Albrecht der Bär - Lutz Partenheimer - E-Book

Albrecht der Bär E-Book

Lutz Partenheimer

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Beschreibung

Für seine Zeitgenossen war er ein wahrhaft kluger Zeitgenosse. Als »Slawenschlächter« sehen ihn heute manche Laien. Oder verkörperte er einfach das Start-up Brandenburgs? 2020 jährte sich der Todestag Albrechts des Bären zum 850. Mal. Er kam aus Ballenstedt am Harz, gehörte dem deutschen Fürstenhaus der Askanier an und wurde der erste Markgraf von Brandenburg.

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Seitenzahl: 150

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Lutz Partenheimer

Albrecht der Bär

und die Entstehung Brandenburgs

Märkische Lebensläufe

Band 1

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

2. Auflage 2022

© 2021 Ammian Verlag

Inhaber: Marcel Piethe, Rahnsdorfer Str. 26, 12587 Berlin.

Redaktionsschluss: November 2021

Redaktion: Marcel Piethe

Umschlag und Satz: typegerecht berlin

Herstellung: Manuel Lindinger, vormals Die Mark Brandenburg. Verlag für Regional- und Zeitgeschichte

Gedruckt in der EU

ISBN: 978-3-948052-15-7

eISBN: 978-3-948052-63-8

www.ammian-verlag.de

Inhalt

Geleitwort

Vorwort

Späte Ehrungen des Markgrafen

Die Bedeutung des Markgrafen

Die Abstammung

Im Gebiet der Elbslawen

Graf von Ballenstedt und Markgraf der Lausitz

Markgraf der Nordmark

Herzog von Sachsen

Der Wendenkreuzzug

Aschersleben

Polen und Pommern

Die Übernahme der Brandenburg

Die Wiederaufrichtung des Bistums Havelberg

Der askanische Besitz in der Altmark

Albrechts Kampf mit Heinrich dem Löwen und dessen Stärkung durch Friedrich Barbarossa

Askanier und Wettiner

Verlust und Rückeroberung der Brandenburg

Der Zehntstreit

Erster Markgraf von Brandenburg

Der Beginn der Kolonisation

Das Brandenburger Domkapitel und die Leitzkauer Untervogtei

Der Bau des Brandenburger Domes

Kämpfe Heinrichs des Löwen mit Slawen und Sachsen sowie die Entstehung Mecklenburgs

Die Havelberger Domweihe

Schlussbetrachtung und Ausblick

Die auf Albrecht den Bären zurückgehenden Linien der Askanier

Der Name „Askanier“

Exkurse

Literatur

Personen- und Ortsregister

Bildnachweis

Der Autor

Geleitwort

Als Chef des Hauses Anhalt-Askanien freue ich mich besonders über dieses Buch. Dass mein im 12. Jahrhundert lebender Vorfahre Albrecht der Bär nicht in Vergessenheit geriet, verdanken wir vor allem dem Autor Dr. Lutz Partenheimer. Er ist ein ausgewiesener Fachmann für die mittelalterliche Geschichte Brandenburgs und Anhalts sowie der wohl beste Kenner der Vita des Markgrafen. Deswegen schlug ich ihn auf Empfehlung einiger seiner damaligen Studenten, die er in Seminaren und auf zahlreichen Exkursionen mit den frühen Generationen meiner Familie und ihren Landesherrschaften bekannt gemacht hatte, im April 2016 auf Schloss Ballenstedt zum Ritter des Askanischen Hausordens Albrecht der Bär. Dieser 1170 gestorbene Fürst legte den Grundstein für die Entstehung der Mark Brandenburg und der heutigen Bundeshauptstadt Berlin.

Für uns Askanier gehört Albrecht zu den wichtigsten Vorfahren. Auf ihn gehen alle Linien unseres Hauses zurück. Unsere mittelalterliche Dynastie begann mit den Grafen von Ballenstedt und Anhalt, gewann immer mehr an Macht und verzweigte sich zu den Markgrafen von Brandenburg, den Grafen von Weimar-Orlamünde, den Herzögen und Kurfürsten von Sachsen (Wittenberg), den Herzögen von Sachsen (Lauenburg) sowie den Fürsten, dann Herzögen von Anhalt. Diese letzte Linie der Askanier regierte Anhalt bis 1918.

