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„Amerika – Noch immer ein Traumland“ bietet eine zum Nachdenken führende Sicht von amerikanischen Begebenheiten und Einmischungen in internationale Angelegenheiten und Politik aus der Sicht eines Schweizer Ökonomen. Werner Neff's Studie zeigt ein politisches Portrait der USA von 2014. Er spricht von Plutokratie, ineffizienter und ausser Kontrolle geratener Führung des gewählten Abgeordnetenhauses und Senats. Er vermittelt seine Theorie einer verzerrten Demokratie. Das Buch stützt sich ab auf Neff's Studien, Nachforschungen und sein profundes Wissen der sozial-ökonomischen und politischen Situation der Amerikaner und deren internationaler Beziehungen und Mitwirkungen in der Weltpolitik. Der Autor führt den Leser auf eine Reise zu Begegnungen mit Amerikanern aus der Sicht eines Besuchers, der Einwohner wurde. Er beleuchtet die aussergewöhnliche Leidenschaft des amerikanischen Volkes und ihre grosse Gastfreundschaft und Grosszügigkeit.
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Seitenzahl: 134
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Mary Ann Colonna Neff (1940–2010)
in grosser Liebe und Dankbarkeit
für die wenigen, aber wundervollen gemeinsamen Jahre zugeeignet.
Prolog
1. Einwanderung und erste Eindrücke im neuen Land
Die Gründe für den Umzug
Das amerikanische Englisch und seine Besonderheiten
Leute und Gepflogenheiten
Eine Reise mit Amtrak
Anekdoten
2. Kein Kulturschock, aber doch vieles anders
Ein kurzes Portrait der Schweiz
Das Bild des Amerikaners in der Welt
Arm und Reich
Des Amerikaners schneller Geschäftsrhythmus
Die amerikanische Lebensart verkaufen oder kaufe jetzt und bezahle später
Das Steuersystem
Unternehmenssteuern
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
3. Das amerikanische Rentensystem - Sind die USA ein Sozialstaat?
Das Alter – der dreibeinige Hocker oder die drei Säulen
Das erstes Stuhlbein: Die Social Security in den USA
Erste Säule: Die schweizerische Alters- und Hinterlassenenversicherung
Das Zweite Stuhlbein: Die Betriebsrente in den USA und einige Probleme
Zweite Säule: Die Betriebsrenten in der Schweiz
Drittes Stuhlbein und Dritte Säule: Private Vermögensteile
Altersmässige Vergünstigungen
4. Das amerikanische Gesundheitswesen und Bemerkungen zum Verhältnis Staat - Bürger
Krankenversicherung — Medicare/Medicaid
„Obamacare” von 2010
Teure Krankenversicherung
Probleme der Nicht-Versicherten und andere Eigenheiten
Obligatorische Krankenversicherung in der Schweiz
Freiheit und Sozialeinrichtungen in den USA – Misstrauen gegenüber Regierung und Kongress
Angst vor einem Sozialstaat europäischer Prägung
Was für einen Realisierungsgrad will ein Land einführen?
Zu Ehren der amerikanischen Demokratie
5. Amerika im Spiegel der Welt
Geschichte der USA von 1945 bis heute
Alleiniger Führer der Welt
Der Irakkrieg – Sinneswandel in Europa gegenüber der Politik der USA
Arroganz und kulturelle Indifferenz
Der Weltpolizist
Doppelmoral
Zerstören die Konservativen die amerikanische Demokratie?
Vom Vorbild zu einer Liste ungelöster Probleme
6. Ein aktuelles politisches Portrait der USA
Neue Aufgaben
Das politische Leben in Amerika – Keine Kompromisse mehr
Das Zweiparteien System
Der Zusammenbruch von 2007 und der Einfluss auf die Weltwirtschaft
Konjunkturprogramme
Aufschwung und Niedergang der amerikanischen Industrie
Ökonomische Folgen – Alles wird in China hergestellt
Ein anderer Zugang in Europa
7. Meine Vision für Amerika
Vertrauen, Solidarität und Werte
Der Leser mag sich wundern, wieso ein Einwanderer sein neues Leben in den USA kommentiert. Die Angelegenheit ist einfach zu erklären. Ich war mit einer Amerikanerin verheiratet. Wir lebten in der Schweiz und hatten viele Kontakte zu Amerikanern durch Familienbande und Freunde. Wir besuchten die USA sehr oft.
