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Familienzwist. Erbstreit. Eifersucht. Geldgier. Neid. Rachegefühle. Langeweile. Die Gründe dafür, wieso man einen anderen Menschen am liebsten aus dem Weg schaffen würde – oder es sogar wirklich tut -, sind vielfältig. Wie steht es beispielsweise mit Leuten, die oben auf der Rolltreppe einfach stehen bleiben, statt aus dem Weg zu gehen? Oder Leuten, die an der Takeaway-Kasse den Rechnungsbetrag genau abgezählt zusammensuchen und dafür ewig brauchen? Oder Eltern, welche die Namen ihrer Kinder ans Heck des Autos kleben? In diesem Buch sind 66 Fälle dokumentiert, bei denen sich mit gutem Gewissen sagen lässt: So einer gehört eigentlich umgebracht. Selbstverständlich ist das im übertragenen Sinn zu verstehen. Es geht um eine eine Art Seelenreinigung. Dieses Buch hilft Ihnen dabei.
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Seitenzahl: 96
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Stefan Millius
66 Motive für Mord
Ein Rechtfertigungs-Ratgeber für böse Gedanken
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Vorwort
Mordmotiv 1: Kindernamen-Verewiger
Mordmotiv 2: Lustige Tischrunden
Mordmotiv 3: Melonenklopfer
Mordmotiv 4: Verfrühte Bus-Aussteiger
Mordmotiv 5: Aussteigbehinderer
Mordmotiv 6: Automechaniker
Mordmotiv 7: Auf-den-Pelz-Rücker
Mordmotiv 8: Spontan-Stehenbleiber
Mordmotiv 9: Winterdienst-Nichtsahner
Mordmotiv 10: Geheimnisträger-Plaudertaschen
Mordmotiv 11: Innerorts-Aufdreher
Mordmotiv 12: Vorwärts-Fahrer
Mordmotiv 13: Kopfhörer-Business-Telefonierer
Mordmotiv 14: Lichtsignalprogrammierer
Mordmotiv 15: Feng-Shuianer
Mordmotiv 16: Nachdenk-Aufforderer
Mordmotiv 17: Erklärungssüchtige
Mordmotiv 18: Fussgängerstreifenplauderer
Mordmotiv 19: Handgepäckübertreiber
Mordmotiv 20: Gratistrinkwasser-Forderer
Mordmotiv 21: Discounter-Kassenablagen-Designer
Mordmotiv 22: Takeaway-Zögerer
Mordmotiv 23: Wer-ist-dran-Frager
Mordmotiv 24: Gestresstpensionäre
Mordmotiv 25: E-Mail-Nachtelefonierer
Mordmotiv 26: Fleischverpackungsherstellerversager
Mordmotiv 27: Morgenshow-Radiomoderatoren
Mordmotiv 28: Hausweinbesteller
Mordmotiv 29: Juniorenfussballväter
Mordmotiv 30: Daraufzurückkommer
Mordmotiv 31: 1.Klasse-Vorwurfsvoll-Gucker
Mordmotiv 32: Zigarettenrauch-Auspuster
Mordmotiv 33: Genau-Rechner
Mordmotiv 34: Topper
Mordmotiv 35: Carpe-diem- Zitierer
Mordmotiv 36: Lateinamerika-Enthusiasten
Mordmotiv 37: Tragetuch-Missionarinnen
Mordmotiv 38: Nicht-Mörder
Mordmotiv 39: Slipeinlagen-Werbetexter
Mordmotiv 40: Krawattenzwangverordner
Mordmotiv 41: Fisch-an-Bord-Autofahrer
Mordmotiv 42: Kleingeldschnorrer
Mordmotiv 43: Ewige Nostalgiker
Mordmotiv 44: Verhinderte Trucker
Mordmotiv 45: Literaturexperten
Mordmotiv 46: Verschwörungstheoretiker
Mordmotiv 47: Gefängnisbefreier
Mordmotiv 48: Unwichtige Leute
Mordmotiv 49: Deppen-Apostrophler
Mordmotiv 50: Fahrradfahrer
Mordmotiv 51: Luxuskarrenleaser
Mordmotiv 52: Unvorbereitete Handwerker
Mordmotiv 53: Columbo-Nachbarn
Mordmotiv 54: Lift-Versager
Mordmotiv 55: Antiautoritäts-Showmaster
Mordmotiv 56: Chinarestaurant-Bedienung
Mordmotiv 57: Vorzimmerdrachen
Mordmotiv 58: Notlagenausnützer
Mordmotiv 59: Entrüster
Mordmotiv 60: Werbetrikothobbyrennfahrer
Mordmotiv 61: Teilzeithumoristen
Mordmotiv 62: Good-Case-Enthusiasten
Mordmotiv 63: Autoverkäufer
Mordmotiv 64: Rosenverkäufer
Mordmotiv 65: Zeitungs-Astrologen
Mordmotiv 66: Die Gesamtsituation
Nachschlag
Dank
Impressum neobooks
Familienzwist. Erbstreit. Eifersucht. Geldgier. Neid. Rachegefühle. Langeweile. Die Gründe dafür, wieso man einen anderen Menschen am liebsten aus dem Weg schaffen würde – oder es sogar wirklich tut -, sind vielfältig. Und wird in den Medien über solche Fälle berichtet, ist die öffentliche Meinung schnell gemacht: Aber bitte, das ist doch kein Grund, jemanden gleich umzubringen!
