Alarm im Darm - Volker Schmiedel - E-Book

Alarm im Darm E-Book

Volker Schmiedel

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Beschreibung

Endlich Ruhe im Bauch!

Quälender Durchfall, Verstopfung und ständiges Rumoren - die Chance ist hoch, dass auch Sie eine Fehldiagnose bekommen haben. In 90 von 100 Fällen werden bei Darmproblemen die Auslöser nicht erkannt, und dem verzweifelten Patienten wird attestiert: Organisch alles ok! Dr. Volker Schmiedel ist im Schweizer Paramed Ambulatorium mit den Schwerpunkten Ernährung und Nährstoffversorgung tätig. Er konnte zahlreichen Reizdarm-Patienten helfen - und hat auch Antworten auf Ihre Fragen:

  • Ursachen: Woher kommen meine Beschwerden? Alles über Fettverdauungsstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Bakterien und Darmpilze.
  • Diagnostik: Ist die Darmspiegelung wirklich sinnvoll? Welche Labortests bringen Klärung?
  • Prophylaxe. Helfen Bakterienkulturen oder Enzyme bei der Vorbeugung? Wie bringe ich meinen Darm nach einer Antibiotika-Einnahme wieder in Balance?

Kommen Sie den wirklichen Ursachen Ihrer Verdauungsbeschwerden auf die Spur, und fühlen Sie sich endlich wieder wohl.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Alarm im Darm

Mythos Reizdarm – was Ihrer Verdauung wirklich hilft

Dr. med. Volker Schmiedel

3. Auflage 2016

Liebe Leserinnen, liebe Leser

»Hilfe, ich bin ein Ballon!«, oder »Ich traue mich kaum noch außer Haus zu gehen« sind Äußerungen, die ich immer wieder von meinen Patienten höre. Der Leidensdruck von Menschen mit Bauchbeschwerden ist oft so groß, dass ein echter Krankheitswert vorliegt.

Die übliche Karriere eines Reizdarmpatienten sieht folgendermaßen aus: Jedem zwickt gelegentlich mal der Bauch – besonders nach dem Genuss von Sauerkraut, Zwiebeln, Bohnen oder anderen gasfördernden Lebensmitteln. Das ist völlig normal. Reizdarmpatienten leiden aber sehr stark unter ihren Beschwerden. Und irgendwann wird der Leidensdruck so groß, dass die Patienten den Hausarzt aufsuchen. Oft werden dann ein paar Medikamente ausprobiert, die bei Luft im Bauch einen gewissen Nutzen entfalten, einen entscheidenden Durchbruch erreicht man damit aber selten. Wenn der Hausarzt auch nicht mehr weiter weiß, folgt die Überweisung zum Internisten oder besser noch direkt zum Gastroenterologen.

Da der Spezialist meist nichts Organisches, also nichts »Richtiges« findet, muss folgerichtig ein Reizdarm vorliegen. Therapeutisch wird dann gar nichts unternommen, es wird im besten Fall zu Entspannungsmaßnahmen wie Yoga oder Autogenem Training geraten, mitunter verlässt der Patient die Praxis aber auch mit einem Rezept für Beruhigungsmittel sowie der Empfehlung, sich einen guten Psychotherapeuten zu suchen.

Erkennen Sie sich wieder? Dies ist die Geschichte, wie ich sie von über 90 Prozent der Patienten mit Reizdarmbeschwerden (ich betone: Reizdarmbeschwerden, nicht Reizdarmsyndrom!) zu hören bekomme. Sowohl Arzt als auch Patient denken, dass diagnostisch alles getan wurde. Und da ja »nichts« gefunden wurde, muss es doch ein Reizdarm sein. Und das ist meist ein großer Irrtum!

Dr. Volker Schmiedel

Inhaltsverzeichnis

Teil I Ursachen

1 Reizdarm – was es ist und was es nicht ist

2 Gleiche Symptome – verschiedene Ursachen

Reizdarm ist die häufigste Fehldiagnose in der heutigen Medizin. Um zum Verständnis Ihrer Beschwerden zu gelangen, bedarf es keiner belastenden Untersuchungen.

