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Sind wir denn nun allein in unserem unermesslichen Universum? Was wäre, wenn sich diese Frage plötzlich klären würde? Wären wir bereit? Bereit für ein, vor allem friedliches, Miteinander? Chris Linteran ist der Lichtträger, der vor machtgierigen und korrupten Mächten von seinem Planeten fliehen musste. Zu uns, hier auf die Erde. Zusammen mit seinen Getreuen gelingt es ihm, Frieden und Licht in seine Welt zurückzubringen. Durch seine Fähigkeiten rettet er die Erde und seinen Heimatplaneten vor dem sicheren Untergang. Es gelingt ihm, den Menschen in der schwersten Stunde zur Seite zu stehen und ihnen neue Zuversicht und Hoffnung zu geben. Sie verhelfen uns zu neuen Erkenntnissen und lassen uns Unerklärliches verstehen. Denn sie kommen in Frieden. Tatsächlich.
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Seitenzahl: 350
Veröffentlichungsjahr: 2018
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„Meinst du, wir bekommen das Geld? Was ist, wenn die Bank nicht mitspielt?“ Der große Mann, der der zierlichen Frau am Tisch gegenübersaß, versuchte sie zu beruhigen.
Er hob seine großen Hände und wiegelte ab.
Dann fuhr er mit den Fingern der rechten Hand durch seinen Kinnbart, als müsste er nach Worten suchen.
„Carol, hab Geduld. Ich weiß, wie dir zumute ist. Ich glaube, dass es schon werden wird. Hab Geduld, bitte.“
„Du hast recht, wenn wir nicht ein wenig Vertrauen haben, wird es nie etwas. Und selbst wenn die nicht mitspielen, dann bauen wir unser Häuschen eben aus eigener Kraft. Chris, ich liebe dich!“
„Ich liebe dich auch Carol. Mehr als alles andere.“
Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie. Wieder und wieder.
Chris schreckte auf.
Wischte sich die Augen und stellte fest, dass er geträumt hatte.
Geträumt von seiner Carol.
Es traf ihn hart, dass sie plötzlich nicht mehr da war.
Er hatte keine Ahnung, was er noch alles tun sollte.
Alles um ihn herum drehte sich.
Schneller und schneller.
Sie hatte ihm nichts als Probleme hinterlassen.
Und Schmerzen.
Sie war weg und das tat weh.
Es war wie überall.
Einen Lebensstandard konnte man nicht aufrechterhalten, wenn ein kompletter Verdienst wegfiel.
Das bedeutete Schulden ohne Ende.
Die Bank hatte den Hahn natürlich abgedreht.
Die Miete zu zahlen, jeden Monat für das Recht zu wohnen, eine Bleibe zu haben, die nötige Summe aufzubringen, fiel mehr als schwer.
Von Strom, Gas und Wasser gar nicht zu reden.
Sein Job fraß ihn auf. Sechzehn Stunden täglich, kein Mensch hält das auf Dauer aus. Schon gar nicht, wenn sich diese Stunden auf den Straßen abspielen. Die ganze Zeit hochkonzentriert. Beim Entladen, beim Beladen- Knochenarbeit.
Jetzt kamen auch noch die Behörden und wollten jede Menge Papiere ausgefüllt haben.
Die Telefonrechnung war schon lange nicht mehr bezahlt. So hatte er auch nicht wirklich die Möglichkeit sich per Fernsprecheinrichtung einiges leichter zu machen.
Sein Rücken schmerzte. Die Handgelenke taten weh. Die Arme schliefen häufig ein. Und keine Zeit für einen Arztbesuch.
Der lag schon im Bett, wenn Chris nach Hause kam.
Und lag noch im Bett, wenn er zur Arbeit ging.
Er fühlte sich alt, fühlte sich am Ende.
Würde das jetzt kommen, wäre es ihm auch recht gewesen.
Chris war vor einigen Monaten siebenunddreißig Jahre alt geworden.
Früher einmal, war er knapp einen Meter achtzig groß gewesen.
Jetzt hatte er bestimmt vier, fünf Zentimeter verloren.
Die Last beugte ihn.
Schlecht rasiert. Dunkle Schatten auf seinem Gesicht. Das Haar grau geworden. Ein gebrochener Mann.
Das war das, was man ihn der Firma sah, wenn man von Chris sprach.
Jeder hatte Verständnis.
Jeder hatte Mitleid.
Keiner konnte helfen.
Selbst sein Chef nicht, den Chris nach einer Lohnerhöhung gefragt hatte.
„Die Zeiten sind schlecht, Chris. Ich kann nicht.“, hatte er geantwortet.
Carol hatte nichts als Problem hinterlassen.
Es gab keinen, der Chris beneidete. John, einer seiner Kollegen, hatte sorgenvoll gemeint, er solle sich bloß nicht den Strick nehmen.
Aber Chris hatte zumindest eines noch nicht verloren. Seine Schlagfertigkeit.
„Ich habe gar kein Geld, mir einen zu kaufen.“, hatte er geantwortet.
Ohne aber darüber lachen zu können.
So ging das jetzt seit über zwei Monaten.
Carol hatte nichts als Probleme hinterlassen.
Mit diesen Gedanken schlief Chris in seinem Sessel ein.
Wie jeden Abend.
Der nächste Tag schien nichts Neues zu bringen.
Wieder dieselbe Tour. Dieselben Kunden.
Und auch das Wohnheim war wieder dabei.
Getränke und Lebensmittel hatten die bestellt und das lieferte er.
„Guten Morgen, Sarah. Wie geht es dir heute?“, fragte er die nette Dame, welche die Ware entgegennahm.
Sie war knapp sechzig Jahre, wirklich klein, aber ein Mensch allererster Güte.
Freundlich, zuvorkommend. Hilfsbereit. Egal zu welcher Uhrzeit.
Sie war für ihr Alter „Gut erhalten.“, wie sie selber gern sagte.
Wahrscheinlich machte dies ihre Lebenslust. Ihre braune Lockenpracht unterstrich ihr verschmitztes Aussehen.
Chris nahm sich immer wieder gern die Zeit, wenngleich es auch immer nur zehn bis fünfzehn Minuten waren, um den von ihr angebotenen Kaffe anzunehmen.
So kamen sie ins Gespräch und Sarah merkte schnell, dass eine große Last auf seiner Seele lag.
Chris erzählte ihr von Carol und einigen seiner Probleme, die ihn um den Verstand zu bringen drohten.
„Wenn du einmal zeitiger Feierabend hast, komm zu mir, dann haben wir etwas mehr Zeit zu reden. Da kann doch geholfen werden.“, meinte Sarah lächelnd.
Eine Woche später war er, wie es der Zufall, oder wer auch immer, so wollte, bereits am frühen Abend mit seiner Tour fertig und machte sich auf den Weg zu Sarah.
Sie wohnte nicht weit entfernt von ihm.
Noch schnell ein kleines Sträußchen Blumen von einer öffentliche Rabatte gepflückt und er stand vor ihrer Tür.
„Na, das wurde ja Zeit. Komm, der Kaffee ist fertig.“, sagte sie lachend.
Ihre Wohnung war einfach und zweckmäßig eingerichtet, nicht viel Schnickschnack, kaum Dekorationen.
Wie selbstverständlich führte sie ihn herum und zeigte ihm alles.
