36 Strategeme - Sun Chao Zi - E-Book

36 Strategeme E-Book

Sun Chao Zi

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Beschreibung

Tauchen Sie ein in eine Welt, in der ein falsches Wort Königreiche stürzt, ein cleverer Schachzug Armeen besiegt und die schärfste Waffe nicht das Schwert, sondern der Verstand ist. Dieses Buch führt Sie mitten hinein in die jahrhundertealte Weisheit des alten China. Es enthüllt die 36 Strategeme, in denen List, Täuschung und psychologische Überlegenheit die entscheidenden Schlachten gewinnen. Mit fesselnden historischen Erzählungen, taktischen Analysen und Beispielen aus Politik, Wirtschaft und Alltag zeigt es, wie diese alten Regeln noch heute Machtverhältnisse kippen, Gegner ausschalten und Chancen schaffen. Erleben Sie, wie Generäle ganze Armeen in Fallen locken, Herrscher ihre Rivalen stürzen, und Händler mit einem einzigen Zug die Konkurrenz vernichten. Jede Strategie ist ein Werkzeug, ob für den Kampf um Einfluss in der modernen Geschäftswelt, im politischen Ränkespiel oder in den subtilen Machtspielen des Alltags. Wenn Sie wissen wollen, wie man Konflikte nicht nur überlebt, sondern gewinnt, wenn Sie bereit sind, die geheimen Mechanismen von Macht und Manipulation zu verstehen: dann ist dies Ihr Schlüssel. Greifen Sie jetzt zu und entdecken Sie die Strategien, die seit Jahrhunderten Könige, Krieger und Anführer unbesiegbar machen! Kaufen Sie dieses Buch und machen Sie sich die Kunst der List zu eigen.

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Seitenzahl: 162

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Über die Bedeutung der Strategie