Wirklich? Wer ehrlich ist, muss zum Schluss kommen: Das Gegenteil ist der Fall. Es gibt sogar unzählige weitere gute Gründe, jemanden ins Jenseits zu befördern. Denn was wir Tag für Tag über uns ergehen lassen müssen, ist kaum auszuhalten. Und dabei ist nicht die Rede von wirklich schwerwiegenden Ereignissen wie Mobbing oder Stalking. Es sind die kleinen Alltagsereignisse, die uns ohnehin schon schwergeprüften, gestressten Angehörigen der modernen Zivilisation den Rest geben können. Es sind, kurz gesagt, unsere Mitmenschen. Die sind mit wenigen Ausnahmen im Grunde unerträglich, wenn man näher darüber nachdenkt.
In diesem Buch sind 66 Fälle dokumentiert, bei denen sich mit gutem Gewissen sagen lässt: So einer gehört eigentlich umgebracht. Selbstverständlich ist das im übertragenen Sinn zu verstehen. Denn Mord ist in den meisten Kulturen keine gesellschaftlich akzeptierte Massnahme, und in einigen Ländern soll es angeblich sogar strafbar sein, jemanden um die Ecke zu bringen, wenn man Gerüchten glauben will. Doch selbst dort wird der Richter zwar die Strafe verhängen, die das Gesetz vorsieht, gleichzeitig aber im tiefsten Innern auf der Seite des Mörders sein.
In diesem Sinn ist dieses Buch nicht als Aufruf zur Handlung zu verstehen, sondern als eine Art Seelenreinigung. Wenn Sie frühmorgens nach dem Weg zur Arbeit in Gedanken bereits ein halbes Dutzend Leben ausgelöscht haben, halten Sie sich möglicherweise für einen schlechten Menschen – oder gar für einen Fall für den Psychiater. Hiermit sei Ihnen versichert: Sie sind in bester Gesellschaft, und die bösen Gedanken sind nichts anderes als notwendige Psychohygiene. Mit modernem Schnickschnack wie positivem Denken stösst man schnell an seine Grenzen. Sehr viel ratsamer ist es, sich dem Tier in sich zu stellen und zuzugeben: Die meisten Leute, die uns an einem durchschnittlichen Tag über den Weg laufen, würden uns nicht fehlen, wenn sie vom Erdboden verschwinden. Und nur zu gerne würden wir dabei ein bisschen nachhelfen.
Vielleicht erkennen Sie sich selbst – beziehungsweise den Mörder in sich – beim Studium der hier gesammelten Mordmotivbeispiele. Sollten Sie selbst weitere Fälle nachliefern wollen, können Sie das auf der Webseite zu diesem Buch tun:
www.mordmotiv.ch
Und nun gutes Gelingen!
Stefan Millius
Es gibt keinen einzigen haltbaren Grund, auf dem Heck des Autos die Namen der Kinder, die man gezeugt hat, festzuhalten. Es macht keinen Sinn, es ist unnötig, und es nervt. Dennoch brausen da draussen Millionen von Leuten herum, die uns mitteilen, dass Kevin an Bord ist, Melissa auch noch mitfährt, Jonas gerade die Rückbank vollkotzt und Jennifer-Ann schreiend nach ihrem Stofftier verlangt, das sie kurz zuvor dem Vater am Steuer an den Kopf geworfen hat.
