesen Lebensbereich schon mal unter Dach und Fach hätten.
Zu Beginn der Veranstaltung gab es eine Lobpreiszeit. Wir sangen und beteten – so weit, so gut.
Dann betrat die Spezialistin das Podium. Aufmerksam und gespannt saßen wir da, bereit, jedwede Weisheit zum Thema in uns aufzunehmen, aber als die Dame dann zu reden begann, merkte ich, wie meine Freundinnen auf ihren Stühlen immer weiter in sich zusammensackten und sich von aufmerksamen, offenen Christinnen in eingeschüchterte und sichtlich geschrumpfte Schatten ihrer selbst verwandelten. Die Grundaussage der Ausführungen besagter Dame war nämlich, dass es doch unsere eigene Schuld sei, wenn wir noch Singles wären. Wir müssten nur einfach mal in die Puschen kommen, rausgehen, unseren Seelengefährten am Schlafittchen packen, ihn zur Vernunft bringen und dann in den Hafen der Ehe einlaufen.
Das Ganze war wirklich mehr als nur ein bisschen beängstigend. Während die Spezialistin laut lamentierend auf der Bühne auf und ab ging, sank mir immer mehr der Mut. Eines ihrer Hauptargumente zum Thema war, dass sie schließlich auch verheiratet sei – wieso wir es da nicht ebenso hinbekommen sollten, den Partner fürs Leben zu finden und selbigen zu ehelichen? In diesem Punkt musste ich ihr zugegebenermaßen recht geben.
Wir waren am Ende des Abends jedenfalls alle völlig fertig und keine von uns war ihrem Ziel, den Partner fürs Leben zu finden, auch nur einen Hauch näher gekommen.
Oder vielleicht doch …?
Vielleicht bestand ja doch noch die Chance, dass aus diesem Abend etwas Positives entstand. Denn im allerletzten Moment wurde diese Hoffnung noch einmal in Form eines ganz passabel aussehenden Burschen namens Richard entfacht.
Richard hatte sich eindeutig die Botschaft »Hol-dir-was-du-dir-wünschst« zu Herzen genommen, denn er sagte mutig Hallo und fragte mich beim Hinausgehen ganz unverblümt nach meiner Handynummer. Das munterte mich auf der Stelle wieder auf und wir tauschten ebenso vergnügt wie klammheimlich unsere Nummern aus. (Klammheimlich deshalb, weil ich nicht wollte, dass sich die anderen über mich lustig machten, und außerdem fühlte ich mich auch ein kleines bisschen schlecht dabei, weil sie nicht ebenfalls mit jemandem Nummern tauschten – es sei denn, sie hatten es ebenso klammheimlich hinbekommen wie ich!)
Haben Sie schon jemals versucht, sich klammheimlich zu freuen und vergnügt zu sein? Es ist ein tolles Gefühl und hat Ähnlichkeit mit dieser Mischung aus Anspannung und Vorfreude, die man als Kind am Tag vor seinem Geburtstag hatte.
Richard und ich trafen uns jedenfalls drei Tage später in einer bekannten Pizzeria (nicht die feinste Adresse), wo wir Pizza aßen, dazu wässrige Softdrinks tranken und das Ganze mit einem Eis von der angesagten Ice Cream Factory krönten.
Ich weiß ja nicht, ob Sie schon mal ein Ice Cream Factory-Erlebnis hatten – es ist jedenfalls keine einfache Angelegenheit, wenn man dabei für ein Mitglied des anderen Geschlechts besonders attraktiv wirken möchte. Wenn man sich also bei der Ice Cream Factory einEis gönnt, dann füllt man zunächst einen Becher mit Mr Whippy-Softeis und fügt so viel Soße und so viele Arten von Streuseln und Extras hinzu, wie man möchte – und das, so oft man möchte.
Das klingt wie der Himmel auf Erden, und an einem ganz normalen Tag ist es das auch, aber nicht bei einem ersten Date mit einem Mann. Schon in dem Augenblick, als wir bei der Ice Cream Factory bestellten, war mir klar, dass das keine gute Idee war, aber da war es schon zu spät.