Die Zeit der Streitenden Reiche

Den Kaiser täuschen und das Meer überqueren

Wei belagern, um Zhao zu retten

Mit dem Messer eines Anderen töten

Ausgeruht den erschöpften Feind erwarten

Ein Feuer für einen Raub ausnutzen

Im Osten lärmen, im Westen angreifen

Etwas aus einem Nichts erzeugen

Heimlich nach Chencang marschieren

Das Feuer am gegenüberliegenden Ufer beobachten

Hinter dem Lächeln den Dolch verbergen

Der Pflaumenbaum verdorrt anstelle des Pfirsichbaums

Mit leichter Hand das Schaf wegführen

Auf das Gras schlagen, um die Schlange aufzuscheuchen

Für die Rückkehr der Seele einen Leichnam ausleihen

Den Tiger vom Berg in die Ebene locken

Will man etwas fangen, muss man es zunächst loslassen

Einen Backstein hinwerfen, um Jade zu erlangen

Den Gegner durch Gefangennahme des Anführers unschädlich machen

Das Brennholz heimlich unter dem Kessel wegnehmen

Im Trüben fischen

Die Zikade wirft ihre goldglänzende Haut ab

Die Türe schließen, um den Dieb zu fangen

Sich mit dem fernen Feind verbünden, um Nachbarn anzugreifen

Einen Weg für einen Angriff gegen Guo ausleihen

Die Balken stehlen und gegen morsche Stützen austauschen

Die Akazie schelten, dabei aber auf den Maulbeerbaum zeigen

Verrücktheit mimen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren

Auf das Dach locken, um dann die Leiter wegzuziehen

Dürre Bäume mit künstlichen Blüten schmücken

Die Rolle des Gastes in die des Gastgebers umkehren

Die List der schönen Frau

Die List der offenen Stadttore

Die List des Zwietrachtsäens

Die List der Selbstverstümmelung

Die Ketten-Strategie

Weglaufen ist die beste Methode

ÜBER DIE BEDEUTUNG DER STRATEGIE

Stellen wir uns drei Szenen vor: Ein General, der im ersten Morgenlicht über Karten gebeugt das Schlachtfeld von morgen plant. Ein CEO, der spätabends das Unternehmensziel für die nächsten fünf Jahre skizziert. Und eine junge Person, die über Lebensentscheidungen und Zukunftsträume nachsinnt. So unterschiedlich diese Situationen sind – allen liegt das gleiche Prinzip zugrunde: Strategie. Strategie ist mehr als ein Plan; sie ist ein Denkansatz, eine Kunst des Vorausdenkens, die uns in Krieg, Wirtschaft und Alltag leitet. Schon der Begriff selbst verweist auf den Ursprung dieser Kunst: Er leitet sich vom griechischen Wort strategos (Heerführer) ab. Einst militärischen Feldherren vorbehalten, bezeichnen wir heute mit Strategie das vorausschauende Aufbauen von Potenzialen, während Taktik das geschickte Ausspielen dieser Potenziale in konkrete Vorteile meint. Was einst nur auf Schlachtfelder gemünzt war, findet sich nun in Vorstandsetagen, persönlichen Lebensplänen und jeder Situation wieder, die kluges Handeln erfordert.

Strategisches Denken durchzieht unser Leben oft unbemerkt. Jeder Mensch, der bewusste Entscheidungen für die Zukunft trifft – sei es die Berufswahl, Finanzplanung oder Familiengründung – betreibt im Kern strategische Planung. Doch allzu häufig überrollt uns der Alltag: Termine, Verpflichtungen und das Hier-und-Jetzt nehmen uns völlig ein. Eine Harvard-Analyse beschreibt treffend, wie die Anforderungen des täglichen Lebens den Blick auf das Langfristige verstellen – am Ende reagieren wir nur noch intuitiv oder emotional, ohne Kompass für die größeren Ziele. Ohne Strategie fehlt uns eine Leitlinie; wir lassen uns treiben oder werden gar zum Spielball fremder Pläne. Wie ein bekanntes Sprichwort warnt: „Wer es versäumt zu planen, der plant, zu versagen.“ Entsprechend mahnen Experten, dass Lebensstrategie vor allem bedeutet, Prioritäten zu setzen statt bloß jede Minute mit Aktionismus zu füllen. Nicht jede Stunde muss verplant sein – im Gegenteil, strategisches Selbstmanagement umfasst auch Pausen und Freiräume. Nur so behalten wir den Überblick und können bewusst Kurs auf das nehmen, was im Leben wirklich zählt.

Tatsächlich zeigt sich, dass Selbstmanagement und Strategie Hand in Hand gehen. Wer sich selbst organisieren kann, gewinnt den Freiraum, übergeordnete Pläne zu schmieden. In der modernen Managementlehre gilt Selbstführung als Schlüsselfaktor für Erfolg: Gut strukturierte Persönlichkeiten verlieren sich nicht in operativen Kleinigkeiten, sondern behalten langfristige Ziele im Blick. Durch kluges Zeitmanagement schaffen sie es, tägliche Aufgaben zu bewältigen, ohne die eigene Vision aus den Augen zu verlieren – und bleiben selbst in Krisen gelassen und handlungsfähig. So wird strategisches Denken im Alltag zu einer Form von Selbstführung: Man richtet das eigene Handeln an einem Zweck aus, antizipiert Hindernisse und schmiedet Pläne, wie man sie überwindet. Wer z.B. eine berufliche Weiterbildung beginnt, verzichtet vielleicht kurzfristig auf Freizeit – doch folgt er implizit Strategem 17: „Einen Backstein hinwerfen, um Jade zu erlangen“, er bringt also ein kleines Opfer, um langfristig einen großen Gewinn zu erzielen. Eine solche strategische Haltung verleiht dem Leben Richtung. Sie bedeutet, die Rollen zu wechseln: vom Getriebenen der Umstände hin zum aktiven Gestalter der eigenen Zukunft.

