Apotheke neu gelebt - Heidi Gregor - E-Book

Apotheke neu gelebt E-Book

Heidi Gregor

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Beschreibung

Messbarer Erfolg dank durchdachter Strategien! Dieses Buch bietet Ihnen wirkungsvolle Werkzeuge, um Ihre Apotheke als Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Anhand von zahlreichen Praxisbeispielen und fundiertem Hintergrundwissen zeigen Ihnen die Autor:innen fortschrittliche Lösungsansätze auf, die den aktuellen Anforderungen gerecht werden – von Umgang mit der Konkurrenz aus Online-Shops über die Optimierung von Beratung und Kundenbindung bis hin zur eindrucksvollen Nutzung günstiger Werbekanäle. Wie kann ich dem gestiegenen Bewusstsein für Prävention gerecht werden und mich als Apotheker:in als Gesundheitsbotschafter positionieren? Woran erkenne ich die Kaufmotive meiner Kund:innen und wie gehe ich gezielt darauf ein? Welche Möglichkeiten bieten Social-Media-Kanäle für Apotheken und mit welchem Aufwand muss ich rechnen? Wie schaffe ich es, trotz Personalmangels und Lieferengpässen den besten Service für meine Kund:innen zu bieten und gleichzeitig eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen – sowohl für Kund:innen als auch für Mitarbeiter:innen? Diese und eine Vielzahl weiterer, konkreter Fragen werden 100 % praxistauglich beantwortet und dienen als idealer Leitfaden für Apotheken, um neue Herausforderungen und Krisen gestärkt zu bewältigen.

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Seitenzahl: 299

Veröffentlichungsjahr: 2024

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In diesem Werk erhalten Sie

➔ praktische Tipps zu Führung, Mitarbeiter:innenfindung und -bindung

➔ Strategien für die bestmögliche Positionierung

➔ hilfreiche Erklärungen zu gelungener Kommunikation, Beratung und Produktpräsentation

➔ Anregungen für ein gewinnbringendes Social-Media­ Marketing

➔ Empfehlungen für gezieltes Netzwerken in Ihrer Apotheke

➔ und vieles mehr

Heidi Gregor, Gudrun Kreutner-Reisinger

APOTHEKE

NEU GELEBT

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Copyright © 2024 facultas Universitätsverlag

Facultas Verlags- und Buchhandels AG, Wien, Austria

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung sowie der Übersetzung, sind vorbehalten.

Umschlagbild: Iryna Alekseienko, iStock & Christian Moisl (Cartoon)

Lektorat: Facultas Verlags- und Buchhandels AG

Umschlaggestaltung: Florian Spielauer, Wien

Typografie und Satz: K. Strobl, Neunkirchen (NÖ)

Cartoons: Christian Moisl, Wien

Druck: Finidr, Tschechien

ISBN 978-3-7089-2519-6 (Print)

ISBN 978-3-99111-906-7 (E-Pub)

Vorwort

Wir Autor:innen haben uns zusammengetan, um unser geballtes Know-how für Sie zu verschriftlichen und es Ihnen ans Herz zu legen. Warum machen wir das? Wir haben über die letzten Jahre Hunderte Apotheken in ihrer Entwicklung begleitet, auf kommunikativer, unternehmerischer und gesellschaftspolitischer Seite. Wir sehen, was los ist. Wir erkennen die widrigen Umstände, die angespannte Personalsituation, die Probleme in der Arzneimittelbelieferung, die Herausforderung, Ihre Apotheke zahlenorientiert zu führen. Und was raten wir Ihnen? Werfen Sie nicht das Handtuch. Richten Sie sich auf. Blicken Sie nach vorne. Haben Sie Mut. Es gibt einen Weg.

Mit diesem Buch halten Sie ein Nachschlagewerk in Händen, in dem Sie konkrete Tipps zu den brennenden Themen finden. Und dabei schauen wir in beide Richtungen über die Grenzen. Wir verraten den Apotheken in Deutschland, was sie von den österreichischen Apotheken lernen können, und zeigen den österreichischen, was man sich in Deutschland abschauen kann. Dies entspricht zutiefst unserem Anspruch: voneinander zu lernen und aufzuhören, zu trennen. Legen Sie das Augenmerk auf das Verbindende und werden Sie gemeinsam stark – so wie wir vier unterschiedliche Expertisen zu Ihrem Nutzen verwoben haben. Die Zeit des Trennens ist vorbei. Wir müssen lernen, in Gruppen, in Kooperationen, in Netzwerken zu denken, das ist eine Kernaufgabe des neuen Jahrzehnts.

Der Stern Ihrer Apotheke soll hoch am Himmel stehen. Dieses Buch ist für Sie – und es möge Ihr treuer Begleiter werden, um noch bessere, schlauere, zufriedenere und auch zahlenmäßig erfolgreiche Apotheker:innen der neuen Zeit zu werden.

Im Mai 2024

Heidi GregorGudrun Kreutner-ReisingerNicole MüllerJonas Fartaczek

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung: Die DNA der Apotheke

2 Die Apotheke als Gesundheitsbotschafterin

3 Aktuelle Herausforderungen in der Apotheke

4 Führen in der Apotheke

4.1 Woher die geänderte Stimmungslage kommt

Fachkräftemangel und Personalnot: Sehen Sie den Unterschied?

4.2 Vom Ich zum Du zum Wir – die Evolution der Apothekenführung

4.3 Ich – die transformative Reise zu erfolgreichen Unternehmer:innen

Erfolg hängt von unserer Art zu denken ab

Ins Tun kommen: neue Chancen erkennen und nutzen

4.4 Die Reise zum Du – Wachstum durch Zusammenarbeit:

Motivierende und inspirierende Entwicklungsgespräche durchführen

Die individuelle Sinngebung bei Mitarbeiter:innen wecken

Managen Sie die Konflikte

4.5 Wir – Erfolgsfaktor Teamwork:

Von Visionen zu Realitäten: Wie Teamarbeit das kreative Potenzial freisetzt

4.6 Mitarbeiter:innenbindung und -findung in Zeiten des Fachkräftemangels

Talente im Fokus: innovative Strategien zur gezielten Rekrutierung von Spitzenkräften

Außenwirkung stärken, Top-Fachkräfte gewinnen

Talente halten – so binden Sie Ihre Top-Mitarbeiter:innen

Welche Rolle spielt das Gehalt?

