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"Bist du traurig, Mani, weil wir den Mond noch nicht gefunden haben?", fragt Aurora den jungen Gott des Mondes. Mani macht sich Sorgen um seinen verschwundenen Mondwagen. Wird sein Mond den Nachthimmel nie wieder erhellen? Mani hat seinen Mondwagen verbotenerweise zur Erde gelenkt, weil er dort bunte Lichter entdeckt hatte, die die Nacht so prächtig erhellten, dass er fast eifersüchtig geworden wäre. Hätte er nur geahnt, in welches lebensgefährliche Abenteuer er sich stürzen würde! Auf der Erde trifft er Aurora, sprechende Tiere und mutige Trolle. Es wird spannend, denn die Freunde müssen ein lebensgefährliches Abenteuer bestehen, um den Mond wiederzufinden. Am Ende zeigt sich, dass nicht Herkunft oder besondere Fähigkeiten wichtig sind, sondern wahre Freundschaft, Zusammenhalt und Liebe.
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2025
Impressum
Einleitung
Als die Nordlichter den Mond retteten
Die Trolle – Helfer in der Not
Der Aufbruch zu Bifröst
Die Beichte
Zeichen aus Midgard
Es geht um Leben und Tod
Heimdall, der Sammler und Hüter von Bifröst
Hier kommst du nicht rein
Im Reich der Götter
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Cover
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
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© 2025 novum publishing gmbh
Rathausgasse 73, A-7311 Neckenmarkt
ISBN Printausgabe: 978-3-7116-0944-1
ISBN e-book: 978-3-7116-0945-8
Lektorat: Mag. Eva-Maria Peidelstein
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh
Innenabbildungen: Natalie Neuhauser
www.novumverlag.com
„Ich will noch nicht schlafen gehen! Ein Licht möchte ich noch abwarten. Sie sind so schön!“, versuchte die kleine Rosalie, ihre Tante zu überreden. Diese konnte ihr natürlich keine Bitte abschlagen. „Na gut! Ein Licht warten wir noch ab. Weißt du eigentlich, wieso wir Menschen die Nordlichter sehen können? Willst du es wissen?“
„Bitte, bitte erzähle es mir!“, schrie das kleine Mädchen und hüpfte ganz geschwind in Kristinas Nähe, um ihrer sanften Stimme zu lauschen, während die Augen starr auf den Himmel gerichtet waren:
Aurorawar ein aufgewecktes Mädchenund doch zugleich eine Träumerin. Sie tanzte durch die Natur, während sie sich vorstellte, ihren Traumprinzen zu finden. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Ulv, einem zahmen Wolf, den ihre Eltern gefunden und aufgezogen hatten, durchstreifte Aurora die Wälder nach Abenteuern. Anstatt der Menschenfreunde suchte die bald erwachsene Aurora die Gesellschaft der Tiere. So hatten sie und Ulv letzten Sommer eine kleine Elchkuh aus einer Fuchsfalle befreit und mit den Heilkräutern des Medizinmanns aus dem Dorf gesund gepflegt. Seit diesem Tag war auch die Elchkuh namens Elke eine gute Freundin von Aurora und Ulv. Nicht nur die aufopfernde Pflege eines Mädchens und eines Wolfs hat Elke dazu bewogen, den beiden ewige Freundschaft zu versprechen, sondern auch ein kleines Geheimnis. Ein Geheimnis, das in Wahrheit ganz groß war. Denn Aurora wusste, dass sich Ulv und Elke in ganz gewöhnlicher Menschensprache unterhalten konnten.
Doch ein Geheimnis verbarg Aurora sogar vor ihren besten Freunden. Niemals dürfte ein Lebewesen davon erfahren, haben Aurora und ihre Eltern vereinbart.
Ob sie über Flüsse sprangen, Beeren pflückten oder einfach nur über die weiten Blumenwiesen liefen, Aurora, Ulv und Elke gingen durch dick und dünn. Über diese innige Freundschaft, wenn auch bloß mit Tieren, waren auch Auroras Eltern froh, da sie wussten, dass das junge Mädchen auf die anderen Dorfbewohner ihres Alters eher schüchtern, ja fast verschlossen wirkte.
