2030 - Kurt Stahnke - E-Book

2030 E-Book

Kurt Stahnke

2,0

Beschreibung

Nach der erfolgreichen Umleitung eines Asteroiden wurde von den USA ein Orbit-Liftes entwickelt. Staaten mit Weltraumambitionen beteiligten sich gleichzeitig weltweit an der Herstellung eines verlässlichen Plasmaantriebes. 2030 konnte ein internationales Astronautenteam mit einer Mission zu Mars starten. Während eines einjährigen Aufenthaltes auf dem Mars sollten erste Untersuchungen für ein späteres Terraforming durchgeführt werden. Eine Menge an Schwierigkeiten ließen den Aufenthalt zu einem Abenteuer werden.

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Seitenzahl: 223

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Dieses Buch widme ich meinem Freund Manfred Schöppner.

Er hat mir vor vielen Jahren den Sternenhimmel nah gebracht.

Ohne seine Erklärungen wäre nie in mir das Interesse für das Universum und der Raumfahrt geweckt worden.

Danke Manni

Vorwort

Menschen auf dem Mars – Ein uralter Menschheitstraum wurde endlich war. Ein Team von 10 Astronauten durfte das ersten sein und somit in die Weltraum-Geschichte eingehen.

Wie sehr aber relativ einfache Probleme ihnen in der neuen Welt Schwierigkeiten bereiteten, wird in diesem zeitnahen Sciencefiction Roman beschrieben.

Es werden keine Bekanntschaften mit Aliens gemacht, aber das Leben auf dem Mars ist auch so schwer genug.

Inhalt

Wissenswertes …

Wie ein Asteroid die Erde vereint

Mit dem neuen Orbitlift zur ISS-2

Wie ich Astronaut wurde

Die Reise zum Mars beginnt

1.Tag auf dem Mars

2.Marstag

3.Marstag

4.Marstag

5.Marstag

6.Marstag

12.Marstag

13.Marstag

Am 14.Marstag …

21.Tag …

Am 22.Marstag …

Der 23.Marstag …

29.Marstag

30.Marstag …

36.Tag, …

Der Morgen des 37. Marstages …

Der 38.Tag …

Den 39.Tag …

der 40.Marstag, 10.August …

Der 60.Marstag am 30. August

Der 61.Marstag

Der 62.Marstag

Der 10.Oktober

Der 12.Oktober …

Der 13 Oktober, Rückflug

Am 8.Dezember, Rückkehr an der ISS-2 und Begrüßungsfeier

Wissenswertes:

Orbit-Lift Team:

Dr. Peter Brown, Ehefrau Sue

Edward White

Bill Hendersen

Frank Zapek

Howard Blackstone +

Bella Castoni

Spaceward Foundation/Elevator-Basis

United World Space Center - Orbitlift-Station

Dr. Bernsein

-

Leiter für

Personalfragen

NASA Institute for Advanced Concepts (NIAC) Marsmission

Alsko Üslund

-

Chef der Mission

Unserer Raumgleiter:

„Building Dog“

Mitglieder der Marsmission:

 

 

 

Alter

Klaus Wegener

- D

Pilot

35

Onko Luque

- Chil

Co-Pilot

28

Ich, Edward White

- USA

 

28

Ingenieur für Elektronik und Antriebstechnik

Natascha Bolenko

– Rus

Geologin

32

Huroka Tscheng

- Chi

Biologe

28

Anke Nejes

- NL

Ärztin

33

Sven Högeström

-

Schwe

Arzt

32

Ishan Suomatan

-

Ind

Meteorologe

35

Kaiuto Awaniko

- Jap

 

30

Maschinenbau-Ingenieur

Claude Pasqude

- F

 

27

Doktor für angewandte Physik und Chemie

Besatzung von „Ikarus“:

Dr. Joshua Wertheim - Israel

Arzt

Illian Koskow- Russen

Arzt

Long Tschui.- Japaner

Pilot

Luigi Spagone- Austr.

Pilot

Cliff Jones- GB

Biologe

ESA-Satellit: Morning-Light russischer Wettersatellit: Boroslow

2030

Die ersten Menschen auf dem Mars

Wie ein Asteroid die Erde vereint

Mein Name ist Edward White. Ich war zunächst als Elektronik- und Antriebsingenieur bei der neu gegründeten weltweiten Spaceward Foundation/Elevator in den USA angestellt.

Ich bin kein Verwandter des ersten Amerikaners, der 1965 einen Weltraumspaziergang absolvierte. Uns verbindet nur eine zufällige Namensgleichheit.

