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Er zuckte zusammen, als ich ihn an das geflüsterte Versprechen erinnerte: nur noch die Wahrheit, keine Lügen mehr. Nur war das nicht dasselbe, keine Lügen und nur die Wahrheit, dazwischen lagen Galaxien aus Schweigen und Herunterschlucken. Tilda kämpft verzweifelt darum, Beziehung, Studium und Familie zusammenzuhalten. Zwischen unausgesprochenen Sorgen und schmerzhaften Wahrheiten gefangen, versucht sie, weiter nach vorn zu blicken. Und auch Laurie muss sich fragen, was er wirklich will: Ist es sein Traum, in San Francisco zu malen, wenn ihn so vieles daran unglücklich macht? Als er endlich eine Entscheidung getroffen hat, droht ein einziger Moment alles zu zerstören … “When We Trust” ist die finale Episode in Tildas und Lauries Geschichte.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
ALINA A.E. MAURER
A
SKY
OF
DREAMS
When We Trust
Originalausgabe
© 2026 Alina A.E. Maurer
c/o Authors' Dreams
Am Krummgewann 22
64625 Bensheim
Alle Rechte vorbehalten
Lektorat: Ineke Reichel
Umschlaggestaltung: Nadja Vieweger, unter Verwendung von Motiven von starline/Freepik und Unsplash
ISBN: 9783819495335
Veröffentlicht über tolino media
Für alle, die träumen und zweifeln. Kein Traum soll euch kaputt machen. Vertraut in euch und das, was euer Herz euch zuflüstert.
Something Great – One Direction
Rocketship – Llunr
Wilderness – Jon Bryant
Lights – BTS
Here with Me – Susie Suh und Robot Koch
Nap of a star – TOMORROW X TOGETHER
Walked Through Hell – Anson Seabra
Fix You – Coldplay
Not That Far To Go – Tommy Ashby
Second Life – SEVENTEEN
i don’t want to watch the world end with someone else – Clinton Kane
my home – AWIN
Before You – Benson Boone
Meant To Be – Ber und Charlie Oriain
ilym (feat. ROSIE) – John K
echo – Alexander Stewart
Time – The Rose
What kind of future – WOOZI
Take Me Back (Home) – Asia Faith
Old Home – beaux
Take Me Down – The Rose
Hold On – Chord Overstreet
Mechanisch fuhr ich mir mit dem Wattepad über meine Augen. Reine Automatismen, während in meinem Kopf immer wieder der Streit mit Laurie ablief, wie ein endloser Horrorfilm, aus dem ich nicht entkommen konnte.
Natürlich habe ich kein Problem damit, mir von meinem Dad anhören zu müssen, was für ein fucking Versager ich bin und meine Freundin sitzt daneben und schweigt.
Laurie hatte so verletzt geklungen. So wütend. Und mittlerweile fragte ich mich selbst, warum ich den Mund nicht aufbekommen hatte. Warum ich ihn und seinen Dad nicht einfach unterbrochen hatte. Denn egal wie sehr ich mich bemühte, ja verstellte - vielleicht war ich doch noch das liebe, nette Mädchen von nebenan. Das schwieg, anstatt zu reden.
Meine Augen brannten vom Abschminken, aber die Rötung kam nicht davon. Sondern von den Tränen, die ich vergossen hatte, kaum dass ich mich von Laurie abgewandt hatte. Stumm und heiß waren sie mir über das Gesicht gelaufen und ich hatte Jo, die zur Tür gekommen war, abgewehrt.
Ich wollte mit ihr nicht darüber reden. Auch nicht mit Dad, der angerufen und gefragt hatte, wie mein Heiligabend war. Nach Thanksgiving hätte ich darauf bestehen sollen, Weihnachten mit meiner Familie zu verbringen und nicht mit Lauries.
Ich wollte allein sein.
Nur war ich das nicht, als ich das kleine Bad endlich verließ.
Laurie saß am Bettende und blickte von seinen Händen auf, als er mich bemerkte.
Er sah genauso scheiße aus, wie ich mich fühlte: rot geränderte Augen, Flecken auf den Wangen, Haare zerzaust.
»Es tut mir leid«, krächzte er. Ich blieb stehen, drei Schritte und ein Lichtjahr von ihm entfernt. Ich wollte nicht zu ihm, obwohl es mich zu ihm trieb, als hätte er sein eigenes Magnetfeld, was mich immerzu anzog.