In unserer Ehe hatten Mary Ann und ich eine logische Arbeitsteilung der administrativen Aufgaben, wenn es um die Steuererklärung, Versicherungen, Krankenkasse und Führerausweise ging. Sie machte alles, was die Vereinigten Staaten betraf und ich tat, was wir in der Schweiz benötigten.
Als meine Gattin schwer krank wurde und immer weniger fähig war, diese Aufgaben zu erfüllen, musste ich sie nach Colorado zurückführen, wo sie in einem Pflegeheim lebte. So hatte ich in kurzer Zeit alle ihre Administrativaufgaben zu übernehmen. Wenige Tage nach meiner Pensionierung siedelte ich in die USA über um in der Nähe meiner Frau zu sein. Da war ich schnell mit der Social Security (der staatlichen Rentenkasse der USA), der Krankenkasse und Steuern beschäftigt. Ich hatte meinen Führerausweis zu bestehen und so weiter.
Zu Beginn hatte ich nicht die Absicht, über die Einzelheiten des amerikanischen Alltagslebens zu schreiben. Als ich jedoch in den Papierkram eingetaucht war, hierfür Telefongespräche führte, mich mit Gesetzen und Vorschriften für die Steuern und der Social Security vertraut machte, begann ich, meine Eindrücke an die Familie und Freunde in der Schweiz mitzuteilen. Diese waren interessiert und beeindruckt. Eines Tages legte ich alle Texte zusammen und begann zu schreiben. Das war der Start zu meinem Buch!
* * *
Der Leser wird einen grossen Unterschied zwischen dem ersten Kapitel und dem Rest des Buches feststellen. Ich beginne mit der Beschreibung des amerikanischen Volkes, das warm, offen, freimütig und im Umgang angenehm ist. Es drückt Würde und gegenseitigen Respekt aus. So erlebe ich den Amerikaner in seinem Land.
In den nachfolgenden Kapiteln beziehe ich mich auf die Vereinigten Staaten als Staat mit seiner Sozialgesetzgebung und seinen Institutionen und der eigenartigen Ausprägung des politischen Lebens, die das Land regiert. Es ist meine Absicht, klar zwischen den Amerikanern als Individuen und Amerika als Nation mit seiner Regierung und seinem Führungsanspruch zu unterscheiden. Ich hoffe, dass der Leser sehen wird, dass diese Unterscheidung wichtig ist.
Als Ökonom, der an schweizerischer und europäischer Wirtschaft und Politik interessiert ist, fühle ich mich angesprochen und verpflichtet, meine Kenntnisse, meine Einsichten, meine Beobachtungen und meine Meinung von aussen einzubringen. Es sind meine Eindrücke als Einwanderer, der seinen Beitrag leisten will und ein Risiko eingeht – indem er versucht zu erklären, was in diesem Land möglich wäre. Es mag harsch und kritisch klingen, wenn ich meine Eindrücke ungefragt darlege und am normalen Gang der Dinge rüttele und meine Ansichten teile. Als Gesellschaft bemühen wir uns, den Lebensstandard zu heben und ein gutes Leben zu bieten, hier in diesem Land wie auch anderswo auf der Welt.
Der Neubewohner der USA bringt Erinnerungen und Erfahrungen im Sozialverhalten aus seiner Heimat mit, die er automatisch in seiner neuen Heimat anwenden will. Und da beginnen einige Fragen. Was er als vorgegeben und selbstverständlich ansieht, ist in der neuen Heimat oft ganz anders geregelt. So muss er in der Wirklichkeit des amerikanischen Lebens viele Hindernisse überwinden. Der Leser wird eingeladen seinen Überlegungen zu folgen.
Mein Profil als Einwanderer in die USA ist eher untypisch. Ich bin 2010 aus der Schweiz übersiedelt, kurz nachdem ich pensioniert worden war. Ich wollte in der Nähe von Mary Ann, meiner amerikanischen Gattin sein, die an der Alzheimer Krankheit litt. Sie hatte einige Monate in einem Pflegeheim in Zürich verbringen müssen, bevor sie, auf eigenen Wunsch und in gemeinsamer Absprache, in ein Heim in Colorado verlegt werden konnte, dorthin, wo sie zu Hause war, bevor wir geheiratet haben. Hier konnte sie ihre eigene Sprache sprechen. Ich wollte ihr kurz darauf nach Colorado folgen. Unsere wunderbare Ehe wurde durch die sich schnell entfaltende Krankheit und das Leiden zerrissen. Es war ein kleiner Trost, dass wir diese Massnahme noch durchführen konnten, bevor es zu spät war.