Zu seinem 850. Todestag am 18. November 2020 gab es mehrere Projekte, die nun an Albrecht, den Grafen von Ballenstedt und Aschersleben und ersten Markgrafen von Brandenburg, erinnern: 2019 fand auf Schloss Ballenstedt eine Tagung statt, im Hof der Anlage wurde ein Denkmal Albrechts des Bären enthüllt und im Mai 2021 eine neue Ausstellung im Bereich der Gruft eröffnet.

Im Jahre 1994 erschien der erste Aufsatz unseres Autors, des Historikers Lutz Partenheimer von der Universität Potsdam, in dem er sich mit Albrecht dem Bären beschäftigte. 2001 veröffentlichte er eine Biographie des Markgrafen. Nun liegt uns hier auf Bitten des Verlages aus der Feder des Autors ein kleineres Buch über Albrecht vor, das in erster Linie für ein breiteres Publikum gedacht ist. Ich hoffe, dass es Lutz Partenheimer dadurch gelingt, viele Menschen, die mehr über die hochinteressanten Anfänge der brandenburgischen und der anhaltischen Geschichte erfahren wollen, an das spannende Leben Albrechts des Bären heranzuführen.

Daher wünsche ich diesem Buch viel Erfolg und zahlreichen Lesern viel Freude daran!

Eduard Prinz von Anhalt Herzog zu Sachsen

Vorwort

Am 18. November 2020 jährte sich der Todestag Albrechts des Bären zum 850. Male. Vor allem den geschichtsbewussten Menschen in Brandenburg (Berlin selbstverständlich eingeschlossen) und Sachsen-Anhalt ist dieser im 12. Jahrhundert lebende Angehörige des deutschen Fürstenhauses der Askanier als Graf von Ballenstedt und Aschersleben, hauptsächlich aber als erster Markgraf von Brandenburg bekannt. Anlässlich des Jubiläums gab es eine Reihe von bereits im Geleitwort genannten Projekten. Allerdings scheiterte die seit 2013 geplante Aufstellung einer Kopie der Statue des Markgrafen, die von 1906 bis 1917 vor der Kirche in Werben (Elbe) stand, 2020 im letzten Moment am dortigen Stadtrat, obwohl der das Vorhaben zunächst mehrfach beschlossen hatte. Dafür erschien im vorigen Jahre der Band, der die Vorträge der Ballenstedter Tagung von 2019 enthält. Außerdem wurde am 20. September 2020 der „Albrechtsweg“ eröffnet, der als 17 Kilometer langer Rundkurs von Ballenstedt zur Ruine der Burg Anhalt und zurück führt.

Als mich Marcel Piethe vom Verlag „Die Mark Brandenburg – Verlag für Regional- und Zeitgeschichte“ am 13. April 2021 bat, ein kleines Buch über den Markgrafen für einen breiteren Leserkreis zu verfassen, ließ ich alles liegen und begann sofort zu schreiben.

Ich danke Prof. Dr. Christina Meckelnborg sowie Dr. Detlev Zimmermann für Hinweise, meinem Freund Ralf Zimmer für seine Unterstützung bei der Erstellung des Registers und dem Verleger Marcel Piethe für dessen Engagement. Bei der Beschaffung der Abbildungen halfen mein Freund Stefan Luboschik, Karl-Heinz Meyer, Dr. Frank Reisberg, Reinhard Schmitt und Michael Schnelle, außerdem das Landesarchiv Sachsen-Anhalt, das Domstiftsarchiv in Brandenburg an der Havel, das Stadtarchiv Goslar, das Zentrum für Mittelalterausstellungen Magdeburg und das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege.

Auch dafür danken Verlag und Autor.

Dieses Buch ist Seiner Hoheit, dem Prinzen Eduard von Anhalt, Herzog zu Sachsen, Großmeister des Askanischen Hausordens Albrecht der Bär, zum 80. Geburtstag am 3. Dezember 2021 gewidmet.

