Althea 3 - Derik Peterson - E-Book
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Althea 3 E-Book

Derik Peterson

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Beschreibung

Althea hat sich zurückgezogen und lebt ein friedliches Leben in Larithin, sie hat endgültig genug vom Töten und genießt die schönen Seiten. Leider ist ein Paradies auf Erden nie von Dauer, eine Orkarmee marschiert bereits auf Larithin zu und hat den Tod mitgebracht. Sie muss sich ihrem mächtigsten Gegner stellen und Opfer bringen, mit denen sie sich nicht abfinden kann. Wird sie den Kampf um ihre Freunde und ihre Seele gewinnen oder diesmal doch noch versagen und das Vergessen und den ewigen Frieden ereilen?

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Veröffentlichungsjahr: 2016

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Althea 3 - Feuer und Tod

 

Ein Roman von Derik Peterson

 

Impressum

Autor: Derik Peterson

AutorEmail: [email protected]

Herausgeber:

Dirk Jost

Am Mühlbach 5

64853 Otzberg

Deutschland/Germany

 

 

[email protected]

 

143 Seite(n)

99594 Wörter

513371 Zeichen

Inhaltsverzeichnis

Rückblick3

Die wichtigsten Charaktere5

Vorwort6

1. Ein Paradies auf Erden ist nie von Dauer8

2. Krieg10

3. Der Aufbruch15

4. Ein Drachenfreund20

5. Ein unerwartetes Wiedersehen25

6. Der Blutschwur31

7. Der Tod und das Feuer36

8. Die missratene Ratsversammlung39

9. Ein Kater oder nicht, das ist hier die Frage41

10. Eine unerwartete Bereicherung45

11. Die Karawane50

12. Die Rache55

13. Zurück in die Vergangenheit60

14. Zurück in die Gegenwart69

15. Natalie72

16. Medizinische Versorgung77

17. Die Belagerung82

18. Das zweite Erwachen, der erste Tag88

19. Das zweite Erwachen, der lange erste Tag93

20. Das zweite Erwachen, der endlose erste Tag97

21. Ein neuer Morgen und eine schicksalhafte Entscheidung103

22. Das Training, Richard und ein Bad108

23. Die Drachenhöhle112

24. Eine tödliche Falle117

25. Die drei Heere122

26. Der Boxkampf127

27. Eine unlösbare Aufgabe130

28. Die letzte Schlacht136

Anmerkung des Autors143

Rückblick

 

Das Erwachen

Die Umwandlung trifft die Erde, Elektrizität verwandelt sich in Magie, ein Wechsel, der alle paar hundert Jahre stattfindet, diesmal jedoch sehr drastisch, mit heftigen Auswirkungen und einem riesigen Sturm unkontrollierter Magie, der auf die Erde einprasselt und die Verwandlung oder den Tod vieler Lebewesen verursacht. Da die Elektrizität bis vor ein paar hundert Jahren unentdeckt war, blieben der Wandel und die Auswirkungen bisher bei den Menschen, bis auf ein paar Hexen und Magieren, immer unbemerkt.

Althea erwacht nach monatelangem Koma, als sie gerade am Verhungern ist. Sie findet sich scheinbar im Körper einer Elfe wieder, der sich jedoch später als Drachenkörper herausstellt.

In einem Kampf um Leben und Tod hilft sie den Menschen in Riem, einer neuen Gemeinschaft aus menschlichen Überlebenden, einen Krieg gegen die Ork zu gewinnen, die sie hasst, seit dem sie von einem ganzen Trupp vergewaltigt wurde. Die Elfen von Larithin stehen den Menschen in dieser Schlacht als Waffenbrüder bei. Sie gewinnt viele Freunde in dieser neuen Welt, unter anderem eine weiße Drachin namens Elida, die Elfenkönigin Jaritha und die Magierin Sabine.

 

Drachen und Ork

Althea findet gemeinsam mit Elida heraus, dass hinter dem Verhalten der Ork mehr steckt, dass die Ork in einem normalen Zustand durchaus noch das alte Bewusstsein der Menschen haben, die sie einmal gewesen waren. Ein Drachenfluch liegt auf den Ork, und dieser Drache ist sehr alt, sehr mächtig und sein Fluch überspannt weite Teile Zentraleuropas.

Die Gefährten Althea, Sabine und der Ork Friedrich machen sich auf die Suche nach dem Drachen, um seinen wahnsinnigen Plan Einhalt zu gebieten. Elida macht sich alleine auf den Weg zum Rat der Drachen, um diesen zum Eingreifen zu überreden.

In Prag treffen die Gefährten auf eine andere menschliche Siedlung, die von der wahnsinnigen Branislava beherrscht wird. Diese nimmt Althea und die Gefährten gefangen, da sie in Gesellschaft eines Feindes reisen, die Prager hatten nämlich auch ziemlich unter den Ork zu leiden.

Althea tötet Branislava und flieht mit einer weiteren Gefangenen, einer stark verletzten Orkin, aus Prag. Sie findet heraus, dass die kleine Orkin die Ärztin ist, die sie die ganze Zeit gepflegt hatte, als sie im Koma lag. Sie lernt dort auch alles über Drachenfreunde, das sind Lebewesen, die sich an einen Drachen binden, und der Drache an sie. Sabine und Christin sind bereits Drachenfreunde, und Elida, die die Nachricht überbringt, dass der Drachenrat nicht eingreifen wird, hilft ihnen, den Bund zu besiegeln. Trotzdem kehrt Elida zum Rat zurück und versucht es weiter.

Sie trifft einen weiteren Drachen, Vitalii, der ebenfalls kaum noch bei Verstand zu sein scheint, sie können jedoch ihre Reise ohne größere Blessuren fortsetzen.

Am Ziel angekommen, dem Drachenhort von Archimedes, beschließt Althea ihren Plan umzusetzen, den sie den anderen verheimlichte, und sich dem Drachen ohne Aussicht auf Erfolg allein zum Kampf zu stellen. Elida kommt gerade noch rechtzeitig und opfert sich stattdessen, woraufhin Althea von Elida vorzeitig durch ihren letzten Feueratemzug, der bei Drachen eine besondere Magie innehat, vorzeitig in die dritte Entwicklungsstufe gezwungen und so als Drachin, und durch schieres Glück, den Kampf gewinnt und Archimedes tötet.

Jaritha, die Elfenkönigin, kommt zum Kampf zu spät, obwohl sie ihr bestes Pferd dabei zuschanden reiten musste, und offenbart auch noch ihre Rolle als dritte Drachenfreundin. Der Rat erscheint nun doch noch auf der Bildfläche, allerdings um Althea wegen des Todes zweier Drachen zu richten. In diesem Moment wird die Vier, die Eine ist, geboren. Es ist eine Vereinigung von vier Seelen, die zusammen viel mächtiger als nur die Summe aller vier ist. Sie weist den Rat in die Schranken.

Althea fällt für zwei Tage ins Koma und erkennt, dass ihre von Elida angestoßene erneute Verwandlung zu drastischen Veränderungen bei ihr geführt haben, unter anderem ist sie jetzt geschlechtsreif.

Friedrich macht sich auf, um bei den Ork die Botschaft zu verbreiten, was die Gefährten für sie getan haben, und dafür zu sorgen, dass die Ork sich in Zukunft friedlichen Aufgaben zuwenden.

Zuhause angekommen schießt ein übermütiger Soldat einen Pfeil auf die Orcin Christin ab, da er sie als Feind identifiziert und Angst bekommt. Dadurch ruft er die Drachin hervor, die unkontrolliert die Siedlung angreift. Zum Glück überlebt der Soldat und die Siedlung erleidet nur Sachschäden, allerdings muss Althea vor Gericht.

Althea erkennt endlich, dass ihre Verwandlung noch einige Folgen hatte, die sie einfach noch nicht kannte, und fängt an, sich mit ihrer Drachennatur auseinanderzusetzen, die als eine Art gespaltene Persönlichkeit in Erscheinung tritt.

Der Richter erkennt Altheas Wert und spricht sie frei, woraufhin die Gefährten alle nach Larithin abreisen, wo sie das nächste Jahr in Frieden verbringen.