Ihre Eltern taten wirklich alles für die einzige Tochter und erfüllten ihr beinahe jeden Wunsch. Bloß eine fixe Regel gab es für die junge Aurora. Aurora musste immer, egal was passierte, wirklich immer vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein. Es gab die schlimmsten Schauermärchen über Menschenfressende, die in der Nähe des Dorfes ihr Unwesen trieben. Daher war nach Einbruch der Dunkelheit der Aufenthalt im Freien, und vor allem ohne Eltern, strikt verboten. Auri selbst wusste nicht so recht, ob sie all diese Sagen wirklich glauben sollte, aber bei den Gruselgeschichten lief es ihr schon kalt den Rücken runter, weswegen sie diese Regel mit der Pünktlichkeit gerne einhielt.
Aurora war so glücklich, ihre Freunde Elke und Ulv an der Seite zu haben, dass sie absolut nichts aufs Spiel setzen wollte. Wahrheit oder nicht, sie liebte die gemeinsame Zeit mit Wolf und Elchkuh. Außerdem halfen die beiden behaarten Freunde bei allen Aufgaben im Alltag mit. So hatten die drei auch gemeinsam Kartoffeln gepflanzt. Zu dritt ging alles leichter. Elke war kräftig und trug den Jutesack mit den Kartoffeln, Ulv grub mit seinen langen Vorderpfoten ganz geschwind und gekonnt ein Loch, und bevor Aurora die Kartoffel hineinlegte und Ulv das Zeichen zum Vergraben gab, wünschte sie der Kartoffel ganz liebevoll eine schöne Zeit beim Wachsen. „Liebe Kartoffel, viel Spaß und danke, dass du uns bald gaaaanz viele Kartoffeln bringst, denn ich liebe Kartoffeln. So, Ulv, das war die Letzte. Danke euch zwei!“ „Gern geschehen, aber ich bin jetzt ganz schön durstig, was haltet ihr davon, wenn wir um die Wette zum Mondscheinsee laufen, um unseren Durst zu stillen?“, schlug Elke mit großen Augen vor. „Ja, mir hängt auch schon die Zunge heraus, aber für ein kleines Wettrennen bin ich immer zu haben, wenn ihr schon verlieren wollt“, entgegnete Ulv. „Schaut, dort drüben, da kommt der Bäcker mit einer Ladung voller frischer Zimtrollen“, schrie Aurora, denn sie wusste, dass diese kleinen Röllchen die absolute Lieblingsspeise der beiden waren. „Wo? Was?“ Ganz heimlich startete die kleine Auri los, Richtung See, wodurch sie sich einen guten Vorsprung auf die beiden Schleckermäuler erhaschen konnte. Das laute Kichern ließ Ulv und Elke umdrehen, die Zimtschnecken schnell vergessen und ebenfalls dem gleich neben dem Fjord gelegenen See entgegenzulaufen.
Es dauerte nicht lange, bis die beiden Vierbeiner das kleine Mädchen einholten, da schnappte Elke gekonnt nach ihrem Kragen, um Aurora ganz schwungvoll auf ihren Rücken zu werfen. Alle drei lachten laut, während sie ganz gezielt auf ihren Lieblingstrinkplatz am Wasser zusteuerten.
„Ach, ich liebe diesen See, das Wasser hier ist auch das klarste und gesündeste im gesamten Nordland!“ prustete Elke, wobei noch viele Wassertropfen aus ihrem Mund sprühten, von denen ein Tropfen genau auf Auroras Nase landete. Anstatt zu verrinnen, blieb der Wassertropfen aber in seiner Form auf ihrer kleinen Stupsnase, wo er die gesamte Aufmerksamkeit der drei Freunde gewann. Die Sonne spiegelte sich in dem klaren Wassertropfen so schön, dass sich alle Regenbogenfarben darin wiederfanden. „Das Wasser hier schmeckt nicht nur gut, es ist auch verzaubert“, flüsterte Ulv den beiden zu. „Verzaubert?!“ „Ja, es zaubert den Schmutz aus deinen Ohren heraus. Hihi“, neckte Elke Ulv, der plötzlich eine finstere Mine aufsetzte.