Potsdam, am 17. August 2021 Lutz Partenheimer

Späte Ehrungen des Markgrafen

Der Hausorden Albrechts des Bären

Im Februar des Jahres 1837 stifteten die Herzöge Heinrich von Anhalt-Köthen (1830–1847), Alexander Carl von Anhalt-Bernburg (1834–1863) und Leopold IV. Friedrich von Anhalt-Dessau (1817–1871) den „Herzoglich Anhaltischen Gesamthausorden Albrechts des Bären“. Allerdings trägt die Gründungsurkunde als Datum den 18. November 1836. Das war der 666. Todestag des Ordenspatrons. 800 Jahre zuvor, 1036, erschien in den schriftlichen Quellen erstmals ein Graf Esico, das älteste namentlich bekannte Mitglied des deutschen Fürstenhauses der Askanier, zu dem Albrecht der Bär und die Herzöge von Anhalt gehören. Doch an Esico dachte man bei der Stiftung wohl weniger. Eher dürfte von Bedeutung gewesen sein, dass Herzog Wilhelm von Braunschweig (1830/31–1884) am 25. April 1834 den „Herzoglich Braunschweigischen Hausorden Heinrichs des Löwen“ gegründet hatte. So setzte sich die im 12. Jahrhundert bestehende Rivalität zwischen Albrecht dem Bären und Heinrich dem Löwen in abgeschwächter Form fort.

Das Vorbild solcher Hausorden sind die Ritterorden, die dem Schutz der christlichen Reiche dienten, die im Zusammenhang mit dem ersten Kreuzzug (1096–1099) im Heiligen Land entstanden waren. Mit der Aufnahme ehrten die Fürsten fremde Herrscher sowie Generäle, Offiziere, seit dem 19. Jahrhundert auch Wissenschaftler, Lehrer, Beamte und Künstler, die sich um Land und Dynastie verdient gemacht hatten. Die Mitglieder waren zudem ihren Regenten in besonderer Weise verpflichtet. Bekannt ist der „Hohe Orden vom Schwarzen Adler“ (Schwarze Adlerorden), den Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (1688–1713) am 17. Januar 1701, dem Vortag seiner Selbstkrönung zum König in Preußen, stiftete.

Abb. 1: Askanischer Hausorden, Ordensdekorationen

Prinz Eduard von Anhalt, Herzog zu Sachsen, der Chef des Hauses Anhalt-Askanien, erneuerte den seit 1863 „Herzoglich Anhaltischer Hausorden Albrechts des Bären“ genannten Orden als dessen Großmeister 2008/2016 unter dem Namen „Askanischer Hausorden Albrecht der Bär“. Von diesem stammt Prinz Eduard in 23. Generation in direkter männlicher Linie ab; er ist der Sohn Joachim Ernsts, des letzten Herzogs von Anhalt (13.9.–12.11.1918).

Denkmäler

Unter Kaiser Wilhelm II. (1888–1918) erhielt der Gründer der Mark Brandenburg gleich mehrere Standbilder. 1894 fand eine Bronzestatue Albrechts des Bären ihren Platz in Berlin an der Fischerbrücke zwischen der Fischerinsel und dem Mühlendamm. Auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers schuf sie Johannes Boese. Weil 1936 ein Ausbau des Mühlendammes begann, kam das Denkmal zwei Jahre später ins Märkische Museum und wurde 1945 oder 1946 eingeschmolzen.

Die Statue gefiel Wilhelm II. so gut, dass er 1895 an seinem Geburtstag, dem 27. Januar, verkündete, Berlin marmorne Standbilder der brandenburgisch-preußischen Herrscher von 1157 bis 1888 zu schenken. Den Auftrag zur Gestaltung Albrechts des Bären erhielt auf Wunsch Seiner Majestät Walter Schott. Wilhelm II. zeichnete dafür Kostümstudien, die er dem Bildhauer überreichte. Die Enthüllung des Denkmals erfolgte 1898 in der 1873 im Berliner Tiergarten angelegten Siegesallee. 1930 schrieb Walter Schott: „Da von […] Albrecht dem Bären nur ein Siegel existierte, das ebenso gut ein Pfund Wurst wie ein Gesicht darstellen konnte, habe ich bei Albrecht dem Bären ein ganz klein bißchen in den Spiegel geguckt und meinen Kopf verwandt.“

Dem Gründer der Mark Brandenburg gegenüber stand das letzte der Denkmäler, von denen sich je 16 zu beiden Seiten der Siegesallee befanden. Es war eine 1901 enthüllte Statue Kaiser Wilhelms I. (1861–1888), des Gründers des Deutschen Kaiserreiches (1871) und Großvaters Wilhelms II. Heute sind die Skulpturen auf der Zitadelle Spandau zu sehen.

