Alle wollen Scott - MMM Romance - Nadine Schwager - E-Book

Alle wollen Scott - MMM Romance E-Book

Nadine Schwager

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Beschreibung

Sie lieben Bier. Sie lieben Sport. Sie lieben Scott. Zum Schein verheiratet mit seiner besten, lesbischen Freundin verliebt sich Scott Hals über Kopf in seinen neuen Nachbarn Liam. Dieser ist zwar mit seiner Familie eingezogen, allerdings herrscht Krieg zwischen ihm und seiner Ehefrau. So gern würde Scott ihn aus dieser unerträglichen Situation befreien! Doch was ist mit Wayne, seinem Trainer mit gewissen Vorzügen? In ihn hat Scott sich genauso verguckt, obwohl Wayne den Unnahbaren gibt. Warum muss er sich überhaupt für einen entscheiden? Trägt er nicht genug Liebe für alle beide in sich? Zwischen Familie, Eifersucht und verhärteten Weltansichten finden sich die drei Männer auf einmal in einem Strudel aus Gefühlen wieder, mit dem keiner von ihnen gerechnet hätte …

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Seitenzahl: 518

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Nadine Schwager

Alle wollen Scott

MMM Romance

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2026

http://www.deadsoft.de

Für Fragen zur Produktsicherheit:

[email protected]

Querenbergstr. 26

D-49497 Mettingen

© the author

Cover: Lisa Laqua

http://www.lisalaqua.de

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-849-8

ISBN 978-396089-850-4 (ebook)

Alle Texte und Bilder dieses Werkes sind urheberrechtlich geschützt.

Jedwede elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Verbreitung, Übersetzung, öffentliche Zugänglichmachung ohne ausdrückliche Zustimmung des/der jeweiligen Rechteinhaber*in bzw. der Autorin sind nicht zulässig und somit strafbar.

Inhalt

Sie lieben Bier. Sie lieben Sport. Sie lieben Scott.

Zum Schein verheiratet mit seiner besten, lesbischen Freundin verliebt sich Scott Hals über Kopf in seinen neuen Nachbarn Liam. Dieser ist zwar mit seiner Familie eingezogen, allerdings herrscht Krieg zwischen ihm und seiner Ehefrau. So gern würde Scott ihn aus dieser unerträglichen Situation befreien! Doch was ist mit Wayne, seinem Trainer mit gewissen Vorzügen? In ihn hat Scott sich genauso verguckt, obwohl Wayne den Unnahbaren gibt.

Warum muss er sich überhaupt für einen entscheiden? Trägt er nicht genug Liebe für alle beide in sich?

Zwischen Familie, Eifersucht und verhärteten Weltansichten finden sich die drei Männer auf einmal in einem Strudel aus Gefühlen wieder, mit dem keiner von ihnen gerechnet hätte …

1

Scott

Warum schrieb Liam denn nur nicht?!

Zum ungefähr tausendsten Mal in der letzten halben Stunde sah Scott auf sein Handy. Der Messenger war geöffnet und Liams Chat aufgerufen. Kein vielsagendes schreibt…, keine Meldung, dass er überhaupt online war. Nichts.

Das quälte ihn unsäglich. Er hatte doch gesagt, er würde sich melden! Bei ihrer Laufrunde heute Morgen, als sie auf das Thema Football zu sprechen gekommen waren. Liam hatte eine Dauerkarte fürs Stadion und meinte, er würde Scott mitnehmen, wenn er sich die Dauerkarte seines Kollegen borgen könnte.

Dabei mochte Scott Football nicht einmal. Aber er mochte Liam, seitdem er nebenan eingezogen war. Schon der erste Blickkontakt hatte es ihm angetan. Diese blauen Augen, die funkelten wie zwei Aquamarine im Sonnenlicht, das blonde Haar, die sportliche Figur …

So einiges hatte Scott seitdem auf sich genommen, um Liam näherzukommen. Dreimal in der Woche joggte er mit ihm, obwohl er joggen hasste. Er hörte sich Liams endlose Fachsimpeleien über Football und dessen Lieblingsteams an, von denen er beinahe nichts verstand. Aber währenddessen konnte er wenigstens seine Lippen ansehen und sich vorstellen, wie es wäre, von ihnen berührt zu werden. Geküsst zu werden. Liebkost zu werden. Sofort rann ihm eine angenehme Gänsehaut über die Arme. Tief seufzend legte er das Handy weg.

Dass das eine dumme Spinnerei war, wusste Scott schließlich.

Denn Liam war nicht allein in das große Haus nebenan eingezogen, sondern zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Es war so gut wie unmöglich – etwa eine Milliarde zu eins stand die Chance dafür – dass Liam irgendwelche Gelüste, geschweige denn Gefühle für Scott entwickeln würde. Während der verliebt wie ein Schuljunge auf sein Handy glotzte.

„Schreib du ihm doch einfach.“

Mit einem liebevollen Lächeln und einer warmen Berührung an Scotts Schulter ging Brianna an ihm vorbei.

„Und was? Hey, Liam, ich warte seit Stunden auf deine Nachricht, weil das mein Herz zum Hüpfen bringt?“

Das tat es leider wirklich, ein ums andere Mal. Ein läppisches Guten Morgen reichte schon, um Scott in den siebten Himmel zu befördern. Dafür schlug er immer wieder hart auf dem Boden auf, wenn – so wie jetzt – keine Nachricht von ihm kam. Wenn er einfach nicht an Scott dachte. Ihn schlicht vergaß. Mit dieser Verknalltheit tat er sich wirklich keinen Gefallen. Eigentlich hätte er es gut sein lassen müssen. Ihn sich aus dem Kopf schlagen und aktiv versuchen, ihm aus dem Weg zu gehen. Aber er konnte einfach nicht. Weil Liam ihn so sehr anzog! Scott war einfach verloren. Vielleicht auch nur sein Herz. Erneut ein Seufzen aus den Tiefen seiner Seele.

„Vielleicht nicht ganz so direkt.“ Schmunzelnd umrundete Brianna die Anrichte in der Zimmermitte. Sie verschwand dahinter, als sie sich bückte, um Spielzeug aufzuheben und sich unter den Arm zu klemmen. Brodys pinkfarbenes Lieblingskuschelpferd und sein großer Bulldozer. Niemals hätte Scott vorher gedacht, dass Kinder in dem Alter schon so unordentlich sein konnten.

„Ich sollte einfach damit aufhören, ihn anzuschmachten.“

Entschlossen drehte er das Handy um, das auf einmal einen Ton von sich gab.

Die Schnelligkeit, mit der er es wieder in der Hand hielt und gierig nach einem Lebenszeichen von Liam darauf starrte, brachte Brianna zum Lachen.

„Hehre Vorsätze, Scotty. Aber so schnell schlägt man sich einen Schwarm nicht aus dem Kopf. Besonders du nicht.“

Grinsend kam sie zu ihm zurück und tippte ihm auf die Nasenspitze.

Er wusste leider, was sie meinte. Scott war niemand, dessen Gefühle flach waren. Jedes einzelne Mal gingen sie tief, machten immer Probleme. Sie kannten das ja schon. Immerhin waren sie so etwas wie Sandkastenfreunde.

„Ich weiß. Ich könnte es wesentlich einfacher haben, wenn ich so eine Dumpfbacke wäre wie andere Männer.“

Lachend gab Brianna ihm einen Kuss auf die Wange.

„Das mal ganz sicher, mein Schatz.“

Damit verließ sie samt Spielzeug die Küche und ließ Scott mit seiner Nachricht allein zurück.

Wie er enttäuscht feststellte, war sie nicht von Liam. Sondern von Wayne.

Kommst du noch?

Verwirrt irrte Scotts Blick zur Uhr, dann zum angezeigten Datum auf dem Display. Verdammt! Das hatte er ja völlig vergessen! Es war Dienstag, also hatte er Training!

Zehn Minuten! schrieb er zurück, dann schob er das Handy in die hintere Hosentasche und folgte Brianna hastig aus der Küche ins Wohnzimmer.

„Nanu? Hat Liam dich auf ein Stelldichein eingeladen?“, hakte sie neckisch nach, während sie weiteres Spielzeug in die Schaufel des Bulldogs lud.

„Nein, ich hab’ Training! Völlig verschwitzt!“

„Oh!“ Auch Brianna sah verblüfft aus. „Deine Tasche steht noch im Flur.“

„Danke! Bis nachher! Ich beeile mich!“

„Keine Sorge, lass ein bisschen Dampf ab. Brody und ich schaukeln das schon.“

Auf ihr Verständnis konnte er wenigstens immer zählen.

Eilig schlüpfte Scott in seine Schuhe, schulterte die Tasche und zog sich ein Basecap auf. Dann verließ er mit einem kurzen Abschiedsgruß das Haus.

Es wurden dann doch fünfzehn Minuten, bis er umgezogen und seine Boxhandschuhe schnürend aus der Umkleide in die Halle trat. Zumindest war Dienstagnachmittag nicht allzu viel los. Denn Scott mochte es nicht, wenn diese ganzen trainierten Typen ihn anstarrten. Ja, er war nicht sehr groß und er war auch kein Muskelprotz. Nicht einmal ein Sixpack hatte er zu bieten. Wenn er die anderen hier so ansah, konnte er maximal deren kleiner Bruder sein, der beschützt werden musste.

