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Die Autorin untersucht in diesem Buch die Gründe und Anfänge des Christentums und nimmt Passagen der Bibel unter die Lupe. Dabei geht sie bis in die Zeiten antiker Religionen und Gesellschaften zurück. Sie zeigt auf, wie das Juden- und Christentum das Bild der Frau erheblich zu ihrem Nachteil veränderten. Bis heute leidet die westliche Gesellschaft unter diesen Prägungen durch eine frauenfeindliche christliche Kirche: Frauen trauen sich nicht und Männer trauen den Frauen nicht. So hält sie der vermeintlich selbstbewussten und selbstbestimmten modernen westlichen Frau einen Spiegel vor, räumt mit Vorurteilen und kaum hinterfragten Gewissheiten auf und zeigt Alternativen, die noch in anderen Regionen dieser Erde gelebt werden und für eine offene, angstfreie und glückliche Zivilisation zum Vorbild werden könnten. Dazu aber muss der eigenen westlichen Gesellschaft auf den Grund gegangen, den Tatsachen ins Gesicht gesehen und mit dem Märchen vom überlegenen Westen und der christlichen Leitkultur aufgeräumt werden. Denn unsere Gesellschaft wird nach wie vor von der Angst vor Versagen unter unsinnigen Regeln bestimmt, denen wir unbewusst folgen, weil das Christentum uns bestimmte menschliche Instinkte in tausend Jahren ausgetrieben, die Seele und das Gewissen vergiftet und natürlich gewachsene gesellschaftliche Strukturen zerstört hat - mit fatalen Folgen bis heute.
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Seitenzahl: 180
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Vorwort
Angst, die alles bestimmende Kraft
Das Ende der Toleranz
Jesus, eine Legende
Paulus begründet das Christentum
Warum Monotheismus?
Die Ur-Göttin
Der Sinn der Sühneopfer
Das Blut der Frau
Blut und Paradies
Jesus als Sühneopfer am Kreuz
Die Erlösung naht
Der Märtyrertod macht das Christentum berühmt
Antisemitismus ist christliches Programm
Der Verrat - Alibi für ein 2000 Jahre währenden Hass
Die Evangelisten beziehen sich auf vorchristliche Schriften
Warum ist das Judentum so wichtig für das Christentum
Das Christentum ist anpassungsfähig
Die Wintersonnenwende
Eine Göttin muss her
Die Jungfrauengeburt
Die ersten bedeutenden Christen waren Frauen
Im entscheidenden Moment versagen die Männer
Die Schöpfungsgeschichte wird umgeschrieben
Das Christentum wird gesellschaftsfähig
Ein Kaiser entdeckt das Christentum
War Michelangelo ein heimlicher Gnostiker?
Das Christentum kommt nicht aus Rom
Das Jenseits interessiert den Kaiser nicht…
Christen werden willige Vollstrecker
Die Hälfte der Menschheit wird zu Sklaven erklärt
Die Frau im 10.Gebot
Die 10 Gebote und ihr tatsächlicher ethische Wert
Die Ehe – Eine Erfindung des Judentums…
Das Ende des Christentums
Die Frau kommt aus der christlichen Falle nicht raus
Vergessene Kulturen
Als die Menschen sesshaft wurden
Matrilineare Gesellschaften sind egalitär
Die Natur hat sich das eigentlich ganz anders gedacht
Die christliche Kultur kann nicht glücklich machen
Basis jeder Gesellschaft ist der Respekt
Sesshaftigkeit erzieht zu Abgrenzung und Misstrauen….
