Alltagsängste bei Kindern - Alicia Eaton - E-Book

Alltagsängste bei Kindern E-Book

Alicia Eaton

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Beschreibung

Kinder nicht allein lassen mit ihren Ängsten - Wie können Eltern mit einem Kind umgehen, das panische Angst vor dem Zahnarzt, Spritzen, Hunden oder Spinnen hat? - Wie helfen sie einem Kind, das davon überzeugt ist, ganz genau zu "wissen", dass es alles vergessen wird, sobald es die Schwelle zum Prüfungsraum überschreitet? - Wie können sie ihrem Kind Nachrichten von Terroranschlägen und Bombenattentaten erklären, ohne es zu ängstigen? - Eltern fühlen sich oftmals hilflos, wenn ihr Kind unter Ängsten oder Phobien leidet: Wie sollen sie sich verhalten, was sollen sie sagen, um Unterstützung zu bieten und nicht noch alles zu verschlimmern? In diesem Buch finden Eltern Antworten auf diese Fragen. Techniken aus der Positiven Psychologie, der Kognitiven Verhaltenstherapie, aus Psychosensorischen Therapien, der Hypnotherapie und dem Neurolinguistischen Programmieren sowie Achtsamkeitsübungen werden verständlich und kindgerecht aufbereitet, damit der Transfer in die Praxis gelingt. Neben allgemeinen Tipps für eine angstreduzierte Umgebung geht die Autorin auch auf spezifische Ängste wie die vor Hunden, Ärzten oder der Schule ein.

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Seitenzahl: 261

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Alicia EatonAlltagsängste bei Kindern

Über dieses Buch

So helfen Sie Ihren Kindern bei alltäglichen Ängsten

Wie können Eltern mit einem Kind umgehen, das Angst vor dem Zahnarzt, vor Spritzen, Hunden oder Spinnen hat? Wie helfen sie ihm bei Prüfungsangst? Wie erklären sie ihrem Kind Nachrichten von Terroranschlägen und Bombenattentaten, ohne es zu ängstigen? Eltern fühlen sich oftmals hilflos, wenn ihr Kind unter Ängsten oder Phobien leidet: Wie sollen sie sich verhalten, was sollen sie sagen, um wirksam Unterstützung zu bieten? 

In diesem Buch finden Eltern Antworten auf diese Fragen. Techniken aus der Positiven Psychologie, der Kognitiven Verhaltenstherapie und der Hypnotherapie sowie Achtsamkeitsübungen werden verständlich und kindgerecht aufbereitet, damit der Transfer in die Praxis gelingt. Neben allgemeinen Tipps für eine angstreduzierte Umgebung behandelt die Autorin auch spezifische Ängste wie die vor Hunden, Ärzten oder der Schule.

Alicia Eaton führte als AMI Montessori-Lehrerin fünf Jahre lang eine eigene Schule. 2003 ließ sie sich zur Integrativen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Klinische Hypnose ausbilden. Seit 2004 führt sie ihre eigene Praxis in London.

Copyright: © Junfermann Verlag, Paderborn 2021

Copyright der Originalausgabe: © Alicia Eaton, 2019

Coverfoto: © Nikolaj Bataev – stock.adobe.com

Covergestaltung / Reihenentwurf: Junfermann Druck & Service GmbH & Co. KG, Paderborn

Die Originalausgabe ist 2019 unter dem Titel First Aid For Your Child’s Mind: Stop Anxiety, Fears and Worries in their Tracks bei Practical Inspiration Publishing erschienen.

This translation is published by arrangement with Practical Inspiration Publishing, UK.

Übersetzung: Christa Broermann, Stuttgart

Satz, Layout & Digitalisierung: Junfermann Druck & Service GmbH & Co. KG, Paderborn

Alle Rechte vorbehalten.

Erscheinungsjahr dieser E-Book-Ausgabe: 2021

ISBN der Printausgabe: 978-3-7495-0109-0

ISBN dieses E-Books: 978-3-7495-0202-8 (EPUB), 978-3-7495-0204-2 (PDF), 978-3-7495-0203-5 (EPUB für Kindle).

Ich widme dieses Buch dem Andenken an meinen Vater Andrzej Olson (1930–2018), der uns gezeigt hat, dass es möglich ist, die schlimmsten Zeiten zu durchleben und sie zum Besten zu wenden.

Einleitung

Wir hören oft, dass die Kinder von heute stärker unter Stress stehen als jene früherer Generationen. Sie wachsen in einer Umwelt auf, in der es besorgniserregende neue Faktoren wie die Bedrohung durch den Terrorismus und den Klimawandel gibt, sie müssen in der Schule unzählige Tests und Prüfungen machen und werden in den sozialen Medien mit Mobbing konfrontiert: All das trägt zu einem höheren Maß an Angst bei. Unsere neuen Vernetzungsmöglichkeiten sind allem Anschein nach Segen und Fluch zugleich.

Selbst wenn Kinder Spaß daran haben, sich mit Computerspielen zu vergnügen, schüttet ihr Körper dabei eine Menge an Adrenalin aus, die nicht wieder völlig abgebaut wird. Das Gefühl einer ständigen Beunruhigung und einer „generalisierten Angst“, wie man in der Psychologie sagt, kann dadurch rasch in alle Bereiche des Lebens überschwappen.

