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Durch ein erschreckendes Erlebnis erkennt Tom Herfort, dass die Natur keineswegs wehrlos ist. Er beginnt den Kampf gegen seine eigenen Ängste und die derer, die eigentlich wissen sollten, wie es um unser Weltklima bestellt ist. Tom gelingt es, sich Gehör zu verschaffen und überzeugt durch Fakten, dass wir vielleicht doch noch zu retten sind. Dies ist kein Lehrbuch, keine Aneinanderreihung von Tatsachenberichten, sondern eine lebendige Geschichte aus unserer Zeit. Spannend, schnell, kurzweilig und lehrreich, wie unser Leben.
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Seitenzahl: 364
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Dieser Roman ist, eng gesehen, ein Tatsachenbericht, zu den Ereignissen, die sich inzwischen täglich auf unserer Erde ereignen.
Als das Manuskript vor etwa 11 Jahren entstand, gaben die Recherchen den beschriebenen Zustand unseres Weltklimas her.
Es wurde absichtlich nicht an das heutige Datum angepasst. Nur so kann ich Ihnen zeigen, was wir damals bereits wussten, jedoch nicht wahrhaben wollten und verdrängten.
Wenn Sie also im letzten Drittel des Buches über das heutige Datum stolpern, erinnern Sie sich bitte daran, dass die Menschen der Welt mit ihrer Rettung beginnen müssen.
Es ist erschreckend, wie präzise die Entwicklung fortschreitet, das, was vor 11 Jahren als möglich beschrieben wurde, ist eingetreten.
Und wir reden, reden, reden.
Wir sollten aufwachen!
Wir sollten handeln!
Nicht nur unserer Kinder wegen!
Die Zeit drängt.
Alle Figuren und Namen in diesem Roman sind frei erfunden, zufällige Gemeinsamkeiten mit real existierenden Personen, Ämtern, Firmen oder Behörden wären rein zufällig und sind nicht beabsichtigt.
Mit dem Auto war Tomas Herfort hinausgefahren.
Weg vom Gebrüll der Großstadt.
Nur einige Kilometer weit, dann war er im Grünen.
Hatte das Auto stehen lassen und war zwanzig Minuten, eine halbe Stunde vielleicht, gelaufen.
Auf einer seichten Anhöhe blieb der breitschultrige Mann stehen und schaute auf das Land, das sich weit vor ihm ausbreitete.
Rechts vor ihm ein Getreidefeld, in dem die Ähren schon erkennbar, aber noch grün waren. Wie gemalt. Der leichte Wind wiegte die Halme sacht hin und her.
Links davon grenzte eine große Wiese an. Die Blüten der Halme zeichneten ein weiches, verschwommenes Bild.
Eine rot- weiße Katze sprang wie eine Miniaturgazelle durchs hohe Gras und versuchte Mäuse zu jagen.
Dem blonden Hünen wurde fast wehmütig ums Herz,
Der blaue Himmel, an dem überschaubar wenige weiße Wolken schwammen, die wohltuende Ruhe.
Erst jetzt bemerkte er, wie sehr er diese kleinen Auszeiten brauchte.
< Warum wohne ich eigentlich in der Großstadt? Hier ist es so schön. Da drüben, kurz vor dem Waldrand ein kleines Häuschen... >
Er wusste nicht, wie lange er so dagestanden hatte, als er entsetzt herumfuhr.
Hinter ihm war ein Donnerschlag zu hören gewesen, der ihn so sehr erschreckte, dass das Adrenalin ihm bis in die Fingerspitzen fuhr und ein unangenehmes Kribbeln hinterließ.
Was er sah, ließ ihn erstarren.
Eine Wolkenwand von tiefblauer, fast schwarzer Farbe war heraufgezogen, ohne dass er es bemerkt hatte.
Kein Wind, kein Tropfen hatte ihn darauf aufmerksam gemacht.
Eine Gänsehaut lief ihm über den Rücken, als er feststellte, dass auch der Gesang der Vögel verstummt war.
Noch schien die Sonne, nichts trübte ihre Strahlen.
Wie ein großes gefährliches Tier hatte sich das Unwetter von hinten an ihn herangeschlichen und mit einem lauten Brüllen darauf aufmerksam gemacht, dass es bereit war, ihn, seine Beute, im nächsten Moment zu schlagen.
Tom richtete seinen Blick dahin, wo sich eine ungewöhnlich scharfe Grenze zwischen der Gewitterfront und dem blauen Himmel abzeichnete.
Normalerweise gingen einer Solchen doch wenigstens schmutzigweiße Wolken voraus.
Diesmal jedoch nicht!
Es gab kein Verschwimmen von klarem Himmel, leichten Weißen und Gewitterwolken.
Das Blau des Himmels hörte abrupt auf, wo die dunkelsten Wolken, die er je gesehen hatte, begannen.
Jetzt zuckte ein erster Blitz hervor und beleuchtete die Wolkenwand in einem seltsamen Licht.
Der Blitz fuhr aus ihr heraus, pflanzte sich unter dem heiteren Himmel fort und schlug mit einem ohrenbetäubenden, die Sinne nehmenden Krachen in den nahen Wald ein.
Schockiert, ertränkt von einer Woge aus Angst, aber doch in einem gewissen Maß einer Art Faszination, tief in seinem Inneren, erlegen, riss sich Tomas von dem Schauspiel los, drehte sich um und begann zu laufen.
Sein Auto stand in der Richtung, aus der das Gewitter kam.
< Bitte Gott, warte noch, bevor du die Schleusen öffnest! Bitte warte noch! >, flehte er.
Tom wusste, dass mit jeder Sekunde, die er noch laufen musste, die Wahrscheinlichkeit stieg, dass er es nicht schaffen würde.
Und dass es einen wolkenbruchartigen Regen geben würde, war ihm klar.
Dennoch konnte er seinen Wagen schon sehen, als ihm die ersten Tropfen entgegenstürzten.
Sie waren groß und schwer und der Aufprall auf seinem Gesicht tat weh.
Er sah, dass die Umgebung in kurzer Entfernung wie in einem Nebel verschwamm und wusste, was das bedeutete.
Kaum hatte er das Fahrzeug erreicht, hörte er die ersten Schläge um sich herum auf dem Boden und auf dem Blech.
Zwei, drei Hagelkörner trafen ihn noch auf Kopf und Schultern, bevor er sich in das erlösende Innere retten konnte.
Das Zuschlagen der Tür schien das Signal gewesen zu sein, denn in genau diesem Moment brach das Unwetter los.
Golfballgroßer Hagel schlug Dellen in die Oberfläche des Autos, er sah Zweige und kleine Äste zu Boden fallen, die von dem Eis einfach abgeschlagen wurden.
Der Lärm war kaum auszuhalten.
Tom hielt sich die Ohren zu, dennoch drang das Geräusch der mit aller Macht zu Boden stürzenden Hagel- „ Körner“ laut zu ihm durch.
Fast eine Viertelstunde ging das so.
Dann war plötzlich Ruhe.
Nur noch eins, zweimal krachte es auf das Autodach.
Die unvermittelte Stille tat fast schon weh.
Doch sie sollte nur wenige Sekunden anhalten.
Dann kam der nächste Hagelschauer mit noch größeren Eisklumpen.
Acht bis zehn Zentimeter Durchmesser, schätzte Tom, hatten sie jetzt.
Und es waren beileibe nicht weniger als beim ersten Schauer.
Er sah, wie die größten von ihnen erst Risse in die Scheibe hieben, dann brach zuerst die Windschutzscheibe, dann die Heckscheibe.
