40 verrückte Wahrheiten über Frauen und Männer - Prof. Dr. Michael Lehofer - E-Book
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40 verrückte Wahrheiten über Frauen und Männer E-Book

Prof. Dr. Michael Lehofer

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Beschreibung

Dieses Buch kann Beziehungen retten! In seiner Praxis als Psychotherapeut staunt Michael Lehofer immer wieder, wie wenig viele Menschen darüber wissen, wie eine Liebesbeziehung 'geht'. Da Liebe und Partnerschaft so komplex sind, gibt es keine allgemeingültigen Regeln. Was tun? Der Bestsellerautor, Philosoph und Psychotherapeut befragt unter anderem die Soziologie und die Neurobiologie und mischt sie mit den Erfahrungen aus seiner Praxis. Und er wurde fündig: Es gibt Erkenntnisse, die zu einer möglichst glücklichen Liebesbeziehung beitragen können. Diese Wahrheiten sind überraschend, häufig – scheinbar – paradox  und manchmal sogar ein Wunder. In 40 Thesen bringt er sie mit liebevollem, gereiftem und humorvollem Blick auf den Punkt. Ein Buch, das wirklich jeder Mann und jede Frau gelesen haben sollte. Es kann Beziehungen retten!  

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Seitenzahl: 204

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Impressum

© eBook: 2022 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

© Printausgabe: 2022 GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, Postfach 860366, 81630 München

Gräfe und Unzer ist eine eingetragene Marke der GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, www.gu.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck, auch auszugsweise, sowie Verbreitung durch Bild, Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeder Art nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Projektleitung: Anja Schmidt

Lektorat: Dr. Antje Korsmeier

Covergestaltung: ki36 Editorial Design, München, Daniela Hofner

eBook-Herstellung: Viktoriia Kaznovetska

ISBN 978-3-8338-8469-6

1. Auflage 2022

Bildnachweis

Syndication: www.seasons.agency

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EINLEITUNG

Wenn wir nicht wissen, wie unermesslich unsere Sehnsucht nach einer Liebesbeziehung ist, müssen wir uns nur vergegenwärtigen, dass kaum ein Kunstwerk auf die Thematisierung einer solchen verzichtet. Opern und Theaterstücke, Musik, bildende Künste und Literatur kommen nicht ohne die Liebe zwischen Menschen aus. Liebesbeziehungen betreffen uns einfach, egal ob sie in unserem Leben Realität sind oder nicht. Denn sie spiegeln unsere Sehnsucht, endlich ganz, endlich vom Leben gesättigt, endlich zur Vollkommenheit ergänzt zu sein. Wir alle teilen das existenzielle Gefühl der Ungeborgenheit, das den großen Wunsch, ja den Hunger nach Vervollständigung und Schutz durch das ergänzende Du nach sich zieht.

In den Niederungen des konkreten Lebens erfüllen Liebesbeziehungen allerdings höchstens kurzfristig ihre Verheißungen, und schon gar nicht unsere geheimen Erwartungen. Das führt zu großem Leiden. Denn je höher die Erwartungen an eine Sache sind, desto größer ist die Enttäuschung. Die eigenen Reaktionen auf die Frustrationen einer Beziehung sind mitunter destruktiver als alles, was uns sonst im Leben zustößt. Wir scheitern in unserem Leben in der Regel an nichts so sehr wie an nicht gelungenen Liebesbeziehungen. Im Groben kann man sagen: Die einen werden süchtig, die anderen resigniert. Süchtigkeit und Resignation sind das Ärgste, was wir uns selbst in unserem Leben antun können. Mit beidem versuchen wir zu kompensieren, was unersetzlich ist: die Liebe.