Meine Hoffnung war aber, dass mir sein Schicksal erspart bliebe. Er und zwei weitere Astronauten kamen Jahre später in einer Apoll-Kapsel bei einem Test auf der Startrampe ums Leben.

Meine Ausbildungen hatte ich an der Technischen Universität in München/Deutschland absolviert und war über den Umweg der ESA wieder in meine Heimat den USA zurück gekehrt.

Das Jahr 2029 zeigte sich mit einem erstaunlich mildem Januartag. Seit einigen Wochen gehörte ich zu den Auserwählten Menschen, die als erste zum Mars geschickt werden sollten, um dort ein Jahr zu leben. Eine unserer Aufgaben sollte es sein nach Leben auf dem Mars zu suchen. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um Mikroben oder Flechten aus der Urzeit handelte. Ebenso war die Suche nach Wasser eine der Hauptaufgaben.

Auch sollten die notwendigen Grundlagen für eine zukünftige Besiedelung durch uns Menschen vor Ort untersucht werden. Als allgemein gängiger Begriff wurde dafür das „Terraforming“ geprägt.

Nachdem Anfang des Jahres 2022 ein Asteroid mit einer Größe von etwa Fünf Kilometer, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befand, wurden die US-amerikanischen Pläne einer ersten menschlichen Marsmission erst einmal auf Eis gelegt. Es kam zu einem Zusammenschluss, aller staatlichen Weltraumorganisationen und der privaten im Kosmos agierenden Firmen um eine wirksame Lösung zum Schutz der Erde auszuarbeiten.

Der Asteroid, der aus dem Kuipergürtel gekommen war, sollte allen Berechnungen zu Folge im Sommer des Jahres 2023 in Zentral-Europa einschlagen. Es musste schnell etwas geschehen!

Es wurden zwar schon seit 2020 auf zwei Asteroiden vollautomatisch Rohstoffschürfungen vorgenommen, doch von denen ging keine Gefahr für die Erde aus. Außer einigen Wissenschaftlern hatte sich bald niemand mehr für eine Bedrohung durch einen Asteroiden interessiert. Aber im Jahr 2022 war alles anders.

Die ganze Erdbevölkerung war erstaunt, wie schnell sich die Weltraumbehörden und privaten Betriebe die sich mit der Weltraum Erforschung befassten, einig waren. Es war allen Beteiligten klar, dass es nur eine Möglichkeit zur Rettung der Erde gab.

Der Asteroid sollte mit Raketenantrieben von seinem Kurs abgelenkt werden.

Um eine genaue Platzierung der Düsen zu garantieren, mussten Astronauten mit einer Landefähre auf dem Himmelskörper abgesetzt werden. Diese wagemutigen Menschen sollten die Raketen in dem Boden verankern, so dass die Antriebsdüsen frei ins All zeigten. So konnten die Raketen als Antrieb für den Asteroiden wirken. Ganz allmählich würde die Bahn des Asteroiden verändert und die Erde verschont bleiben.

Es standen maximal Vierzehn Monate zur Verfügung um den ersten und wahrscheinlich einzigen Versuch starten zu können.

Alle Menschen beobachteten mit Sorge dieses Unterfangen.

Die Welt hielt den Atem an.

Als es tatsächlich klappte und es feststand, dass der Asteroid etwa Achttausend Kilometer an der Erde vorbei fliegen würde, atmete die Menschheit auf. Nach erfolgreicher Kursänderung des Himmelskörper wurde auf der gesamten Erde gejubelt und gefeiert.

Dieses Rettungsmanöver war der Anlass, den Ausbau eines Frühwarn-Systems zu forcieren. Es war nicht sicher, ob das gleiche bei einem anderen Asteroid ebenfalls gelingen würde. Es war unter Anderem von der Zusammensetzung und einige anderen Dinge abhängig.

Zu diesem Frühwarn-System gehörte die außer-planetarische Stationierung der Abfangraketen gleichen Typs schon beim ersten Mal erfolgreich waren. Außerdem wurde eine ständig einsatzbereite Landefähre an der Raumstation ISS platziert.

Nicht immer wird man eine so lange Vorlaufzeit nach der Sichtung eines erneuten Asteroiden oder eines Kometen wie 2022 haben.

Um aber die Kosten so gering wie möglich zu halten, entschlossen sich die Verantwortlichen die Forschung und Endwicklung für zunächst einen Orbitlift zu forcieren. Diese Lifte sollten in gefahrlosen Zeiten für gemeinsame Marsmissionen genutzt werden.