1899 errichtete man im ehemaligen Stadtpark von Ballenstedt auf dem kleinen Ziegenberg ein Bronzedenkmal Albrechts des Bären von Arthur Schulz. Die Höhe betrug mit dem Sockel sieben Meter. Das Schwert war eine genaue, allerdings vergrößerte Nachbildung der Waffe, die 1880 bei der Entdeckung des wahrscheinlichen Grabes des Markgrafen in seinem Sarkophag gelegen hatte.

Abb. 2: Denkmal Albrechts des Bären von Walter Schott (Berliner Siegesallee)

Abb. 3: Denkmal Albrechts des Bären in der Berliner Siegesallee (heute Zitadelle Spandau)

Abb. 4: Denkmal Albrechts des Bären in Ballenstedt (1899)

Die Skulptur verschwand 1951 und wurde wohl eingeschmolzen. 1997 stellte Ballenstedt eine Sandsteinkopie von Frithjof Meussling auf, die allerdings bald darauf Schäden durch Vandalismus erlitt. 2020 erfolgte eine Sanierung.

1905 schenkte der Kaiser der Stadt Werben in der Altmark zur Feier des 900. Jubiläums ihrer ersten schriftlichen Erwähnung ein Bronzedenkmal Albrechts des Bären. Es handelte sich um eine Kopie der Marmorstatue in der Berliner Siegesallee. Die 1906 enthüllte Replik wurde 1917 zum Einschmelzen für die Kriegsproduktion abgebaut. Doch dazu kam es nicht. Noch 1931 hätten die Werbener ihren Albrecht wieder zurückholen können, was sie aber ablehnten. So schmolz man das Denkmal schließlich doch ein. Seit 2013 verfolgten engagierte Männer aus der Region im Arbeitskreis „Albrecht der Bär“ und vom Altmärkischen Heimatbund den Plan, 2020 eine Nachbildung in Werben aufzustellen. Der Stadtrat beschloss das Projekt 2014 und 2018, verwarf es aber im letzten Moment. Die Mehrheit der Werbener Stadtväter ließ sich offenbar von einer Handvoll Wochenend-Werbenern ins Bockshorn jagen, die Albrecht den Bären plötzlich als „Slawenschlächter“ brandmarkten. Das beweist, dass sie sich nie tiefgründig mit ihm beschäftigten. Aber wie recht häufig (und das nicht nur in der Politik) entsteht auch hier der Eindruck, dass auf der soliden Basis fehlender Sachkenntnis ein geradezu erstaunliches Sendungsbewusstsein erwuchs, das Fachleute den Kopf schütteln lässt und andere einschüchtert. Obendrein scheint die Mehrheit des Stadtrates die Bedeutung Albrechts des Bären für die Region kaum erfasst zu haben. Dabei verwiesen die Vorträge einer Tagung in dem Ort 2014 auf seine diesbezüglichen Leistungen. Und nun will Werbens Bürgermeister auch noch das Gelände der Komturei verschleudern.

Abb. 5: Denkmal Albrechts des Bären in Werben an der Elbe (1906–1917)

Im Vergleich dazu lässt Arneburg gerade ein Denkmal des ostfränkischen Königs Heinrich I. (919–936) durch Eckhard Herrmann gestalten. Anlass ist die angeblich von Heinrich 925 befohlene Errichtung der Arneburg. Allerdings müssten das die braven Arneburger mit zeitgenössischen Urkunden oder Chroniken belegen – was ihnen jedoch kaum gelingen dürfte, weil es solche Quellen nicht gibt. Hier hätte ein Blick in das Historische Ortslexikon der Altmark geholfen. Die Arneburg erscheint schriftlich erstmals zu 978, weil die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg für dieses Jahr den Tod eines Grafen von Arneburg verzeichnet. Da der Autor an dem Werk bis zu seinem Tod 1018 arbeitete, könnte er die betreffende Information noch kurz vor dem Ableben notiert haben. Gesichert ist allerdings der Aufenthalt Kaiser Ottos III. (983–1002) im Juni 997 auf der Arneburg, weil er dort damals mindestens drei Urkunden ausfertigen ließ. Und das ist 2022 immerhin 1025 Jahre her. Man könnte also auf der Arneburg schnell noch ein Denkmal Kaiser Ottos III. aufstellen.