Tom kroch zwischen die Sitze, nachdem die Eiskugeln auf dem Armaturenbrett aufschlugen und wie Querschläger durch den Innenraum fegten.
Er konnte sehen, wie binnen Minuten der Boden der kleinen Lichtung zentimeterdick mit Eis bedeckt war.
Irgendwann ließ der Hagel nach und es folgte ein starker Regen, der natürlich dazu führte, dass im Innenraum seines Autos Pfützen entstanden.
Er wollte, nein, er musste noch abwarten, bis auch der Regen nachgelassen hatte, bevor er nach Hause fahren konnte.
Dann war es endlich so weit ruhig geworden, dass er es wagen wollte.
Zum Glück hatten Hagel und Regen keine großen Defekte an der Elektronik des Wagens hervorgerufen, sodass der noch ansprang.
Es nieselte nur noch, als er durch die kleinen Vororte der Stadt fuhr und sehen konnte, was das Unwetter für Schäden angerichtet hatte.
Zerschlagene Dächer und Fenster, übel zugerichtete Gärten, Bäume, Blumenbeete, Treibhäuser und so weiter.
Erst jetzt fiel ihm auf, dass er gar keinen Wind gespürt hatte, wie er ja sonst bei Unwettern üblich war.
Kurz vor dem Ortsausgang des letzten Dorfes sah er eine Gestalt leblos am Boden liegen.
Er hielt an und rannte zu ihr hin.
Was er sah, ließ ihn erschaudern.
Eine junge Frau, vielleicht Mitte zwanzig, lag da mit blutüberströmten Gesicht.
Als er sich über sie beugte, sah er die zahlreichen Wunden an ihrem Kopf.
Er versuchte den Puls zu ertasten.
Vergebens.
Sein Handy, das zum Glück heil geblieben war, zeigte zwar eine sehr schwache Netzleistung, aber er konnte wenigstens den Rettungsdienst informieren.
Er rief sich in Erinnerung, wie Erste Hilfe Maßnahmen auszusehen hatten und begann mit Mund zu Mund Beatmung und Herzdruckmassage.
Immer wieder fragte er sich, ob er alles richtig machte und ärgerte sich, dass er sich nie dafür interessiert hatte, sein vor ewigen Zeiten erworbenes Wissen aufzufrischen.
Nach fast einer Viertelstunde gab er auf.
Er war sich sicher, dass er die junge Frau nicht, nein, nie hätte retten können.
Er war von vornherein zu spät hier gewesen.
Er wartete noch, bis die Sanitäter ankamen. Bis dahin versuchte er immer wieder die Schlagader der jungen Frau zu fühlen. Vielleicht nur, um sich auch wirklich sicher zu sein, dass das Leben nicht wenigstens als kleines Fünkchen in sie zurückkehrte.
Jedoch ohne Erfolg.
Und die Retter bestätigten, was er befürchtet hatte. Für sie kam jede Hilfe zu spät.
Schockiert, entsetzt und den Tränen nahe, setzte er seine Heimfahrt fort.
Es begann wieder stärker zu regnen, als er kurz vor seiner Wohnung in die Seitenstraße abbog, in der er sein Auto parken konnte.
„ Hören Sie auf! Hören Sie endlich auf! Denken Sie doch endlich mal global!“, schrie Hammond.
„ Sie können nicht ums Geld streiten! Sie dürfen das nicht!
Kein einziger von ihnen hat begriffen, dass es darum geht, ob wir in den nächsten Jahren überhaupt noch Geld brauchen! Es geht um nichts anderes, als um unsere Existenz!“ Er hatte sich etwas beruhigt und sprach nun wieder leiser, fast in einem versöhnlichen Ton.
„ Noch mal!
Es herrschen auf der Südhalbkugel Dürren und nie da gewesene Hitze!
Im Norden und in der Mitte jagen Starkregen, Hagel, Schnee und Eis unaufhörlich übers Land! Und das jetzt! Im Sommer!“
Hammond wurde immer ruhiger, als er merkte, dass der Stimmenorkan in dieser riesigen Konferenzhalle weiter abflaute.
Er schwitzte, weil er es nicht gewohnt war, vor so vielen Menschen zu sprechen. Schon gar nicht vor so immens Mächtigen.
Und schon überhaupt nicht, dass er sie anschreien musste, um sich wieder Gehör zu verschaffen.
„ Das Klima der Erde hat sich in zwei Zonen aufgeteilt.
Und diese Zonen sind im Moment nur durch relativ ruhige Gebiete getrennt, die aber immer weiter zusammengeschoben werden, wenn ich das mal bildlich ausdrücken darf.
Warum es diese Zonen gibt, warum sie entstanden sind, eigentlich, warum wir nicht schon längst von der Erde gefegt wurden, darüber wird noch spekuliert.
Werden die Zonen allerdings zu klein, zu weit zusammengedrückt, hat das erstens katastrophale Auswirkungen auf diese Sektoren und zweitens ist zu erwarten, dass das Klima sozusagen durchdreht.
Die gesamte Lufthülle könnte zu einem einzigen Sturm werden.
Es hat überhaupt keinen Wert, wenn die Entwicklungsländer, die Schwellenländer sagen, sie seien nicht Schuld an dem Klimawandel. Sie haben ihn nicht verursacht.
Nein!
Sie sollten trotzdem wach werden und gegen die Folgen vorgehen, auch wenn Sie nicht daran schuld sind!
Wissen Sie warum?
Damit Sie nicht denselben Fehler wie die Industriestaaten machen!
Wie wäre es denn mit ein wenig wenn und hätte?
Wenn die Unschuldigen eher diesen Boom erlebt hätten, wären sie jetzt Schuldige.
Wenn jeder ein wenig mehr für das Klima der Erde getan hätte, befänden wir uns jetzt nicht in diesem Schalmassel.
Wenn die Welt sich endlich einmal einig werden könnte, dann hätten wir vielleicht eine Chance, die schlimmsten Folgen zu mildern.
Aber lassen wir das.
Schuldzuweisungen retten uns nicht.
Nur Taten.
Wir müssen die Folgen des Klimawandels begrenzen! Alle zusammen!
Die ersten Ereignisse habe ich ihnen bereits geschildert. Es ist alles belegt.
Die nächsten Folgen werden sich zeigen.
Schnell!
Hart!
Unerbittlich!
Und ohne Gnade!
Schuld sind nicht unbedingt die Menschen allein.
Es gibt unzählige Faktoren, die nicht einmal die Wissenschaftler alle kennen. Obwohl es immer wieder negiert und verheimlich wird, kein einziges Szenario ist zu hundert Prozent richtig.
Keiner kennt alle Details.
Ich habe aus allen bekannten Fakten, allen Möglichkeiten und allen unbekannten Faktoren eine Theorie geschaffen, die wir vielleicht mehr als ernst nehmen sollten.
Denn wenn ich Recht habe, dann gnade uns Gott.
Wenn ich falsch liege, dann, umso besser. Dann ist der Topf, in die Suppe brodelt, nicht ganz so voll.
Doch wir müssen die Suppe auslöffeln. In jedem Fall!
Und zwar jetzt! Und zwar schnell!“
Seine Worte verursachten einmal mehr lautes Umherschreien und wildes Gestikulieren der Minister der größten Staaten der Erde.
Hammond nutzte die unfreiwillige, aber in Kauf genommene Pause, um einen Schluck Wasser zu trinken.