Wir stellten uns also mit unseren kleinen durchsichtigen Plastikschüsseln in die Schlange vor dem Eisautomaten, und ich wurde immer nervöser, während die kleinen Kinder vor uns herumschrien und sich um die letzten Krokantbrösel und Schokoladenplätzchen balgten. Als wir schließlich an der Reihe waren, füllte Richard seinen Becher mit der exakt angemessenen Menge Softeis, welche er dann geschickt mit genau der richtigen Menge Schokoladensauce und mit Schokostreuseln dekorierte. Sein Vorgehen wirkte höchst professionell, und es gelang ihm sogar, beim Zudrehen des Eishahns einen kleinen Eistuff als Abschluss hinzubekommen.
Puh – ob ich da wohl mithalten konnte? Nervös trat ich mit meinem Becher an die Maschine und schaltete sie ein. Weiche Softeisspiralen senkten sich langsam in meinen Becher und bildeten dabei recht zufriedenstellende Kringel. Vielleicht war das Ganze ja doch gar nicht so übel! Ich schaute zu, wie das Eis in einem dicken Strahl aus der Maschine kam und sich das Schüsselchen langsam füllte. Zeit, die Maschine wieder auszuschalten.
Aber das war ein Problem!
Irgendwie bekam ich nicht heraus, wie man das Ding zum Anhalten brachte. Ich versuchte, an der Düse zu drehen, ich drückte darauf, aber nichts funktionierte – die Eismasse lief weiter, der Softeisstrahl ließ sich nicht unterbrechen. Es war wie in diesen Filmen, in denen eine Riesenschlingpflanze immer weiter wächst und eine ganze Stadt überwuchert. Und genau wie diese Killerpflanzen übernahm jetzt das Eis die Herrschaft, erst über den Becher, dann bahnte es sich seinen Weg über dessen Rand und kroch alsbald auf dem Fußboden entlang. Gerade als es so aussah, als würde das Softeis vom gesamten Lokal Besitz ergreifen, eilte mir Richard zur Seite und legte den Schalter um. Ich blickte auf, keuchte ein »Danke«, und dann entfernten wir uns beide höchst kleinlaut und beschämt vom Ort des Geschehens.
Wieder an unserem Tisch, ragte der Berg von einfachem weißen Softeis (es war mir zu peinlich gewesen, mich noch länger in unmittelbarer Nähe des Eisautomaten aufzuhalten, um meine Portion zu dekorieren) zwischen uns empor, sodass wir uns nicht richtig sehen konnten, und drohte darüber hinaus auch noch, jeden Moment einzustürzen. Ich begann auf der Stelle, den Berg abzutragen, indem ich aß, was das Zeug hielt. Aber es war warm in dem Lokal, und es war einfach unmöglich, so schnell zu essen, wie das Eis schmolz, sodass der Softeisberg sich erst langsam und unaufhaltsam zur Seite neigte und dann auf den Tisch sackte, wo er einen kleinen Teich bildete, welcher sich dann nach und nach auf dem Tischtuch ausbreitete.
»Mach dir darüber keine Gedanken«, sagte Richard und lächelte mich an. Und ich lächelte zurück und fragte mich in meinem »Zuckerflash«, ob das wohl Liebe war.
Vogelgrippe und Morast
Der Zwischenfall in der Ice Cream Factory schien Richard jedoch nicht nachhaltig abgeschreckt zu haben, denn am darauffolgenden Samstag verabredeten wir uns ein zweites Mal. Dieses Mal fuhren wir in ein Dorf in der Nähe, um dort in einem gemütlichen Landgasthaus zu Mittag zu essen. Vielleicht lag es am Fehlen einer Ice Cream Factory, dass sich alles etwas zäh anließ, jedenfalls lief es beim Essen nicht so besonders gut. Irgendwie ging uns an diesem verregneten Samstagmittag der Gesprächsstoff aus.
Ich versuchte, Richards Interesse für die Enten zu wecken, die in einem modrigen Tümpel vor dem Lokal schwammen, indem ich herumzappelte, auf einzelne besondere Exemplare hinwies und eine der Enten sogar nachmachte. Aber komische Enten gehörten eindeutig nicht zu seinen Interessensgebieten.