„Meinst du das ernst? Wie soll es denn verzaubert sein?“, fragte Aurora. „Ganz genau kann ich mich auch nicht mehr erinnern, ich war noch ein Welpe. Es war die finsterste Polarnacht, die ich je erlebt hatte. Sie war so angsteinflößend, dass ich nach einem besseren Versteck Ausschau hielt. Auf der Suche kam ich dann hier am See vorbei. Da meinte ich, ein Funkeln am Wasser ausmachen zu können, was mich einen Stern am Himmel vermuten ließ. Ich sah mit etwas Erleichterung gegen den Himmel, denn Sterne bedeuten auch Licht. Der Stern wurde aber immer größer. Plötzlich raste eine riesenhelle Kugel auf das Wasser zu. Ich sprang in Windeseile hinter diesen Stein dort drüben, um mich zu verstecken. Nachdem das helle Etwas mit voller Wucht in den See platschte, schlug nicht nur der See hohe Wellen, sondern die Erde bebte so stark, dass sich der Stein spaltete.“ „Was, der Stein war mal in einem Stück? Ich habe mich schon immer gefragt, wie so ein massiver Stein so eine runde Schnittkante bekommen hat.“
„Elke, leise, lass Ulv weiter erzählen!“, schnaubte Aurora ganz gespannt. „Ja, Elke, willst du nun wissen, wieso der See verzaubert ist?“, schnatterte Ulv ein wenig altklug. „Durch den Spalt im Stein konnte ich genau auf den See sehen, wo gleich, nachdem sich die Wogen wieder geglättet hatten, ein kleiner Junge auftauchte. ‚Ach, ich lerne das nie! Papa, wo bist du? Hörst du, ich habe keine Lust mehr. Das ist zu schwer. Dieser Wagen, er quietscht. Wieso muss ich das machen?‘ Dieser kleine Junge hörte gar nicht mehr zu meckern auf, bis schließlich wie aus dem Nichts ein großer“ – Ulv machte eine Pause – „ja, ich glaube, es könnte ein Mensch gewesen sein, vielleicht ein Riese, denn er war dreimal so groß wie dein Vater, Aurora. ‚Mani, du darfst nicht so schnell aufgeben. Du bist Mani, der Gott des Mondes, Sohn von Odin, dem Herrscher aller nordischen Gottheiten. Du bist wichtig, nicht nur für uns Götter, sondern auch für die Menschen hier auf der Erde. Oder wie sollen sie denn sehen können, wenn du nicht den Wagen mit dem Mond über das finstere Himmelszelt ziehst?‘ ‚Sol hat aber einen größeren Wagen. Ihrer ist viel schöner. Ich möchte die Sonne ziehen!‘ ‚Mani, das Universum hat dich mit einer wichtigen Aufgabe beehrt und hat dir dazu das passende Gefährt geschenkt. Es ist eine Ehre, so eine Aufgabe im Universum zu haben. Sei dankbar und erfülle deine Pflichten mit Freude und bestem Gewissen. Du wirst das Ziehen des Mondwagens schon noch lernen. Du bist jung, stark und klug, oder nicht?‘ ‚Ja, sicher, viel klüger als so manch anderer dort droben.‘ Beide lächelten in den Himmel hinauf. ‚Komm, ich helfe dir, den Wagen wieder in Gang zu bringen, und wir machen Schluss für heute. Dann können wir auch den Sternenmädchen sagen, dass sie ihre Plätze wieder einnehmen können.‘ Der Vater öffnete seine Hände gegen den Himmel. ‚Du lenkst den Wagen nirgends mehr dagegen, außer in den Stall. Die Menschen müssen sich noch ein wenig gedulden, bis der Mond wieder in voller Stärke zur Verfügung steht.‘ ‚In Ordnung, Papa, aber darf ich daheim das neue Spiel von Sol ausprobieren?‘ ‚Was denn für ein Spiel?