Die Kosten für die Entwicklung und Herstellung beliefen sich zwar immer noch auf etliche Milliarden Dollar, aber waren dennoch geringer als Raketen von der Erde starten zu lassen.

Mit dem neuen Orbitlift zur ISS

Der Traum von einem Weltraum-Fahrstuhl war schon so alt, wie die Raketen. Der russische Mathematiker Konstantin Eduardowitsch Ziolowski (1857 – 1935) hatte eine erste Vision von einem Bauwerk mit einer Höhe von 36000 Kilometer. Das war aber statisch nicht zu schaffen, doch sein Landsmann Arzutanow entwickelte daraus die Theorie, es mit einem ausreichend stabilen Seil, einem Satelliten und einem daran befindlichen Fahrstuhl zu versuchen.

Das Interesse an einem Weltraumlift fand aber ein erstes und ernsthaftes Interesse um die Jahrtausendwende, als das Space-Shuttle-Programm der USA in seine Endphase gelangte.

Vor der Asteroidenabwehr zogen sich die Forschungsarbeiten für einen Lift ins All über viele Jahre hin und verliefen in allen Fällen in einer Sackgasse.

Bis jemand auf die Idee kam einen neuen Weg einzuschlagen.

Hatte man vorher immer an der Bauart „Kabine an einem Seil“, festgehalten, haben sich dann aber Versuche mit magnetangetriebe Kabinen, ähnlich einer Magnetschwebebahn, durchgesetzt.

Genaugenommen ist es eine Mischung aus einer Magnetschwebebahn und einer Railgun, also einer magnetbetriebenen Kanone.

Als Schiene wurde ein spezieller Metallgewebegurt entwickelt, in dem alle notwendigen technischen Erfordernisse eingearbeitet waren.

Mit einer Schwerlastkabine, die durchaus Fünfzehn Tonnen Zuladung transportieren konnte, sollte dann zuerst ein Kometenbeobachtungs-Modul zu einer inzwischen aufgebauten zweiten Raumstation, der ISS 2 über New Mexico, geschickt und dort montiert werden.

Danach würden dort die kleinen Ablenkraketen stationiert. Durch den ersten neu geschaffenen Orbitlift konnten die Raketen kostengünstig zur Raumstation befördert werden. Astronauten, Wissenschaftler, Ingenieure und das gesamte Material konnten so ebenfalls mit geringem Kostenaufwand zur Raumstation befördert werden.

Nachdem der Schutz aufgebaut war, wurde im Herbst 2025 mit weiteren Forschungsarbeiten für eine Reise zum Mars wieder begonnen.

Als wichtigstes war die Suche nach der effektivsten Antriebsform. Als sich bei dem favorisiertem Systhem „EmDrive“, einem geschlossenen Microwellenantrieb, mehrere deutliche Messfehler herausstellten und somit nicht zur Verwendung stand, musste nach einer neuen Lösung gesucht werden.

Dabei wurde dem Plasmaantrieb vermehrte Aufmerksamkeit gewidmet und als bis dahin einzige realisierbare Lösung erachtet.

Dieses neue Antriebssystem wurde zunächst versuchsweise in eine der „Umlenkraketen“ eingebaut. Der Antrieb wird vereinfachend auch als Laser unterstützter Energieschub bezeichnet. Die Versuche verliefen alle erfolgreich.

Da Strahlen bekanntlich keine Materie transportieren können, wurde die Energie des gebündelten Laser-Strahls mittels eines Modulators in elektrische Energie umgewandelt und diente somit einem Magnetfeldaufbau.

Das wiederum ist für einen Plasma-Antrieb der Rakete unabdingbar. Um die Erdumdrehung auszugleichen und einen Laserstrahl mit der erforderlichen Leistungsfähigkeit erzeugen zu können, wurde eine Dritte Weltraumstation im Orbit errichtet. Die deutlich vergrößerte alte ISS-Weltraumstation wurde über Westafrika platziert. Für die dritte ISS-3 war der Aufenthalt über Süd-Ost-China ausgewählt.

Alle Weltraumstationen bekamen die notwendigen Module, mit denen die Sonnenenergie in Laserstrahlen verändert werden konnten. Diese wiederum lieferten die Energie, welche für den Aufbau des Magnetfeldes im Plasmaantrieb benötigt wurde.

Die Vorteile davon lagen auf der Hand: Der Laserstrahl war nicht immer konstant notwendig und zweitens war eine höhere Geschwindigkeit, als mit allen bis dahin bekannten Antriebsarten, möglich.

So konnte die Reise zum Mars auf Vier Wochen verkürzt werden.