4.7 Noch ein Tipp zum Schluss: dauerhaftes Wachstum durch ein Netzwerk

4.8 Führen mit Weitblick

5 Strategische Positionierung

6 Kommunikation als Erfolgsstrategie

6.1 Die Ebenen im Beratungsgespräch

Die Beziehung zu den Kund:innen

Die Bedarfserhebung

Die Beratung und Produktpräsentation

Preisnennung und Abschluss

6.2 Die Sprache mit den Kund:innen

Die Sprache und deren Wirkung

Die Sprache optimal einsetzen

Die Frage der Diskretion

6.3 Die Kaufmotive der Kund:innen

6.4 Lösungsansätze bei Herausforderungen im Umgang mit Kund:innen

Habenwollen, die Gier um das Wundermittel

Herausforderung 1: Lieferschwierigkeiten und Deeskalation in der Kommunikation

Herausforderung 2: aggressive Kund:innen – was tun?

Methodik

Spezialfälle

Herausforderung 3: Beratungsdiebstahl – ertappt und was nun?

Zusammenfassung der Erfolgsfaktoren

7 Social Media in der Apotheke

7.1 Einleitung: Warum Social Media für Apotheken?

7.2 Leitfaden: So geht Social-Media-Marketing für Apotheken

Schritt eins: Ziele festlegen

Schritt zwei: Den passenden Kanal wählen

Schritt drei: Inhalte erstellen

Schritt vier: Wie messe ich den Erfolg meiner Social-Media-Aktivitäten?

Schritt fünf: Verantwortlichkeiten im Team festlegen

7.3 Ausblick: Was kommt im Bereich Social Media auf Apotheken zu?

8 Netzwerken

Literaturverweise

Glossar/Abkürzungen

Stichwortverzeichnis

Über die Autor:innen

1

EINLEITUNG: DIE DNA DER APOTHEKE

Mag.a Gudrun Kreutner-Reisinger

Wie ticken Apotheker:innen eigentlich? Die Autorin G. Kreutner-Reisinger hat oft das Gefühl, dass es so etwas wie eine Apotheker:innen-DNA gibt. Kann das sein? Gibt es eine Charaktereigenschaft, eine Einstellung, ein Verständnis, das (fast) allen Apotheker:innen eigen ist?

Menschen, die der Heilkunde mächtig sind, existieren seit Beginn an. Sie verfügten schon damals über Wissen zur Wundversorgung, zu giftigen Beeren und Tieren oder heilsamen Kräutern. Es war lebensnotwendig, dieses Wissen in einer Gemeinde zu kultivieren und weiterzugeben. Dabei waren die Menschen, die sich mit Kräutern und deren Wirkung auf die Gesundheit auskannten, oft einem Hochseilakt zwischen Verehrung und Verteufelung ausgesetzt – und das in vielen Kulturen. Denn Heilung ist oft nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine ethische Angelegenheit, bei der es um Leben und Tod geht. Und wer außer der Kirche oder den Göttern darf hier eine Instanz sein? Die Wurzeln der heutigen Apotheker:innen reichen also in Zeiten zurück, in denen mit Wissen vorsichtig umzugehen war. Was heute als wissenschaftliche Erkenntnis angesehen wird, konnte damals nicht erklärt werden – und war somit den Fähigkeiten „einer anderen Welt“ zugeordnet, einer spirituellen im besten Sinn.

Zurück zu den Kräutern und Heilpflanzen – was die Natur zu bieten hat, war bzw. ist reichhaltig. Das viele Wissen um Kräuter und Heilpflanzen brachte den Namen Apotheke hervor. Das Wort ist sowohl im Griechischen als auch im Lateinischen bekannt und bedeutet Lager, Speicher oder Aufbewahrungsort. Und es geht nicht nur darum, zu wissen, was gelagert wird, sondern auch darum, wie und was damit gemacht wird: Es geht um das Wissen um die richtige Dosis! Eine der wichtigsten Eigenschaften der Apotheker:innen ist ihre Exaktheit. Die Pharmazie kennt keine Begriffe wie „aufrunden“, „Schwankungsbreite“ oder „Durchschnittswert“, die in der Wirtschaft gang und gäbe sind. Bei Arzneimitteln muss die Dosis exakt stimmen. Die Pharmaziestudent:innen lernen im ersten Semester, die Welt in Nanogramm – also bis ins Kleinste – einzuteilen. Um bei der Wirtschaftssprache zu bleiben: Da hilft kein „Big Picture“, wenn die Kommastelle beim Mischen von Pulvern falsch gesetzt ist. Dieses exakte Einteilen der Drogen in kleinste Mengen geht über ins Blut. Auf die Nebenschauplätze zu achten, jedes Detail zu sehen und wertzuschätzen, das macht die gute Pharmazie aus. Der Exaktheit haben wir es zu verdanken, dass wir so viel über Wirkung und Nebenwirkung wissen. Übrigens: ChatGPT weist als „gute Eigenschaft von Apotheker:innen“ „Genauigkeit“ auf Platz neun aus. Wenn Sie im Detail wissen möchten, wie der Chatbot die wichtigsten Fähigkeiten der Apotheker:innen einschätzt, hier ein Überblick: Fachkenntnis, Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Teamfähigkeit, Organisationstalent, ethisches Verhalten, Anpassungsfähigkeit, Genauigkeit und Fortbildungsbereitschaft.

Von ChatGPT zur griechischen Mythologie: Sie alle kennen den Asklepiosstab. Seinen Namen verdankt dieser dem berühmten Asklepios, Sohn des Apoll und der Sterblichen Koronis, der sowohl Heiler als auch Halbgott war. Von Apoll verstoßen, wuchs er allerdings ohne seine Eltern beim Zentauren Chiron auf. Dank seines Ziehvaters erlernte er die Fähigkeiten des damaligen Gesundheitswesens (Chirurgie, Heilkräuter etc.). Die Überlieferung seiner Arbeit skizziert einen Balanceakt zwischen Mythologie, Heilkult, Medizin und Kräuterwissen. Asklepios hatte die Fähigkeit, sich über Träume mitzuteilen, und konnte so Diagnosen oder Therapien kundtun. Eine weitere Eigenschaft: Die Hingabe zu den Patient:innen – helfen wollen. In der Apotheke fällt häufig der Satz „Nein, das verkaufen wir Ihnen nicht“, und zwar aus gutem Grund: Apotheker:innen wollen in erster Linie helfen und heilen. Die Zugewandtheit zu den Patient:innen und das Engagement beim Finden von Therapien zur Verbesserung des Allgemeinwohls stehen über allem anderen. Dies erfordert spezielle Rahmenbedingungen, die andere Unternehmen gar nicht haben. Der Apothekenberuf gehört in Österreich und Deutschland zu den sogenannten „freien Berufen“. Die freien Berufe haben in einer Gesellschaft einen besonderen Stellenwert, da sie im öffentlichen Interesse ausgeübt werden und meist speziellen Gesetzen und Regelungen unterliegen (dazu zählen zum Beispiel Ärzt:innen, Apotheker:innen, Notar:innen, Rechtsanwält:innen u. v. m.) Apotheker:innen sind also keiner Firma oder Organisation verpflichtet, sondern dem Wohle der Patient:innen. Sie haften persönlich und sind unabhängig. Diese Freiheit macht sich bemerkbar in der Wahl der präsentierten Ware, der Kaufempfehlung und der Firmenführung.