Ich habe mich darauf gefreut, den Ruhestand mit meiner Ehepartnerin zu erleben. Wenn auch die Umstände nicht mehr als glücklich bezeichnet werden konnten, entschied ich mich, das Beste daraus zu machen, und freute mich auf mein neues Leben in den USA. Tage vor meiner Pensionierung liess ich meine Sachen in einen Container packen und an meine neue Adresse verschiffen.
Um etwa gleichzeitig mit dem Container an meinem neuen Wohnort anzukommen, unternahm ich eine lange Zugreise mit Amtrak1 durch das grosse Land; ich bin ein begeisterter Bahnfahrer. Es war eine schöne Abwechslung im Vergleich zu den vielen eiligen Kurzreisen in die USA, die ich im Jahr zuvor unternommen hatte.
Als ich meiner Familie und den Freunden in der Schweiz mitteilte, dass ich in die Vereinigten Staaten umziehen und mich verabschieden wolle, waren alle überrascht. Zehn oder mehr Jahre früher wäre jedermann erfreut gewesen und hätte mich um meine Entscheidung beneidet, aber 2010 war die Sache anders. Warum sollte ich in ein verarmtes Land mit täglichen Skandalen in Wirtschaft und Showbusiness ziehen? Wollte ich wirklich in einem Land sein, das nach wie vor in Kriege engagiert ist, die die Bush/Cheney-Regierung begonnen hatte? Wollte ich in einem Land leben, das sich nicht um die Armen kümmert? Die Verwüstungen des Hurrikans Katrina in New Orleans hatten nur einen kleinen Teil des grossen und schönen Landes erfasst, aber jeder hatte noch die Bilder von Tod und Zerstörung und die erschreckend mangelhafte Reaktion von offizieller Seite darauf vor Augen.
Was ich hörte, war eine Liste von negativen Geschichten über die USA, die in europäischen Köpfen vorherrschend sind. Alle Argumente waren richtig, kein Punkt war erfunden oder boshaft. Es waren lediglich Erinnerungen an die Nachrichten, die man in Europa über die USA hört und die sich weitgehend auf das Negative beschränken. In der Schweiz waren individuelle Gründe und Eindrücke mit einer negativen Einstellung gegenüber den USA und ihrer internationalen Politik verschmolzen.
Trotz aller Kommentare und Bedenken gab es für mich keine Gründe, die mich von meiner Auswanderung hätten abhalten können; ich zog zu meiner Gemahlin nach Colorado.
Das Einreiseprozedere der USA ist einzigartig in der Welt. Es wird von den meisten Ausländern als streng und kompliziert wahrgenommen. Die Ankunft des Fluges von Zürich nach Washington Dulles fällt mit rund 30 anderen Flügen zusammen, die von zahlreichen Städten in Europa herkommen. Bevor man an der Reihe ist, um überprüft zu werden, vergeht oft eine Stunde. Der Einreisebeamte kontrolliert den Pass und den Fragebogen, macht ein Porträtfoto und nimmt Fingerabdrücke, erst dann wird er – hoffentlich – die Einreise mit einem Stempel in den Pass gutheissen. Manchmal wird der Beamte zusätzlich Fragen haben oder Bemerkungen machen.
Es scheint für die Beamten schwierig zu sein, zwischen Tourist und Terrorist zu unterscheiden. Tatsache ist, dass einer meiner Freunde nur noch nach Kanada in die Ferien geht, um die Einreise in die USA zu vermeiden. Es gibt andere Wege, um einen Bogen um die langen Warteschlangen bei der Einreise in die USA zu machen: Ich wähle beispielsweise spezielle Flugzeiten (Flüge mit früher oder später Ankunft in New York oder Washington) oder kleinere Ankunftsorte, wie New York-Newark, Toronto, Denver, Boston oder Philadelphia, die oft mehr Beamte als Reisende zählen.