Ihm Wohnzimmer angekommen, fiel ihm ein Regal auf, das in der Ecke an der Wand hang. Auf ihm standen ein Buddha, ein Jesuskreuz, eine Miniaturabbildung von Stonehenge und in einer Fassung eine blau scheinende, wie auf Hochglanz polierte Kugel aus Glas. Mit einem Durchmesser von vielleicht acht Zentimetern.
„Setz dich. Mach es dir bequem.“, sagte Sarah freundlich.
Sie stellte zwei Tassen auf den Tisch, Milch und Zucker dazu, einen Aschenbecher und setzte sich ihm gegenüber.
Chris bemerkte schon vom ersten Satz an die Freundlichkeit und Wärme, die von Sarah ausging. Sie nahm sich seiner Probleme an, hörte zu, gab Tipps und manchmal witzig gemeinte Ratschläge.
Er hatte schnell Vertrauen zu ihr gefasst. Bald schüttete er ihr sein ganzes Herz aus. Ließ alles raus, was sich in der letzten Zeit angestaut hatte.
Ihre Treffen wurden immer häufiger. Selbst am Wochenende fuhr er zu ihr und sie redeten nächtelang.
Chris hatte das Gefühl, Sarah schon seit Ewigkeiten zu kennen.
Länger und besser, als er Carol je gekannt hatte. Und mit der war er über sieben Jahre zusammen gewesen.
„Wer bist du, Sarah? Ich kannte bisher keinen Menschen, der so ist wie du.
Du weißt, was ich denke. Du weißt, was ich sagen will. Du bist so einfühlsam, dass es manchmal fast schon unheimlich ist.
Wir müssen uns doch in einem früheren Leben schon mal begegnet sein. Und ziemlich viel voneinander gehalten haben.
Anders kann ich mir nicht erklären, warum wir so perfekt auf einer Wellenlänge liegen. Ich meine, du glaubst an dasselbe wie ich, du träumst von denselben Dingen wie ich.
Wer bist du?“
Eigentlich hatte er das nur so dahin gesagt, ohne wirklich eine Reaktion zu erwarten. Wie man das halt so meint, wenn man seinem Gegenüber auf nette Art sagen möchte, dass man sich sehr mit ihm verbunden fühlt.
Aber manchmal folgen auf gewisse Dinge logische Schritte.
Zwar auch unvorstellbare, aber logische.
Sarah lächelte nur. Sie besann sich auf Chris` Blicke, die ihrer kleinen blauen Kugel gegolten hatten.
„Wir haben uns jetzt lange genug unterhalten. Ich weiß, dass du glaubst. Und du hast recht, wir sind uns schon einmal begegnet. Lass mich dir etwas zeigen.“
Sie stand auf, ging zu dem Regal, in dem die Kugel stand und gab sie ihm.
Chris hatte die Kugel für einen runden Schmuckstein gehalten. Seltsamerweise aber musste er immer wieder zu ihr hinschauen. Und er konnte sich nicht erklären, warum.
Sarah hatte das längst bemerkt. Während ihrer Gespräche hatte sie oft gesehen, dass Chris anscheinend von der Kugel magisch angezogen wurde. Zumindest seine Blicke.
„Ganz festhalten.“, flüsterte Sarah.
Chris wurde schwindelig. Alles um ihn herum drehte sich.
Er wollte sich irgendwo festhalten, doch da war nichts. Er glaubte, sich in einem dunklen leeren Raum zu befinden, der keine erkennbaren Grenzen hatte.
Und schwerelos war er.
Dann erschien ein kleines Licht irgendwo in der Dunkelheit. Es wurde größer und größer. Plötzlich war das Schwindelgefühl verschwunden und er konnte wieder klar denken.
Und das Licht kam näher.
Chris streckte die Hand aus und wollte es berühren. Er musste es berühren.
Es war wie ein innerer Zwang.
Noch immer kam das Licht näher.
Jetzt hatte es die Größe erreicht, die in etwa der blauen Kugel entsprach.
Chris konnte deutlich erkennen, dass das Licht tatsächlich rund war und eine Kugel sein musste.
Nah genug, um sie zu berühren.
Er zögerte nicht. Er wusste, dass ihm nichts geschehen würde, so unheimlich die Szenerie auch anmutete.
Er spürte eine gewisse Wärme von dem Licht ausgehen. Sie durchdrang seinen ganzen Körper.
Nach wenigen Sekunden machte sich in ihm ein Glücksgefühl breit. Er fühlte sich geborgen und sicher. Glücklich und sorglos.
Die nachtschwarze Dunkelheit wich jetzt zusehends einer bläulich schimmernden Dämmerung.
Langsam konnte er Umrisse ausmachen, die wie eine Landschaft aussahen.
Es wurde immer heller. Tatsächlich konnte er Berge und Täler erkennen, Wiesen und Bäume.
Aber nicht wie er es gewohnt war zu sehen.
Alles hatte einen blauen Farbstich. Das Gras war nicht wirklich grün. Die Blätter auch nicht. Blüten leuchteten in seltsamen grellen Farben, die er sonst nur von besonders wertvollen und seltenen Züchtungen kannte.
Selbst die Berge hatten nicht die bekannten schroffen Klippen und Vorsprünge. Alles war irgendwie rund und regelrecht harmonisch.
Chris schaute nach oben und sah einen schwarzen Fleck am Himmel.
Groß wie die aufgehende Sonne, aber schwarz.
Eine totale Sonnenfinsternis?
Ungewöhnlich daran, dass das so deutlich zu erkennen war.
Und außerdem fehlte die Korona.
< Wo bin ich hier eigentlich?>
„ Du bist in meiner Welt. Nein, das ist nicht ganz richtig. Chris, du bist in unserer Welt. Du bist zu Hause. Zumindest mit deinen Gedanken und Empfindungen.
Du bist der Lichtträger!“, hörte er Sarah im Hintergrund.
< Der was?>, fragte er sich. Doch so wie er sich fragte, was sie wohl gemeint haben könnte, erwachte in ihm ein leises Gefühl der Erinnerung. Der Ahnung.
„Komm zurück!“, flüsterte Sarah.
Chris schloss in seiner Wahrnehmung die Augen und stellte sich den dunklen, grenzenlosen Raum vor, in dem er vorhin bereits gewesen war.
Nach wenigen Sekunden sah er Sarahs lächelndes Gesicht.
„Ich bin der Lichtträger? Was meinst du damit? Was ist das? Und warum sagst du, dass das auch meine Welt wäre?“, fragte er etwas nervös.
Er erinnerte sich an ein Gespräch zu nächtlicher Stunde, in dem sich Sarah sehr über die Menschen und deren Ignoranz gegenüber ihrer Umwelt aufgeregt hatte. Zu viele, mehr als deutliche Zeichen wiesen darauf hin, dass die Erde mit ihrem feinen Ökosystem und hundertprozentig eingespielten Klima kurz vor dem Kollaps stand. Heerscharen von Wissenschaftlern riefen immer wieder zur Rettung der Erde und der Menschheit auf. Aber diejenigen, die abwiegelten und den bequemen und billigen Weg des Nichtstuns vorschlugen, fanden immer mehr Gehör als die Anderen.
Damals war Chris aufgefallen, dass Sarah redete, als wäre die Erde nicht ihre Welt und sie kein Mensch.
Sollte er sich doch nicht getäuscht haben? Nein, das war nicht möglich.
Es gibt doch gar keine Außerirdischen.
Sagt man.