Zurück nach Griechenland: Asklepios hatte zwei Töchter. Seine erste Tochter, Hygieia, gilt als Personifikation der Gesundheit, seine zweite Tochter, Panakeia, als Personifizierung des Heilens durch Heilpflanzen. Dies zeigt sehr schön auf, dass die Zeit immer weitergeht, das Erbe weitergetragen wird. Was die eine Generation findet und erkennt, ist gut und die Basis für das, was die nächste erschaffen wird. Denn die Pharmazie bleibt nicht stehen, sie entwickelt sich laufend weiter, braucht und fördert Innovation.

Dies führt zur dritten Eigenschaft der Apotheker:innen, die laut der Autorin G. Kreutner-Reisinger alle über die Landesgrenzen hinweg mitbringen: die Liebe, Tradition mit Innovation zu verbinden. Unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch der historischen Bibliothek der Österreichischen Apothekerkammer in Wien. Das älteste Buch zeigt eine Abbildung der Destillation aus dem 15. Jahrhundert. Außerdem gibt es Rezepte, Anleitungen, um Gold herzustellen, und wunderschön kolorierte Pflanzenlexika. Die Liebe zur Tradition kann man hier riechen, fühlen und sehen. In jeder Apotheke lebt dieser Geist – und im selben Atemzug werden auch die innovativsten Arzneimittel verkauft und die modernsten Therapien besprochen. Diese Neugierde des Forschens, dieser Drang zur Innovation braucht einen Nährboden: den Willen zur Exzellenz. In der Medizin und speziell in der Pharmazie kommt es darauf an, dass Menschen am Werk sind, die ständig ihr Bestes geben, die ständig lernen wollen, immer wieder Neues erkennen, ausprobieren, anwenden.

Vielleicht ist es gerade die Exaktheit, die auch dazu führt, dass Apotheker:innen besonders vorsichtig sind. Diese Vorsicht äußert sich in Zurückhaltung, im Überprüfen und Gegenchecken, aber auch darin, dass Apotheker:innen nicht sehr risikofreudig sind. Diese Eigenschaft, Mut zum Risiko, würden sie jedoch in Zeiten wie diesen brauchen. Das Bedürfnis nach Sicherheit, nach geregelten Rahmenbedingungen, nach Planbarkeit ist nur allzu verständlich und doch wird es immer weniger erfüllt.

Die heutige Welt setzt voraus, zu improvisieren, sich selbst ständig neu zu erfinden. Sich auf Situationen einzulassen, deren Ausgang nicht hundertprozentig abgeschätzt werden kann, und ganz neue Formate und Leistungen zu denken.

Es scheint also wirklich eine DNA zu geben. Natürlich sind nicht alle gleich, aber es bedarf gewisser Eigenschaften, um gute Apotheker:innen zu sein, genauso wie es Persönlichkeitsmerkmale braucht, um Architekt:in oder Musiker:in zu sein. Die Liste ist sicher noch weiterzuführen, aber diese vier Eigenschaften sind für dieses Buch wichtig, nämlich die Exaktheit im Tun, der Wunsch zu helfen, vorsichtig und risikoavers zu sein und der Hang zur Innovation und zum Lernen.

2

DIE APOTHEKE ALS GESUNDHEITSBOTSCHAFTERIN

Mag.a pharm. Heidi Gregor

Was macht Botschafter:innen eigentlich aus? Laut Wikipedia sind sie „die obersten diplomatischen Vertreter:innen eines Staats in einem anderen Land“. Zu ihren Aufgaben gehört:

◗ offizielles Gesicht nach außen zu sein,

◗ sich für die Interessen des Landes einzusetzen,

◗ die Verhandlungen im Interesse des Landes zu führen,

◗ für Informationsaustausch zuständig zu sein,

◗ Hilfe in Notfällen zu gewährleisten,

◗ Krisenmanagement zu betreiben.

Befragen wir AI, also Artificial Intelligence, wie man daraus folgend die Rolle der Gesundheitsbotschafter:innen formulieren könnte, so kommt Folgendes heraus: Ein:e Gesundheitsbotschafter:in ist eine Person, die positive Veränderung in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden auf individueller, gemeindlicher und gesellschaftlicher Ebene fördert, und zwar zum Beispiel durch

1. Gesundheitsaufklärung und Prävention: Ein:e Gesundheitsbotschafter:in kann Informationen über gesundheitsrelevante Themen verbreiten, um das Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu schärfen. Dies kann die Förderung eines gesunden Lebensstils, Präventionsmaßnahmen gegen Krankheiten und die Vermittlung von Gesundheitsinformationen umfassen.

2. Bereitstellung von Ressourcen und Unterstützung: Medikamente und Beratung.

3. Krisenmanagement: In Zeiten von Gesundheitskrisen, Pandemien oder Naturkatastrophen könnte ein:e Gesundheitsbotschafter:in eine wichtige Rolle dabei spielen, Informationen zu verbreiten, Beruhigung zu bieten und aufzuklären.

4. Zusammenarbeit mit Gemeinschaften: Gesundheitsbotschafter:innen könnten eng mit lokalen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um ihre Bedürfnisse zu verstehen und maßgeschneiderte Gesundheitsprogramme zu entwickeln. Dies könnte die Förderung von gesunden Umgebungen, Ernährung, sportlichen Aktivitäten und anderen gesundheitsfördernden Praktiken umfassen.

Apotheker:innen als Gesundheitsbotschafter:innen würden also genau das tun, was Sie jetzt schon tun und in der Vergangenheit (siehe z. B. Pandemie) unter Beweis gestellt haben, erweitert um die noch größere Proaktivität.

Besonders ansprechend ist das Aktive. Metaphorisch gesehen stehen Gesundheitsbotschafter:innen also nicht hinter dem Verkaufspult und warten, bis jemand fragt, etwas abholt oder haben will – das war gestern – sie bündeln nach dem Motto „Tu Gutes und rede darüber“ all ihr Wissen, ihre Ressourcen, Kreativität und Möglichkeiten und gehen mutig hinaus, um auf allen Kanälen sichtbarer zu werden (vor Ort durch Kommunikation, Aktionen, Dienstleistung sowie durch Newsletter, soziale Medien, Zeitungen etc.), bis es niemanden auf weiter Flur mehr gibt, der den Unterschied zwischen einem Versandhandel und einer Vor-Ort-Apotheke nicht verstanden und erlebt hat.