Im Ballenstedter Schlosshof steht seit 2019 eine Bronzestatue Albrechts des Bären von Jochen Müller – allerdings neben dem Sockel …

Abb. 6: Denkmal Albrechts des Bären auf dem Ballenstedter Schlosshof (2019)

Abb. 7: Erste Selbstbezeichnung Albrechts des Bären als Markgraf von Brandenburg, 3.10.1157

Die Bedeutung des Markgrafen

Zu Zeiten Kaiser Friedrichs I. Barbarossa (1152–1190) ließ im deutschen Königreich ein Fürst erstmals eine Urkunde als Markgraf von Brandenburg ausstellen (ego Adelbertus Dei gratia marchio in Brandenborch – „ich, Adelbert, durch Gottes Gnade Markgraf in Brandenburg“). Das Schriftstück wurde am 3. Oktober 1157 in Werben an der Elbe in der Altmark aufgesetzt. So heißt diese Landschaft in den Quellen allerdings erst seit dem 14. Jahrhundert. Bis 1815 gehörte die Altmark zur Mark Brandenburg. Wie fast im gesamten Mittelalter – worunter man meist die Zeit zwischen 500 und 1500 versteht – üblich, schrieb ein Geistlicher den Text der Urkunde mit Feder und Tinte in lateinischer Sprache auf Pergament, also bearbeitete Tierhaut. Vielleicht gehörte er zur Begleitung Bischof Walos von Havelberg (1155–1177/78). Der erscheint als erster der Zeugen, deren Namen und Titel häufig (gestaffelt nach ihrem Rang) am Ende solcher Dokumente stehen. In jener Zeit lernten in der Regel nur angehende Geistliche lesen und schreiben. Die beiden uns heute selbstverständlich erscheinenden Fähigkeiten fehlten also fast allen anderen Menschen – auch den meisten Kaisern, Königen und Fürsten –, was sie aber kaum gestört haben dürfte. Dieser Zustand scheint in unseren Tagen zurückzukehren …

Ob es noch ältere Urkunden Albrechts des Bären gab, in denen er sich als Markgraf von Brandenburg bezeichnen ließ, wissen wir nicht. Das Originalpergament vom 3. Oktober 1157 ist verschollen. Wir kennen seinen Wortlaut aber, weil er im 15. Jahrhundert im Kloster Ilsenburg am Harz in ein sogenanntes Kopialbuch eingetragen wurde, das heute in Wernigerode liegt. Mit solchen Abschriften wollten die Mönche für den Fall des Verlustes von Urkunden, z. B. durch Plünderungen oder Brände, die Texte der Verleihungen von Besitzungen und Privilegien sichern, die sie im Laufe der Zeit erhalten hatten. Albrecht der Bär war Vogt dieses Klosters, das auch Güter in der Altmark besaß, um die es in dem Dokument ging. Offenbar hatte sie der Konvent, also die Gemeinschaft aller Brüder in Ilsenburg, vom Markgrafen erhalten. Der sollte als Vogt dieses Kloster, aber auch andere, für die er das gleiche Amt versah, beschützen. Außerdem war er der Richter der Bauern, die in den Dörfern lebten, die dem Konvent gehörten. Das damalige Recht verband die verhängten Strafen häufig mit Blutvergießen. Sie wurden öffentlich vollzogen und sollten abschreckend wirken. Daher fällten in der Regel keine Geistlichen – wie der Abt eines Klosters – solche harten Urteile. Damit aber Bauern bei Vergehen die dafür vorgesehenen Strafen auch erhielten, wenn sie auf Gütern kirchlicher Einrichtungen arbeiteten, übten für diese weltliche Adlige als Vögte das Amt des Richters aus.