Empathie und Emotionen werden aberzogen
Ich bin in den 60er Jahren in einem Dorf in Niedersachsen groß geworden. Meine Mutter, eine gläubige Christin, hat mir schon früh erklärt, dass der Liebe Gott alles sehen würde. „Mist, was soll das denn?“, dachte ich, daran erinnere ich mich noch. Trotzdem bin ich in meinem Bewegungsdrang immer wieder unerlaubterweise früh morgens aus dem Kinderzimmerfenster gekrabbelt und wollte die Welt erkunden, die meine Mutter mir bisher nicht erklärt hatte. Sie hatte auch viel mit dem Haushalt zu tun. „Geh spielen!“ So konnte ich der fürsorglichen Kontrolle meiner Mutter entfliehen. Ich bin in einem aufregenden Waldstück groß geworden. Aber dann war da der Liebe Gott, der von mir verlangte, ich sollte nicht lügen, lieb zu meinen Mitmenschen sein, meiner Mutter gehorchen und auf keinen Fall einfach abhauen. Dass der Liebe Gott doch immer weiß wo ich bin, konnte meine Mutter nicht beruhigen und so kriegte ich regelmäßig Ärger. Der Liebe Gott bestrafte meinen Ungehorsam in Form meiner vor Sorgen völlig aus dem Häuschen geratenen Mutter, die mich dann auch schon mal übers Knie legte: Der Liebe Gott sieht alles und meine Mutter kriegt es raus! Mein unbotmäßiger Freiheitsdrang bereitete mir schon als 4-Jährige ein schlechtes Gewissen, jedenfalls wenn meine Mutter mich erwischte. Einen Lieben Gott zu haben, heißt, keine Geheimnisse zu haben und den Regeln zu gehorchen, sonst… ja sonst was? Mama ist böse mit mir und Papa dann abends auch, macht also keinen Sinn. „Reiß dich zusammen, wurde nicht nur zu meiner Devise, es war der entscheidende Satz meiner Erziehung. Dass also das Böse überall lauerte, wurde mir schon früh klar, aber vor allem das Böse in mir. Ich ging zum Kindergottesdienst und regelmäßig zur Kirche, mein Vater war stolzes Mitglied des Kirchenvorstandes für mehr als 30 Jahre, die Kirche und das Niemals-Ausschlafen-Dürfen waren Bestandteil meiner Kindheit. Da ich lutherisch-protestantisch getauft war, wurde einer der Grundpfeiler meiner Existenz natürlich der Fleiß und die Mühsal, die sich zunächst in Haus- und Gartenarbeit erschöpfte und später durch Leistung in der Schule zum Ausdruck kommen musste. Konfirmation, Jugendgottesdienst, Abitur und Familienfeste machten dann langsam ein vollwertiges Mitglied der mich umgebenden Gemeinschaft aus mir. Christ zu sein bedeutete in erster Linie Selbstaufgabe unter den Forderungen der Gemeinschaft. Spaß war da nicht vorgesehen. Und hatte ich Spaß, wusste ich, dass mir das eigentlich gar nicht zustand und die Rechnung würde sicherlich kommen. Wenn alles klappte und es mir zu gut ging, bekam ich ein schlechtes Gewissen. Leben musste anstrengend sein, sonst wäre ich ein nichtsnutziger Egoist, der nur an sich selbst denkt und der Liebe Gott sieht eben alles.