Das war nun einmal das, was er in den meisten Männern auslöste: Er war der Zarte, auf den man aufpassen musste. Nicht nur einmal hatten ihn Typen mit Daddy-Kink deshalb bereits angequatscht. Scott hasste das. Er wollte nicht immer als der Beschützenswerte wahrgenommen werden. Verdammt, er war ein Mann! Einunddreißig war er inzwischen, aber wenn er sich so in einem der großen Spiegel anblickte, an denen er vorbeikam …

Seufzend musterte er seine schlanke Gestalt, seine braunen, engen Löckchen, seine hellbraunen Augen, sein schmales Gesicht. Maximal wie fünfundzwanzig sah er aus. Auch wenn Brianna ihm schon seit Jahren sagte, dass dem nicht so war. Er selbst nahm sich zumindest so wahr. Und viele Typen leider auch.

„Wurde ja auch Zeit.“

In seinen Überlegungen hatte er gar nicht bemerkt, dass Wayne mit verschränkten Armen neben der Tür zu dem Raum stand, in dem sie immer trainierten. Seine anderen Schüler trainierte Wayne in der großen Halle. Nur Scott hatte ihn nach der ersten Stunde darum gebeten, ihn nicht vor diesen Muskelprotzen vorzuführen. Wayne hatte das verstanden und sie waren auf den Nebenraum ausgewichen.

„Entschuldige, bitte. Mir war nicht bewusst, dass heute Dienstag ist.“

Mit einem schwachen Lächeln versuchte Scott, sich aus der Bredouille zu ziehen. Das zumindest wirkte meistens.

„Schon okay. Komm rein.“

Über Waynes dunkle Lippen huschte ebenso ein Lächeln, ehe er die Tür aufzog und Scott vorangehen ließ. In ihrem Trainingsraum hingen ebenso in jeder Ecke Sandsäcke und die Wände waren mit großen Spiegeln verkleidet. Als Wayne hinter ihm eintrat, sah Scott ihn mehrfach in der Spiegelung.

Sein Trainer gab genauso eine beeindruckende Figur ab wie der Rest der Männer draußen.

Er war fast eins neunzig groß, breitschultrig und Scott wusste, dass sich unter seinem Shirt ein stahlhartes Eightpack verbarg. Der muskulöse Afroamerikaner trug sein krauses Haar so kurz, dass man die Locken nur noch erahnen konnte.

„Fangen wir mit dem Sacktraining an. Nach dem Aufwärmen.“

Scott nickte, während er sich innerlich auf eine neue, anstrengende Stunde vorbereitete. Denn dieser Sport bedeutete Wayne viel, er war sein Leben. Er wollte immer das Beste aus jedem einzelnen Kämpfer herausholen, weshalb die Stunden oft anspruchsvoll waren. Und damit sich niemand dabei verletzte, überwachte Wayne wie immer streng, dass Scott sich ordentlich aufwärmte und dehnte. Danach positionierte Scott sich vor dem Sack und begann, auf ihn einzuschlagen.

„Schneller, Scotty! Du bist noch zu langsam!“

Mit Argusaugen beobachtete sein Trainer jede seiner Regungen. „Du musst mindestens doppelt so schnell werden, wenn nicht sogar dreifach, um jemals eine Chance zu haben!“

„Gegen wen? Ich trainiere nicht, um an Meisterschaften teilzunehmen!“ Verlegen lächelte Scott, gab sich aber Mühe, den nächsten Schlag schneller auszuführen.

„Nicht so unsauber!“, tadelte Wayne ihn sofort.

Verdammt, war das anstrengend! Schnell und sauber, das konnte er von einem Fortgeschrittenen erwarten.

„Ich mach das erst seit neun Monaten!“, keuchte Scott und wiederholte den Schlag. Langsamer, aber sauber.

„Lang genug, um die Technik drauf zu haben!“

Ein beinahe schadenfrohes Grinsen zog sich über Waynes Lippen, aber nur ganz kurz. So ganz genau wusste Scott das nicht einzuordnen, gab sich aber nochmal mehr Mühe.

„Wir üben das noch mal mit Pratzen“, berief Wayne ihn schließlich ab.

Fast eine halbe Stunde triezte er Scott danach mit neuen Schlagübungen. Seine Armmuskeln brannten und ihm lief der Schweiß, dann musste er zurück an den Sack.

„Streng dich an! Komm schon, Scott!“, feuerte sein Trainer ihn an, weshalb Scott zumindest versuchte, den Schmerz zu ignorieren. Aber die kleinen Nadelstiche in seinem Bizeps und Trizeps beraubten ihn aller Kraft, sodass Wayne mit einem tadelnden Schnalzen hinter ihn trat. Die plötzliche Nähe trieb Scott die Hitze in die Wangen. Sein Trainer aber umfasste Scotts Handgelenk dort, wo es im Boxhandschuh verschwand, und schwang nun seinerseits Scotts Arm. Vier oder fünf Mal tat er das, bis sich die Bewegung in Scotts Muskeln eingeprägt hatte.

„Jetzt du.“

Das Bewusstsein über den warmen Körper hinter sich lenkte ihn ab, trotzdem versuchte Scott es verbissen. Dabei zog Wayne seine Hand nicht zurück, sondern ließ nur locker.

„Besser!“, meinte er zumindest anerkennend. „Für fünf saubere Schläge gibt es eine Belohnung!“

Die Belohnungen von Wayne waren immer gut. Aufgeregt machte Scotts Magen einen Salto. Ohne sich zu seinem Trainer umzusehen, nahm er die Anweisung hin und Wayne zählte laut mit. Er musste zehn Schläge ausführen, um zumindest drei Gute zu schaffen.

„Weiter, komm schon, Scotty, du kannst das!“

Der Fünfzehnte zählte ebenso wieder, aber Scott hatte kaum mehr Kraft. Sein ganzer Körper war klitschnass, sein Arm tat weh. Er war kurz davor, aufzugeben, doch das würde Wayne ganz sicher nicht zulassen. Als hätte dieser seine Gedanken gehört, fragte er:

„Brauchst du vorher noch einen Ansporn?“

Auf einmal war Waynes Stimme noch tiefer und ganz nah an seinem Ohr. Eine Gänsehaut rieselte über seinen Rücken, da spürte er bereits Waynes Finger am Bund seiner Hose. Geübt schlüpften sie hinein, umfassten Scotts Schwanz.

Er keuchte und konnte sich nun überhaupt nicht mehr auf das konzentrieren, was er eigentlich tun sollte. Einen guten Schlag. Er würde hoffnungslos versagen.

„Komm schon, streng dich an, Honey.“

Wenn Wayne das mit seinen Fingern tat und dabei noch seinen eigenen Unterleib gegen Scotts presste, konnte Scott alles Mögliche, allerdings schloss das Boxen nicht mit ein.

„Wayne …“, entfuhr es ihm mit vor Lust zitternder Stimme. „Wenn jetzt jemand reinkommt …“

„Das sorgt doch erst für den richtigen Nervenkitzel.“

Die andere Hand seines Trainers wanderte nun zärtlich an Scotts Arm hinab, strich über seine Seite nach unten und umfasste seine Pobacke.

„Mach schon, Scotty! Ein guter Schlag!“

Waynes Stimme wurde immer dunkler und Scott konnte kaum noch an sich halten. Hart lag er in Waynes großer Hand und wollte nur noch seine Hüfte bewegen, bis er kam. Stattdessen versuchte er, die zärtliche Berührung zur Seite zu schieben und diesen einen, verdammten, letzten Schlag auszuführen.

Er wusste nicht, wie er es schaffte, aber Wayne rief auf einmal „Fünf!“ und schon lagen warme Lippen an seinem Hals.

Die Finger um seine Erektion begannen sich zu bewegen und Scott stöhnte kehlig. Dampf ablassen, hatte Brianna gesagt. Gott, ja, wie sehr er das jetzt brauchte!

„Hältst du es aus, bis wir uns gleich bei mir treffen?“, hakte Waynes tiefe Stimme nach.

„Wird schwer. Aber auch das kann ich schaffen.“

Ein verzagtes Lächeln konnte Scott sich nicht verkneifen, während er sich in die Hand hineinbewegte. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf den Spiegel neben sich. Sein Trainer bemerkte es, denn ihre Blicke trafen sich darin.

„Ziemlich scharf, uns zuzusehen“, raunte Wayne angetörnt. Auch seine Männlichkeit war erwacht und drückte sich hart gegen Scotts Kehrseite.

Mit trockenem Mund nickte Scott. Verdammt, er wollte jetzt schon kommen und nicht erst warten, bis sie in Waynes Wohnung waren!

Eben, als die zärtlichen Finger ihren Griff lockern wollten, ächzte er: „Untersteh dich!“

Waynes Lächeln daraufhin entblößte wunderbar weiße Zähne.

„Ich mag es, wenn du gierig wirst, Honey.“

Sein Trainer – und Liebhaber – schloss die Hand wieder fester um Scotts Erektion und diesmal übernahm er die Bewegung, die Scott ein hingerissenes Stöhnen entlockte.

Gleichzeitig massierte Waynes andere Hand Scotts Pobacke.

„Nachher nehm’ ich dich richtig ran, Honey“, raunte er Scott dabei ins Ohr, der sich des Kopfkinos dazu nicht erwehren konnte. „Willst du, dass ich dich richtig rannehme?“

„Jah!“ Scotts Atem beschleunigte sich. Er stemmte sich in die Hand und seine Erregung schnellte in die Höhe wie eine Feuerwerksrakete. Es brauchte nicht mehr viel. Eine einzige Sache fehlte ihm noch.

Atemlos drehte er seinem Trainer den Kopf zu und dieser drückte die Lippen fest auf seine. Ihre Zungen berührten sich, ehe Waynes in seinen Mund schlüpfte. Der heiße Kuss war das Zünglein an der Waage, sodass Scott keuchend in seine Boxershorts kam.

