Anatomie und Physiologie für Hebammen - Olga Wesker - E-Book

Anatomie und Physiologie für Hebammen E-Book

Olga Wesker

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Beschreibung

Endlich!  Das Lehrbuch der weiblichen Anatomie und Physiologie - maßgeschneidert für Hebammenstudierende

Als Studierende der Hebammenwissenschaft wollen Sie wissen, wie der weibliche Körper aufgebaut ist und wie er funktioniert.

Freuen Sie sich über speziell für Hebammenstudierende aufbereitete Inhalte zur Anatomie und Physiologie.

  • Zahlreiche Abbildungen, Mindmaps, Merke-Boxen erleichtern das Verstehen der Strukturen und Funktionen des weiblichen Körpers.
  • Fotos unterstützen das Finden und Palpieren von Strukturen der für Hebammen besonders relevanten anatomischen Details.
  • Videos zur Beckenfunktionalität, abrufbar via QR-Codes, zeigen funktionelle Abläufe.

Dazu lernen Sie auch, Funktionen unter biomechanischen und auch unter osteopathischen Aspekten zu verstehen. So sind Sie bestens für die Theorie und Praxis der Hebammenarbeit vorbereitet!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 1542

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Anatomie und Physiologie für Hebammen

Olga Wesker, Barbara Fisahn

495 Abbildungen

Vorwort

Wir freuen uns sehr, dass Sie Hebamme werden!

Hebammen haben ein großartiges und facettenreiches Berufsfeld: Sie stehen Schwangeren, Gebärenden und frischgebackenen Müttern, Vätern und Familien mit Rat und Tat zur Seite. Sie sind Expert*innen, Fürsprecher*innen und Begleiter*innen. In den nächsten Jahren werden Sie viel lernen, um sich auf diese Aufgabe vorzubereiten. Dazu gehört es, Bereiche des menschlichen Körpers zu erfassen, die dem Auge verborgen bleiben und zu begreifen, warum dieses Wissen nützlich ist. Ein tieferes Verständnis der körperlichen Strukturen ist eine der Säulen, auf denen Sie ihr Wissen über Ihr Berufsleben aufbauen und auf dessen Basis Sie agieren.

Bei der Erstellung des Buches war es lag ein großes Augenmerk darauf, die Kapitel in einer klaren, verständlichen Sprache zu verfassen.

Zunächst werden Ihnen die Grundlagen vermittelt, die zum Verständnis der Anatomie und Physiologie hilfreich sind. Auf knapp 100 Seiten finden sich relevante Ausschnitte aus den Fachgebieten Biologie, Physik, Chemie und Biochemie sowie der Histologie (Gewebelehre).

Im zweiten Buchteil geht es dann weiter mit der Anatomie und Physiologie der verschiedenen Organsysteme, wo Aufbau und Funktion der Organe detailliert besprochen werden. Bemerkenswert sind die detaillierten Darstellungen des Bulboklitoralorgans, die erstmals in der 6. PROMETHEUS-Auflage erschienen sind und die wir in diesem Buch verwenden dürfen.

Buchteil 3 geht näher auf die Besonderheiten ein, die es bei Heranwachsenden bzw. im Alter gibt. Hier erfahren Sie z. B. welche Meilensteine es in der kindlichen Entwicklung gibt und wie sich Organe und Körper durch das Älterwerden verändern.

Der letzte Buchteil widmet sich der "Anatomie in vivo", also der Anatomie am lebenden Menschen. Es zielt darauf ab, theoretisch anatomisches Wissen in die praktische Hebammenarbeit zu transferieren, also beispielsweise zu lernen Körperstrukturen von Mutter und Kind sicher zu identifizieren und aufzufinden.

Das letzte Kapitel des Buchs stammt aus der Feder der Osteopathin Barbara Fisahn. Ihr Anliegen ist es Hebammen für die Beweglichkeit des Beckens und dessen Einflüsse auf Schwangerschaft und Geburt sensibilisieren. Dazu hat sie neben dem Buchkapitel auch Videos als Begleitmaterial erstellt, die sich ganz einfach per QR-Code abrufen lassen.

Dieses Buch ist ein Novum. Es ist das erste Anatomiebuch speziell für Hebammen im deutschsprachigen Raum und konnte nicht länger auf sich warten lassen. Nicht zuletzt danken wir Olga Wesker, selbst Hebamme, die bei ihrer Mitarbeit einen besonderen Fokus auf die Nutzung zeitgemäßer Begriffe in Bezug auf den weiblichen Körper in den Texten sowie spezifisch weiblicher Versionen der sonst meist männlichen anatomischen Grafiken gelegt hat. Das Buch ist also auch ein Meilenstein was eine geschlechtersensible Lehrmaterialien angeht.

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Erfolg beim Studium !