Die Liebe ist psychologisch gesehen ein durchlässiger Zustand (wir sind liebend in Verbindung), während Süchtigkeit und Resignation Verdichtungen darstellen (weil sie Schutzmuster sind). Wir nehmen an, dass wir im durchlässigen Zustand ungeschützter sind als im verdichteten. Leider ist jedoch das Gegenteil wahr. In der Liebe flutscht das Leid des Lebens gleichsam durch uns durch. Resignation und Süchtigkeit hingegen bewirken, dass sich das Leid quasi in uns staut. Liebe macht das Leben auf angenehme Weise reizvoll und süß, Resignation und Süchtigkeit verbittern es.

In Liebesbeziehungen muss man mit Überraschungen, ja mit Wundern rechnen.

Liebesbeziehungen sind mit einer immensen Heilserwartung verbunden. Das macht sie so attraktiv. Gleichzeitig traumatisiert es uns wie nichts anderes, wenn unsere Sehnsüchte ins Leere greifen. Die damit einhergehende Verletzung verringert die Wahrscheinlichkeit, nochmals eine erfüllende Liebesbeziehung leben zu können. Denn Verletzungen führen zu Vermeidungshaltungen, die uns daran hindern, die verheißungsvolle und gleichzeitig bedrohliche Nähe erneut zu riskieren. Nach einer schlechten Beziehungserfahrung sehnen wir uns immer noch nach erfüllender Liebe, doch zugleich vermeiden wir sie, um nicht wieder verletzt zu werden. Dieses Hin und Her ist ein großes Dilemma – das, was wir zutiefst ersehnen und befürchten, ist zwangsläufig ein unvergleichliches Lebensthema. Viele Menschen inszenieren ihr Leben in einem Tanz zwischen Sehnsucht und Furcht auf bizarre Weise. Diesen Tanz zu beschreiben, ist Inhalt dieses Buches.

Keine Liebesbeziehung auf der Welt kann unsere unermesslichen Sehnsüchte nach Vervollkommnung stillen. Die Unermesslichkeit ist uns nicht bewusst. Sie ergibt sich daraus, dass wir in allem und jedem ein Du brauchen, um uns zu nähren und zu entfalten – um zu sein. So entwickeln viele von uns eine Gier. Die Gier nach Macht, Geld, Sex, Geltung und anderen Dingen ist oftmals der hilflose Versuch, zu dem zu kommen, was man so gerne hätte, was einem auf diese Weise aber sicher verwehrt bleiben wird. Diese Faktoren führen zu einer Beziehungsunfähigkeit, die das Scheitern fast zwangsläufig herbeizwingt: In unserer Gier nach allem versäumen wir das, was uns durchaus erfüllen könnte.

Liebesbeziehungen können Kostproben des Paradieses sein. Sie sind aber nicht das Paradies. Im Gegenteil, häufig sind sie eine schmerzliche Einladung, sich weiterzuentwickeln. Das sollte man wissen. In meiner Praxis als Psychotherapeut, aber auch in meinen privaten Begegnungen staune ich immer wieder, wie wenig Ahnung viele meiner Gesprächspartner davon haben, wie eine Liebesbeziehung »geht«. Wir leben in einer Wissensgesellschaft; das Wissen hat absolute Priorität. Aber es besteht ein Mangel an Weisheit. Es fehlen die lebenserfahrene gütige Großmutter, der weise Großvater, die einem sagen könnten, wie das Leben funktioniert.

Ich kann das für mein eigenes Leben bestätigen. Welch wahnsinnige Entscheidungen habe ich hin und wieder getroffen und musste dann die Suppe auslöffeln! Sicherlich, in der jeweiligen Situation hätte ich vielleicht auf niemanden gehört, wäre möglicherweise zu engstirnig gewesen. Aber wenn ein Mensch, den ich achte und liebe, vorher mit mir über diese Dinge gesprochen hätte, hätte ich in vielen Situationen klüger und angemessener reagieren können.