In meiner Praxis in der Harley Street helfe ich Kindern schon seit über 15 Jahren, besser mit Angstgefühlen umzugehen und sie zu überwinden, daher weiß ich um die schlimmen und lang anhaltenden Folgen, die sie haben können, wenn man ihnen nicht entgegenwirkt. Angst kann das emotionale Wachstum eines Kindes verzögern und seine Leistungen in allen Bereichen des Lebens hemmen. Sie wird Ihr Kind davon abhalten, Freundschaften zu schließen, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, erfolgreich Prüfungen zu bestehen und sein Potenzial zu entfalten.

Ironischerweise sind Sorgen über die Ängste eines Kindes zu einer erheblichen Stressquelle für Eltern geworden. Angst verbreitet sich im Haus wie ein unsichtbares Gas – jeder kann sie spüren, aber niemand weiß so recht, was genau los ist. Wir wissen nur, dass sie ansteckend ist.

Jedes Mal, wenn ein Kind voller Angst zu mir kommt, sehe ich in ihm ein wenig mich selbst, denn ich weiß, was es heißt, ein ängstliches Kind zu sein. Ich weiß, wie es ist, wenn man sehr, sehr große Angst hat. Ich weiß, wie es ist, wenn man in den dunklen Ecken des Schlafzimmers schattenhafte Gestalten sieht und Stimmen hört, obwohl gar niemand da ist. Und wie es sich anfühlt, wenn das Herz so hämmert, dass man Angst hat, es zerspringe einem gleich in der Brust, denn ich habe den größten Teil meiner Kindheit so verbracht – in einem Zustand der Angst.

Ich wurde als Alicja Olszewska geboren – als Tochter polnischer Flüchtlinge. Mein Vater lebte während des ganzen Zweiten Weltkriegs in Warschau und musste sich als Kind jahrelang vor Nazisoldaten verstecken und ihren Kugeln ausweichen. Nach dem Ende des Krieges wurde er als 16-Jähriger zusammen mit seiner Mutter und seinem Bruder im Laderaum eines Lastwagens aus dem Land geschmuggelt. Als sie in England eintrafen, kamen sie dort wieder mit meinem Großvater zusammen, der als polnischer Offizier in der Royal Air Force war und auch für die polnische Exilregierung in London arbeitete. Daher konnte er, wie er wusste, nie mehr nach Polen zurückkehren, und die Familie konnte sich glücklich schätzen, dass sie sich in England wieder vereinen konnte.

Mein Vater hat immer gesagt, eigentlich hätte er schon viele Male zu Tode kommen müssen. Fast täglich war er in lebensgefährliche Situationen geraten, und doch war es ihm irgendwie gelungen, mit heiler Haut davonzukommen. Er fragte sich oft, wie er das fertiggebracht hatte und warum er zu den wenigen glücklichen Überlebenden zählte, und wenn ich mir das Ausmaß der Zerstörung ansehe, das der Krieg über Warschau gebracht hat, dann staune ich ebenfalls darüber. Das Haus seiner Familie steht dort noch heute, und ein Nachbarhaus weist als bleibende Kriegsnarben Einschusslöcher auf.

Im Gegensatz dazu war meine Kindheit in einem Vorort von London ein sehr sicheres Dasein, und doch wurde nicht nur das Leben meines Vaters, sondern auch unseres von dem beherrscht, was nach unserem heutigen Wissen eine Posttraumatische Belastungsstörung war.

Mein Vater wachte regelmäßig mitten in der Nacht auf, weil er Albträume hatte, und schrie: „Die Soldaten kommen!“ Unser Küchenschrank quoll fast über von Reis-, Nudel-, Zucker- und Mehlpaketen – Kriegsvorräte für alle Fälle. Mein Vater wurde zornig, wenn die Vorräte zu weit zusammenschmolzen – wir würden es ihm eines Tages danken, sagte er immer, wenn es Krieg gäbe und die Menschen nichts zu essen hätten. Wir hatten auch Gasmasken auf dem Dachboden … „für alle Fälle“.

Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem er zur Bank ging und einen Teil seiner Ersparnisse in Krügerrand-Münzen umtauschte. „Gold wird die einzig wahre Währung sein, wenn es Krieg gibt“, pflegte er immer zu sagen. Eine Goldmünze konnte einem das Leben retten, denn mit ihr konnte man den Laib Brot kaufen, der darüber entschied, ob man weiterlebte oder verhungerte. Er hob unter der Eiche am Ende des Gartens ein tiefes Loch aus und vergrub dort all seine Goldmünzen.

Obwohl er als Sohn eines Luftwaffenoffiziers auf einem Militärflugplatz aufgewachsen war, hatte er große Angst vor dem Fliegen und stieg nie in ein Flugzeug. Noch in späteren Jahren wurde er zornig, wenn er herausfand, dass ich eine Urlaubsreise ins Ausland machen und mit dem Flugzeug reisen wollte, denn er war ständig in Sorge um uns. Paradoxerweise sah er sehr gerne bei Flugschauen zu und sammelte auch Modelle von Spitfires – aber er zog automatisch den Kopf ein, wenn er über sich das Dröhnen eines Flugzeugs hörte.