Beim Essen hatte ich ihm erzählt, dass ich gerne spazieren ginge, also beschlossen wir, einen Spaziergang zu machen, in dessen Verlauf sich allerdings herausstellte – und es tut mir wirklich leid, es sagen zu müssen –, dass unsere Hoffnung auf Gemeinsamkeiten immer mehr schwand. Er erklärte, dass er sich für Musik interessiere, ich sagte, dass ich Musik ebenfalls mag – Pause. Ich versuchte, ihm von meinen Reisen zu erzählen. Er sagte, er hätte auch schon ein paar Reisen ins Ausland gemacht. Pause. Es schien so, als würde gar nichts gehen, und dumpfe Langeweile machte sich breit.
Als wir schließlich am durchweichten Rand eines Feldes entlangtrotteten, war der Tiefpunkt erreicht. Es hatte lange geregnet und der Weg war wirklich matschig. Nachdem ich ihn mir genau angesehen hatte, befand ich ihn aber doch für begehbar und machte einen ersten zuversichtlichen Schritt darauf – nur um auf dem Po zu landen, und zwar alles andere als anmutig; also Abzüge in der B-Note für feminine Grazie. Tapfer lächelnd und zur Hälfte mit Matsch bedeckt stand ich wieder auf, fest entschlossen, dessen ungeachtet weiterzugehen. Aber als ich gerade wieder auf den Beinen stand, landete ich – wums – erneut auf dem Hintern.
Das lief ja gar nicht gut. Einfach einen Fuß vor den anderen zu setzen und aufrecht zu gehen war hier nicht möglich. Wanderschuhe hatte ich nicht dabei, und die Schuhe, die ich trug, waren für diese Aktion denkbar ungeeignet, denn sie hatten kein Profil – ich schlitterte also nur unkontrolliert herum. Es gab keine Alternative – ich musste Richards Hand zur Hilfe nehmen, um den matschigen Weg zu schaffen, was sowohl mir als auch ihm ziemlich unangenehm war. Mir war eigentlich so ganz und gar nicht danach, ihn bei der Hand zu halten, und er musste mit einem Matsch-Monster fertig werden, also nehme ich an, dass er ebenfalls nicht übermäßig wild darauf war. Als er nach meiner Hand griff, sang keine Beatles-Coverband »I wanna hold your hand«, es waren keine Kuschelgefühle vorhanden, kein Nebel im Hirn, sondern nur eine grimmige Entschlossenheit, die andere Seite dieses gigantischen Matschloches zu erreichen.
Und dann entwickelten sich die Dinge von nicht so toll zu absolut schräg.
Es fiel nämlich eine Taube vom Himmel.
Direkt vor uns.
Vor Schreck und Überraschung ließen wir uns los und sahen beide auf die Taube.
Sie war tot.
Wir schauten beide in den Himmel, um zu sehen, woher sie gekommen war.
Aber da war nichts.
Dann schauten wir wieder nach unten auf die Taube.
Für Gott müssen wir in dem Moment urkomisch ausgesehen haben.
Wir waren absolut perplex. Es gab weder Bäume noch Gebüsch in der Nähe, aus denen die Taube hätte kommen können, also musste sie mitten im Flug tot vom Himmel gefallen sein. Vielleicht war sie an einem Herzschlag gestorben. Oder sie hatte Vogelgrippe gehabt. Oder Taubenwahnsinn. Wer weiß?
An dieser Stelle hörten wir jedenfalls auf, nach unten auf die Taube zu starren und dann wieder in den Himmel, denn es fing wieder an zu regnen, und wir beschlossen, dass es jetzt definitiv Zeit war, uns auf den Heimweg zu machen.
Als wir endlich wieder auf dem Parkplatz angekommen waren, standen wir vor einem weiteren Problem. Richards Wagen sprang nicht an. Und dann tat ich etwas, das wahrscheinlich ziemlich schäbig war. Ich rief mir ein Taxi, um nach Hause zu fahren, und überließ Richard sich selbst und seiner Autopanne. Ich hatte zwar tatsächlich einen wichtigen Termin, aber trotzdem war mir nicht besonders wohl in meiner Haut, als das Taxi losfuhr.
Glücklicherweise bekam ich zehn Minuten später eine SMS von Richard mit der Nachricht, dass der Motor auf rätselhafte Weise dann doch ziemlich genau in dem Augenblick angesprungen sei, als ich außer Sichtweite gewesen sei.
Richard und ich haben nie wieder etwas voneinander gehört.
Und wir haben nie erfahren, warum die Taube vom Himmel fiel.