Waynes anderer Arm lag auf einmal um seinen Bauch, wo er ihn festhielt, als Scotts Knie weich wurden.

„Du bist so eine Sahneschnitte, Scotty.“

„Und du ein ziemlich geiler Hengst.“ Verschmitzt und auch ein bisschen verlegen sah Scott zu ihm auf. „Die Trainingsstunden mit dir sind immer wieder herausfordernd.“

„Das sagen alle meine Schüler.“ Im Scherz zwinkerte Wayne ihm zu, dann zog er seine Hand aus Scotts Hose. „Zieh dich um, Scotty, wir treffen uns gleich bei mir. Und geh nicht duschen, ich mag den salzigen Geschmack deiner Lippen.“

Schwach nickte Scott und versuchte, sein Gewicht wieder selbst zu tragen.

„Okay. Dann bis gleich.“ Er drehte sich um und streckte sich noch einmal für einen Kuss zu Wayne hinauf, der ihm auf halbem Weg entgegenkam. „Und vergiss nicht dein Versprechen. Richtig hart wolltest du's mir machen.“

„Keine Sorge, Honey. Wenn du's richtig hart willst, kriegst du es richtig hart.“

Zufrieden verließ Scott Waynes Arm und ging mit einem letzten Zwinkern aus dem Raum.

Das hatte Scott gebraucht. Erleichtert und rechtschaffen erschöpft lag er in Waynes starken Armen und kämpfte gegen die Müdigkeit an. Schließlich konnte er Brianna nicht so lange mit Brody allein lassen, er musste nach Hause. Einschlafen stand nicht auf dem Plan.

„So geladen bist du selten, Honey“, raunte Wayne in sein Ohr, woraufhin er müde lächelte.

„Ich muss zuhause auch einiges aushalten.“

„Wegen des Babys?“

Ungläubig und trotzdem amüsiert blickte Scott zu seinem sexy Liebhaber auf.

„Brody ist zwei. Er ist kein Baby mehr. Aber nein. Nicht wegen ihm, er ist ein Engel und Brianna und ich teilen uns das gut auf.“

„Weshalb dann?“

Ein ebenso erschöpfter Kuss auf seine Schläfe, den Scott sich gern gefallen ließ. Ein Lächeln breitete sich über seine Lippen und er streckte sich zu Wayne, um noch einmal von ihm zu kosten. Seinem ganz eigenen Geschmack nach Abenteuer und Sicherheit.

„Ach, ich habe dir doch von unserem neuen Nachbarn erzählt … Liam … er raubt mir den Schlaf mit seiner bloßen, sexy Anwesenheit.“

„Ach, der verheiratete Heteronachbar?“ Offenbar erinnerte sich Wayne, wie er ihn mit einem Grinsen wissen ließ.

„Ja, genau der.“

Tief seufzend bettete Scott seinen Kopf an die stählerne Brust neben sich.

„Hast du einen Plan?“ Der Blick seines Trainers wurde streng. „Ein Kämpfer hat immer einen Plan!“

„Ich bin keiner, das weißt du genauso gut wie ich.“

Manchen Dingen musste man einfach in die Augen blicken. Zwar wollte Scott mit dem Training an Muskelmasse und Selbstvertrauen gewinnen, aber tief in seinem Herzen war er nie ein Kämpfer gewesen. Er war eher der Typ, der singend über eine Blumenwiese hüpfte. Kein Wunder, dass jeder an seiner Schule gewusst hatte, dass er schwul war. Ohne dass Scott sich je hatte outen müssen.

„Aber wir machen einen aus dir.“

Anscheinend glaubte Wayne wirklich daran, auch wenn er nach neun Monaten ein Einsehen haben müsste. Weil Scott die Technik immer noch nicht richtig konnte und viel zu langsam war.

„Glaubst du doch selbst nicht. Ich tauge nicht zum Boxen. Das wissen wir beide.“

Mit einem Lächeln drehte sich Wayne auf ihn und küsste seine Brust, was kleine, kribbelnde Blitze durch Scotts Inneres schießen ließ.

„Willst du mir sagen, ich sei kein guter Trainer, dass ich dich nicht auf Vordermann bringen könnte?“

Sein Grinsen hob Scotts Herz.

„Nein, es liegt nicht an dir, nur an mir.“

Sie lachten beide, dann stemmte Wayne sich hoch.

„Wehe, du machst mit mir Schluss. Ich brauch das Geld.“

Amüsiert kletterte er aus dem Bett und Scott sah ihm bewundernd nach. Kein Gramm Fett an dem schönen, muskulösen Körper. Dazu Waynes Bad Boy Attitüde, der er absolut nicht gerecht wurde. Zwar sah er zum Fürchten aus, wenn er sich aufrichtete und die aufgepumpten Muskeln zur Schau stellte, aber eigentlich war er ein humorvoller, lässiger Zeitgenosse.

Die Anziehung zwischen ihnen war ab dem ersten Moment unleugbar gewesen. Sobald Scott hatte durchblicken lassen, dass er schwul war, waren sie im Bett gelandet. Und seitdem beinahe nach jedem Training. Oder manchmal auch – wie heute – währenddessen. Es war so heiß mit Wayne!

„Ich auch. Also keine Sorge.“

Gähnend setzte sich auch Scott langsam auf und streckte sich.

„Kannst du kurz noch die neuesten Termine updaten, bevor du gehst?“, hakte Wayne nach, der bereits in Richtung Badezimmer unterwegs war.

„Klar. Hast du sie irgendwo abgelegt?“

Eigentlich hatte Wayne nämlich Scott angeworben, um seine Homepage neu aufzusetzen. Und während Scott ihm seine ersten Entwürfe gezeigt hatte, waren sie ins Reden gekommen. An dessen Ende Scott eine Schnupperstunde bei Wayne nehmen wollte. Tja, neun Monate später hatten sie ein Verhältnis und Scott konnte immer noch nicht boxen. Dafür aktualisierte er weiterhin regelmäßig die Homepage.

„Laptop ist an, musst ihn nur aufklappen. Und die Datei liegt auf dem Desktop. Hätte ich dir eh heute Abend geschickt.“

„So ist das natürlich viel praktischer.“

Als hätte Wayne nicht gewusst, dass sie heute hier landen würden. Von wegen heute Abend geschickt. Grinsend rutschte Scott aus dem Bett, während Wayne mit einem vielsagenden Zwinkern im Bad verschwand.

Scott dagegen stieg in seine Boxershorts und ließ sich am Schreibtisch gegenüber des Bettes nieder, um Waynes Laptop aufzuklappen. Eingeloggt war er schnell und auch die Datei mit den neuen Terminen fand er problemlos.

Er schob gerade ein bisschen die Tabelle herum, ob sie ihm woanders auf der Seite vielleicht besser gefiel, da hörte er Wayne zurückkommen.

„Sag mal, wie würde dir die Tabelle mit den Terminen hier gefallen, Wayne? Dann muss man nicht mehr extra runterscrollen, sondern sieht sie auf den ersten Blick.“

Waynes Schritte näherten sich.

„Sieht gut aus. Mach das gern so.“

Das Lächeln in Waynes Stimme war unüberhörbar, worüber Scott sich freute. Er übertrug eben den Tabelleninhalt, da legte Wayne die Hände von hinten auf Scotts Schultern. Sein trainierter Bauch drückte sich gegen Scotts Hinterkopf, ehe der große Mann einen Kuss auf Scotts Scheitel folgen ließ.

Grinsend sah er sich zu seinem Liebhaber um, der noch immer nackt war.

„Ich hoffe, du hast deine Laptopkamera aus“, feixte Scott und hob das Kinn, um einen Kuss auf seine Lippen zu erbetteln, den Wayne ihm gewährte. Diesem entfuhr ein genüsslicher Laut, dann beugte er sich nach vorn und klappte den Laptop zu.

„Natürlich, das mit dir teile ich schließlich mit niemandem.“

„Oh, wie zuvorkommend von dir, Wayne.“

Zuckersüß lächelnd erhob sich Scott, um seinen Liebhaber ein weiteres Mal zu küssen. Sobald dieser sich tiefer in den Kuss lehnte und wohlig seufzte, zog Scott sich zurück.

„Ich muss aber jetzt los. Heb dir das für das nächste Mal auf.“

Mit einem neckischen Lachen ließ er Wayne los und ging zurück zum Bett, um in seine restlichen Klamotten zu schlüpfen. Ihn traf jedoch Waynes enttäuschtes Seufzen.

„Dann ist morgen eben meine Homepage abgeschmiert und du musst sie reparieren“, muffelte er nicht ganz ernst.

Scott grinste, während er in seine Hose stieg.

„Das kann ich von zuhause aus machen.“

„Verflucht seid ihr Webdesigner.“

„Ja, wir sind Dämonen und Folterknechte.“

Lachend trat er ein letztes Mal zu dem nackten Mann, um ihm einen Kuss aufzudrücken.

„Spätestens bis Dienstag, Wayne.“

„Bis dann, Honey.“

2

Liam

Es war später Nachmittag, bis Liam es wieder an sein Handy schaffte.

Dabei hatte er Scott längst schreiben wollen. Wegen der Karte für das Footballspiel. Auf das er sich echt mal wieder freute, wenn Scott mitging. Die letzten Male war er allein dort gewesen, weil sein Kollege auch am Wochenende hatte arbeiten müssen. Dann war er selbst zu sehr mit dem Umzug beschäftigt gewesen. Aber beim nächsten Spiel würde Scott ihn begleiten. Das waren richtig gute Aussichten, schließlich war Scott ein netter Kerl.