‘, fragte der Riese etwas verwundert. ‚Sol hat mir ein paar Windstürme in Schatullen gepackt. Ihr ist doch so langweilig jetzt im Winter. Na ja, und sie meinte, wenn ich endlich mal das Wagenziehen draufhabe, kann ich mit den Sonnenstürmen spielen und sie in die Nacht hinauspusten. Ich würde eine bunte Überraschung erleben.‘ Die Stimmen wurden immer leiser, da der Mondwagen mittlerweile wieder ins Rollen kam, auf dem die beiden gegen das Sternenzelt fuhren, wo auch die Sterne langsam wieder zu leuchten begannen. ‚Ach Mani, wenn du bloß das Mondwagenziehen genauso eifrig verfolgen würdest wie deine Spiele.‘ ‚Warte, ich zeig‘ dir die Schatulle, Papa. Ich habe sie genau hier!‘ Ich sah nur mehr das verschreckte Gesicht des Jungen, weil er wusste, dass er etwas verloren hatte. Ganz leise hörte ich noch: ‚Vielleicht sind sie beim Absturz in den See gefallen?‘ So schnell sie gekommen waren, verschwanden die beiden dann auch wieder.“ „Ja, und wieso soll dann das Wasser jetzt verzaubert sein, habe ich was verpasst?“ „Elkeeeeee, die Schatulle ist ins Wasser gefallen!!! Da war was von der Sonne darin verborgen. Das muss was Magisches sein, oder nicht?“, brummte Ulv Elke ein wenig genervt an. „Ja, Ulv, du hast schon recht, das muss etwas Besonderes sein, aber suchen können wir die Schatulle wahrscheinlich nicht. Der See ist doch so tief. Wie stellen wir das bloß an?“ „Aurora, heute sicher nicht mehr, wir müssen, glaube ich, nach Hause, der Tag ist fast vorbei und bald löst der Mond die Sonne ab“, erinnerte Ulv seine Freundin, die plötzlich außer sich war. „Ach du großes Walhalla, es dämmert schon. Schnell, schnell, sonst sind Mama und Papa sauer auf mich. Ich darf ja im Dunkeln nicht mehr vor die Tür! Bitte bringt mich schnell nach Hause!“ „Ich, Elke Elchkuh, stehe für meine langen Beine. Ich bringe dich im Nu ins Bettchen, ohne dass jemand sauer wird.“ Elke setzte die mittlerweile schon müde gewordene Aurora auf ihren Rücken, worauf die Tiere unmittelbar zu traben begannen. „Das war übrigens die Nacht, in der mich deine Eltern gefunden und, ich bin mir sicher, mir auch das Leben gerettet haben. Die Geborgenheit dieser Familie bereitet mir so viel Freude und Sicherheit. Seither habe ich mich nicht mehr gefürchtet und, ganz ehrlich, auch nicht mehr viel über dieses Erlebnis nachgedacht. Manchmal kommt es mir so vor, als habe ich alles nur geträumt“, meinte Ulv. „Was, hast du uns etwa nur einen Bären aufgebunden?“, meckerte Elke. Ulv setzte wieder seinen finsteren Blick auf, den er immer hatte, wenn Elke ihn ein wenig auf den Arm nahm. Aber schon eine Sekunde später schmunzelten alle drei wieder vor sich hin. Falls die Geschichte vom Mondwagen auch nur ein Traum gewesen war, so war es dennoch eine spannende Geschichte, die die drei Freunde durch den späten Nachmittag trug. „Aurora, warum darfst du eigentlich in der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus gehen?“, fragte Elke so ganz nebenbei. „Weil ich das meinen Eltern versprochen habe. Sie haben Angst vor den bösen Trollen, die mich entführen könnten“, antwortete Aurora verunsichert. Elke und Ulv ließen ihre Blicke zueinander schweifen, während sie weiter über die schon vom Abendtau benetzten Blumenwiesen nebeneinanderher trabten. In Richtung Bett. Aurora wurde immer unruhiger, denn die Sonne war schon fast vom Himmel verschwunden, nur noch ein Halbkreis ragte über dem Berg hervor.