Von außen betrachtet sieht dieses Date wie eine reine Katastrophe aus, und vielleicht war es das in vielerlei Hinsicht auch. Ich würde es aber dennoch als Erfolg bezeichnen, weil wir wenigstens den Versuch gewagt und dabei herausgefunden haben, dass wir nicht zueinander passten.
Es entstand kein Schaden und es gab keine größeren Blessuren. Keiner von uns hatte ein für alle Mal seine Würde verloren, sondern unserer beider Würde war nur vorübergehend ein wenig angekratzt worden.
(Die Taube lasse ich bei dieser Zusammenfassung mal außer Acht, denn die verlor ja an diesem Tag leider alles.)
Es stellte sich also heraus, dass die Spezialistin mit ihrem Vortrag für Singles doch recht gehabt hatte. Wir müssen wirklich in die Puschen kommen. Es ist besser, aktiv nach dem zu streben, was man sich wünscht, und dabei ruhig unterschiedliche Möglichkeiten auszuprobieren, als nie zu erfahren, ob man es wohl erreicht hätte. Ich bin froh über Richards Vorstoß, Handynummern auszutauschen, auch wenn es bei uns beiden nicht gefunkt hat. Wir haben es wenigstens versucht. Wäre es nicht toll, wenn bei jeder Veranstaltung für Singles, an der man teilnimmt, zumindest ein – wenn auch vielleicht peinliches – Date herauskäme? Lassen Sie uns dafür sorgen!
Ich bin froh, dass Richard so mutig war, mich anzusprechen und einzuladen, und dass dadurch die ganze Sache mit den Dates ins Rollen kam. Durch Facebook weiß ich, dass er inzwischen seine Traumfrau kennengelernt hat und die beiden bald heiraten werden, und das ist doch der beste Beweis dafür, dass seine Einstellung sich letztlich ausgezahlt hat. Gut gemacht, Richard! Und was mich betrifft, na ja, nach dem Tauben-Date war ich wirklich durch nichts mehr zu erschüttern. Es war Zeit, nach passenden Männern für Dates zu suchen.
2
Viele Fische im Meer? (Wo man geeignete Dates finden kann Teil I)
Mein Herz ist ein einsamer Jäger, der auf einem einsamen Berg jagt.
Fiona McLeod, 1855–1905
Ich hakte also die Tauben-Date-Katastrophe ab und begann mein Abenteuer, neunzehn weitere Männer für ein Date zu finden. Die erste wichtige Frage, die sich für mein Projekt stellte, war, wo ich so viele Männer auftreiben sollte, die zu einem solchen Date bereit waren. Ich beschloss deshalb, eine Liste von Kontaktaufnahmemöglichkeiten zu erstellen.
Hier die Liste, die ich im Laufe der folgenden Monate dann mehr oder weniger strikt abgearbeitet habe. Wenn Sie möchten, können Sie es mit dieser Liste auch einmal probieren. Manche der Möglichkeiten sind ziemlich aufs Geratewohl, andere zielgerichteter. Ich wollte mutig sein und möglichst viele verschiedene Möglichkeiten ausprobieren:
mich in meiner eigenen Gemeinde umschauen»Bekehrungsflirten« im christlichen Buchladenmich in anderen Gemeinden umschauen auf einer Hochzeit Ausschau haltenEmpfehlungen von erfahrenen Christen aus der Gemeinde Empfehlungen von Freunden Internet-Partnervermittlung Facebook Speeddating Singlepartys Tagungen, Kongresse, Seminare christliche Urlaubsveranstalter oder Wochenendveranstaltungen christliche Sommerfreizeiten am ArbeitsplatzDoppeldates mit bereits bestehenden PaarenDates aufgrund gemeinsamer Interessen – beginnen Sie ein neues HobbyAnnonce aufgebennach dem Gottesdienst in einem Lokal umsehendurch reine Dreistigkeit und das Ergreifen sich bietender GelegenheitenIch möchte an dieser Stelle bemerken, dass manche dieser Möglichkeiten und Methoden zu einem wunderschönen Date geführt haben (und manchmal sogar zu mehr als nur einem wunderschönen Date!), andere zu lausigen Dates und wieder andere zu gar keinem Date!
Aber wie dem auch sei, ich beschloss, vor Ort zu starten …
Im eigenen Teich angeln?