1 Reizdarm – was es ist und was es nicht ist

Wenn im Folgenden von Reizdarm die Rede ist, dann soll damit das »echte Reizdarmsyndrom« gemeint sein – im Gegensatz zum Pseudoreizdarm

Synonyme für Reizdarm:

Colon irritabile

Irritable Bowel Syndrome (IBS)

spastisches Kolon

Colica mucosa

funktionelle Darmbeschwerden

Epidemiologen (Spezialisten für statistische Erhebungen in der Medizin) behaupten, dass 15 bis 25 Prozent der Menschen in Industrienationen Reizdarmbeschwerden aufweisen. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer. Die unterschiedlichen Häufigkeiten hängen davon ab, wie stark die Beschwerden sind. Bei dieser Angabe sind auch die leichten bis mäßigen Beschwerden eingeschlossen. Nicht jeder hat dabei einen so starken Leidensdruck, dass er damit zum Arzt geht. Wirklich starke Beschwerden, die den Patienten damit in die Arztpraxis treiben, haben meiner Schätzung nach jedoch bestimmt 5 Prozent, vielleicht sogar 10 Prozent aller Erwachsenen.

In den Umfragen werden dabei stets die Reizdarmbeschwerden abgefragt. Die Diagnose »Reizdarm« darf daraus jedoch noch nicht gefolgert werden. Sie ist eigentlich eine Ausschlussdiagnose, d. h., man müsste diagnostisch alle anderen infrage kommenden Krankheiten ausgeschlossen haben – was allerdings so gut wie nie geschieht.

1.1 Schwierig zu klassifizieren: Reizdarmsymptome

Definitionsgemäß (sogenannte Rom-III-Kriterien) sprechen wir von einem Reizdarm, wenn Schmerzen oder Unwohlsein im Bauch an mindestens drei Tagen pro Monat innerhalb von drei Monaten plus zwei der unten aufgeführten zusätzlichen Beschwerden bestehen. Natürlich stehen Schmerzen und Blähungen bei Beschwerden des Reizdarmsyndroms ganz weit vorn. Das Problem ist, dass alle in der Übersicht angegebenen Symptome bei einer Schwäche der Bauchspeicheldrüse genauso wie bei einer Milchzuckerunverträglichkeit oder aber bei einer Nahrungsmittelallergie auftreten können. Anhand der Beschwerden allein sind diese Krankheiten kaum voneinander und schon gar nicht vom Reizdarm unterscheidbar – genau das macht es ja so schwierig, die richtige Diagnose zu stellen.

Zusätzliche Beschwerden bei Reizdarm:

Besserung nach Stuhlgang

Änderung der Stuhlfrequenz

Änderung von Stuhlkonsistenz oder -aussehen

Ein Reizdarm liegt aber nur dann vor, wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind. Und genau das geschieht in den wenigsten Fällen. In diesem Buch erfahren Sie, was alles Reizdarmbeschwerden verursachen kann, aber eben kein Reizdarm ist. Ein paar Besonderheiten helfen uns aber weiter: Bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche kommt es fast immer zu einem Durchfall, wenn etwa fettreiche Speisen verzehrt werden. Ebenso bei einer Milchzuckerunverträglichkeit nach Milchverzehr. Und auch Allergiker reagieren bei dem Genuss »ihrer« Lebensmittel meist mit Gasbildung und Durchfall.