Welches Wissen also fehlt uns? Es sind die sogenannten Soft Skills, die uns abgehen: persönliche Kompetenzen, die einer Sache gerecht werden, die sich jedoch nicht so einfach beschreiben lassen. Da Liebesbeziehungen so komplex sind, kann man sie fast nur subjektiv bewältigen; es gibt keine Regeln, die immer gelten. Ungeachtet dessen haben die Sozialpsychologie, die Neurobiologie, die Soziologie und einige andere Forschungsrichtungen interessante systematische Gemeinsamkeiten bezüglich dessen herausgefunden, was man verstehen kann, wenn man daran interessiert ist, eine möglichst glückliche Liebesbeziehung zu führen. Diese Erkenntnisse verbinde ich im Folgenden mit meiner Erfahrung als Psychotherapeut und nicht zuletzt mit meiner persönlichen Lebenserfahrung. Doch wenn man von Liebesbeziehungen spricht, muss man immer wieder mit Überraschungen, ja mit Wundern rechnen. Alles, was in diesem Buch steht, ist daher selbstverständlich weder vollständig noch immer richtig.

Für eine gelungene Liebesbeziehung fehlen uns oftmals die Soft Skills.

Dazu gibt es eine sehr schöne Anekdote von Alfred Adler, einem der ersten Schüler Sigmund Freuds. Eines Tages hielt Adler in seiner Heimatstadt Wien einen Vortrag. Er kam auf die Bewältigung von Angst zu sprechen und sagte, dass man dafür der Angst ins Auge blicken müsse. Als Beispiel nannte er den Schulweg, den er als Volksschüler immer gegangen war und der an einem Friedhof vorbeiführte. Vor allem in der dunklen Jahreszeit fürchtete er sich jedes Mal, wenn er an diesem gespenstischen Ort vorbeimusste. Doch irgendwann fasste er sich ein Herz und kletterte die Mauer hinauf. Und was sah er? Nichts! Von da an fürchtete er sich nicht mehr.

Nach dem Vortrag kam ein Herr auf ihn zu, den er nicht kannte. Er gratulierte Adler zu dem wunderbaren Vortrag, und es stellte sich heraus, dass er ein Volksschulkollege von Alfred Adler war. Er hatte sich allerdings so verändert, dass Adler ihn nicht wiedererkannt hatte. Dieser Herr nun machte Alfred Adler darauf aufmerksam, dass in der Nähe ihres Schulwegs gar kein Friedhof gewesen sei. Adler widersprach. Man beschloss, am nächsten Morgen den gemeinsamen Schulweg nachzugehen. Und tatsächlich stellte sich heraus, dass es dort keinen Friedhof gab. Daraufhin entschied sich Adler, jeden Vortrag mit den Worten enden zu lassen: »Und schließlich darf man nicht vergessen, dass alles auch ganz anders sein kann!«

Und schließlich darf man nicht vergessen, dass alles auch ganz anders sein kann.

1 WARUM MÄNNER VON IHREN FRAUEN BEWUNDERT UND FRAUEN VON IHREN MÄNNERN GESEHEN WERDEN SOLLTEN

Beziehungen, die gut funktionieren, haben überdurchschnittlich häufig etwas Erstaunliches gemeinsam: Die Männer werden von den Frauen bewundert und die Frauen fühlen sich von den Männern gesehen. Männer brauchen oft viel Bewunderung, vor allem in partnerschaftlichen Beziehungen. Die Frage »War ich gut?«, obwohl bekanntlich geschmacklos (vor allem nach gemeinschaftlicher sexueller Aktivität), kommt vermutlich eher einem Mann über die Lippen.

Natürlich brauchen auch Frauen Bewunderung. Bewunderung ist reinste narzisstische Zufuhr, und es gibt einen gesunden Narzissmus, ohne den keine gedeihliche Entwicklung möglich ist. Daher benötigt jedes Kind Bewunderung, ehrliche Bewunderung. Es braucht sie, um zu einem positiven Selbstbild zu kommen, um letztlich Ja zu sich sagen zu können.