Die Kindheit meiner Mutter war ebenso traumatisch, sie lebte zeitweise in sibirischen Arbeitslagern, und so wurde das Leben in höchster Alarmbereitschaft für meine Familie zu einer normalen Daseinsform.

Als wir Kinder waren, ging nie jemand mit meinen Schwestern und mir in ein Schwimmbad – Schwimmbäder mussten unbedingt gemieden werden, denn „Wasser ist sehr, sehr gefährlich.“ Wir durften auch kein Fahrrad besitzen und nicht Rad fahren – denn wir könnten herunterfallen und „uns den Hals brechen“! Und wenn nicht, würde uns spätestens das nächste Auto, das vorbeikam, totfahren.

Als ich fünf Jahre alt war, entwickelte ich eine Hundephobie. Ein freundlicher Labrador sprang bei einem Familienausflug ans Meer an mir hoch. In seinem Überschwang kratzte er mich an den Beinen. Als ich daraufhin Blutstropfen auf meinen Schenkeln sah, geriet ich in Panik und rannte los – und der Hund natürlich hinterher. Doch wie schnell ich auch rannte, der Hund war schneller. Ich konnte seinem heißen Atem und seinem Keuchen dicht hinter mir nicht entkommen. Und je lauter ich schrie, desto lauter bellte er.

Es dauerte über 30 Jahre, bis ich das Gefühl von Panik kontrollieren konnte, das mich jedes Mal überflutete, wenn ein Hund in meine Nähe kam.

In den 1970er-Jahren, als ich groß wurde, war es üblich, Hunde auf der Straße frei laufen zu lassen, deshalb konnte mein eigentlich kurzer Schulweg von 15 Minuten sich bis zu einer Stunde ausdehnen, da ich oft einem seltsamen Zickzackkurs folgte, weil ich jedes Mal die Straßenseite wechselte, wenn ich einen Hund kommen sah. In den 1970er-Jahren legten Terroristen in London auch regelmäßig Bomben, sodass uns meine Mutter warnte, nie dicht an einem Briefkasten vorbeizugehen, „denn er kann explodieren!“ Dadurch wurde der Schulweg noch länger.

Also weiß ich über Angst Bescheid. Und ich kenne Albträume. Ich kenne das Gefühl von Panik, denn ich bin damit aufgewachsen. „Angsthase“ war mein Spitzname. Ich weiß, wie sehr Angst einen schwächt und wie weit sie das Leben von Menschen einschränkt.

Meine Angst hielt sich bis ins Erwachsenenalter, und leider entwickelte ich auch eine Furcht vor dem Aufzug- und dem U-Bahn-Fahren – sehr unpraktisch, wenn man rechtzeitig am Arbeitsplatz erscheinen will. Und, ach ja, ich hatte auch Angst im Dunkeln … und vor dem Fliegen (logisch – das hatte mir mein Vater ja anerzogen) und vor Spinnen und … also, Sie verstehen schon.

Angst ist eine merkwürdige und ungewöhnliche Emotion. Obwohl mein Vater sein Leben lang mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu kämpfen hatte, war er kein Hasenfuß. Er war ein starker, vitaler Charakter, der das Leben jeden Moment voll auskosten wollte – das hatte er während des Krieges gelernt. Schließlich wusste man nie, wann das Leben zu Ende war, deshalb musste man jeden Tag so leben, als sei er der letzte. Und obwohl er so leicht in Panik geraten und beim Anblick einer Spinne in einer Zimmerecke aufschreien konnte, war er vollkommen furchtlos, wenn es um sein Geschäft ging – ein großes und sehr erfolgreiches Elektronikunternehmen. Die Leute fragten sich oft, ob er einfach „Glück gehabt“ hatte, aber wir wussten, der eigentliche Grund für seinen Erfolg war, dass er bereit war, Risiken einzugehen, vor denen die meisten Menschen zurückschrecken würden. Er hatte sicherlich das Gefühl, er sei ein Glückspilz – wie hätte er sonst den unzähligen Kugeln und Bomben entrinnen können –, und auf seltsame Weise trieb ihn seine Angst an, Großes zu leisten. Er führte sein Geschäft in Vollzeit, bis er 86 Jahre alt war.

Als ich meine Ausbildung in klinischer Hypnose und Neurolinguistischem Programmieren begann, fing ich an zu verstehen, wie Furcht, Phobien und Ängste entstehen, und – was noch viel wichtiger war – wie man sie wieder loswerden kann. Ich war fasziniert von der Entdeckung, dass es tatsächlich möglich ist, eine Spinnen- oder Schlangenphobie an einem einzigen Tag aus der Welt zu schaffen. Wenn man lernte, die Reaktionen des Körpers zu kontrollieren, bedeutete das, dass jemand, der sein Leben lang beim Anblick einer harmlosen Hausspinne zu schreien begonnen hatte, lernen konnte, nach einigen Stunden eine Vogelspinne zu streicheln oder eine Pythonschlange auf den Arm zu nehmen und sich dabei sogar wohlzufühlen.

