2017 - Siegfried Eckert - E-Book

2017 E-Book

Siegfried Eckert

4,3
9,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

PROTESTantismus: Mit neuem Charme und altem Charisma ins Lutherjahr.

Wie feiert der Protestantismus das große Fest 2017? Siegfried Eckert stellt sich dieser Frage und tut das in seiner bekannten Art, indem er ordentlich Sand ins Getriebe wirft. Sein ebenso bissiges wie unterhaltsames Buch zeigt aber gekonnt, wie er »seinen« Luther gelesen – und verstanden – hat! Er formuliert ein Unbehagen über die Verdunkelung protestantischer Werte und wagt die These, dass die Evangelische Kirche in Deutschland vor dem Burnout steht.



  • Ein kluges Plädoyer für einen geistreichen Protestantismus
  • Die Schönheit des Glaubens – bissig, unterhaltsam und kirchenkritisch
  • Kirche auf dem Prüfstand – seziert von einem überzeugten Pfarrer, dem der Protestantismus am Herzen liegt

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 305

Veröffentlichungsjahr: 2014

Bewertungen
4,3 (18 Bewertungen)
11
2
5
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



SIEGFRIED ECKERT

2017

ZWEITAUSENDSIEBZEHN

REFORMATION

STATT REFÖRMCHEN

GÜTERSLOHER VERLAGSHAUS

Dieses Buch ist

den Gemeinden gewidmet,

die mir die Kirche zur Heimat haben werden lassen,

seinem Geburtshelfer Thomas Schmitz vom Gütersloher Verlagshaus

und meiner Frau Almuth.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://portal.dnb.de abrufbar.

Copyright © 2014 by Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Das Gütersloher Verlagshaus, Verlagsgruppe Random House GmbH, weist ausdrücklich darauf hin, dass bei Links im Buch zum Zeitpunkt der Linksetzung keine illegalen Inhalte auf den verlinkten Seiten erkennbar waren. Auf die aktuelle und zukünftige Gestaltung, die Inhalte oder die Urheberschaft der verlinkten Seiten hat der Verlag keinerlei Einfluss. Deshalb distanziert sich das Gütersloher Verlagshaus, Verlagsgruppe Random House GmbH, hiermit ausdrücklich von allen Inhalten der verlinkten Seiten, die nach der Linksetzung verändert wurden, und übernimmt für diese keine Haftung.

Coverfoto: © Blackosaka – Fotolia.com

Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln

ISBN 978-3-641-14629-0

www.gtvh.de

Inhalt

Vorwort

Sei (k)ein Frosch

I. DIE GETRIEBENE KIRCHE

1. Lagerfeuer statt Leuchttürme

2. Marathonlauf

3. Werkgerechtigkeit

4. Sand im Getriebe

5. Misstöne

6. Beschleunigte Aufbrüche

II. DIE AUSBRENNENDE KIRCHE

1. Hundertprozentkirche

2. Parochie oder Leuchtfeuer

3. Dorfkirche oder Dom

4. Begeistern oder führen

5. 2:1 fürs Ehrenamt

6. Unschlüssiger Schlüsselberuf

7. Herzensbildung

8. Diakonie auf dem Markt

9. Kampagnenbau zu Hannover

10. Gesetzlich und privat versichert

11. Konzentiert euch

12. Schäfchen ins Trockene bringen

III. DIE KIRCHE OHNE SPIELFÜHRER

1. Nachspiel

2. Halbzeitpause

3. Trainingsplatz Kirchentag

4. Spielerinnenwechsel

5. Worms : Wittenberg

IV. DIE REFORMATIONSBEDÜRFTIGE KIRCHE

1. Rosas Brille

2. Resonanzraum

3. Im Element sein

4. Kirche im Dorf

5. Schutzraum

Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

Matthäus 12, 34

Vorwort

Ich formuliere in diesem Buch ein Unbehagen über die Verdunkelung protestantischer Werte im Land der Reformation. Ein beunruhigter Kommentar über die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die vor der Kirchentür nicht haltgemacht hat, ist entstanden.

Stimmt die Befürchtung, dass die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vor dem Burn-out steht und viele Mitarbeitende den Preis für ihren Reformstress bezahlen?

Protestantischer Klartext ist angesagt, denn zu oft gehen große Entwicklungen einseitig auf Kosten der kleinsten Einheit. Bei kirchlichen Reformmaßnahmen steht die Glaubwürdigkeit der Reformer mit auf dem Spiel. Angesichts von 500 Jahren Protestantismus befindet sich die EKD im Jahr 2017 auf einem historischen Prüfstand. An diesem runden Geburtstag werden wir um die alte Frage nach Umkehr und Reformation nicht herumkommen. Mit Reförmchen ist keinem geholfen!