Warum? Wozu? Weshalb? Will irgendeiner wissen, wie die Kinder eines wildfremden Autolenkers heissen, der einfach für einen kurzen Moment ein paar Meter Strasse mit einem teilt? Besitzerstolz kann es kaum sein. Kinder zu zeugen ist so einfach, dass es jeder Trottel schafft – die Supernanny kann ein Lied davon singen. Oder will uns die Familie in ihrem Siebensitzer einfach mitteilen, wie kreativ sie bei der Namenswahl war? Dann müsste sie konsequenterweise auch den Familiennamen auf dem Heck preisgeben. Denn Jeremy, Joshua und Shoshanna klingen mit einem Mal ganz anders, wenn sie von Breitenmoser, Rüdisüli, Hundsberger oder Müller-Kraushaar gefolgt werden. Nach wie vor warte ich jedenfalls vergeblich darauf, dass mich einer der Hecknamen genügend überzeugt, um eigens dafür ein zusätzliches Kind zu produzieren.
Spricht man einen der Heck-Benamser auf diese Unart an, erhält man als Antwort oft, es handle sich um eine Sicherheitsmassnahme. Der besorgte Familienvater will seiner Umwelt ganz einfach mitteilen, dass sich Kinder im Wagen befinden – man möge also entsprechend vorsichtig fahren. Ich bitte um Erklärung: Sind diese Leute der Ansicht, ich pflege anderen Autos mit Vollgas ins Heck zu fahren, solange keine Kinder an Bord sind? In aller Regel bemühe ich mich durchaus, den Strassenverkehr zu bewältigen, ohne meineVersicherung zu beanspruchen. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall: Nichts animiert mich mehr, dem Vordermann in den Hintern zu brettern, als diese Namenskleber.
In gewissen Fällen mögen die Aufkleber ja durchaus nützlich sein. Wird das Kind am Lichtsignal gekidnappt, wissen die Gangster gleich, was im Erpresserbrief stehen muss. Steht am Heck«Annefleur»oder«Elfen», wird ein Kidnapping allerdings ausbleiben: Niemand will Lösegeldverhandlungen mit Eltern austragen, die ihren Kindern solche Namen geben, das verspricht mehr Ärger als Profit.
Übrigens kann jeder von uns etwas gegen diese schleichende Seuche unternehmen – indem wir die mitteilungsbedürftigen Eltern mit ihren eigenen Waffen schlagen. Einfach Aufkleber produzieren lassen mit putzigen Kindergesichtlein und frei erfundenen Namen von nicht existierenden Kindern, am besten in auffälligen Kombinationen. Beispiele:«Tick, Trick & Track»,«Adolf, Joseph & Hermann»(in altdeutscher Frakturschrift geschrieben) oder«Che, Fidel & Mao». Dazu am besten noch einen dieser beliebten unnötigen Apostrophe ins Ganze einbauen (siehe Fall 49), also beispielsweise«an B’ord»– das unterstreicht den Stand der Allgemeinbildung, die im Wageninnern herrscht.
Vorgeschlagene Mordmethode: Den nackten Körper des Übeltäters flächendeckend mit so witzigen Klebern wie«Ich bremse auch für Orks»oder«I love Kampfschach»und ähnlichen bepflastern, bis die Haut nicht mehr atmen kann.
Kennen Sie den Ausdruck«nett essen gehen»? Er gehört ins Fabelreich. Wenn Sie vorhaben, nett essen zu gehen, werden Sie scheitern. Entweder ist das Essen mies, Ihr Tisch liegt direkt neben dem Durchgang zur Toilette oder in Hördistanz zur Küche, das Personal ist so unfähig wie unfreundlich – oder alles in Kombination. Im unwahrscheinlichen Fall, dass sie an einem tollen Tisch von freundlichem Personal mit hervorragendem Essen bedient werden, handelt es sich vermutlich um einen Tagtraum. Oder aber es ist Realität, doch dann lauert die grösste Gefahr von allen: Lustige Tischrunden, die in aller Regel genau dann eintreffen, wenn Sie gerade so richtig überzeugt sind, dass Sie an diesem Abend wirklich einfach mal nett essen werden. Ha!