In der Geschäftswelt tritt die Bedeutung kluger Strategie noch deutlicher zutage. Unternehmen agieren in einem Umfeld von Konkurrenz und Wandel, fast wie Armeen auf einem komplexen Schlachtfeld. Es überrascht daher nicht, dass militärische Begriffe in die Wirtschaftssprache Einzug gehalten haben: Man spricht von Markt**“kämpfen“**, von Wettbewerbsstrategie, von Taktiken im Marketing. Ein Unternehmen ohne Strategie gleicht einem Schiff ohne Kompass – es treibt, bis äußere Kräfte es sinken lassen. Studien betonen folgerichtig, dass strategisches Denken und Planung für Führungskräfte unverzichtbar sind, um Ziele zu erreichen und auf Veränderungen vorbereitet zu sein. Ein oft zitiertes Bonmot lautet: „If you fail to plan, you are planning to fail“ – wer nicht plant, der plant sein Scheitern. Gerade in unsicheren Zeiten zeigt sich der Wert einer guten Strategie. Kluge Köpfe sehen in der Krise Chancen: Der britische Bankier Nathan Rothschild bemerkte einst sinngemäß, dass große Vermögen eher in Zeiten fallen, „wenn Kanonenkugeln in den Hafen einschlagen, nicht wenn im Ballsaal die Violinen spielen“. Mit anderen Worten: In Phasen des Umbruchs und Chaos profitieren jene, die vorbereitet sind und entschlossen zugreifen – ein strategischer Geist erkennt Möglichkeiten dort, wo andere nur Gefahr sehen.

Auf Unternehmensführung übertragen bedeutet dies, dass erfolgreiche Leader einen klaren Zukunftsplan haben, aber zugleich flexibel bleiben. Sie entwickeln Visionen, setzen ambitionierte Ziele und koordinieren Ressourcen auf dieses übergeordnete Ziel hin. Doch sie wissen auch: Ein Plan ist nur so gut, bis die Realität ihn prüft. Kein Geschäftsplan – mag er noch so ausgefeilt sein – überlebt den ersten Kontakt mit dem Markt unverändert. Dieser Gedanke, ursprünglich von Helmuth von Moltke für den Krieg formuliert, gilt im Wirtschaftsleben ebenso: „Kein Operationsplan reicht mit einiger Sicherheit über das erste Zusammentreffen mit der feindlichen Hauptmacht hinaus“– oder übertragen: Keine Strategie übersteht den ersten Zusammenprall mit der Konkurrenz oder den Kunden unbeschadet. Strategische Führungskräfte halten daher am Ziel fest, aber justieren den Kurs, sobald neue Informationen auftauchen oder Umstände sich ändern. Wie es ein amerikanischer General auf den Punkt brachte: „Plans are worthless, but planning is everything.“ Präsident Dwight D. Eisenhower, selbst ehemaliger Oberbefehlshaber, betonte damit, dass starre Pläne zwar verfallen können, doch das Planen an sich unersetzlich ist. Wer sorgfältig geplant hat, kann beim Eintreffen des Unerwarteten die Pläne zwar aus dem Fenster werfen – ist aber geistig vorbereitet, schnell und intelligent zu reagieren.