In der Schule der siebziger Jahre beschäftigte ich mich wie alle in meiner Generation mit dem Holocaust und der Schuld der Deutschen. Mit 20 Jahren war ich dann ein junger verantwortungsbewusster Erwachsener, beladen mit einem Ballast von Schuldgefühlen und der ständigen Angst, dass ich zu egoistisch für diese Welt sein könnte. Also strengte ich mich an, den Erwartungen meiner Umwelt möglichst erschöpfend gerecht zu werden. Was ich dabei vergaß, war mich selbst, die fröhlichen und unbelasteten Ausflüge meiner Kindheit in den aufregenden Wald, ohne Schuldgefühle, die Sonne, die Bäume, die Natur im Hier und Jetzt genießen zu können, ohne einen Begriff von Zeit zu haben oder dass ich dem Lieben Gott den Tag stehlen könnte. In den 70er lernte ich dann, wie respektlos und unbekümmert meine Sichtweise war, denn ich hatte nicht gesehen, dass der Wald stirbt. Ich hatte nicht gesehen, dass es Menschen gab, denen es nicht so gut ging wie mir. Kinder verhungerten und die Welt litt unter Kriegen und Zerstörung. Das hatte ich alles nicht gesehen. Ich war beschämt ob meiner kindlichen Sorglosigkeit und hatte wieder ein schlechtes Gewissen. Zum Glück kann der Mensch sich zum Guten ändern und das versuchte ich nun aus vollem Herzen. Ich wollte das Elend der Welt begreifen, zumindest nicht wegsehen. Das Elend der Welt wurde somit zu meinem ständigen Lebensbegleiter, denn es ist nicht einfach, das zu ertragen und es ist Aufgabe eines Christenmenschen, dem Elend der Welt ins Gesicht zu sehen, nicht wegzusehen, wenn andere leiden, selbst wenn diese anderen mich nur durch Fernsehreportagen vom anderen Ende der Welt erreichen. Ich bin verantwortlich, auch wenn ich nichts tun kann. Da war es wieder, das ewige schlechte Gewissen. Und statt weiter unbekümmert mich der Schönheit der Natur und Schöpfung hinzugeben, gruben sich die furchtbaren Bilder von Krieg, Zerstörung und Leid in meine Seele. Es war klar, die Welt steht vor dem Abgrund und wir alle sind verantwortlich. Also was tun? Auf jeden Fall nicht die Schönheit der Welt preisen, das versteht sich von selbst! So marterten wir uns wie schon die Menschen im christlichen Mittelalter, von Angst und Schuldgefühlen zerfressen, gehetzt von der ständigen Frage: Was können wir tun? Da wir nur wenig tun können, Demonstrationsveranstaltungen hin oder her, lastete die Schuld immer schwerer und jeder beäugte den anderen, ob er denn das Leid dieser Welt auch wirklich sehen würde. Glücklich und zufrieden zu sein wurde zum Tabu. Nun, was tut man in so einer Situation: Man steigt ins Hamsterrad und rennt los, kopflos, nicht denken müssen, Gefühle abschalten und einfach nur noch funktionieren. Funktionierst du gut, bist du ein guter Mensch und alles ist in Ordnung, jedenfalls für die anderen. Aber irgend etwas ist immer, was den anderen nicht gefällt. Und da man sich ja bereits als Person völlig aufgelöst hat in den Anforderungen von außen, wird jede weitere Kritik existentiell, da ja viel persönliche Substanz nicht mehr vorhanden ist. Aber dafür kennt dann die Gesellschaft Abhilfe. Man gibt ihnen Spiel, Spaß und Spannung in Form von Gladiatorenspielen oder Hexenverbrennungen oder wenn das alles nichts hilft, geht’s eben in den Krieg. Dann kommt das leidgeprüfte Individuum auch mal raus, und das Gemeinschaftsgefühl, vorher nicht vorhanden, wird besonders in Schützengräben gepriesen. Also Fernsehen, Event, Konsum, Besitz und alles was einem das Gefühl gibt, dazuzugehören, haben schon immer geholfen. Gott sei Dank gibt es heute Fußball, Megakonzerte- und Partys und Shopping und natürlich die virtuelle Wunschwelt. Damit hält man auch wieder das System aufrecht. Also alles ist gut, was will man mehr und dem Leid der Welt und der Menschheit wenden wir uns turnusmäßig und ritualisiert als Gutmenschen zu. Auch das unterstützt das System, denn was sollte man um Gottes Willen noch alles tun müssen. Bleiben wir also im Hamsterrad, denn ein rotierendes Hamsterrad verlassen zu wollen ist nicht einfach und keiner weiß, was außerhalb ist. Auch wenn wir inzwischen wissen, dass die Erde sich um die Sonne dreht und zwar in Ellipsen, können wir bis heute nicht voraussagen, was passiert, wenn wir aus dem Hamsterrad springen. Sterben wir, taumelt das Hamsterrad oder läuft es einfach weiter ohne uns?? Oder erkennen wir erst dann, dass es nur ein blödes Hamsterrad war, kippen es einfach um und gehen endlich aufrecht durch den Rest der wahren Welt.