Als Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern weiß ich, wie verhasst Eltern die Vorstellung ist, dass sie ihre Furcht und ihre Ängste an die nächste Generation weitergeben. Wir haben natürlich das Gefühl, wir sollten die Starken sein, die ihre Kinder beschützen und sie zu Selbstsicherheit und Mut erziehen. Wir möchten, dass unsere Sprösslinge selbstbewusst, glücklich und erfolgreich sind – wir wollen nicht, dass sie später solche Angsthasen werden wie wir. Wir wollen etwas Besseres für sie, nicht wahr?

Mit inzwischen vielen Jahren klinischer Praxis weiß ich, wie häufig Erwachsene ihre eigenen Ängste in sich verschließen und sie vor ihren Kindern zu verheimlichen suchen. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass schon vorhandene Ängste und Phobien zunehmen, wenn man Mutter oder Vater wird, denn in diesem Moment fängt man an zu begreifen, dass man vielleicht etwas gegen die eigene Furcht unternehmen muss – Sie müssen sich „Ihren Ängsten stellen“ oder das Risiko eingehen, sie weiterzugeben. Und dieser Gedanke ist erschreckend, oder?

Das Erste, was Eltern häufig sagen, wenn sie ihr Kind zu mir bringen, ist: „Ich habe große Angst, dass ich meine Angst weitergeben könnte“, ohne zu erkennen, dass sie das allein durch das Aussprechen dieses Satzes in Hörweite des Kindes bereits tun. Die Sprache und die konkreten Worte, die wir gegenüber unserem Nachwuchs benutzen, können das Unbewusste eines kleinen Kindes programmieren – genauso, wie es meine Eltern bei mir gemacht haben.

Ich danke dem Schicksal noch heute, dass ich das Glück hatte, auf das Neurolinguistische Programmieren (NLP) und die Hypnotherapie zu stoßen, die mir beide geholfen haben, meine Ängste abzulegen und zu lernen, wie ich besser atmen kann.

Inzwischen ist es mir zu einem leidenschaftlichen Anliegen geworden, anderen zu helfen, dasselbe zu tun, und in diesem Buch werde ich Ihnen zeigen, wie Sie Ihrem Kind helfen können, seine Furcht, seine Ängste und Phobien zu überwinden … und (im Flüsterton) wie Sie Ihre ebenfalls überwinden können. Wenn Sie besser verstehen, wie und warum unsere Seele Angstgefühle entwickelt, und ein Wissen darüber erwerben, wie Sie am wirksamsten mit ihnen umgehen können, werden Sie sehen, wie viel leichter und ruhiger das Leben werden kann.

In diesem Buch werden Sie erfahren:

was der Unterschied zwischen Furcht, Phobie und Angst ist;

wie Sprache und Worte unser Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen;

was Sie einem Kind mit Angst sagen und was Sie nicht sagen sollten;

wie uns die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Hirnforschung helfen können, Kontrolle zu erlangen;

wie Sie topaktuelle psychologische Techniken und Therapieformen für die Auflösung von Angst anwenden können.

Ich kann Ihnen aufgrund meiner eigenen Erfahrung versichern, dass Angststörungen sehr gut behandelbar sind. Jeder von uns kann lernen, Kindern vor Augen zu führen, dass die meisten Gefühle von Furcht und Angst eben nicht mehr sind als das – Gefühle. Und das Gute an Gefühlen ist, dass man sie leicht ändern kann.

TEIL 1: DIE ZUSAMMENHÄNGE VERSTEHEN

1. Angst: Worum geht es dabei?

Die Zahl der Kinder, die aufgrund von Angst und anderen psychischen Schwierigkeiten Hilfe suchen, hat stark zugenommen, wie neuere Daten der NSPCC (National Society for the Prevention of Cruelty to Children, dt. Nationale Gesellschaft zur Verhütung von Grausamkeit gegenüber Kindern) zeigen. Schon Kinder im Alter von vier Jahren sollen Anzeichen von Panikattacken, Essstörungen, Angst und Depression aufweisen.

Allein in den letzten drei Jahren haben Schulen 120.000 Kinder wegen psychischer Störungen in professionelle Behandlung überwiesen, wobei 56 Prozent dieser Überweisungen aus Grundschulen kamen. Das bedeutet, dass im Schuljahr 2017 / 2018 durchschnittlich 183 Kinder pro Tag zu Psychiatern, Psychologen oder anderen Therapeuten geschickt wurden.1

Fachleute machen dafür die Zunahme an schulischen Prüfungen, den Druck aus den sozialen Medien, gut auszusehen und beliebt zu erscheinen sowie zerbrochene Familien und Geldsorgen verantwortlich. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft inzwischen 24 Stunden am Tag mit Nachrichten versorgt wird und ein endloser Strom von Informationen über uns hereinbricht. Ob es um einen Terroranschlag mit Zufallsopfern auf einer Brücke im Stadtzentrum oder an einem Strand voller Touristen geht, um einen Selbstmordattentäter, der seine Bombe bei einem Konzert für Teenager zündet, oder um einen außer Kontrolle geratenen Waldbrand – es wird immer schwieriger, unsere Kinder davor zu schützen, all die damit verbundenen grausamen Einzelheiten zu hören und zu sehen.