Er war stolz auf sich, war er doch nicht wie eigentlich üblich, einer der Papierredner, die ihren Text vom Blatt ablasen und ermüdend herunterleierten.
Nein, er ging jedes Mal auf die Reaktionen seines Publikums ein, ohne jedoch seinen Faden zu verlieren.
Ihm fiel das Treffen vor diesem Gipfel ein.
Er war wütend geworden, war eigentlich fast ausgerastet, weil alle immer nur redeten.
„ Man muss das machen, man müsste dieses tun und das und das.
Aber niemand handelte wirklich! Immer nur leere Worte.
Und genau das kotzt mich an!“, hatte er gerufen.
„ Begreifen die überhaupt nichts?
... konnte keine Übereinstimmung in den Meinungen der Umweltminister der G8- Staaten und der Schwellenländer erzielt werden. Allerdings waren sich die Teilnehmer der Konferenz einig, dass der Ausstoß der Treibhausgase und des Kohlendioxid um mindestens zehn Prozent verringert werden muss. Der amerikanische Umweltminister begrüßte, dass auf diesem Wege gezeigt wurde, dass sich die Staaten einig sein können. Wir freuen uns, dass es gelungen ist, festzustellen, dass wir über so wichtige Themen reden können“, hatte er den Nachrichtensprecher nachgeäfft.
„ Dann stell dich da vorn hin und mach denen klar, dass es so nicht weitergeht.“, hatte Albert gesagt, der jetzt in der ersten Reihe saß und seinen leicht rundlichen Kollegen mit der Glatze bewunderte.
So viel Schneid hätte er ihm nie zugetraut.
Nein, früher niemals. Doch seit dessen Theorie über die Klimakatastrophe eine reale Gestalt angenommen hatte, veränderte Hammond sich.
„ Meine Herren! Ich bitte Sie, sich wieder zu beruhigen! Wir wollen Streitgespräche führen und nicht streiten! Das bringt uns doch nicht weiter!“
Obwohl Hammonds ruhige Stimme im Lärm der durcheinanderschreienden und sich gegenseitig der Schuld bezichtigenden Minister unterging, sprach er immer weiter.
Erst merkten es einzelne, dass er immer noch etwas zu sagen hatte, dann immer mehr.
Die, die es gesehen hatten, schubsten ihre Nachbarn an und langsam kehrte die Ruhe zurück.
Irgendwie war es wie in der Schule, in einer Klasse, in der die Rowdys das Sagen hatten, aber doch immer wieder von den Vernünftigen beruhigt werden konnte.
„ ... möchte ich Ihnen nun die Computersimulation zeigen, obwohl Simulation im eigentlichen Sinne der falsche Ausdruck ist. Sie wird Ihnen klarmachen, was demnächst auf uns zukommt.“
Er drückte einen Knopf auf der Fernbedienung.
„ Wir haben, wie Sie sehen, eine Grafik erstellt, die ihnen zeigt, wie sich im Moment das Klima auf der Erde darstellt.
So, wie wir es hier gezeichnet haben, sehen sie, dass sich eine Zone, die große Unwetterzellen mit allem was dazugehört, wie Hagel, Starkregen, hochfrequenten Blitzschlägen, starken Temperaturschwankungen und so weiter, hervorruft, nördlich bis etwa zum nördlichen Wendekreis, also auf die Höhe von Miami, über die Sahara, den Süden von Algerien und Libyen, Saudi-Arabien und quer durch Indien zieht.
Dann beginnt die < ruhige Zone>, die unterhalb des Äquators, etwa auf der Höhe der nördlichen Landesgrenze Chiles, im Süden Brasiliens, in Nordaustralien endet.
Unterhalb dieser Gebiete, beginnt die dritte Zone, in der Dürren, Hitze und ungewöhnlich starke Winde herrschen. Bedenken Sie bitte, dass die Wetterextreme, von denen ich hier rede, statistische Mittelwertereignisse sind. Das heißt, dass die Häufigkeit, in der diese auftreten der Grund für unsere Zonentheorie ist.
Die < ruhige Zone> zwischen der Unwetter- und der Hitzezone wird, wie ich bereits sagte, immer kleiner.
Und wir wissen nicht, was passiert, wenn sie auf ein Minimum geschrumpft ist.
Es kann, wie ich auch schon sagte, dazu kommen, dass das Klima komplett durchdreht. Das ist die wahrscheinlichste...“
„ Mr. Hammond!“, rief jemand. „Wer sagt uns, dass Sie nicht falsch liegen und sich nicht alles wieder beruhigt? Und überhaupt, Sie sind doch nicht der Einzige, der sich mit dem Klimawandel befasst. Wieso haben unsere Wissenschaftler bisher noch kein Sterbenswörtchen darüber verloren, dass sich das Weltwetter in Zonen aufgeteilt haben soll?”
„ Wir haben alle Daten, die uns vorliegen, nach verschiedenen Methoden und auf unterschiedlichen Wegen durchgerechnet. Leider kommen wir immer auf dieses Ergebnis.“, antwortete Ham ruhig.
„ Warum sich ihre Wissenschaftler nicht dazu äußern, kann ich ihnen nicht sagen. Dazu müssen Sie die schon selbst befragen.“
„ Sie stellen sich also hier vor uns hin und behaupten, dass unsere Experten diese Dinge verheimlichen, oder noch gar nicht zur Kenntnis genommen haben. Sie wissen schon, dass Sie sich sehr weit vorwagen.
Ihr Modell in allen Ehren, Mr. Hammond, aber ich habe noch keine Beweise gesehen.
Dass das Klima einem Wandel unterzogen ist, wissen wir schon länger. Aber eine so dramatische Sichtweise hilft niemandem. Sie sollten alles noch einmal überprüfen und in zwei oder drei Jahren ihre aktualisierte Theorie erneut vortragen.“
Hammond schluckte. Er hatte mit einer solchen Reaktion gerechnet. Dass sie kommen würde, war ihm klar. Aber die Härte, mit der sie vorgetragen wurde, diese kompromisslose Ablehnung versetzte ihm einen Schlag ins Gesicht.
Er schaute sich in seinem Publikum um. Er sah, dass einige wenige nickten. Andere schüttelten den Kopf. Der Rest reagierte scheinbar gar nicht.
Leise sagte er: „ Ich kenne ihren Namen nicht. Ich weiß auch nicht, welcher Fraktion in ihrem Land sie angehören. Aber eines weiß ich ganz genau. Sie sind ein arroganter Ignorant, der durch seine Ablehnung, logische Schlüsse zuzulassen, nicht nur sein eigenes Leben aufs Spiel setzt.
Wie ich ihnen bereits sagte, die Zeit läuft uns davon. Zwei, drei Jahre. Sie haben keine Ahnung, was bis dahin ist! Ob wir bis dahin noch sind.
Ich weiß, dass ich Recht habe. Nicht um des Rechts willen. Und je länger wir hier herumsitzen und Lobbyisten wie ihnen Gehör schenken, um so geringer wird die Chance, dass wir das Unaufhaltsame wenigstens noch ein klein wenig hinauszögern können.
Wissen Sie, Klimaschutz war gestern. Aber deshalb sind wir alle hier hergekommen.
Der Klimaschutz hat versagt. Wir haben keine Chance mehr.
Dass das Abschmelzen der Pole und des Grönlandeises nicht mehr aufzuhalten ist, dürfte vielleicht auch schon zu ihnen vorgedrungen sein.