Wobei die Geschehnisse vergangener Zeit eigentlich auch eine andere Sprache sprachen...
„Ich bin Samerah. Das ist mein eigentlicher Name auf Moledo. Unser Planet befindet sich, von hier aus und mit menschlichem Verständnis gesehen...“
„Im Sternbild Orion. Und Rigel ist eure Sonne!“, unterbrach er sie.
Sarah nickte lächelnd.
„Woran erinnere ich mich? Und warum? Was soll das Ganze?“
„Es gibt auf unserem Planeten in jedem Zeitalter einen Lichtträger. Der trägt natürlich nicht das Licht durch die Gegend, sondern das Ganze ist mehr symbolisch gemeint. Moledo ist ein Zwillingsplanet. Das Gegenstück heißt Jimbuna. Das Problem an unseren Welten ist, dass wir uns auf unserer Bahn um die Sonne, jeweils das Licht nehmen. Jimbuna uns und wir Jimbuna.
Das, was du gesehen hast, war eine Sonnenfinsternis, ja. Hervorgerufen durch Jimbuna. Kein Lebewesen im Universum kann aber existieren ohne Licht. Deshalb gibt es den Lichtträger. Du musst dir das Ganze so vorstellen, dass derjenige wie eine Art Magier agiert. Er ist in der Lage, das Licht so zu beugen, dass genügend auf Moledo fällt.
Jimbuna hat einen solchen Lichtträger nicht. Nie gehabt. Und sie werden nie einen besitzen. Weil das Volk Jimbunas unehrlich, korrupt, grausam, brutal und lebensverachtend ist. Im Laufe der Zeit entbrannte deshalb ein Konflikt zwischen unseren Welten. Jimbuna hat immer wieder versucht, den Lichtträger zu entführen und für sich zu missbrauchen. Und wir haben uns immer erfolgreich gewehrt. Bis auf ein Mal.
Es war denen gelungen, ihn zu verschleppen. Doch bevor sie ihn einsetzen konnten, hatten wir ihn uns zurückgeholt.
Wir beratschlagten, wie wir den Lichtträger von nun an besser schützen könnten. Nur eine einzige Möglichkeit schien in Betracht zu kommen.
Wir täuschten seinen Tod vor. Selbst auf die Gefahr hin, dass wir von da an ohne ausreichend Licht auskommen mussten.
Die Zeit auf Moledo und auch auf Jimbuna vergeht sehr viel langsamer als hier auf der Erde. Ein Erdenjahr entspricht etwa einem Monat auf Moledo.
Wir würden also viele Dunkelzeiten erleben. Eine dauert ungefähr ein halbes Moledojahr, das sind knapp sechs Erdenjahre!
Der spärliche Lichteinfall in dieser Zeit lässt viele Pflanzen und Lebewesen sterben.
Es erschien uns aber immer noch besser, als den Lichtträger für immer zu verlieren. Moledaner werden im Schnitt etwa zweihundert Jahre alt. Der Lichtträger aufgrund seiner Fähigkeiten fast vierhundert. Und es gibt nur aller vierhundert Jahre einen Generationswechsel der Lichtträger.
Der Planet würde sterben.
Jimbuna hat sich im Laufe seiner Evolution an die halbjährliche Dunkelheit angepasst. Entwickelte sich dadurch logischerweise sehr viel langsamer. Aber die waren natürlich eines Tages soweit, dass sie wussten, dass alles viel besser, schneller und effizienter geht, wenn genügend Licht da ist.
Deshalb der Versuch, unseren Lichtträger zu entführen.
Es war der Gedanke, dich auf einem Planeten unterzubringen, der weit genug von uns entfernt ist.
Erstens, damit dich Jimbuna nicht aufspüren kann.
Zweitens wollten wir gleich noch einen Vorteil mitnehmen. Und zwar den, dass du hier auf der Erde genug lernen kannst, um vielleicht eine Lösung zu finden, die Sonneneinstrahlung für immer auf ein notwendiges Maß zu erhöhen.“
Jeder neue Satz der von vornherein schon wie eine Antwort klang, war für Chris die Bestätigung, dass sie seine Gedanken lesen konnte.
Sie antwortete genau auf seine gedanklich gestellten Fragen.
Es war ihm immer noch ziemlich unheimlich, aber er wollte ihr gerne glauben. Schon immer hatte er das Gefühl gehabt, nicht das zu tun, wofür er eigentlich bestimmt war.
Chris hatte einen hohen Allgemeinbildungsstand. Nicht nur vom Kreuzworträtsellösen.
Antworten auf Fragen fielen ihm manchmal regelrecht zu.
Dann zermarterte er sich das Hirn, woher er nur die Antwort wusste.
Ja, er wusste viel.
Warum aber und wohin mit dem ganzen Wissen, das war ihm bisher nie klar gewesen.
Jetzt wurde es ihm klar. Obwohl ihm das alles noch immer reichlich suspekt vorkam.
Aber konnte sich ein einzelner Mensch solche Dinge ausdenken? Und wenn ja, warum sollte Sarah das tun?
Sicher, er hätte das als Spinnerei abtun können. Viele Menschen träumen sich ihre Welt zusammen. Flüchten in diese, wenn es Nottat.
Aber hier? Samerah? Er konnte und er wollte nicht glauben, dass sie eine Spinnerin war.
„Wir kommen hierher, indem wir den sogenannten Jumpstream benutzen. So dauert die, ich nenne es mal Reise, zur Erde nur einige Minuten. Wie würdest du den Jumpstream erklären, Chris?“, stellte ihm Sarah die Frage, um zu testen, wie weit sein Erinnerungsvermögen verloren gegangen war.
„Wir krümmen den Raum. Soweit, dass Anfangs- und Zielort nur noch eine kurze Strecke voneinander entfernt sind. Und das mit Hilfe des Schwarzen Loches, das sich unweit von Rigel entfernt, befindet. Richtig?“
„Ja, genau. Der eigentliche Sprung erfolgt mittels Teleportation. Deshalb brauchen wir keine Raumschiffe.“
„Jetzt aber, Sarah! Eine Frage zwischendurch. Was soll ich auf der Erde lernen, was wir nicht schon wissen? Ich meine, wir krümmen den Raum, beherrschen ein Schwarzes Loch, mehr oder weniger, von dem die Menschen annehmen, es sei tödlich und nichts kann ihm entkommen. Nicht einmal das Licht. Weil es eine Anziehungskraft hat, die von nichts Bekanntem übertroffen werden kann. Dabei lernen schon unsere Kinder in der Schule, dass die Schwarzen Löcher die Universen zusammenhalten und die Übergänge zwischen ihnen sind.
Ebenso beugen wir das Licht und verschaffen so unserem Planeten die nötige Helligkeit. Was also sollte ich hier lernen. Nicht, dass die Menschen dumm seien, im Gegenteil, aber die sind noch nicht einmal halb so weit wie wir, technisch gesehen.“
„Du hast recht. Aber wir waren der Meinung, dass das Wissen der Menschen, zum Beispiel über Schwarze Löcher, uns helfen könnte, gewisse Dinge mit anderen Augen zu sehen. Und ich denke, das ist auch gelungen. Zumindest, was dich betrifft. Ich weiß, worüber du seit Jahren nachgrübelst.
Meinst du, du bringst ihn wirklich auf den Weg, deinen Spiegel?