Im Vergleich dazu dauert die Einreise in Zürich oder Genf ungefähr zwei Minuten. Ein Beamter kontrolliert den Pass mithilfe eines Computersystems. Es gibt keine weiteren Fragen.
Das amerikanische Einreiseprozedere steht in grossem Gegensatz zur Zollkontrolle, die schnell und nur ansatzweise erfolgt. Die Zollfragekarte, die bereits auf dem Flug auszufüllen ist, wird nur überflogen. Allerdings kann es durchaus sein, dass das aufgegebene Gepäck durch die Transport Security Administration (TSA) geöffnet worden ist, die eine Visitenkarte in Form eines Informationsblattes im Innern des Koffers hinterlässt.
Warum machen die Vereinigten Staaten eine derart strikte Einreisekontrolle? Der Grund ist klar: Die USA kennen keine Einwohnerkontrolle. Wer die Grenzen des Landes überschritten hat, geniesst uneingeschränkte Freiheit, sich zu bewegen. Selbst wenn man von einem Ort zum anderen umzieht, sind die Behörden nicht involviert.
In Europa muss sich jeder Einwohner im Rathaus mit seinem Ausweis registrieren lassen und seine genaue Adresse angeben. Die Gemeinde weiss zu jeder Zeit, wie viele Einwohner sich legal in der Stadt aufhalten. Die Einwohnerkontrolle erlaubt es, Steuerunterlagen und Abstimmungs- und Wahldokumente zuzustellen, Einwohner zum Militärdienst einzuziehen oder die schulpflichtigen Kinder einzuschulen.
Ein vergleichbares, jedoch freiwilliges Vorgehen in den USA ist die Nachführung der Adresse bei der staatlichen Rentenbehörde (Social Security). Meistens hat man in den USA den ersten Kontakt mit den lokalen Behörden, wenn man den Führerschein machen will oder eine Autonummer beantragt. Die Amerikaner empfinden die Einrichtung der Einwohnerkontrolle als Bedrohung. Sie befürchten von der Regierung kontrolliert zu werden.
Das Prozedere bei der amerikanischen Botschaft in Bern, um die Aufenthaltsgenehmigung (Permanent Resident, bekannt als „Green Card“), war effizient und tadellos. Mit der „Green Card“ hat man Anspruch auf eine eigene Mitgliedernummer bei der Social Security (staatliche Rentenkasse). Und diese ist nötig um Versicherungs- und Krankenkassenpolicen abzuschliessen, das Nummernschild des eigenen Wagens zu lösen und den Führerschein abzulegen. Alle administrativen Schritte für Versicherungen und Auto konnte ich mühelos und schnell erledigen.
Kaum war ich angekommen, nahm ich die Regeln des Alltags der neuen Heimat an. Zu meiner Überraschung fühlte ich mich schon nach zwei Wochen wie ein Amerikaner. Leute, die ich im Supermarkt oder am Skilift traf, Freunde, Nachbarn oder Reisebekanntschaften, alle waren äusserst freundlich und hilfreich. Der Amerikaner begrüsst dich mit „Hello“, „Hi, how are you?“ oder „How are you doing today?“ und helfen dir, dich heimisch zu fühlen. Einwanderer, heute vor allem aus Asien oder Lateinamerika kommend, geniessen grossen Respekt, da sich die Amerikaner das Schicksal ihrer Eltern oder Grosseltern in diesen Personen vergegenwärtigen. Die Freundlichkeit, die man im ganzen Land antrifft, ist eindrücklich.
Die englische Sprache ist der Zugang zum Verständnis der Bewohner, der Kultur und der Gewohnheiten der neuen Heimat. Bücher, Zeitschriften und Zeitungen zu lesen sowie Fernsehsendungen und Hollywoodfilme anzusehen, waren gute Übungen für mich, um die Leute und die Politik in diesem grossen Land kennen und verstehen zu lernen. Ein Grundstock an Namen von Berühmtheiten oder politischen Figuren ist nötig, um Redewendungen und Anspielungen in der Presse zu verstehen. Eine grosse Anzahl von unterschiedlichen Büchern und Filmen half mir Namen und Zusammenhänge zu erkennen.