Ihr Verlagsteam

Inhaltsverzeichnis

Titelei

Vorwort

Teil I Grundlagen

1 Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers – ein Überblick

1.1 Geschichtlicher Überblick

1.2 Die Fächer Anatomie und Physiologie

1.2.1 Anatomie

1.2.2 Physiologie

1.3 Kennzeichen und Subsyteme des Lebens

1.4 Richtungsbezeichnungen und Körperachsen

1.4.1 Lage- und Richtungsbezeichnungen

1.4.2 Körperachsen und Körperebenen

1.5 Terminologie und Sprache

1.5.1 Grundbegriffe und Abkürzungen

1.5.2 Organangaben

1.5.3 Vor- und Nachsilben

1.5.4 Messgrößen und ihre Einheiten

2 Chemie und Biochemie

2.1 Einleitung

2.2 Chemische Elemente

2.2.1 Atomaufbau

2.2.2 Periodensystem der Elemente

2.3 Chemische Bindungen

2.3.1 Primärbindungen

2.3.2 Sekundärbindungen

2.4 Chemische Reaktionen

2.4.1 Anabole und katabole Prozesse

2.4.2 Redoxreaktionen

2.5 Wasser, Säuren und Basen

2.5.1 Wasser

2.5.2 Säuren und Basen

2.6 Organische Verbindungen im menschlichen Körper

2.6.1 Kohlenhydrate

2.6.2 Proteine

2.6.3 Lipide

2.6.4 Nukleinsäuren

2.7 Anorganische Verbindungen im menschlichen Körper

3 Physik

3.1 Einleitung

3.2 Druck

3.2.1 Hydrostatischer Druck

3.2.2 Luftdruck und Partialdruck

3.2.3 Auftrieb im Wasser

3.3 Temperatur und Wärme

3.3.1 Temperatur

3.3.2 Wärme

3.4 Aggregatzustand

3.5 Löslichkeit von Gasen

3.6 Diffusion und Osmose

3.6.1 Diffusion

3.6.2 Osmose

3.7 Energie, Arbeit und Leistung

3.8 Kohäsion und Adhäsion

3.8.1 Kohäsion und Oberflächenspannung

3.8.2 Adhäsion und Kapillarwirkung

3.9 Strömungen von Flüssigkeiten und Gasen

3.9.1 Laminare Strömung und Viskosität

3.9.2 Turbulente Strömung

3.10 Elektrischer Strom und elektrisches Potenzial

3.10.1 Stromfluss, Spannung und Widerstand

3.10.2 Elektrisches Potenzial und Membranpotenzial

3.11 Optik

3.11.1 Licht

3.11.2 Streuung, Reflexion und Absorption

3.12 Strahlung

3.12.1 Wellenstrahlung

3.12.2 Teilchenstrahlung

3.12.3 Ionisierende Strahlung

3.13 Schallwellen

4 Biologie

4.1 Einleitung

4.2 Zytologie – die Lehre von der Zelle

4.2.1 Allgemeiner Aufbau der Zelle

4.2.2 Zellorganellen

4.2.3 Zell-Zell-Kontakte

4.2.4 Proteinsynthese

4.2.5 Membrantransport

4.2.6 Vesikeltransport

4.2.7 Zelltod

4.3 Genetik

4.3.1 Chromosomen

4.3.2 Mitose und Meiose

4.3.3 Gene

4.3.4 Die Mendel-Regeln

4.3.5 Erbgänge beim Menschen

4.3.6 Epigenetik

4.4 Vorgeburtliche Entwicklung

4.4.1 Keimphase

4.4.2 Embryonalperiode

4.4.3 Fetalperiode

4.5 Literatur

5 Gewebe im menschlichen Körper

5.1 Prinzipieller Aufbau eines Gewebes

5.2 Epithelgewebe

5.2.1 Aufgaben und Aufbau

5.2.2 Oberflächenepithel

5.2.3 Drüsenepithelien

5.2.4 Sinnesepithelien

5.3 Binde-, Stütz- und Fettgewebe

5.3.1 Aufgaben und Aufbau

5.3.2 Bindegewebe

5.3.3 Stützgewebe

5.3.4 Fettgewebe

5.4 Muskelgewebe

5.4.1 Aufgaben und Aufbau

5.4.2 Quergestreifte Skelettmuskulatur

5.4.3 Quergestreifte Herzmuskulatur

5.4.4 Glatte Muskulatur

5.4.5 Ablauf der Muskelkontraktion

5.5 Nervengewebe

5.5.1 Aufgaben und Aufbau

5.5.2 Neuron

5.5.3 Gliazellen

5.5.4 Nervenfaser

5.5.5 Erregungsleitung

5.6 Literatur

Teil II Anatomie und Physiologie der Organsysteme

6 Herz

6.1 Aufgaben

6.2 Lage, Form und Größe

6.3 Aufbau

6.3.1 Prinzipieller Aufbau

6.3.2 Vorhöfe

6.3.3 Herzkammern

6.3.4 Herzklappen

6.3.5 Weg des Blutes durch das Herz

6.4 Feinbau

6.4.1 Herzwand

6.4.2 Herzbeutel

6.5 Gefäßversorgung und Innervation

6.5.1 Gefäßversorgung

6.5.2 Innervation

6.6 Funktionen

6.6.1 Mechanische Herzaktion

6.6.2 Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem

6.6.3 Ablauf der Kontraktion

6.7 Regulation der Herzleistung

6.7.1 Beeinflussung durch den Frank-Starling-Mechanismus

6.7.2 Einfluss des vegetativen Nervensystems

7 Kreislauf- und Gefäßsystem

7.1 Blutgefäßsystem

7.1.1 Aufgaben

7.1.2 Blutgefäßarten

7.1.3 Feinbau

7.1.4 Mikrozirkulation

7.1.5 Gefäßversorgung und Innervation

7.1.6 Große Arterien des Körperkreislaufs

7.1.7 Große Venen des Körperkreislaufs

7.1.8 Kreislaufsystem

7.1.9 Regulation der Organdurchblutung

7.1.10 Regulation des Blutdrucks

7.2 Lymphgefäßsystem

7.2.1 Aufgaben

7.2.2 Lymphgefäßarten

7.2.3 Feinbau

7.3 Literatur

8 Atmungssystem

8.1 Aufgaben und Aufbau des Atmungssystems

8.2 Brustfellhöhle und Mediastinum

8.2.1 Brustfellhöhlen

8.2.2 Mediastinum

8.3 Nase, Nasen- und Nasennebenhöhlen

8.3.1 Aufgaben

8.3.2 Lage, Form und Größe

8.3.3 Aufbau

8.3.4 Feinbau

8.3.5 Funktionen

8.4 Rachen

8.4.1 Aufgaben

8.4.2 Lage, Form und Größe

8.4.3 Aufbau

8.4.4 Feinbau

8.4.5 Funktionen

8.5 Kehlkopf

8.5.1 Aufgaben

8.5.2 Lage, Form und Größe

8.5.3 Aufbau

8.5.4 Feinbau

8.5.5 Funktionen

8.6 Luftröhre und Bronchien

8.6.1 Aufgaben

8.6.2 Lage, Form und Größe

8.6.3 Aufbau

8.6.4 Feinbau

8.6.5 Funktionen

8.7 Lunge

8.7.1 Aufgaben

8.7.2 Lage, Form und Größe

8.7.3 Aufbau

8.7.4 Feinbau

8.8 Atemmechanik

8.8.1 Einatmung

8.8.2 Ausatmung

8.8.3 Atemvolumina

8.9 Gasaustausch und Transport der Atemgase

8.9.1 Gasaustausch

8.9.2 Ventilation und Perfusion

8.9.3 Atemgastransport im Blut

8.9.4 Regulation der Atmung

9 Verdauungssystem

9.1 Aufgaben und Aufbau des Verdauungssystems

9.2 Bauch- und Beckenhöhle

9.2.1 Bauchfellhöhle

9.2.2 Gekröse

9.2.3 Großes und kleines Netz

9.2.4 Retroperitonealraum

9.3 Allgemeiner Wandbau des Verdauungssystems

9.4 Mundhöhle und Speicheldrüsen

9.4.1 Übersicht

9.4.2 Speicheldrüsen

9.4.3 Zunge

9.4.4 Zähne

9.4.5 Gaumen

9.5 Speiseröhre

9.5.1 Aufgaben

9.5.2 Lage und Aufbau

9.5.3 Feinbau

9.5.4 Funktionen

9.6 Magen

9.6.1 Aufgaben

9.6.2 Lage, Form und Größe

9.6.3 Aufbau

9.6.4 Feinbau

9.6.5 Magendrüsen

9.6.6 Funktionen

9.7 Dünndarm

9.7.1 Aufgaben

9.7.2 Lage, Aufbau und Feinbau

9.7.3 Funktionen

9.8 Dickdarm

9.8.1 Aufgaben

9.8.2 Lage, Aufbau und Feinbau

9.8.3 Innervation

9.8.4 Funktionen

9.9 Bauchspeicheldrüse

9.9.1 Aufgaben