Gesundheitsbotschafter:innen müssen also nicht ihre Werte verraten, müssen nicht ihre Seele verkaufen, sich kein Vorbild an rein profitorientierten Verkäufer:innen nehmen, sie müssen nur das tun, was sie am besten können, und dieses Riesenpotenzial ein wenig mehr zu nutzen lernen.

Dafür wurde dieses Buch geschrieben.

Tradition ist gut und erfahrungsgemäß für Apotheker:innen wichtig, wenn sie nicht zum Stillstand führt. Fachwissen und die Sicherheit, die aus Exaktheit entsteht, sind ein großartiges Unterscheidungsmerkmal, wenn sie nicht in den Schubladen eines klugen Kopfs in Vergessenheit geraten. Helfen ist wunderschön, wenn dies gezielt für das Wohl der Kund:innen und der Apotheke genutzt werden kann und ein fairer Tausch von Beratung und Produkten gegen Geld stattfindet, denn nur so fühlt es sich auch energetisch richtig an.

Große Offenheit zu lernen, wird Ihnen für die neuen Herausforderungen sehr nützlich sein.

Jetzt kommt’s darauf an

Schon länger, als uns lieb ist, geht die Apotheker:innenschaft speziell in Deutschland, aber auch in Österreich durch schroffe Zeiten. Wir müssen es endlich akzeptieren, es wird kein Zurück in die „gute alte Zeit“ geben, auch Ihre Standesvertretung kann dieses Wunder nicht vollbringen.

Apotheker:innen haben in der politischen und gesellschaftlichen Landschaft nicht nur Freunde, andere Lobbys sind stärker und lauter. Auch in Deutschland hat man irgendwo die falsche Abzweigung genommen, die Billigschiene kommt jetzt wie ein Bumerang zurück, vieles haben Apotheken dem Versandhandel entgegenzusetzen, aber preismäßig ist dies nicht schaffbar, da ein physisches Geschäft unfinanzierbar wird.

Worauf kommt es also jetzt an?

Für die Apotheken ist es Zeit, Resilienz zu beweisen, das ist jene wundervolle Widerstandskraft, die es möglich macht, schwierige Zeiten ohne dauerhaften Schaden zu überstehen.

Und nichts könnte für die gegenwärtige Situation der Apotheke passender sein als die sieben Säulen der Resilienz.

1. Akzeptanz: Hören Sie auf, sich gegen Veränderungen zu sträuben, das kostet Sie wertvolle Energie, die Sie brauchen, um vorwärtsgerichtet zu handeln.

2. Optimismus: Es gibt in jeder schwierigen Situation auch eine Chance – machen Sie sich auf die Suche, worin diese Chance für Sie und Ihre Apotheke bestehen könnte.

3. Lösungsorientierung: Richten Sie Ihren Fokus auf Möglichkeiten und Handlungsoptionen, andere haben es geschafft, trotz allem gut dazustehen, Sie schaffen es auch.

4. Opferrolle verlassen: Opfer sind machtlos und handlungsunfähig oder erleben sich so, das liegt aber nicht in Ihrer DNA (siehe S. 10 ff.), daher haben Sie immer die Wahl, das Jammern sein zu lassen und noch mehr als bisher das Notwendige anzugehen. Das Rollenbild der Apotheker:innen hat sich im Laufe der Geschichte vielfach an die Zeit adaptiert, das tut es jetzt wieder, aber das ist noch lange nicht das Ende.

5. Verantwortung übernehmen: Es wird jedes Teammitglied dazu brauchen, deshalb ist dieses Buch auch für alle geschrieben. Wenn alle ihre Verantwortung neu überdenken und ihren Teil dazu beitragen, dann wird Veränderung machbar.

6. Netzwerke aufbauen: Ob in der Stadt oder im ländlichen Gebiet, es gibt immer Möglichkeiten, sich zu verbinden und zu kooperieren. Mit Altenheimen, Schulen, Gemeindeämtern, der Industrie, Arztpraxen etc.

7. Zukunft planen: Was ist Ihre Vision, was sind die daraus resultierenden Ziele und wie können Sie diese erreichen? Was ist der erste Schritt, um ins Tun zu kommen?

Vielleicht ist es dieses Buch – oder vielleicht sind es Brainstorming-Thinktanks in Ihrer Apotheke zusammen mit Ihrem Team?

Mindset …

… ist die Summe aller Gedanken, Überzeugungen, Einstellungen und Glaubenssätze, die wir unbewusst in uns tragen und die wie eine Software unser Handeln bestimmen.

Wenn wir zum Beispiel glauben, dass eine bestimmte Sache so und nicht anders zu funktionieren hat, weil sie immer so funktioniert hat, dann nehmen wir uns damit den Blick für neue Wege.

Persönliche Erfahrungen aus zahlreichen Trainings mit Apothekenfachkräften haben gezeigt, dass es viele solcher Überzeugungen in den individuellen Köpfen wie auch im kollektiven Verständnis der Apotheker:innen gibt, die nicht mehr dienlich sind, wenn wir den Blick auf eine erfolgreiche Zukunft gerichtet halten. Einige davon beziehen sich auf uns selbst und unsere Rolle im Umgang mit Kund:innen, manche darauf, wie eine Apotheke zu führen ist, wieder andere auf die Aufgabe der Apotheke ganz allgemein. Diese Gedanken und Überzeugungen dürfen jetzt neu überdacht und in nützliche und hinderliche unterteilt werden. Überzeugungen, die Ihnen für künftigen Erfolg im Weg stehen, können sodann gegen unterstützende ausgetauscht werden. Das ist Teil der Workshops und Seminare der Autorin H. Gregor. Unsere Überzeugungen sind mit Emotionen verknüpft, das ist der Grund, warum wir manchmal aus der Haut fahren, wenn uns etwas unterstellt wird, das so ganz und gar nicht unseren eigenen Überzeugungen, beispielsweise über unseren Beruf, entspricht.

„Apotheker:in? So ein schweres Studium und dann nur Verkäufer:in ...“

Ruhig Blut, das war nur ein Beispiel. Wie konnte es ausgerechnet dazu kommen, wo es doch unsere eigene Überzeugung ist, genau das nicht zu sein?

Jede Veränderung beginnt damit, zu überprüfen, ob das geeignete Mindset für die geplanten Ziele gegeben ist, das ist im persönlichen Coaching nicht anders als im Teamcoaching.