Oft fühlen wir uns angesichts dieser außerordentlich tragischen Ereignisse sehr schlecht gerüstet, Kindern Vorgänge zu erklären, die extremen Stress erzeugen. Sollten wir sie von solchen Schrecknissen abschirmen oder offen darüber sprechen? Und wie können wir ihnen helfen, solche Tragödien zu verstehen, wenn wir sie kaum selbst begreifen können?

Es ist also nicht weiter überraschend, dass der Angstpegel bei Kindern hochgeschnellt ist, aber ironischerweise gehören Sorgen über die Ängste der Kinder zu den meistgenannten Gründen dafür, dass Eltern selbst schlaflose Nächte haben. Sogar wenn die Kinder „Spaß haben“, wenn sie zu Hause sitzen und Computerspiele machen, schüttet ihr Körper dabei eine Menge an Adrenalin aus, die hinterher nicht wieder ganz abgebaut wird. Diese Gefühle von Beunruhigung und „generalisierter Angst“, um den dafür korrekten Namen zu nennen, können rasch in andere Bereiche des Lebens überschwappen.

Der Unterschied zwischen Angst und Furcht

Angst ist das Gefühl, das wir im Vorfeld eines stressigen Ereignisses haben – sie ist, anders ausgedrückt, unsere Reaktion auf etwas, das noch nicht eingetreten ist. Wie groß unsere Angst wird, hängt sehr stark von unseren Gedanken ab – wir können sie allein schon dadurch steigern, dass wir an die Situationen denken, die auf uns zukommen, oder sie fürchten. Die meisten werden der Aussage zustimmen, dass wir uns mit unbegründeten Sorgen bis zur Erschöpfung aufreiben können – die Wirklichkeit stellt sich oft als viel besser heraus, als wir uns in der Vorstellung ausgemalt haben.

Furcht ist hingegen die Emotion, die wir erleben, wenn wir tatsächlich in einer gefährlichen Situation sind. Sie haben vielleicht schon von der „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ gehört – sie ist die Reaktion unseres autonomen (oder vegetativen) Nervensystems, das bei Stress Hormone wie Adrenalin und Noradrenalin aus den Nebennieren freisetzt. Diese beschleunigen den Herzschlag, erhöhen den Blutdruck, vertiefen die Atmung und sorgen für das jetzt erforderliche schnelle Hochfahren der Energie, die Sie brauchen, um mit der drohenden oder schon eingetretenen Gefahr fertigzuwerden. Das ist wunderbar, wenn Sie wirklich in Gefahr sind und schnell weglaufen müssen, aber unser Körper ist in der Evolution noch nicht so weit gediehen, dass er zwischen dem Angriff eines Grizzlybären und der vergleichsweise harmlosen Bedrohung unterscheiden kann, die uns in einem vollen Supermarkt oder bei einem Verkehrsstau erwartet, oder die gar rein fiktiv ist, wie im Fernsehen oder bei Computerspielen.

Es kann bis zu 60 Minuten dauern, bis die Wirkung dieser automatischen Reaktion nachlässt, und wenn die Stresshormone nicht verbraucht werden, erhöht sich ihre Konzentration in unserem System und sie können uns schwächen. Das hat nicht nur eine schädliche Wirkung auf unseren Körper, sondern wir fühlen uns dann auch bald, als seien wir ständig im Alarmzustand, und die entsprechenden körperlichen Empfindungen werden weitere angstvolle Gedanken schüren. Der Kopf wird verständlicherweise meinen, es müsse einen guten Grund dafür geben, dass die körperliche Stressreaktion ausgelöst wurde, und wenn das nicht der Fall ist, wird er einen für Sie erfinden und Ihnen eine Reihe angstbefrachteter Gedanken über zukünftige Ereignisse eingeben.

Und so wird sich der Zyklus fortsetzen – Ihre Befürchtungen werden wieder die automatische Stressreaktion ankurbeln und die dann ausgeschütteten Stresshormone werden in Ihrem Kopf die Frage anstoßen, was los ist.

In der Alltagssprache unterscheiden wir im Deutschen allerdings nicht so streng zwischen den beiden Begriffen, daher werden wir im weiteren Verlauf des Buches beide Wörter alternativ verwenden [A. d. Ü.].

Die gute Nachricht ist, dass Angst ein sehr gut behandelbares Phänomen ist. Aufgeklärte Psychologen beschreiben Angst inzwischen als die Folge einer emotionalen „Verletzung“ und nicht mehr als „Störung“ – denn dieses Wort impliziert sofort, dass die Angst Teil eines lang anhaltenden Problems ist und etwas, an dem man „leidet“. In Wirklichkeit ist es heute möglich, eine emotionale Verletzung zu heilen, statt sie schwären zu lassen, bis etwas viel Größeres daraus geworden ist.

Genauso, wie sich unsere Kinder körperliche Beulen und Schrammen holen, können sie sich auch ein paar innere Verletzungen zuziehen, was uns nicht weiter überraschen sollte.

Wir haben uns daran gewöhnt, uns um unsere körperliche Gesundheit zu kümmern – denken Sie etwa daran, wie es war, als Sie das letzte Mal eine unklare Magenverstimmung hatten oder sich den Fuß verstaucht haben. Das Erste, was die meisten von uns machen, ist eine Recherche im Internet, und das ist auch sinnvoll, weil wir wissen, dass wir dort hilfreiche Ratschläge finden, die uns schneller wieder auf die Beine helfen.