Echtes Kumpelmaterial, so wie Liam das sah. Wäre schon cool gewesen, wenn Scott sein bester Freund hätte werden können. Immerhin hatte er schon lange keinen besten Freund mehr, seitdem Ada den letzten vertrieben hatte.

Na, er dachte besser nicht so genau darüber nach.

Aber Scott war verdammt beliebt, jeder aus der Nachbarschaft, mit dem er bisher gesprochen hatte, schwärmte in den höchsten Tönen von ihm. Völlig verständlich, Liam hätte es nicht anders gemacht, hätte man ihn gefragt.

Zumindest hatte er Scott auf eine gemeinsame Joggingrunde festnageln können. Und aufs Footballspiel.

Deshalb tippte er jetzt schnell seine Nachricht in den Messenger, dass er die Karte ausleihen konnte und sie für das Wochenende eine Verabredung hatten.

Eine Weile ließ er das Handy neben seinem Arm liegen, starrte aber ständig darauf, ohne dass eine Antwort kam. Seufzend verbannte er es von seinem Schreibtisch auf die Couch in seinem Arbeitszimmer. Er hatte zu tun. Der Entwurf musste fertig werden.

Aber es fiel ihm nach diesem Nachmittag schwer, sich auf das Haus zu konzentrieren, dessen Grundriss er zeichnen sollte. In zwei Tagen erwartete sein Chef den fertigen Plan, Liam musste sich ranhalten. Doch er konnte noch nicht abschalten. Den Nachmittag noch nicht hinter sich lassen.

Jolene, seine älteste Tochter, hatte ihre pubertäre Laune wieder an ihrer Mutter ausgelassen und war daraufhin beleidigt aus dem Haus gelaufen. Ada, Jolenes Mutter und Liams Frau, hatte ihren Frust daraufhin umgeleitet, sodass Liam ihn abbekommen hatte. Einmal mehr war ihm unbegreiflich, was er getan hatte, um das zu verdienen. In einem früheren Leben hatte er vielleicht Hexen verbrannt. Oder Sklaven gehalten. Karma war eine Bitch, deshalb musste er jetzt leiden.

Wie sie sich am Ende gefetzt hatten – er hoffte nur, die Nachbarn hatten sie nicht gehört. In dieser Straße wurde viel getratscht, das hatte er schon mitbekommen. Und er wollte auf keinen Fall der Typ sein, der sich von seiner Frau anschreien ließ. Immerhin ein bisschen Stolz wollte er sich bewahren. Nur für den Fall, dass sich überhaupt jemals irgendjemand für ihn interessierte. Aber abgesehen von Scott schien das bisher nicht der Fall zu sein. Immerhin Scott. Ein Lächeln schlich sich auf seine Züge.

Jetzt drehte er sich doch wieder herum und nahm das Handy zur Hand. Noch immer nichts. Nicht einmal gelesen hatte Scott die Nachricht.

Was tat er denn da? Unsinnig war das doch! Warum auf eine Nachricht warten, wenn Scott direkt nebenan wohnte?

Da er mit seiner Arbeit sowieso nicht weiterkam, erhob er sich kurzerhand und verließ sein Arbeitszimmer. Aus Jolenes Reich unter dem Dach drang schon wieder laute Musik, seine Tochter war also zurück. Vierzehn war ein fürchterliches Alter. Die Hormone spielten verrückt und der Kopf mit seinen halb umgebauten Synapsen noch dazu. Er machte ihr keinen Vorwurf. Also zumindest keinen großen. Dass sie abgehauen war, hätte nicht sein müssen. Aber besser Liam bekam es ab als Jolene.

Auch wenn er der Meinung war, die Frauen könnten ihre Streitigkeiten ruhig mal unter sich ausmachen, ohne ihn da mit reinzuziehen.

Er kam an Emmas Zimmer vorbei, deren Tür offen stand. Seine Elfjährige saß am Schreibtisch und baute an einem Lego Technik-Bausatz. Ganz der Papa. Stolz auf seinen Spross lief er die Treppe nach unten und verließ das Haus durch die Vordertür. Seine Frau hatte er vorhin nur mit der Idee eines Stadtbummels besänftigen können, von dem sie noch immer nicht zurückgekehrt war. Allein deshalb musste er den Entwurf heute noch fertig kriegen, immerhin wollte Adas Kaufwut irgendwie finanziert werden.

Aber darüber konnte er nachdenken, wenn sie zurück war.

Jetzt durchquerte er seinen Vorgarten und danach auch Scotts, um an der Tür zu klingeln. Er hörte die eiligen Schritte des kleinen Brody, denen gleich größere Schritte folgten.

Doch als Brianna ihm öffnete und Brody schrie: „Daddy!“, war Liam ein wenig enttäuscht.

Trotzdem lächelte er.

„Hallo, Liam!“, begrüßte die hübsche Frau mit dem zierlichen, schlanken Körperbau und dem brünetten Pferdeschwanz ihn, während sie sich Brody in die Arme lud.

„Hi. Ist Scott da?“ Wie überflüssig, das noch zu fragen. Natürlich war er nicht da, wenn Brody ihn schon so sehnsüchtig erwartete.

„Nein, er ist noch beim Training. Es ist doch Dienstag.“ Voller Schalk blitzten Briannas Augen. „Aber ich sage ihm gern, dass du da warst. Soll er rüberkommen, wenn er zurück ist?“

„Ach, nur keine Umstände.“ Schnell winkte Liam ab. „Ich kam nur zufällig gerade vorbei. Ich schreib ihm einfach eine Nachricht.“

„Ganz zufällig, ja?“ Zielgerichtet ging Briannas Blick auf Liams nackte Füße. „Wo warst du denn barfuß?“

Erneut dieses Blitzen in ihren Augen, während Liam sich Mühe gab, cool zu bleiben.

„Chefermittlerin, was? Bei dir muss man ja vorsichtig sein.“ Mit einem charmanten Zwinkern trat er zwei Schritte rückwärts von der Haustür weg.

„Da täuschst du dich, Liam. Ich bin die, mit der man Pferde stiehlt.“ Brianna lachte und winkte nun ihrerseits.

Sie schien ihn ohne Antwort auf ihre Frage aus den Fängen lassen zu wollen. Sein Glück. Eine auf ihm herumhackende Frau reichte ihm am Tag. Dabei war er sich beinahe sicher, dass Brianna nicht so war. Sie schien aufgeschlossen und immer gut gelaunt. Aus diesem Haus hatte er zumindest noch nie laute Stimmen vernommen. Weder zwischen den Erwachsenen noch dem Kleinen gegenüber. Wie sehr er sich nach so einem ruhigen Leben sehnte!

„Bestell Scott Grüße. Und richte ihm gern aus, dass ich …“ Da bog ein silberner Kombi von der Straße in die Einfahrt ab und hielt vor der Garage. Liam bemerkte Scotts verdutzten Blick, den er ihnen beiden zuwarf, dann wandelte er sich in ein breites Lächeln. Zumindest schien er sich über den Überraschungsbesuch zu freuen. Das ließ selbst Liam für einen Moment seine Sorgen vergessen.

„Hi, Liam!“ Als Scott ausstieg, winkte er grinsend. Mit seiner Sporttasche über der Schulter kam er zu ihnen an die Haustür. „Was führt dich her?“ Seine Ausstrahlung war wie immer völlig entspannt. Das fuhr gleich auch Liam ein bisschen herunter.

„Ich wollte dir nur Bescheid geben, dass ich die Karte kriege. Wir haben am Wochenende ein Date.“

Er hatte witzig sein wollen, doch Scotts Augenbrauen zuckten im ersten Moment auf seine Stirn. Danach erst lachte er.

„Super! Darauf freue ich mich!“

Erleichtert ließ Liam die Luft aus seinen Lungen, als Brody schon rief: „Daddy!“

Der kleine Junge streckte die Arme aus und Scott nahm seinen Sohn lächelnd an sich.

„Dann störe ich gar nicht weiter.“ Zur Verabschiedung hob Liam die Hand, aber da bemerkte er, wie Brianna Scott heimlich anstieß.

„Ähm … willst du noch ein Bier auf der Terrasse trinken?“, fragte sein Nachbar auf einmal, woraufhin Brianna vollauf zufrieden aussah.

Freudig überrascht sah Liam Scott an, dann warf er einen kurzen Blick zu seinem eigenen Haus hinüber. Dort wurde er gerade nicht vermisst.

„Klar, gerne.“

„Komm, ich hol euch Bier, dann übernehme ich Brody“, schlug Brianna vor, aber Scott schüttelte den Kopf.

„Du hast dich schon den ganzen Nachmittag um ihn gekümmert. Er kann doch mit uns in den Garten gehen. Du hast Pause, Bree.“

Sie lächelte, dann drückte sie Scott einen Kuss auf die Wange.

„Danke, mein Schatz. Kommt rein.“

Brianna verschwand im Haus und Scott ließ Liam mit einem Nicken den Vortritt.

„Ich setz mich draußen auf die vom Wind abgewandte Seite“, sagte er, als sie hineingingen und den Flur der Länge nach durchquerten. „Ich hab’ noch nicht geduscht. Keine Zeit mehr nach dem Training.“

„Ich bin sicher, ein bisschen Männerschweiß halte ich aus.“ Außerdem bezweifelte Liam, dass Scott überhaupt je unangenehm riechen konnte. Nach der Laufrunde war er selbst es, der zum Himmel stank. Scott roch nach nichts und sah sogar noch immer gut aus. Kein bisschen derangiert oder durcheinander. Auf ihn fuhren die Frauen bestimmt reihenweise ab. Gutaussehend, sanft, einfühlsam. Das war doch genau der Typ Mann, den ihre Generation haben wollte.