Aber ich war wütend.
»Alles«, fügte er hinzu.
Seine Augen waren dunkel und gebrochen, aber er hielt meinen Blick.
»Vor allem, was ich wegen Finn gesagt habe.«
Ich war die Erste, die wegsah. Die Decke musterte, ein Bohrloch anstarrte.
»Tut mir leid, dass ich Weihnachten ruiniert habe«, flüsterte er.
Meine Schultern sackten in sich zusammen. »Du hast Weihnachten nicht ruiniert. Wenn, dann war das dein Dad.«
Ein humorloses Schnauben entwich ihm und er raufte sich die Haare. »Ich hätte nicht so ausrasten sollen.« Er presste seine Zähne so fest aufeinander, dass sein Kiefer hervorstand. »Und dich nicht so anschreien. Das bereue ich am meisten.«
Ein kalter Schauer rieselte meinen Rücken hinab. Er hatte sich entschuldigt und ich glaubte ihm, sah, wie leid es ihm tat, wie sehr es ihn schmerzte. Trotzdem ließ sich der Riss in mir nicht so leicht wieder zusammenfügen.
»Warum hast du es dann getan?«, fragte ich leise.
Schweigen, auf die Hände starren. »Ich weiß es nicht«, sagte er schließlich. »Wenn etwas ist … Wenn mein Dad …« Abbrechen, Worte neu suchen. Ich hasste es, Laurie so zu sehen. »Mir wird dann alles zu viel. Deshalb bin ich raus. Deshalb wollte ich, dass du gehst. Weil ich dann so eklig werde.« Er blinzelte. »Ich hasse es, wenn ich so bin. Ich wollte dir nicht wehtun.«
»Ich weiß.« Ich fuhr über meine Oberarme, als ob ich so die Wärme zurück in meine Knochen bringen könnte. Die rote Bluse, die ich mir von Anoush geliehen hatte, war weich. War es wirklich nur einige Stunden her, dass Laurie mich an meinem Hosenbund zu sich gezogen und mir ins Ohr geraunt hatte, wie gut ich aussehen würde? Ich wollte die Zeit zurückdrehen, zu dem Moment, als am Esstisch alles aus dem Ruder gelaufen war.
Nein, das war es nicht. Ich wollte Lauries Hände an meinem Körper zurück. Ich wollte nicht mehr wütend sein.
»Ich wäre auch völlig außer mir, wenn mein Dad mir solche Dinge an den Kopf werfen würdeI«, sagte ich. »Du hast recht, ich hätte etwas sagen sollen.«
»Es ist ja nicht so, als hätte er etwas Neues gesagt«, schnaubte Laurie.
»Das bedeutet nicht, dass es weniger verletzend ist.«
Langsam ging ich auf ihn zu, aus Angst, dass er mich erneut zurückwies.
»Ich wollte nicht, dass dein Weihnachten so läuft«, sagte er, den Blick starr auf den Boden gerichtet.
»Mein Weihnachten ist nicht nur das Essen an Heiligabend.« Sanft löste ich seine Hände, die er fest in seine Haare gekrallt hatte. Er sah zu mir auf, die dunklen Augen erschreckend leer.
»Wieso bist du nie sauer auf mich?«, flüsterte er und ich versteifte mich, ließ seine Hände los. »Ich verletze dich, ständig, weil ich Scheiße baue, ständig. Aber du bist nie wütend. Du schreist mich nicht an, hältst mir nicht vor, dass ich dich schlecht behandelt habe.«
»Ich habe dich eben angeschrien, Laurie«, widersprach ich. »Und ja, vielleicht will ein Teil von mir dich weiter anschreien. Aber was bringt es uns? Außer du denkst wirklich, dass ich dich mit Finn betrügen würde.«
»Nein, natürlich nicht«, sagte er sofort. So, als ob er keine Sekunde darüber nachdenken musste. »Das war nicht fair von mir. Ich weiß nicht, wieso ich so unnötig eifersüchtig auf ihn bin.«
»Ich verstehe es, ein bisschen. Anfangs dachte ich auch, dass Louise etwas von dir will, als du mir erzählt hast, dass ihr öfter miteinander abhängt.«
»Louise?«, fragte er mit einem humorlosen Lachen.