1.1.1 Wechsel der Beschwerden

Gerade der Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung ist typisch, wenn auch leider nicht beweisend für den Reizdarm. Weitere Indizien, die den Verdacht auf den Bösewicht Reizdarm lenken:

kein Gewichtsverlust in den letzten Monaten/Jahren

deutliche und inadäquat erscheinende Krebsangst

keine nächtlichen Beschwerden

Beschwerden werden schlimmer bei Stress oder Konflikten

Beschwerdeverbesserung an Wochenenden oder im Urlaub

weitere funktionelle Störungen

Viele Reizdarmpatienten beschäftigen sich fast nur noch mit ihrem Darm und was ihm gut tut oder eben nicht, was kein Wunder ist, denn die Beschwerden sind zum Teil sehr unangenehm. Daher dreht sich irgendwann alles ums Essen und die dadurch vielleicht ausgelösten Beschwerden. Oft haben die Patienten auch Angst, dass es Krebs sein könnte (obwohl doch die drei Darmspiegelungen in den letzten fünf Jahren nichts dergleichen ergeben haben).

Reizdarm führt nur selten zu einer Gewichtsreduktion – und wenn, dann nur weil der Patient sich kaum noch traut, irgendetwas zu essen. Wenn Sie aber beispielsweise 6 kg im letzten halben Jahr abgenommen haben, ohne dass Sie Ihre Nahrungszufuhr eingeschränkt haben, muss unbedingt nachgeschaut werden, ob eine organische Erkrankung dahintersteckt. Dann muss der Stuhl auf den Fettgehalt untersucht werden, dann kann auch einmal eine Darmspiegelung angezeigt sein, um einen Tumor auszuschließen. Und es können gegebenenfalls auch andere bildgebende Verfahren nötig sein, um organische Erkrankungen auszuschließen, z. B. CT, MRT.

Reizdarmpatienten haben einen Pferdemagen

Wussten Sie das? Einem Menschen bescheinigt man einen Pferdemagen, wenn er praktisch alles verträgt. Dabei ist der Verdauungstrakt der vierbeinigen Reittiere recht sensibel – eben wie beim Reizdarm. Menschen mit einem angeblichen Pferdemagen müsste man hingegen eigentlich einen Geierdarm attestieren. Diese Aasfresser verdauen wirklich nahezu alles und müssen auch mit bakteriell verseuchter Nahrung gut fertigwerden.

1.1.2 Der Reizdarm lässt Sie nachts in Ruhe

Wenn Sie z. B. eine Fettverdauungsstörung haben und abends fettreich essen, dann ist Ihre Nacht gelaufen. Die Gasproduktion in Ihrem Darm wird Sie kaum zur Ruhe kommen lassen. Der Reizdarm lässt Sie hingegen nachts meist gut schlafen, jedenfalls was das Gas angeht. Was macht Ihr Darm, wenn Sie mal nachts um drei Uhr aufwachen? Wie fühlt sich der Bauch an, wenn Sie morgens aufstehen und noch nicht gefrühstückt haben? Der Reizdarm lässt sie nachts und früh morgens meist in Ruhe, wird aber in der Regel im Tagesverlauf immer gereizter.

Stress mag er schon gleich gar nicht. Ein schwieriges Kundengespräch, Druck vom Chef oder ein Streit mit dem Partner steigert Ihre Beschwerden? Am Wochenende, im Urlaub oder durch Entspannungsübungen wird es deutlich besser? Das könnte auf einen Reizdarm hindeuten. Auch wenn weitere funktionelle Störungen vorliegen, steigert dies die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen des Reizdarms. Ich drücke mich hier bewusst so vorsichtig aus.

Kein Symptom allein beweist den Reizdarm. Und leider können wir auch nicht sagen, dass der Reizdarm gesichert ist, wenn Sie z. B. vier der aufgeführten Symptome aufweisen. Aber je besser Sie sich in der Liste wiederfinden, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass doch ein »richtiger« Reizdarm vorliegt.

1.2 Ursachen für einen Reizdarm

Ebenso können andere funktionelle Störungen darauf hinweisen, dass eben auch im Darm eine funktionelle Störung vorliegt. Von einer funktionellen Störung sprechen wir, wenn keine organische Ursache den Beschwerden zugrunde liegt. Ein Beispiel hierfür ist: Wenn Sie Harndrang und Brennen beim Wasserlassen haben, denken wir natürlich an einen Harnwegsinfekt. Lassen sich aber auch bei wiederholten Untersuchungen keine Bakterien im Urin nachweisen, wird die Diagnose »Reizblase« gestellt. Vergleichbar ist dies mit der Situation, wenn jemand Herzbeschwerden hat, die an eine Verengung der Herzkranzgefäße denken lassen, die kardiologischen Untersuchungen wie Belastungs-EKG oder sogar Herzkatheter aber keinen pathologischen Befund ergeben. Dann muss ernsthaft an funktionelle Herzbeschwerden gedacht werden.