Neben Weitsicht und Anpassungsfähigkeit gehört auch List und Taktik zur strategischen Werkzeugkiste – nicht nur im Krieg, sondern auch im Management. Unternehmen wenden mitunter überraschende Manöver an, die an klassische Kriegslist erinnern. So entspricht es Strategem 3: „Mit dem Messer eines Anderen töten“, wenn Firmen die Ressourcen oder Schwächen eines Konkurrenten zu ihrem eigenen Vorteil nutzen. Beispielsweise könnten sie externe Partner ins Boot holen, um einen Rivalen auszustechen, oder eine Erfindung eines kleinen Start-ups aufkaufen, um damit selbst den Markt anzuführen – sie leihen sich gewissermaßen das Messer eines anderen. Ein anderes altes Strategem rät: „Im Osten lärmen, im Westen angreifen.“ In der Geschäftswelt findet sich auch dieses Prinzip: Ein Unternehmen könnte viel Öffentlichkeitswirbel um ein Produkt machen (Lärm im Osten), nur um dann überraschend in einem ganz anderen Segment zuzuschlagen, wo die Konkurrenz es nicht erwartet hat (Angriff im Westen). Solche Täuschungsmanöver zeigen, dass Strategie nicht immer geradlinig ist – oft geht es darum, die eigenen Absichten zu verschleiern und den Gegner in falscher Sicherheit zu wiegen. Doch auch nach innen, in der Mitarbeiterführung, spielt Strategie eine Rolle. Vorausschauende Unternehmenslenker wissen, dass die Belegschaft Teil der Strategie ist: Gut geführte Teams teilen eine Vision und handeln im Einklang damit. Hier zahlt sich strategisches Selbstmanagement aus, wie oben erwähnt – Führungskräfte, die sich selbst disziplinieren und fokussieren können, dienen ihren Teams als Vorbild. Sie setzen klare Prioritäten, delegieren Aufgaben klug und behalten die Nerven, wenn es brenzlig wird. Eine solche strategische Führung vereint Entschlossenheit mit Flexibilität: Die Führungskraft bleibt beharrlich auf Kurs, kann aber dennoch auf plötzliche Stürme reagieren und den Kurs anpassen. Genau diese Fähigkeit – antizipieren und navigieren – macht strategisches Denken in der heutigen Geschäftswelt so wertvoll.

Die Wurzeln all dieses strategischen Denkens liegen im Krieg – jener ultimativen Auseinandersetzung, in der Planung und List über Leben und Tod entscheiden. Schon in der Antike verfasste der chinesische General Sunzi sein berühmtes Werk Die Kunst des Krieges, das bis heute als Klassiker des Strategieführens gilt. Darin rät er, nach Möglichkeit jeden Kampf zu vermeiden, indem man die Pläne des Feindes vereitelt, bevor es zur Schlacht kommt. Der höchste Sieg ist demnach der, der ohne Blutvergießen errungen wird – durch Überlegenheit an Klugheit. Wenn es jedoch zum Konflikt kommt, ist Vorbereitung und Timing alles: Sunzi lehrt, man solle den eigenen Zustand so festigen, dass eine Niederlage unmöglich wird, und „nicht den richtigen Augenblick versäumen, den Feind zu schlagen“. Dieses Prinzip spiegelt sich im Strategem 4: „Ausgeruht den erschöpften Feind erwarten“ wider – geduldig Kräfte zu schonen, bis der Gegner schwach wird, um dann im exakt richtigen Moment zuzuschlagen. Kriegsgeschichte aller Epochen bestätigt die Weisheit solcher Ansätze. Große Feldherren wie Alexander der Große, Napoleon oder von Clausewitz wussten: Überlegenheit entsteht im Geist, nicht allein in Truppenstärke. Schlachten wurden gewonnen, weil Generäle den Feind hinters Licht führten, seine Erwartungen untergruben und das Überraschungsmoment auf ihrer Seite hatten. Man denke an die hölzernen Troja, der listige „Marsch nach hinten, um vorwärts zu kommen“ oder zahllose Fälle, in denen eine Finte den Ausschlag gab. Nicht zufällig lautet Strategem 10: „Hinter dem Lächeln den Dolch verbergen“ – nach außen Diplomatie und Freundlichkeit zeigen, während man insgeheim den entscheidenden Stich vorbereitet. Im Krieg ist Täuschung oft der Schlüssel zum Sieg, weil sie die Stärke des Gegners ins Leere laufen lässt.