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Wie ist es nun dazu gekommen, dass der zivilisierte Mensch bis auf wenige Augenblicke das Gefühl hat, nicht Teil dieser Welt zu sein, sozusagen ein Alien, sich durch das Leben mühen zu müssen und die Zerstörung und das Leid für ihn kaum auszuhalten ist, nur in Drogen und Ekstase erträglich. Ist die Welt nicht eigentlich schön und perfekt, so wie sie ist? Gab es mal Menschen ohne Depressionen, die sich des Lebens freuten und jeden Tag voller Dankbarkeit die Welt und alles um sie herum priesen?
Unbestimmte Schuld- und Angstgefühle werden nicht durch gefährliche Situationen erzeugt. Bin ich in akuter Gefahr, weiß mein Instinkt und Unterbewusstsein sehr genau, was zu tun ist. Es wird getan, und wenn man überlebt, ist die Angst vorbei und es gibt kein Schuldgefühl, eher ein Glücksgefühl. Angst und Schuld ist das Zepter der Machtgierigen. Sie dirigieren die Menschen wie Marionetten damit und das hat seinen Sinn, jedenfalls für diejenigen Psychopathen, denen ein ruhiges zufriedenes Leben nicht genug ist. Macht ist immer dunkel und bedient sich der kompletten Klaviatur des Sadismus, denn andere sind in ihren Augen nur Masse, die bewegt werden will. So wie ein Technikfreak jede Schraube einer Maschine so verändert und fixiert, damit die Maschine so läuft wie er will, so missbrauchen und benutzen die Machtgierigen die Gefühle und das Seelenleben der zu manipulierenden Massen, um eben die Maschine, die sie sich ausgedacht haben, zum Laufen zu bringen. Womit kann man Menschen mehr manipulieren als mit Angst und Schuld. Da aber auch der Machtgierige nur ein Mensch ist, muss eben etwas Höheres her, was überzeugend auf die Masse wirkt: eine Gewalt höher als der Mensch, nicht begreifbar für den kleinen Geist, aber mit einer unschlagbaren Wirkungskraft: eine Ideologie oder eben ein Gott.
Denken wir darüber nach, dann muss dieser Gott recht böse sein und jede seelenlose Ideologie natürlich auch. Gott oder Ideologie haben offensichtlich wenig Erbarmen mit den Menschen und nur stumpfsinniger Gehorsam hält diese bei Laune. Vermittler zu allem Höheren ist dann eben derjenige, der sich sowieso zur Masse der Menschen nicht dazugehörig fühlt, im letzten Jahrhundert ein Stalin oder Hitler und in den Jahrhunderten davor der Priester oder der König, quasi ein Halbgott, halb Mensch, halb Gott, also ein Psychopath. Und der weiß, dass Angst und Schuld seine Schäfchen formbar wie weiche Butter in seinen Händen und krankem Gehirn werden lässt. Finanzgurus machen sich bis heute darüber lustig. Aber heute hat man nicht nur Angst vor Krankheit, Tod und Ausgrenzung, heute hat man panische Angst, seinen angehäuften Besitz zu verlieren und wird damit zum Spielball des real existierenden Kapitalismus.