 

Die wichtigsten Charaktere

 

Althea: Weiße Drachin, zweibeinige Gestalt Drachenelfe, weißhaarig und -häutig, goldene Reptilienaugen, Mitglied der Vier, die Eine sind, Geliebte von Sabine, Jaritha und Christin

Elida: Weiße Drachin, zweibeinige Gestalt Mensch, verstorben im Kampf gegen Archimedes

Archimedes: brauner Drache, völlig wahnsinnig, verstorben im Kampf gegen Althea und Sabine

Vitalii: blauer Drache, zweibeinige Gestalt Mensch, Zigeuner, sehr kräftig und durchtrainiert, charmant und egoistisch

Demosthenes: schwarzer Drache, Sprecher des Rats der Drachen

Sabine: Mensch, Magierin, blond und sieht eher wie ein Model als eine Kämpferin aus, sollte aber nicht unterschätzt werden, mächtigste Magierin der Menschen in Deutschland, Mitglied der Vier, die Eine sind

Jaritha: Königin der Elfen, sehr mächtige Kämpferin und Magierin, Mitglied der Vier, die Eine sind

Christin Stadler: Ork, sehr fähige Ärztin und äußerst intelligent, Mitglied der Vier, die Eine sind

Petra: Erste Generalin und Vertraute von Jaritha, Geliebte von Georg

Georg Schmidt: Mensch, Soldat, erster Freund von Althea in der neuen Welt, treuer Gefährte und aufrichtiger Freund

Hans Schmidt: Mensch, General, hat mit seinem taktischen Genie die Schlacht um Riem für die Menschheit entscheiden können, Vater von Georg

Friedrich Eberhardt: Ork, Drachenfreund und enger Gefährte von Althea, als die nach Polen gereist ist, um Archimedes aufzuhalten

 

 

Vorwort

 

Heller Staub wurde von vielen schweren Kampfstiefeln aufgewirbelt, die im völligen Gleichschritt marschierten. Wer diese Armee sah, suchte das Weite und verkroch sich irgendwo in einem dunklen und sicheren Ort, denn sie waren die unangefochtenen Herrscher, wo auch immer sie marschierten, niemand machte ihnen diesen Rang streitig. Stolz erhoben sich die Flaggen über den Abteilungen, riesige dunkle Trommeln wurden geschlagen, die von blutigem Krieg erzählten. Ihre Waffen blitzten gleißend in der Sonne, fast so schön wie ihre blank polierten Rüstungen, es war eine unvergleichliche Schönheit, wie sie nur von Tod und Verderben ausgestrahlt wird, so schön wie ein Lavastrom, der alles in seinem Weg vernichtet.

Die Stiefel waren staubüberzogen, aber unter der dünnen Staubschicht gewienert und blank geputzt. Jeder der Ork war gepflegt und die Haare sauber gestutzt. Ab und an erscholl ein Befehl, dem widerspruchslos Folge geleistet wurde. Die Marschrichtung der Armee war gen Westen, direkt auf Larithin zu, die blühende Stadt der Elfen, ein Leuchtfeuer der Zivilisation seit der Umwandlung und das Objekt der Begierde vieler. Endlich, nach vielen Tagen straffen Marsches, kam die Stadt in Sichtweite der ungeduldigen Orkaugen. Scharf wurden weitere Befehle gerufen, die Truppen zogen auseinander und nahmen eine breite Formation vor der Stadt auf. Alle Einheiten positionierten sich, wie von unsichtbaren Fäden gelenkt und machten sich bereit für die Schlacht.

Ein einzelner Ork mit einem riesigen Speer trat vor das Orkheer. Eine sehr laute und befehlsgewohnte Stimme schrie etwas und das gesamte Heer stand still. Wieder riefen laute und dunkle Stimmen Befehle, das Heer zerfiel unglaublich diszipliniert in kleinere Blöcke und nahm dann wieder eine andere Formation ein, jetzt ganz offensichtlich bereit für den Kampf. Die Formation war jedoch merkwürdigerweise auf eine direkte Verteidigung ausgerichtet, sie führten auch keinerlei Belagerungsmaschinen mit sich. Dafür hatte das Heer einige berittene Einheiten, Kavallerie, die sich ebenso diszipliniert wie das restliche Heer formierten und Stellung an den Flanken bezogen.

Hinter den Infanterieeinheiten bezogen Langbogenschützen Stellung. Zwei rot eingefärbte Pfeile mit kleinen roten Fähnchen daran flogen über die Infanterieeinheiten nach vorne und blieben zitternd im Boden davor stecken und markierten so die Reichweite der Bogenschützen. Dann erstarrte das Heer und niemand bewegte sich mehr. Denjenigen Elfen auf den Mauern von Larithin, die bei der Schlacht um Riem dabei gewesen waren, rannen eiskalte Schauer den Rücken hinunter. Es war sogar für absolute Laien klar zu sehen, dass dieses Heer aus völlig anderem Holz geschnitzt war, als die barbarischen Einheiten von damals. Das hier waren äußerst disziplinierte und gefährliche Truppen, die jedem Gegner das Leben sehr schwer machen würden, sogar wenn er zahlenmäßig deutlich überlegen war.

Der einzelne Ork vor dem Heer ging selbstsicher weiter auf die Stadt zu, dann machte er plötzlich Halt. Er befestigte etwas an seinem Speer, es war ein weißes Stück Stoff, so rein und weiß wie die Hoffnung selbst. Er band einen festen Knoten, richtete den Speer wieder aufrecht und marschierte weiter auf die Elfenstadt zu. Die Elfen in den Zinnen und auf der Mauer spannten die Bögen, als er ihre Schussweite erreichte, eine laute und befehlsgewohnte elfische Stimme rief eine Anweisung und die Bögen senkten sich wieder synchron. Der Ork ging unbeeindruckt weiter auf das Tor zu, blieb davor stehen und wartete geduldig, genauso regungslos wie das Heer hinter ihm. Das gesamte Heer der Ork hatte sich mittlerweile nicht einmal um einen Millimeter bewegt, selbst die Pferde waren sehr diszipliniert und bewegten sich kaum.

Das Tor öffnete sich, und ein Offizier trat in Begleitung einiger Soldaten vor und stellte sich direkt vor dem Ork auf.

Dieser sage in stark gebrochenem Deutsch nur vier Worte: „Ihre Majestät, Königin Jaritha.“

Der Offizier in seiner prächtigen, typisch elfisch eisenfreien Rüstung nickte wortlos, drehte sich um und marschierte in die Stadt. Der Grünhäutige folgte ihm gelassen und wurde sofort lückenlos von Elfensoldaten umzingelt. Die Straße zum Schloss war von offen feindseligen Elfen gesäumt. Die Elfen starrten den Fremdling an, jeder Elf in der Stadt hatte von dem Heer gehört. Kein Elf erhob die Hand gegen den Boten, niemand warf faules Obst oder schrie, wie es vielleicht in einer Menschenstadt passiert wäre. Der Fremde ging durch eine ganze Stadt, die völlig verstummt war. Das Schweigen nahm jedoch fast Form an, es wurde zu etwas Bedrohlichem und Unerbittlichem.

Der Ork ließ sich von alldem weder einschüchtern noch bemerkte man irgendeine Wirkung an ihm. Er trug eine verzierte metallene Rüstung aus Stahl und einen Helm, der nur einen Sehschlitz offenließ. Die Stiefel waren aus Leder, die Hosen ebenfalls mit glänzenden und polierten Stahlschienen verstärkt. Er trug ein riesiges und sehr schweres Breitschwert auf dem Rücken. Er war so muskelbepackt, wie es kein Mensch je gewesen war, und mehr als doppelt so breit wie die meisten Elfen hier.

Der Zug erreichte irgendwann den Palast, der Ork wurde durch die Gänge des Schlosses bis zum Thronsaal geführt. Die riesige Tür wurde aufgestoßen, am Ende des Saals saß Jaritha auf ihrem Thron, das Ziel seiner langen Reise. Ohne dazu aufgefordert worden zu sein, drückte der Ork einem Elfensoldaten erst seinen Speer und dann noch sein riesiges Breitschwert in die Hand. Der Elf zuckte dabei mehr als einmal dabei sehr unelfisch zusammen. Dann nahm der Ork als Letztes noch seinen Helm ab, gab ihm diesen ebenfalls und ging mit lauten und dröhnenden Schritten auf Jaritha zu. Alle Augen im Thronsaal waren auf den Ork gerichtet. Etwa fünf Meter vor ihr blieb er stehen und deutete eine leichte Verbeugung an.

Er deutete auf sich und sagte mir dröhnender Stimme die deutschen Worte: „Botschafter Yuri.“

Jaritha deutete ebenfalls eine Verbeugung an und kam sofort auf den Punkt.

„Yuri, ihr seid hier nur willkommen, wenn ihr uns keinen Krieg bringt.“

Yuri nickte und blickte konzentriert, er rang offensichtlich mit den richtigen Worten in der für ihn ungewohnten Sprache.