Doch so unverzichtbar Strategie im Krieg ist, so sehr lehrt uns die Kriegskunst auch Demut. Planung gibt Richtung, aber keine Garantien. Moltkes bekannte Feststellung, dass kein Plan sicher die erste Feindberührung übersteht, erinnert uns daran, dass selbst die beste Strategie ständig gegen die raue Wirklichkeit bestehen muss. Daher ist ein guter Stratege niemals dogmatisch. Strategie bedeutet nicht, einen starren Plan umzusetzen, komme was wolle – es bedeutet vielmehr, auf alles vorbereitet zu sein, was kommen mag. Es bedeutet, mehrere Züge im Voraus zu denken wie ein Schachmeister, aber im Ernstfall jeden Zug spontan den aktuellen Gegebenheiten anzupassen. So paradox es klingt: Strategie erfordert zugleich Standhaftigkeit und Wandlungsfähigkeit. Ein chinesisches Sprichwort, das als letztes der 36 Strategeme überliefert ist, bringt diese Einsicht pointiert zum Ausdruck: Strategem 36: „Weglaufen ist die beste Methode.“ Damit ist keine Feigheit gemeint, sondern kluge Selbsterhaltung. Manchmal ist der klügste strategische Schachzug der Rückzug – um Kräfte zu sammeln, Verluste zu begrenzen und zu einem späteren Zeitpunkt wiederzukehren. Ein Feldherr, der rechtzeitig den Rückzug befiehlt, rettet sein Heer für kommende Schlachten; ein Unternehmer, der ein verlustreiches Projekt einstellt, bewahrt sein Unternehmen vor Schlimmerem und schafft Spielraum für neue Vorstöße. Strategisches Denken heißt also auch, loszulassen, wenn es erforderlich ist, um langfristig zu gewinnen.

Ob im persönlichen Leben, im Geschäftsalltag oder auf dem Schlachtfeld – Strategie bedeutet, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen. Sie gibt uns die Fähigkeit, gezielt zu handeln statt blind zu reagieren, einen Plan zu schmieden und doch jederzeit das Unerwartete einzuplanen. Strategisches Denken schafft Klarheit darüber, was wir erreichen wollen, und die Wege, die dorthin führen könnten. Es lehrt uns, Ressourcen – seien es Zeit, Geld, Wissen oder Truppen – so einzusetzen, dass sie maximale Wirkung entfalten. Und es schärft unseren Blick für das große Ganze: Wir erkennen, wann Geduld angebracht ist und wann Entschlossenheit, wann ein direktes Vorgehen zum Ziel führt und wann eine List aus der Schatzkiste der 36 Strategeme überlegen ist. Letztlich ist Strategie die Kunst, das Leben selbst zu navigieren – durch Unsicherheiten, Konkurrenz und Wandel hindurch – mit einem inneren Kompass, der uns auch im Sturm die Richtung weist. Deshalb ist strategisches Denken in allen Bereichen unverzichtbar: Es ist der Schlüssel, um im Krieg Sicherheit, im Geschäftsleben Erfolg und im persönlichen Leben Erfüllung zu finden. Strategisch zu denken bedeutet, Architekt des eigenen Schicksals zu sein – ein Erzähler der eigenen Geschichte, der nicht dem Zufall das Feld überlässt, sondern mit Weitsicht und Wille den Kurs bestimmt. In einer Welt voller Unwägbarkeiten ist Strategie unser verlässlichster Verbündeter – im Leben wie im Kampf.