9.9.2 Lage, Form, Größe und Aufbau

9.9.3 Feinbau

9.9.4 Funktionen

9.10 Leber

9.10.1 Aufgaben

9.10.2 Lage, Form, Größe und Aufbau

9.10.3 Feinbau

9.10.4 Funktionen

9.11 Gallenblase

9.11.1 Aufgaben

9.11.2 Lage, Form, Größe und Aufbau

9.11.3 Feinbau

9.11.4 Funktionen

9.12 Verdauung

9.12.1 Kohlenhydratverdauung

9.12.2 Eiweißverdauung

9.12.3 Fettverdauung

9.13 Ernährung

9.13.1 Bestandteile der Nahrung

9.13.2 Energiebedarf

9.13.3 Flüssigkeitsbedarf

9.13.4 Hunger und Sättigung

10 Niere und ableitende Harnwege, Wasser- und Elektrolythaushalt

10.1 Nieren

10.1.1 Aufgaben

10.1.2 Lage, Form und Größe

10.1.3 Aufbau

10.1.4 Feinbau

10.1.5 Gefäßversorgung und Innervation

10.1.6 Funktionen

10.2 Ableitende Harnwege

10.2.1 Aufgaben

10.2.2 Nierenbecken und Harnleiter

10.2.3 Harnblase

10.2.4 Harnröhre

10.2.5 Harnblasenentleerung

10.3 Wasser- und Elektrolythaushalt

10.3.1 Wasserräume und Wasserverteilung

10.3.2 Osmolalität im Extra- und Intrazellularraum

10.3.3 Wichtige Elektrolyte

10.3.4 Regulationsmechanismen

10.3.5 Wasserbilanz

10.4 Säure-Basen-Haushalt

11 Hormonsystem

11.1 Einteilung und Wirkungsweise der Hormone

11.1.1 Klassische Hormone

11.1.2 Hormone im weiteren Sinne

11.1.3 Chemische Einteilung der Hormone

11.1.4 Hormonrezeptoren

11.1.5 Wirkdauer und Abbau

11.2 Steuerung der Hormonbildung

11.2.1 Hypothalamus-Hypophysen-Achse

11.2.2 Negative Rückkopplung

11.3 Endokrine Organe und Gewebe

11.3.1 Hypothalamus

11.3.2 Hypophyse

11.3.3 Epiphyse

11.3.4 Schilddrüse

11.3.5 Nebenschilddrüsen

11.3.6 Nebennieren

11.3.7 Inselorgan der Bauchspeicheldrüse

11.3.8 Ovarien, Hoden und Plazenta

11.3.9 Hormonbedingte Veränderungen in der Schwangerschaft

11.3.10 Uterus

11.3.11 Vagina und Vulva

11.3.12 Herz-Kreislauf-Blut-System

11.3.13 Blut und Blutgefäße

11.3.14 Herz und Kreislauf

11.3.15 Lunge und Atemwege

11.3.16 Nieren und Harnwege

11.3.17 Verdauungstrakt

11.3.18 Stoffwechsel und Leber

11.3.19 Körpergewicht und Körperform

11.3.20 Skelett und Muskulatur

11.3.21 Haut

11.3.22 Brüste

11.3.23 Fettgewebe

11.3.24 Psychisches Befinden in der Schwangerschaft

12 Blut und Immunsystem

12.1 Blut

12.1.1 Aufgaben

12.1.2 Blutvolumen

12.1.3 Zusammensetzung des Blutes

12.1.4 Bildung und Abbau der Blutzellen

12.1.5 Blutgerinnungssystem

12.2 Immunsystem

12.2.1 Aufgaben

12.2.2 Aufbau

12.2.3 Ablauf der Immunantwort

12.3 Lymphatische Organe

12.3.1 Knochenmark

12.3.2 Thymus

12.3.3 Lymphknoten

12.3.4 Milz

12.3.5 MALT

12.4 Impfungen

12.5 Entzündung

12.6 Literatur

13 Bewegungssystem

13.1 Aufgaben und Aufbau des Bewegungssystems

13.2 Skelettsystem

13.2.1 Knochen

13.2.2 Knorpel

13.2.3 Gelenke

13.2.4 Sehnen

13.3 Skelettmuskulatur

13.3.1 Aufgaben

13.3.2 Aufbau

13.3.3 Aufbau

13.3.4 Gefäßversorgung und Innervation

13.3.5 Funktionen

13.3.6 Muskelstoffwechsel

13.3.7 Muskeldurchblutung

13.4 Knochen, Gelenke und Muskeln des Kopfes

13.4.1 Schädel

13.4.2 Zungenbein

13.4.3 Gelenke des Kopfes

13.4.4 Muskeln des Kopfes

13.5 Knochen, Gelenke und Muskeln des Halses

13.5.1 Halswirbel und Gelenke des Halses

13.5.2 Muskulatur des Halses

13.6 Knochen, Gelenke und Muskeln des Rumpfes

13.6.1 Wirbelsäule

13.6.2 Brustkorb

13.6.3 Becken

13.6.4 Rumpfmuskulatur

13.7 Knochen, Gelenke und Muskeln der oberen Gliedmaße

13.7.1 Knochen von Arm und Schultergürtel

13.7.2 Gelenke und Bänder von Arm und Schultergürtel

13.7.3 Schulter- und Armmuskeln

13.8 Knochen, Gelenke und Muskeln der unteren Gliedmaße

13.8.1 Knochen des Beins

13.8.2 Gelenke und Bänder der Hüfte und des Beins

13.8.3 Hüft- und Beinmuskeln

13.8.4 Innervation der unteren Gliedmaße

13.9 Anfassen erlaubt!

14 Nervensystem

14.1 Aufgaben

14.2 Gliederung des Nervensystems

14.3 Zentrales Nervensystem (ZNS)

14.3.1 Aufgaben

14.3.2 Lage, Form und Größe

14.3.3 Aufbau des ZNS

14.3.4 Feinbau von Gehirn und Rückenmark

14.3.5 Gefäßversorgung und Innervation

14.3.6 Gehirnstoffwechsel

14.4 Peripheres Nervensystem (PNS)

14.4.1 Aufgaben

14.4.2 Aufbau des PNS

14.4.3 Feinbau des PNS

14.5 Autonomes Nervensystem

14.5.1 Aufgaben

14.5.2 Aufbau

14.6 Somatisches Nervensystem

14.6.1 Aufgaben

14.6.2 Aufbau

14.6.3 Reflexe

14.7 Übergeordnete Funktionen des ZNS

14.7.1 Körpertemperatur

14.7.2 Schmerz

14.7.3 Schlaf

14.7.4 Tag-Nacht-Rhythmus

14.7.5 Gedächtnis und Lernen

15 Sinnesorgane

15.1 Aufgaben

15.2 Sinneszellen und Rezeptoren

15.2.1 Rezeptoren

15.3 Auge

15.3.1 Aufgaben

15.3.2 Lage, Form und Größe

15.3.3 Aufbau und Feinbau

15.3.4 Funktionen

15.4 Ohr

15.4.1 Aufgaben

15.4.2 Lage, Aufbau und Feinbau

15.4.3 Funktionen

15.5 Geschmackssinn

15.5.1 Aufgaben

15.5.2 Lage, Aufbau und Feinbau

15.6 Geruchssinn

15.6.1 Aufgaben

15.6.2 Lage, Aufbau und Feinbau

15.6.3 Funktion

15.7 Tast- und Berührungssinn

15.7.1 Aufgaben

15.7.2 Lage, Aufbau und Feinbau

15.7.3 Funktion

15.8 Temperatursinn

15.9 Schmerzwahrnehmung

15.10 Tiefensensibilität

16 Haut, Haare und Nägel

16.1 Haut

16.1.1 Aufgaben

16.1.2 Größe, Dicke und Gewicht

16.1.3 Aufbau

16.1.4 Feinbau

16.1.5 Hautfarbe

16.1.6 Funktionen

16.2 Haare

16.2.1 Aufgaben

16.2.2 Vorkommen und Länge

16.2.3 Aufbau

16.2.4 Feinbau

16.2.5 Entwicklung und Wachstum

16.2.6 Funktionen

16.3 Nägel

16.3.1 Aufgaben und Funktion

16.3.2 Aufbau und Wachstum

16.4 Hautdrüsen

16.4.1 Talgdrüsen

16.4.2 Schweißdrüsen

16.4.3 Duftdrüsen

17 Geschlechtsorgane

17.1 Geschlechtsmerkmale

17.2 Weibliche Geschlechtsorgane

17.2.1 Vulva

17.2.2 Vagina (Scheide)

17.2.3 Uterus (Gebärmutter)

17.2.4 Ovarien

17.2.5 Follikelreifung

17.2.6 Ovidukt (Eileiter)

17.2.7 Weibliche Brust

17.2.8 Feinbau eines Drüsensegmentes

17.2.9 Menstruationszyklus

17.2.10 Sexuelle Erregung bei der Frau

17.3 Männliche Geschlechtsorgane

17.3.1 Penis

17.3.2 Hoden und Hodensack

17.3.3 Nebenhoden

17.3.4 Samenleiter und Harnsamenröhre