Ich zuckte mit den Schultern. »Ja. Ich glaube, das ist in einer Fernbeziehung ganz normal, oder?«
Sein Kiefer malmte. »Ja, vermutlich.« Er hob zögerlich die Hand, schob mir eine Strähne hinters Ohr. »Ich will nichts von Louise. Ich will nur dich.«
Ich hielt seine Hand fest, damit er mein Gesicht damit umschloss. »Ich weiß. Ich will auch nur dich.«
Seine Wimpern warfen Schatten auf die hohen Wangenknochen, als er die Augen schloss.
»Es tut mir leid, dass der Streit mit Dad mich so was hat sagen lassen«, wisperte er.
»Für deinen Dad kannst du nichts, Laurie. Das ist nichts, was du verbrochen hast.«
Er entzog mir seine Hand. Stieß heftig die Luft aus. »Hör auf, mir ständig die Schuld auszureden. An Thanksgiving habe ich dich im Stich gelassen. Das war meine Entscheidung, Tilda. Genauso, wie es meine Entscheidung damals war, dich am Telefon abzuservieren.«
»Laurie …«, setzte ich hilflos an. Ich schlang meine Arme um meinen Oberkörper, wusste nicht mehr, wohin mit mir. Ich wollte nur, dass wir unseren Streit hinter uns ließen, und nicht, dass Laurie ständig ein neues Thema aufmachte.
»Ich verdiene das nicht, Tilda.« Laurie sah mich an, Verzweiflung gepaart mit Entschlossenheit wirbelte in seinen Augen. »Ich sollte dich nicht nach Lust und Laune verletzen können und wissen, dass du mir sowieso verzeihst, solange ich nur lieb genug darum bitte.«
»Wer behauptet, dass du das tust?«
Laurie gab einen frustrierten Laut von sich und sprang auf. Tigerte in seinem Zimmer auf und ab, während ich gegen den Schreibtisch hinter mir stieß und Angst hatte, auch nur einen Finger von meinen Oberarmen zu lösen, als ob ich sonst auseinanderfallen könnte.
»Ich behaupte das. Und ist das nicht völlig egal? Du weichst mir aus!«
»Weil es völliger Bullshit ist, den du da redest!« Ich wurde lauter, weil er lauter wurde.
Er blieb stehen und das war fast schlimmer als sein unruhiges Laufen vorher. Weil sich sein Blick in meinen bohrte, unaufhörlich. »Ist es das? Nenn mir ein einziges Mal, wo wir gestritten haben, Tilda. Wirklich gestritten, wo du mir nicht direkt verziehen hast, weil du gar nicht wirklich sauer auf mich warst.«
Ich dachte an die letzten Monate, an die wenigen Diskussionen - Streits, wie Laurie sie nannte -, die wir hatten. Am Strand, als ich herausfand, wieso er Schluss gemacht hatte. In San Francisco, als er mich gefragt hatte, wieso ich ihn nicht hasste. Nach unserem zweiten ersten Kuss, als ich Angst hatte, noch mal von ihm verletzt zu werden. Als sein Handy kaputt war und ich Mae nicht erreichen konnte. An Thanksgiving, als ich in meinem Bett lag und ihn so sehr vermisst hatte, dass es wehtat. Gerade auf der Straße, als er mir vorwarf, nicht für ihn da zu sein.
»Ich bin so nicht, Laurie«, sagte ich und meine Stimme zitterte. Vor Tränen oder vor Wut, die er so unbedingt von mir haben wollte, ich wusste es nicht. »Ich bin niemand, der blind wütend ist und Vorwürfe macht. Ich versuche immer, zu verstehen, wieso jemand so handelt. Und ich weiß, dass du mich nicht verletzt, weil es dir Spaß macht oder weil du es kannst.« Ich musste den Kloß in meinem Hals herunterschlucken, bevor ich weitersprechen konnte. »Oder irre ich mich da?«
»Nein«, sagte er sofort und ich glaubte ihm, weil er Laurie war.
»Nein«, wiederholte er, eine Träne löste sich aus seinem Augenwinkel und er strich sie weg. »Wenn es nach mir ginge, würde ich dich nie verletzen.«
»Dann sei ehrlich zu mir, Laurie«, sagte ich und merkte, dass das unser Problem war: Ehrlichkeit. »Denn jedes Mal, wenn du mich verletzt hast, war es, weil du mir etwas nicht gesagt hast. Nur noch die Wahrheit, weißt du noch?«
Er zuckte zusammen, als ich ihn an das geflüsterte Versprechen aus San Francisco erinnerte: nur noch die Wahrheit, keine Lügen mehr. Nur war das nicht dasselbe, keine Lügen und nur die Wahrheit, dazwischen lagen Galaxien aus Schweigen und Herunterschlucken.