Immerhin gibt es hier Elemente, die wir auf Moledo nicht aufweisen können.“
„Das kann ich nicht sagen. Ich brauche eventuell fachmännische Hilfe. Ich weiß zu wenig über das Verhalten spezieller Elemente und deren Legierungen.“
„Also gut, die Zeit scheint noch nicht reif. Zumindest weißt du jetzt aber wieder, wer du bist und warum du hier bist.“ Wieder eine kleine Atempause.
„Es ist etwas schief gegangen, im Jumpstream, mit dir. Wir wissen aber nicht, was. Deshalb konntest du dich auch nicht gleich wieder erinnern, wer du bist und woher du kommst. Vielleicht bekommst du das auch noch raus. Schließlich bist du der genialste und klügste Wissenschaftler und der einzige Magier von Moledo. Seit dreihundert Jahren.“ Luftholen und weiter.
„Ja, so alt bist du nun schon. Aber glücklicherweise hat dir dein Unfall im Jumpstream nicht geschadet. Es war nur eine kurze Gedächtnisfalle, die du aber jetzt zum Glück wieder überwunden hast. Wir sollten in der nächsten Zeit an der Lösung unserer Probleme arbeiten. Ich denke, deinen Job kannst du kündigen. Ich habe alles hier, was wir brauchen. Seile dich einfach und geräuschlos ab. Nimm es nicht persönlich, aber innerhalb kürzester Zeit, wird keiner mehr nach dir fragen. So sind Menschen eben. Zumal viele deiner Kollegen von den Problemen wissen, die du in der letzten Zeit hattest.“
Die letzten drei Tage hatte Chris damit verbracht, sein altes, vertrautes Leben wegzuwerfen. Zu verbrennen. Auszulöschen.
Er hatte nach Absprache mit Sarah all sein Hab und Gut verkauft und war tatsächlich alle Schulden losgeworden. Genauso wie die schmerzhaften Erinnerungen an Carol.
Es tat zwar immer noch weh, wenn er daran dachte, sie nie wieder sehen, geschweige denn im Arm halten zu können, aber die Erkenntnis seines wahren Seins und die bevorstehenden Aufgaben lenkten ihn ab.
Er hatte sie geliebt. Sehr.
Sie war für ihn ein Wunder gewesen. Wunderschön und makellos. Ihr Charakter war für ihn unbegreiflich gewesen. Sie war sanft und gutmütig wie ein Kind.
Wenn sie sich liebten, hatte sie eine leidenschaftliche Art, ein inneres Feuer, das ihn immer wieder aufs neue gefesselt hatte.
Sieben Jahre war er der glücklichste Mensch der Welt.
Dann war sie eines Morgens verschwunden.
Nicht ihr Körper.
Ihre Seele.
Sie war nicht mehr aufgewacht.
Sie hatten eine sehr stürmische und leidenschaftliche Nacht hinter sich. Jetzt war Carol nicht mehr bei ihm.
Der Arzt hatte Herzversagen diagnostiziert.
Na klar. Bei einer Frau im Alter von zweiunddreißig Jahren.
Das seltsame an der ganzen Sache war, dass Chris sie nicht noch einmal sehen durfte.
Die Gerichtsmedizin hatte das untersagt.
Natürlich war sie obduziert worden. Aber dass er seine Frau vor der Beerdigung nicht noch einmal sehen durfte, machte ihn wütend. Rasend. Zornig.
Fast war er deswegen mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Nur der Nachsicht und dem Verständnis des Arztes hatte er es zu verdanken gehabt, dass man ihn nicht verhaftet hatte, als er versuchte, in das Leichenschauhaus einzudringen.
Nach ein paar Wochen hatte er zwar sich, aber seine persönliche Lage noch immer nicht im Griff.
Von dem Ersparten hatte er die Beerdigung bezahlen können. Das war es dann aber auch schon.
Und so kämpfte er sich durch.
Bis zu dem Tag, an dem ihm Sarah eröffnete, wer er wirklich war.
Drei Tage lang hatte er über all das nachgedacht.
Wie hätte er das Carol je erklären können?
Dass er augenscheinlich kein Mensch war.
Dass er plötzlich keine Zeit mehr gehabt hätte, sich ihrer Liebe bedingungslos und ohne Abstriche hinzugeben.
Alles war mit einem Mal anders. Nichts war mehr so wie früher.
Aber was war früher?
Hatte Carols Tod vielleicht etwas mit seiner wahren Herkunft zu tun?
Warum hatte er sie nicht noch einmal sehen dürfen?
Als er alles erledigt hatte, stand er vor Sarahs Tür und lächelte, als sie öffnete.
Das erste Lächeln seit Carols Tod.
„Können wir anfangen?“
„Nein, wir müssen.“ Sarah lächelte zurück.
„Du hast alles Irdische hinter dir gelassen?“, fragte sie, nachdem sie die Tür geschlossen hatte.
Wortlos setzte sich Chris in seinen mittlerweile Stammsessel und schaute Sarah gedankenverloren beim Kaffeemachen zu.
Als sie fertig war und die gefüllten Tassen auf den Tisch stellte, fragte er wie nebenbei:
„Hast du eigentlich Kontakt mit Moledo? Weißt du, was in der Zwischenzeit dort geschehen ist? Ohne den Lichtträger ist doch wohl kaum ein Wachstum der Lebewesen möglich, oder? Gibt es bereits Veränderungen, die auf den Lichtmangel zurück zu führen sind? Wenn ich jetzt das zwölfte Jahr hier auf der Erde bin, hat doch gerade die zweite Dunkelzeit begonnen, nicht wahr?“
„Ich hatte schon lange keinen Kontakt mehr. Das ist nur im Abstand von etwa drei Jahren möglich. In ungefähr sechs Monaten können wir wieder kommunizieren.“
„Warum musste Carol sterben? Wer außer dir ist von uns noch auf der Erde?“
„Wir sind nur wenige. Uns beide mitgerechnet, sind wir nur noch sieben Moledaner auf der Erde. Einen von uns haben wir verloren.
Chris, wir sind nicht schuld an Carols Tod.
Keiner von uns.
Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll.
Wir haben in einigen wichtigen Bereichen unsere Leute sitzen. Und wir waren seit unserer Ankunft hier natürlich immer in deiner Nähe. Es musste ja ausgeschlossen werden, dass dir etwas geschieht. Bist ja nicht gerade unwichtig. Also, was ich damit sagen will, Carol war eine von uns.
Die veränderte Schwerkraft, die schnellere Rotation der Erde, das grelle Licht der Sonne hier, all das macht manchen von uns sehr zu schaffen.
Dazu kommen noch fremdartige Bakterien, Viren, gegen die wir anfangs keine Abwehrstoffe hatten.
Wir können und müssen sehr lange verbergen, was uns zu schaffen macht. Wir haben ja nun nicht wirklich dieselben anatomischen Merkmale wie die Menschen. Du weißt schon, Arzt und so. Carol hat es leider nicht geschafft.
Du warst noch nicht soweit, du wusstest noch nicht, wer du bist. Deshalb konnten wir leider nicht zulassen, dass du Carol in ihrer Urgestalt siehst.
Es tut mir leid, Chris. Wir hätten gern alles ganz anders gemacht, wollten, dass ihr beide immer glücklich seid. Es wäre ein Segen für Moledo gewesen, wenn ihr beide als Paar zurückgekehrt wäret.
Aber wir konnten uns dir nicht eher offenbaren. Warum, das hat viele Gründe.