Aber bis zum nächsten Sternensystem Alpha Centauri würde der Flug immer noch Zwanzig Jahre dauern.

Ich war zunächst seit Beginn der Entwicklung und dem Aufbau des ersten Weltraumliftes, auch als Orbitlift bezeichnet, beteiligt.

Mit meinen siebenundzwanzig Jahren war ich der jüngste Mitarbeiter in einem Team aus sechs Wissenschaftlern und Ingenieuren.

Nach meiner Ankunft in dem ebenfalls neu aufgebauten Städtchen New Las Cruses nahe dem Aufbaugelände, hatte ich schnell eine geeignete Wohnung gefunden und mich auch bald eingewöhnt. New Las Cruses wurde in das Gelände des ehemaligen Übungs- und Testgeländes White Sands Missile Range (WSMR) der US-Army gebaut. Es hatte eine Ausdehnung von 160 mal 70 Kilometern und war groß genug um nicht vor Langeweile umzukommen.

Nach der Einstellung des Space-Shuttle-Programms, bot sich diese Anlage als Ausgangsort für die erste Marsmission als kostengünstigste Alternative an, denn dort war noch die Ersatz-Landemöglichkeit für ein Shuttle vorhanden. Der Plan Area 51 als neues Bodencenter zu nutzen wurde aus technischen gründen verworfen. Zumal das WSMR eine Lande- und Startbahn zur Anlieferung aller Notwendigkeiten hatte.

Da die Stadt und das Startgelände inmitten einer Wüste lag musste für jede Menge Freizeitangebote gesorgt werden.

Es war eigentlich auch alles vorhanden. Egal welchen Sport man machen wollte, egal was man shopen wollte, egal wie man relaxen wollte, es war für jeden etwas vorhanden und wenn nicht, dann wurde es errichtet. Selbst einen See hatte man in dieser Wüstengegend angelegt. Er lag idyllisch in einer Senke und war umgeben von einer großzügigen Parkanlage. Saftige grüne Wiesen luden zum erholsamen Sonnenbad ein. Der See war groß genug um den zahlreichen Segelbooten und Surfern genügend Platz für ein sportlichen Aufenthalt auf dem Wasser zu garantieren. Woher er sein Wassernachschub bekam hatte mich aber nicht interessiert.

Für einen jungen Ingenieur, wie mich genau das richtige. Schnell hatte ich auch Kontakt zu anderen intelligenten jungen Menschen gefunden und fühlte sich richtig wohl. Das war wohl auch der Grund für mein ständig zufriedenes Lächeln. Mir wurde schon oft bestätigt, dass meine blauen Augen und die kurzen blonden Haare mich immer sympathisch erscheinen ließen. Mit einer Größe von einem Meter Dreiundachtzig und einem Gewicht von Achtundsiebzig Kilo konnte man auf meine sportlichen Freizeit Aktivitäten schließen.

Vier Monate waren vergangen, seit ich meine Arbeit begonnen hatte. Eigentlich hatte ich gehofft in das Team der Astronauten, die später mit einem Orbitlift in den Orbit fahren würden, aufgenommen zu werden. Leider hatte ich den letzten Anmeldezeitpunkt zur Ausbildung als Astronauten verpasst und musste nun warten bis zur üblichen zweiten Nachrück-Anmeldung.

Seit ich als kleiner Junge erfahren hatte, dass ich den Namen eines berühmten Weltraumpionier hatte, war es mein innigster Wunsch, selber ins All zu kommen.

Aber am Aufbau einer neuen Generation der Weltraumforschung mitzuwirken, war ja schließlich auch Pionierarbeit. Dazu machte sie mir auch noch Freude und ich fühlt sich herausgefordert.

Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück schwang ich mich um Acht Uhr auf mein Rennrad um zum Weltraumgelände zu fahren.

Während meiner Studienzeit in Deutschland hatte ich meine Liebe zum Radsport entdeckt. Ich hatte so manche Etappe verschiedener Tour de France-Rennen live an der Strecke gesehen. Seit dem hatte Rennradfahren für mich eine große Faszination.

Vor dem Arbeitsbeginn traf sich unser Team immer auf einen Kaffee in einem der vielen Bistros. Meine Kollegen waren der Teamleader Dr. Peter Brown, Bill Hendersen, Frank Zapek, Howard Blackstone und als einzige Frau Bella Castoni. Dabei bereiteten wir uns auch mental auf die anstehenden Aufgaben vor. Es war kein „muss“, aber alle fanden es als guten Einstieg in den Arbeitstag.