Sah man ja schon an Brianna, mit welchem Glück in den Augen sie Scott immer anstrahlte.

Früher waren Kerle wie Scott als Weichei bezeichnet worden. Als Liam zur Schule gegangen war auf jeden Fall. Er selbst hatte solche Jungs so genannt. Inzwischen hatte sich seine Meinung geändert. Jetzt fand er Männer wie Scott angenehm. Denen man alles erzählen konnte, bei denen man nie Angst haben musste, abserviert zu werden, wenn man mal was Doofes sagte. Denn das hatte Liam schon bemerkt: Scott hatte einen bemerkenswert großen Vorrat an Verständnis für jeden. Ganz anders als seine eigene Frau. Liam seufzte tief, als er sich auf einer der Gartenliegen niederließ. Kein Wunder, dass er lieber mehr Zeit mit ihm verbringen würde als mit Ada.

Scott stellte Brody zu Boden, doch der Kleine lief nicht weg, sondern klammerte sich an seinen Vater. Also nahm er ihn auf den Schoß, als auch er sich setzte. Brody drehte sich auf Scotts Brust, als dieser sich nach hinten lehnte, und steckte den Daumen in den Mund, um ganz heimelig mit seinem Vater zu kuscheln, der ihn sicher umfangen hielt.

„Wie lange warst du weg? Brody hat dich anscheinend heftig vermisst.“ Liam lächelte zu ihnen hinüber, zu diesem Sinnbild väterlicher Liebe und kindlichem Vertrauen.

„Das Training hat sich heute ein bisschen gezogen. Eigentlich wollte ich vor einer Stunde zurück sein.“

„Was trainierst du nochmal? Ich hab’ den Namen schon wieder vergessen“, gestand Liam. Scott hatte es ihm bestimmt schon dreimal erzählt, aber Liam merkte es sich einfach nicht.

„Muay Thai. Das ist Boxen mit Ellbogen, Knien und Füßen zusätzlich.“ Natürlich nahm Scott ihm das nicht übel. Das lag gar nicht in seiner Persönlichkeit. „Aber ich bin immer noch an den normalen Boxschlägen und krieg die schon nicht hin. Mein Trainer weigert sich allerdings, mich aufzugeben.“

„Ich wette, du untertreibst wieder maßlos.“ Immerhin hatte sein Nachbar auch gesagt, dass er ein lahmer Läufer war und in Wirklichkeit hielt er problemlos Schritt mit Liam. Gut, Liam ging die Laufrunden ein bisschen langsamer an als üblich, aber er war sich sicher, dass Scott es auch meistern könnte, wenn er das Tempo ein wenig anzog. Sowieso stellte er sein Licht gern unter den Scheffel. Etwas, was Liam selbst so gar nicht lag.

Auch wenn es ihm vermutlich gutgetan hätte, ab und an ein wenig demütiger zu sein.

„Glaub mir, ich untertreibe nicht.“ Sein Nachbar lachte, wobei er Brody über das braune Haar strich. „Selbst Wayne hat seine Ansprüche schon weit zurückgeschraubt. Ich tauge nicht zum Boxen.“

„Warum machst du dann trotzdem weiter? Such dir doch einen anderen Sport.“

Verlegen kratzte Scott sich am Kopf.

„Na ja, ich hoffe noch ein bisschen darauf, wenigstens Muskelmasse dadurch zuzulegen. Ich will nicht für immer dieser Hänfling bleiben.“

Für einen langen Moment maß Liam seinen Nachbarn, an dessen Körper er absolut nichts auszusetzen fand, ehe er den Kopf schüttelte.

„Ich kann mir dich nicht als muskelbepackten Kasten vorstellen. Du bist gut, wie du bist.“

Ein zarter Hauch von Rosa überzog Scotts Wangen auf einmal, doch er wiegelte schnell ab:

„Da bist du der Einzige, der das denkt. Ich mag es nicht, nur als halber Mann wahrgenommen zu werden. Als Schwächling. Das war schon in meiner Schulzeit so und hat mich echt genervt.“

„Halber Mann? Das ist doch was, was nach der Schulzeit aufgehört haben sollte.“

„Hat es aber nicht.“ Scott zuckte die Schultern, doch da kam Brianna mit zwei Flaschen Bier heraus.

„Ach, der arme, kleine Schatz. Ich glaube, ich bring ihn ins Bett, hm?“, schlug sie vor, nachdem sie jedem von ihnen eine Flasche in die Hand gedrückt hatte.

„Lass mich das gleich machen. Wenn er auf meiner Brust einschläft, ist das auch okay. Ich trage ihn dann hoch. Wolltest du dich heute nicht mit deiner Freundin treffen?“

Brianna nickte und warf einen Blick auf ihre Smartwatch.

„Wenn ich jetzt schon los könnte …“

„Natürlich! Bitte, geh. Brody und ich machen das schon. Und notfalls habe ich noch Liam als erfahrenen Vater, der hat schon zwei Kinder großgezogen.“

Scotts Lächeln traf ihn unerwartet, machte ihn auf einmal verlegen. Schließlich hatte er die Sorge um seine Töchter nicht allein geleistet. Vor allem, als sie noch so klein gewesen waren und Liam ständig Angst gehabt hatte, sie irgendwie kaputtzumachen.

„Danke, Schatz.“

Brianna beugte sich zu Scott hinab und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. Dann küsste sie auch Bodys Schopf, ehe sie Liam winkte.

„Viel Spaß euch beiden. Lasst euch den Abend nicht lang werden.“

„Keine Sorge. Und dir auch viel Spaß.“

Als Brianna beschwingt im Haus verschwand, nahm Liam einen ersten Schluck vom Bier.

„Es ist richtig schön, wie ihr Hand in Hand arbeitet.“

„Das gehört doch dazu, dachte ich. Dass man sich in einer Ehe gegenseitig entlastet. Einander Freiräume verschafft. Für uns funktioniert das gut.“

Sein Gegenüber lächelte und Liam fühlte den Neid in sich aufsteigen. Seine Ehe funktionierte so nicht. Leider.

„Ja, sollte man denken. Aber dazu braucht es viel Glück bei der Auswahl des Ehegatten.“

Verdammt, hatte er das laut gesagt?!

Scotts Blick daraufhin war mitfühlend und überhaupt nicht verurteilend, weil er schlecht über seine Frau sprach.

„Ich hab’ schon gemerkt, dass ihr es nicht immer leicht miteinander habt.“

Stumm schüttelte Liam den Kopf. Wenn er nicht wollte, dass Scott ihn für illoyal hielt, sollte er ab jetzt die Klappe halten. Das ging auch niemanden etwas an, außer ihn und Ada. Auch wenn er sich ein kleines bisschen wünschte, von Scott tröstende Worte zu hören. Was für ein Schwachsinn! Wurde er jetzt weich?

„Das wird sicher wieder. Es gibt immer mal bessere und schlechtere Phasen in einer Beziehung.“

Wenn sein Nachbar nur wüsste, dass Liams Beziehung in den letzten Jahren kaum noch bessere Phasen hatte.

„Ja, bestimmt“, seufzte er deshalb nur.

Vorsichtig warf Scott einen Blick zu Brody, der schon fast schlief, dann schlug er vor: „Ich muss den Kleinen ins Bett bringen und duschen gehen. Willst du später vielleicht einfach wieder rüberkommen und wir reden? Ich verspreche, ich werte auch nicht. Ich höre nur zu.“

Genau das war wieder so ein Satz, den man nur von Scott erwarten konnte. Keine Wertung, zuhören, das ganze verdammte Gesamtpaket an Verständnis und Unterstützung. Brianna konnte so glücklich sein mit einem Mann wie ihm.

Trotzdem war Liam sich nicht sicher, ob er dieses Angebot annehmen wollte. Er musste sich nicht ausheulen, immerhin kam er seit Jahren allein damit klar.

Vielleicht wäre es aber erleichternd, das alles mal loszuwerden? Mal offen reden zu können, ohne dass jemand seine Meinung dazu kundtat?

„Du musst nicht … Ich wollte dich nicht bedrängen …“, begann Scott schon verunsichert, da schüttelte Liam den Kopf.

„Das hast du nicht. Ich komme nachher gerne wieder rüber.“ Er lächelte. „Schreibst du mir, wenn du soweit bist?“

Erleichtert nickte Scott und seine Augen strahlten im Licht der untergehenden Sonne. Als würde dieses Strahlen auch Liams Bauch erreichen, erwärmte sich dieser ein wenig.

„Gern. Dann sehen wir uns gleich.“

Adas Einkäufe waren sowohl kostspielig als auch zahlreich. Er sah lieber nicht so genau hin, als sie all die Tüten auspackte und im Schlafzimmer auf das Bett warf. Deshalb blieb er unter dem Türrahmen stehen, wobei er seine glückliche Frau musterte. Ihre dunkelbraunen Locken hatte sie zu einem Dutt zusammengesteckt und sie trug noch immer den Hosenanzug von der Arbeit.

„Liebling, willst du heute Abend ein Bad nehmen?“, fragte er. Zwar kam er sich wie ein Kriecher vor, der seinem Hausdrachen alles recht machte. Aber wenn er zu Scott wollte, ohne schon wieder Ärger am Hals zu haben, musste er Ablenkung schaffen. Und lieber opferte er seine Würde als den Abend mit einem Freund.