Zum einen, deine Vision des Spiegels. Du musstest dir völlig unbefangen Gedanken darüber machen können.
Du erinnerst dich, dass Carol Feuer und Flamme von dieser Idee gewesen ist.
Zum anderen, musstest du weiter erstarken und deine Lähmung, deine geistige, die vom Jumpstream herrührte, verlieren.
Des weiteren haben wir einen Fehler gemacht.
Wir dachten, die Heimreise würde genauso leicht anzutreten sein, wie die der Sprung zur Erde. Aber hier ist alles anders.
Der Raum ist kompakter. Dichter. Wir haben nur begrenzte Auswahlmöglichkeiten, was das Schaffen eines Jumpstream betrifft.
Es gibt, wie du weißt, kein Schwarzes Loch in der Nähe der Erde.
Also mussten wir uns etwas anderes ausdenken. Die einzige Möglichkeit bestand bis jetzt, in der Reise mit einem Raumschiff. Das heißt, hierher kommen wir ganz normal mit dem Jumpstream. Zurück geht es nur von der Erde aus mit einem Schiff. Noch sind wir am überlegen, wie wir unbemerkt von den Menschen einen Jumpstream in der Nähe der Erde aufbauen können.
Aber wir sind sicher, dass es jetzt schneller geht, jetzt, wo du wieder dabei bist.“
Während ihrer Erklärungen hatten sie den Kaffee ausgetrunken und jetzt stand sie auf, um neuen zu holen.
Chris schaute ihr nach und ihm fiel wieder ein, dass er Samerah kannte.
Von Moledo.
Natürlich.
Sie war seine engste Vertraute gewesen, damals. Beide hatten sie zusammen an einer Lösung gearbeitet, die das Lichtproblem für immer beseitigen und damit einen Lichtträger unnötig machen sollte.
Und Samerah war es auch gewesen, die den entscheidenden Antrieb für seine Befreiung aus der Gewalt Jimbunas gegeben hatte.
Er erinnerte sich an immer mehr.
An sein Leben auf Moledo.
An seine Aufgabe.
An Erlebtes.
Woran er sich bis jetzt noch immer nicht erinnern konnte, war, dass Carol ebenso eine von seinesgleichen gewesen sein soll.
„Wie war Carols wirklicher Name?“, fragte er Samerah.
Vielleicht gelang es, wenn er sich ihren Namen ins Gedächtnis zurückrief und diesem eine Person zuordnen konnte.
„Phairah. Sie hieß Phairah. Sie war eine derjenigen, die dich von Jimbuna zurückgeholt haben. Sie war eine ausgezeichnete Taktikerin, Strategin. Deshalb sollte sie auch mit zur Erde gehen. Und sie war diejenige, die hier dein Gedächtnis zurückholen sollte. Leider musste sie zu früh sterben.“, sagte Samerah leise.
Chris verkroch sich in seine Gedankenwelt. Er ließ alles an sich vorüberziehen, was er mit Carol, beziehungsweise Phairah aus seinen Erinnerungen ausgraben konnte. Und fand nur gute Dinge, schöne Erinnerungen. Trotz aller Widerlichkeiten war die Welt schön und bunt und mehr als lebenswert.
In den letzten sieben Jahren.
Viele Dinge, über die er sich damals gewundert hatte, kamen ihm jetzt logisch vor. Jetzt konnte er sie erklären, beziehen auf ihre Herkunft.
Und langsam kam auch zurück, wie er sie gesehen hatte. Auf Moledo.
Richtig, sie war ein strategisches Genie gewesen. Oft hatte er sie bewundert für ihren Weitblick, ihren Scharfsinn.
In seinem Inneren holte er ihr Gesicht zurück, umfasste es mit beiden Händen, wollte es nie wieder loslassen.
Es schmerzte immer noch sehr, sie verloren zu haben.
Moledo war der Erde an sich ziemlich ähnlich.
Selbst die Lebewesen schienen sich gleichartig entwickelt zu haben.
Es gab Säugetiere, Insekten, Wirbeltiere, Kriechtiere und so weiter auf beiden Welten.
Auch der Mensch ähnelte dem Moledaner sehr in seiner anatomischen Grundform.
Nur gewisse Einzelheiten, wie Kopfform, Gliedmaßen, das Gesicht und so weiter, waren etwas anders.
Chris sah Phairah vor sich. Mit ihrem eigentlichen Aussehen.
Die Menschen hatten sich im Laufe der Zeit ihr eigenes Bild vom Aussehen nichtirdischer, intelligenter Lebewesen geschaffen.
Chris hatte sich schon oft gefragt, woher das wohl kam. Denn es entsprach so ziemlich exakt dem wahren Bild. Bis auf dass die Wesen in der Vorstellung der Menschen zu schlank waren und einen zu eiförmigen Kopf hatten, kamen sie wirklich sehr nahe an die Realität heran.
Hatte der „Erfinder“ des imaginären Aussehens außerirdischer intelligenter Wesen, speziell des der Moledaner, vielleicht schon einmal Kontakt mit ihnen gehabt?
Dieser Frage wollte Chris auf jeden Fall noch nachgehen, solange er noch auf der Erde war.
Dass er und seine treuen Freunde wieder nach Hause kamen, nach Hause kommen mussten, daran hatte er keinen Zweifel.
„Wie kommt es eigentlich, dass wir die Sprache der Menschen sprechen?“, fragte er Samerah, hatte sich inzwischen wieder gesetzt und es tunlichst unterlassen, ihn aus seinen Gedanken zu reißen.
„Anfangs hatten wir, nein, anders.
Uns war die Existenz der Erde schon lange bekannt.
Es gab einige Forschungsflüge hierher. Die Wissenschaftler landeten auf der Erde und eigneten sich die Gebräuche, die Sprache und so weiter an.
Es war nicht ganz leicht, denn anders als auf Moledo oder Jimbuna, werden auf der Erde unzählig viele Sprachen gesprochen.
Dann folgte die Weiterentwicklung des Programms, dass es uns ermöglichte, die hier angewandte, am meisten vertretene Sprache innerhalb kürzester Zeit zu erlernen.
Das Ganze entwickelte sich dann zu einer Art Sport. Jeder Moledaner wollte irdisch lernen.
Es baute sich sogar der Schmuggel auf, der es auch Jimbuna ermöglichte, das englische Wort der Menschen sprechen zu können.
Du erinnerst dich bestimmt, dass dasselbe mit moledanisch und jimbuanisch geschehen war.“
„Habt ihr während der ganzen Jahre schon einmal überlegt, wie wir das Problem des fehlenden Schwarzen Loches lösen könnten?“
„Das haben wir, natürlich. Nur fehlt uns der nötige wissenschaftliche Sachverstand, den du hast. Ohne dich, das ist klar, werden wir Moledo niemals wiedersehen. Und der Planet wird sterben.“
„Klingt, als hätten wir mehr als zu tun.“, entgegnete Chris.
„Also, wo fangen wir an?
Wenn ich mir überlege, dass wir keine Lichtlösung brauchen, wenn wir Moledo nicht erreichen können, sollten wir mit der Lösung des Problems Schwarzes Loch beginnen.
Was kann man tun, um trotzdem eine Raumkrümmung herbeizuführen?
Wir kennen ja nur diese eine Möglichkeit.