„Ork bringt Krieg.“

 

 

1. Ein Paradies auf Erden ist nie von Dauer

 

Es war ein wunderschöner Frühling in diesem dritten Jahr nach der Umwandlung. Es waren für einen Frühling eigentlich viel zu warme Tage, die man aber hervorragend nutzen konnte, indem man eine Runde schwimmen ging oder auch einfach nur endlos durch die gerade erwachende Pflanzenwelt spazierte. Oder man machte einen Ausflug, und wenn man einen Drachen zur Hand hatte, wurde es sogar ein Ausflug im wahrsten Sinne des Wortes. Die Luft war unglaublich sauber und rein, ohne die Abgase der vergangenen menschlichen Industrie. Inmitten von all dem leuchtete eine wunderschöne Stadt, Larithin, es war die erstaunlichste Stadt des Universums. Ihre strahlend weißen Türme und Mauern waren durch natürliche Magie getrieben aus dem Felsen gewachsen. Leuchtend rote Dächer strahlten über der Stadt und sie blinzelten einem freundlich zu, wenn man darüber flog.

Ich lebte nun schon fast eineinhalb Jahre in Larithin, Jaritha hatte mich nicht nur aufgenommen, sondern mir auch noch eine Aufgabe gegeben, eine Aufgabe, die ich nicht sehr mochte, aber leider ziemlich gut konnte. Kämpfen und töten. Sie hatte mich nicht wirklich jemanden töten lassen, sie hatte allerdings auch nie ihren Plan aufgegeben, mich fit für meine Abenteuer zu machen, und zwar richtig fit. Bei der Gelegenheit gleich auch noch ihre Streitkräfte ebenfalls fit zu machen, war für sie völlig logisch, außerdem erschlug sie damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, Jaritha war eine sehr effiziente und wirklich gute Herrscherin der Elfen, eine Bessere als sie konnte ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Sie wollte mich anfangs zu einer ihrer Generalinnen machen, was ich aber sofort sehr vehement ablehnte, ich war ganz sicher keine gute Offizierin. Eines musste ich ihr aber zugestehen, kämpfen, das konnte ich mittlerweile tatsächlich ziemlich gut, sogar viel zu gut für meinen eigenen Geschmack. Oft dachte ich dabei an unsere alte Welt, in der niemand so gut kämpfen können musste, Schusswaffen ermöglichten es jedem untrainierten Menschen jeden Soldaten, auch den größten Krieger, bequem aus der Ferne zu töten.

Als wir uns nach einem ziemlich langen Gespräch darauf geeinigt hatten, dass ich mir selbst den Respekt ihrer Armee selbst verdienen musste, und diesen nicht von ihr durch einen Titel bekam, legte ich trotz aller Vorbehalte mit Begeisterung los, es gab nämlich eins an der Sache, das ich wirklich liebte und das war intensive körperliche Bewegung. Als Mensch hatte ich bestenfalls beiläufiges Interesse daran gehabt, als Drachenelfin liebte ich körperliche Bewegung fast noch mehr als alles andere.

Eine der allerersten Trainingsstunden wird mir allerdings ewig in Erinnerung bleiben. Jaritha war eine ausgezeichnete Bogenschützin, so wie es fast jeder Elf war, der sich die Zeit für das Training nahm, das natürlich auch Elfen brauchen. Natürliche Begabung spart einem die Übung und das Training leider nicht, das hatte auch diese neue Welt voller Magie und Geheimnisse nicht verändert. Ich betrat an diesem Morgen den Platz, auf dem wir fast immer trainierten, und spürte plötzlich einen Schlag an der rechten Schulter, der mich ein ganzes Stück nach hinten warf und mir sofort die Tränen in die Augen trieb. Ich sah mich um, rannte sofort auf den nächsten Ständer mit Waffen zu und umfasste den nach Elfenart gefiederten Pfeil mit der Hand, um ihn herauszuziehen, und versuchte währenddessen den Gegner auszumachen, der mich gerade so heimtückisch überrascht hatte. Ein lauter Ruf, militärisch knapp und befehlsgewohnt ließ mich innehalten.

„Steckenlassen, Soldat! Stillgestanden!

Verblüfft sah ich mich um und sah Jaritha, die neben einigen ihrer ziemlich entsetzten Elfenoffiziere stand, und mich ernst ansah.

„Heute Morgen kämpfst du mit einem kleinen Handicap, wir wollen dich doch nicht unterfordern.“

Ihr Blick war hart wie Stahl und völlig mitleidsfrei, mir wurde klar, dass ich es gerade mit der Königin zu tun hatte, und nicht mit meiner Freundin und Geliebten, eine Seite an ihr, die ich zwar genauso wie die andere schätzte, vor allem in Krisensituationen, aber manchmal auch ein wenig fürchtete. Diese Frau würde jeden, inklusive sich selbst, sofort opfern, um die Elfen und ihr Königreich zu retten, wenn sie keine andere Wahl hatte. Sie warf mir eines der Holzschwerter zu und dann musste ich gegen sie und fast alle ihrer Offiziere antreten und mindestens einen Treffer landen, bevor sie mir den Pfeil selbst wieder herauszog und ich mich heilen durfte. Typisch für sie war auch die einzelne Träne, die ich in ihrem Auge dabei entdeckte.

Die Schmerzen in meiner Schulter waren fast unerträglich, obwohl mich niemand mehr dort berührte, darauf achtete ich sehr genau. Ihr Blick verriet mir den Schmerz in ihrer Seele, den sie selbst dabei erlitten hatte, und in der Tat wiederholte sie diese Übung danach nie wieder, obwohl ich ihr später an diesem Tag deutlich machte, dass ich ihr das harte Training nicht übel nahm. Ich fand nie heraus, was sie eigentlich damit bezweckt hatte, und meine Vermutungen waren einfach zu spekulativ, aber offensichtlich war es für sie selbst deutlich schlimmer als für mich gewesen. Ich ordnete es dem zu, was ich bereits von ihr wusste, nämlich dass sie auf ihre Art und Weise sichergehen wollte, dass ich auch außerhalb von Larithin überlebte. Danach kamen mir jedenfalls die normalen Trainingsstunden, inklusive der dabei üblichen Verletzungen, eher angenehm vor.

Im Laufe des folgenden Jahres verdiente ich mir tatsächlich den Respekt ihrer Soldaten, nämlich indem ich mit jedem Einzelnen von ihnen kämpfte. Irgendwann konnte ich in der Tat auch keinem Kampf mehr aus dem Weg gehen, da es ein Sport unter den Soldaten und Soldatinnen geworden war, mich endlich zu schlagen. Da ich mit so vielen unterschiedlichen Fecht- und Kampfstilen zu kämpfen hatte, ganz abgesehen von den unterschiedlichsten Waffen, wurde ich tatsächlich auch irgendwann richtig gut. Jaritha selbst hatte mich ja vorletztes Jahr schon härter als jeden einzelnen Soldaten ihrer Armee trainiert, nach diesem Jahr der Kämpfe mit Elfensoldaten hatte körperliche Fitness für mich noch einmal eine andere Größenordnung angenommen.

Georg war nicht zu seinem Vater zurückgekehrt, was mich nicht sonderlich verwunderte. Petra und er passten so unglaublich gut zusammen, bis auf die Rassenunterschiede, und ich hoffte mit ganzem Herzen, dass sie damit klarkommen würden. Rassenunterschiede, der Begriff war ein Widerspruch in sich selbst geworden, einst waren wir alle Menschen gewesen, jetzt sah die Sache jedoch völlig anders aus. Es gab Ork, Zwerge, Menschen, Drachen und noch viele mehr, und doch traten die Rassenunterschiede deutlicher als je zuvor zutage. Es waren seit der Umwandlung immerhin wirkliche Unterschiede geworden, nicht nur anerzogene, es gab reale körperliche Unterschiede, und doch, für mich rückte uns das irgendwie alle enger zusammen.

Mit den anderen Elfen in der Stadt hatte ich leider nur sehr selten Kontakt, meine Freizeit verbrachte ich meistens mit Sabine, Jaritha sowie Petra und Georg. Nun, um ganz genau zu sein, hatte Jaritha sehr selten Freizeit, Georg und Petra entdeckten meistens lieber einander und Christin war irgendwann zu ihrem Mann zurückgekehrt. Sabine war jedoch genau das, was ich wirklich brauchte, und ihr erging es mit mir genauso. Wir hatten beide ziemlich viele Ork auf dem Gewissen, und selbst wenn einem die Göttin dafür vergibt, es bleibt einfach ein sehr dunkler Schatten auf der Seele zurück. Die Erinnerungen an die Gesichter der Ork, ihre starren Augen, die toten Soldaten in Riem und der Leichnam meiner Mentorin Elida waren immer noch zu viel für mich, wann auch immer ich daran denken musste.