Wie erwartet drehte Ada sich erstaunt zu ihm um. Misstrauisch kniff sie die Augen zusammen.

„Was hast du angestellt?“

Schneidend wurde ihre Stimme in solchen Momenten. Liam hasste diesen Ton, bei dem er sich noch dümmer vorkam.

„Nichts“, sagte er weich. „Ich dachte nur, du hattest so einen harten Tag und könntest zu seinem Abschluss noch ein bisschen Entspannung vertragen.“

Für einen verdammt langen Moment musterte Ada ihn, dann seufzte sie theatralisch.

„Na gut, kann nicht schaden.“ Es klang so, als wollte sie ihm damit einen Gefallen tun.

„Bestimmt nicht. Ich lasse Wasser ein. Und sage den Mädchen, sie sollen dich nicht stören.“

„Das wäre ja noch der Höhepunkt!“ Ada lachte spitz, sodass Liam es vorzog, sich umzudrehen und zum Badezimmer zu gehen. Das Entspannungsbad bereitete er so für seine Frau vor, wie sie es mochte. Viel Schaum, Kerzen, gedimmtes Licht. Sogar ihre AirPods legte er bereit. Je weniger sie aus dem Haus hörte, desto besser war es. Wahrscheinlich würde sie sowieso einschlafen. Das verschaffte Liam zwei Stunden. Zwei Stunden ohne Gemotze, aber mit viel Verständnis. Und Scott.

Als Ada sich ins Badezimmer begab, schwor er seine Töchter darauf ein, ihn auf dem Handy anzurufen, wenn sie etwas brauchen sollten und verdammt noch mal auf keinen Fall ihre Mutter bei ihrem Bad zu stören. Jolene verdrehte zwar die Augen, nickte aber. Emma stimmte ohne Augenrollen zu. Er wünschte beiden eine Gute Nacht, deckte Emma noch zu und verließ dann das Haus. Draußen war es schon beinahe komplett dunkel. Scotts Nachricht war vor einer halben Stunde angekommen und Liam ärgerte sich über die verschenkte Zeit. Zumindest schaffte er es überhaupt.

Diesmal klingelte er nicht, sondern ging gleich um das Haus seines Nachbarn herum zur Terrasse. Dort saß Scott schon, auf demselben Liegestuhl wie vorhin, eine Flasche Bier in der Hand, eine auf dem Tischchen neben sich. Zusammen mit dem Babyfon.

„Hallo, Liam. Setz dich.“

Wie selbstverständlich reichte Scott ihm das zweite Bier und Liam ließ sich nieder. Ein erleichtertes, leises Seufzen konnte er nicht unterdrücken.

„Danke. Schläft Brody?“

„Ja, er hat kaum noch die Augen aufbekommen, als ich ihn ins Bett gelegt habe. Brianna hat ihn heute richtig müde gespielt.“ Ein klein wenig setzte sein Nachbar sich auf. „Wie geht es dir? Du siehst immer noch nicht besser aus als vorhin.“

Dazu konnte Liam nur die Schultern zucken.

„Ist nicht immer leicht, wenn man schon so lange sein Leben mit einer Person teilt. Die Reibereien werden heftiger.“

Nun schwang Scott tatsächlich die Beine von der Liege, um sich Liam vollständig zuwenden zu können.

„Erzähl mir davon. Alles, wenn du willst. Ich höre zu.“ Und nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: „Zu zweit trägt sich das doch viel leichter als allein.“

Lange sah Liam Scott einfach nur an, während er abwog, ob er das tun konnte. Er wollte, das war unbestreitbar. Aber war das Ada gegenüber unfair? Wenn so viel getratscht wurde in dieser Straße, würde unweigerlich jemand Wind davon bekommen und …

Ob Scott jemand war, der das weitererzählte? Wieder blickte er in die ehrlichen, braunen Augen. Er konnte es sich nicht vorstellen. Und Scott hatte Liam gegenüber auch noch nie über irgendjemanden gelästert. Oder unangebrachte Details verraten.

„Was hemmt dich?“

Die richtige Frage, vorgetragen ohne Vorwurf. Wieder diese unerklärliche Wärme in seinem Magen, doch für den Moment schob er sie beiseite.

„Ich will nicht das Wochengespräch der Straße werden, verstehst du …“

Bescheuert kam Liam sich vor. Als würde er Scott nicht vertrauen. Obwohl er ihm noch nie Anlass dazu gegeben hatte.

„Ich werde niemandem davon erzählen. So etwas macht man nicht mit dem Geheimnis eines Freundes. Ich würde dich nie enttäuschen wollen, Liam.“

Ihre Blicke trafen sich, blieben für einen Moment aneinander hängen.

Ziemlich sicher konnte Scott ihn gar nicht enttäuschen. Dieser ehrliche, bodenständige und treue Kerl.

Tief seufzend ließ Liam den Kopf an die Rückenlehne sinken, brach den Blickkontakt damit ab.

„Zwischen Ada und mir läuft es schon lange nicht mehr so gut …“

Und dann redete er sich alles von der Seele. Von den Streitereien, der Missgunst, das gegeneinander Arbeiten. Von Adas permanenter Unzufriedenheit und Liams Unwillen, ihr ständig alles recht zu machen, nur um seine Ruhe zu haben. Er hatte es mal für eine Weile versucht, aber dann kam er sich nur noch mehr wie ein Versager vor. Und ehe er die Achtung vor sich selbst auch noch verlor …

„Ich weiß schon lange nicht mehr, wie das weitergehen soll. Wir sind alle nicht glücklich mit der Situation. Besonders die Mädchen nicht. Ich will ihnen ein gutes Beispiel sein. Ich will ihrer Mutter ein Ehemann sein, an dem sie sich bei der Wahl ihrer Freunde irgendwann mal orientieren können.“

Er nahm einen sehr großen Schluck von seinem Bier und stellte es leer neben sich auf die Dielen.

„Das sind hehre Ziele, Liam.“ Sanft lächelte Scott. „Um eine Ehe muss man eben immer kämpfen. Das regelt sich nicht einfach alles von allein. Und das Wichtigste ist doch, dass du Ada liebst und um sie kämpfst.“

Diesen Satz ließ Liam sich für eine Weile auf der Zunge zergehen, ehe er den Kopf schüttelte.

„Nein, ich liebe sie nicht. Nicht mehr.“ Diese Wahrheit tat verdammt weh. Auch wenn er sie, tief verborgen in seinem Inneren, schon lange gekannt hatte. Aber Scotts zarte Ermutigung erst hatte ihm die Möglichkeit gegeben, sie zu einzugestehen.

Dessen Augen wurden groß, aber er hatte sich gleich wieder in der Gewalt.

„Warum … Liam, wenn du unglücklich bist … warum verlässt du Ada dann nicht?“

Trotz des Erstaunens war seine Stimme ganz sanft und leise. Mitfühlend legte er die Hand auf Liams Arm, worunter sich dessen Haut schnell erwärmte.

„Weil ich nicht kann.“ Humorlos verzog Liam die Lippen zu einem Lächeln. „Wir haben einen Ehevertrag. Sie hat ihn selbst aufgesetzt und ich war so verflucht verliebt … dass ich ihn unterschrieben habe. Wenn ich sie verlasse, bekommt sie alles. Das Haus, die Kinder, meine Organe. Und sogar die Luft, die ich atme.“

Scott seufzte.

„Haus und Luft lassen sich sicherlich irgendwie regeln. Aber ohne deine Kinder und Organe wird es schwierig werden. Das verstehe ich.“

Seine Berührung wurde fester, als wolle er Liam seines Beistandes versichern.

„Siehst du. Ich hänge fest, bis die Mädchen alt genug sind, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich will sie nicht verlieren.“

„Das verstehe ich völlig. Ich würde es auch nicht riskieren.“

„Musst du zum Glück auch nicht. Eure Ehe ist ja das Paradebeispiel für Glück und Zufriedenheit.“

„Ja, das stimmt.“

So glücklich, wie Liam es an dieser Stelle erwartet hatte, sah Scotts Lächeln allerdings nicht aus.

„Scott?“ Jetzt setzte auch er sich ein wenig auf, aber sein Freund und Nachbar wischte das Thema bereits mit einer Geste vom Tisch.

„Hier geht es nicht um mich.“ Sichtlich bemüht um eine heitere Miene sah Scott ihn an. „Möchtest du ein bisschen Sport gucken? Irgendetwas läuft doch bestimmt und das bringt dich auf andere Gedanken.“

War das eine Art Flucht aus der Unterhaltung, jetzt da sie sich um Scott drehen sollte? Trotzdem lächelte Liam.

„Ja, klar.“

Gemeinsam Sport anzuschauen, war immerhin auch eine nette Alternative zu dem Elend, das sich in seinem Leben abspielte. Sie erhoben sich, und als sie einander für diesen einen Augenblick seltsam verlegen und unsicher gegenüberstanden, sagte Liam: „Aber du weißt, dass du jederzeit auch mit mir über alles sprechen kannst, oder?“

Scott nickte. „Natürlich weiß ich das. Danke.“

Aber an seinem Ton merkte Liam schon, dass er nie etwas von Scotts wirklichen Problemen zu hören bekommen würde.

3

Scott

Liam hatte sich Scott geöffnet und das hatte eine neue Tiefe in ihre Freundschaft gebracht. Ein bisschen hatte Scott gehofft, dass das auch eine körperliche Ebene eröffnen würde – aber dass das ein reiner Wunschtraum war, hätte ihm vorher klar sein können.