Habt ihr jemals versucht, mit den menschlichen Wissenschaftlern zu reden und unter irgendeinem Vorwand eine Idee zu erfragen?“
„Nein, dazu hatten wir nicht den Mut. Wir hatten Angst, wir könnten auffliegen. Die Gefahr, dann erst recht nicht zurück zu kommen, empfanden wir als zu groß.“
„Also gut. Was ist außer einem Schwarzen Loch noch in der Lage, alles anzuziehen? Das es auch die Zeit beeinflussen muss, ist klar. Ein Transportmittel zu bauen, das Überlichtgeschwindigkeit erreicht, ist ebenso unmöglich, wie einen Zeitsprung von der Erde aus zu wagen. Was also können wir tun?
Wir brauchen ein Schwerkraftfeld von der Größe eines Schwarzen Loches. Geht nicht. Kann man in der unmittelbaren Nähe eines Planetensystems nicht aufbauen.“
„Ich kenne einen Physiker, bei dem ich mich schon oft gefragt habe, ob ich ihm meine Idee vom absoluten Spiegel anvertrauen sollte. Ich denke, es ist an der Zeit, ihn über seine Kenntnisse über das Raum- Zeit Kontinuum auszufragen.“, fügte er hinzu.
Samerah nickte.
„Hallo George. Hast du eventuell ein paar Minuten Zeit für mich? Ich muss unbedingt mit dir reden.“
Der hagere, langgewachsene Typ mit dem kurzen grauen Igelschnitt schien erfreut über einen Besuch zu sein.
„Hallo Chris. Um was geht es denn? Komm rein.“
Georges Wohnung war dunkel. Halbdunkel, besser gesagt.
Es roch, als wäre eine viel zu lange Zeit schon nicht mehr gelüftet worden.
„Setz dich. Kann ich dir etwas anbieten? Ein Wasser? Einen Kaffee?“
„Nun, ein Wasser wäre gut. Kaffee hatte ich heute schon genug. Danke.“
Während George Lambert in der Küche war, sah Chris sich um.
Die Einrichtung schien den letzten, beziehungsweise vor- vorletzten Schrei nicht gehört zu haben. Alles war furchtbar altmodisch, abgenutzt und schien mehr als unzweckmäßig für die heutige Zeit.
Eine Couch, die so tief war, dass man sicher einen Kran benötigte, um wieder aufstehen zu können.
Die beiden Sessel, nicht viel bequemer. Und mit einem scheußlichen gelb, grau karierten Stoff.
Die Vorhänge vor den hohen Fenstern waren dunkelrot, schwer und fast ganz zugezogen.
Gegenüber der Sitzgruppe stand ein Schreibtisch, auf dem völlig chaotisch Papiere herumlagen.
Neben dem Schreibtisch fristete eine schmutzig aussehende Lampe ihr Dasein und gab ein diffuses Licht wider.
Der Professor mit den viel zu großen Händen für einen Gelehrten, kam mit zwei vollen Gläsern Wasser wieder. So voll, dass er deren Inhalt leicht verschüttete als er über eine am Boden liegende Tasche stolperte.
Chris war schon auf dem Sprung, um ihm wieder auf zu helfen, aber George fing sich wieder und stellte die Gläser mit einem unsicheren Lächeln auf dem Tisch ab.
Er setzte sich in den freien Sessel. Chris hatte vorher gewusst, dass er sich nicht in die Couch begeben würde. Es gehörte wohl zuviel Kondition dazu, da ohne Hilfe wieder heraus zu kommen.
Unvermittelt begann Chris:
„Ich habe mehrere Fragen, Professor.
Ich weiß zwar, dass du Physiker bist, aber ich denke, dass du mir trotzdem helfen kannst.
Also. Es geht mehr oder weniger um das All. Einmal mehr. Ich habe da so eine Idee, wie man eventuell in minimaler Zeit maximale Strecken bewältigen könnte. Sollte die Idee brauchbar sein und verwirklicht werden können, soll das dein Schaden nicht sein, George. Du weißt, was ich meine.
Nun gut. George, was kennst du, das soviel Anziehungskraft wie ein Schwarzes Loch hat?“
„Ich versteh’ nicht ganz, Chris. Ein Schwarzes Loch ist die dem Menschen einzige bekannte Größe mit einer solch gewaltigen Anziehungskraft. Ich denke nicht, dass wir irgendwann einmal etwas herstellen können, dass in etwa diesem Phänomen gleicht. Und wenn, wofür sollte man dies einsetzen wollen?“
„Nun, vielleicht, um den Raum stärker zu krümmen, als er es schon ist!“
„Chris, ich werde erst mal deinen Ideen und Fragen nachgehen, bevor ich meinerseits Fragen stelle. Also, du willst den Raum krümmen. Meines Wissens kann selbst ein Schwarzes Loch den Raumfluss nur minimal beeinflussen. Deiner Einführung nach zu urteilen, willst du den Raum so stark verbiegen, dass sich Anfangs- und Endpunkt sehr nahe kommen. Klingt in der Theorie sicher wunderbar, aber technisch oder physikalisch ist das wohl kaum möglich.“
So etwas hatte sich Chris schon gedacht. Natürlich, die Menschen waren froh, dass sich kein Schwarzes Loch in ihrer Nähe befand, da es ihren Planeten gefährden könnte. Moledo jedoch wusste, dass eine solche Urgewalt keine Himmelskörper aus ihrer Bahn warf, um sie zu zermalmen.
Wäre es doch nur möglich, mit Moledo Kontakt aufzunehmen.
„Chris, du sagtest gerade etwas davon, dass du den Raum noch stärker krümmen willst, als er es schon ist. Wie soll ich das verstehen? Ich meine, dass das Universum nicht absolut linear nach allen Seiten sein kann, ist schon klar. Aber dass eine messbare Raumkrümmung vorliegt, ist mir neu.“
„Ich habe da so eine Theorie. Wenn zum Beispiel der Raum keine lineare, in alle Richtungen sich gleichzeitig ausbreitende Unendlichkeit wäre, sondern eine, ich nenne es einmal, Kugel, würde das dann einige Dinge erklären, George?“
„Schon möglich, wie aber wäre dann zu erklären, dass sich alles von uns fortbewegt? Ich meine, bläht sich die Kugel immer weiter auf? Und vor allem, was ist außerhalb dieser Raumkugel?“
„Mag sein, dass sie sich aufbläht. Es gibt ja verschiedene Theorien über die Expansion des Weltalls. Warum also nicht die Möglichkeit einer Kugel. Und bevor diese sozusagen platzt, zieht sie sich wieder zusammen. Auch über die anschließende Kontraktion nach der Expansion gibt es Theorien. Und was hältst du davon, dass es neben der einen, unseren galaktischen Kugel noch andere gibt? Und alle sind mit einander verbunden. Und zwar durch die enormen Gravitationspole der Schwarzen Löcher.“
„Gewagte These, mein Freund, aber nicht schlecht. Ich muss darüber nachdenken.“
„Bei den Menschen??? Auf der Erde??“ Wilerios tobte, schrie, wütete.