Wir waren das Entwicklungsteam für den ersten Orbitlift. Nun war die erste Phase unserer Arbeit abgeschlossen und die Aufbauarbeit sollte an diesem Tag mit Vorversuchen und einer technischen Überprüfung beginnen.

Pünktlich erschien wir in unserem Labor.

Hier war eine Versuchsanordnung verschiedener Elemente, die für den Vorschub einer Weltraum-Lift-Kabine individuell aufgebaut. Eine Kabine war am Vortag noch in den frühen Abendstunden geliefert worden, doch für einen Probedurchgang der Funktion war es am Vortag schon zu spät gewesen. Dr. Brown hatte den ersten Testlauf somit auf den nächsten Tag gelegt. Für auftretende eventuelle Fehler war seine Entscheidung die einzig richtige, denn wir konnten sofort Verbesserungen vornehmen.

Als wir unsere Plätze eingenommen hatten, gab mir Dr. Brown mit der Hand das Signal den Modulator einzuschalten. Es sah alles gut aus. Ich erhöhte mit dem Regler die Leistung. Bald zeigte das Display, dass in Fünf Sekunden die kritische Phase erreicht sein würde.

Das gesamte Team hielt den Atem an. Nur der alte Hase Dr. Brown nicht. Er schenkte dem Display nicht einmal einen Blick.

Er machte den Eindruck, als ginge ihn das alles nichts an.

Aus dem Aggregat war pünktlich nach Fünf Sekunden ein deutliches Knacken zu hören und der Pegelanzeiger bewegte sich wieder auf Null zu. Irgend etwas war fehlgeschlagen bei diesem Versuch. Jeder aus dem Team atmete laut und enttäuscht aus.

Nur der Teamleiter zeigte keinerlei Gefühlsregung. Als war es das normalste der Welt, nahm er sich den Druckluft angetriebenen Schraubendreher und öffnete das Gehäuse.

Bei einem Blick auf die Platinen kam ein lakonisches „Okay“, über seine Lippen. Er entnahm eines dieser Bauteile und gab es Bill Hendersen mit den Worten: „Bill, bitte tausche den Widerstand aus und ersetze ihn durch einen Vierziger“, dabei zeigte er auf einen Dreißig Ohm-Widerstand und fügte hinzu: „Aber überprüfe sicherheitshalber die gesamte Platine.“ Bill verließ das Versuchslabor um die Platine in der angrenzenden Werkstatt wieder instand zu setzen.

Die anderen Teammitglieder schauten sich verblüfft an.

Dr. Brown war ein Genie. Wie sonst konnte er so schnell den Fehler diagnostizieren?

Was wir Mitarbeiter nicht wussten war, dass Dr. Brown sich bei der Berechnung des defekten Widerstandes nicht sicher war, ob er der Belastung standhalten würde. Es gab bei der Einrichtung der Anlage einen Unterschied zu seinen Berechnungen: Einzelne Elemente waren vom Hersteller nachträglich mit geringeren Energiebedarf modifiziert. Er wurde zwar darüber informiert, aber welche Werte nun zu Grunde lagen, konnte ihm nicht genau mitgeteilt werden.

Dr. Brown schaute amüsiert in die Runde und fragte: „Was ist los? Wenn ihr ´mal so alt seid wie ich, dann könnt ihr das auch.“ Mit seinen Zweiundvierzig Jahren war er zwar der älteste im Team, aber noch lange nicht zu alt um sich nicht gut mit uns jüngeren Kollegen zu verstehen und unseren Humor teilen zu können.

Schmunzelnd suchte sich jeder aus dem Team einen Stuhl, es standen ja genügend im Raum, um auf Bills Rückkehr zu warten.

Das Labor hatte eine Grundfläche von Vier mal Fünf Metern. Er war rundum an den Wänden mit Tischen bestückt, auf denen sich überall Messgeräte und Monitore befanden. Davor standen, ungleichmäßig verteilt, insgesamt Zehn Stühle. Die Mitte des Raumes nahm ein großer Arbeitstisch in Anspruch auf dem das gerade getestete Steuermodul stand. Das Team-Dr. Brown hatte die Aufgabe, die notwendigen unterschiedlichen elektrischen Energiemengen für den Magnet-Schwebe-Antrieb bereit zu stellen. Der Bedarf ist am Anfang um ein Vielfaches höher, als nach etwa Acht bis Zehn Kilometer. Durch die Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde würde in dieser Höhe ein Zentrifugaleffekt einsetzen, und die Liftkabine wurde der Raumstation quasi entgegengeschleudert. Während dieser Zeit war nur noch ein Zehntel der Startenergie für den magnetisch indizierten Abstand der Kabinenführung zur Leitschiene nötig.