Jetzt ist erst einmal nur noch eines gefragt: Menschen wie ihnen, die bis zuletzt die Wahrheit verleugnen, das Maul zu stopfen und mit dem eigentlichen Hauptthema unserer Zeit zu beginnen: Der Klimarettung!“
Hammond konnte sehen, wie bei jedem seiner Worte dem Sprücheklopfer die Zornesröte ins Gesicht stieg. Er konnte sich denken, dass sein Gegenüber am liebsten aufspringen wollte, um ihn im Zweikampf Mann gegen Mann für seine Worte zu bestrafen.
Paul Hammond hatte im Moment mehr als Angst.
Aber nicht vor einem tätlichen Angriff des Abgeordneten, den er gerade beschimpft hatte, sondern vor der Zukunft.
Weil ihm gerade klar geworden war, dass es ein fast aussichtsloser Kampf werden würde, solange gewisse Politiker die Macht hatten, Regierungen im Interesse der Industrie zu beeinflussen.
Denn egal welchen Bereich des täglichen Lebens man nahm, immer war die Industrie diejenige, die Produkte herstellte.
Sollte plötzlich in großem Maße Energie gespart werden, verdienten die Stromkonzerne weniger.
Sollte jeder sein Auto nur noch im Notfall benutzen, schrumpfte der Verdienst der Ölmultis spürbar. Und die Steuereinnahmen der Regierungen dazu.
Wenn jeder einzelne Haushalt seine Temperatur nur um zwei Grad senken würde, bedeutete dies für die Gas- und Stromlieferanten enorme Einbußen.
Dasselbe galt, wenn jeder einzelne Mensch in den Industriestaaten seinen Wasserverbrauch einschränken würde.
Die armen Wasseruhren?
Hammond wurde in diesem Augenblick bewusst, dass er sich die Zähne ausbeißen würde.
Die Macht der Lobbyisten war zu groß.
„ Aber Sie können sich sicher sein. Ich werde nicht aufgeben. Sie werden von mir hören.“
Mit diesen Worten verließ er das Rednerpult.
Der Projektleiter stand auf der Anhöhe und rieb sich zufrieden die Hände.
Endlich war es geschafft.
Nach zwei harten Jahren, die neben jeder Menge Geld auch seine Ehe gekostet hatten, war es nun soweit.
Das kostbarste aller Dinge auf dieser Welt sprudelte fröhlich durch die Rohre.
Was mit einer Vision begonnen hatte, war nun Wirklichkeit geworden.
Es gab Wasser in der Sahara.
Gut fünfhundert Kilometer südöstlich von Taudenni in Mali hatten sie begonnen, aus ihrem Traum mehr zu machen.
Sie hatten tief gebohrt.
Sie hatten nichts gefunden, obwohl die Messgeräte das Gegenteil behauptet hatten.
Sie hatten noch tiefer gebohrt.
Wieder kein Erfolg.
Dann hatten sich ihnen gewaltige Felsbrocken in den Weg gestellt.
Der geldgebende Konzern hatte den Weiterbau der Wasser -Pipeline gestoppt, nachdem die Probleme mit den Felsen aufgetreten waren und Hendersson hatte sich schon wieder in Kopenhagen gesehen.
Doch Meixner, der deutsche Ingenieur und Wünschelrutenexperte, wie sie ihn nannten, hatte Recht behalten.
Er war der einzige gewesen, der niemals, zu keiner Sekunde an dem Wasservorkommen gezweifelt hatte. Zumindest hatte er es nie gezeigt.
Nach langen Diskussionen hatten sie die Felsen gesprengt.
Und das war der Durchbruch gewesen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Rohrbau ging weiter und ein halbes Jahr später konnten die ersten Orte, Oasen, mit fließendem Wasser versorgt werden.
Hendersson freute sich spitzbübisch, dass er weitergemacht hatte.
Jetzt war ihm der Ruhm in seiner Zunft sicher.
Nichts konnte ihn jetzt noch aufhalten.
Noch größere und noch ehrgeizigere Projekte warteten auf ihn.
Zumindest, wenn er hier fertig war.
Erst einmal wartete noch die Bewässerung eines Areals auf die Verwirklichung.
In der Nähe der Pumpstation sollte eine grüne Insel in der Wüste entstehen.
In ein paar Jahren würden hier Palmen wachsen und Gras, ein kleiner See sollte angelegt, richtige Gebäude gebaut werden.
Tief in diesen Gedanken versunken, schrak er auf, als er einen heißen, scharfen Wind in seinem Rücken spürte.
Björn Hendersson dreht sich um und glaubte seinen Augen nicht zu trauen.
Was er sah, ließ ihn den Kopf schütteln.
Eine Wolkenwand schob sich auf die Anlage zu.
Seines Wissens war der Punkt, an dem sie gebohrt hatten, einer der trockensten der ganzen Sahara.
Niemand hatte sagen können, wann es hier das letzte Mal geregnet hatte.
Und jetzt zog ein Unwetter auf?
Die Container, in denen sie während der Arbeitswoche hausten, hatten eine isolierte Außenhaut und eine leistungsstarke Klimaanlage.
Sie hatten sie in die Nähe einer nicht besonders hohen Felswand aufgestellt, die ihnen wenigsten gegen Abend etwas Schatten spendete.
Sie gegen einen Sturm zu schützen, hatten sie nicht für notwendig erachtet.
Und Sandstürme gab es hier auch nicht sehr oft. Sagte man.
Die Wolken kamen aus nördlicher Richtung.
Er konnte zusehen, wie sie immer weiter aufquollen, sich vorschoben und ein unheimliches Bild zeichneten.
Björn schätzte, dass das Gewitter in frühestens einer halben Stunde losbrechen würde.
Wenn es überhaupt ein Gewitter werden würde.
Er erklomm die Felsformation und schaute in die Richtung, aus der es kam.
Doch er sah nichts als schwarze Wolken. Bis zum Horizont.
„ Jens!“, rief er in das Funkgerät. „ Hier gibt’s gleich ein Unwetter. Sieh mal zu, dass du den Jungs Bescheid gibst. Vielleicht ist es besser, wenn wir in den Containern warten, bis es vorüber ist.“ Das Gerät rauschte kurz, als er die Sprechtaste losließ.
Doch er bekam keine Antwort.
Er drehte die Rauschsperre bis zum Anschlag auf und horchte in das Rauschen hinein.
Keine Reaktion.
„ Jens?“, rief er noch einmal.
Wieder nichts.
Noch ein Versuch. „ Herr Meixner! Hallo! Wo steckst du denn?“
Eigentlich war die Reichweite der Funkgeräte groß genug, um einen Betrieb der doppelten Größe überbrücken zu können.
„ Mist!“
So schnell es ging, kletterte er den Berg hinunter und lief zur Anlage.
„ Wo seid ihr denn alle? Hallo?“, schrie er gegen das Getöse der Pumpen an.
Nachdem er alle Punkte der Station abgelaufen hatte, blieb nur noch der Kontrollraum.
Björn spürte, dass er nicht mehr viel Zeit hatte.
Doch auch in der Warte traf er niemanden an.
„ Das gibt’s doch nicht! Die können doch nicht vom Erdboden verschluckt sein. Wo sind die denn nur?“, fragte er sich fast schon verzweifelt.
Angestrengt dachte er nach.
Dann kam die Erleuchtung.
Hendersson klatschte sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
Die Container. Klar. Wo sollten sie auch sonst sein?
Erleichtert, gleichzeitig aber auch verärgert über seine eigene Blödheit, lief er schnell zu der Anordnung der acht Stahlhütten, die sie in U- Form aufgestellt hatten.