Bewunderung wirkt in zwischenmenschlichen Beziehungen unterschiedlich. So kann der Mächtige mittels Bewunderung den anderen auf Augenhöhe bringen. Der Vater, der den Sohn bewundert, hebt den Sohn auf die gleiche Stufe, auf die ihn der Sohn gestellt hat. Wie schön ist das! Bewunderung bedeutet, den anderen als Wunder anzuerkennen.

Andererseits birgt Bewunderung auch die Möglichkeit einer Machtdefinition: Wenn nämlich der Untere den Oberen bewundert, lässt sich der Obere durch den Unteren definieren. Ein Beispiel: Wenn ein Chef offen von einem Mitarbeiter bewundert wird, dann könnte es sein, dass der Mitarbeiter den Chef durch seine Bewunderung steuern möchte. Das will dieser gewöhnlich nicht. Daher muss man mit der Bewunderung von Chefs etwas vorsichtig sein. Was Chefs wirklich wollen, ist, gesehen zu werden. Denn sie führen, sie gehen ihren Mitarbeitern voran. Sie sind darauf angewiesen, sicher gesehen zu sein. Nur dann können sie unbesorgt vorangehen.

Aus dieser Sicht sind Männer in Partnerschaften Mitarbeiter in der Firma ihrer Frau (so schlimm das klingt!). Daher ist die Bewunderung für den Mann seitens der Frau quasi eine Einladung, in eine ebenbürtige Beziehung zu kommen. Die Achtung des Mannes für die Frau wiederum gewährt eine gewisse Sicherheit, dass die Anliegen der Frau, die sie mit dieser Beziehung verbindet, realisiert werden.

In Partnerschaften sind Männer die Mitarbeiter in der Firma ihrer Frau.

Natürlich sind sowohl Bewunderung als auch das Gesehenwerden in einer funktionierenden Beziehung etwas Gegenseitiges. Wenn die Beziehung in eine Schieflage gerät, liegt eigentlich immer eine Miss- oder gar Verachtung seitens der Frau oder/und ein entwürdigendes Übersehen der Frau durch den Mann vor. Daran kann man arbeiten, wenn man (noch) will. Meiner Lebenserfahrung nach gibt es bei beiden Modalitäten kein Mittelmaß: Entweder die Frau bewundert ihren Mann oder sie verachtet ihn. Gleichermaßen ist der Mann entweder mit allen Sinnen bei der Frau oder er übersieht sie vollkommen.

Heute habe ich mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn gefrühstückt. Ich weiß, dass er sie ob ihrer Klugheit und vieler anderer Eigenschaften bewundert. Und wie drückt er seine Bewunderung aus? Er hat gemerkt, dass sie ihr erstes Brötchen gegessen hat, und streicht ihr ein zweites mit genau so viel Butter darauf, wie sie es liebt. Er ist ein Gentleman. Man muss einer Frau nicht nur stereotyp die Tür aufhalten, um dafür zu sorgen, dass sie sich gesehen fühlt. Sie wiederum hat unlängst beim Abendessen stolz verkündet, dass er in seinem Studium einen Abschluss erreicht hat, von dem er von sich aus nicht gesprochen hätte. Wir haben ihm alle gratuliert und er hat verstanden: Meine Frau ist stolz auf mich, denn sie hat immer ein Auge auf mich.

Bewunderung und Aufmerksamkeit bringen auf unterschiedliche Weise das Gleiche zum Ausdruck: die Verbundenheit.

Vielleicht gefällt diese Beobachtung meiner Tochter und ihrem Partner gar nicht. Denn sie beschreibt ein in ihren Augen möglicherweise reaktionäres Verhalten (sie sind das, was man landläufig linke Intellektuelle nennen würde). Das Beispiel zeigt jedoch, dass man sich nicht leicht mit dem Bewusstsein über typische Rollenspiele zwischen Mann und Frau hinausentwickeln kann, ganz unabhänig davon, ob man sie für genetisch oder kulturell bedingt hält.