Sabine sorgte dafür, dass ich damit leben konnte, unermüdlich und immer wieder. Unsere Liebe vertiefte sich zu etwas völlig Einzigartigem, was ich so vorher noch nie erlebt hatte, und trotzdem gab es auch immer einen Platz für Jaritha bei uns, die wir beide abgöttisch verehrten und liebten. Leider war das bei Weitem nicht so oft, wie sich Jar das gewünscht hätte, aber es war trotz allem ein wunderschönes Jahr. Sabine und ich trainierten zusätzlich zu meinem täglichen Training mit der Armee auch noch zusammen, nämlich das Gleiche, das wir damals in Unterschleißheim trainiert hatten, woraufhin sie irgendwann richtig gut mit ihren Feuerbällen wurde. Ihre Eislanzen waren auf Dauer zu schmerzhaft für mich, jedenfalls, wenn sie trafen, die konnte sie daher nur mit Felsen oder etwas ähnlich Statischem trainieren.

Das Leben war in diesem Jahr für uns wie ein wunderschöner Traum in Larithin, ich war dort so glücklich wie niemals zuvor in meinem Leben. Alle Träume enden jedoch irgendwann, und dann ist es Zeit aufzuwachen.

 

 

2. Krieg

 

Ein Raunen ging durch den Raum, die sonst so beherrschten Elfen flüsterten aufgeregt und verängstigt. Jaritha hob die Hand, das Flüstern erstarb, Yuri fuhr mit seinem gebrochenen Deutsch stockend fort.

„Nicht Krieg mit Elfen.“

Jaritha hob ihre Augenbrauen und meinte: „Wollt ihr verhandeln? Über was wollt ihr denn verhandeln? Wir haben nicht viel Land.“

„Nicht verhandeln.“

„Ihr wollt nicht verhandeln, was wollt ihr denn dann von uns?“

Dann sagte der Ork nur noch einen Namen, ein Name, der auch den Elfen hier im Thronsaal wohlbekannt war, nämlich meinen.

„Althea.“

Der Thronsaal wurde plötzlich wieder lauter, und diesmal beschränkte man sich nicht auf Flüstern. Jaritha zeigte mit ihrem schlanken Zeigefinger grazil auf Petra, die ohne einen Befehl zu benötigen, sofort so schnell sie nur konnte, inklusive einer etwas klappernder Rüstung, losrannte, um mich zu suchen.

Ich hatte von all dem nichts mitbekommen, ich lag friedlich in meinem Bett und schlief. Um genau zu sein, schliefen Sabine und ich gemeinsam in unserem Bett, nach einer sehr langen und romantischen Nacht, die mit deutlich mehr als nur ein wenig Alkohol verbunden gewesen war. Wir hatten letzte Nacht meinen zweiten Geburtstag gefeiert, vor genau zwei Jahren war ich aus dem Koma erwacht. Jedenfalls schätzten wir das, ganz genau wusste ich es leider nicht mehr, und diesen Tag hatten wir zu meinem neuen Geburtstag gemacht. Was ich durchaus angemessen fand, schließlich war jetzt ich ein völlig anderer Mensch, beziehungsweise Drache, deshalb war ich damals auch Jarithas Vorschlag begeistert gefolgt.

Wir bewohnten kostenfrei ein mehr als nur großzügiges Appartement in Jarithas Schloss, es war eine sehr große Wohnung mit einem riesigen Bett darin, die wirklich keine Wünsche offenließ. Jaritha hatte gemeint, dass unsere Dienste für die Elfen und Menschen eigentlich deutlich besser als nur mit einer kleinen Wohnung gedankt hätten werden müssen. Ich sah das anders, allerdings trainierte ich ihre Soldaten und Sabine leistete sehr viel in der Grundlagenforschung mit Jarithas besten Magiern.

Ohne Elektrizität gab es sicherlich deutlich weniger Komfort als früher, wir vermissten es jedoch mit den Jahren immer weniger. Es gab ja sogar warmes, fließendes Wasser hier, was vor allem für Sabine eine ständige Quelle der Freude war. Ich selbst war seit meiner Verwandlung ziemlich temperaturunempfindlich geworden, kaltes Wasser tat es bei mir durchaus auch.

Jaritha hatte uns absichtlich schlafen lassen, sie wusste genau, dass sie im Falle eines Konfliktes schon sehr bald ihre mächtigste Feuermagierin und ihre Drachin würde einsetzen müssen, jedenfalls, wenn es zu einem solchen kommen sollte. Sie war bei uns gewesen und hatte mit uns gefeiert, hatte sich aber deutlich früher als das Ende der sehr kleinen Party verabschiedet, mit einem Verweis auf ihre Pflichten als Königin am nächsten Morgen. Georg und Petra waren danach auch nicht mehr allzu lange geblieben. Den Rest der Party mit Sabine allein zu verbringen offenbarte jedoch eine Entschädigung, wie sie für mich jedenfalls nicht hätte besser sein können, vor allem der Teil, als wir uns irgendwann unserer Klamotten entledigt hatten und die Party ziemlich heiß wurde.

Jetzt schlug eine metallbewehrte Faust hart, laut und störend an die Tür des freundlichen und warm möblierten Zimmers, in dem wir so behaglich die letzte Nacht und auch die langen Monate des eisig kalten Winters verbracht hatten. Sabine rüttelte mich wach, ich hatte mir in diesem letzten Winter einen deutlich tieferen und festeren Schlaf angewöhnt, deutlich fester als zu der Zeit unserer Reisen, küsste mich und flüsterte mir ins Ohr.

„Althea, wach auf, es gibt Ärger.“

Ich rekelte mich verschlafen in den Laken, bis ich endlich das laute Hämmern an der Tür bemerkte. Ich sprang auf und öffnete die Tür weit. Petra sah mich an, ziemlich kritisch mit hochgezogenen Augenbrauen, von oben nach unten und dann wieder nach oben. An ihrem kritischen Blick erkannte ich, dass anscheinend irgendwas nicht stimmte. Ich sah an mir herunter, ich war völlig nackt. Dafür wankte sie ein wenig. Nein, die Tür wankte mit. Die Welt wankte.

Sie seufzte unzufrieden. „Althea, wir haben ein echtes Problem. Zieh dich bitte schnellstens an und komm in den Thronsaal. Und beeil dich bitte, es warten ziemlich viele Leute auf uns!“

Ich sprang so lange ziellos in dem Zimmer umher, bis mir Sabine einen Hosenanzug zuwarf, den mir Diana vor ewigen Zeiten einmal als Geschenk von Jaritha gebracht hatte. Ich zog mir das Ding über und stellte mich vor Petra auf.

„Fertig!“, verkündigte ich stolz.

„Schuhe?“, fragte Petra ein wenig genervt.

Ich starrte auf meine nackten Füße. „Schuhe, gute Idee.“

Ich holte mir aus einem Schrank ein paar Sandalen und zog sie an. Dann drang das Gelächter von Sabine und Petra in mein Bewusstsein. Irgendwas war nicht in Ordnung an diesem Morgen. Die Feier. Alkohol.

Ich rief die Schleier und heilte mich. Alles wurde plötzlich bedeutungslos, der Morgen, das Zimmer, Petra und Sabine. Es gab nur noch den Schmerz, er bestimmte meine Welt, ich verbrannte bei lebendigem Leibe. Ich krümmte mich zusammen und schrie auf. Dann verebbte die reinigende und entgiftende Flamme wieder und der Schmerz verging endlich.

Sabine meinte trocken: „Darum beneide ich dich, ehrlich. Ich wäre manchmal echt froh, wenn ich einen Kater mit einem kleinen Schmerzensschrei erledigen könnte, heute Morgen zum Beispiel.“

Ich sah Petra an. „Ich bin bereit. Oh, bis auf etwas sehr Wichtiges.“

Ich ging zu Sabine, küsste sie zärtlich, um dann wieder zu Petra zurückzukehren. Das strahlende Lächeln von Sabine entschädigte mich deutlich für den Blick von Petra, dann sprach ich sie an.

„Okay, was gibt es denn so Dringendes?“

„Komm mit, du wirst es gleich sehen. Ich bin schon sehr auf deine Erklärungen gespannt.“

Wir marschierten gemeinsam zum Thronsaal. Dort scharrten mittlerweile ziemlich viele Elfen nervös mit den Füßen. Inklusive einer, anscheinend mehr als nur ein wenig, besorgten Königin, die sich das aber nicht wirklich anmerken ließ.

Ich betrat den Saal und sah Yuri mitten im Saal. Ich erkannte den Ork sofort wieder und schrie laut in Geistsprache auf.

‚YURI!‘

Der Ork sah mich an, rannte drei Schritte auf mich zu, besann sich dann aber eines besseren und schritt mit deutlich mehr Würde auf mich zu. Als er vor mir stand, nahm er meine beiden Hände und hielt sie an seine Stirn. Er beugte den Kopf sehr, sehr tief dabei, ich war nicht ganz sicher, ob es tief genug war, um Unterlegenheit anzudeuten, ich hoffte aber nicht.