Er öffnete die Tür zum Aufenthaltscontainer und war sich sicher, dass er hier seine Kameraden vorfinden würde, die ihm, halb betrunken, zuprosteten.
Klar. Verdient hatten sie es. Alle hatten unendliche Strapazen und Entbehrungen auf sich genommen.
Jetzt, wo sie endlich fertig waren, zumindest mit dem Hauptbau, konnten sie ruhig mal über die Stränge schlagen.
Erwartungsfroh riss er die Tür auf und schüttelte sich.
Kein Mensch da.
Panisch rannte er von Tür zu Tür.
Überall mit demselben Ergebnis.
Er konnte sich nicht vorstellen, wo dreizehn Mann abgeblieben sein sollten.
Dazu noch von ihm unbemerkt.
Björn riss das Funkgerät aus der Halterung an der Hose und schrie hinein: „ Jens! Jens! Meixner! Albert! Jiri! Alois! Mann, wo seid ihr denn? Könntet ihr vielleicht mal dieses beknackte Versteckspiel lassen? Los meldet euch! Da zieht ein Unwetter auf!“
Doch er hörte nur das Rauschen, das ab und an von einem unangenehmen Knacksen, das viele Male lauter war, unterbrochen wurde.
Das konnte nur das nahende Gewitter sein.
„ Verdammt!“, schrie er und warf das Gerät wütend zu Boden.
Im selben Moment bereute er seinen Ausbruch und hob es wieder auf. Wie konnte er nur so blöd sein und das einzige Kommunikationsmittel der Station aufs Spiel setzen? Zum Glück hatte sein Wutanfall den Apparat nicht zerstört.
Wieder gab das Funkgerät ein lautes kurzes Rauschen von sich.
Björn wusste, dass diese Störungen von den Blitzen hervorgerufen wurden.
Im nächsten Augenblick krachte es hinter ihm ohrenbetäubend laut.
Tomas Herfort saß in seinem Büro und spielte gedankenverloren mit seinem Kugelschreiber.
Es bereits zehn Uhr und er hatte noch keinen vernünftigen Befehl eingegeben.
Er wusste, wenn sein Projektleiter vorbeikam, würde es Ärger geben.
Doch die Erlebnisse des gestrigen Tages hatten ihm übel mitgespielt.
Immer wieder musste er an die junge Frau denken, die er nicht hatte retten können.
Immer wieder musste er daran denken, was für Angst der Hagelschauer in ihm ausgelöst hatte.
Mit welcher Wucht sein Auto zerstört wurde.
Und er dachte darüber nach, wie knapp eigentlich er selbst mit dem Leben davon gekommen war.
Der Projektleiter kam nicht.
Nicht am Vormittag, nicht nach der Mittagspause, nicht am Nachmittag.
Kurz vor Feierabend bekam Tom eine E-Mail, in der stand, dass er sich in zehn Minuten im Konferenzraum einzufinden hatte.
Was er dort erfuhr, war einfach nur noch entsetzlich.
Der Leiter des Projekts, Peter Hagensbach, ist von dem Unwetter gestern ebenso überrascht worden, wie viele andere Menschen auch.
Er hatte aber leider ebensoviel Pech wie die junge Frau, die Tom nicht aus dem Kopf ging.
Nur dass er von einem Baum erschlagen wurde, der von einem Blitz in zwei Hälften geteilt wurde.
Der Chef, der den Kollegen die Nachricht überbrachte, ging völlig emotionslos zur Tagesordnung über und benannte einen Anderen zum Leiter.
„ Wir müssen die Termine halten. Ich hoffe, meine Damen und Herren, dass ab morgen wieder korrekt gearbeitet wird.“
Das war alles.
Zuhause angekommen, schaltete Tom als erstes seinen Computer ein. Er wollte herausfinden, wie viel Opfer die Wettereskapade gestern wirklich gefordert hatte.
Er machte sich einen Riesenpott Kaffee und setzte sich vor den Bildschirm.
Als die Hauptseite seines Providers erschien, war er schockiert.
Insgesamt dreizehn Tote waren zu beklagen.
Davon allein Zehn durch den Hagel.
Langsam begann Tomas, die Tragweite der Wetterkapriolen zu begreifen.
Gewitter gab es schon länger als den Menschen. Klar.
Aber er konnte sich nicht erinnern, jemals davon gehört zu haben, dass ein einziges Unwetter mit einer solchen Wucht zugeschlagen hatte.
Er kam zu dem Entschluss, dass er das recherchieren müsse.
Bis tief in die Nacht hinein saß Tom mit stetig zunehmendem Brennen in den Augen, vor dem Monitor.
Doch wenn er von der Müdigkeit übermannt zu werden im Begriff war, entdeckte er einen neuen Fakt, den er sofort hinterfragte.
Er druckte alles aus, dessen er habhaft werden konnte.
Um fünf Uhr morgens hielt er das Resultat seines nächtlichen Rechercheanfalls in den Händen.
Knapp zweihundert Seiten Papier hatte es gekostet, herauszufinden, was zu glauben er sich weigerte.
Gegen sieben Uhr rief er in der Firma an und meldete sich krank.
Gegen Acht ging er in das Cafe um die Ecke und frühstückte.
Danach saß er bei seinem Arzt und berichtete von den Erlebnissen der letzten Tage und dass diese ihn nicht losließen. Nicht einmal mehr schlafen könne er.
Der Doktor schrieb ihn für eine Woche arbeitsunfähig und empfahl ein Schlafmittel zu nehmen, das ihm mit Sicherheit helfen würde.
Auf dem Heimweg holte er das Mittel aus der Apotheke und warf es daheim in den Müll.
Dann setzte er sich wieder an seine Aufzeichnungen.
Es war schon dunkel, als er die letzte Seite gelesen und zum passenden Thema sortiert hatte.
Auf dem Bildschirm stand der letzte Satz seines Resümees.
Er wusste jetzt, dass alles, was die Medien berichteten, nur Peanuts waren, im Vergleich zu dem, was er herausgefunden hatte.
Er hatte schwarz auf weiß, dass viele Aspekte, welche die globale Erwärmung beeinflussten, verheimlicht wurden. Das kaum jemand, der sich nicht damit beschäftigte, auch nur einen winzigen Schimmer davon hatte, was auf die Menschen zukam.
Er hatte alle Daten, die Unwetter, Niederschlagsmengen, Sonnenstunden, Temperaturen und so weiter darstellten, in verschiedenen Diagrammen schematisiert.
Der Ausdruck der Tabellen erzeugte eine Gänsehaut auf Tom's Rücken.
Alle, ohne Ausnahme, jede Kurve zeigte einen rasanten Anstieg.
„ Ihr seid alle Lügner und Betrüger.“, sagte er laut.
Er hatte einen Bericht im Netz gefunden, der eine Debatte beschrieb, die vor wenigen Tagen die Umweltminister und andere führenden Politiker der großen Industrienationen abgehalten hatten.
Da war von einem gewissen Paul Hammond die Rede, der ein Weltuntergangsszenario gemalt hatte und wegen dem die Verhandlungen gescheitert waren.
Tom hatte sich Hammonds Bericht über viele Umwege geholt und es eingehend studiert.
Dank seines logischen Denkvermögens hatte er schnell begriffen, dass Hammond durchaus Recht hatte. Nur eines stimmte nicht. Es konnte nicht stimmen.
Der Zeitrahmen.
Den Beweis dazu hatte er in der letzten Nacht unbewusst erbracht.