Auf den ersten Blick scheint es auf der Hand zu liegen, dass die eigene Gemeinde der geeignete Ort ist, um mit der Partnersuche zu beginnen, und in vielerlei Hinsicht trifft das auch zu. Jemand aus der eigenen Gemeinde hat wahrscheinlich am ehesten ähnliche Werte und eine ähnliche Einstellung zu Leben und Glauben. Wahrscheinlich bewegt er sich sogar in denselben Kreisen und Gruppen wie man selbst, was einem viel Kennenlern- und Vorstellarbeit ersparen kann. Außerdem lebt die betreffende Person ziemlich sicher ganz in der Nähe, was nicht nur praktisch ist, sondern oft auch entscheidend dazu beiträgt, dass sich eine Liebe richtig entfalten kann.
Trotz all dieser Vorteile bekam ich aber von einer Freundin einmal den Rat, »nicht im eigenen Teich zu fischen«. Das ist in gewisser Hinsicht sicher ein kluger Rat, denn geht man in der eigenen Gemeinde auf Partnersuche und bekommt dabei einen Fisch an den Haken, der noch viel zu klein ist, dann ist es nicht so einfach, ihn vorsichtig wieder vom Haken zu lösen und ihn ohne großes Aufhebens wieder ins Wasser zurückzusetzen, ohne dass es jemand merkt. Es kann aber auch passieren, dass man so eine giftige Spezies wie den Skorpionfisch an Land zieht, was eine noch sehr viel gefährlichere und spektakulärere Darbietung verursachen kann. Möchten Sie Ihren Freunden in der Gemeinde wirklich eine Art Nebenshow bieten, indem alle zuschauen können, wie Sie einen Fisch vom Haken nehmen, den Sie eigentlich gar nicht haben möchten?
Wahrscheinlich doch eher nicht, oder?
Ein paar von meinen zwanzig Dates kamen aus dem eigenen Teich, aber aus keinem davon ist etwas geworden.
Es muss einfach gesagt werden, dass es gewisse Gefahren mit sich bringt, jemanden aus der eigenen Gemeinde zu daten. Ich möchte an dieser Stelle zwar auf so überstrapazierte Metaphern wie »Haigewässer« oder »gegen den Strom schwimmen« verzichten, aber es gibt in fast allen Gemeinden nun mal definitiv den Hang zu Klatsch und Tratsch und Spekulationen. Selbst wenn Ihre Gemeindefamilie es wirklich gut meint, könnte es durchaus sein, dass Sie sich im Fall der Fälle wie unter dem Mikroskop vorkommen. Das heißt natürlich nicht, dass Sie es nicht auch in der eigenen Gemeinde versuchen sollten, wenn es dort einen potenziellen Kandidaten gibt; aber insgesamt ist es eher unwahrscheinlich, den künftigen Lebenspartner dort zu finden. Dies gilt besonders, wenn man zu einer kleinen Gemeinde gehört oder zu einer Gemeinde, die sehr paar- oder familienorientiert ist.
Wo also sollen wir suchen in einer Welt, in der wir alle gerne ein Date mit einem Fisch hätten, der einem geschmeidigen Lachs entspricht?
Es gibt für Christen jede Menge anderer Möglichkeiten, andere Christen kennenzulernen, als die eigene Gemeinde. Deshalb war auch die nächste Methode, die ich ausprobierte, vielleicht ein wenig merkwürdig und letztlich auch nicht von Erfolg gekrönt.
»Bekehrungsflirten«
Auf der Weihnachtsfeier meiner Firma, die in einem Restaurant stattfand, ging wirklich alles daneben. Eigentlich fing der Abend ganz gut an. Wir Kollegen sind untereinander alle gut miteinander befreundet und es herrscht eine familiäre Atmosphäre – zwar auch mit den dazugehörigen Kabbeleien und Meinungsverschiedenheiten, aber im Großen und Ganzen kommen wir gut miteinander aus. Da waren wir nun also alle in dem Restaurant versammelt, warteten auf die Vorspeise, und irgendwie kam das Gespräch auf das Buch, für das ich gerade mit der Recherche begonnen hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich erst ein Date gehabt und ich fand die Aussicht auf neunzehn weitere eher beängstigend und abschreckend als verlockend. Deshalb waren meine Kollegen so nett, mir hilfreiche Tipps zu geben, wie ich Kontakte knüpfen könnte, wie potenzielle Date-Partner sein sollten, wie ich mich während der Dates kleiden sollte, worüber wir reden könnten, was ich sagen sollte und so weiter. Eigentlich wurde auf diese Weise so ziemlich jedes der möglichen Dates bereits in allen Einzelheiten von meinen Kollegen vorausgeplant, aber was soll’s …
Während wir also aßen und plauderten, traf eine weitere Gruppe in dem Restaurant ein, die fast ausschließlich aus Männern bestand. Es waren ungefähr dreißig Männer in Begleitung von nur fünf Frauen. Dreißig gut aussehende junge Männer, von denen vielleicht maximal fünf bereits vergeben waren! Bei einem solchen Angebot von Singlemännern müsste ich es doch eigentlich schaffen, mein nächstes Date zu ergattern, oder?