Man kann Ihnen noch so gute Verkaufswerkzeuge beibringen, wenn Sie sich ungern als Verkäufer:in sehen, wird der Erfolg von kurzer Dauer sein, wenn überhaupt.

Sie wollen helfen? Lassen Sie sich zeigen, wie Sie das noch besser schaffen als bisher.

Versuchen Sie, auch andere limitierende Glaubenssätze, die für eine erfolgsgekrönte Kommunikation mit Kund:innen hinderlich sind, zu entlarven und zu wandeln. Den passenden Mindset braucht es jedoch nicht nur im Kund:innengespräch, das dem Wohle aller dienen soll und auch finanziell lohnend sein darf, sondern auch, um eine gute Führungskraft zu sein, sein Team durch die raue See zu manövrieren, um neue Geschäftsfelder zu erschließen, Kooperationen einzugehen, sich messerscharf zu positionieren, wirtschaftlicher denken zu lernen, neue technische Möglichkeiten zu nutzen und für vieles mehr.

Mindsetarbeit legt den Grundstein für den Erfolgsweg.

Dieses Buch ist daher auch eine Einladung, wann immer sich beim Lesen in Ihnen Widerstand regt, zu überprüfen, ob Sie die dahinter liegende Einstellung noch bei Ihren Zielen unterstützt oder ob Sie bereit wären, ihren Mindset gegen einen sinnvolleren auszutauschen, z. B.: „Die Politik richtet die Apotheke zugrunde“ gegen „Durch die derzeitigen Schwierigkeiten wird sich die Apotheke neu positionieren und noch stärker aus der Krise hervorgehen“ oder „Ich bin kein:e Verkäufer:in“ gegen „Wenn der Verkauf dem Wohl der Kund:innen dient, geht er mit meinen Werten konform“ oder „Wenn meine Beratungskommunikation exzellent ist, kaufen die Kund:innen von ganz allein.“

Der richtige Mindset für das Lesen dieses Buchs ist Offenheit. Neugier und das Wissen, dass wir Ihnen nur das Beste wünschen, werden Sie bestmöglich profitieren lassen.

Zeitgemäßer Mindset am Verkaufspult/HV/der Tara

Da ein Thema im weiteren Verlauf des Buchs im Speziellen die Beratungskommunikation ist, hier noch ein Vorschlag für einen zeitgemäßen Mindset an der Tara (dem HV-Tisch):

◗ Apotheker:innen verstehen sich als Botschafter:innen für Themen rund um Gesundheit, Schönheit und Wohlbefinden und sind sich der Verantwortung bewusst, die daraus resultiert. Gesundheit gehört zu den höchsten Werten des Menschen.

◗ Alleinstellungsmerkmal persönliche Beziehung: Apotheker:innen punkten mit Charme, mit Persönlichkeit, Empathie und Wissen. Sie zeigen soziale Kompetenz und schaffen Wohlfühlatmosphäre. Das Ziel ist es, dass die Kund:innen sich wohl, sicher und gut betreut fühlen.

◗ Jede:r Kund:in hat das gleiche Recht auf ein individuelles und nach allen Regeln der Kunst geführtes Beratungsgespräch unter Anwendung größtmöglicher sozialer Kompetenz, Fachkompetenz sowie kommunikativer Kompetenz. Ein goldener Beratungsstandard ist dafür als roter Faden Voraussetzung (mehr dazu in Kapitel 6, S. 65). Herkunft, Religion, Sozialstatus, Sympathie, Antipathie und finanzielle Möglichkeiten haben darauf keinen Einfluss.

◗ Die Beratung erfolgt wertneutral und diskret auf der Ebene der Kund:innen. Ihre Wünsche und ihr Wertesystem sind dafür maßgeblich.

◗ Apotheker:innen haben das Ziel, Lösungen für das zugrunde liegende Problem der Kund:innen zu finden. Sie wollen eine „Win-win-win-Situation“ herstellen, bei der Kund:innen, Berater:innen und Unternehmen gleichermaßen profitieren und zufrieden sind.

◗ Alleinstellungsmerkmal Beratung: Die Kund:innen bekommen alle Produkte und Medikamente empfohlen, die ihren Zustand und ihre Ziele positiv beeinflussen können, auch wenn das vom ursprünglichen Produktwunsch abweicht oder weit darüber hinausgeht.

◗ Empfehlungen erfolgen konkret, verständlich und nutzenorientiert.

◗ Die Entscheidung darüber, ob, wie viele und wann Kund:innen die Artikel kaufen möchten, liegt bei Ihnen. Nicht der Verkauf, der Kauf ist das Ziel.

◗ Alleinstellungsmerkmal Sicherheit: Die Sicherheit der Kund:innen muss gewährleistet sein. Von einem Produkt, das ihnen schaden könnte, muss aus ethischen Gründen abgeraten werden. Die maßgeblichen Faktoren werden ermittelt. Die sachgemäße Anwendung/Einnahme muss zusätzlich im Fokus stehen.

◗ Alleinstellungsmerkmal BeratungsPLUS: Bedarfsorientierte Zusatzempfehlungen, Therapieergänzungen und ganze Therapiekonzepte zeigen die Kompetenz der Apothekenmitarbeiter:innen und sind daher notwendiger Teil der Beratung. Zusätzliche fachliche Tipps sind das Incentive.

3

AKTUELLE HERAUSFORDERUNGEN IN DER APOTHEKE

Mag.a pharm. Heidi GregorMag.a Gudrun Kreutner-ReisingerNicole Müller

Worauf kann man sich denn noch verlassen – fragen Sie sich das auch hin und wieder? In der Wirtschaft wird häufig von einer „VUCA-Welt“ gesprochen. VUCA steht für Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity – die Welt ist volatil geworden, unsicher, komplex und unklar. Trends sind schneller da, werfen Altes über den Haufen, lassen an Bestehendem zweifeln und verschwinden sogleich wieder. Jede Aktion hat Einfluss auf so vieles, jeder Satz wird auf die Waagschale gelegt und alle scheinen schnell aufgebracht. Diese externen Faktoren betreffen die ganze Welt und haben enormen Einfluss auf die Planbarkeit und die Herausforderungen an das Management (auch in der Apotheke). Das ist die Basis, in der wir leben. Im Apothekenbereich kommt jedoch noch Branchenspezifisches dazu: Die Begehrlichkeiten von außen in unser Kerngeschäftsfeld – also alles rund ums Arzneimittel – werden immer größer. Gesundheit als globaler Trend hat völlig neue Player auf den Plan gerufen. Was plant Amazon Pharmacy und wie wird das die Ansprüche unserer Kund:innen beeinflussen? Schafft es der Drogeriemarkt durch seine laufenden Lobbying-Aktivitäten, noch mehr Arzneimittel ins Sortiment zu bekommen?