Dadurch konnten immense Kosten für die Transporte in den Orbit eingespart werden.

Eine zusätzliche Beschleunigung war aber jeder Zeit, durch ein dafür vorgesehenes Steuerelement, möglich.

Diese zusätzliche Beschleunigung war allerdings in erster Linie für Notfälle gedacht.

Des weiteren wurde dieses Steuermodul für den Bremsvorgang vor der Raumstation benötigt.

Nach etwa einer Viertelstunde erschien Bill mit der reparierten Platine wieder im Labor und reichte sie dem Doktor. Bill Hendersen war ein dreißigjähriger dunkelhäutiger Draufgänger. Nicht bei der Frauenwelt, sondern bei der Arbeit. Als IT-Spezialist und Maschinenbauingenieur gab es scheinbar Nichts das ihn von einem Ziel abbringen konnte. War bei einer Problemlösung ein Weg unmöglich, dann suchte er so lange, bis der richtige gefunden war. Auch schien er keine Angst vor schwierigen Aufgaben zu haben. Egal, was er aber auch machte. Er war immer gut gelaunt. Natürlich kam er aus New Orleans, der Heimat des Blues.

Mit einigen Handgriffen hatte der Doktor das Teil wieder eingesetzt und das Gehäuse verschraubt.

„So, let´s do it again“, war seine Aufforderung an das Team. Alle nahmen wieder ihre Beobachtungspunkte ein und der Versuch wurde erneut gestartet. Wieder sahen alle, auch der Doktor, der dieses Mal den Energieregler bediente, gebannt auf das Display. Es herrschte eine angespannte Stille. Für Bella Castoni war die Anspannung zu viel. Sie kniff ihre Augen zusammen und machte sie erst auf, als wir jubelten und dem Doktor erfreut die Hand schüttelte. Wir hatten also doch nicht vergebens in den letzten Wochen so manchen Abend im Labor getüftelt und Berechnungen angestellt.

Nun musste jeder aus dem Team Zehn Belastungen simulieren, um eine erste Aussage über die Zuverlässigkeit machen zu können.

Nach den sechzig Tests meinte der Doktor: „Ich fahre mal ´rüber zu der Orbitlift-Station. ´Will mal schauen ob wir unser „Baby“ schon einbauen können. Wenn ja, rufe ich euch an und ihr bringt es zu der Anlage. Also schön hier bleiben.“

Die meisten meiner Kollegen waren kurz unter Dreißig Jahre alt. Wir waren ausgebildete Ingenieure beziehungsweise Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen.

Als der Anruf vom Doktor kam, nahm Frank Zapak das Gespräch an.

Er hörte kurz zu und beendete das Gespräch mit einem kurzen: „Ok, wir sind schon unterwegs.“

An uns gewandt meinte er: „Wir sollen den Modulator rüber bringen. Schafft ihr das Teil am besten nach unten, während ich meinen Wagen hole.“

Es war schon vorher geklärt worden, dass sein Wagen für den Transport benutzt werden sollte. Er war der einzige der einen Pik-up sein Eigentum nannte. Frank fand so einen Wagen wahnsinnig praktisch. Zu Recht, wie sich nun zeigte. Der Fahrdienst von der Anlage war leider immer überfordert und die Wartezeiten dementsprechend lang.

Als Frank das Labor verlassen hatte klemmten wir Anderen die unnötigen Energieverbindungen ab und Bella Castoni fuhr mit dem Handkran über das Aggregat. Bella war die Tochter italienischer Einwanderer, die in New Jersy leben. Sie war die Physikerin des Teams und eine junge hübsche Frau. Ihre südländische Herkunft ließ sich nicht verbergen, zumal ihre dunkelbraunen Augen stets neugierig und fröhlich funkelten. Dafür, dass ihr Alter Siebenundzwanzig war, hatte sie schon sehr viele Erfahrungen, sonst hätte sie wohl nicht diese Anstellung bekommen. Howard Blackstone befestigte ein kurzes Stahlseil mit der Transportöse am Modulator und dem Kranhaken.

Unterdessen hatte ich den Transportwagen bereitgestellt. Nachdem das Gerät sicher auf dem Wagen stand, zogen wir den Wagen zum Lastenaufzug und gemeinsam fuhren wir nach unten zur Verladerampe. Ein freundlicher Gabelstaplerfahrer setzte dann den Wagen mit dem Aggregat auf den inzwischen wartenden Pik-Up von Frank. Bella und Howard setzten sich auf die Ladefläche, um den Transport zu sichern, während Bill Hendersen und ich neben Frank auf der Sitzbank im Fahrerraum Platz nahmen.