»Denn wieso muss ich aus einem Streit mit deinem Dad erfahren, was du gerade an Sorgen mit dir herumschleppst?«, fragte ich, als er schwieg. Die gleiche Frage wie eben, nur dass er diesmal nicht in Abwehrhaltung ging.
Er ließ sich aufs Bett sinken, als hätte ich ihm mit der Frage jegliche Energie genommen. Nicht mehr am Fußende, wo ich mich nur nach ihm hätte ausstrecken müssen, sondern an der Seite, mit dem Rücken zu mir.
»Weil ich dich nicht verletzen wollte«, sagte er und seine Stimme brach.
»Das hat nicht so gut geklappt.« Der Satz war raus, bevor ich ihn zurückhalten konnte.
Er sackte weiter in sich zusammen. »Ich weiß.«
Auch wenn er mir genau das eben vorgeworfen hatte, ich konnte nicht anders. Ich konnte nicht am Schreibtisch bleiben, während er litt. Nicht, wenn da kein verdammtes Telefon war, was uns hunderte Meile voneinander trennte. Nicht, wenn alles in mir danach schrie, bei ihm zu sein, und ich es konnte, einfach so.
Ich setzte mich vor ihn und nahm seine Hände herunter, die er gegen seine Augen presste.
»Warum?«, fragte ich nur und er zerbrach.
»Weil ich nicht wollte, dass du dir Sorgen machst. Du solltest an der Uni ankommen und nicht daran denken, was mit mir ist. Weil ich dir nicht vorwerfen wollte, die Entscheidung für die Fernbeziehung getroffen zu haben. Denn so war es nicht, glaube ich, und das ist das Problem. Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob ich mich für die Mäzenin entschieden hätte, wenn du nicht direkt felsenfest davon ausgegangen wärst, dass ich es tue. Ich will nicht, dass du dich genauso fragst wie ich, was gewesen wäre, wenn ich mit dir mitgekommen wäre. Ob dann alles besser geworden wäre.«
Mein Herz riss bei dem ganzen Schmerz in seiner Stimme. »Laurie«, setzte ich an, doch er unterbrach mich sofort: »Und ich möchte nicht, dass du mir sagst, dass ich mir das nur einrede. Dass du das nicht denkst. Ich will, dass du ehrlich zu mir bist, egal wie weh es tut.«
Ich presste die Lippen aufeinander, die Worte erstarben mir auf der Zunge. Denn natürlich wollte ich genau das tun, was er mir vorwarf: ihm die Sorge nehmen, gut zureden, alles abstreiten.
»Hast du wirklich das Gefühl, ich habe dich dazu gezwungen?«, fragte ich schließlich, mein Kopf und mein Herz ein einziges Chaos an Gefühlen, die Frage nur eine von vielen, die in mir herumwirbelten.
»Manchmal, ja.«
Ich schluckte und wich von ihm zurück, lehnte mich mit dem Rücken gegen die Kommode hinter mir. »Bist du deswegen sauer auf mich? Redest du deshalb nicht mit mir?«
Laurie rutschte vom Bett hinunter, damit wir auf Augenhöhe waren. Sein Bein stieß gegen meines, auf dem Boden war zu wenig Platz für uns beide und einen Streitabstand. Ich war froh, denn es zeigte mir: Er war hier. Bei mir.
»Sauer nicht«, sagte er. »Aber ich hatte Angst, was du denkst, wenn ich es dir sage.«
»Also hast du stattdessen lieber gar nicht erzählt, wie es dir in San Francisco geht?«
»Ich verstehe es selbst nicht, Tilda.« Er lehnte den Kopf an die Bettkante, schloss die Augen, schluckte. Versuchte, nicht zu weinen. »Ich weiß nicht, wieso ich solche Probleme habe, in San Francisco anzukommen. Hatte«, verbesserte er sich. »Ich glaube wirklich, dass ich es langsam schaffe.« Seine dunklen Augen fanden meine und ich verstand, was er mir versuchte zu sagen: Da lagen so viele unterschiedliche Gefühle in dem Schokoladenbraun, dass ich sie nicht entziffern konnte. Dabei war Laurie immer so einfach zu lesen gewesen für mich. Und wenn ich seine Gefühle schon nicht verstand, wie konnte er es dann selbst?