In der gut reformatorischen Form einer Streitschrift nehme ich deshalb meine Kirche ins Gebet. Was sich liebt, das neckt sich. Und ich liebe meine Kirche, die mir als Gemeinde vor Ort Standbein und Kirche an anderen Orten Spielbein ist. Wie frei darf eigentlich ein Christenmensch in einer Kirche der Freiheit konstruktive Kritik äußern?

Bonn-Friesdorf, Pfingsten 2014

Siegfried Eckert

Sei (k)ein Frosch

Als Dorfpfarrer das Thema Reformationsdekade anzupacken, ist gewagt. Weiß keiner genau, was gefeiert werden soll. Aus gemeindlicher Froschperspektive riskiere ich dennoch eine Kommentierung der Prozesse, die Richtung 2017 ablaufen. Als Babyboomer, 1963 in München geboren, haftet mir der Stallgeruch eines diasporaerfahrenen, oberbayerischen Lutheraners an. Meine Mutter prägte mich gut volkskirchlich. Sechs Jahre meiner Jugend verbrachte ich in freikirchlichen Kreisen amerikanisch-charismatischer Couleur. Im Februar 1994 wurde ich ordiniert. Seither bin ich Gemeindepfarrer in der reformiert geprägten, vom Kirchenkampf beeinflussten, unierten Kirche im Rheinland (EKiR). Mein Tun wurzelt in der Gemeinde. Darüber hinaus bin ich engagiert im Kirchenkreis, der rheinischen Landessynode, Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Bonn e. V., Leiter von Pastoralkollegs, theologischer Autor, Kulturschaffender in der Gemeinde, Initiator von Großveranstaltungen für Kirchentage und Kirchenkreise. Ökumenisch bin ich mit Waisenhausprojekten in Rumänien und im Nepal verbunden. Vor Ort pflege ich eine gute Nachbarschaft zur katholischen Gemeinde. Als verbeamteter Pfarrer, in einer von Kirchensteuern gesteuerten Kirche, äußere ich mich aus einer privilegierten, westkirchlichen Position.

Froschfragen stellen sich trotzdem, spätestens seit die EKD im Jahr 2006, als Ouvertüre zur Reformationsdekade, ihre Freiheitsschrift auf den Markt brachte: Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert. Ein Impulspapier des Rates der EKD. Ihre Struktur bildet im Verlauf des Buches mein diskursives Gegenüber. Die darin propagierte Kirche im Mentalitätswandel erfährt in exemplarischer Weise meine Kritik. Seit ihrer Veröffentlichung sind zahlreiche Kollateralschäden zu verzeichnen. Besonders hart traf es die, die bemüht sind, ihre Kirche im Dorf zu lassen. »Diese Tendenz ist im Reformpapier der EKD unverkennbar, das die Anzahl lokaler Gemeinden drastisch reduziert sehen möchte (von achtzig auf fünfzig Prozent)« (Karle, Reformstress, 113).

Was wird aus der Vielfalt protestantischen Lebens, wenn es demnächst von einem zentralisierten EKD-Protestantismus repräsentiert werden soll? Wie verändert sich das Gesicht der Kirche, wenn ihre institutionelle Seite verblasst, um ihre Benutzeroberfläche zu einer effektiveren Organisation zu liften? Die Impulse der »Kirche der Freiheit« setzen den deutschen Protestantismus gewaltig unter Druck. Auf Reformanstrengungen in den Landeskirchen üben sie beschleunigende Wirkungen aus. Die darin verwendete Sprache der Ökonomie hat die kirchliche Gesprächskultur verändert. Das Russisches-Roulette-Spiel um zukünftige Strukturen ist eröffnet, bei dem die Theologie als kirchliche Leitwissenschaft ungehört draußen vor der Tür steht. Schon Martin Luther sah im Blick auf die Hierarchie der Fakultäten manches kritisch. »Gegenüber den Juristen, die sich zu Luthers Verdruß den Theologen, auch in der Universität, nicht unterzuordnen bereit waren, empfand er tiefe, wie es scheint im Laufe seines Lebens sogar wachsende Vorbehalte« (Kaufmann, Luther, 86). Ein befremdlicher Geist ist seit 2006 der protestantischen Flasche entwichen.

Noch finden die Festvorbereitungen für 2017 in geschlossenen Zirkeln statt. Das staunende Publikum nimmt eine untypische protestantische Top-Down-Kommunikation zur Kenntnis. Das widerspricht der Selbsteinschätzung: »Die Umstrukturierung in der evangelischen Kirche ... lassen Kreativität, Aufbruchsstimmung und Auftragsorientierung wachsen« (KdF, 7). Bislang hatte die Kirche in, aber nicht von dieser Welt zu leben. Die Erwartungen ihrer Mitglieder gingen davon aus, dass die Kirche sich als ein kritisches Gegenüber zur Welt versteht. Mittlerweile ist sie selbst von der Ökonomisierung der Welt so sehr infiziert, dass sie unter die babylonische Königsherrschaft des Geldes geraten ist. Ihre Reformdebatte ist nichts anderes als ein verklausulierter Verteilungskampf. Kirchliche Chefetagen haben sich dafür mit ihren angeschlossenen Ämtern in Stellung gebracht. Frösche, Dorfpfarrer und Presbyterien können nur geringen Einfluss darauf nehmen. Hinter Worten wie Reform- und Strukturprozess, Strategie- oder Impulspapier verbergen sich Sparvorschläge zugunsten ihrer Erfinder.