17.3.5 Akzessorische Geschlechtsdrüsen

17.3.6 Sexuelle Erregung beim Mann und Ejakulation

17.4 Literatur

Teil III Heranwachsen und Altern

18 Kindliche Entwicklung

18.1 Einleitung

18.2 Neugeborenenperiode und Säuglingsalter

18.3 Kleinkindalter

18.4 Kindesalter

18.5 Jugendalter

18.6 Entwicklung der Organe

18.6.1 Herz-Kreislauf-System

18.6.2 Atmungssystem

18.6.3 Verdauungssystem

18.6.4 Harnsystem und Wasserhaushalt

18.6.5 Blut und Immunsystem

18.6.6 Nervensystem

18.6.7 Sinnesorgane

18.6.8 Geschlechtsorgane

19 Physiologie des Alterns

19.1 Jung oder Alt?

19.2 Alter und Altern

19.3 Alterstheorien

19.4 Veränderungen der Organsysteme im Alter

19.4.1 Herz-Kreislauf-System

19.4.2 Atmungssystem

19.4.3 Verdauungssystem

19.4.4 Niere und Harnsystem

19.4.5 Wasserhaushalt

19.4.6 Hormonsystem

19.4.7 Blut- und Immunsystem

19.4.8 Bewegungssystem

19.4.9 Nervensystem

19.4.10 Sinnesorgane

19.4.11 Haut, Haare und Nägel

19.4.12 Geschlechtsorgane

19.4.13 Literatur

Teil IV Anatomie in vivo

20 Einführung

20.1 Palpation allgemein

20.2 Spezielle Palpationstechniken

21 Spezielle Körperregionen und -strukturen

21.1 Becken

21.2 Wirbelsäule

21.3 Brustkorb

21.4 Bauch und Unterbauch

21.5 Organsystem

21.6 Beckenboden

21.7 Gefäßsystem

21.8 Nervensystem

21.9 Literatur

22 Die Beweglichkeit des Beckens und dessen Einflüsse auf Schwangerschaft und Geburt

22.1 Einführung

22.2 Die allgemeine Untersuchung

22.2.1 Die Anamnese

22.2.2 Allgemeine Tests für das parietale System

22.3 Die geburtsrelevanten Gelenke

22.3.1 Die Symphyse

22.3.2 Die Iliosakralgelenke (ISG)

22.3.3 Das Sacrococcygialgelenk

22.3.4 Hüftgelenke

22.4 Die thoracolumbale Faszie

22.5 Die wichtigsten Ligamente

22.5.1 Lig. Sacrotuberale und Lig. Sacrospinale

22.5.2 Lig. Sacrouterinum

22.6 Die Muskeln, die das Baby bei der Geburtsbewegung unterstützen

22.6.1 M. psoas major

22.6.2 M. piriformis

22.6.3 Beckenbodenmuskulatur

22.7 Schlussbemerkung

22.8 Literatur

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum/Access Code

Teil I Grundlagen

1 Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers – ein Überblick

2 Chemie und Biochemie

3 Physik

4 Biologie

5 Gewebe im menschlichen Körper

1 Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers – ein Überblick

1.1 Geschichtlicher Überblick

Seit der Antike beschäftigen sich die Menschen mit der Lehre vom Aufbau von Organismen – weshalb die Anatomie als eine der ältesten Naturwissenschaften gilt. Das Wort „Anatomie“ leitet sich aus dem Griechischen ab: ἀνατέμνειν („anatemnein“) bedeutet übersetzt so viel wie „zerschneiden“ oder „zergliedern“. Doch dieses „Zerschneiden“ war – zumindest was den menschlichen Körper anbelangt – in früheren Zeiten keineswegs so selbstverständlich wie heute. Die Ehrfurcht vor den Toten, kulturelle und religiöse Vorbehalte ließen die Wissenschaftler lange vor der Eröffnung eines Leichnams, einer Sektion, zurückschrecken. Zeitweise waren Sektionen auch ausdrücklich verboten. Man behalf sich, indem man Tierkörper sezierte und aus dem, was bei Menschen durch Wunden sichtbar wurde, auf die weiteren Strukturen im Körper schloss.

Auch wenn sein Interesse nicht in erster Linie der Anatomie galt, darf in diesem Zusammenhang der Arzt Hippokrates von Kos (ca. 460 bis ca. 370 v.Chr.) nicht unerwähnt bleiben. Er gilt als der Vater der modernen Medizin, da er als Erster die Patienten, ihre Symptome und ihre Lebenssituation genau beobachtete, um daraus die geeignete Therapie abzuleiten. Bis dahin waren Erkrankungen durch religiöse oder magische Phänomene erklärt und nicht von Ärzten, sondern von Priestern oder Heilern behandelt worden. Hippokrates wurde schon zu Lebzeiten verehrt und gab sein Wissen in Briefen an seine Kollegen weiter. Außerdem gründete er in Kos die erste Ärzteschule, wodurch er die Medizin in den Stand einer Wissenschaft erhob. Er gilt als Begründer der Viersäftelehre, die von den Symptomen ausgehend auf ein Ungleichgewicht zwischen den 4 „Säften“ Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle schloss. Diesem Ungleichgewicht sollte mit Medikamenten, Diäten und einer Verbesserung des Lebenswandels begegnet werden. Zu den weiteren therapeutischen Maßnahmen zählten z.B. der Aderlass und das Schröpfen. Sein Konzept der Viersäftelehre hatte bis ins 19. Jahrhundert Bestand. Erst dann setzte sich die Idee durch, dass Krankheiten durch Störungen der Zellfunktionen hervorgerufen werden. Doch auch wenn seine Viersäftelehre inzwischen in den Hintergrund getreten ist, gelten viele der von Hippokrates begründeten Prinzipien noch heute für Mediziner: die Schweigepflicht, die Pflicht zur genauen Beobachtung, Befragung und Untersuchung des Patienten, die Pflicht zu körperlicher und geistiger Hygiene und eine hohe ethische Verantwortung für das eigene Tun. Noch heute schwören angehende Ärzte den „Eid des Hippokrates“, der nach dem berühmten Arzt der Antike benannt ist und viele dieser Grundprinzipien enthält.

Bald nach dem Wirken des Hippokrates gelang der Anatomie im 3. Jahrhundert v. Chr. ihr Durchbruch: Unter der Herrschaft Ptolemaios des Ersten entwickelte sich die ägyptische Hafenstadt Alexandria zu einem Bildungszentrum, dessen Lehre als alexandrinische Schule bekannt wurde. Hier wurde auch zu medizinischen Themen geforscht. In diesem wissenschaftlichen Umfeld fand die erste belegte Sektion eines Menschen statt. Herophilus von Chalkedon und Erasistratos von Keos öffneten den Leichnam eines Hingerichteten, um dessen Organe zu untersuchen. Nach dem Tod der beiden fand sich allerdings kein Nachfolger, der die Anatomie gegen die noch immer bestehenden Vorbehalte gegenüber dem Öffnen Verstorbener mit derselben Leidenschaft vorantrieb. So dümpelte die neue Wissenschaft in den nächsten Jahrhunderten auf mehr oder weniger demselben Wissensstand vor sich hin.