Wenn es jedoch um unsere seelische Gesundheit geht, ist das etwas ganz anderes. Als Gesellschaft scheuen wir davor zurück, über „seelische Dinge“ zu sprechen, und haben das Gefühl, mit ihnen kämen wir am besten zurecht, wenn wir die Zähne zusammenbeißen oder sie Fachleuten überlassen – aber selbst dann sind wir uns nicht allzu sicher, welche Art von Experte der Richtige für uns sein könnte. Diese Angst vor einem Missgriff führt dazu, dass sich viel zu viele durchs Leben schleppen und mit Angstattacken oder Phobien herumschlagen, die sie in vielfacher Hinsicht behindern.

Ständig mit Angstgefühlen zu leben kann schwere und langfristige Folgen haben, und Kinder können in ihre Ängste „hineinwachsen“, statt aus ihnen herauszuwachsen. Angst kann das emotionale Wachstum eines Kindes verzögern und seine Leistungen in allen Bereichen des Lebens hemmen. Sie wird Ihr Kind davon abhalten, Freundschaften zu schließen, an gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen, erfolgreich Prüfungen zu bestehen und sein Potenzial zu entfalten. Noch schlimmer ist, dass Kinder, die an Angst und Depressionen leiden, ihre Probleme wahrscheinlich ins Erwachsenenalter mitnehmen.

Die Gefühle von Stress und Angst können sich auf sehr unterschiedliche Weise manifestieren:

in einem häufigen Heißhunger auf Süßigkeiten und Snacks;

in einer Abneigung dagegen, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen oder Freunde zu Hause zu besuchen;

in Schwierigkeiten im Unterricht und mit Schularbeiten sowie in schlechten Noten;

in der Unfähigkeit, sich zu konzentrieren oder Anweisungen zu befolgen;

in Schwerhörigkeit oder Tinnitus;

in ständiger Besorgnis und endlosen Fragen, auf die es keine richtigen Antworten gibt;

in Albträumen und Einschlafschwierigkeiten;

im Bettnässen;

in Daumenlutschen, Nägelkauen, Tics und Stottern;

in Reizbarkeit und aufbrausendem Temperament;

in Wutausbrüchen und Streitereien mit den Geschwistern.

Die meisten Eltern werden bereitwillig zugeben, dass sie sich ungenügend dafür gewappnet fühlen, ihren Kindern bei der Bewältigung von Angstgefühlen und Sorgen zu helfen, und einfach nicht wissen, was sie sagen sollen. Und das ist schließlich auch kein Wunder:

Wie können Sie am besten Nachrichten über Terroranschläge und Bombenattentate erklären, ohne Ihr Kind zu ängstigen?

Was können Sie einem Kind sagen, das einen Hochhausbrand oder eine Katastrophe im Fernsehen mit angesehen hat und in der Folge an Albträumen leidet?

Wie können Sie mit einem Kind umgehen, das panische Angst vor dem Zahnarzt, Spritzen, Hunden oder Spinnen hat oder erstarrt, nur weil es Gemüse essen soll?

Oder wie helfen Sie einem Kind, das davon überzeugt ist, ganz genau zu „wissen“, dass es alles vergessen wird, sobald es die Schwelle zum Prüfungsraum überschreitet?

TIPP: Es hilft nichts, wenn Sie sagen: „Hab keine Angst.“

Um sich zu reifen Erwachsenen zu entwickeln, durchlaufen Kinder einen Prozess, den man „Anpassung“ nennt. Er verschafft den Menschen einen Vorteil gegenüber Tieren – wir haben die Fähigkeit, uns an unsere Umgebung anzupassen, eben weil wir bei der Geburt noch nicht voll ausgereift sind und Zeit brauchen, um uns zu Erwachsenen zu entwickeln. Wenn Sie eine neugeborene Giraffe nehmen und sie an den Nordpol verfrachten, wird sie nicht lange am Leben bleiben, weil sie nicht die Möglichkeit hat, sich ein warmes Zottelfell wachsen zu lassen.

Nehmen Sie hingegen ein menschliches Baby und bringen es von Großbritannien nach Japan, dann wird es nach wenigen Jahren fließend Japanisch sprechen und nicht die Spur eines Akzents haben. Das Baby hat die Fähigkeit, sich an seine Umgebung anzupassen.

Der Geist Ihres Kindes ist offen und bereit, alles anzunehmen, was ihm präsentiert wird. Man könnte sogar sagen, dass Ihr Kind in einem Zustand von „Wachhypnose“ ist – und dass Sie, die Eltern, diesen Geist mit allem, was Sie sagen und tun, programmieren.

Dieser Prozess der „Anpassung“ ist sehr wirkmächtig – ein kleines Kind nutzt seine Umgebung, um sich zu entwickeln und dadurch ein Teil dieser Umgebung zu werden. Auf vollkommen unbewusste Weise nehmen Kinder die Kultur ihrer Zeit und ihrer Umgebung in sich auf, samt den Bestrebungen und Einstellungen einer Gesellschaft, einfach dadurch, dass sie in ihr leben.