Viele Anspielungen haben mit historischen Figuren zu tun: Charles Ponzi (Erfinder des Schneeball-Zahlungssystems), Bugsy Siegel (Mitglied der Luciano Gangsterfamilie und Förderer der Las Vegas Kasinos), Harry Houdini (Verwandlungskünstler), J. P. Morgan (New Yorker Bankier), Molly Brown (Millionenerbin aus Colorado, Überlebende des Titanic-Unglücks), Alger Hiss (als Sowjetspion vom McCarthy-Tribunals angeklagt und wegen Meineid verurteilt) und vielen anderen. So wie in den USA niemand weiss, was es mit dem Soldaten Schwejk oder Max und Moritz auf sich hat, sind all diese Personen in Europa wenig bekannt.
Das Buch Ragtime2 von E. L. Doctorow möchte ich hier hervorheben, da es die Biografien von J. P. Morgan, Harry Houdini, dem Industriellen Henry Ford, der Schauspielerin Evelyn Nesbit und anderen in einem historischen Zusammenhang verbindet. Die darin beschriebene Tragik des afroamerikanischen Jazzsängers Coalhouse Walker will ich hier nicht verraten.
Formulierungen, die ich in Inseraten, in der Werbung und in Schaufenstern sah, wie „Start Saving Now“, „Thanksgivings3 Savings“ und „Plan Your Fall Heating Controll and SAVE “, haben mich zuerst stutzig gemacht. Ich dachte, dass der Ausdruck „Sparen“ gewählt wird, wenn man Geld auf die Seite legt. Heute wird „to save“ benutzt, um Leute zum Kaufen, also zum Geld Ausgeben, zu verleiten, sozusagen im genau gegenteiligen Sinn der ursprünglichen Aussage.
Meist erhält man irgend einen Rabatt, wenn man einkauft. Das wird als Sparen angesehen. Der lokale Supermarkt listet auf der Quittung die Einsparungen gleich neben der Summe der Ausgaben. Die Verkaufsperson an der Kasse sagt mir immer, wie viel ich bei meinem heutigen Einkauf gespart habe.
Als ich einmal mitten in Manhattan für meinen Haarschnitt zahlte, habe ich die dreissig Dollar hingelegt, wurde aber gleich darauf aufmerksam gemacht, dass der reguläre Preis vierzig Dollar wäre, aber Haareschneiden diese Woche im Angebot sei. Anstatt dass der Friseur mir für meinen Auftrag dankbar war, musste ich mich für den Preisnachlass bedanken. Eine verkehrte Welt in meinen Augen!
Andererseits fand ich es sehr amüsant zu erfahren, dass die Steuerbehörde ihre Steuerzahler derart erzogen hat, dass nur noch vom „Tax Return“, der Steuerrückerstattung, im Zusammenhang mit Steuerzahlungen die Rede ist. Dass zuerst ein Einkommen geschaffen werden muss, die Steuern deklariert und bezahlt werden müssen und erst am Schluss eventuell eine Steuerrückerstattung stattfindet, hat keine Bedeutung mehr. „Steuerrückerstattung“ oder „Rückerstattung“ haben das Wort für Steuern und das Steuerformular abgelöst.
Ich liebe es, wenn ich ein Schild sehe wie „Die beste Vorführung der Welt“. Es ist schwierig, zu vergleichen und das Beste zu ermitteln, da eine solche Wertung auf subjektiven Beobachtungen beruht. Mit dem Grössten ist es anders. Das ist quantifizier- und vergleichbar. Wenn mir erzählt wird, dass ich im besten Restaurant der Welt esse oder dass ich die grösste Darbietung („The Biggest Show“) der Welt sehe, so weiss ich, dass es sich vermutlich um eine Übertreibung handelt, aber das hindert mich nicht daran, mich zu amüsieren.
„Guys“ ist dem Wörterbuch nach das Wort für zwei oder mehrere Jungs. Für mich ist der Ausdruck klar männlich. In einer romanischen Sprache, das weiss ich, folgt nach einem männlichen und mehreren weiblichen Subjekten das Verb in der maskulinen Form. Wenn ich hier höre, dass das Wort „Guys“ für eine Gruppe von ausschliesslich Frauen benutzt wird, schmunzle ich immer.
Gute Umgangsformen in der Öffentlichkeit werden in den USA strikte befolgt. Sei es an Busstationen, am Kiosk, beim Betreten eines Restaurants oder beim Warten am Skilift, überall stellen sich die Leute ordentlich in eine Reihe. Das ist sehr angenehm und ich hoffe, dass dies so bleibt.