Rund 400 Jahre später, im 2. Jahrhundert nach Christus, verfasste der griechische Arzt Galenos von Pergamon (deutsch: Galen) sein aus 14 Büchern bestehendes Hauptwerk „Methodus medendi“, das sich zum frühen Standardwerk der medizinischen Literatur entwickelte. Darin fasste er das gesamte medizinische Wissen der damaligen Zeit zusammen. Dies war kein leichtes Unterfangen, denn die Medizin war damals von 2 unterschiedlichen Strömungen geprägt: Die eine folgte der Viersäftelehre des Hippokrates, die andere verstand Krankheiten und ihre Symptome als Folgen anatomischer Veränderungen. Galen betrieb auch zahlreiche anatomische Studien. Da in Rom, wo er praktizierte, Körperöffnungen am Menschen untersagt waren, musste er auf Schweine, Affen und Hunde ausweichen. Bei seiner Tätigkeit als Gladiatorenarzt sah er außerdem zahlreiche, auch schwere Wunden, die ihm Einblicke in den Verlauf von Muskeln und Sehnen sowie den Aufbau von Gelenken gaben. Die Erkenntnisse, die er durch die Sektionen gewann, übertrug er auf den Menschen und hielt sie in zahlreichen Schriften fest („Corpus galenicum“). Dabei machte er allerdings nicht deutlich, dass er nie einen Menschen seziert hatte und sein Werk daher größtenteils auf Annahmen beruhte. Diese Schriften dienten über 1000 Jahre als Grundlagen der anatomischen Lehre und galten als unantastbar wahr – auch wenn viele seiner Annahmen sich später als falsch erweisen sollten. Nach Galen ist übrigens die Galenik, die Lehre der Herstellung von Arzneimitteln, benannt.

Auch das gesamte Mittelalter hindurch folgte man Galens Lehre und hinterfragte sie nicht. Dies wurde dadurch begünstigt, dass die Medizinstudenten der damaligen Zeit nicht – wie heute üblich – selber anatomische Präparationen vornehmen durften. Sie schauten vielmehr ihrem Lehrer zu, der die Schnitte ausführte und das Gesehene im Sinne Galens interpretierte. Abweichungen von Galens Lehre wurden – sofern sie überhaupt bemerkt wurden – als Missbildungen abgetan. Die Sektionen weckten nach und nach auch die Sensationsgier der Bevölkerung, sodass sie zu Beginn des 14. Jahrhunderts öffentlich wurden und die Schaulust eines zahlenden Publikums bedienten.

Im 16. Jahrhundert schließlich hatte die kritiklose Anerkennung von Galens Schriften ein Ende: Der flämische Medizinstudent Andreas Vesalius wollte – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – nicht glauben, dass es sich bei den zahlreichen anatomischen Strukturen, die von Galens Lehre abwichen, um Missbildungen handele. So verschaffte er sich Möglichkeiten, Sektionen am Menschen vorzunehmen. Am Ende seiner Bemühungen standen 2 große Erfolge: In Bologna führte er 1540 erstmals eine öffentliche Sektion in einem eigens dafür errichteten Anatomischen Theater durch und 1543 veröffentlichte er mit „Vesals Anatomie“ ein erstes umfassendes anatomisches Werk („Vom Bau des menschlichen Körpers“), das – im Gegensatz zu Galens Schriften – auf Sektionen des Menschen fußte. Dieses revolutionierte die bestehenden wissenschaftlichen Ansätze derart, dass Vesalius als Begründer der modernen Anatomie angesehen werden kann.

In den folgenden Jahrhunderten führten zahlreiche Anatomen Vesalius’ Werk fort. Im Zuge dessen entwickelte sich auch die Präparierkunst weiter. Bereits im 18. Jahrhundert entstanden Ganzkörperpräparate von Menschen und Tieren. Einen weiteren Fortschritt bedeutete die Verwendung von Formaldehyd zur Haltbarmachung von Organpräparaten. Je weiter sich die anatomische Forschung entwickelte, desto weniger Neues gab es zu entdecken – zumindest mit bloßem Auge. Da kam es gerade recht, dass im 19. Jahrhundert das Mikroskop so weit entwickelt war, dass sich damit der Körper auch auf Zellebene untersuchen ließ. Die mikroskopische Anatomie war geboren. Etwa um dieselbe Zeit spaltete sich die klassische Anatomie, wie sie bisher existiert hatte, in die Unterdisziplinen Anatomie und Physiologie auf, die seither als selbstständige Wissenschaften nebeneinander existieren.

1.2 Die Fächer Anatomie und Physiologie

1.2.1 Anatomie

Das Fach Anatomie umfasst die Teildisziplinen der makroskopischen Anatomie, der mikroskopischen Anatomie und der Embryologie. Alle 3 Teildisziplinen sind gleichermaßen wichtig, um ein möglichst vollständiges Verständnis des menschlichen Körpers zu gewinnen. Auch aus diesem Grund ist das Lehrfach Anatomie in der heutigen Ausbildung von jungen Mediziner*innen sowie Hebammen und Beschäftigten in Gesundheitsberufen immer noch stark repräsentiert.

Ohne zu wissen, wie Gesundes aussieht, kann man Krankes nicht erkennen.

Makroskopische Anatomie Sie beschäftigt sich mit allen Dingen des Körpers, die so groß sind, dass man sie mit bloßem Auge (oder mit einer Lupe) erkennen kann. Dabei betrachtet man den Körper nicht nur von außen, sondern setzt gezielte Schnitte, um auch innere Strukturen und Organe beurteilen zu können. In der makroskopischen Anatomie gibt es unterschiedliche Herangehensweisen:

In der beschreibenden Anatomie (der deskriptiven Anatomie) wird das Erscheinungsbild von Körper und Organen beschrieben (Form, Größe, Farbe usw.).

Die systematische Anatomie fasst Organe, die von ihrer Funktion her miteinander zusammenhängen, zu Organ- oder funktionalen Systemen (z.B. dem Nervensystem mit Gehirn, Rückenmark und Nerven) zusammen.

In der topografischen Anatomie spielen die Lagebeziehungen verschiedener Strukturen zueinander die wesentliche Rolle.

Die vergleichende Anatomie betrachtet dieselben anatomischen Strukturen beispielsweise an verschiedenen Tierarten und sucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Mikroskopische Anatomie Sie beschäftigt sich mit solchen Strukturen, für deren Betrachtung ein Mikroskop benötigt wird – also in erster Linie Gewebe und Zellen. Auch hier müssen spezielle Schnitte angefertigt oder Zellen gewonnen werden, die dann auf einem Objektträger unter dem Mikroskop betrachtet werden. Man kann zwischen der Zytologie (Lehre von den Zellen) und der Histologie (Lehre vom Gewebe) unterscheiden.

Embryologie Sie beschäftigt sich mit der Entstehung der anatomischen Strukturen während der Embryonalentwicklung.

1.2.2 Physiologie

Die Physiologie ist die Lehre von den natürlichen Lebensvorgängen. Sie untersucht die biochemischen und physikalischen Prozesse in den Zellen und Geweben von Lebewesen. Damit stellt sich die Physiologie des Menschen die Frage, wie der Körper funktioniert, wie die Stoffwechselvorgänge in unserem Körper ablaufen und wie sie miteinander zusammenhängen. Die Physiologie steht in enger Beziehung zur Anatomie, ist aber auch sehr stark mit der Biochemie verknüpft.

Merke

„Physiologisch“

Wird in der Medizin der Begriff „physiologisch“ verwendet, ist damit der „Normalzustand“ von Geweben und Organen gemeint und damit der Zustand beim Gesunden. Das Gegenteil von „physiologisch“ ist „pathologisch“.

1.3 Kennzeichen und Subsyteme des Lebens

Die Kennzeichen des Lebens sind:

Lebewesen sind in der Lage, ihre Umwelt wahrzunehmen und auf diese zu reagieren.

Lebewesen können ihre Spezies durch Fortpflanzung vermehren.

Lebewesen müssen über einen eigenen Stoffwechsel verfügen, der ihr Überleben sichert und sie bis zu einem gewissen Grad unabhängig von äußeren Einflüssen macht.

Lebewesen sind in der Lage, sich zu entwickeln und zu wachsen – und dies aufgrund ihres Stoffwechsels oder als Reaktion auf äußere Einflüsse.