Und hiermit möchte ich zurückgehen in eine Zeit, als alles anfing, oder besser als das Ende begann: Das kann man eigentlich ziemlich genau datieren: Es war genau 381 nach Christus, das erste kirchliche Dogma wurde festgelegt. Im Gegensatz zu allen Zeiten davor wurde ein ziemlich komplizierter Gott manifestiert, der nun der einzige weltweit sein sollte und jeder, der an diesen sehr spezifischen Gott von Vater, Sohn und Heiliger Geist, nicht ehrlich und wahrhaftig glauben konnte, war des Todes, wurde bekämpft, musste um sein Leben fürchten und in den Untergrund gehen. Das war absolut neu in der Weltgeschichte. Götter hatte es schon immer gegeben, aber eben Götter, nicht nur einen. Das einzige Volk, das an einen einzigen mächtigen Gott als Schöpfer und Richter bis dahin glaubte, waren die Juden. Diese aber fühlten sich von ihrem einzigen, ganz besonderen Gott auserwählt und waren mitnichten der Meinung, dass alle Menschen diesem Gott huldigen sollten. Im Gegenteil sollten nur Juden Jahwe als Gott anbeten. Darin waren sie allerdings unerbittlich und auch nicht bereit aus Staatsräson zum Beispiel den römischen Göttern Ehrerbietung zu zeugen. Das machte das Volk der Juden, als das die Römer dieses sahen nicht wegen ihrer Religion, sondern wegen ihrer Volkszugehörigkeit, zu einem Spezialfall im Römischen Imperium. Juden brauchten weder den römischen Göttern huldigen noch als einzige im Römischen Reich Kriegsdienst leisten und man erlaubte ihnen eine eigene Justiz! Den Römern war es allerdings egal, was ihre Untertanen glaubten. So wie sie blank den griechischen Götterhimmel übernommen hatten, so tolerierten sie jeden anderen Gott auch. Was die Römer nicht leiden konnten, war Rebellion. So wurde Jesus nicht gekreuzigt, weil er an einen anderen Gott glaubte, sondern weil er sich König der Juden genannt haben soll, also politische Rebellion und dafür wurde er wie alle Rebellen ans Holz genagelt. Ein Kreuz wurde erst im Christentum daraus. Die Juden waren zu der Zeit die einzigen Monotheisten der Welt, den hatten sie aus Ägypten von Pharao Echnaton mitgebracht, wie man vermutet, wenn man den Exodus der Israeliten für wahr voraussetzt. Ansonsten glaubten bis auf das eigensinnige Volk der Juden alle Menschen an viele Götter. Jede Region, jede Situation hatte seinen besonderen Gott für Fürsprache. Und Usurpatoren übernahmen oder zumindest tolerierten die ansässigen Götter der Besiegten, erstens damit Ruhe im Land herrschte und zweitens, weil man nie sicher sein konnte, welcher Gott den besseren Draht zum Universum hatte. Und dann war die Welt eben vielfältig, vielschichtig, bunt und kein Einheitsbrei, auf das nur ein einziger Gott passen würde. Es gab private und allgemeine, eigene und fremde Götter. Und es gab Götter, die ganz besondere Verehrung von allen erfuhren, da diese die Verbindung zur Welt hinter der wahrnehmbaren und begreifbaren Welt aufbauen konnten. Sie hielt man verantwortlich für das Leben und den Tod, für die Jahreszeiten, die Geburt, die Sonne und den Mond. Die Römer, so grausam sie ihre Untertanen erpressten und unterdrückten, waren religiös tolerant und ließen sich gern beraten. Sie hielten nicht nur die griechischen Götter für anbetungswürdig, sie verehrten die ägyptische Isis wie die Ägypter selbst und der aus Persien stammende Mithraskult erfreute sich großer Beliebtheit bei den römischen Soldaten. Im Römischen Reich dienten Menschen aller Couleur und jeder Religion im Militär oder waren römische Bürger. Nur eins verlangten die Römer, dass ihre Untertanen unabhängig von ihren eigenen Göttern dem römischen Cäsar und seinem Staatskult die Ehre erwiesen. Nur die Juden waren davon ausgenommen.
