Arbeit 2.0 - Steffan Heuer - E-Book

Arbeit 2.0 E-Book

Steffan Heuer

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Beschreibung

"Willkommen im Arbeitsmarkt von morgen, in dem (fast) kein Detail einer Vita unbekannt und vor dem Zugriff beständig laufender Auswertung sicher ist." Steffan Heuer analysiert Trends und Experimente im Personalrecruiting und stellt sich die Frage, was gesellschaftlich, ethisch und rechtlich zulässig ist, wenn es darum geht, Hunderte Millionen Menschen nach ihren privaten Vorlieben, Schwächen und ihren Aktivitäten bei der Arbeit und in ihrer Freizeit zu verfolgen und zu sortieren – meist ohne deren Wissen oder Zustimmung.

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Seitenzahl: 24

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Steffan Heuer

Arbeit 2.0

E-Recruiting, ohne sich zu bewerben

Für die erfolgreiche Vorbereitung und Ausgestaltung der Karriere kann man nie früh genug mit dem Einsatz sogenannter »sozialer Netzwerke« beginnen – am besten schon im Kindesalter. Während frühere Generationen im wirklichen Leben Freundschaften schlossen und die Höhen und Tiefen sozialer Beziehungen ausloteten, bevor sie an Lehre und Karriere dachten, gehen moderne Teenager ganz kalkuliert »Kontakte« und »Verbindungen« ein, um ein bestimmtes Image ihrer selbst zu schaffen und zu pflegen, das über kurz oder lang zur Zulassung an der Wunsch-Universität führen oder den Weg zum besser bezahlten Job ebnen soll.

Die Rede ist nicht von Facebook oder anderen Plattformen mit vorwiegend Unterhaltungswert und der stets drohenden Gefahr, sich mit allzu freizügigen Meinungsäußerungen zu blamieren, sondern von beruflichen Netzen wie LinkedIn. Das kalifornische Unternehmen ist mit einer Mitgliederkartei von mehr als 260 Millionen Arbeitnehmern, Führungskräften und Unternehmern aus aller Welt die erste Adresse für professionelles Networking (Stand drittes Quartal 2013).

Wer sich dort anmeldet und regelmäßig die Details des eigenen Werdegangs vervollständigt oder aktualisiert und obendrein alle möglichen, meist flüchtigen Bekannten von Tagungen oder anderen Veranstaltungen als Geschäftskontakte hinzufügt, treibt nicht nur Egopflege fürs 21. Jahrhundert. Man füttert seine professionellen Details in die wohl größte Datenbank dieser Art, damit sie an Unternehmen und Headhunter weiterverkauft, ausgewertet und für das Personalwesen eingesetzt werden.

LinkedIn weiß besser, als jeder Recruiter es jemals zu ermitteln vermag, wer wo wie lange und in welcher Position arbeitet, wer wann welche Kontakte spielen lässt, um den Arbeitgeber zu wechseln, wer reif für den Absprung ist, oder wer der beste Ansprechpartner in einem Konkurrenzunternehmen wäre, um vielleicht gleich ein komplettes Team abzuwerben. Sogar wer die Arbeit anderer Mitglieder öffentlich lobt, lässt sich hier nachlesen. Um die Beschaffung dieser stets aktuellen Momentaufnahme eines großen Teils der Weltwirtschaft muss sich LinkedIn nicht einmal kümmern, da seine Mitglieder die wertvollen Bausteine gratis und mit großem persönlichem Einsatz frei Haus liefern.

Den Zugang zu diesen feinkörnigen Arbeitsmarktdaten lässt sich das Netzwerk von Personalabteilungen und Headhuntern teuer bezahlen. Weit mehr als die Hälfte seines Umsatzes von 972 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2012 stammten aus »Talent Solutions«, also der gezielten Suche nach geeigneten Kandidaten, um eine offene Stelle zu besetzen. Mehr als 22 000 Unternehmen zahlen bereits für ein solches Abonnement, das derzeit 8500 Dollar im Jahr kostet. Wer nach Kandidaten sucht, kann das neuerdings auch mithilfe einer speziellen App auf dem Smartphone oder Tablet, um diese, noch bevor sie an den Schreibtisch zurückgekehrt sind, von unterwegs aus anzusprechen.