Bewunderung (seitens der Frau) und Aufmerksamkeit (seitens des Mannes) unterscheiden sich vor allem in der Art und Weise, wie die Zuneigung gezeigt wird. Im Grunde sind Bewunderung und Gesehenwerden nur äußere Zeichen für das Gleiche: die Verbundenheit.

Immer wieder kommt es vor, dass Bewunderung und Aufmerksamkeit andersherum verteilt sind. Ich erinnere mich an ein Ehepaar, das einmal bei mir in Behandlung war. Sie war ihm beruflich überlegen, er hatte eindeutig mehr Herz (eine komplementäre Konstellation, die man bei vielen Paaren beobachten kann). Er bewunderte sie, sie wiederum war bestrebt, ihm jede Aufmerksamkeit der Welt zukommen zu lassen. Alles okay, möchte man meinen. Leider neigte sie zu Seitensprüngen. Vielleicht aus Familientradition, denn schon ihre Mutter hatte ihren Vater regelmäßig betrogen. Möglicherweise hat die Umkehrung des Bewunderungs-Aufmerksamkeits-Themas in dieser Beziehung aber auch zu einer Rollendiffusion geführt, die in ihr die Sehnsucht nach einem »wirklichen Mann« geweckt hat.

Gerade in der heutigen Zeit, in der durch die gesellschaftlichen Veränderungen gigantische Verschiebungen der Rollenbilder stattgefunden haben und auch eingefordert werden, ist es wichtig, sich der Auswirkungen der inneren Bilder bewusst zu werden, die in uns allen gespeichert sind. Ob diese inneren Bilder kulturell und/oder biologisch bedingt sind, ist einerlei: Sie sind wirksame Elemente in uns und können, wenn sie nicht entsprechend beachtet werden, immense Konsequenzen haben.

2 WARUM AFFÄREN PARADOXERWEISE OFT STABILER SIND ALS FIXE BEZIEHUNGEN

Man lernt nicht selten Frauen kennen, die offensichtlich schick, elegant und sexy sind und trotzdem nie einen Partner zu haben scheinen. Viele von ihnen haben jedoch einen (versteckten) verheirateten Partner. Das war früher eine typische Konstellation, heute kenne ich auch Männer, auf die diese Beschreibung zutrifft. Sonderbarerweise schützen die Betroffenen die Beziehung ihrer verheirateten Partner, indem sie niemandem von der Affäre erzählen. Selbst im Rahmen einer Psychotherapie haben sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie es »ausplaudern«. Sie sind stille Mitwisser der Untreue desjenigen, der die Ehefrau oder den Ehemann betrügt, und identifizieren sich mehr mit dem Betrug als der Betrüger selbst. Die damit dokumentierte Loyalität ist ein Ausdruck der überzufällig häufigen, unheimlich anmutenden Stabilität solcher Beziehungen.

Die verheirateten Männer oder Frauen wiederum sind in Bezug auf ihre Ehepartner auffallend häufig eifersüchtig; die Betrüger wollen keinesfalls die Betrogenen sein. Wie der Schelm ist, so denkt er vom anderen. Ehemänner, die fremdgehen, sind so eifersüchtig, weil sie aus Erfahrung mit sich selbst wissen, wie wenig gewiss Treue ist. Zweifelsohne können sie sich auf die Treue ihrer Geliebten mehr verlassen als auf die Treue ihrer Ehefrauen.

Es gibt verschiedene Gründe, warum Affären mitunter stabiler als fixe Beziehungen sind. Das ist überaus erstaunlich, denn wie oft lassen sich Frauen in der Rolle der Geliebten in einer Weise beleidigen, wie es in fixen Beziehungen kaum möglich wäre? Wie oft werden sie gekränkt? Warum verlassen sie den verheirateten Partner nicht? Das fragt man sich.