»Ich vermisse dich, natürlich tue ich das. Aber mag ich deshalb San Francisco nicht? Weil ich lieber bei dir wäre?«, fuhr er fort. »Ich fühle mich schlecht, dir zu sagen, dass ich Spaß habe, dass ich die Zeit mit Zoe und Louise genieße. Denn heißt das nicht, dass ich dich irgendwie verrate? Dass du mir nicht wichtig bist, nicht wichtig genug?« Mein Hals schnürte sich mit jeder seiner Fragen enger zu. »Ich kann es nicht leiden, ständig Malen zu müssen. Diesen Druck zu haben, etwas abliefern zu müssen für die Ausstellung, egal ob ich gerade Lust habe oder nicht. Es ist nicht wie an der Uni, wo ich wenigstens etwas vorgegeben bekommen habe, ich muss mir immer wieder neue Motive ausdenken und sie müssen gut sein. Denn wenn sie nicht gut sind, bin ich es dann? Dieser Druck macht mich so fertig.« Seine Stimme brach. »Also vielleicht mag ich deshalb San Francisco nicht, weil ich nicht unter Druck malen will. Aber es war doch mein Traum. Ich war so neidisch auf Ed, also wieso liebe ich es jetzt nicht?«
»Ich weiß es nicht«, flüsterte ich. »Vielleicht musst du es auch nicht wissen.«
»Aber was mache ich dann? Mich Dad beugen und mir einen anderen Job suchen?«
Ich zuckte mit den Schultern. So eine wichtige Frage konnte ich ihm nicht beantworten. »Willst du denn aus San Francisco weg?«
Laurie überlegte lange. »Nein, irgendwie nicht. Es würde sich wie versagen anfühlen.«
»Du musst dich da nicht durchbeißen, wenn es dir nicht guttut.«
»Nein, so meine ich das nicht. Eher, als hätte ich aufgegeben, bevor ich dem Ganzen eine richtige Chance gegeben habe.«
»Damit hast du eine Entscheidung. Wenn du in San Francisco bleiben willst, wieso solltest du es dir dann schwerer machen, nur weil du denkst, ich will das so?« Ich beugte mich vor, berührte vorsichtig seine Hand, die vor ihm auf dem Holzboden lag. Wusste nicht, ob ich ihm schon nahe kommen durfte, nachdem sich diese ganzen hässlichen Wahrheiten zwischen uns ausgebreitet hatten.
»Ich will, dass du glücklich bist, Laurie«, sagte ich eindringlich. »Ob du bei mir bist oder nicht.«
Sein Daumen fuhr über meinen Handrücken. »Das fällt mir nur so verdammt schwer.«
»Glaubst du, für mich ist es einfach? Allein an der Pacific, nachdem ich mein ganzes Leben lang bei meiner Familie war? Nachdem wir uns gerade wiedergefunden hatten?« Ich folgte der Bewegung seines Daumens, beobachtete, wie sich das Deckenlicht in dem Silber seines Rings brach. »Aber ich war nicht glücklich in Lunar Creek. Ich will Astrophysik studieren. Und ich will nicht jeden Tag unglücklich in meinem Wohnheimzimmer sitzen und euch vermissen.«
»Das solltest du auch nicht«, sagte er sofort.
»Und du schon?«
Sein Mundwinkel zuckte schwach, weil er wusste, dass ich damit ins Schwarze getroffen hatte. Er zog mich näher zu sich, bis ich auf seinem Schoß saß.
»Und Laurie?« Er wollte gerade den Kopf an meiner Schulter vergraben und sah zu mir auf. »Mrs Monroe wollte dich. Du bist gut genug, egal was du manchmal denkst.«
»Sie hat mir vor einigen Wochen gesagt, dass ich mich mehr anstrengen muss. Sie bräuchte mehr von mir als nur ein oder zwei Bilder in fast zwei Monaten.«
»Hat sie das begründet?«
»Ja. Für die Ausstellung will sie um die zwanzig Stücke von mir haben. Ich verstehe es, irgendeines davon soll ja verkauft werden, am besten auch mehrere. Es ergibt Sinn, es ist nur …«
