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Atem: Ein ... und aus ... und ein ... Atmen ist Leben, vom ersten Schrei bis zum letzten Hauch. Doch wir holen nicht nur Luft, wenn wir Luft holen. Forscher und Therapeuten entdecken gerade neu, was die traditionelle Medizin längst lehrt: Der Atem kann Körper und Geist heilen. Die großen Themen der Zeit sind manchmal kompliziert. Aber oft genügt schon eine ausführliche und gut recherchierte GEO-Reportage, um sich wieder auf die Höhe der Diskussion zu bringen. Für die Reihe der GEO-eBook-Singles hat die Redaktion solche Einzeltexte als pure Lesestücke ausgewählt. Sie waren vormals Titelgeschichten oder große Reportagen in GEO.
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Seitenzahl: 23
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Herausgeber:
GEO
Die Welt mit anderen Augen sehen
Gruner + Jahr GmbH & Co KG,
Am Baumwall 11, 20459 Hamburg
www.geo.de/ebooks
eISBN: 978-3-65200-807-5
Atem – Die Luft zum Leben
Von Diana Laarz
Zusatzinfos
Richtig atmen
Atem in Zahlen
Atmen ist Leben, vom ersten Schrei bis zum letzten Hauch. Doch wir holen nicht nur Luft, wenn wir Luft holen. Forscher und Therapeuten entdecken gerade neu, was die traditionelle Medizin längst lehrt: Der Atem kann Körper und Geist heilen
Von Diana Laarz
Ich wollte mit Thomas Loew ein Telefoninterview führen. Nun atme ich in den Hörer, am anderen Ende der Leitung hört niemand zu. Ich solle immer weiteratmen, hatte Loew gesagt, vier Sekunden ein, sieben Sekunden aus. Er müsse mal eben etwas bei der Hauspost abgeben …
Vor unserem Gespräch hatte Loew mich gebeten, eine App auf mein Handy zu laden, einen Stress-Check. In seinem Labor an der Universität Regensburg nutzt der Professor für Psychotherapie Geräte, die Zehntausende Euro kosten, um zu untersuchen, was der Atem kann. Zur Ferndiagnose genügt auch das Smartphone.
Die App misst über einen aufgelegten Finger an der Fotolinse minimale Schwankungen meines Herzschlages. Die „Herzratenvariabilität“ verrät, wie gestresst ich bin. Die App zeigt null Prozent für tiefenentspannte Menschen. 100 Prozent sind das Maximum – also Vollstress.
Ich fühlte mich nicht gestresst. Trotzdem zeigte der erste Test 58 Prozent an. Das Handy-display meldete: „Sie befinden sich im Alarmzustand.“ Fehlte nur noch, dass ein rotes Lämpchen blinkt.
Also weiteratmen, betont langsam.
Thomas Loew nennt das „entschleunigte Atmung“. Im Alltag atmen Menschen zehn- bis zwanzigmal pro Minute ein und aus. Nach Loews Methode – vier Sekunden ein, sieben Sekunden aus – sind es etwa sechsmal. Er nutzt einen Reflex des Körpers. Ihm wird eine entspannte Situation ähnlich dem Tiefschlaf vorgegaukelt – und er glaubt es.
Als Loew nach einigen Minuten von der Poststelle zurückkehrt und ich wieder meinen Finger auf die Fotolinse lege, ist mein Stresslevel auf 21 Prozent gesunken.
Wirklich überraschend ist diese kurze Übung am Telefon nicht. Schließlich empfiehlt Volkes Mund bei Hektik, Wut und Lampenfieber: tief durchatmen. Menschen wissen intuitiv, dass ein ruhiger Atem Körper und Geist beruhigt. Sie nutzen das schon lange. Im rhythmischen Gebet des Rosenkranzes, bei der Wiederholung eines Mantras im Hinduismus, beim Singen eines Wiegenliedes.
Thomas Loew verweist darauf, dass die entschleunigte Atmung positiv auf Bluthochdruck und Panikattacken wirken kann. Außerdem soll sie Patienten mit Migräne, Lungenerkrankungen oder Asthma das Leben erleichtern. Folge- und Langzeitstudien fehlen noch weitgehend. Aber die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass der Atem viel mehr ist als ein Stresskiller.