Manchmal argumentieren Frauen, die mit diesen Fragen konfrontiert werden, damit, dass sie noch nie einen Mann getroffen hätten, der sie sexuell so befriedige oder anderweitig der Inbegriff des idealen Mannes sei. Leider sitzen sie damit einem Irrtum auf: Wenn wir die Erfahrung der ultimativen Befriedigung machen, hängt das weniger vom Gegenüber ab als von uns selbst. Der andere hat es einem zwar ermöglicht, die eigenen Hemmungen zu überwinden und sich absolut hinzugeben. Doch die Befriedigung ist immer etwas, das wir in erster Linie uns selbst zuschreiben sollten und nicht dem anderen. Ansonsten räumen wir dem anderen einen Platz in unserem Leben ein, der ihm nicht zusteht.

Frauen merken sich die Fehler ihrer Beziehungspartner und führen eine Liste. Männer wissen nichts davon.

Im Grunde verhält es sich eher so: Wenn sich eine Frau einen Mann als Partner ausgesucht hat und er antwortet ihrem Werben auf eine Weise, dass das sehnsüchtige Herz genährt wird, dann kann sie in den meisten Fällen schwer von ihm ablassen. Die Suchtmedizin kennt das: Eine intermittierende Verstärkung macht wirklich süchtig, keinesfalls eine kontinuierliche Befriedigung der Bedürfnisse.

Ein mindestens ebenso wichtiger, wenn auch oft verkannter Grund für die höhere Stabilität von Affären gegenüber ehelichen Beziehungen ist die sogenannte »Liste«. Frauen neigen in fixen Beziehungen dazu, eine innere Liste zu schreiben, auf der alle Fehlhandlungen des Mannes verzeichnet werden. Die meisten Männer haben dies schon erfahren: Frauen vergessen kaum einen Fauxpas ihres Mannes und ziehen ihn bei »passender« Gelegenheit noch Jahrzehnte später aus der Schublade.

Das höhere Erinnerungsvermögen in partnerschaftlichen Angelegenheiten dürfte an der höheren emotionalen Kompetenz von Frauen liegen. Man merkt sich nur das, was mit einem hohen emotionalen Tonus erlebt wird. Und so merken sich die Frauen die kleinen und die großen Fehler ihrer Partner; umgekehrt ist das deutlich seltener der Fall.

Die meisten Frauen, mit denen ich gesprochen habe, geben zu, schon mal eine Liste geführt zu haben oder aktuell zu führen. Männer jedoch wissen nichts von der Liste; zumindest ist mir noch keiner untergekommen.

Wenn Männer einmal die rote Linie überschritten haben, gibt es kein Zurück.

Die Liste ist nominalskaliert, das heißt, kleine und große Fehler zählen auf der Liste gleich viel. Das ist natürlich ungerecht. Denn brave, unaufmerksame Männer bekommen die Liste möglicherweise recht schnell voll, indem sie beispielsweise regelmäßig den Besuch bei der Schwiegermutter vergessen oder viele andere lässliche Sünden begehen, während Schurken, die sich große Sünden leisten, ansonsten aber charmant sind, oft erstaunlich lange toleriert werden.

Wenn die Liste voll ist, lösen sich Frauen aus der Beziehung. Sie gehen in die innere Emigration, beginnen möglicherweise ihrerseits eine parallele sexuelle Beziehung, wobei sie gewöhnlich kein schlechtes Gewissen haben, und wenn sich ihnen eine bessere Option bietet, verabschieden sie sich offiziell aus der Beziehung. Manchmal warten sie gezielt, bis die Kinder groß sind, um ihnen keinen Kummer zu bereiten; wenn sie dann ihren Mann verlassen, kommt diese Entscheidung für ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Die Achtung für den Mann ist nach Komplettierung der Liste endgültig passé und lässt sich auch nicht mehr erneuern. Wenn Männer in der Wahrnehmung der Frauen einmal die rote Linie überschritten haben, gibt es kein Zurück, selbst wenn die Frauen wollten.