„Gibt des Kaisers, was des Kaisers ist“ war nicht nur ein Jesus-Wort, sondern gängige verordnete Unterwerfung unter die Staatsmacht. Christliche Märtyrer starben nicht, weil sie an Jesus glaubten, sondern weil sie dem römischen Kaiser die Ehrerbietung verweigerten, ja den gesamten römischen Götterhimmel sogar verhöhnten und bekämpften, weil es für sie und für alle eben nur den einen Gott geben durfte. Nicht die Römer waren religiös intolerant, sondern die Christen. Das war für die Römer Untergrabung ihrer Autorität und Verletzung der Staatsräson und Christen wurden als Staatsfeinde hingerichtet. In Deutschland gehört das Verbot der Swastika, ursprünglich ein Glückssymbol, zur Staatsräson und Menschen, die es in der Öffentlichkeit zur Schau stellen, werden dafür bestraft. So wie das Hakenkreuz heute in Deutschland ein eindeutiges politisches Statement ist, das nicht toleriert werden darf, so wurde die Selbstbezeichnung „Christ“ als deutliches politisches Bekenntnis gegen den Römischen Staat gedeutet.
Dass aber außer dem Kaisergott oder dem Gott des Kaisers keine anderen Götter mehr geduldet wurden, war erstmalig ein Kunststück der christlichen Reichskirche im 4. Jahrhundert: Ein Gott, ein Kaiser, ein Reich! Dieses ist also das Ende der Toleranz und es sollte noch schlimmer kommen, wie wir wissen.
Was war also geschehen? Was glaubten die Menschen vor Jesus und was hat Jesus verändert?
Sind die Evangelien tatsächlich die sogenannte Frohe Botschaft oder die ideologische Basis eines kleinkarierten, machtlüsternen und intoleranten Kirchenbetriebes, der fast durchweg bösartige Wahnsinnige auf den Petrusthron setzten sollte.
Angefangen hat nicht alles mit Jesus, denn der ist historisch nicht zu fassen. Trotz seines Wirkens, seines Todes am Kreuz, seiner Rebellion gegen den jüdischen Klerus und seiner umwälzenden Ideen von einer besseren Welt hat ihn zu Lebzeiten scheinbar niemand beachtet. Seine Geburt, sein Leben, seine Abstammung und sogar sein Tod am Kreuz sind selbst von den penibelsten Zeitzeugen, die sonst jedes Detail aufschrieben, nicht erwähnt worden. Sein spektakulärer Auftritt im Tempel, den er verwüstet haben soll, fand bei der jüdischen Priesterschaft, die sonst alles vermerkte, keine Erwähnung. Der römisch-jüdische Historiker Flavius Josephus war fast Zeitzeuge von Jesus und vor Ort in diesen unruhigen Zeiten. Er schreibt über andere jüdische Rebellen zur Zeit Jesu, über Judas von Galiläa, über Johannes den Täufer, aber kein Wort über Jesus. Der erste, der über Jesus schreibt, ist Paulus, der ihn allerdings nicht gekannt hat und auch die Person Jesus nicht zum Inhalt seiner Briefe macht, sondern die Idee hinter diesem Jesus von Nazareth.
