12,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 12,99 €
Antonia Wille leidet seit ihrem elften Lebensjahr an einer Angststörung. Klassenfahrten, Partys, Urlaube und so manches Jobangebot musste sie ziehen lassen, weil die Panik ihr den Atem nahm, die Angst sie krank machte. Die meiste Zeit kämpfte sie gegen die Angst an, ging in die Konfrontation und wurde doch immer wieder zurückgeworfen. Warum es ihr heute besser geht, wie sie meistens problemlos ihren Alltag meistert und wieso sie manchmal lieber verzichtet als ihre Panik überwindet, erklärt sie in diesem Buch, das zugleich ihr Coming-out als Angsterkrankte ist. Offen, ehrlich und humorvoll teilt sie ihre Erfahrungen, gibt wertvolle Tipps und spendet entlastende Worte für andere Betroffene.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Veröffentlichungsjahr: 2020
Cover & Impressum
Motto
Prolog
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
Epilog
Kleine Anleitungen für mehr Mut und Selbstliebe
Dank
Quellen
»Wenn die Sehnsucht größer als die Angst ist, wird Mut geboren.
Ohne Sehnsucht machen wir uns nicht auf den Weg.«
Rainer Maria Rilke
Wann immer ich versuche, meine Angstgefühle zu beschreiben, scheitere ich. »Mir wird dann übel – aber irgendwie anders«, sage ich. »Es fühlt sich einfach schrecklich an. Ich habe das Gefühl, die Angst übernimmt die Kontrolle über meinen Körper. Mir ist heiß und kalt, und ich will eigentlich nur weg, aber meine Beine zittern so stark, dass ich mich kaum bewegen kann.«
Doch für jemanden, der noch nie ohne Grund Angst verspürt hat, ist dieses Gefühl schwer nachvollziehbar. Die meisten Menschen kennen nur die »ganz normale« Übelkeit eines Magen-Darm-Virus oder leichtes Lampenfieber. Ich hingegen weiß mittlerweile, wann ich es mit der Angst zu tun habe – oder doch nur mit einer Lebensmittelvergiftung.
Doch wodurch wird Angst überhaupt ausgelöst?
Es sind Millisekunden, die über unsere Gefühle entscheiden. Unsere Sinnesorgane – Augen, Ohren, Nase sowie unser Mund und unser Tastsinn – nehmen etwas wahr. Das heißt, wir sehen, hören, riechen, schmecken oder berühren etwas, wodurch ein Reiz an unser Gehirn gesendet wird. Diesen Reiz ordnet unser Gehirn aufgrund von abgespeicherten Erfahrungen ein und sendet uns über das limbische System – den Teil unseres Gehirns, der für die Entstehung von Gefühlen zuständig ist – eine Reaktion zurück. Ist die Erfahrung unbekannt oder als Gefahr oder Risiko abgespeichert, entsteht das Gefühl der Angst. Das limbische System sorgt dann über seinen Helfer, den Hypothalamus, dafür, dass unser Körper reagiert: Adrenalin, Noradrenalin sowie Kortisol und Kortison werden ausgeschüttet. Unser sympathisches Nervensystem wird aktiviert und löst eine ganze Reihe von Veränderungen in unserem Körper aus:
Das Herz schlägt schneller, die Herzkranzgefäße erweitern sich.
Die Blutgefäße verengen sich. Unser Blutdruck steigt.
Die Muskeln werden besser durchblutet, sodass wir bei einer Flucht oder einem Kampf schneller und effektiver reagieren können.
Wir atmen schneller, dadurch erweitern sich unsere Bronchien, um uns mit mehr Sauerstoff zu versorgen.
Der Stoffwechsel beschleunigt sich, unser Körper verbraucht mehr Energie.
Wir haben keinen Appetit mehr, unsere Verdauung wird eingestellt. Der Speichelfluss verlangsamt sich.
Die Energiereserven werden angezapft, um Energie zu gewinnen.
Der Blutzuckerspiegel und die Blutfettwerte steigen.
Die Pupillen weiten sich.
Die Körpertemperatur steigt.
Wir schwitzen, sind hellwach und aufmerksam.
Unruhe, Nervosität und Erregung entstehen.
Unser Körper wird mit diesen Reaktionen auf Flucht oder Kampf vorbereitet. Wir sind nun bereit, um unser Überleben zu kämpfen oder um unser Leben zu rennen. Einfach nur weg, raus aus der Situation.
Im Falle einer Entwarnung sorgt das parasympathische Nervensystem dafür, dass unser Körper wieder in den Normalzustand fällt.
Bei Panik und sehr starken Erregungszuständen kann es jedoch auch dazu kommen, dass beide Nervensysteme gleichzeitig aktiviert sind. Unser Körper spielt dann im wahrsten Sinne des Wortes verrückt.
Was in der Urzeit von Nutzen, ja geradezu überlebenswichtig war, hilft uns auch heute noch, gefährliche Situationen zu erkennen und diesen zu entfliehen oder auch uns ihnen zu stellen. Nur: In der heutigen Zeit kann es passieren, dass die oben beschriebenen Abläufe aktiviert werden, ohne dass eine Gefahr droht. Es reicht ein Geräusch oder eine Erinnerung – und unser Körper antwortet mit Angst. Wir reagieren also nicht mehr nur auf reale Gefahren mit unseren Flucht- und Kampfsymptomen, sondern auch auf Situationen, die wir als gefährlich und risikoreich bewerten.
Unser Körper läuft dann auf Hochtouren, wir sind angespannt und erregt, ohne dass wir diese Körperreaktion abbauen können. Normalerweise dauert so eine Flucht-Kampf-Phase nur wenige Minuten an, anschließend finden wir zurück in die Entspannung. Bleibt sie aber länger bestehen, verharrt auch unser Körper in der Abwehrhaltung. Im Volksmund nennen wir das »Stress«.
Die Folge: Wir sind dauerangespannt, erschöpft und müde.
Ende der Leseprobe