Seit der Veröffentlichung des Papiers steht das bevorstehende Reformationsjubiläum damit unter Verdacht, hinter den Kulissen gehe es um die Sicherung eigener Pfründe und Durchsetzung konfessioneller, landeskirchlicher und kirchenleitender Interessen. So frei, wie behauptet, ist die Kirche der Freiheit schon lange nicht mehr! Knapp 24 Millionen Protestanten im Land sind aufgerufen, sich dazu eine eigene Meinung zu bilden.

Überlassen wir 2017 nicht denen, die immer schon in der ersten Reihe sitzen. Protestantische Froschkonzerte sind nötig wie einst, als der reformatorische Geist sich im 16. Jahrhundert singend seinen Weg bahnte. Anders als mit einem protestantischen Ruck wird es nicht gehen. Sonst droht die Kirche vor Ort endgültig unter die geistlosen Räder anrollender Organisationsreformen zu geraten. Damit verlöre die ausdifferenzierte Kirche an anderen Orten ebensoihren Rückhalt. »Es war die Verankerung in einer gemeindlich-bürgerlichen Zivilreligion, nicht das obrigkeitliche Landeskirchentum, die das Luthertum aus der größten Gefahr seit Aufbruch der Reformation rettete. Innerhalb der Städte waren nicht die Magistrate die treibende Kraft, sondern eine Koalition von Bürgern und lutherischen Pastoren« (Schilling, Luther, 443).

Luthers egalitäres Gemeindeverständnis verhalf der Reformation zum Durchbruch. Seine Überzeugung vom Priestertum aller hob die zementierte, priesterfixierte römische Welt aus den Angeln. Trotz aller Unkenrufe wird auch in Zukunft die Parochie die verlässlichste Basis des Protestantismus bilden! Leuchtfeuer sind höchstens kurzfristige Placebos für eine vom Burn-out bedrohte Kirche.

Nach 1945 war die EKD ein mittelmäßig erfolgreicher, informeller Zusammenschluss von Landeskirchen, ein beschaulicher Papiertiger, ein Pontifex zwischen konfessionellen Bünden, der Ökumene und dem Ausland. Spätestens seit 2006 hat jemand die Leinen losgemacht. Seither setzt der Tiger zum Sprung an, sind Tierbändiger wie Frösche gefragt, dem Einhalt zu gebieten, damit wir nicht zu Untertanen einer Kirche werden, in der ein verdächtig ökonomiebetonter Geist weht. Zentrale Elemente sollen da gestärkt und effektivere Organisationsformen geschaffen werden – auf Kosten einer geringeren Beteiligung und schlechteren Ausstattung der Basis.

Mein Protestantismus sieht anders aus: kein Optimierungszwang! Stark machen, was uns stark gemacht hat. Faire Haushalter haben auf allen Ebenen eine sachgemäß ausfinanzierte Gestalt der Kirche zu gewährleisten. Dafür müssen wir nicht zu einem Sozialunternehmen umorganisiert werden. Bleiben wir unserem kanaanäischen Herkunftsdialekt treu. Dieser neumodische Plastikwortschatz der Ökonomen baut eh nur auf Sand und kennt das Wort Gnade nicht. Schenken wir den Seligpreisungen mehr Glauben als Qualitätsentwicklungen. Gottes Kraft ist nicht in den Leistungsstarken mächtig! Luther war überzeugt: »Darum müssen wir nicht unsere Kraft, sondern die unseres Bruders betrachten, damit der im Glauben Schwache, wenn er dem Starken folgen wollte, nicht vom Teufel zerrissen werde« (Luther, Werke I, 274). Die EKD läuft Gefahr, den Charme des Protestantismus als Altlast zu entsorgen. Dabei sind seine sperrigen, querdenkerischen, aufklärerischen Potenziale der Fels, auf dem sich unsere Kirche im 21. Jahrhundert weiter aufbauen lässt. »Pluralität und Toleranz waren nicht die Kinder, sondern allenfalls die Urenkel der Reformation ... Luther war Toleranz im modernen Sinne fremd. Eine Pluralität religiöser Wahrheit konnte er sich nicht vorstellen. Gleichwohl finden sich in seinem Denken und Handeln Anhaltspunkte, die später die Entwicklung der Gewissensfreiheit und Toleranz förderten« (Schilling, Luther, 627). Mag der störrische Esel Protestantismus seinen Herren auch beschwerlich erscheinen, mit der Demokratie ist es nicht anders. Dennoch ist sie die beste aller Möglichkeiten, eine Gesellschaft menschlich zu gestalten. Ebenso ist der Protestantismus eine überzeugende Form, dem Priestertum aller Getauften ein christliches Antlitz zu verleihen. Solche Werte dürfen nicht auf dem Altar der Effektivität oder falsch verstandener Modernität geopfert werden. Reformen haben der Sache Jesu, dem Leben der Gemeinden und einer Kirche für andere zu dienen. Die Zeiten landesherrlicher Kirchenregimente sind vorbei. Der Albtraum einer Konzentration kirchlicher Kräfte durch Gleichschaltung im Namen des Volkes ist ausgeträumt. Im Zentralismus liegt kein Heil. Der katholische Nachbar probiert es noch anders! Wir Protestanten ticken plural, föderal, dezentral, partizipatorisch, von unten nach oben.