Wer gestaltet noch die Rahmenbedingungen für Apotheken? Sowohl die Europäische Union, politische Parteien und selbstverständlich die jeweiligen Gesundheitsminister:innen denken laufend laut über Reformen des Apothekenwesens nach, die massive Auswirkungen auf den Betrieb jeder einzelnen Apotheke und die wirtschaftliche Zukunft haben. Viele Apotheker:innen stellen sich die Frage, ob sie auf ihre eigenen Rahmenbedingungen überhaupt noch Einfluss haben. Sie befinden sich eigentlich in einem ständigen Verteidigungsmodus, in einem Rechtfertigungsmodus gegenüber Institutionen, Wirtschaftsunternehmen, politischen Gruppierungen und auch ihren Kund:innen. Sich ständig selbst erklären zu müssen, ist keine gute Ausgangslage. In Deutschland sind die Apotheken auf die Barrikaden gegangen, um ihren Ärger und Protest gegen die Gesundheitspolitik zu demonstrieren. Und siehe da, auf weiten Strecken kam Unterstützung vonseiten der Ärzt:innen. Die österreichischen Apotheken kämpfen mit anderen Problemen – Aggressionen von Kund:innen, Dauerkonflikten mit den Ärzt:innen und der ständigen Abhängigkeit von Behörden. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, welche Worte hier eigentlich im Spiel sind: Verteidigung, Kampf, Konflikt. Wir sind in unserem Alltag in einer Kriegssprache angekommen. Und das, obwohl die Kund:innen die Apotheken lieben. Denn wenn wir mit einer anderen Brille auf unsere Situation schauen, dann zeichnet sich das Bild, dass wir gebraucht werden, dass wir sehr hohes Vertrauen genießen, dass unsere Leistungen auch ständig aufgewertet werden (siehe pharmazeutische Dienstleistung in Deutschland und Medikationsmanagement in Österreich). Und die Sicherheit, was morgen passiert, kann uns niemand geben, wenn nicht wir selbst.

Apothekenpersonal und Kund:innen, Kommunikation im Zeichen der Angst und Unruhe

Erfahrungsgemäß können wir Menschen mit Veränderung, noch dazu in so rasantem Tempo, schlecht umgehen. Sie macht uns Angst. Schließlich besteht immer die Möglichkeit, dass Veränderung bedeutet, es wird schlechter. Unruhe heißt auch, das Gehirn muss Mehrarbeit leisten, denn Anpassung und neue Wege zu gehen, ist anstrengender als Komfortzone und Routine.

Wie viel Unruhe ist gesund? Und wie viel können wir tatsächlich ertragen, ohne daran zu erkranken?

Ein bisschen scheint es so, als würde unsere Gesellschaft als Ganzes an chronischem Stress leiden. Und eines ist ganz sicher, Dauerstress ist schädlich.

Die zweijährige Pandemie hat uns ein psychologisches Phänomen deutlich vor Augen geführt, es nennt sich Massen-Gefühlsübertragung. Wenn eine kritische Mehrheit der Bevölkerung zum Beispiel Angst vor Ansteckung hat, dann wird auch die Angst ansteckend und das Gefühl schwappt gerne mal auf den Rest der Menschen über. Massen-Gefühlsübertragung existiert mit positiven Gefühlen (Fußballspiel, Popkonzert etc.) gleichermaßen wie mit negativen Emotionen.

Es ist schwierig für den Einzelnen und bedarf einer großen Bewusstheit und kritischen Denkens, um sich aus Massengefühlen herauszuhalten. Unsere Spiegelneuronen wollen sich einfach anpassen.

In diesem Fall scheint es, als wäre „Stress“ zum Massenphänomen geworden, und das spüren auch Apotheker:innen, PKA oder PTA in ihrer täglichen wertvollen Arbeit am Handverkaufspult (österreichisch: Tara).

Die Autorin H. Gregor wurde von mehreren unterschiedlichen Apotheken gebeten, ein Seminar für junge Mitarbeiter:innen zu halten, um deren Selbstwert zu stärken und ihnen kommunikative Tipps und Strategien zu nennen, wie mit „den aggressiver werdenden Kund:innen“ umzugehen sei. Mitarbeiter:innen fühlen sich immer öfter hilflos ausgeliefert und oftmals planlos, wie zu reagieren sei. Der Selbstwert vieler Apothekenmitarbeiter:innen ist angeknackst. Warum nur werden sie so behandelt? Das haben sie nicht verdient.

Der allseits um sich greifende Stress hat in der Apotheke viele Gesichter: Gereiztheit, Aggression, Frauenfeindlichkeit, Rassismus. In welcher Ausprägung auch immer unschuldiges Apothekenpersonal mit dem sich scheinbar ausbreitenden Gefühl der Überforderung in unterschiedlicher Maske konfrontiert wird, auch das ist Teil der neuen Herausforderungen. Warum ist es so, dass Kund:innen scheinbar ungeduldiger werden? Ein Spiegel der politischen und wirtschaftlichen Weltlage, die Verstärkung durch einschlägige Interessensbubbles in den sozialen Netzwerken, Lieferschwierigkeiten bei immer mehr Arzneimitteln und persönliche Probleme ergeben eine explosive Mischung für den Einzelnen, der man sich dann gerne mal in der Apotheke Luft macht, weil Überdruck ein Ventil braucht. Auch anhand der Verkäufe ist eindeutig erkennbar, dass Angststörungen, Schlafprobleme und Nervositäts- und Stresssymptomatiken auf dem Vormarsch sind.

Wer keine besseren Handlungsoptionen erlernt hat, um mit der Energie der erwähnten VUCA-Welt umzugehen, sucht Hilfe bei Ärzt:innen und Apotheker:innen, die Mehrheit dankbar, eine steigende Zahl aber auch gereizt, was Apothekenmitarbeiter:innen oftmals übefordert, auslaugt und ratlos lässt.

Eine weitere bedrohlich wirkende Herausforderung ist, dass Kijimea®, GeloRevoice®, Nexcare®, Arthrobene®, Peeroton® und zahlreiche pflanzliche Wirkstoffe, die wir aus der Apotheke kennen, Kurkuma, Echinacea, Arnika sowie Mineralstoffe und Vitamine, mittlerweile in den Regalen der Drogeriemärkte zu finden sind. Versandapotheken scheinen praktisch und verlockend billiger als die Apotheke vor Ort. Wer kann es also dem Großteil der Bevölkerung ohne Qualifikationen in Sachen Gesundheit, für den die feinen Unterschiede zu Apothekenware nicht erkennbar ist, verdenken, der Versuchung nachzugeben und neben dem Weichspüler auch noch zum Cistus-Saft zu greifen. Nur magnetisch wirkende Werte wie persönliche Bindung und individuelle Beratung können das verhindern, sonst entscheidet der Preis.