In der Regel leiden Patienten mit funktionellen Beschwerden genauso unter ihrer Erkrankung wie Patienten mit organischen Krankheiten, und sie bilden sie sich auch nicht ein oder simulieren sogar (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Symptome außerhalb des Darms, die oft gleichzeitig auftreten:

Schlafstörungen

Erschöpfung

Kopfschmerzen

Rückenschmerzen

Angststörungen

Depressionen

Reizblase

Reizmagen

Menstruationsbeschwerden

funktionelle Herzbeschwerden

Fibromyalgie

Organische Krankheiten (also z. B. Bakterien im Urin oder eine Verengung der Herzkranzgefäße) sind »richtige Krankheiten«. Funktionelle Krankheiten sind psychisch, eingebildet, neurotisch, hypochondrisch oder der Patient simuliert sogar. Oder?

1.2.1 Sensibler Magen-Darm-Trakt

Das Problem bei funktionellen Störungen ist, dass die Beschwerden subjektiv sind, sie sind also nicht objektiv zu beweisen. Die Ursachen sind nicht einfacher, sondern komplexer Natur. Es heißt eben nicht:

Bakterien im Urin → Harnwegsinfekt

Beim Reizdarm, der funktionellen Störung des Darms, stehen verschiedene Mechanismen im Verdacht, an der Auslösung oder Verstärkung der Beschwerden beteiligt zu sein. Ein Aspekt des Reizdarms scheint eine sogenannte viszerale Hypersensibilität zu sein, also eine Überempfindlichkeit der Eingeweide. Ein interessanter Versuch stützt diese These: Dazu pumpte man gesunden Versuchspersonen eine definierte Menge Luft mit einem Schlauch in den Darm. Nun sollten sie die subjektiven Beschwerden im Bauch beschreiben. Patienten mit Reizdarm wurde dieselbe Luftmenge verabreicht. Sie gaben aber viel stärkere Beschwerden an. Reizdarmpatienten bilden sich die Beschwerden also nicht ein, nehmen aber einen störenden Reiz viel empfindlicher wahr.

Eine andere Hypothese geht von einer Störung des vegetativen Nervensystems aus. Das vegetative Nervensystem steuert unbewusste Funktionen wie Schwitzen, Mundtrockenheit, Schnelligkeit des Herzschlags und eben auch die Tätigkeit von Darm und Blase. Jeder, der schon einmal Muffensausen hatte, weiß, dass Angst zu einem verstärkten Harndrang oder sogar zu Durchfall führen kann, schließlich heißt es auch »sich vor Angst in die Hose machen«. Reizdarmpatienten sind viel sensibler, ihr vegetatives Nervensystem lässt sich leichter aus dem Gleichgewicht bringen.

Es existiert tatsächlich, das Bauchhirn

Wussten Sie, dass es im Bereich des Darms mehr Nervenzellen als im gesamten Rückenmark gibt? Dass die Nerven des Darms mehr Serotonin produzieren als das gesamte Gehirn? Wissenschaftler sprechen heute völlig richtig von unserem Bauchhirn. So erfahren Entscheidungen, die »aus dem Bauch heraus« getroffen werden, eine wissenschaftliche Begründung. Unser Bauch beeinflusst mit der Produktion von Hormonen – allen voran das Glückshormon Serotonin – stärker das Gehirn als dieses umgekehrt den Darm steuert! Wie gut wir uns fühlen, hängt in großem Maße also wirklich vom Bauch ab.

Ein Serotoninmangel erzeugt oder verstärkt umgekehrt aber auch die Symptome eines Reizdarms.