Dieser Art von meinen Kollegen angestachelt, begann ich mit einem der Männer ein Gespräch, und es stellte sich heraus, dass sie zur Freiwilligenreserve der britischen Armee gehörten. Interessant, das erklärte auch, warum die Runde so männerlastig war. Ich sehe mich eher nicht als Ehefrau eines Soldaten, aber das vorhergehende Gespräch mit meinen Kollegen hatte mir das Gefühl vermittelt, eigentlich für alle Möglichkeiten offen sein zu müssen. Also guckte ich mir einen der Jungs in einem langärmeligen grauen T-Shirt aus, der ganz süß aussah.
»Los, frag ihn, ob er mit dir ausgeht«, sagte Jess. »Er könnte dein nächstes Date sein.«
»Dann frag du ihn zuerst, ob er Christ ist«, entgegnete ich.
»Nein, nein, das hier ist Bekehrungsflirten. Frag ihn, ob er mit dir ausgeht.«
Irgendwann konnte ich nicht mehr anders und musste aufstehen, weil ich zur Toilette musste. Doch weil es nur eine einzige Damentoilette gab und diese besetzt war, musste ich im Vorraum warten. Also wartete ich. Und wer kam just in diesem Augenblick ebenfalls in den Vorraum marschiert? Der Typ im grauen T-Shirt. Das konnte nur ein Zeichen von Gott sein.
»Hallo«, sagte ich in munter-kessem, aber nicht zu forschem Tonfall.
»Hallo«, erwiderte er, offenbar ein ganz klein wenig nervös.
»Sind Sie Christ?« (Weil ich ein bisschen aufgeregt und durcheinander war, hatte ich ganz vergessen, zunächst zu flirten und erst anschließend mit dem Glauben anzufangen.)
»Äh, nein. Also – doch. Aber ich übe den Glauben nicht aus.«
»Zu üben brauchen Sie das ja auch gar nicht«, plapperte ich munter los. »Christ ist man doch einfach beziehungsweise man wird es. Man wird darin nicht durch Üben besser.« Jetzt faselte ich nur noch herum. Und damit hatte ich das Stadium erreicht, in dem ich glaubte, dass es ein guter Plan sei, einfach weiterzureden, obwohl das eindeutig nicht der Fall war.
Er lächelte freundlich, aber auch ein bisschen irritiert, verschwand dann in der Männertoilette und überließ mich mir selbst und meinen Gedanken darüber, wie merkwürdig das war, was ich da gerade von mir gegeben hatte.
Ein »ausübender Christ«. Also, wenn ich genauer darüber nachdenke, dann finde ich diesen Ausdruck in der Tat höchst seltsam. Man übt doch seine Beziehung zu Gott nicht. Sie ist doch etwas Lebendiges, etwas, woran man arbeitet und worin man tagtäglich einfach lebt. Man weiß nie, was Gott einem als Nächstes aufgibt und wie man damit umgehen wird. Man kann es nicht üben – weder ein- noch aus-. Aber dann ist es ja auch wieder so, dass man sein Christsein doch auch irgendwie übt. Man entscheidet sich, in der Bibel zu lesen, zur Kirche zu gehen und bestimmte Sachen nicht zu tun. Man entwickelt bestimmte Denkgewohnheiten und bereitet sich auf das Reich Gottes vor. Man übt Nachfolge ein – also übt man eben doch.