DIE ZEIT DER STREITENDEN REICHE

Die Zeit der Streitenden Reiche (ca. 475–221 v. Chr.) war eine Epoche intensiver politischer Zersplitterung und nahezu unablässiger Konflikte in der chinesischen Geschichte. Sie schloss an die Periode der Frühlings- und Herbstannalen an und bildete die Endphase der Östlichen Zhou-Dynastie, in der die Zentralgewalt des Zhou-Königs fast vollständig zerfallen war. Zahlreiche kleinere Fürstentümer und Feudalstaaten existierten zunächst nebeneinander, doch im Verlauf dieser Zeit reduzierten sich diese durch Eroberungen, Heiratsbündnisse und diplomatischen Druck immer mehr auf einige wenige Großreiche. Um 300 v. Chr. gab es schließlich nur noch sieben mächtige Königreiche – die sogenannten Sieben Streitenden Reiche –, die um die Vorherrschaft rangen. Diese sieben Hauptstaaten waren Qin im äußersten Westen (mit seinem Kernland im Tal des Wei-Flusses), Chu im Süden (um die Täler von Han-Fluss und Jangtse), Qi im Osten (auf der Shandong-Halbinsel), Yan im Nordosten (um den heutigen Raum Peking) sowie die drei aus der Aufteilung des einstigen Jin-Staates hervorgegangenen Zentralstaaten Han, Zhao und Wei. Der König von Zhou besaß zu dieser Zeit keine effektive Macht mehr und wurde selbst zum unbedeutenden Regionalfürsten; die Zhou-Dynastie bestand nominell noch bis 256/249 v. Chr., endete faktisch aber, als Qin das letzte Zhou-Territorium eroberte. Ein deutliches Zeichen für den Autoritätsverfall der Zhou-Herrscher war, dass sich im Verlauf des 4. Jahrhunderts v. Chr. die Herrscher aller großen Staaten selbst den Königstitel Wang) verliehen – in offenem Anspruch auf Gleichrangigkeit mit dem Zhou-König. Spätestens damit war die alte feudale Ordnung, in der der Zhou-König nominell als Oberherr galt, durch ein System souveräner Staaten ersetzt.

Um in dieser fortwährenden Rivalität zu bestehen, unterzogen die Reiche ihre internen Strukturen umfassenden Reformen. Unter dem Druck ständiger Kriege wurden Verwaltung, Militär und Gesellschaft nahezu aller Staaten tiefgreifend umorganisiert. Die Macht der alten Adelsgeschlechter und Feudalfürsten wurde beschnitten, während die zentralen Herrscher ihre Autorität stärkten und professionelle Beamtentümer aufbauten. Zwischen ca. 445 und 350 v. Chr. führten zunächst Staaten wie Wei, Zhao, Chu, Han und Qi schrittweise bürokratische Reformen ein, gefolgt von Qin, das diese Entwicklung ab 356 v. Chr. unter Shang Yang besonders konsequent vorantrieb. Beamte wurden nun aufgrund ihrer Fähigkeiten und Verdienste ernannt (anstatt aufgrund aristokratischer Abstammung), erhielten feste Gehälter und unterstanden einer straffen zentralen Aufsicht. Zugleich entstanden erste systematische Gesetzescodes und Leistungssysteme. Insbesondere Shang Yangs Reformen in Qin (356–338 v. Chr.) galten als wegweisend: Er führte drakonische Legalistische Gesetze ein, privatisierte den Landbesitz, schaffte viele erblichen Privilegien ab und machte alle Bevölkerungsschichten – auch den Adel – gleichermaßen untertan der staatlichen Gesetzgebung. Bauern wurden für hohe Erträge belohnt, soldatische Erfolge wurden mit sozialen Aufstiegschancen honoriert, und selbst geringste Vergehen wurden hart bestraft, wobei das Gesetz für alle galt – kein Stand, nicht einmal der Herrscher, sollte über dem Gesetz stehen. Durch diese Maßnahmen wurde Qin zu einem straff organisierten, zentralistisch verwalteten Staat geformt, der über effiziente Verwaltungen und ein auf Leistung basierendes Belohnungs- und Bestrafungssystem verfügte. Ähnliche Reformansätze verfolgten auch andere Staaten – Wu Qi etwa reformierte Chu im 4. Jahrhundert v. Chr. in vergleichbarer Weise –, indem sie die alten feudalen Strukturen zugunsten einer starken Zentralgewalt aufbrachen und Verwaltung wie Militärwesen modernisierten. Insgesamt führten die Reformen der Streitenden Reiche zu einer Bürokratisierung und Zentralisierung der Macht, die die Voraussetzungen dafür schufen, dass schließlich eines der Reiche (Qin) über genug Ressourcen und Schlagkraft verfügte, um alle anderen zu besiegen.