‚Althea, wir bitten dich um deine Hilfe. Friedrich schickt mich erst einmal als sein Bote, aber ich soll dir genau das schon mal ausrichten. Er konnte selbst nicht hier herkommen, weil wir es nicht erlaubt haben.‘

Er blickte sich nervös im Thronsaal um, dann fuhr er fort.

‚Wirst du uns erneut helfen, so wie du es schon einmal für das Volk der Ork getan hast?‘

‚Worum geht es denn, und warum kann Friedrich denn nicht selbst … ah, ich verstehe. Ihr traut den Elfen nicht.‘

‚Althea, bitte hilf uns, du bist unsere einzige Hoffnung.‘

Ich streckte Yuri meine Hände entgegen, er nahm sie in seine und kniete nieder. Ich zischte ihm nervös zu.

‚Wir sind mitten im Thronsaal der Elfen, würdest du das bitte lassen? Bitte steh auf.‘

Ein lautes Lachen erschallte den Saal. Die würdevollen Elfen starrten entsetzt ihre Königin an, die die Ursache für das laute und herzliche Lachen im Saal war. Yuri starrte sie ebenfalls an. Sie verstummte und entschuldigte sich etwas peinlich berührt mit einem Nicken, sie hatte jedoch keine Sekunde lang aufgehört zu lächeln, es gefiel ihr, dass ich gerade am Liebsten vor Scham in den Boden versinken wollte.

‚Okay, okay, natürlich höre ich mir eure Geschichte an, wo ist Friedl denn?‘

‚Vor der Stadt, und ich fürchte, es hat sich bei uns vieles ein wenig geändert, seit dem du ihn das letzte Mal gesehen hast.‘

Ich nickte ihm zu, ein wenig ungläubig. Wir traten gemeinsam auf Jaritha zu, ich verbeugte mich und sprach sie auf normalen Deutsch an.

„Eure Majestät, bitte erlaubt mir ...“

Jaritha büßte wieder ein wenig ihrer Würde ein, als sie erneut laut loslachte.

„Du darfst, und ich werde dich ...“

„... nicht begleiten, dafür aber meine treue Generalin Petra und ihre Soldaten schicken, um euch Begleitschutz zu gewähren.“, vollendete Petra ihren Satz, worauf sie sich ein Funkeln von Jaritha einfing, das die meisten Schmiede vor ihrem Essen zu echten Begeisterungsstürmen bewegt hätte, allein schon aufgrund der glühenden Hitze. Petra kniete vor ihr nieder, was ihren Worten die Schärfe nahm, wir wussten jedoch beide ganz genau, sie würde keinen Deut von ihrem Standpunkt abweichen. Vermutlich nicht einmal, wenn ihr jemand androhte, ihr den Kopf abzuschlagen, und Jar war gerade nicht sehr weit davon entfernt genau das anzuordnen, ihrem Blick nach zu urteilen.

Georg grinste inzwischen ebenfalls breit, der restliche Saal, voll hochgestellter Elfen, wagte es jedoch nicht einmal zu atmen.

Ich sah Jaritha erwartungsvoll an und erwartete ihre Entscheidung, sie nickte lediglich nach einer kleinen Ewigkeit und sagte kein Wort mehr.

Ich vernahm ein gedankliches Flüstern von ihr, das offensichtlich nur für mich alleine bestimmt war.

‚Manchmal beneide ich dich so sehr, das kannst du dir gar nicht vorstellen, Althea. Ehrlich.‘

Ich zog sie kurz in die Verbindung der Vier und hielt meine Augen hinter meinem Arm in einer Verbeugung verborgen, was alleine ihre Augen im Thronsaal deutlich blau aufflammen ließ, dann fing sie wieder an zu sprechen, diesmal klang sie sehr offiziell und förmlich.

„Geht in unserem Namen und überbringt diesem Heer unsere Grüße. Und macht ihnen deutlich klar, dass die Elfen hier in Larithin herrschen, und zwar allein die Elfen und niemand sonst.“

Die versammelten oberen Schichten der Elfen raunten ehrfurchtsvoll und zustimmend, Jarithas Würde war trotz ihres kleinen formalen Ausrutschers unangetastet. Ich vermutete, jeder einzelne Elf würde jederzeit mit Freuden für ihre Elfenkönigin sterben, egal wie sich ihre Königin benahm, und mir und Sabine ging es durchaus ähnlich. Allerdings waren es halt auch Elfen, und diese legten ziemlich viel wert auf gewissen Förmlichkeiten, gegen die Jaritha immer wieder gerne verstieß.

Yuri stand auf, drehte sich um und bedeutete mir zu folgen, an der Tür sammelte er seine Waffen und seinen Helm wieder ein. Als wir den Thronsaal verließen, schloss sich uns auch der Trupp Elfensoldaten aufs Neue an und marschierte gemeinsam mit uns durch die Stadt. Wir gingen durch die Straßen in gemessenem und würdevollem Schritt. Der Schritt war so langsam und würdevoll, ich drehte fast durch dabei, ging das nicht irgendwie schneller? Wir kamen bis fast zum Tor, dann brach ich mit dem Protokoll, ich konnte es vor Ungeduld einfach nicht mehr aushalten. Ich zog mir im Laufen den Hosenanzug aus, und dann noch die Sandalen und drückte beides Petra in die Hand, die mich mit erhobenen Augenbrauen vorwurfsvoll und kopfschüttelnd ansah, dabei sollte sie diesen Anblick doch mittlerweile eigentlich gewöhnt sein, sie kannte mich schließlich lange genug.

Ich rannte barfuß und nackt ein paar Schritte von den anderen weg, verwandelte mich in mein wahres Ich, schlug heftig mit den Flügeln und hob ab. Ich brüllte meine gute Laune der Sonne entgegen und spie mein Drachenfeuer, das heißer als hundert Sonnen brannte. Dann sah ich auf die Ebene vor der Stadt und erspähte das Orkheer, das nach wie vor vollkommen diszipliniert die Formation hielt.

Ich tauchte ab und flog tief über dem Heer hinweg und suchte nach meinem Freund. Ich spürte jetzt etwas, jetzt als ich danach suchte, eine Regung und ein Ziehen in meinem Geist, die mitten auf das Feld zeigten. Friedrich war tatsächlich ein Drachenfreund, was mir seinen ungefähren Standort verriet. Er befand sich anscheinend in einem hastig errichteten Zelt direkt hinter dem Orkheer, es war auch das Einzige.

Ich landete davor und schlug mit den Flügeln und brüllte lautstark. Ein mir sehr willkommener und wohlbekannter Friedrich kam aus dem Zelt gerannt, völlig verändert, ich starrte ihn völlig ungläubig an. Er war mit Sicherheit noch mal doppelt so breit wie früher, ein einziger Muskelprotz. Und er sah irgendwie erwachsener und gereifter aus, und das nach nur einem einzigen Jahr.

Ich stand vor ihm und starrte auf ihn hinunter. Ich brüllte noch einmal laut vor Freude über unser Wiedersehen, dann verwandelte ich mich in die Elfe und rannte auf ihn zu. Dabei schrie ich ‚Friedl!‘, und fiel ihm in die Arme und ignorierte dabei völlig, dass sich noch jemand anderes außer uns beiden auf dem Feld befand. Er hob mich an, ich kam mir so leicht vor wie eine Feder. Er wirbelte mich im Kreis um sich herum und stellte mich dann wieder auf meine Füße.

Die Ork in unserer Nähe betrachteten uns mit breitem Grinsen. Von Würde war bei der Szene sicher nicht zu reden, selbst wenn man einmal großzügigerweise davon absah, dass ich völlig nackt war. Friedrich pfiff laut zwischen den Fingern und ein Ork kam mit einem Umhang herbeigerannt, in den ich mich einwickelte. Ich brabbelte aufgeregt und überschäumend Unsinn, was mir gerade so durch den Kopf ging, so sehr freute ich mich, ihn wiederzusehen.

‚Was machst du hier, und warum hast du all diese Leute mitgebracht? Sag mir nicht, dass du mit mir kämpfen willst, dass glaube ich dir nicht. Ehrlich nicht. Nicht du, sag mir jetzt sofort auf der Stelle, dass du das nicht willst, Friedl.‘

Er lachte laut, das typisch gutturale Lachen eines Ork. Angst einflößend und unheimlich. So tief und endgültig. Was er sagte, klang jedoch ganz anders und sehr stark vertraut, es klang nach meinem Friedl.

‚Nicht mit dir, Althea, ganz sicher niemals mit dir. Schon eher für dich.‘

Dann nahm er meine Hände und fiel auf eins seiner breiten Knie.