Während der Autor des Szenarios von einem Zeitraum von einigen Jahren sprach, konnte sich Tom nicht entschließen, die Sprache seiner eigenen Recherchen mißzuverstehen.
Wieder prüfte er alle Daten, die er gesammelt hatte und kam auf nur ein Ergebnis.
Die Zeit, die Hammond vorgab, noch zu haben, konnte unmöglich stimmen.
Tomas Herfort war sich darüber im Klaren, dass er sofort handeln musste.
Er musste nur die richtige Person auftreiben.
Jemand, der in der Lage war, seinem sorgenvollen Bericht die nötige Aufmerksamkeit zu schenken und dann die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
Lange dachte er darüber nach.
Dann fasste er einen kühnen Entschluss.
„ Mom? Soll ich lieber das grüne oder das rote Kleid anziehen?“
Die neunjährige Cindy konnte sich wie jeden Morgen wieder einmal nicht entscheiden.
Und ihre Mutter hatte sich langsam daran gewöhnt.
Sie war dahinter gekommen, dass ihre Tochter immer das Kleidungsstück zuerst nannte, das sie favorisierte.
Also sagte sie: „ Zieh das Grüne an, Schätzchen. Aber bitte beeil dich jetzt. Wir sind schon spät dran. In fünf Minuten geht’s los.“
Der Tag versprach äußerst angenehm zu werden.
Keine einzige Wolke verdeckte das herrliche Blau des Himmels.
Es war jetzt zehn Minuten vor acht Uhr und das Thermometer zeigte bereits vierundzwanzig Grad.
Seit Tagen hielt die Hitze nun schon an und die Meteorologen konnten noch kein Ende vorhersagen.
Eva war es recht. Der Achtunddreißigjährigen, alleinerziehenden Mutter konnte es nie warm genug sein.
Sie setzte ihre Kleine vor der Schule ab und parkte den Wagen hinter dem Gebäude.
Schnell ging die schlanke Frau noch ins Lehrerzimmer und schaute auf das schwarze Brett, um zu sehen, ob es irgendwelche Neuigkeiten gab.
Dann schnappte sie sich ihre Unterlagen und ging zu ihrer Klasse.
Die hatte natürlich, wie immer, nichts Besseres zu tun, als die Tafel mit sinnlosen, hirnlosen und teilweise auch vulgären Sprüchen zu überziehen.
Ohne darauf einzugehen, suchte sie sich einen der Schüler aus und ließ ihn die Tafel reinigen.
Es war jeden Morgen dasselbe Spiel.
Eva wusste, dass sie nur eine Chance hatte, wenn sie die vierzehnjährigen Rabauken bis zu einem gewissen Punkt gewähren ließ.
Und das brachte ihr einen kleinen Respektsvorschuss ein.
Nach vier Stunden wechselte der Lehrer und sie ging in die vierte Klasse.
Mathematik.
Eine Viertelstunde etwa, nachdem die Stunde begonnen hatte, bemerkte sie, dass ein Großteil der Kinder aus dem Fenster schaute.
Sie holte Luft, um die Knirpse zu ermahnen, doch was sie sah, als sie selbst hinaussah, ließ sie verstummen, bevor sie auch nur ein Wort hervorgebracht hatte.
Die Sonne schien noch, doch mit unglaublicher Geschwindigkeit schob sich eine Wolkenwand über den Himmel, die so dunkel war, dass nicht nur den Kindern angst wurde.
Das sonderbare, das Eva erst nach einer Weile auffiel, war, dass das Wolkenfeld wie mit dem Lineal gezogen zu sein schien.
Es gab überhaupt keinen Übergang zwischen dem blauen Himmel und den fast schwarzen Wolken.
Dann verdunkelte es sich schlagartig, als die Sonne verdeckt wurde.
Die Lehrerin wurde aus ihren Gedanken gerissen und ging schnell zu den Fenstern.
Es würde sicher nicht mehr lange dauern und der Wolkenbruch würde die Straßen in reißende Flüsse verwandeln.
Sechs Fenster mussten geschlossen werden.
Drei schaffte sie.
Dann wurde sie plötzlich von einem Geschoss am Kopf getroffen und sank bewusstlos zusammen.
Die Kinder schrieen entsetzt und erschrocken auf.
Viele rannten in Panik weg von den Fenstern neben denen sie saßen und hockten sich an die gegenüberliegende Wand.
Selbst die, die sonst die größte Klappe hatten und selbst vor Erwachsenen kein Blatt vor den Mund nahmen, waren jetzt auf der Flucht.
Auf der Flucht vor dem, was der Himmel auf sie losprügelte.
Hagelkörner mit einem Durchmesser von im Schnitt fünf Zentimetern jagten der Erde entgegen, zerschlugen, da sie im schrägen Winkel nach unten stürzten, die geschlossenen Fenster und trafen immer wieder die bewusstlose Eva.
Rodney und Kalim, die beiden Raufbolde der Klasse, fassten sich schließlich ein Herz und schlichen sich geduckt zu ihrer Lehrerin vor.
Als sie die erreicht hatten, zerrten sie die Frau an einem der Arme weg von den Fenstern. Und das, obwohl sie selbst immer wieder von den Hagelkörnern getroffen wurden.
Selbst die Kinder, die Rodney und Kalim nicht unbedingt gut leiden konnten, mussten zugeben, dass die Beiden gerade eine Heldentat vollbrachten.
Eines der Mädchen lief aus dem Klassenzimmer, um den Direktor zu holen.
Los Angeles wurde an diesem Tag vom schwersten Unwetter seiner Geschichte heimgesucht.
Der Hagelsturm dauerte eine geschlagene halbe Stunde und belegte alles mit einer dreißig Zentimeter dicken Schicht aus Eisbrocken.
Der darauffolgende Starkregen erreichte eine Intensität von nie da gewesenen neunzig Litern pro Quadratmeter.
Ganze Straßenzüge standen innerhalb von Sekunden unter Wasser.
Die Feuerwehren fuhren Dauereinsätze, um verunglückte Personen zu bergen, Keller auszupumpen und Straßen von den Hagel- und Wassermassen zu befreien.
Die Zahl der gemeldeten Toten, die von den Eisklumpen erschlagen, oder von den Wassern mitgerissen worden waren, wurde stündlich nach oben korrigiert.
Allein der Hagel verursachte Schäden in Millionenhöhe.
Der Regen ließ langsam nach und die Katastrophe nahm ihren Fortgang.
Als der Niederschlag fast ganz aufgehört hatte, die Temperatur war bis dahin auf acht Grad Celsius gesunken, wurden die Menschen von Los Angeles und dessen Vororten Zeugen eines weiteren, noch nie da gewesenen Naturereignisses.
Es kühlte sich so schnell immer weiter ab, dass man das Thermometer dabei schier im Auge behalten konnte.
Zwei Stunden, nachdem der Hagel niedergegangen war wurde die Nullgradmarke unterschritten und es begann zu schneien.
Die Hagelkornschicht, die bis jetzt noch nicht getaut war, bildete den perfekten Untergrund für den Schnee.
Die Stadt der Engel, immer von der Sonne verwöhnt, war einem Schock nahe.
Innerhalb der nächsten Stunde wuchs der leichte Schneefall zu einem ausgewachsenen Schneesturm heran und brachte das gesamte öffentliche Leben der Stadt nun vollends zum Erliegen.
Gegen einundzwanzig Uhr Ortszeit zeigten die Thermometer unglaubliche minus zweiundzwanzig Grad.