Die kurze Strecke war schnell geschafft. Wir wurden an der Startbasis schon vom Doktor und einigen Anderen erwartet.

Auch dort stand ein Spaplerfahrer bereit, der Franks Wagen entladen und den Modulator an den Einbauplatz befördern sollte.

Nachdem dieses technische Wunderwerk an seinem Platz war, wurde es von Zwei Monteuren in einer Verankerung befestigt.

Nun kam wieder unser Team zum Einsatz. Da hier keine Laborbedingungen herrschten, gestaltete sich die Verkabelung doch deutlich schwieriger als erwartet. Der zur Verfügung stehende Arbeitsraum war knapp bemessen und manch einer musste seine ganze Gelenkigkeit aufbieten um eine sichere Funktion gewährleisten zu können.

Weil die Anschlussarbeiten deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen hatten, musste die Mittagspause auf später verschoben werden. Danach war an einen echten Probelauf nicht mehr zu denken. Außerdem machten die anderen notwendigen Ingenieure pünktlich Feierabend.

So konnten am Nachmittag nur noch einige Simulationsdurchgänge gemacht werden. Zum Arbeitsende stand aber fest, dass Dr. Brown und wir gute Arbeit geleistet hatten. Wie gut wirklich, würde sich am nächsten Tag zeigen.

Da es anstelle eines Mittagessen nur noch Gebäck und Kaffee gegeben hatte, wollte wir doch noch etwas vernünftiges essen. Bill, Frank, Howard, Bella und ich beschlossen in einem der zahlreichen Restaurants unseren Hunger zu stillen.

Dr. Brown erwartete zu Hause ein Abendessen.

Später trennten sich unsere Wege. Nur Frank und Bella fuhren gemeinsam nach Hause. Da Beide in der selben Straße wohnten, fuhren sie immer zusammen, eine Woche mit ihrem und in der anderen Woche mit seinem Auto zur Orbitlift-Station.

Frank Zapek konnte mit seinen Einmeter Dreiundsechzig und gerade sechzig Kilo Gewicht, nicht gerade als groß und athletisch bezeichnet werden, aber was ihm an Körperlänge fehlt, hat er dreifach im Kopf. Sein IQ Wert lag bei 160. Eine sportlich geformte Brille unterstützt ihn bei seiner Sehschwäche. Man konnte sich nicht vorstellen, dass er sich für irgend etwas anderes interessierte, als für seine Arbeit. Frank ließ sie vor ihrem Haus aussteigen und fuhr die letzten Hundert Meter alleine weiter.

Dr. Peter Brown hatte das Abendessen, welches ihm seine Frau Susan zubereitet hatte genossen. Sue, wie er seine Frau nannte, hatte ihm dabei Gesellschaft geleistet. Sie hatte mit ihren beiden Kindern Bert, zehn Jahre, und Lydia, elf Jahre alt, schon am Mittag, als die Beiden nach der Schule zu Hause waren, zu Mittag gegessen.Nachdem sie noch einige Dinge des Tages besprochen hatten,zog sich der Doktor in sein Arbeitsraum zurück.

Leider war für ihn noch kein Feierabend. Vor entscheidenden Phasen seiner Arbeit befand er sich immer im Dauerstress.

Für Sue war dies nichts Neues, und sie ließ ihn dann auch gewähren.

Seine Gedanken kreisten um den, für anderen Tag vorzunehmenden ersten Probelauf auf der späteren ersten von Drei Orbitliftstationen.

Zunächst würde es darauf ankommen, dass die Station mit dem Lift kompatibel war. Zunächst waren erst Einhundert Meter des Führungsgurtes, mit einem speziellem Stativ für probeweise Startvorgänge, aufgebaut worden. Parallel zu der ISS 1 war die zweite kleinere Raumstation im Orbit über Afrika installiert worden, die ISS-2. Wenn die Probestarts alle zur vollsten Zufriedenheit mit der ISS 1 ablaufen, sollte mit einer Lastrakete der 400 Kilometer lange, aufgerollte Führungsgurt zur Raumstation gebracht werden. Dort es an das dafür vorgesehene Liftandock-Modul angeschlossen und über ein spezielles Abrollsystem zur Erde hinabgelassen. Die Schwankungen in der Entfernung der ISS zur Erde mussten ab dem Tag durch einen gleichmäßigen Orbitabstand zur Erde mit Steuerdüsen gewährleistet sein. Dieser Vorgang wird etwa einen Tag in Anspruch nehmen. Dabei würde die Raumstation später, auf Grund der nun herrschenden Fliehkraft, als Gegengewicht dafür sorgen, dass der Gurt straff gehalten wird. Es wird dann ein Effekt erzielt, wie bei dem „Hammer und eines Hammerwerfers“.