Veränderung im Außen macht neue Herangehensweisen unabdingbar.

Führungsherausforderungen meistern: erfolgreiche neue positive Führungserfolgsfaktoren in der Apotheke

Die Erwartungen der Mitarbeiter:innen an den optimalen Arbeitsplatz haben sich in den letzten Jahren ebenfalls deutlich verändert. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Werte und Bedürfnisse, oftmals aus verschiedenen Generationen, ist es notwendig, neue Führungserfolgsfaktoren kennenzulernen und anzuwenden, um die verschiedenen Wünsche zu verstehen. Die täglichen Herausforderungen in der Führung werden durch den demografisch bedingten Fachkräftemangel und durch die tägliche Personalnot – besonders durch Erschöpfung und daraus resultierende Krankheitsausfälle der eigenen Mitarbeiter:innen – zusätzlich erschwert. Es ist daher entscheidend, eine positive Apothekenkultur mit neuen Rahmenbedingungen zu entwickeln, in der sich alle wohlfühlen, gesund und leistungsfähig bleiben. Leider fehlen genau diese motivierenden Rahmenbedingungen aus der Sicht der Mitarbeiter:innen in vielen Apotheken. Oft fühlen sich die Beschäftigten von ihren Führungskräften nicht ausreichend wahrgenommen und „abgeholt“, die Art der Kommunikation und Wertschätzung wird oft bemängelt. Dadurch sind Konflikte im Team oder mit den Führungskräften vorprogrammiert, die Mitarbeiter:innen sind überlastet und fühlen sich mit den vielen neuen Herausforderungen oft alleingelassen. Personalmangel, Erschöpfung und Demotivation sind das neue Normal und prägen den Apothekenalltag stark. Die Lust der Mitarbeiter:innen, sich den neuen, wirtschaftlich wichtigen Säulen wie innovativen Gesundheitskonzepten aktiv anzunehmen, ist meist sehr gering. Woher soll die Motivation auch kommen, wenn die politischen Rahmenbedingungen wenig Lust auf Zukunft machen und die eigenen Führungskräfte auch im Apothekenalltagshamsterrad gefangen sind?

Darüber hinaus fällt beim Thema Führung ins Gewicht, dass die Apothekenbranche eine sehr weibliche ist, in der über 80 % der Mitarbeiter:innen Frauen sind. Die Teilzeitquote in den Teams ist hoch und macht die Dienstplanung zum komplizierten Jonglieren mit unterschiedlichsten Arbeitszeiten.

Die gute Nachricht ist: Lassen Sie sich von den aktuellen Herausforderungen nicht entmutigen, sondern bleiben Sie motiviert, schauen Sie mutig nach vorne und gestalten Sie Ihre Apothekenzukunft mit all den in diesem Buch aufgezeigten aufregenden neuen Möglichkeiten.

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FÜHREN IN DER APOTHEKE

Erfolgsfaktor Führung – wie Sie Ihre Leader:innen-Qualitäten fördern

Mag.a Nicole Müller

In den Apotheken findet zurzeit ein gewaltiger Wandlungsprozess statt. Das Verhalten und die Erwartungen der Kund:innen ändern sich ebenso drastisch wie die Werte und Erwartungen der Mitarbeiter:innen. Themen wie New Work, Digitalisierung und Zukunftspositionierung machen es unabdingbar, das bewährte Modell der Apotheke in eine „Apotheke der neuen Zeit“ zu wandeln.

Wie geht es Ihnen? Für viele Apothekenführungskräfte ist die aktuelle Situation äußerst prekär. Themen wie zunehmender Fachkräftemangel, Personalnot durch hohe Krankheitsraten, anhaltende Lieferengpässe, die Umstellung auf das E-Rezept und der steigende wirtschaftliche Druck stellen die meisten Apotheken-Leader:innen und ihre Teams vor große Herausforderungen. Ständig gibt es etwas Neues, das sich unerwartet auftut und auf das sich alle Beteiligten in rasantem Tempo einstellen dürfen.

So summieren sich die Überstunden, die zwangsläufig zu Erschöpfung, energieraubenden Konflikten im Team, aber auch zu Zukunftsangst führen. In einer solchen Situation verlieren nicht wenige Führungskräfte nach und nach die Lust auf die eigene Apotheke. Die Zukunftssorgen und Frustration der Apothekeninhaber:innen, verursacht durch die dauernde Überforderung, sind bei vielen Inhaber:innen und Mitarbeiter:innen bereits spürbar präsent.

4.1 Woher die geänderte Stimmungslage kommt

Lassen Sie uns an dieser Stelle schon gleich eine wichtige Erkenntnis teilen: Die Gründe für die Frustration sind bei den Inhaber:innen gänzlich andere als bei den Mitarbeiter:innen. Sehr viele Führungskräfte sind mit der täglichen Führung ihrer Teams und dem parallelen Aufsetzen notwendiger neuer Strategien überfordert. Die neuen Ansätze erfordern jedoch ein hoch motiviertes Team, das bereit ist, Neues auszuprobieren und kontinuierlich umzusetzen.

Immer mehr Inhaber:innen nehmen wahr, dass ihre Mitarbeiter:innen oftmals nur Dienst nach Vorschrift machen. Es herrscht der Eindruck, dass nur wenige sich eigenständig einbringen. Viele scheinen demotiviert und einige Mitarbeiter:innen verbreiten im Team sogar schlechte Stimmung. Tatsächlich steigt die Krankheitsrate, gleichzeitig erhöht sich die Fehlerquote. Mitarbeiter:innen sind weniger oder gar nicht mehr offen für Veränderungen und übernehmen keine Eigenverantwortung. Apotheken-Leader:innen empfinden ihr Team oftmals als gestresst und überfordert anstatt als kreativ und lösungsorientiert.

Fragt man jedoch die Mitarbeiter:innen, warum sie demotiviert sind und sich nicht für neue Möglichkeiten öffnen, geben diese oft an, dass die Führungskraft kein Vorbild sei. Sie möchten in einem Team arbeiten, in dem sie sich wohlfühlen und nette Kolleg:innen haben, denen sie vertrauen. Wichtig ist ihnen auch mehr Flexibilität und die Möglichkeit für zeitgemäße „New-Work-Modelle“ abseits der bekannten Arbeitszeitmodelle. Aus Mitarbeiter:innensicht mangelt es häufig an Wertschätzung, Anerkennung und Dankbarkeit seitens der Führungskräfte – die Folge ist Frust.