1.3 Gestörte Darmflora und Darmpilze

Die Darmflora scheint eine große Rolle zu spielen. Ungleichgewichte der Verteilung der Darmbakterien begünstigen möglicherweise das Auftreten eines Reizdarms. Dies ist besonders dann bedeutsam, wenn der Reizdarm nach einem Darminfekt (z. B. Sommer- oder Reisedurchfall) oder nach einer Behandlung mit Antibiotika auftritt, die die Darmflora beeinträchtigt. Gelegentlich liest man im Zusammenhang mit der Darmflora vom Mikrobiom. Dieses bezeichnet den Genpool aller Mikroorganismen, die den Menschen (z. B. im Darm oder auf der Haut) besiedeln. Lesen Sie Näheres zur Darmflora im Kapitel » ▶ Probleme durch Infektionen und Antibiotika«.

Es gibt nicht die eine Ursache, die den Reizdarm allein zu erklären vermag, wir kennen aber mittlerweile doch einige Faktoren, die ihn zumindest begünstigen. Und damit haben wir dann auch Ansätze für eine ▶ Therapie.

Vor einigen Jahren schwappte eine regelrechte Pilzwelle durch das Land. Fast alle Krankheiten – von Allergien bis Zerebralsklerose (Gehirnarterienverkalkung) – sollten von Darmpilzen verursacht werden. Auf der anderen Seite standen Internisten/Gastroenterologen, die behaupteten, Pilze im Darm haben gar keine Bedeutung, sie gehören sogar zur normalen Flora.

Wir nehmen ständig mit unserer Nahrung auch Pilze auf, von denen einige die Passage unseres Magen-Darm-Kanals nicht nur überleben, sondern sich dort auch in begrenztem Umfang vermehren können. Bei einer Stuhlanalyse mit Pilzbestimmung lassen sich diese Pilze – meist handelt es sich um Hefepilze der Gattung Candida – dann auch nachweisen. Eine Besiedelung ist aber noch keine Infektion. Auch im Stuhl von Angehörigen von Naturvölkern findet man mitunter solche Pilze. Diese Argumente verwenden auch die Gegner der Pilzhypothese. Was sie verschweigen ist aber die Tatsache, dass die Keimzahlen bei einer solchen natürlichen Pilzbesiedelung tausend oder zehntausend Keime pro Gramm niemals übersteigen. Bei einigen Menschen findet man aber eine Million oder zehn Millionen Keime pro Gramm.

Eine Million oder zehn Millionen Keime sind natürlich nicht normal, weswegen die Pilzgegner – meist sehr naturheilkundlich orientierte Therapeuten – etwas gegen die Pilze unternehmen. Erstaunlicherweise greifen Sie dabei aber zur chemischen Keule und wollen die Pilze damit auslöschen. Sie bedienen sich dabei des Antimykotikums Nystatin, welches zwar vom Darm praktisch nicht aufgenommen wird, aber nichtsdestotrotz ein gegen Pilze gerichtetes Antibiotikum ist, welches niemals ohne eine zwingende Notwendigkeit eingesetzt werden sollte. Und diese besteht bei einer Pilzbesiedelung nicht immer, selbst wenn die Keimzahlen sehr hoch sein sollten.

Mykose – was ist das?

Unter einer Mykose verstehen wir eine Infektion mit Pilzen. Eine Infektion hat aber immer einen Krankheitswert. Der Nachweis einer bloßen Besiedelung stellt noch keine Mykose und schon gar keine behandlungsbedürftige Krankheit dar. Beispiel: Bei einem Abstrich an Ihrer Rachenschleimhaut wird man eine Vielzahl von Keimen finden, darunter möglicherweise sogar pathogene Keime, also Krankheitserreger. Trotzdem wird Ihr Arzt diese Besiedelung niemals antibiotisch behandeln wollen – wenn die Keimzahlen nicht sehr hoch sind und Sie gleichzeitig Halsschmerzen und andere Entzündungszeichen aufweisen. Dasselbe gilt für die Pilze.