Wenn alles gut geht, konnte in zwei Tagen der erste Lift zur Raumstation aufsteigen.

Der Doktor überprüfte noch einmal alle Pläne und Informationen und kam zu der Überzeugung, dass sein Team alles richtig gemacht hatte. Insgeheim war er stolz auf seine Mitarbeiter. Alle arbeiten immer wunderbar Hand-in-Hand, und es herrschte eine tolle Atmosphäre untereinander. Nach etwas mehr als zwei Stunden packte er alle Unterlagen in seinen Aktenkoffer und stellte diesen für den kommenden Morgen griffbereit neben die Wohnungstür. Zufrieden und voller Zuversicht in den nächsten Tag, begab er sich dann zu seiner Sue in das Wohnzimmer. In dieser altmodischen Art zu wohnen war eigentlich schon seit Jahren überholt, aber ihnen gefiel es nicht, dass nur die Schlafräume und die Sanitäreinrichtungen abgeschlossene Zimmer waren.

Sie hatten sich nach guter alter Manier eine Fünfzimmer-Wohnung gemietet.

Hatten sich Bilder an die Wände gehängt, dekorativ Blumenschmuck in der Wohnung platziert, und eine warmes Licht verbreitende Stehlampe in die Kuschelecke gestellt. Wer in diese Wohnung kam, erkannte sofort: Hier wird nicht nur gewohnt, sondern auch gelebt.

Der neue Tag begann mit einem hoffnungsvollem Sommer-Sonnenschein. Unser Team traf pünktlich und gut gelaunt an der Orbitliftstation ein. Die Zusammenarbeit mit der festen Belegschaft der Station begann mit einer Besprechung, in der die Einzelheiten des Probelaufes das Thema waren.

Es wurden noch die letzten zeitlichen Abläufe aufeinander abgestimmt, und nach dem üblichen „Viel Glück“-Wünschen nahmen alle Mitarbeiter ihre Kontrollpositionen an den Messgeräten und Bildschirmen ein. Wobei unser Part die Steuerung des Antriebes war. Bill Hendersen und Howard Blackstone sollten sich um die Energieversorgung und die zeitliche Abstimmung kümmern. Der gesamte Vorgang wurde natürlich vom Teamleiter Dr. Brown überwacht. Wir anderen Kollegen waren dabei nur noch Beobachter. Als der Countdown sich dem Ende näherte hielten alle Beteiligten den Atem an.

„...Zwei, Eins, Go!“ -! Langsam setzte sich die Kabine in Bewegung und nahm aber dann schnell Fahrt auf. Bei Fünfzig Metern und Dreißig Prozent Endgeschwindigkeit erfolgte ein automatischer Bremsvorgang.

Alle involvierten Mitarbeiter brachen über den ersten gelungenen Probelauf in einen entspannten Jubel aus.

Noch musste aber auch der Rückweg erfolgreich von statten gehen, erst danach konnten wir beruhigter die weiteren Probeläufe starten.

Bill polte die Stromversorgung mittels eines Knopfdrucks um, und die Magnete an der Transportkabine arbeiteten danach in entgegengesetzter Richtung. Durch die wirkende Schwerkraft war für die Beschleunigung weniger Energie erforderlich, aber dafür war bei dem Bremsvorgang ein zehnmal höherer Energieaufwand erforderlich, als beim Aufstieg des Liftes. Auch bei der Talfahrt musste die Kabine wieder auf die dreißig Prozent der Endgeschwindigkeit beschleunigt werden. Aber auch dieses Ergebnis stelle alle sehr zufrieden.

Dr. Brown setzte die Belegschaft der ISS-2 Station im Orbit von dem erfolgreichen ersten Lauf in Kenntnis. Man hatte sich bei der Vorbesprechung auf Zehn Wiederholungen geeinigt. Erst dann würde von der ISS-2 der komplette Führungsgurt zur Erde herabgelassen. Herablassen des Gurtes ist eigentlich nicht die richtige Formulierung, denn das freie Ende des Gurtes sollte, um Zeit zu sparen, mit kleinen speziellen Raketen zur Erde, dank GPS, genau zu der Liftstation geschickt werden. Der Gurt war zu einem riesigen Rad auf einer kugelgelagerten Welle aufgerollt und konnte dadurch blitzschnell abgewickelt werden.