Liebe Apotheken-Leader:innen, auch in Ihrem Unternehmen arbeiten vermutlich die unterschiedlichsten Persönlichkeiten zusammen, auch aus verschiedenen Generationen. Teilweise stehen deren Bedürfnisse konträr zueinander, was nicht selten zu Konflikten führt – sowohl zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeiter:innen als auch unter den Beschäftigten selbst. Selbstverständlich sind solche Konflikte ermüdend und können schlimmstenfalls die Lust an der Apothekenarbeit rauben.

Durch die zusätzlich erhöhten Anforderungen an das Personal steigen die Krankheitsraten und Fehlzeiten in vielen Apotheken enorm an. Daraus resultiert ein Personalmangel, der in Kombination mit dem ohnehin herausfordernden Fachkräftemangel immense Auswirkungen nach sich zieht.

Es ist an der Zeit, als Führungskraft aktiv zu werden und sich neu aufzustellen. Freunden Sie sich schon jetzt mit neuen Führungserfolgsfaktoren an und beginnen Sie, diese jeden Tag mehr zu leben. Sie werden bald schon ein Team erleben, das die neuen Chancen für das Wachstum der Apotheke engagiert unterstützt!

Fachkräftemangel und Personalnot: Sehen Sie den Unterschied?

Benötigen auch Sie mittlerweile viele Monate, um die richtige Person für eine vakante Stelle zu finden? Das ist die Folge des immer deutlicher werdenden Fachkräftemangels – es fehlt an kompetentem pharmazeutischem Personal. Personalnot hingegen ist oftmals eine Folge von internen Problemen im Team oder auch bei Arbeitsprozessen, die wiederum zu Ausfällen der Mitarbeiter:innen führen. Beides – Fachkräftemangel und Personalnot – trifft zusammen, wenn wegen einer unbesetzten Stelle der Rest des Teams überlastet ist und aus diesem Grund Mitarbeiter:innen ausfallen. Die Folge ist ein scheinbar unlösbarer Teufelskreis. Fachkräftemangel und Personalnot sind häufig vorkommende Herausforderungen. Der erste Schritt sollte hier sein, die Unterschiede in der Ursache zu erkennen und daraus die jeweils richtige Strategie zu entwickeln:

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssen wir nach draußen – auf den Personalmarkt – schauen und kreativ rekrutieren. Es ist heutzutage unabdingbar, eine eigene Arbeitgebermarke zu entwickeln, um attraktiv für die rar gewordenen Fachkräfte zu werden. Bei Personalnot hingegen geht es darum, nach innen zu schauen – in den Apothekenalltag. Wie können Sie die Arbeitsbedingungen und Prozesse für Ihre Mitarbeiter:innen verbessern? Wie können Teamgeist und Motivation gefördert werden? Wie schaffen Sie es, dass Ihre Mitarbeiter:innen sagen: „Hier bin ich genau richtig, ich komme jeden Morgen gern hierher“? Das Miteinander im Team ist entscheidend für die Attraktivität des Arbeitsplatzes. Mit der richtigen Einstellung und einem durchdachten Plan können wir sowohl den Fachkräftemangel als auch die Personalnot in den Griff bekommen. Also, liebe Inhaber:innen und Führungskräfte: Es ist Zeit für neue Wege in der Führung!

Genau deshalb sollen Sie Unterstützung erfahren und einen Überblick über die wichtigsten Führungserfolgsfaktoren bekommen. So können Sie als Führungskraft die erforderlichen Veränderungen energievoll und mutig und mit einem motivierten Erfolgsteam in Gang setzen und Ihre Apotheke in eine erfolgreiche Zukunft führen. In diesem Kapitel erhalten Sie wertvolle Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Ihren Apothekenerfolg und damit einhergehend für eine erfüllte Work-Life-Balance.

Das werden Sie in diesem Führungskapitel lernen:

1. Wie Sie sich auf neue Chancen ausrichten und positiv in die Zukunft schauen, auch in – oder gerade wegen der – aktuell herausfordernden Zeiten.

2. Wie Sie Ihr Team unterstützen, eigenständig und motiviert neue, zukunftsorientierte Dienstleistungen, Aktionen und Projekte anpacken.

3.Wie Sie eine optimale Verbindung zu jedem Menschen in Ihrem Team herstellen, sodass Ihre Mitarbeiter:innen in Zukunft effektiver und effizienter arbeiten werden.

4. Wie Sie entstehende Konflikte nachhaltig und souverän managen.

5. Wie Sie Top-Fachkräfte gewinnen und Ihre besten Mitarbeiter:innen langfristig an Ihre Apotheke binden.

Dieses Kapitel wird Sie als Führungskraft dabei unterstützen, wieder Ruhe und Zuversicht zu gewinnen und die neuen Chancen für sich selbst und für Ihr Apothekenteam zu erkennen. Damit Sie wieder voller Freude durchstarten und Ihrer Berufung weiterhin mit voller Leidenschaft folgen können und gleichzeitig Ihre Apotheke betriebswirtschaftlich gewinnbringend und zukunftsorientiert aufstellen können.

4.2 Vom Ich zum Du zum Wir – die Evolution der Apothekenführung

Was Kund:innen in den Workshops der Autorin N. Müller immer wieder hören, ist die Reise vom Ich zum Du zum Wir als Basis für eine zeitgemäße Führung in der Apotheke. Das ist nicht nur ein leerer Spruch, liebe Führungskraft, sondern die Evolution unserer Führungskultur und der einzig erfolgversprechende Weg.

Ich – der Anfang der Reise

Alles startet beim Ich. Das sind Sie, die Führungskräfte: die Macher:innen und Visionär:innen. Sie sind diejenigen, die den ersten Stein ins Rollen bringen. Sie setzen die Standards, leben die Werte vor und sind das Herz der Apotheke. Eine gute Führung beginnt mit einer starken Selbstführung.

Sie sollen sich eingeladen fühlen, sich mit Ihren eigenen Stärken zu befassen, sie zu erkennen, bewusst in Ihrem Führungsalltag auszuleben und dadurch authentischer und vertrauensvoller zu führen. Wer als Führungskraft seinen Mitarbeiter:innen gegenübertritt, benötigt ein hohes Maß an Selbstmotivation und Eigeninitiative, um wirklich als Vorbild agieren zu können. Wer nicht selbst für seinen Job brennt, kann nur schwer den Funken auf seine Mitarbeiter:innen überspringen lassen. Es