Eigenartigerweise kann aber mit der Führung einer Liste erst begonnen werden, wenn eine Beziehung fix ist; in sogenannten Affären wird sie nicht geschrieben. Zudem kann eine Frau einen Mann, den sie liebt, nur dann wirklich gut verlassen, wenn er einmal fix ihr Partner gewesen ist. So kommt es, dass fixe Beziehungen oft weniger stabil sind als Affären.

3 WARUM MÄNNER MACHO UND FRAUEN TUSSI KÖNNEN SOLLTEN

Wir sind psychosexuell gesehen Fetischisten. Daher fahren wir alle in gewisser Weise auf äußere Signale ab. Wenn Menschen einen Partner suchen, kann es passieren, dass sie auf einen wunderbaren Menschen treffen. Wenn dieser jedoch nicht die Erfüllung der psychosexuellen Bedürfnisse verheißt, wird der wunderbare Mensch (lediglich) ein guter Freund bleiben und nicht ganzheitlich – damit ist gemeint: auch als geschlechtliches Wesen – angesprochen werden.

Ich war schon immer das, was man einen Frauenversteher nennt. Das ehrte mich als junger Mann. Frauen schätzten die Kommunikation mit mir. Sie luden mich nicht selten zum Frühstück ein. Bis ich eines Tages darauf kam, dass es Freunde gab, die auch eine Einladung zum Frühstück erhielten. Nur durften sie bereits am Abend kommen …

Als ich das begriff, war ich wenig begeistert. Fakt ist, ich war zu adaptiv. Das haben die Frauen nicht als sexy empfunden. Ich hätte, aus heutiger Sicht, entschiedener vorgehen müssen, hätte mehr Zug zum Tor haben müssen, um es in der Fußballersprache auszudrücken. Eine Frau will, dass ein Mann will, um selbst wollen zu können. Männer, die quasi die Frauen fragen, was sie wollen dürfen, werden von den wenigsten als attraktiv wahrgenommen, obwohl das (paradoxerweise) auch irgendwie von vielen Frauen eingefordert wird.

Heute weiß ich, dass Frauen es überaus schätzen, wenn man ihre Grenzen, die sie selbst bestimmen wollen und müssen, beachtet. Gleichzeitig weiß ich auch, dass sie es schätzen, wenn man ihnen vermittelt, dass man auch über die Grenzen gehen könnte, wenn man wollte. Diese Form oberflächlichen Selbstbewusstseins ist für die meisten Frauen ein Gewürz, das sie als psychosexuellen Attraktor erleben.

Viele Männer glauben sich positiv in Szene setzen zu müssen, indem sie angeben. Das ist eine Form von Machotum, die nicht so gut ankommt, zumindest in der Regel. Denn wer angibt, ist marktschreierisch. Er weiß eigentlich nicht, was er wert ist. Wenn man schon angibt, dann bitte dosiert. Auch da gilt: Oberflächlichkeit ist etwas, das man können sollte. Denn ein Mensch, der nicht oberflächlich sein kann, ist meist zu schwerfällig, einfach anstrengend. Es ist nicht fein, seine Zeit mit Menschen zu verbringen, die immer tiefschürfend sind. Das macht das Leben zu schwer. Fein ist es, wenn ein Mensch alles kann, und alles zu seiner Zeit.

Machotum will wohldosiert sein.

Irgendwie ist es ja lächerlich, ein Macho zu sein. Und doch bleibt einem als Mann nichts anderes übrig, wenn man für das andere Geschlecht attraktiv sein will. Um die Lächerlichkeit in Maßen zu halten, ist Humor vonnöten. Humor ist das Schmiermittel des Lebens. Er setzt die Möglichkeit voraus, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und folglich zuallererst über sich selbst lachen zu können.