Lustige Tischrunden sind in der Regel zwischen 8 und 20 Personen stark und sind meist besuchsweise im Ort. Vorzugsweise handelt es sich um irgendwelche Vereine, die ein Mal pro Jahr die Grenzen des eigenen Dorfes verlassen und entsprechend aufgekratzt sind. Das Sendungsbewusstsein dieser Tischrunden ist sehr gross. Sie möchten offenbar einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen in diesem Restaurant. Vom ersten Moment bis zum Verlassen des Lokals ist nur noch die lustige Tischrunde zu hören. In aller Regel sind es die Männer, die das Programm bestreiten – mit schlechten Witzen oder noch schlechteren Anekdoten aus dem eigenen Leben. Dabei scheint es ein Grundgesetz zu sein, dass eine solche Tischrunde immer einen Anführer hat, den man unschwer erkennt. Er redet unablässig, weiss alles besser, kommentiert jedes Wort eines anderen Tischrundenmitglieds umgehend und erwartet dabei ungeteilte Aufmerksamkeit. Anführer von lustigen Tischrunden sind vermutlich nicht wirklich beliebt bei der Tischrunde selbst. Es traut sich aber keiner, etwas zu sagen. Wenn der Kegelclub oder der Gesangsverein wie einst irgendwelche Barbarenhorden in fremdes Gelände einfällt, muss er das Terrain markieren. Weil das – in den meisten Fällen – glücklicherweise nicht durch das Ablassen von Urin in die Zimmerecke funktioniert, nehmen Tischrunden den Raum durch Lautstärke ein.
Was genau tun diese Tischrunden-Anführer im zivilen Leben, dann, wenn sie gerade nicht mit ihrem Verein auf Reisen sind? Schwer zu sagen. Auf ihren Besuchen in fremden Kulturkreisen offenbaren sie jedenfalls gehörige Defizite. Offensichtlich hört ihnen zuhause kein Mensch zu, niemand nimmt sie ernst. Da Tischrunden aber eine gewisse Grösse und eine gewisse Kaufkraft auf sich vereinen, müssen sie nicht damit rechnen, vom Besitzer aus dem Lokal geworfen zu werden. Und Sie selbst müssen eben einen neuen Versuch unternehmen, nett essen zu gehen.
Vorgeschlagene Mordmethode: An einen Stuhl binden und zu Tode quasseln lassen von schlechten Bauchrednern, unlustigen Komikern und Thomas Gottschalk.
Es mag fallweise Sinn machen, eine Tomate oder eine Nektarine vor dem Erwerb kurz zu prüfen, um sicherzustellen, dass das Ding nicht bereits auf dem Heimweg vor sich hin fault. Dazu reicht die optische Kontrolle manchmal nicht. Man wird zwar am Regal kritisch bis missbilligend beäugt, wenn man ein Stück Gemüse oder eine Frucht betastet, aber seien wir ehrlich: Auf dem Weg von der Produktionsstätte bis ins heimische Ladengestell sind die Dinger durch eine Million Hände gegangen – da kommt es auf eine mehr oder weniger nicht mehr an, und man tut ohnehin gut daran, sie vor dem Verzehr zu waschen.
Was aber gar nicht geht, ist diese Melonenklopferei. Ich gehe jede Wette ein: Kein einziger dieser Wichtigtuer, die mit geschlossenen Augen und hochangespanntem Gesichtsausdruck mitten in der Fruchtabteilung im Weg herumstehen und auf einer Melone herum klopfen, hat auch nur die geringste Ahnung, wie eine wohlschmeckende, im Reifeprozess perfekt positionierte Melone klingen soll. Was erwarten die? Dass ein Fanfarenkonzert oder eine Panflötenmelodie ertönt? Diese Leute haben die Technik mal irgendwo im Fernsehen gesehen oder davon gelesen und wollen nun im örtlichen Supermarkt als Melonenklangexperten gross auftrumpfen. Alles, was man mit irgendwelchen Klopfereien auf einer Melone allenfalls eruieren kann, ist, ob es überhaupt was drin hat. Wäre es möglich, durch Klopfgeräusche mehr zu erfahren, wäre das ein Fall für entsprechende Wett-Sendungen im TV.
Wo soll das Ganze enden? Möglicherweise ist die wahre Qualität einer Melone ja nur dadurch festzustellen, dass man sie dem Boden entlang rollen lässt und die Rollbahn genau beobachtet. Oder man wirft sie hoch und beurteilt den Reifegrad anhand des Zischgeräusches, das entsteht, wenn sie wieder Richtung Boden saust. Oder wie es klingt, wenn sie auf dem Boden aufschlägt. Finden wir uns doch einfach damit ab: Eine Melone hat eine Schale, man kann nicht hineinsehen, und mit diesem letzten bisschen Ungewissheit in unserem Leben müssen wir nun einmal umgehen können. Soll das Leben nicht noch das eine oder andere Rätsel für uns bereithalten?