Gab es diesen Jesus überhaupt? 80 Evangelien können nicht lügen. Nach dem Fund von Nag Hammadi in der ägyptischen Wüste 1945 weiß man, dass es nicht nur 4 Evangelien gab. Man schätzt die Anzahl der Evangelien heute auf bis zu 80! Allerdings sind keine Schriften aus der Zeit Jesu bisher gefunden worden. Statt dessen Abschriften von Abschriften aus viel späteren Zeiten. Auch wenn man heute davon ausgeht, dass der sogenannte Evangelist Matthäus in seinen sogenannten „Q-Listen“, die allerdings verloren gingen, zeitnah Jesu Leben und Wirken beschrieb. Das Markus Evangelium wird für das älteste gehalten. Markus, den keiner kennt, scheint zurzeit Jesus in Galiläa gewesen zu sein. Dieses erkennt man aus seiner Art zu schreiben und der besonderen Kenntnisse der Sprache und Umgebung Galiläas, wissen tut man das jedoch nicht. Die anderen Evangelisten schreiben von einander ab, wobei Markus sich auf die Q-Schriften des Matthäus bezog. Dieses weiß man, weil man ein Fragment des ursprünglichen Matthäus Evangeliums in Qumran am Toten Meer gefunden hat. Lukas ist hellenistisch geprägt und wohnte wahrscheinlich in Griechenland, Johannes in Kleinasien, auch hellenistisch geprägt und damit weit entfernt von den Wurzeln des Jesus, auch zeitlich. Man geht davon aus, dass diese Evangelien weit nach der Zerstörung des Tempels durch die Römer geschrieben wurden, also nach 70 nach Christus. Mit der Zerstörung des Tempels durch die Römer und der Niederschlagung der letzten jüdischen Rebellion auf Massada endet die Existenz einer jüdischen Volksgemeinschaft. Die meisten wurden getötet, versklavt oder in die Diaspora getrieben. Zehntausende von Juden sollen die Römer ans Kreuz geschlagen haben. Dieses kam einem Völkermord gleich. Den Schlusstrich unter jüdisches Leben in Jüdäa bildet die Niederschlagung des Bar Kochbar Aufstandes 135 n.Chr. Diese beiden Daten sind historisch ein Wendepunkt und müssen als Hintergrund oder auch Beweggrund der Evangelien verstanden werden.
Die Evangelien sind keine historischen Aufzeichnungen, sondern wollen die Menschen zum Umdenken bewegen. Sie haben eine Mission, die durch blumig ausgedachte Geschichten vermittelt werden soll. Die Zeit schien nach der Zerschlagung des jüdischen Volkes für gekommen. Das von Jesus und Johannes dem Täufer angekündigte Weltende, die Apokalypse, die Offenbarung, hatte nicht stattgefunden und das jüdische Volk war von Gott nicht errettet worden. Ein letzter großer mahnender Appell, dass das fürchterliche Reich der Römer dem Untergang geweiht ist und ein neues glückliches Zeitalter antreten werde, sofern die Menschen sich besinnen, versuchte Johannes in seiner Johannes Offenbarung unter die Leute zu bringen, chiffriert, denn er fürchtete die Rache der Römer.
Die Jahre zogen ins Land und die Römer waren immer noch die Mächtigen der Welt, kein verheißenes neues Weltreich schien in Sicht. In dieser Atmosphäre schrieben sich unzählige Evangelisten die Finger wund. Evangelium ist ein römischer Begriff und bedeutet `Gute Botschaft´, aber nur auf den römischen Kaiser bezogen. Über Jesus ein Evangelium zu schreiben, war geradezu anmaßend und blasphemisch, insbesondere, da dieser Jesus ein Niemand und den schändlichsten aller Tode am Holz gestorben war, wahrscheinlich anschließend im Massengrab unbekannt verscharrt. Auch bei allen Bemühungen der Evangelisten, seine Vita zu rekonstruieren, ist historisch gesehen fast nichts von dieser Persönlichkeit bekannt. Markus als erster Evangelist und mit örtlichen Kenntnissen erwähnt, dass Jesus Sohn der Maria war. Das ist bemerkenswert, denn ein Sohn wurde im jüdischen Patriotismus nie im Zusammenhang mit seiner Mutter erwähnt, sondern seine väterliche Abstammung war entscheidend. Das versuchten Matthäus und Lukas dann spektakulär zu korrigieren, in dem sie Maria einen Joseph beiseite stellten, der im Zuge einer Volkszählung von den Römern gezwungen worden sein soll, aus seiner Stadt Nazareth nach Bethlehem zu wandern, „auf dass er aus dem Hause Davids kam!“. Aha, Jesus kam also nicht aus dem Hause Davids, sondern erhielt erst durch diese obskure Geschichte mit Bethlehem die Weihe, aus dem Königsgeschlecht des Davids abzustammen. Das war auch von ungeheurer Wichtigkeit, denn ein Niemand ohne väterlichen Stammbaum, nur von einer Maria unehelich in die Welt gesetzt, widersprach allen moralischen und ethischen Ansprüchen dieser Zeit. Der