‚Althea, ich brauche deine Hilfe, die Hilfe der Retterin und der Vier. Es geht um Krieg, und zwar um einen großen und blutigen Krieg, den wir jetzt führen müssen, bevor der Gegner zu stark wird. Es gibt nur eins, das bei der Sache wirklich sicher und unvermeidlich ist, und das ist der Krieg. Das Timing könnte sich zu unseren Gunsten erweisen, wenn wir jetzt losschlagen, ich will den Krieg also sofort und auch mit deiner Hilfe. Gegen jemanden, der alle anderen mit Krieg überziehen will. Die ganze Welt.‘

Ich starrte ihn entsetzt an.

‚Wovon um Gottes willen redest du da, Friedl? Was ist denn nur passiert?‘

‚Es gibt da eine Sache, die mehr als nur ein bisschen schief gegangen ist. Nach dem Tod von Archimedes hatten sich bei uns ziemlich schnell zwei große Parteien gebildet. Eine gehört mir an, das ist die Partei, die deine Taten kennt und deine Ideen respektiert. Und es gibt noch eine Weitere. Die will die zahlenmäßige Überlegenheit der Ork so schnell wie möglich ausnutzen und gleich Krieg mit allen anderen Rassen führen, quasi präventiv. Weil sie vor der Rache der Menschen nach dem letzten Krieg Angst hatten, folgten viele am Anfang diesen verirrten Ideen. Dann ist bei ihnen aber irgendetwas Merkwürdiges passiert, sie bekamen nämlich einen neuen, unglaublich brutalen und wirklich bösartigen Anführer, den wir noch nicht einmal kennen. Danach haben sie sehr viele Ork Anhänger verloren, aber er hat eine einzigartige Art, neue Anhänger für sich zu rekrutieren. Er ist ebenfalls Ork, das glauben wir jedenfalls, und sehr, sehr mächtig. Deshalb brauche ich deine Hilfe, du sollst mir helfen, unseren Krieg gegen ihn und seine Soldaten für uns zu entscheiden. Weil ich glaube, dass dieser Krieg jetzt die einzige Überlebenschance für alle Rassen ist. Das glauben wir alle hier. Dafür sind wir bereit zu kämpfen und zu sterben, wir brauchen allerdings auch ein bisschen Hilfe dafür. Und zwar deine Hilfe.‘

Ich stieß ihn bis ins Mark erschüttert erschrocken von mir weg und schrie ihn panisch und wutentbrannt an.

‚Deshalb bist du zu mir gekommen, du kamst, um von mir zu fordern, dass ich wieder in den Krieg ziehe? Dass ich erneut mit dem Töten beginne?‘

Er sah mich an, mit so unendlich traurigen Augen wie sie einen nur aus einem grünen Gesicht heraus ansehen können.

‚Genau deswegen bin ich hier, Althea. Es tut mir leid, sehr, sehr leid, aber genau das ist der Grund.‘

Jetzt war es an mir vor ihm auf die Knie zu fallen, Tränen liefen mir dabei über das Gesicht.

‚Alles Friedrich, aber bitte keinen Krieg mehr! - Friedl, es war doch sicher genug, war es nicht? Hör mir zu, es hat genug Tote gegeben, ganz sicher genug, findest du nicht? Ich habe doch genug Ork getötet, das kannst du doch nicht von mir wollen, dass ich noch mehr Ork töte?‘

Er sah mich einen Moment unentschlossen an und sagte dann hart.

‚Es gab Tote, Althea, aber anscheinend noch nicht genug. Es gibt jemanden, der nach sehr viel mehr Blut schreit. Und wir werden ihn füttern, oder willst du ihn lieber mit deinen Elfen und Menschen füttern?‘

Ich hörte auf zu flehen und stand wieder auf. Ich drehte mich von ihm weg und starrte verzweifelt in einen hellblauen und wunderschönen Sommerhimmel und gleichzeitig aus den Augenwinkeln heraus wütend auf sein hässliches Orkgesicht. Sein Argument war nicht fair, ich hatte bereits für alle Rassen gekämpft, aber ich wusste auch, warum er es anbrachte. Weil es zog. Er hatte vollkommen recht, wenn die Situation so war, wie er sie schilderte. Wobei es egal war, ob Menschen, Ork oder Elfen starben, niemand sollte sterben.

Ich zweifelte aber auch keinen Moment lang an seiner Einschätzung, ich würde meinem Friedrich jederzeit mit meinem Leben vertrauen, und wenn er so etwas behauptete, dann war das auch so. Die Göttin würde eine Einmischung meinerseits in einen Bürgerkrieg vermutlich sowieso nicht dulden, das hier hörte sich aber für mich nach deutlich mehr an, auch wenn es Friedl eigentlich gerade eben noch als einen solchen beschrieben hatte. Das hatte er doch gerade, oder? Ich wurde mir immer unsicherer darüber, was er eigentlich beschrieben hatte, je länger ich darüber nachdachte.

Die Elfeneskorte aus Larithin war mittlerweile angekommen und jemand aus der Eskorte reichte mir meinen Hosenanzug. Ich ließ den Umhang fallen und zog den Anzug an. Danach setzte ich mich auf den Umhang und zog mir die Sandalen an. Schließlich erhob ich mich und starrte wütend Friedrich an und reichte ihm seinen Umhang.

‚Friedrich, ich weiß noch nicht, ob ich dir das je verzeihen werde. Aber ich werde dir folgen, egal wohin, und wenn es meinen Tod bedeutet.‘

Er wurde bleich, sagte aber nichts mehr.

Ich drehte mich um und wandte ihm meinen Rücken zu.

‚Gib mir eine Stunde, dann bin ich wieder hier und wir können in deinen Krieg aufbrechen. Ich werde für dich in deinem Krieg töten, Ork.‘

Ich senkte den Kopf und lief weiter, ich war jenseits von wütend und konnte trotzdem gleichzeitig die Tränen meiner Verzweiflung nicht stoppen, die mir über das Gesicht liefen.

„Althea, ist alles in Ordnung bei dir? Was ist denn nur los, um Himmels willen? Wer ist der Ork, und was wollen diese Soldaten alle hier?“, fragte mich Petra entsetzt, als ich mich wieder in Richtung Larithin in Bewegung setzte, und lief verunsichert hinter mir her, genau wie ihre Soldaten, die genauso verwirrt wieder kehrtmachten.

„Es ist Friedrich Eberhardt. Wir alle hier schulden ihm unser Leben, und er ist nicht nur mir ein wahrer Freund, sondern auch allen Elfen und Menschen. Eine neue Bedrohung für uns zieht auf, und er muss sie bekämpfen, es wird also schon wieder Krieg geben. Und er bittet um Hilfe, meine Hilfe, die er verdammt noch mal auch kriegen wird. Aber ich habe so gehofft, ich müsste nicht mehr töten. Es war wohl eine vergebliche Hoffnung.“

„Sie wollen nicht gegen uns kämpfen, sondern gegen jemand anders? Sie sind also nicht unser Feind?“

„Ganz genau, sie sind unsere Verbündeten, Verbündete, die wir noch nicht einmal kannten, aber trotzdem unsere Verbündete. Und sie kämpfen bereits unseren Krieg für uns.“

Ich wischte meine Tränen ab. Sie kamen mir auf einmal unglaublich selbstsüchtig und kindisch vor, genauso wie mein ganzes Verhalten gerade eben noch. Aber alleine der Gedanke daran, erneut diese Schmerzen in meiner Seele ertragen zu müssen, ließ mein Blut kochen.

„Friedrich hat uns den ganzen Weg bis zu Archimedes begleitet, er hat zu mir gestanden, er war ständig für mich da. Wenn ich nachts vor Schmerzen schrie, dann hat er mich immer wieder geheilt und mir seine Vergebung dafür gegeben, dass ich am Tag davor seine Orkbrüder getötet habe. Er hat am Ende sogar noch mehr Ork getötet als ich, um mich und meine geistige Gesundheit zu schonen. Und das alles wegen eines Drachens, der seine ganze Rasse versklavte und für seine verrückten Ziele missbrauchte. Das Allermindeste, das ich ihm schulde, ist jede Art von Hilfe, was auch immer er verlangen könnte, vor allem als Drache. Wir Drachen haben sehr, sehr viel bei ihm und seinen Leuten wiedergutzumachen.“

Sie sah mich nachdenklich an. Wir gingen durch die Reihen der Ork in Richtung Larithin, mitten durch ihre Formation. Sie wichen zurück, als sie uns sahen, und gaben uns eine breite Gasse, es war eine respektvolle Geste, wie ich zu erkennen glaubte. Die Gesichter der Ork waren meistens freundlich, manche ernst, einer winkte uns sogar zu, bekam aber einen Schlag auf den Hinterkopf von seinem Nachbarn. Die Ork um ihn herum lachten dunkel, es klang roh, fremdartig und tief.