Ich tauchte wieder aus meinen Gedanken auf …
Wer auch immer auf dieser Damentoilette war, sie brauchte extrem lange; so lange, dass der Mann im grauen T-Shirt schon wieder aus der Männertoilette herauskam, bevor ich endlich an der Reihe war. Ich kam zu dem Schluss, dass ich doch jetzt eigentlich das Gespräch da wieder aufnehmen konnte, wo es unterbrochen worden war … vielleicht war das nicht unbedingt ratsam, aber trotzdem …
»Ich habe Sie gerade nach Ihrem Christsein gefragt, weil ich ein Buch über Partnersuche und Dating unter Christen schreibe, wissen Sie …« Ich ging die Sache so lässig und locker an wie nur möglich. »Also wenn Sie Christ wären, dann würde ich Sie fragen, ob wir nicht mal zusammen ausgehen können … aber Sie sind ja keiner.«
Der Mann lachte nervös. Es musste ihm ja schon höchst seltsam vorgekommen sein, dass sich diese Frau da immer noch vor dem Männerklo herumdrückte. »Nein – na ja, schade, was? Aber was soll’s?«
»Ja, was soll’s«, lachte ich genauso nervös zurück.
Und dann verließ er die Toilette und ging zurück an seinen Tisch.
Ich musste danach noch eine ganze Weile länger warten, und als ich dann endlich wieder zu meinem Platz in dem Restaurant zurückkam, wünschte ich, ich hätte zur besseren Tarnung mehr Schminke aufgetragen. Alle am Tisch des Mannes im grauen T-Shirt schauten zu mir hin, starrten mich an oder zeigten sogar auf mich. Na ja, wahrscheinlich haben sie nicht wirklich auf mich gezeigt, aber in meiner Fantasie taten sie es auf jeden Fall.
Ich ging zurück an meinen Tisch und erzählte meinen Kollegen die mitleidheischende Geschichte des Gespräches, doch die Reaktionen darauf waren ganz anders, als ich erwartet hatte.
»Er ist nach dir zur Toilette gegangen – das ist ein Zeichen. Gott wollte ganz sicher, dass du ihn ansprichst.«
»Du solltest dich trotzdem mit ihm verabreden.«
»Du solltest dich mit ihm verabreden – denn irgendwie ist er ja doch Christ, oder?«
»Vielleicht hängt sein Seelenheil von dir ab!«
Rückblickend ist natürlich ganz klar, dass sie mich nur aufgezogen haben, weil sie zu viel Bier intus hatten, aber damals habe ich wirklich gedacht, sie meinten es ernst. Und weil ich die Last der Verantwortung in Bezug auf ihr letztes Argument verspürte, ließ ich mich dazu überreden, meine Handynummer auf einen Zettel zu kritzeln und ihm diesen zuzustecken.
Irgendjemand machte außerdem noch den Vorschlag, ich solle »Gott liebt dich« dazuschreiben, aber das fand ich dann wirklich zu abgedreht, also beließ ich es einfach bei meinem Namen und meiner Telefonnummer.
Damit ging es mir gut. Ich war zuversichtlich. Ich hatte meinen Zettel. Es war der Kassenbon eines Metzgers, den mir meine Kollegin gegeben hatte und auf dessen Rückseite ich meinen Namen und meine Nummer geschrieben hatte. Auf der Vorderseite stand: Mortadella 200 g – 2,25, gekochter Schinken, 234 g – 3,90; Würstchen … Was, wenn der Mann im grauen T-Shirt Vegetarier war, fragte ich mich. Egal, Vegetarier oder nicht, ich war jetzt wild entschlossen.
Und dann kam meine Chance. Er ging. Jetzt oder nie. Ich musste es wagen. Also los jetzt.
Jess zischte: »Los, mach schon!«
Als er auf dem Weg zum Ausgang an mir vorbeikam, erhob ich mich halb von meinem Stuhl und tippte ihm auf die Schulter, aber er ging einfach weiter. Also tippte ich noch einmal und sagte: »Hallo.« Er blieb aber immer noch nicht stehen, sodass ich richtig aufstehen und ihn am Jackenärmel zupfen musste, damit er sich umdrehte. Ich war unendlich erleichtert, als er es endlich tat und ich ihm mit einem netten Lächeln den Zettel überreichen konnte.
»Nur für alle Fälle«, sagte ich.
Er sah mich verdutzt an und murmelte: »Danke.«