Dabei wurde sein Sehnen immer größer. Er wollte, dass Liam wusste, was für einen anbetungswürdigen Mann Scott in ihm sah und dass es ihn beinahe zerriss zu wissen, wie unglücklich Liam mit seiner Frau war. Er wollte ihm verdammt noch mal sagen, dass Scott ihn viel glücklicher machen konnte. Und es auch würde, wenn Liam ihn nur ließ.

„Schatz, es tut mir im Herzen weh, dich so leiden zu sehen.“ Seufzend ließ sich Brianna neben Scott auf die Couch fallen und legte die Arme um ihn. Er erwiderte die Umarmung, legte vertrauensvoll den Kopf auf ihrer Schulter ab.

„Ich bin ja selbst schuld. Eigentlich sollte ich das abhaken. Nie im Leben verlässt er seine Frau und selbst wenn, würde er sich nicht mit mir zusammentun. Er ist nun mal hetero, daran ist nicht zu rütteln.“

„Also so ganz verloren ist dein Ansinnen nicht, glaube ich.“

Er hörte Briannas Lächeln, ehe sie ihm einen Kuss auf das Ohr gab.

„Dafür steht er verdammt oft einfach vor der Tür und schreibt dir ja quasi morgens als Erstes und abends als Letztes.“

„Ja, weil ich sein einziger Freund bin.“ Ein bisschen enger musste er sich einfach noch in die Arme seiner Frau kuscheln. Sie vermittelten ihm Geborgenheit, wie es schon immer gewesen war.

„Vielleicht ist da ja aber noch mehr, worüber er sich selbst gar nicht klar ist. Wäre es denn ein Weg für dich, es ihm einfach zu sagen?“

Fassungslos über diesen ungeheuerlichen Vorschlag brachte Scott ein wenig Abstand zwischen sie, starrte sie an.

„Was soll ich ihm sagen?! Dass ich in ihn verknallt bin?“

Seine Frau aber lächelte beruhigend.

„Fang doch erst mal damit an, dass du schwul bist. Das könnte doch schon reichen, oder?“

„Aber dann wird er Fragen stellen. Wie es sein kann, dass meine Frau das noch nicht gemerkt hat. Warum wir ein Kind zusammen haben und so weiter.“

Diese Fragen beantwortete er ungern, weil das bedeutete, auch über Briannas Orientierung sprechen zu müssen. Und ein Fremdouting vermied er grundsätzlich.

„Dann erzählst du ihm eben alles. Na, und?“ Lax zuckte Brianna die Schultern, doch Scott seufzte tief.

„Und riskieren, dass wir auffliegen? Die würden alle über uns reden und …“

„Hat uns das denn je gestört, Scotty? Über uns beide wurde schon immer irgendwie geredet. Und wir haben dem immer die Stirn geboten. Gemeinsam.“

Liebevoll verschränkte sie ihre Finger mit Scotts, wie sie es schon tausend Mal gemacht hatte. Das allein ließ seine Fingerspitzen liebevoll kribbeln.

„Da hast du recht, Liebes.“ Gegen ein Lächeln konnte er sich nicht wehren, dann drückte er ihr einen Kuss auf die Lippen. „Ohne einander wären wir immer noch verzweifelte Ausgestoßene. Und keine glückliche, kleine Familie.“

„Das sind wir.“ Nun schloss Brianna ihn doch wieder in den Arm. „Auch, wenn mein Mann unglücklich verliebt ist und wir das unbedingt ändern müssen.“

Seufzend schloss Scott die Augen.

„Ich weiß nicht, wie.“

Ehrlichkeit war viel zu gefährlich. Für sie beide.

„Vertraust du Liam denn nicht? Dass er dichthält, wenn er das weiß?“

Das war genau die richtige Frage. Und sie stürzte Scott erneut in widerstreitende Gefühle.

„Im Grunde eigentlich schon …“

„Was hält dich dann davon ab?“

„Angst.“ Das zumindest konnte Scott deutlich benennen. „Dass er mich danach nicht mehr sehen will. Dass unsere Freundschaft dadurch kaputtgeht.“

„Ganz ehrlich, Scotty.“ Briannas sanfte Finger in seinem Haar. „Wenn eine Information über deine Sexualität schon dazu in der Lage ist, Liam abzustoßen, dann war es keine echte Freundschaft.“

Damit hatte sie leider absolut recht. Und Scott wollte nicht glauben, dass Liam so ein homophober Armleuchter war.

„Das ist wahr. Und trotzdem bin ich feige. Das bin ich doch immer.“

Brianna war die Starke von ihnen beiden. Damals gegen Ende der Schulzeit war sie mit der Idee aufgekommen, dass sie doch heiraten konnten. Der Schwule und die Lesbe des Dorfes, beste Freunde seit dem Kindergarten, die sich miteinander verbandelten, um so ein ruhiges Leben führen zu können. Sie hatte wie immer recht behalten, nach ihrer Hochzeit wurde es viel ruhiger um sie herum. Kaum noch Anfeindungen, wenige, die über sie lachten. Aber das Gedächtnis der Straße konnte trotzdem nie vollständig ausgelöscht werden. Immer wieder gab es Leute, die ihnen ihre Scharade nicht abnahmen. Außerdem war es in dem Kaff schwer gewesen, jemanden zu finden, mit dem man sich für ein paar süße Stunden einlassen konnte. Deshalb hatten sie sich irgendwann entschieden, wegzuziehen. Irgendwo als normales Ehepaar ganz neu anzufangen. Und es war geglückt. Hier in der Straße waren sie einfach eine Familie unter vielen. Ehemann und Ehefrau – und als Brianna ihm schließlich von ihrem Wunsch nach einem eigenen Kind erzählt hatte, hatte er zugestimmt. Sie hatten nie miteinander geschlafen und es trotzdem hingekriegt, dass Brianna schwanger geworden war. Und Brody war nun einmal wirklich die Erfüllung ihres Glückes geworden.

Mit seiner besten Freundin verheiratet, ein süßes Baby, das sie gemeinsam aufziehen konnten – so anders als die anderen waren sie gar nicht.

Bis darauf, dass sie nun mal andere brauchten, um sich ihre sexuellen Wünsche zu erfüllen.

Kurz nach ihrem Einzug hier hatte Brianna eine Frau gefunden, die in einer offenen Beziehung lebte und Brianna auf Händen trug. Scott hatte sie kennengelernt und mochte sie ebenso gern. Er gönnte seiner Frau diese zusätzliche Liebe, genauso wie sie ihm eine gönnen würde. Leider waren Scotts Beziehungen nicht so solide. Natürlich schlief er seit etwa einem dreiviertel Jahr mit Wayne. Aber der hatte noch andere Partner, wie er ihm oft versicherte. Weshalb Scott seine Hoffnung auf etwas Exklusives zwischen ihnen schnell aufgegeben hatte. Er mochte Wayne sehr gern, aber mehr würde daraus wohl nicht werden können.

Seine Gefühle für Liam jedoch …

Allein das tiefliegende Puckern unter seinem Magen sprach schon Bände. Wenn es nur irgendeine Möglichkeit gäbe, Liam dauerhaft für sich zu gewinnen …

„Du bist nicht feige, nur vorsichtig“, stellte Brianna seine Worte nun richtig. „Gib ihm einen Vertrauensvorschuss. Und wenn er fragt, erzähl ihm von unserem Arrangement. Er darf das ruhig alles wissen. Ich glaube nicht, dass er uns enttäuscht.“

Uns. Scott wünschte, er könnte dieses Wort öfter benutzen. Für sich und Brianna und Liam. Für sich und Liam.

Vielleicht musste er wirklich mal auf Brianna hören. Mutig sein. Liam alles erzählen.

„Du schaffst das, mein Schatz.“

Noch ein zarter Kuss landete in seinem Haar und Scott schloss voller Genuss über die Zuwendung die Augen.

„Ja, ich schaff’ das schon.“

Als sie im Stadion ankamen, war schon eine Menge los. Liam trug ein Shirt von seiner Lieblingsmannschaft, Scott hatte er einen Schal geliehen. Im Sommer ziemlich unnötig, aber es gehörte nun einmal dazu. Eigentlich hätte Scott lieber so eine große Schaumstoffhand gehabt, was er natürlich nicht laut aussprach.

„Riech mal. Das ist doch einfach das beste Geruchspotpourri, das es gibt, oder?“ Liams Augen strahlten so, wie Scott es noch nie bei ihm gesehen hatte. Er genoss diesen Ausflug, diesen Ausbruch aus seinem Alltag, offensichtlich in vollen Zügen. Aus vollem Herzen gönnte Scott es ihm. Gern hätte er nach seiner Hand gegriffen und ihm versichert, mit ihm den besten Tag aus diesen wenigen Stunden zu machen. Doch das stand ihm noch immer nicht zu.

In dem Trubel um sie herum hörte zum Glück niemand sein Seufzen.

Wenn er Liam von sich erzählen wollte, dann zumindest nicht heute. Das würde ihm nur das Spiel versauen. Deshalb lächelte er tapfer weiter, bis sie ihre Sitze auf der Tribüne erreichten. Das Stadion war gestopft voll, jeder Platz schien besetzt zu sein. Scott war gar nicht klar gewesen, dass so viele Leute auf dieses Team standen. Andererseits hatte er von Sport auch wirklich keine Ahnung.

„Holen wir uns noch Bier und Chickenwings? Muss immerhin eine Weile reichen.“

Liam war ganz in seinem Element und Scotts innere Schmetterlinge flatterten wild bei seinem Anblick.

„Ich kann das machen“, schlug er vor und erhob sich, obwohl er sich gerade erst gesetzt hatte.