Vor vielen Jahren war dieser Prozess wesentlich einfacher, weil das Leben geradliniger war. Es fällt einem Kind viel schwerer, sich anzupassen, wenn die Umwelteinflüsse eher global als lokal sind, vor allem aufgrund des Internets.

Die Zunahme an Wahlmöglichkeiten und Chancen eröffnet den Kindern von heute Möglichkeiten, die ihr Leben verändern können. „Du kannst alles werden, was du gerne möchtest“, sagen wir ihnen – aber was genau ist das? „Greife nach den Sternen und lebe deinen Traum“ ist eine großartige, motivierende Idee, aber sie kann das Gefühl mit sich bringen, ewig unzulänglich zu sein.

Eine Grundschullehrerin erzählte mir kürzlich, dass alle Kinder in ihrer Klasse entweder YouTuber oder Fußballer werden wollen, wenn sie einmal groß sind. Da sie regelmäßig lesen, dass Teenager auf diesen Wegen über Nacht Milliardäre werden, ist das auch kein Wunder. „Überlegt euch aber für alle Fälle mal einen Plan B“, hat sie ihnen gesagt.

Es hat nämlich seinen Grund, dass so wenige Menschen eine olympische Goldmedaille oder einen Oscar haben – solche Auszeichnungen sind nicht so leicht zu erringen. Daher bin ich zwar durchaus dafür, Kindern den Glauben an sich selbst zu vermitteln und sie zu ermutigen, das Bestmögliche aus sich zu machen, doch wenn sie in einer Gesellschaft aufwachsen, die Erfolg ständig an diesen wenigen herausragenden Menschen misst – oder an jenen, die wie ein Model aussehen und einen entsprechenden Körper haben –, kann das Angst schüren und ein Gefühl der Enttäuschung wecken.

Ein „gutes“ Leben mit Freunden, Familie, geregelter Arbeit und ein paar interessanten Hobbys zu führen klingt vielleicht ein bisschen langweilig, aber genau diese Art von Leben tut den meisten von uns gut und ist oft der Schlüssel zum Glück.

Heute mögen Kinder mehr Wahlmöglichen und Chancen haben als jemals zuvor, aber dieser Gewinn hat sich unversehens in eine zweischneidige Sache verwandelt, denn der Wettbewerb wird immer härter, weil die Gemeinschaft, in der sie aufwachsen, mit dem World Wide Web verbunden ist.

Noch vor wenigen Generationen hat eine Familie einem Neugeborenen nicht nur ihre Traditionen und ihre Religion weitergegeben, sondern auch Fertigkeiten, die es auf die Arbeitswelt vorbereitet haben, die aller Wahrscheinlichkeit nach die gleiche wie die der Eltern und Großeltern sein würde. Über soziale Mobilität wurde nicht viel geredet, der künftige Lebensweg eines Kindes war vom Tag seiner Geburt an ziemlich genau vorgezeichnet. Ich bin mir sicher, dass niemand von uns in diese Zeiten zurückmöchte, aber wenn man diese Welt der Sicherheit mit der sich ständig wandelnden Umwelt vergleicht, in der sich die heutigen Kinder zurechtfinden müssen, ist es kein Wunder, dass Angst so verbreitet ist.

Wie kann man sicher sein, wer und was man ist, wenn man sich einer so breiten Palette an Optionen und moralischen Fragen gegenübersieht? Sollte man beispielsweise aufhören, Fleisch zu essen und Vegetarier werden oder am besten gleich Veganer? Wird das die Erderwärmung aufhalten helfen oder ist es dafür schon zu spät? Ich höre regelmäßig, dass Kindern gesagt wird, ihre Generation sei diejenige, die die Lösung für das Problem des Klimawandels finden müsse, sonst wäre das Ende der Welt besiegelt – gar kein Druck also! Kinder sehen, dass ihre Freunde und Freundinnen ihre Sexualität und sogar ihr Geschlecht hinterfragen und fangen an, darüber nachzudenken, ob sie das auch tun sollten. Bei dieser in ständiger Bewegung begriffenen Landschaft verwundert es nicht, dass so viele von ihnen darum ringen, sich „in ihrer Haut wohlzufühlen“.

In den 1970er-Jahren gab es nur drei Fernsehkanäle, daher überrascht es nicht sonderlich, wenn man erfährt, dass sich an Weihnachten 1976 30 Millionen Zuschauer vor den Fernseher setzten, um sich die Weihnachtssendung der Morecambe and Wise Show anzusehen. Damals waren an diesen Tagen die Geschäfte geschlossen, die Kirchen geöffnet, alle hörten sich die Rede der Königin an und aßen zum Mittagessen im Backofen gegarten Truthahn. Diese Art von Gemeinsamkeit herzustellen ist heute beinahe unmöglich, denn selbst wenn eine Familie im selben Haus wohnt, leben alle Mitglieder ein unterschiedliches Leben in verschiedenen Zimmern.

Die meisten von uns sind sich wohl einig, dass zu viel Auswahl eher ein Hindernis als eine Hilfe ist. Ich habe mir einmal unter diesem Aspekt meinen nächstgelegenen Supermarkt angesehen und ganz schockiert festgestellt, dass er 255 verschiedene Sorten Tee im Regal hatte. Und das war nur die Teeabteilung – die Kaffeesorten habe ich schon gar nicht mehr gezählt! Vorbei sind die Tage, in denen man lediglich gefragt wurde, ob man Tee oder Kaffee wünsche, mit oder ohne.