Lebewesen können sich selbst aktiv bewegen oder zeigen zumindest innerhalb ihres Körpers Bewegungen (z.B. Zilienschlag).

Die Zusammensetzung eines Körpers kann man auf verschiedenen Ebenen betrachten:

Atome und Moleküle Die kleinste Einheit und damit die Grundbausteine jeder Materie sind die ▶ Atome. Verbinden sich einzelne Atome, entstehen Moleküle. Betrachtet man Lebewesen, kommt solchen Molekülen eine besondere Bedeutung zu, die ein oder mehrere Kohlenstoff-Atome enthalten. Sie werden als organische Verbindungen bezeichnet. Hierzu zählen die Eiweiße (Proteine), die Zucker (Kohlenhydrate), die Fette (Lipide) und die Nukleinsäuren. Sie bilden die wichtigsten Bausteine der nächstgrößeren Einheit, nämlich der Zellen.

Zellen Die Zelle ist die kleinste Einheit des ▶ belebten Organismus. Je nachdem, wie die jeweilige Zelle aufgebaut ist, erfüllt sie im Körper eine bestimmte Aufgabe. So unterscheidet man u.a. Muskel-, Nerven-, Knochen- und Leberzellen. Um ihrer Aufgabe nachkommen zu können, enthalten die Zellen verschiedene „Zellorgane“ (Organellen). Diese Zellorganellen, zu denen u.a. der Zellkern, die Mitochondrien und der Golgi-Apparat zählen, dienen z. B. der Bereitstellung von Energie oder der Weiterverarbeitung aufgenommener Nährstoffe.

Gewebe und Organe Spezialisierte Zellen schließen sich mit gleichartigen Zellen zu Zellverbänden zusammen, wodurch ▶ Gewebe entstehen. Funktionell einheitliche Gewebe bilden – meist zusammen mit Stützgeweben – die Organe.

Organsysteme Organe mit verwandten Funktionen lassen sich zu Organsystemen zusammenfassen. Beispiele hierfür sind:

Herz-Kreislauf-System (Herz, Lunge, Blutgefäße)

Atmungssystem (Nase, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien, Lunge)

Verdauungssystem (Magen, Dünn-/Dickdarm, Pankreas, Gallenblase)

Nervensystem (Gehirn und Rückenmark, periphere Nerven, autonomes Nervensystem)

1.4 Richtungsbezeichnungen und Körperachsen

Zur genauen Bezeichnung von Strukturen und ihrer Lage im Körper haben sich im medizinischen Sprachgebrauch bestimmte Bezeichnungen durchgesetzt, die überwiegend aus dem Lateinischen stammen. Diese Grundbegriffe sollte man sich unbedingt einprägen, denn sie dienen auch dazu, die Lage von Veränderungen unmissverständlich zu beschreiben. Sagt man z.B.: „Das Brustbein liegt vor dem Herzen“, stimmt dies schon nicht mehr, sobald sich der Mensch auf den Rücken legt. Dann wird aus dem „vor“ ein „über“. Ein „ventral“ (in Richtung Bauch gelegen) bleibt dagegen immer ein „ventral“, egal ob der Mensch steht, sitzt, auf dem Bauch oder auf dem Rücken liegt. Es ist klar definiert.

1.4.1 Lage- und Richtungsbezeichnungen

In ▶ Tab. 1.1  haben wir die gängigsten Bezeichnungen mit ihren Bedeutungen aufgelistet und sie in ▶ Abb. 1.1 am Menschen eingezeichnet.

Noch ein Hinweis zu den unterschiedlichen Endungen, die die lateinischen Begriffe haben können: Wie im Deutschen gibt es auch im Lateinischen 3 grammatische Geschlechter, an die sich die Endung der Lage- und Richtungsbezeichnung anpasst:

männlich: endet häufig auf -us, z.B. Ventriculus (Herzkammer)

sächlich: endet häufig auf -um, z.B. Atrium (Vorhof)

weiblich: endet häufig auf -a, z.B. Arteria (Arterie)

Am Beispiel für rechts (dexter) und links (sinister) wird das deutlich:

Ventriculus dexter (rechter Ventrikel), Ventriculus sinister (linker Ventrikel)

Atrium dextrum (rechter Vorhof), Atrium sinistrum (linker Vorhof)

Arteria coronaria dextra (rechte Herzkranzarterie), Arteria coronaria sinistra (linke Herzkranzarterie)

ACHTUNG

Die Seitenangaben „rechts“ (dexter) und „links“ (sinister) gelten immer aus Sicht des zu behandelnden Menschen!

Lage- und Richtungsbezeichnungen.

Abb. 1.1

(Quelle: Schwegler J, Lucius R. Der Mensch, Anatomie und Physiologie. Stuttgart: Thieme; 2016.)

Tab. 1.1 

Wichtige Lage- und Richtungsbezeichnungen (angegeben ist jeweils die männliche Form).

Gebiet

Bezeichnung

abgeleitet von

Bedeutung

Beispiel

„vorn“ und „hinten“

Rumpf

ventral

Venter (Bauch)

vorn, am Bauch/zur Bauchseite hin gelegen

Ventralflexion (Vorbeugen des Oberkörpers)

dorsal

Dorsum (Rücken)

hinten, am Rücken/zum Rücken hin gelegen

Dorsalflexion (Rückbeugen des Oberkörpers)

Kopf

frontal

Os frontale (Stirnbein)

vorn, an der Stirn/zur Stirn hin gelegen

Lobus frontalis (Stirnlappen des Gehirns)

okzipital

Os occipitale (Hinterhauptsbein)

hinten, am Hinterhaupt/zum Hinterhaupt hin gelegen

Lobus occipitalis (Hinterhauptslappen des Gehirns)

Unterarm und Hand

radial

Radius (Speiche)

an der Speiche/zur Speiche hin gelegen

Musculus flexor carpi radialis (speichenseitig gelegener Handgelenkbeuger)

ulnar

Ulna (Elle)

an der Elle/zur Elle hin gelegen

Musculus flexor carpi ulnaris (ellenseitig gelegener Handgelenkbeuger)

Hand

dorsal

Dorsum manus (Handrücken)

am Handrücken/zum Handrücken hin gelegen

Dorsalextension (Abwinkeln der Hand in Richtung Handrücken)

palmar

Palma manus (Handfläche)

an der Handfläche/zur Handfläche hin gelegen

Musculus palmaris brevis (kurzer Handflächenmuskel)

Unterschenkel

tibial

Tibia (Schienbein)

am Schienbein/zum Schienbein hin gelegen

Musculus tibialis posterior (hinterer Schienbeinmuskel)

fibular

Fibula (Wadenbein)

am Wadenbein/zum Wadenbein hin gelegen

Musculus fibularis longus (langer Wadenbeinmuskel)

Fuß

dorsal

Dorsum pedis (Fußrücken)

am Fußrücken/zum Fußrücken hin gelegen

Arteria dorsalis pedis (Fußrückenarterie)

plantar

Planta pedis (Fußsohle)

an der Fußsohle/zur Fußsohle hin gelegen

Plantarflexion (Absenken der Fußspitze)

Lagebeziehung von Strukturen untereinander

anterior

vorn, vorderer

Ligamentum cruciatum anterius (vorderes Kreuzband)

posterior

hinten, hinterer

Ligamentum cruciatum posterius (hinteres Kreuzband)

„oben“ und „unten“

Rumpf

kranial

Cranium (Schädel)

nach oben, kopfwärts

Kranialfläche des Wirbelkörpers („obere“ Seite des Wirbelkörpers)

kaudal

Cauda (Schwanz)

nach unten, steiß- bzw. fußwärts

Kaudalfläche des Wirbelkörpers („untere Fläche des Wirbelkörpers)