Im Laufe der Zeit der Streitenden Reiche verschoben sich die Machtverhältnisse zwischen den Großstaaten mehrfach dramatisch. Kein Staat konnte anhaltend die Hegemonie behaupten; vielmehr gab es Phasen, in denen unterschiedliche Reiche die Oberhand gewannen. So stieg im frühen 4. Jahrhundert v. Chr. zunächst der Staat Wei (einer der drei aus Jin hervorgegangenen Teilstaaten) zur dominierenden Macht auf und schien zeitweise beinahe die Vorherrschaft über die anderen erringen zu können. Wei profitierte von seiner zentralen Lage in der nordchinesischen Ebene und frühen Reformschritten, doch seine Vormachtstellung wurde bald von rivalisierenden Koalitionen herausgefordert. Ein Wendepunkt war die Schlacht von Maling (341 v. Chr.), in der Qi – ein aufstrebender Oststaat – den Heerbann Weis vernichtend schlug. Qis Stratege Sun Bin lockte das überlegene Wei-Heer in einen Hinterhalt und brachte ihm eine schwere Niederlage bei. Infolge dieses Sieges verlor Wei massiv an Einfluss und musste Teile seines Territoriums an Qin abtreten. Qi dagegen gewann nach 341 v. Chr. an Ansehen und Macht; für einige Zeit galt Qi unter König Xuan als führendes Reich, dem sich sogar die anderen ehemals Jin-Staaten zeitweilig unterordneten. Qin seinerseits nutzte die Schwächung Weis: Bereits 340 v. Chr. griff Qin das erschöpfte Wei an und entriss ihm weitere Gebiete. Zudem expandierte Qin Richtung Südwesten – 316 v. Chr. eroberte Qin die nicht-chinesischen Gebiete Ba und Shu (im heutigen Sichuan), was seinen Reichtum und Bevölkerungsstock langfristig erheblich vergrößerte. Chu, der mächtige Südstaat, erreichte ebenfalls einen Höhepunkt seiner Macht, als er 334 v. Chr. das Königreich Yue im Südosten eroberte und damit sein Territorium bis zur Küste ausdehnte. Zu dieser Zeit – gegen Ende des 4. Jahrhunderts – standen somit im Wesentlichen drei Großmächte einander gegenüber: Qin im Westen, Qi im Osten und Chu im Süden, während die übrigen Reiche (Han, Zhao, Wei, Yan) darum bemüht waren, zwischen diesen Giganten nicht zerrieben zu werden. Die Rivalität blieb in ständigem Fluss: Bis Mitte des 3. Jahrhunderts v. Chr. verlor Qi seine Führungsposition wieder. Aus Furcht vor Qis erstarkter Macht verbündeten sich im Jahr 285 v. Chr. mehrere Konkurrenten – Yan, Zhao, Qin und Wei – und überfielen Qi überraschend von verschiedenen Seiten. Qis Armeen wurden 284 v. Chr. nahezu vollständig aufgerieben; König Min von Qi wurde durch innere Verräter hingerichtet, und Qi schrumpfte auf einen kleinen Reststaat zusammen. Zwar konnte der fähige General Tian Dan in den folgenden Jahren Teile Qis zurückerobern, doch Qi erlangte nie wieder seine alte Dominanz.

Nach dem Niedergang Qis verblieb als stärkster Gegner Qins vor allem der Nordstaat Zhao. Zhao hatte unter König Wuling (reg. 325–299 v. Chr.) durch militärische Reformen – Einführung von Reitertruppen und Adoption der Kleidung und Taktik der nördlichen Nomaden – seine Schlagkraft erhöht und sich erfolgreich gegen benachbarte Stämme wie die Xiongnu gewehrt. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. kam es zum entscheidenden Machtduell zwischen Qin und Zhao. Nach mehreren kleineren Gefechten mündete dieses Ringen in die Schlacht von Changping (260 v. Chr.), einer der blutigsten Auseinandersetzungen der Epoche. Qins berühmter General Bai Qi stellte der Zhao-Armee eine Falle: Er täuschte einen Rückzug vor und