„Das sah eben aber nicht danach aus, wenn du mich fragst. Du hast ihn nicht sehr nett behandelt.“

„Ja, ich weiß. Es tut mir auch leid. Es ist wegen des Gedankens erneut zu töten. Es ist nicht leicht für mich. All die armen Menschen, die ich bereits töten musste. Und sie waren ja alle einst Menschen, genau wie wir, auch die Ork. Vielleicht habe ich sogar ehemalige Freunde von mir getötet. Die Narben auf meiner Seele sind verschwunden, die Göttin hat mir zwar verziehen, aber ich selbst, ich werde mir das alles nie verzeihen.“

Petra sah mich stirnrunzelnd an und meinte dann leise.

„Das geht uns allen so. Allen Soldaten, die schon einmal töten mussten. Ich war früher Soldat in der Fremdenlegion.“

Ich starrte sie ungläubig an.

„Als Frau in der Fremdenlegion?“

Sie verzog das Gesicht.

„Nein, als Zuchtstute. Natürlich als Frau. Es war nicht leicht, das kannst du mir glauben. Ich wollte mir und meinem Ex-Mann etwas beweisen, der mich für ein völlig hirnloses aber wunderschönes Model verlassen hat. Ich kann sehr gut kämpfen, ich bin sportlich und sehr stark, das war ich auch früher schon. Ich hatte ein ähnliches Schicksal wie du, ich wurde vergewaltigt, und zwar so ziemlich als Erstes, nachdem ich in die Legion aufgenommen worden war. Er hat mich niedergeschlagen und sich an mir vergangen, als ich bewusstlos war. Ich habe den Kerl umgebracht, als ich erwachte. Er war mein Erster. Danach kamen noch viele Weitere. Es ist nicht einfach, manchmal schreien einen die Toten in der Nacht wütend an. Meistens anklagend, weil ich noch lebe und sie nicht mehr. Sie finden es nicht sonderlich fair. Ich manchmal auch nicht.“

Ich sah sie entsetzt an. Sie war doch Berufssoldat und General! Ich kam mir ziemlich dämlich vor, weil ich geglaubt hatte, dass das Töten für sie anders als für mich war, irgendwie leichter.

„Heute ist es besser als früher. Ich kämpfe für etwas, an das ich von ganzem Herzen glaube, nämlich für Jaritha, meine Königin. Und nicht mehr aus Wut und Zorn oder einfach nur für meine Kameraden, weil irgendjemand den Mann rechts oder links neben mir getötet hat.“

Sie lächelte mich an, ein trauriges Lächeln eines ewig jungen und wunderschönen Gesichts, das trotzdem in ihren Augen die Dunkelheit ihrer Seele dahinter erahnen ließ.

„Es wird leichter nach einigen Jahren.“

Sie sah mich nachdenklich an und fügte sehr leise und fast unhörbar hinzu:

„Etwas.“

„Ah, und Althea?“

„Ja?“

„Wenn du es ernst meinst, also dass es dir wirklich leidtut, dann entschuldige dich bei ihm, und nicht bei mir“, sagte sie und deutete auf das Ork Heer.

 

 

3. Der Aufbruch

 

Wir gingen den Rest des Weges schweigend und nachdenklich zurück zu Jaritha und berichteten ihr, was passiert war. Dass das Heer unsere Verbündeten waren und dass es keine Bedrohung für die Elfen da draußen vor den Toren gab. Aber sehr wohl eine viel weiter weg, irgendwo im Osten und dass ich das Heer begleiten würde, um diesen Feind zu bekämpfen. Die Fragen der besorgten Elfen stürmten auf mich ein und ich versuchte sie, so gut es ging, zu beantworten. Jarithas Mine wurde immer finsterer, je länger sich die Diskussionen hinzogen. Bis sie die Geduld verließ.

„Liebe Mitbürger, wir werden dieses Problem heute und hier nicht lösen, bitte geht und lasst uns allein. Und gebt Entwarnung, nicht dass einer der Wachen auf falsche Ideen kommt.“

Ihr Ton ließ keinen Zweifel daran, dass sie keinen Widerspruch duldete. Der Saal leerte sich.

Ich wollte mich ebenfalls gerade verdrücken, als sie mir Einhalt gebot.

„Du nicht Althea.“

Ihr Ton ließ auch diesmal keinen Widerspruch zu. Mir wurde plötzlich klar, dass das hier nicht einfach werden würde, traurig ließ ich meine Schultern hängen. Ich würde meine wunderschöne Elfenkönigin unendlich vermissen, und ich hoffte nur, ich würde sie wenigstens irgendwann wiedersehen, wenn das alles vorbei war. Petra und Georg lächelten mich an und verabschiedeten sich beide herzlich von mir und wünschten mir für die Reise alles Gute und viel Glück, bevor sie ebenfalls den Saal verließen. Ich drückte sie zum Abschied eng an mich, es tat wirklich gut, so gute Freunde wie die beiden zu haben.

Dann drehte ich mich zu Jaritha um. Sie riss mich in ihre Arme und drückte mich an sich, als ob sie mich nie wieder loslassen wollte. Irgendwann meinte sie flüsternd:

„Das ist wieder einmal typisch für dich, der Tag musste ja kommen, nicht wahr. Ich hatte die ganze Zeit schon so ein komisches Gefühl. Ich bin froh, dass wir dich hier im letzten Jahr so fit gemacht haben. Du hättest dir aber ruhig noch ein wenig mehr Zeit lassen können, und dann ist es gleich wieder so weit weg. Warum gibt es nicht einmal furchtbare Probleme hier in der Nähe?“

„Weil du und deine Elfen mit allem sehr gut auch ohne mich fertig werden würdet? Ich werde dich auch vermissen, Jar. Du weißt genau, was du mir bedeutest. Aber du hast wenigstens noch Sabine hier, und ich bitte dich, gut auf sie aufzupassen. Es wird alles wieder gut, ich habe hier mein Zuhause gefunden, ich werde ganz sicher zu euch zurückkommen.“

Sie hielt mich an den Schultern fest und brachte mich auf Armeslänge von ihr und legte den Kopf auf die Seite.

„Glaubst du allen Ernstes, sie wird hierbleiben? Ich dachte wirklich, du kennst sie mittlerweile etwas besser. Ich würde selbst auch nicht hierbleiben, wenn ich nicht hier eine zu wichtige Aufgabe hätte. Wirst du Christin abholen?“

Ich musste mich ziemlich zurückhalten, um nicht gleich loszupoltern.

„Ich werde alleine mitten unter einem riesigen und völlig unberechenbaren Orkheer sein und gegen einen furchtbaren Gegner kämpfen, der eben diese Ork so erschüttert hat, dass sie um meine Hilfe bitten, du denkst doch nicht im Ernst, dass ich eine von euch mitnehme. Ich verwandle mich notfalls und fliege weg. Und was macht ihr?“

Petra betrat plötzlich wieder den Saal und platzierte sich an einem der Ausgänge mit unbeweglicher Miene.

Jaritha sah sie fragend an.

„Ach, nichts, nichts, ich möchte nur sicherheitshalber an eurer Seite bleiben, Majestät.“

Jaritha sah sie immer noch völlig verständnislos an. Ich konnte nicht anders, ich fing an, laut und schallend zu lachen, und zeigte mit dem Finger auf Jar.

„Jemand passt auf, damit du nicht mit der alten Althea auf die Reise unter Ork gehst.“

Ich grinste Petra unverschämt an. Petra lächelte kühl zurück und sagte aber nichts. Jaritha seufzte lediglich.

„Petra, du hast nicht sehr viel Vertr ...“

„Nein.“ Unterbrach Petra ihre Königin trocken und sehr bestimmt.

Ich umarmte Jaritha von hinten, fasste ihr an die Brüste und sah Petra dabei herausfordernd an. Jaritha stöhnte gespielt auf und reckte sich meinem Griff entgegen. Dann streckte die Königin der Elfen ihrer Generalin Petra die Zunge heraus, die ihre Augen verdrehte und ihren Kopf schüttelte. Schließlich drehte Jar sich wieder zu mir um. Ihr Gesicht wurde sofort wieder ernst.