Als ich in den Gang mit den Putzmitteln und dem Toilettenpapier einbog, stand ich ratlos vor einer ganzen Batterie von Sonderangeboten in verschiedenen Kombinationen und Zusammenstellungen – sollte ich drei Pakete für den Preis von zwei oder eine Großpackung mit 25 Prozent Rabatt oder das Sonderangebot mit zwei Euro Nachlass kaufen? Da blickt niemand mehr durch, und das ist auch der Grund dafür, dass wir regelmäßig Aggressionsausbrüche in Kassenschlangen sehen.

Ein Übermaß an Informationen und zu viel Auswahl führen zu Unentschlossenheit und … Angst. Erinnern Sie sich daran, dass unser Gehirn dann, wenn es Stress oder eine Bedrohung wahrnimmt, die „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“ auslöst. Die plötzliche und blitzschnelle Ausschüttung von Stresshormonen kann zwar die Energie bereitstellen, die man braucht, um zur Seite zu springen, wenn ein Auto heranbraust, aber wenn Ihr Gehirn im Alarmzustand ist, hat es Mühe, sich auf Kleinigkeiten zu konzentrieren. Kandidaten bei Quiz-Sendungen im Fernsehen demonstrieren das sehr deutlich, wenn sie Mühe haben, die einfachsten Fragen zu beantworten, weil die Überflutung mit Stresshormonen zu einer Denkblockade führt.

* * *

Im Lauf der Jahre habe ich in meiner Praxis in der Harley Street Hunderte von Kindern mit einer unglaublichen Vielfalt von Problemen gesehen: Furcht vor Toiletten, Spinnen und Haien, Prüfungsangst, seltsame Zwangsgedanken, häufige Albträume, Lampenfieber, nervöse Verhaltensgewohnheiten und Tics. Und bei den Erwachsenen ist die Bandbreite keineswegs kleiner, denn ich habe schon mit Menschen gearbeitet, die phobisch auf große Pflanzen, Reißverschlüsse und Bananen reagiert haben.

So kunterbunt diese Probleme erscheinen mögen, so haben sie doch alle etwas gemeinsam: Es gibt eine Struktur und ein Muster in der Art und Weise, wie unser Geist und unser Körper Angstgefühle verarbeiten und dabei automatische Angstreaktionen hervorrufen.

Wir können vielleicht nicht immer verstehen, wie jemand so große Angst vor etwas scheinbar so Trivialem haben kann, aber es ist wichtig, anzuerkennen, dass schon „der Gedanke daran“ echte Gefühle auslöst. Dabei produzieren die Struktur und Mechanismen des Denkprozesses die körperlich spürbaren Angstgefühle und nicht der jeweilige Gegenstand.

Bei meiner therapeutischen Arbeit nutze ich eine Mischung von Techniken aus den Gebieten der Positiven Psychologie, der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), der Achtsamkeit, der Psychosensorischen Therapien, der Hypnotherapie und des Neurolinguistischen Programmierens (NLP). In diesem Buch werde ich erklären, was ich mache, um den Menschen zu helfen, Ihre Ängste zu überwinden.

Ausgerüstet mit diesem Wissen können Sie meine Strategien und Techniken übernehmen, um Ihr Kind in eine ruhigere, glücklichere, widerstandsfähigere Verfassung zu bringen, sodass es den Stressfaktoren des täglichen Lebens besser standhalten kann. Selbst eine Veränderung der Sprache und einzelner Worte, die Sie täglich benutzen, kann zu einer Veränderung der Selbstwahrnehmung Ihres Kindes führen. Und wie alle Eltern wissen: Wenn Ihr Kind froh und glücklich ist, werden auch Sie glücklicher und entspannter sein.

1  Weitere Informationen finden Sie unter http://www.nspcc.org.uk.

2. Wie der Geist Ihres Kindes funktioniert

In diesem Kapitel werde ich Ihnen erläutern, wie wir Informationen bekommen und verarbeiten und wie daraus dann unsere Gedanken werden, die wiederum die Gefühle erzeugen, die Auswirkungen auf unser Verhalten haben. Wie Sie sehen werden, wird Ihnen dieses Wissen helfen, Angstsymptomen bei Ihrem Kind mit mehr Selbstvertrauen zu begegnen.

Die Sinnesorgane eines Kindes sind mindestens in den ersten sechs Lebensjahren noch im Entwicklungsstadium, und in dieser Phase ist es nicht ungewöhnlich, dass manche Kinder zu kämpfen haben, um mit der Reizüberflutung zurechtzukommen. Ein neuer Geschmack oder Geruch kann eine vehemente Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel hervorrufen, während für andere Kinder laute Geräusche und Orte mit vielen Menschen schwer zu ertragen sind. Manche Kinder hassen das Gefühl eines kratzigen Hemd- oder Blusenkragens oder Socken, die fortwährend herunterrutschen, während andere gar nicht merken, dass ihre Kleidung in Unordnung ist oder dass sie von oben bis unten voll Matsch sind.