Gliedmaßen

proximal

rumpfnah, zum Rumpf hin gelegen

Phalanx proximalis (Fingergrundglied)

distal

rumpffern, vom Rumpf weg gelegen

Phalanx distalis (Fingerendglied)

Lagebeziehung von Strukturen untereinander

inferior

unterer, untenliegend

Vena cava inferior (untere Hohlvene)

superior

oberer, obenliegend

Vena cava superior (obere Hohlvene)

„außen“, „innen“, „mittig“

Lagebeziehung von Strukturen untereinander

lateralis

seitlich, außen

Meniscus lateralis (äußerer Meniskus)

medialis

innen, zur Mitte hin

Meniscus medialis (innerer Meniskus)

medius

mittlere(r), zwischen zwei anderen

Musculus gluteus medius (mittlerer Gesäßmuskel)

median

in der Körpermitte

Sutura palatina mediana (mittlere Gaumennaht)

externus

außen, an der Oberfläche/zur Oberfläche hin gelegen

Musculus obliquus abdominis externus (äußerer schräger Bauchmuskel)

internus

innen, im Körper/zum Körperinneren hin gelegen

Musculus obliquus abdominis internus (innerer schräger Bauchmuskel)

profundus

tief

Musculus flexor digitorum profundus (tief gelegener Fingerbeuger)

superficialis

oberflächlich

Musculus flexor digitorum superficialis (oberflächlich gelegener Fingerbeuger)

Verlauf

Richtung

ascendens

aufsteigend

Aorta ascendens (aufsteigender Teil der Hauptschlagader)

descendens

absteigend

Aorta descendens (absteigender Teil der Hauptschlagader)

longitudinalis

in Längsrichtung

Fissura longitudinalis cerebri (Einschnitt zwischen den beiden Großhirnhälften)

Größe

im Vergleich

maximus

der Größte

Musculus gluteus maximus (großer Gesäßmuskel)

minimus

der Kleinste

Musculus gluteus minimus (kleiner Gesäßmuskel)

longus

lang

Musculus fibularis longus (langer Wadenbeinmuskel)

brevis

kurz

Musculus fibularis brevis (kurzer Wadenbeinmuskel)

1.4.2 Körperachsen und Körperebenen

Zusätzlich zu den Richtungsbezeichnungen spielen – besonders bei bildgebenden Verfahren wie CT oder MRT – auch die Körperebenen und -achsen ( ▶ Abb. 1.2) eine Rolle.

Man unterscheidet 3 Hauptebenen:

Frontalebene: Sie entspricht der Ebene, die entsteht, wenn man sich die flache Hand vor die Augen hält.

Transversalebene: Sie entspricht der Ebene, die entsteht, wenn man die Hand waagerecht an die Stirn legt, und wird auch als Horizontalebene bezeichnet.

Sagittalebene: Sie entspricht der Ebene, die entsteht, wenn man die senkrecht gehaltene Hand zwischen den Augen auf die Nase legt. Befindet sie sich genau in der Mitte des Körpers (trennt sie den Körper also in 2 gleiche Hälften), spricht man von der Medianebene. Die Sagittalebene dagegen kann auch rechts oder links der Mitte durch den Körper gelegt werden.

Zusätzlich gibt es 3 Hauptachsen, die jeweils senkrecht aufeinander stehen:

Longitudinalachse (Längsachse): Sie verläuft von kranial nach kaudal und umgekehrt.

Transversalachse (Querachse): Sie verläuft von rechts nach links und umgekehrt.

Sagittalachse (Pfeilachse): Sie verläuft von ventral nach dorsal und umgekehrt.

Diagnostik

Ebenen in der medizinischen Bildgebung

Neben diesen anatomischen Ebenen werden Ihnen in der medizinischen Diagnostik auch weitere Begriffe unterkommen, dies gilt insbesondere für die Aufnahmetechnik bei einer Computertomografie oder Magnetresonanztomografie. Hier können folgende Aufnahmen angefertigt werden:

sagittale Aufnahme: in der Sagittalebene

axiale Aufnahme: in der Transversalebene

koronare Aufnahme: in der Frontalebene

Körperebenen und -achsen.

Abb. 1.2 Die Körperebenen müssen nicht, wie hier dargestellt, die Körpermitte schneiden. Sie können auch weiter kranial oder weiter kaudal (Transversalebene), weiter ventral oder weiter dorsal (Frontalebene) oder weiter lateral (Sagittalebene) liegen.

1.5 Terminologie und Sprache

1.5.1 Grundbegriffe und Abkürzungen

Nachfolgend sind einige wichtige anatomische Grundbegriffe aufgelistet. Die Angaben in den runden Klammern geben die Mehrzahl an; häufig gebrauchte Abkürzungen finden sich in den eckigen Klammern:

Angulus (Anguli): Winkel

Apex (Apizes): Spitze

Arcus (Arcus): Bogen

Arteria [A.] (Arteriae [Aa.]): Arterie

Articulatio [Art.] (Articulationes [Artt.]): Gelenk

Bursa (Bursae): Schleimbeutel

Canalis (Canales): Kanal

Capsula (Capsulae): Kapsel

Caput (Capita): Kopf

Cartilago (Cartilagines): Knorpel

Cavitas (Cavitates): Höhle

Cavum (Cava): Höhle

Cornu (Cornua): Horn

Corpus (Corpora): Körper

Crista (Cristae): Leiste

Ductus (Ductus): Gang

Facies (Facies): Fläche

Fascia (Fasciae): Faszie

Flexura (Flexurae): Biegung

Foramen (Foramina): Loch, Öffnung

Fossa (Fossae): Grube, Vertiefung

Glandula [Gl.] (Glandulae [Gll.]): Drüse

Incisura (Incisurae): Einschnitt

Ligamentum [Lig.] (Ligamenta [Ligg.]): Band

Linea (Lineae): Linie

Lobus (Lobi): Lappen

Membrana (Membranae): Membran

Musculus [M.] (Musculi [Mm.]): Muskel

Nervus [N.] (Nervi [Nn.]): Nerv

Nodus (Nodi): Knoten

Nucleus (Nuclei): Kern

Os (Ossa): Knochen

Ostium (Ostia): Loch

Pars (Partes): Teil

Plexus (Plexus): Geflecht

Plica (Plicae): Falte

Processus [Proc.] (Processus [Procc.]): Vorsprung, Fortsatz

Radix (Radices): Wurzel

Ramus [R.] (Rami [Rr.]): Zweig

Septum (Septa): Trennwand

Sinus (Sinus): Ausbuchtung

Sulcus (Sulci): Rinne, Furche

Truncus (Trunci): Ast

Tuberculum (Tubercula): Höckerchen

Tuberositas (Tuberositates): Rauigkeit

Tunica (Tunicae): Überzug, Hülle

Vas (Vasa): Gefäß

Vena [V.] (Venae [Vv.]): Vene

Denjenigen, die diese Liste ganz genau gelesen haben, ist vielleicht aufgefallen, dass Arcus, Ductus, Plexus, Processus und Sinus sowohl in Einzahl als auch in Mehrzahl gleich geschrieben werden – sie folgen der lateinischen U-Deklination. Gesprochen gibt es aber einen feinen Unterschied: Während das „U“ in der Endsilbe bei Einzahl nur kurz gesprochen wird, wird es bei Mehrzahl zum langen „U“. Auch bei „Articulatio“ gibt es eine Besonderheit: Obwohl das „O“ am Ende einen männlichen Artikel vermuten lässt, heißt es „die Articulatio“.