„Du passt auf dich auf und kommst zurück zu mir. Und auf Sabine musst du auch aufpassen.“

Dann flüsterte sie mir ganz leise ins Ohr. „Ich liebe dich, Althea. Wenn ich doch nur dich zu meiner Königin machen könnte.“

„Ich liebe dich auch, meine Jaritha.“

Dann verließ ich sie, und wieder rann eine Träne meine Wange herunter. Ich hasste Abschiede. Petra sah mich trotz unserer Show von gerade eben sehr mitfühlend an und nickte mir leicht zu. Auf dem Weg nach draußen drückte ich sie noch einmal. Ich mochte sie sehr, vor allem auch wegen ihrer unerschütterlichen Treue zu Jaritha. Obwohl ich es nicht lassen konnte, sie wegen ihrer altmodischen Vorstellungen aufzuziehen, sie war echt so steif wie ein Stock.

Ich hatte es plötzlich sehr eilig und rannte fast zu unserem Appartement, das zu meiner Überraschung fast völlig leer war. Einige Dinge waren noch da, aber das meiste von unseren Sachen war verschwunden. Auch mein Rucksack, unsere Kampfstäbe, alles. Ein Verdacht beschlich mich. Diana kam plötzlich zur Tür herein, das kleine Elfenmädchen half mir oft bei den wirklich wichtigen Dingen im Leben, wie Zöpfe, Haarspangen und Ähnlichem.

„Schade, jetzt werde ich es nicht so schnell mitbekommen, dass du wieder lange Haare hast. Deine viel zu kurzen Haare sehen immer noch schrecklich aus. Aber es wird. Besser als die beinahe Glatze, die du letztes Jahr hattest. Sie hat übrigens gesagt, ich soll dir sagen, dass sie am Tor auf dich wartet.“

Ich umarmte sie zum Abschied und küsste sie auf die Wange. Dann rannte ich aus dem Zimmer und gleich darauf aus dem Palast durch die Stadt der Elfen. Am Tor angekommen sah ich ein Bild, bei dem ich trotz aller Wut über ihre Sturheit laut lachen musste. Sabine saß reisefertig am Tor auf dem Boden. Sie lehnte sich gegen ihren Rucksack, hatte ihre mit Wanderstiefeln bekleideten Füße auf meinen Rucksack gelegt, beide Kampfstäbe und meine Stiefel lagen neben ihr im Gras. Sie kaute an einem Grashalm und lächelte mich an.

„Nein, wir werden nicht darüber diskutieren. Ich werde dir einfach nicht zuhören. Es ist mir völlig egal, was du sagst. Erinnerst du dich, was ich dir in Riem auf der Mauer gesagt habe? Mein Platz ist an deiner Seite, gewöhne dich daran. Es wird sich nicht mehr ändern, egal was passiert, jedenfalls, bis du mich zum Teufel schickst.“

Ich gab ihr die einzige Antwort, die mir in dem Moment einfiel:

„Und das wird nicht passieren, was du auch ganz genau weißt. Du bist unverschämt, Sabine Wendel.“

Ich sah an ihr vorbei auf die Wiese vor Larithin und erstarrte. Das Heer der Ork war bereits im Abmarsch begriffen und zog unverrichteter Dinge wieder ab. Anscheinend hatte Friedl es sich anders überlegt, vermutlich wegen meines emotionalen Ausbruchs. Wortlos zog ich mich aus, reichte Sabine meine Kleider, die mich nicht wenig erstaunt ansah. Dann drehte sie sich um, sah in Richtung des Heeres und seufzte.

Ich verwandelte mich in Drachengestalt und hob ab. Ich brüllte laut und flog auf das Heer zu. Ich flog ziemlich dicht über das Heer, kaum einer warf sich jedoch auf den Boden. Entweder waren die Ork ziemlich mutig oder ich war doch noch zu hoch. Vor dem Heer brüllte ich erneut laut auf und zog eine breite Spur auf Feuer quer vor dem Heer auf die Wiese. Dann landete ich dahinter und schritt durch die Feuerwand auf das Heer zu. Weitere kleinere Flammen kamen aus meinem Maul und den Nüstern. Ich blieb direkt vor Friedrich stehen, der ganz vorne auf einem Pferd ritt, das mir irgendwie bekannt vorkam.

Die Ork waren anscheinend nicht mal vernünftig eingeschüchtert, ganz im Gegenteil. Yuri schrie etwas auf Ork und das ganze Heer brüllte jubelnd auf.

Ich verwandelte mich erneut, ging auf Friedrich zu, und nahm seine Hände in meine. Dann beugte ich den Kopf und legte meine Stirn auf seine Hände, der orkischen Geste für eine Entschuldigung.

‚Nein, mir tut es leid, Althea, tut es wirklich. Du hast ein besseres Leben verdient. Eines ohne Krieg.‘

‚Du auch, es ist aber anscheinend nicht unser Schicksal. Also nun wart schon auf mich, du sturer Orkschädel.‘

Dann umarmte ich ihn kurzerhand so nackt, wie ich war, und zog ihn dabei fast noch von seinem Pferd herunter, ging auf Abstand und verwandelte mich wieder. Dann flog ich zurück zu Sabine, wo ich mich erst mal in aller Gemütsruhe anzog. Um ganz ehrlich zu sein, war es eventuell vielleicht doch eher irgendwie panisch, ich versuchte es zwar, immer so locker wie Elida zu bleiben, wenn ich mal wieder nach einer Verwandlung splitternackt vor allen Leuten herumlief. Sich aber vor den Augen eines ganzen Ork Heeres und der halben Elfenarmee auf den Mauern anzuziehen, das hatte schon was, vor allem wenn man so wie ich eher gar nicht exhibitionistisch veranlagt war. Aber ich wurde so langsam besser damit. Bestimmt.

Irgendwann, nach einer kleinen Ewigkeit, jedenfalls kam es mir so vor, hatte ich mich endlich fertig angezogen. Die Stiefel waren mittlerweile ganz schön abgenutzt, ich musste sie bei Gelegenheit ersetzen. Noch war das alles kein Problem, Dinge wie Kleidung irgendwoher zu besorgen, da sehr viele die Katastrophe nicht überlebt hatten und die Sachen oft noch nicht vermodert waren.

Ich erschauerte kurz bei dem Gedanken. Man stumpfte ab nach einem Jahr wie diesem, ich hatte eindeutig zu viele Tote gesehen. Der Tod war mein ständiger Begleiter geworden, und ich hasste diesen Teil der ganzen Sache zutiefst. Es gab aber auch gute Seiten, um genau zu sein, sogar wirklich gute Seiten. Wie Sabine, Christin, Jaritha und meine anderen Freunde.

Ich schnallte mir den Rucksack an und nahm meinen Kampfstab von Sabine entgegen, dann verließen wir Larithin.

„Unglaublich, wie gut du damit klarkommst, überall nackt herumzulaufen. Ich würde im Boden versinken und sterben, wenn ich das tun müsste.“

Ich sah Sabine säuerlich an.

„Hast du dir schon mal überlegt, dass es mir was ausmacht? Irgendwie gerate ich nur immer wieder in Situationen, in denen ich nicht anders kann. Vielleicht entdeckst du ja auch noch mal irgendeine zweite Gestalt von dir, in die du dich dann verwandeln darfst, dann kannst du mir gerne zeigen, wie man es besser macht.“

Sabine lachte leise und neckend auf.

„Es tut mir leid, ich habe dich nur aufgezogen. Was meinst du, welchen neuen Gegner hat Friedrich da nur, wieder ein Drache? Yuri und die Ork haben sich die Entscheidung bestimmt nicht leicht gemacht, ihr ganzes Heer hier herzubringen. Ob sie es nur deshalb getan haben, um dich zu überzeugen und dir zu zeigen, wie ernst die Situation ist? Friedrich wusste bestimmt genau, dass es schwierig mit dir werden würde, er kennt deine Einstellung zum Töten gut genug.“

Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Das Heer war ziemlich professionell für gerade mal ein gutes Jahr Training. Was verängstigte diese Ork dermaßen, dass sie den weiten Weg hier her mitten in ein für sie immer noch relativ feindliches Gebiet auf sich nahmen?

Friede zwischen Ork und den anderen Rassen, das war immer noch ein weit entfernter Traum, den wir mit aller Kraft zu erreichen versuchten. Die meisten Menschen, Elfen und Zwerge waren nicht bereit zu verzeihen, auch wenn es einige der Führer der neuen Welt vorantrieben, wie auch Jaritha, Hans und Thomas. Ah, Thomas.

Christin war irgendwann zu ihrem Thomas zurückgekehrt, nachdem sie ihm endlich mehr oder weniger verzeihen konnte. Es hatte ziemlich viel Überredungskunst von Jaritha und mir gekostet, vor allem da sich Sabine standhaft geweigert hatte, eine Rolle dabei zu übernehmen. Sabine fand nämlich nicht, dass er es verdiente.

Thomas musste in seiner Situation so handeln, wie es für alle Bürger in seinem Ort richtig war.

---ENDE DER LESEPROBE---