Was macht einen Macho attraktiv? Es ist die Tatsache, dass er cool ist. Cool ist jemand, der nicht Opfer seiner eigenen Emotionen ist. Manchmal ist es ganz angenehm, wenn die Emotionen nicht so drängend sind. Genau das bietet der Macho den Frauen. Es ist also nicht von Nachteil, als Voraussetzung einer Mann-Frau-Beziehung Macho zu können. Die Dosis bestimmt allerdings die Qualität beziehungsweise macht das Gift.

Komplementär ist es beim Tussitum. Dieses ist natürlich für jeden Feministen ein Brechmittel. Daher muss es so dosiert werden, dass es nicht die Persönlichkeit überschminkt. Da Tussis danach lechzen, als attraktiv wahrgenommen zu werden (das ist ihr einziges Ziel, auch wenn Tussis noch so sehr behauten mögen, sich nur für sich selbst herzurichten), muss das Maß an Tussitum so gewählt werden, dass es keine aggressive Konkurrenz zu anderen Frauen darstellt.

Im Rollenspiel der Geschlechter dürfen wir auf keinen Fall uns und die Rolle miteinander verwechseln.

Frauenfreundschaft und Frauenkonkurrenz sind interessante Themen. Ich werde aber aufgrund meiner männlichen Identität davon absehen, näher darauf einzugehen. Das sollen Frauen selbst tun. Es sei an dieser Stelle lediglich bemerkt, dass sich die persönliche Reife von Frauen nicht zuletzt darin spiegelt, wie sehr sie anderen Frauen gegenüber solidarisch sein können und wie behutsam sie mit den Gefühlen ihrer Geschlechtsgenossinnen umzugehen wissen. Ein Freund hat mir unlängst eine berührende Geschichte erzählt. Er weilte auf einer Städtereise in Lissabon, gemeinsam mit seiner attraktiven Frau und einem befreundeten Ehepaar. Die andere Frau war nicht so schön wie seine. Als sie eines Morgens zum Sightseeing aufbrachen, fragte er seine Frau, warum sie angesichts der hohen sommerlichen Temperaturen kein Kleid anzöge (sie hat ansehnliche Beine, die ihm gefallen). Sie meinte, sie wolle die andere Frau nicht beschämen, und ging deshalb lieber in Hosen. Diese aufmerksame Rücksichtnahme rang mir alle Hochachtung ab.

Das Leben ist ein Spiel. Ich vergleiche es mit einem Ballspiel. Wenn wir uns als eine Gruppe entscheiden, miteinander ein Ballspiel zu spielen, ist es nur lustig, wenn wir das Spiel ernst nehmen. Wenn wir aber verbissen werden und das Spiel todernst nehmen, werden wir uns gegenseitig verletzen. Auch werden wir so dem Spiel nicht gerecht.

Genauso ist es mit dem Spiel der Geschlechter. Dieses ist ein Rollenspiel. Es ist das ewige Theater, von dem schon Shakespeare sprach. Es macht Spaß, dabei mitzuspielen. Jeder möge das Kostüm anziehen, das zu ihm passt. Aber möge Gott behüten, dass wir uns und die Rolle miteinander verwechseln.

Machosein und Tussisein gehören zum Spiel des Lebens. Wenn wir es richtig dosiert spielen, tragen wir dazu bei, dass unser Alltag ein Zaubergarten wird. Letztlich lebt die Erotik davon. Die Erotik speist sich aus dem, wie jemand spricht, wie er sich bewegt, wie er riecht, wie er sich kleidet. Sie lebt von der Inszenierung der Oberflächlichkeit, ohne die das Leben – paradoxerweise – keine Tiefe hat.

4 WARUM PAARE, DIE MITEINANDER PROBLEME HABEN, IM GRUNDE IMMER NUR EIN PROBLEM HABEN