„Aber du kennst dich hier doch gar nicht aus.“

„Das ist ein Stadion mit Schildern und lesen kann ich glücklicherweise.“

Grinsend klopfte er Liam auf die Schulter und schlängelte sich aus ihrer Reihe wieder heraus.

Was er nicht bedacht hatte, war, dass dieses Stadion riesig war. Zwanzig Minuten später stand er mit zwei Bechern Bier und einem riesigen Eimer Chickenwings in einem dieser monströsen Durchgänge und hatte keine Ahnung mehr, wo er hin musste. Natürlich hätte er ein bisschen durch die Gegend laufen und nach Liam suchen können, aber bei der Größe dieses Bauwerks hätte er ihn nie gefunden. Nicht mal seine Eintrittskarte hatte er dabei, die steckte in Liams Hosentasche. Also auch so kein Weg zurück.

Seufzend stellte er die Biere auf einem Stehtisch an der Wand ab und zog sein Handy heraus. Er musste geschlagene fünf Mal anrufen, ehe Liam den Anruf annahm.

„Scott?“

Die bekannte Anfangsmelodie ertönte auf dem Feld und die Menge begann zu jubeln und zu schreien, sodass er sekundenlang gar nichts mehr verstand. Er wartete, bis es wieder etwas ruhiger wurde, ehe er meinte: „Liam? Hörst du mich?“

„Ja, wo bist du? Das Spiel fängt an!“

„Ja … hm … ich finde nicht mehr zu unseren Plätzen.“ Liams leises Lachen ließ eine verlegene Hitze in seine Wangen steigen.

„Wäre ich doch lieber mitgegangen, was? Findest du zum KFC-Stand zurück? Ich komm dahin und hol dich.“

„Nein, dann verpasst du das Spiel! Sag mir die Nummern unserer Plätze. Dann schaff’ ich es schon allein.“

Dazu war Scott fest entschlossen. Immerhin wollte er Liams Tag schöner machen und nicht versauen.

„Tust du nicht. Geh zum KFC-Stand, da treffen wir uns gleich.“

Dann legte Liam auf und Scott seufzte tief.

Das hatte er ja schon mal schön in den Sand gesetzt.

Er nahm die Biere wieder in die Hand und wartete ein paar Minuten neben dem großen Gesicht von Colonel Sanders, bis er Liam mit einem breiten Grinsen auf sich zukommen sah.

„Tut mir leid“, rief Scott ihm schon entgegen, noch immer mit brennenden Wangen. „Jetzt verpasst du wegen mir den Anfang des Spiels!“

„Schon okay, Scotty.“ Sein Nachbar trat amüsiert zu ihm und nahm ihm erst einmal die Biere ab. „Ich weiß, wie verwirrend das hier sein kann. Du bist nicht der Erste, der sich hier verirrt hat.“

„Verzeih mir. Ich mach das wieder gut!“

„Unsinn.“ Sacht stieß Liam ihn mit der Schulter an. „Es gibt nichts gutzumachen. Obwohl …“ Kurz legte er den Kopf schief, als müsse er ganz scharf nachdenken. „Vielleicht ein Eis, wenn wir nachher gehen.“

„Gern.“ Das zauberte Scott ein Lächeln auf die Lippen. „Wenn du willst auch ein ganzer Eisbecher, falls du noch nicht gleich heim magst.“

„Deal!“ Lachend gingen sie los, als Liam von einem anderen Mann angestoßen wurde. Das halbe Bier landete auf Liams Shirt und Scott sah deutlich, wie er gerade schimpfen wollte, da löste sich der Mann von einem anderen, dessen Hand er offenbar gehalten hatte, und rief: „Oh nein, bitte entschuldigt! Das war echt keine Absicht! Fuck, kann ich dir ein neues Bier holen?“

Beruhigt erkannte Scott die Änderung in Liams Miene und Körperhaltung, als dieser abwinkte.

„Schon okay.“

„Scott?“

Erst jetzt sah Scott den anderen Händchen haltenden Mann genauer an, dem er bisher überhaupt keine Beachtung geschenkt hatte. Doch mit einem Ruck hob er den Kopf zu der so bekannten Stimme.

„Wayne!“

Für einen Moment sahen Liam und der Mann, der ihn angerempelt hatte, verwirrt zwischen ihnen hin und her, sodass Scott sich schnell ein Herz fasste und erklärte: „Liam, das ist Wayne. Mein Muay Thai-Trainer.“

Endlich erhellte sich Liams Miene wieder und er streckte Wayne die Hand entgegen.

„Freut mich.“

„Wayne, das ist mein Nachbar Liam“, fügte Scott schnell an.

Endlich ergriff sein Trainer Liams Hand. Die Erklärung hätte es nicht mehr gebraucht. Wayne erinnerte sich an den Namen. Ziemlich deutlich, wie sein Mienenspiel Scott klar machte.

„Ebenso“, sagte Wayne mit seiner dunklen Stimme und maß Liam dabei von oben bis unten. Auch Waynes Freund zog die Brauen unverständig hoch, während die beiden Männer einander taxierten.

„Willst du mich nicht vorstellen?“ Es klang ein kleines bisschen zickig, sodass Scott seine gesamte Aufmerksamkeit ihm zuwandte. Er war ebenso ein Afroamerikaner, groß, sehnig und mit rasierter Glatze. Vielleicht ein bisschen älter als Scott.

Auch sein Stil war völlig anders als Scotts. Ziemlich schick gemacht war der Kerl unterwegs, in Dreiviertel-Chinos mit stylischen Loafer und einem Hemd darüber. Seltsam für ein Footballspiel, aber Scott wollte nicht urteilen.

„Das ist Roger“, ließ Wayne sich endlich widerwillig vernehmen und schnell streckte Scott ihm die Hand hin.

„Schön, dich kennenzulernen.“

Ihre seltsame Vorstellungsrunde wurde durch lauten Jubel von draußen unterbrochen.

„Ich denke, wir sollten wieder zu unseren Plätzen gehen.“ Scott wurde von Liams Blick getroffen, weshalb er schnell nickte.

„Ja, hast recht. Haben eh schon so viel verpasst.“ Verlegen lächelte er Wayne und Roger zu. „War schön, euch zu sehen. Bis Dienstag, Wayne.“

„Ebenso. Ja, bis Dienstag.“

Er machte die ersten Schritte von der Gruppe weg, da folgte Roger ihm schnell nach einem kurzen Winken und nahm wieder Waynes Hand.

Das stach in Scotts Brust. Was fand Wayne an Roger? Besser gesagt, was fand Wayne an Scott, wenn er so einen Mann wie Roger haben konnte? War das womöglich der Grund, warum aus ihnen trotz der Länge ihrer Affäre nicht mehr geworden war? War seine Hautfarbe der Grund?

Das tat unerwartet weh. Wahrscheinlich war Scott ihm jetzt ebenso peinlich gewesen, zumindest vermutete er das stark. Sonst hatte sich Wayne nie so reserviert verhalten.

„Das war seltsam, oder?“, hakte Liam auf einmal nach, der den beiden einen Blick hinterherwarf, bevor er ihren Weg zur Tribüne wieder aufnahm.

„Ach, Wayne ist nicht besonders gesprächig“, nahm er seinen Trainer in Schutz, während er versuchte, mit Liam Schritt zu halten. „Dafür ist er viel zu gefährlich. Kennt man ja von van Damme oder Seagal.“

Er versuchte ein heiteres Lächeln, doch da lachte Liam schon und Scott musste sich um die Echtheit seines Ausdrucks auf einmal nicht mehr bemühen.

„Klar, versteh ich. Man muss seinem Ruf treu bleiben.“ Liam feixte und dabei strahlten seine Augen wieder so glücklich. „Komm hier lang.“

Wenig später hatten sie es zu ihren Plätzen zurückgeschafft und Scott goss von seinem Bier Liams Becher auf, bis sie beide gleich viel hatten.

„Ich hab’ noch nicht davon getrunken“, versicherte er, doch sein Kumpel grinste.

„Keine Sorge, ich bin sicher, du bist nicht giftig. Danke, Scotty.“

Bei dem Spitznamen allein hätte Scott schmelzen können. Er mochte es, wenn Liam seine Abwehr fallen ließ und einfach er selbst war. Tat, was er tun wollte. Sagte, was er sagen wollte. Und dass er Scott mit einem Spitznamen bedachte, war für ihn einfach etwas Besonderes. Es machte ihm Hoffnung, wo eigentlich keine war. Aber diese wenigen Sekunden wollte er sich ihr hingeben.

„Gern. Auf das Spiel.“ Er erhob seinen Becher und eben als Liam dagegen stoßen wollte, begann er zu schreien. Fassungslos starrte Scott ihn an, aber außer seinem Kumpel schrien noch tausend andere Menschen, was ihm klarmachte, dass auf dem Spielfeld wohl irgendetwas passiert war.

Leidlich interessiert lenkte er seine Aufmerksamkeit dorthin, auch wenn er keine Ahnung hatte, was die da überhaupt trieben. Sicher, das Ei musste in den hintersten Winkel der gegnerischen Mannschaft gelangen, so viel war ihm klar. Dass die sich auch mal gegenseitig umhauten, ebenso. Aber alles andere – Taktik, Spielzüge, die Ehrerbietung für diese Footballstars – das ergab für Scott einfach alles keinen Sinn.

„Großartig! Hast du das gesehen?!“, freute sich Liam, woraufhin Scott hastig nickte. Wahrscheinlich hatte er es gesehen. Auch wenn er es nicht zuordnen konnte.