Die Umweltschützer sahen sich in ihren Prophezeiungen bestätigt, die Prediger begannen den Weltuntergang vorherzusagen.
„ Was kann ich für Sie tun?“, fragte der Sicherheitsbeamte freundlich.
„ Ich möchte zu Herrn Kirsch.“
Tomas hatte sich extra herausgeputzt, helle Jeans, weißes T-Shirt und ein dunkles Sakko.
Lange hatte er gezögert, lange mit sich gekämpft, bis er endlich den Mut aufgebracht hatte, Robert Kirsch aufzusuchen.
Noch kurz vor der Pforte des Gebäudekomplexes hatte er sich gesagt, dass Kirsch ihn sowieso nicht empfangen würde.
Ein so hohes Tier gibt sich doch nicht mit normalen Bürgern in seinem Hoheitsgebiet ab.
Und schon gar nicht in so hektischen Zeiten. Jetzt wo Hammond seine Weltuntergangstheorie zum Besten gegeben hatte.
„ Haben Sie eine Termin, Herr...?“, fragte der Wachmann.
„ Mein Name ist Herfort. Tomas. Nein, ich habe keinen Termin mehr. Ich hatte mal einen, aber Herr Kirsch hat ihn abgesagt und konnte mir bisher keinen neuen geben. Und telefonisch habe ich ihn noch nicht...“
„ Es tut mir leid. Aber ohne Termin kann ich Sie nicht durchlassen. Das dürften Sie verstehen.“, unterbrach ihn der Beamte.
Tom nickte. Er hatte nichts anderes erwartet.
Der Mann in seinem Glaskasten blickte zu einem der unzähligen Monitore, welche die Kameraaufnahmen im und um das Gelände zeigten.
Dann drückte er auf einen Knopf, das Zauntor öffnete sich und zwei dunkle Limousinen kamen heraus.
Tomas, der sich schon zum Gehen gewandt hatte, schaute kurz hinüber und sah noch, wie sich die getönte Scheibe im Fond schloss und das Gesicht Robert Kirschs verbarg.
Sein Entschluss stand schnell fest.
Er lief zu seinem Wagen und folgte den Karossen Kirschs.
Fast zwanzig Minuten ging es durch die Hauptstadt, bis die Wagen vor einem noblen Grundstück hielten.
Es dauerte fast zwei Minuten, bis Kirsch ausstieg.
Sicher musste er noch ein Telefongespräch beenden, oder eine Notiz zu Ende bringen, oder, oder.
Jedenfalls hatte die Zeit ausgereicht, um in genau dem Moment auf der Höhe des Wagens zu sein, als Kirsch die Tür öffnete und ausstieg.
„ Herr Kirsch!“, rief Tomas. Sofort war er von Sicherheitsbeamten umringt.
Der Angesprochene sah ihn an und verharrte, ein Bein noch auf dem Schweller der Limousine.
„ Ich habe Informationen, die Sie unbedingt brauchen!“, fügte Tom noch hinzu, bevor ihn die Leibwächter packten und wegzerren wollten.
„ Lassen Sie ihn!“, befahl Kirsch. Mit einer flüchtigen Handbewegung gab er seinen Leuten ein Zeichen, die ihn daraufhin nach Waffen abtasteten.
„ Er ist sauber.“, war das Resultat.
„ Was haben Sie?“, fragte Kirsch.
Tomas machte eine kurze Bewegung mit den Schultern, um die Hände der Bodyguards loszuwerden.
„ Hammond hat Recht, nur ist das Problem, dass sich die ruhige Zone viel schneller und mit verheerenderen Auswirkungen auflösen wird. Wir müssen sofort etwas unternehmen, sonst wird die Erde den Menschen von ihrem Angesicht fegen.“
Tomas war aufgeregt. Es war das erste Mal, dass er einem so wichtigen Menschen, wie dem Umweltminister gegenüberstand und zudem noch mit ihm sprach.
„ Wie heißen Sie?“, fragte der in einem freundlichen Tonfall.
„ Tomas Herfort.“
„ Wie kommen Sie an das Hammond- Szenario?“
„ Ich bin Meteorologe und das Internet ist allwissend. Ich hatte von ihrem Treffen gehört und mich dafür interessiert, was dabei herausgekommen sein mag.
Ich habe dann Hammonds Theorie mehrmals durchgerechnet und bin zu dem Schluss gekommen, dass er unbedingt Recht hat. Nur in einem einzigen Punkt irrt er sich. Der Zeitablauf ist nicht korrekt.“
Kirsch hörte ihm aufmerksam zu, unterbrach ihn nicht. Als Tom verstummt war, schien er eine Weile nachzudenken.
„ Geben Sie mir bitte ihre Telefonnummer. Ich habe jetzt ein wichtiges Gespräch, das ich unmöglich aufschieben kann. Heute Abend nehme ich mir für Sie Zeit. Ein Essen halte ich für eine gute Gelegenheit, bei der Sie mir ihre Erkenntnisse mitteilen können. Einverstanden?“
Tom nickte.
„ Also, bis dann.“
Er gab Tomas die Hand. „ Auf Wiedersehen.“
Während Kirsch das Grundstück betrat, von zwei Bodyguards begleitet, blieb der dritte noch stehen und speicherte sich Tom's Telefonnummer.
Tomas wusste den restlichen Tag über nicht so recht, ob er sich freuen sollte.
Über seinen Mut, tatsächlich den Umweltminister angesprochen, nein, ihn regelrecht abgefangen zu haben.
Darüber, dass der auch wirklich mit ihm reden wollte.
Oder gar über seine Unverfrorenheit, auf die er nun doch schon ein bisschen stolz war, so mir nichts, dir nichts, einen Minister angesprochen zu haben.
Seine Gedanken und Gefühle erlebten eine regelrechte Achterbahnfahrt.
Gegen siebzehn Uhr klingelte sein Telefon und ein Mitarbeiter des Ministers teilte ihm mit, dass er gegen zwanzig Uhr abgeholt werden würde.
Tom war sich im Klaren darüber, dass er seine Adresse nicht nennen musste, weil er sowieso überprüft werden würde.
Logisch. Ein Mitglied der Regierung würde doch kein Risiko eingehen.
Nun saß er einem mittelgroßen, schütter behaarten Staatsbeamten gegenüber und schwitzte vor Aufregung.
Er hatte alle Unterlagen mitgebracht, die er während seiner Recherchen zum Hammond- Szenario gemacht hatte.
Ebenso auch die Notizen, die er in der Zeit davor erstellt hatte. Schließlich war er nicht erst seit seinem Unwettererlebnis am Wetter, am Gesamtklima der Erde interessiert.
Er war vor Hammond praktisch schon vorbelastet gewesen.
Nach dem Bestellen des Essens, beide tranken Bier, sah ihn Kirsch unverwandt und fest an.
„ Wer sind Sie wirklich, Herr Herfort? Ein Wetterfrosch jedenfalls nicht!“
Tom hatte sich von vornherein keine Illusionen gemacht, dass sein kleiner Schwindel unentdeckt blieb.
Doch er hatte lügen müssen, um an Kirsch heranzukommen.
Das galt für die Security, die Sache mit dem vermeintlichen Termin, ebenso, wie für seinen Beruf.