Solcher Protestantismus war mit am Werk, als es im Geburtsland der Reformation hieß: »Wir sind das Volk.« Was 1989 galt, sollte auch für 2017 gelten. Frösche aller Landeskirchen vereinigt euch! »Auf der Grundlage seiner gemeindlich-bürgerlichen Zivilreligion sorgte das lutherische Bürgertum ... für eine sozial breit verankerte Opposition gegen die kaiserliche Religionspolitik« (ebd. 608). Stimmen wir ein vollmächtiges Froschkonzert an, weil alleingelassene Landeskirchen in ihrem Reformstress überfordert sind.

Als Stolpersteine werden im Folgenden einige der 95. Thesen Luthers eingefügt, zitiert aus dem Lesebuch der EKD. Zum Evangelischensein gehört es, die Gegenwart mit dem Röntgenblick der Vergangenheit und dem biblischen Wort kritisch unter die Lupe zu nehmen.

These 54:»Dem Wort Gottes geschieht Unrecht, wenn in ein und derselben Predigt auf den Ablass die gleiche oder längere Zeit verwendet wird als für jenes.«

Im Impulspapier spielt das Wort eine Nebenrolle. Den eigenen Ideen wird mehr Glauben geschenkt. Die Steine, die 2006 ins Wasser geworfen wurden, ziehen ihre Kreise. Nehmen wir uns Zeit für eine konstruktive Kritik, damit nicht noch mehr Schafe in einer vom Burn-out bedrohten Kirche verbrennen. »Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit« (1 Kor 12, 26a). Die Schwachen im Blick zu haben, gehörte zu Luthers Hauptanliegen. »Zwei komplementäre Grundsätze bestimmten Luthers frühe Arbeit an einer evangelischen Reform der Kirche – Rücksicht auf die Schwachen und Versöhnung mit den Reumütigen« (Schilling, Luther, 287).

Im Folgenden fehlt der Raum, reformatorische Wirkungen auf die römisch-katholische Kirche mit zu bedenken. Eine Anmerkung jedoch sei erlaubt. »Die Erfolge, die heute die Päpste mit ihrer Inszenierung der Religion nicht zuletzt unter der Jugend feiern, sind zugleich Erfolge Luthers, der im Moment drohender Verflachung die existentielle Kraft der Religion wiederbelebte. So könnte sich auch die katholische Kirche eingeladen fühlen, 2017 zusammen mit den Lutheranern die Reformation wo nicht zu feiern, so doch zu würdigen« (Schilling, Luther, 624).

I.DIE GETRIEBENE KIRCHE

1. Lagerfeuer statt Leuchttürme

Leuchttürme sind statisch, funktionieren nur, wenn sie über den Dingen stehen, sind mit dem Turmbau zu Babel zu verwechseln. Die im Perspektivpapier gewählte Schlüsselmetapher des »Leuchtfeuers« hinterlässt verbrannte Erde. Lagerfeuer erinnern an die nomadische Ursprungszeit des christlich-jüdischen Projekts. Sie laden zum Wärmen und Verweilen, zu Geselligkeit und Lagerromantik ein, halten Raubtiere fern und erhellen die Nacht. In einem brennenden Dornbusch, der nicht ausbrannte, offenbarte Gott sich dem Mose. »Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde« (2 Mose 3,2b). Mit Feuerszungen begeisterte Gott die pfingstliche Gemeinde und setzte ein Lauffeuer in Gang, das bis heute brennt. »Und es erschien ihnen Zungen, zerteilt wie vom Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen« (Apg 2,3f.). Ein Feuer, das alle begeisterte, ließ eine Gemeinde in fremden Sprachen predigen, wurde zur Hebamme der Kirche.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!