„Warum erfahre ich das erst jetzt? Der ist schon ein ganzes Jahr weg und ich bekomme erst heute diese Meldung? Kann mir mal jemand sagen, ob ich hier vielleicht nur ein Bediensteter bin, der nichts wissen muss? Das, Romino, kostet dich deinen Kopf!“
„Bitte! Herr! Wilerios, der Kundschafter, der auf Moledo war, ist getötet worden. Wir hatten doch gar keinen Kontakt mehr. Sehr lange nicht. Und der Zweite, den ich hinterhergeschickt hatte, ist sofort enttarnt worden. Es war alles sehr kompliziert und schwierig.“
„Das interessiert mich nicht! Ende! Aus!“
Wilerios war nicht zu beruhigen. Es war immer so, wenn er, sei es auch aus Wut, einmal eine Entscheidung gefällt hatte, war er durch nichts zu bewegen, diese wieder rückgängig zu machen. Selbst dann nicht, wenn er eingesehen hatte, dass sie falsch war.
Romino senkte seinen Kopf, drehte sich um und ging.
Bevor er die Tür erreicht hatte, hörte er Wilerios rufen: „Warte! Du kannst dein Leben retten. Du wirst dich sofort zur Erde begeben und den Lichtträger töten. Als Beweis bringst du mir seinen Kopf.“
Das war fast noch schlimmer, wie das Todesurteil. Einen Ritt durch den moledo`schen Jumpstream war ein Unterfangen, dass ihm mehr Qualen bereitete, als das Warten auf den Tod.
Und Wilerios hatte gesprochen! Er würde auf gar keinen Fall einen Widerspruch dulden.
Also blieb Romino nichts anderes übrig, als die nötigen Vorbereitungen zu treffen.
Mehrere Fragen gab es da zu klären.
Erstens, wie kommt man unbemerkt nach Moledo?
Zweitens, wie kommt man unerkannt in das Telecenter?
Drittens, wie kommt man offiziell in den Jumpstream?
Viertens, sollte erstens bis drittens glücken, wo verdammt, soll man einen einzelnen Moledaner auf der Erde suchen? Unter knapp acht Milliarden Menschen?
Und fünftens, warum sollte der Lichtträger plötzlich sterben? Die Moledaner brauchten ihn.
Jimbuna könnte ihn mehr als gut brauchen.
Was war in Wilerios gefahren, dass er den Tod des Lichtträgers befahl?
Wenn wir ihn nicht haben können, sollen ihn die Anderen auch nicht bekommen.
Genauso stellte sich Romino die Gedanken des Präfekten vor.
< Vielleicht sollte ich auf Moledo bleiben und denen helfen, überlaufen. Damit ich endlich diesen elenden Tyrannen und seine jähzornigen Launenspielchen los bin.>, dachte Romino.
Und überhaupt.
Er hasste Jimbuna neuerdings regelrecht.
So oft war Romino jetzt schon auf Moledo gewesen.
Er hatte sich dort immer wohl gefühlt.
Die Landschaften, das Gesicht des Planeten war weich und friedlich, wie seine Bewohner.
Es gab kaum scharfe Konturen und wilde Gebirge, wie auf Jimbuna.
Während sein Heimatplanet grün und bunt war, hielten sich die Farben auf dem Nachbarplaneten mehr im Spektrum des Blauen Lichts auf.
Die Bäume, Sträucher, Blumen. Alles blühte hier auch. Aber immer war ein wenig Blau mit dabei.
Das machte den Planeten in Rominos Augen so interessant. Und schön.
Schon als er das erste mal da war, hatte er sich regelrecht in Moledo verliebt.
Und der Gedanke an eine Flucht war schon beim ersten Aufenthalt geboren.
Aber das war mehr als abwegig.
Damals. Die Loyalität.
Im Laufe des vergehenden Tages kam ihm der Gedanke an eine Desertierung gar nicht mehr so abwegig vor. Und er hätte viel zu erzählen...
Romino hatte in den nächsten Tagen jede Menge zu tun.
Trotz der fast feindlichen Übergriffe Jimbunas auf Moledo, gab es regelmäßige Transporte, durch die die beiden Planeten miteinander Handel trieben.
Zwischen den beiden Welten herrschte so etwas wie Kalter Krieg.
Wobei Moledo immer, oder doch meistens eine defensive Rolle einnahm.
Jimbuna war meist der Kriegstreiber, stets darauf bedacht, Moledo zu nehmen, was Jimbuna nicht hatte.
Größtes Problem war natürlich das fehlende Licht.
Moledo hatte es im Laufe der Evolution zu sehr effizienter Technik gebracht, die es dem Planeten ermöglichte, ziemlich sonnenähnliches Licht zu erzeugen. Das kostete natürlich reichlich Energie.
Moledo war sowohl technisch und industriell weit fortgeschritten, aber die Vergangenheit hatte tiefe Wurzeln in der Gesellschaft.
So lebten Mythen, Riten und Gebräuche teilweise noch in den Moledanern fort.
Und ein Mythos, der eigentlich gar keiner ist, lebt bis heute auf Moledo.
Der Lichtträger.
Diese eine Person, meist männlichen Geschlechts, wird etwa vierhundert Moledo- Jahre alt.
Sie hat dafür zu sorgen, dass in der Dunkelheit trotzdem ausreichend Licht auf den Planeten fällt.
Ihm kommt hier eine magische Gabe zu Hilfe.
Der Lichtträger kann Luftpartikel in eine feste Materie umwandeln, die dann das spärlich einfallende Licht stark genug reflektiert, um es sozusagen zu beugen.
Dieser Zustand hält bis einige Tage nach dieser Manifestierung an, ohne dass er zugegen sein muss.
Dementsprechend kann der Lichtträger also an mehreren Stellen des Planeten für Licht sorgen und so zumindest teilweise den Mangel ausgleichen.
Der Zwillingsplanet Jimbuna war in seiner Entwicklung weit hinter Moledo zurück. Gründe dafür lagen allein schon in der Evolution. Moledo trug als erster der beiden Planeten Leben, entwickelte sich also eher.
Außerdem hatte Jimbuna nicht den Vorteil eines Lichtträgers.
Im Laufe der Zeit kamen natürlich auch die Jimbuaner dahinter, dass Licht den Samen des Lebens trägt.
Irgendwann war Moledo in der Lage, Raumschiffe zu bauen und den Planeten zu verlassen. Der erste bemannte Trip führte logischerweise nach Jimbuna. Es war gar nichts anderes möglich, als den ersten erreichbaren Planeten zu erforschen. Zumal der Zwillingsplanet in Sichtweite lag.
Durch die folgende hohe Frequentierung Jimbunas durch Moledo, erfuhr die Entwicklung einen starken Schub.
Das einzige, was eine regelrechte Explosion der Entwicklung verhinderte, war, wie schon immer und auf beiden Welten, das fehlende Licht.
Viele Versuche scheiterten, den mangelhaften Lichteinfall zu erhöhen.
Spiegel wurden gebaut, die das spärlich einfallende Licht bündelten und an unbeleuchtete Stellen schickten. Das Problem mit solchen großen Lichtmengen war dann aber die ebenso weitergeleitete Wärme. Sie verbrannte alles, was von den Spiegeln beleuchtet wurde.
Dann machte Jimbuna den Fehler seiner Geschichte.
Moledo dachte aufgrund der Abwechslung der Dunkelzeiten auf beiden Planeten darüber nach, den Lichtträger während der Lichtzeit nach Jimbuna zu schicken.
Selbst der Lichtträger war damit einverstanden, bekleidete er doch das höchste Amt des Planeten und war somit am entscheidungskräftigsten.
Später wurde gesagt, Jimbuna hätte von den Überlegungen nichts gewusst.
Jedenfalls wurde versucht, den Lichtträger zu entführen und auf Jimbuna zu zwingen, sein Amt auszuüben, für Licht während der Dunkelzeit zu sorgen.