„ Hätten Sie mir auch nur eine Sekunde lang zugehört, wenn ich ihnen gesagt hätte, dass ich nur ein stinknormaler Programmierer bin? Heute Mittag, vielleicht. Niemals aber wäre es zu diesem Treffen hier gekommen.“
Kirsch antwortete nach einer kleinen Pause: „ Ja, Sie haben vermutlich Recht. Sie haben ganz sicher Recht. Ich hoffe nur, dass Sie mir nicht meine Zeit stehlen. Es warten viel zu wichtige Dinge, als dass ich mit Scharlatanerie abgeben könnte. Wissen Sie, die Menschheit steht momentan wohl am einem entscheidenden Wendepunkt ihrer Geschichte.“
„ Das ist mir klar, Herr Krisch. Mehr noch, ich weiß das!
Ich, meinerseits, hoffe, ihnen irgendwie klarmachen zu können, dass das Schicksal der Menschheit bereits entschieden ist, wenn wir nicht innerhalb der nächsten Wochen etwas tun.“
Kirsch nickte, wandte aber ein: „ Ich bin mir nicht sicher, ob Sie die nötige Qualifikation aufweisen, ein so komplexes System wie das Klima zu durchschauen, oder gar zu verstehen. Aber fangen Sie an. Sie haben meine ungeteilte Aufmerksamkeit.“
Tom berichtete von seinem gewittrigen Erlebnis auf dem Land und vergaß auch nicht, das Fehlen der sonst üblichen Übergangswolken zu erwähnen.
„ Ich habe mich jahrelang damit beschäftigt und beobachtet, wie sich das Wetter, die Klimata in den einzelnen Regionen ändern.
Ich kann nicht erklären, wie ein Gewitter völlig ohne Wind ablaufen kann. Dies ist eigentlich
schon aufgrund der Temperaturunterschiede, der Thermik, unmöglich. Ich habe sicher nicht studiert, aber schon vom rein logischen her, ist es physikalisch nicht möglich.
All das hat mich veranlasst, Hammonds Theorie noch einmal durchzurechnen.
Als ich mein Ergebnis hatte, rechnete ich noch einmal und noch einmal.
Er ist der Meinung, dass das, was viele noch nicht einmal bemerkt haben, nämlich die Klimaspaltung, noch einige Jahre andauern wird.
Es ist auch nicht sichtbar, wenn man nur sein Modell zugrundelegt, wie sich die ruhige Zone verkleinert. Lediglich Messungen ergeben, dass sie sich verkleinert.
Jetzt ist es aber unvorhersehbar, wie es sich auswirkt, dass zum Beispiel der Südpol mit nie da gewesener Geschwindigkeit schmilzt. Was das für Auswirkungen auf den Salzwassergehalt der Meere hat, wie schnell der Meeresspiegel steigt, dass die Landmassen sich dadurch verkleinern, weil die Inseln überflutet werden, dass dadurch die Fläche größer wird, die das Sonnenlicht stärker reflektiert.
Und je größer die Wasseroberfläche, umso größer die Basis, auf der sich Stürme bilden können.
Ebenso wenig weiß man, wie es sich mit dem Temperaturströmungen verhält, die sich im Normalfall durch die unterschiedlichen Temperaturen in den Ozeanen bilden. Dass sich auch dadurch mehr Stürme bilden, die zudem noch um einiges heftiger und stärker sind, als im Normalfall, ist ja bekannt.
Noch einige Aspekte spielen eine große Rolle, die Hammond nicht bedacht hat. Oder zumindest nicht ausreichend.“
Tom machte eine Pause, in der er sein Bierglas leerte und den Kellner herbeiwinkte. Nachdem er ein Neues bekommen hatte, sah er Krisch fest an.
„ Ich hoffe, Sie können mir ein klein wenig glauben.“
Wieder unterbrach er sich kurz, schien zu überlegen.
„ Was wissen Sie von der Sonne?“
Kirsch hob die Schultern. „ Wollen Sie die physikalisch chemischen Prozesse wissen, ihre Größe, ihre Entfernung?“
Tom schüttelte den Kopf und wusste in diesem Moment, dass sich Kirsch entweder nicht dafür interessierte, oder er schlichtweg nichts darüber wusste, weil er nicht informiert wurde.
„ Die Sonne ist erwiesenermaßen seit einiger Zeit so aktiv, wie seit etwa achttausend Jahren nicht mehr, hat man errechnet. Die UV- Strahlung ist zeitweise um bis zum Zehnfachen erhöht. Sehen Sie sich einmal in den Urlaubsgebieten, oder nein, sogar hier, in unseren Breiten um. Wo Sie hinschauen, Sonnenbrand. Das war doch früher nicht so.
Wenn ich genauer nachdenke, dann fällt mir in etwa das Jahr zweitausend ein. Da habe ich das erste Mal das Gefühl gehabt, dass mit der Sonne irgendetwas nicht in Ordnung sein kann.
Entweder, mit der Sonne stimmt tatsächlich etwas nicht und meine Recherchen sind korrekt, oder die Menschen schützen sich nicht mehr, oder die Sonnencremes taugen nichts mehr.
Dazu kommt noch, dass sich der elfjährige Rhythmus der Sonnenaktivität der erhöhten Strahlung angepasst zu haben scheint. Denn innerhalb dieses Zyklus nimmt die Strahlung in allen Facetten noch einmal zu.
Wissen Sie, es war furchtbar schwer, überhaupt etwas über die Anomalie der Sonne in Erfahrung zu bringen. Sämtlichen Informationen sind schwer versteckt.
Das bringt mich auf den Gedanken, dass gewisse Verantwortliche zu verstecken suchen, was eine Panik unter den Menschen hervorrufen könnte. Und das scheint für mehrere Bereiche zu gelten. Nicht nur für die Sonne.
Allerdings fürchte ich, dass die Regierungen der Welt ein gefährliches Spiel treiben. Die Menschen im Unklaren zu lassen, hat sicher seine gewollten Vorteile, aber die Experten, die gegen die Klimakatastrophe kämpfen nicht zu informieren, halte ich für verantwortungslos und gefährlich.“
„ Wie meinen Sie das?“
„ Zum Beispiel, dass Sie nichts über die erhöhte Sonnenaktivität zu wissen scheinen. Das ist aber wichtig, wenn Hammond solch ein Szenario errechnet und dabei die Temperatureinflüsse außer Acht lässt.“
„ Sie meinen, dass er nichts von der Sonne wusste?“
„ Zumindest nicht in vollem Umfang. Oder aber er hat es einfach nur nicht genügend berücksichtigt. Sehen Sie, die Temperaturerhöhung ist doch unnormal, wenn es wolkig ist und dann für einen Augenblick die Sonne hervorkommt. Das haben Sie doch sicher selbst schon festgestellt. Dass die erhöhte Sonnenaktivität auch eine enorme Zunahme der Einflüsse auf die Erde, unser normales tägliches Leben hat, ist ihnen mit Sicherheit auch schon aufgefallen, oder? Aber es wird nicht, oder wenn, dann nur sehr, sehr wenig darüber gesprochen. Zum Beispiel dass Handys nicht mehr richtig funktionieren, dass Computer ohne ersichtlichen Grund plötzlich Zicken machen und sich kaum jemand einen Reim darauf machen kann, unerwartete Stromausfälle, selbst das stinknormale Autoradio, dass mit fortschreitender und immer besser werdender Technik ausgestattet, auf einmal nur noch krächzt und Störungen hat, die vorher nie da waren.
Das alles sind Einflüsse der Sonne.
Und ebenso ist ihr Einfluss nicht nur auf die ruhige Zone.“
„ Ich verstehe nicht ganz, was Sie sagen wollen.“ Kirsch kam mit den Gedanken Tom's nicht ganz mit.