Weniger die zunächst noch recht bescheidenen Anfänge der auf slawischem Boden entstandenen Mark Brandenburg sichern Albrecht dem Bären aus dem deutschen Fürstenhaus, das man später „Askanier“ nannte, einen Platz unter den „Männern, die Geschichte machen“ (Heinrich von Treitschke). Deren Handlungsspielraum wird natürlich von anderen Gewalten, die ihre Ziele verfolgen, beeinflusst. Zu ihnen gehörten damals der König, benachbarte Fürsten, Bischöfe, weitere Adlige, andere Linien der eigenen Familie usw. Und wie sie war selbstverständlich auch Albrecht der Bär bei der Durchsetzung seiner Pläne und der Abwehr der diesen zuwiderlaufenden Handlungen anderer Herrschaftsinhaber von den militärischen, finanziellen sowie wirtschaftlichen Möglichkeiten abhängig, die ihm zur Verfügung standen.

Abb. 8: Kloster Ilsenburg

Die bei ihrer Gründung noch recht kleine Mark Brandenburg sollte sich bald zum bedeutendsten Fürstentum im Nordosten des deutschen Königreiches entwickeln. Albrechts Nachfolger erweiterten ihr Territorium bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts über die Oder nach Osten, auch nach Norden und Nordosten. Im genannten Zeitraum erreichten die Markgrafen von Brandenburg sogar die Aufnahme in die Gruppe der sieben Kurfürsten. Auf diese hatte sich von 1198 bis 1298 das Recht zur Wahl des deutschen Königs eingeengt. Die bekannte Goldene Bulle, eine Urkunde Kaiser Karls IV. (1346–1378) aus dem Jahre 1356, schuf das Kurfürstenkollegium nicht, sondern bestätigte es.

Lange danach gelang den Markgrafen von Brandenburg eine Erwerbung, die die Grundlage für ihren weiteren Aufstieg bilden sollte. Inzwischen beherrschte eine andere Dynastie das Land. Es war nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier 1320 von König Ludwig IV. (1314–1347) aus dem Hause der bayerischen Wittelsbacher 1323 seinem ältesten Sohn gegeben worden. Diesem folgten nacheinander zwei Brüder als Markgrafen. Dem Letzten nahm Karl IV., ein Luxemburger, das Territorium 1373 ab, um es seinen Söhnen zu verleihen. Einer von ihnen, König Sigismund (1410/11–1437), erhob den Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg († 1440) 1415 zum Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg. Der gehörte zum Hause Hohenzollern, das die Mark bis 1918 regierte.

Obwohl das Land immer wieder schwierige Zeiten erlebte, gelang Friedrichs Nachfolgern ein steiler Aufstieg: 1618 fiel ihnen das Herzogtum Preußen (Ostpreußen) mit der Hauptstadt Königsberg zu, weil damals dessen Regent, der zu einer anderen Linie der Hohenzollern gehörte, ohne Söhne starb. Dieses Territorium lag außerhalb des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation). Als später Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (1688–1713) König werden wollte, ja aus seiner Sicht musste – schließlich trug Kurfürst August der Starke von Sachsen (1694–1733) aus dem Geschlecht der Wettiner seit 1697 die polnische Krone –, nannte er sich ab 1701 König Friedrich I. in Preußen, nicht König von Brandenburg. Denn der Regent Brandenburgs war zumindest von Rechts wegen immer noch ein Vasall des deutschen Königs und Römischen Kaisers. Über dem Herzog von Preußen aber stand niemand, nachdem Friedrichs Vater, Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst (1640–1688), 1657/60 die polnische Lehnshoheit über Ostpreußen beendet hatte. Der neue Titel lautete „König in Preußen“, weil Westpreußen (um Danzig) damals noch zu Polen gehörte.

Da die Königswürde höher war als Friedrichs Ämter Markgraf und Kurfürst, die er natürlich behielt, dehnte sich die Bezeichnung „Preußen“ seit 1701 auf alle Gebiete aus, die die Hohenzollern von Berlin, der Hauptstadt der Mark Brandenburg, aus regierten. Diese galt nun als Kernland des zunächst eigentlich nur Ostpreußen umfassenden Königreiches Preußen, das Friedrich der Große (1740–1786) bei der ersten Teilung Polens 1772 um Westpreußen erweiterte.