Da Moledo bereits damit gerechnet hatte, konnte die Entführung verhindert werden. Allerdings starb der Lichtträger später an den Verletzungen, die ihm durch die Kampfhandlungen zugefügt wurden.
Glücklicherweise aber war gerade der Zyklus erreicht, der einen neuen Lichtträger hervorbrachte, so dass Moledo nur drei Dunkelzeiten ausharren musste. Dreimal ein halbes Jahr. Ein viertes hätte die gezüchtete Natur des Planeten ohne das zusätzliche Licht des Magiers nicht verkraftet.
Skrupelloses Jimbuna.
Kurz vor seinem Amtsantritt sollte der Magier wieder entführt werden.
Diesmal aber war Moledo besser vorbereitet und es starben nur die Angreifer.
Seitdem herrscht eine Art kalter Krieg zwischen den Planeten, den mehr oder weniger die Geheimdienste führen.
So ging das viele Jahrhunderte lang.
Moledo hielt die Kontakte, wirtschaftlicher und helfender Art aufrecht.
Was Jimbuna natürlich nicht daran hinderte, weiterhin zu versuchen, den Lichtträger in seine Gewalt zu bekommen.
Und wie bekannt, endete der letzte Entführungsversuch damit, dass der
„amtierende“ Lichtträger auf der Erde versteckt werden musste.
Rominos Aufgabe war es nun als erstes, nach Moledo zu kommen. Und zwar ohne, dass man ihn für etwas anderes hielt, als einen jimbuanischen Arbeiter. Die einzige Möglichkeit bestand natürlich darin, dass er mit einem der täglich viermal verkehrenden Transportschiffe flog.
Also heuerte er auf einem der Transporter an und bekam tatsächlich einen Job.
Zwar nur als Reinigungspersonal, aber das war ihm egal. Hauptsache weg.
Sicher war er sich zwar noch nicht, was seine Desertierung betraf, aber Moledo war in jedem Fall besser als Jimbuna und Wilerios.
Und sein Wissen und seine Kenntnisse über den Präfekten sollten ihn schon ein Stück voran bringen.
Am nächsten Tag hob der schwere Transporter ab. Von Jimbuna nach Moledo.
So gewichtig und schwerfällig das Schiff auch schien, die Geschwindigkeit, die es entwickelte, reichte allemal, um die Distanz zwischen den beiden Planeten innerhalb von drei Stunden zu überbrücken.
Die Crew war mittlerweile zwei Stunden unterwegs.
Romino hatte seinen Job getan, die Kajüte des Kapitäns, die Messe und die Küche geputzt. In rekordverdächtiger Zeit. Jetzt saß er in seiner Kajüte und sah aus dem Bullauge des Schiffes.
Fast ein wenig wehmütig sah er Jimbuna immer kleiner werden.
Am Horizont des Planeten sah er den Feuerschein der aufgehenden Sonne. Jeden Augenblick müsste sie aufgehen. Er sollte besser das Glas des Fensters verdunkeln, um nicht geblendet zu werden. Er wusste natürlich, dass die Sonnenstrahlen im luftleeren All viel heller waren, da sie ja nicht durch die Luftschichten getrübt wurden. Langsam bewegte er seine Hand zum Auslöser der Verdunkelung, zählte die Sekunden, die ihm blieben, bis die Lichtflut über den Horizont des Planeten brechen musste. Drei, zwei, eins.
Romino traute seinen Augen nicht.
Die Sonnenstrahlen ließen sich nicht blicken. Im Gegenteil. Statt dass er fast erblindete durch die losstürzende Helligkeit, musste er sich plötzlich anstrengen, seinen Heimatplaneten zu erkennen. Was war geschehen? Wo ist die Sonne, ihr Licht, dass sie so sehr brauchten und das schon so viel Schicksale beschieden hatte?
Er fand keine Erklärung, dafür, was er jetzt sah.
Ein riesiger Schatten schien sich über die Sonne gelegt zu haben. Wie ein schwarzer Mantel der Dunkelheit kroch er von einem Ende des Sterns zum Anderen. Langsam, aber doch schnell genug, um diese Bewegung erkennen zu können. Das Ding sah aus, wie der Umriss einer riesigen Amöbe, die sich amorphen Bewegungen über die Sonne legte.
Romino versuchte auszumachen, woher dieser Schatten kam, aus welcher Richtung.
Aus seiner Perspektive wusste er Moledo links von sich. Jimbuna war im Moment wieder einmal der Schattenspender. Es sah nicht so aus, als wären die Moledaner die Urheber des Schattens. Wenn sie es doch waren, dann hatten sie das sehr geschickt angestellt, denn der Schatten kroch in ihre Richtung.
Romino war schlau genug, um einschätzen zu können, dass ein Volk, wie das von Moledo erstens keinen Angriff gegen Jimbuna starten würde, zweitens keinen solchen Angriff gegen den Zwillingsplaneten initiieren würde und drittens wissen musste, dass sie sich im Moment der totalen Verdunkelung der Sonne selbst schaden würde.
Er hielt Moledo für nicht schuldig.
Aber das, was er da sah, machte ihm Angst. Was war das? Woher kam es? Wie riesig, gigantisch musste das Ding sein, wenn es einen Planeten wie Jimbuna in den Schatten stellte?
Und das wichtigste, woraus bestand es, wenn es in der Lage war, Sonnenstrahlen so zu schlucken, dass wirklich kein einziges Lichtteilchen es durchdringen konnte?
Das, was er sah, machte ihm Angst. Große Angst.
Ihm kam die Idee, das Ding vielleicht vom Käpt`n untersuchen zu lassen. Ein jedes Transportschiff hatte mehrere Instrumente an Bord, um ungewöhnliche, beziehungsweise überraschend auftretende Ereignisse oder Objekte untersuchen oder wenigstens abtasten zu können. Das wusste er von seinen vergangenen Flügen nach Moledo in Wilerios’ Auftrag.
„Darf ich sie kurz stören, Käpt`n?“
„Was gibt es, Pertros?“
„Ich weiß nicht, wie ich es ihnen sagen soll, aber haben sie auf ihren Instrumenten irgendetwas ungewöhnliches?“
„Was meinen sie? Bekommt ihnen die fehlende Schwerkraft nicht?“
„Käpt`n, bitte, sehen sie in Richtung Sonne!“
Zweifelnd, aber angesichts der augenscheinlichen Angst Rominos sah der Kapitän aus dem Bullauge.
Wischte die Scheibe von innen blank. Schaute noch einmal.
Rieb sich die Augen. Und schaute noch einmal.
„Oh, verflucht!! Was ist das?“
Aufgeschreckt von der Reaktion des hartgesottenen Bullen von Käpt`n, brachte der Erste Offizier die Aufnahmen der Außenkameras auf den großen Schirm. Jetzt sah auch Romino das Ausmaß dessen, was er vorhin schon geahnt hatte. Dieser Schatten, dieses Ding, bedeckte mittlerweile den gesamten sichtbaren Bereich der Sonne, sodass Jimbuna komplett im Schatten lag.
Wie eine zähe, alles Licht absorbierende Masse, schien das Ding auf der Sonne zu kleben.
„Haka, sieh auf die Instrumente, ob du irgendetwas ausmachen kannst. Bewegungsrichtung, Geschwindigkeit, Art der Materie und so weiter.“, befahl der Kapitän.