1.5.2 Organangaben

In der anatomischen Terminologie setzen sich die Namen der einzelnen Strukturen oft aus 2 oder mehr Wörtern zusammen (Beispiele s. ▶ Tab. 1.1 ). Kennt man die Bedeutung der lateinischen oder griechischen Begriffe, wird meist schon aus dem Namen ersichtlich, zu welchem Organ die Struktur gehört oder welche Funktion sie hat, z.B.:

Musculus flexor digitorum profundus: „Musculus“ bedeutet „Muskel“; „flexor“ stammt vom lateinischen Verb „flectere“ für „beugen“; „digitorum“ ist der Genitiv Plural von „digitus“, was „Finger“ bedeutet; „profundus“ bedeutet „tief“. Dieser Muskel ist also für das Beugen der Finger zuständig und liegt tief (was nahelegt, dass es auch noch einen oberflächlichen Fingerbeuger gibt).

Ein anderes Beispiel ist der Nervus glossopharyngeus: Dieser Nerv versorgt 2 Organe, nämlich die Zunge (griech. glossa) und den Rachen (griech. pharynx).

Für diejenigen unter euch, die sich dafür interessieren, hier zur Orientierung einige weitere Beispiele:

abdominalis: zum Bauch (Abdomen) gehörend

brachialis: am Oberarm (Brachium)

bronchialis: an den Bronchien

femoris: am Oberschenkel (Femur)

gastricus: zum Magen (Gaster) gehörend

hepatis: an oder in der Leber (Hepar)

lienalis: zur Milz (Lien) gehörend

pectoralis: an der Brust (Pectus)

pulmonalis: an oder in der Lunge (Pulmo)

renalis: an oder in der Niere (Ren)

splenica: zur Milz gehörend (statt „Lien“ [lateinisch] wird für die Milz auch „Splen“ [griechisch] verwendet)

thoracicus: am oder im Brustkorb (Thorax)

vertebralis: zum Wirbel (Vertebra)

1.5.3 Vor- und Nachsilben

Eine weitere Eigenart der anatomischen bzw. medizinischen Terminologie besteht darin, bestimmte Begriffe entweder vor (Vorsilbe) oder hinter (Nachsilbe) den Wortstamm zu stellen. Vor- und Nachsilben, die besonders häufig vorkommen, sind in ▶ Tab. 1.2  zusammengetragen.

Tab. 1.2 

Häufig vorkommende Vor- und Nachsilben.

Vor- bzw. Nachsilbe

Bedeutung

Beispiel

brady-

langsam

Bradykardie (verlangsamte Herzfrequenz)

epi-

oben, auf

Epiphyse (Knochenende)

extra-

außerhalb

extraperitoneal (außerhalb der Bauchfellhöhle gelegen)

hemi-

halb

Hemisphäre (Großhirnhälfte)

hetero-

ungleich, anders

heterogen (uneinheitlich)

homo-

gleich

homogen (einheitlich)

hyper-

über, oberhalb

Hyperaktivität (übersteigerte Aktivität)

hypo-

unter, unterhalb

Hypophyse (Hirnanhangdrüse)

intra-

innerhalb

intrathorakal (im Brustkorb gelegen)

myo-

Muskel

Myokard (Herzmuskel)

peri-

um, herum

Perikard (Herzbeutel)

poly-

viel

Polysaccharide (Mehrfachzucker)

tachy-

schnell

Tachykardie (gesteigerte Herzfrequenz)

-itis

Entzündung

Kardiomyokarditis (Herzmuskelentzündung)

-pathie

krankhafte Veränderung

Neuropathie (Nervenerkrankung)

-osis/-ose

chronisch degenerativer Prozess

Osteoporose (krankhafter Knochenabbau)

1.5.4 Messgrößen und ihre Einheiten

Auch – oder gerade – in den medizinischen Fachberufen kommt man um Messgrößen und ihre Einheiten nicht herum, sei es beim Blutdruckmessen, bei der Dosierung der Medikamente oder beim Auswerten von Laboruntersuchungen. Um verschiedene Werte untereinander besser vergleichbar zu machen, verwendet man heute in den meisten Ländern sog. SI-Einheiten (Système International d’Unités) ( ▶ Tab. 1.3 ).

Tab. 1.3 

SI-Einheiten (Beispiele).

Größe

Einheit

SI-Basisgrößen

Länge

Meter (m)

Masse

Kilogramm (kg)

Zeit

Sekunde (s)

Stromstärke

Ampere (A)

Temperatur

Kelvin (K), Grad Celsius (°C)

Stoffmenge

Mol (mol)

davon abgeleitete Größen

Fläche

Quadratmeter (m2)

Volumen (Flüssigkeitsvolumen)

Kubikmeter (m3), (Liter [l])

Druck

Pascal (Pa)

Frequenz

Hertz (Hz)

Kraft

Newton (N)

elektrischer Widerstand

Ohm (Ω)

Leistung

Watt (W)

Energie/Arbeit

Joule (J)

Geschwindigkeit

Meter pro Sekunde (m/s)

Was jedem von den Bytes der digitalen Welt vertraut ist, findet seine Anwendung auch bei anderen Messgrößen: die Vorsilben „Kilo-“, „Mega-“ und „Giga-“. So wird beispielsweise die Speicherkapazität eines USB-Sticks mit 128 MB (Megabyte) angegeben, was 128000 KB (Kilobyte) entspricht. Mit solchen Vorsilben kann allerdings nicht nur ein Vielfaches der Messgröße benannt werden, sondern auch ein Bruchteil – z.B. entspricht 1 Milliliter (ml) 1 Tausendstel Liter (l). Die Verwendung solcher Faktoren dient der Übersichtlichkeit und senkt die Fehleranfälligkeit: „1 ml“ liest sich schneller und sicherer als „0,001 l“. ▶ Tab. 1.4  gibt eine Übersicht über solche Vorsilben und ihre Bedeutung. Im medizinischen Alltag begegnen einem v.a. „Kilo-“, „Dezi-“, „Milli-“ und „Mikro-“.

Eine Bemerkung noch zu den lateinischen Namen: Im täglichen Sprachgebrauch wird für manche Strukturen der deutsche und für andere der lateinische Name verwendet. Der deutsche Name „Zwerchfell“ wird zum Beispiel auch in der Klinik häufig gebraucht. Ist jedoch vom größten Streckmuskel des Knies die Rede, benutzt man meist dessen lateinischen Namen „M. quadriceps“ oder kurz „Quadriceps“. Kaum jemand wird „vierköpfiger Oberschenkelmuskel“ sagen. Wir geben bei der Beschreibung meist den lateinischen Namen und dessen deutsche Übersetzung an. Auch wenn diese manchmal etwas sonderbar klingt, gibt sie häufig Hinweise auf den Verlauf oder die Funktion des Muskels. Es lohnt sich also, immer beide Bezeichnungen zu lesen, auch wenn nur eine von beiden im Alltag benutzt wird.

Tab. 1.4 

Maßeinheiten – Faktoren und Vorsilben.

Vorsilbe

in Zahlen

Faktor

Zahlwort

Peta- (P)

1 000 000 000 000 000

1015

Billiarde

Tera- (T)

1 000 000 000 000

1012

Billion

Giga- (G)

1 000 000 000

109

Milliarde

Mega- (M)

1 000 000

106

Million

Kilo- (k)

1 000

103

Tausend

Hekto- (h)

100

102

Hundert

Deka- (da)

10

101

Zehn

1

100

Eins

Dezi- (d)

0,1

10-1

Zehntel

Zenti- (c)

0,01

10-2

Hundertstel

Milli- (m)

0,001

10-3

Tausendstel

Mikro- (µ)

0,000001

10-6

Millionstel

Nano- (n)

0,000000001

10-9

Milliardstel

Piko- (p)

0,000000000001

10-12

Billionstel

Femto- (f)

0,000000000000001

10-15

Billiardstel