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Es geschah im Dezember des Jahres 3586, als Perry Rhodan mit seinen Gefährten die SOL verließ und zur BASIS übersiedelte, nachdem er den Solgeborenen das Generationenschiff offiziell übergeben hatte. Die neuen Herren der SOL sahen sich somit endlich in die Lage versetzt, ihre Wünsche zu realisieren. Sie trennten sich von der Menschheit, um ihre eigenen Wege zu gehen. Sie betrachteten den Weltraum als ihren eigentlichen Lebensbereich und das Schiff als ihre Heimat - und die meisten von ihnen scheuten davor zurück, das Schiff zu verlassen und einen Himmelskörper zu betreten. Seit der Zeit, da die SOL unter dem Kommando der Solgeborenen auf große Fahrt ging und mit unbekanntem Ziel in den Tiefen des Sternenmeeres verschwand, sind mehr als zweihundert Jahre vergangen, und niemand hat in der Zwischenzeit etwas vom Verbleib des Generationenschiffs gehört. Im Jahr 3791 ist es jedoch soweit - und ein Mann kommt wieder in Kontakt mit dem verschollenen Schiff. Dieser Mann ist Atlan. Die Kosmokraten entlassen ihn, damit er sich um die SOL kümmert. Die Verhältnisse auf dem Schiff zwingen den Arkoniden, das Leben eines Gejagten zu führen. Dabei kommt er auch zusammen mit MENSCHEN ZWEITEN GRADES ...
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Nr. 504
Menschen zweiten Grades
In den Elendsquartieren der SOL
von Horst Hoffmann
Es geschah im Dezember des Jahres 3586, als Perry Rhodan mit seinen Gefährten die SOL verließ und zur BASIS übersiedelte, nachdem er den Solgeborenen das Generationenschiff offiziell übergeben hatte.
Die neuen Herren der SOL sahen sich somit endlich in die Lage versetzt, ihre Wünsche zu realisieren. Sie trennten sich von der Menschheit, um ihre eigenen Wege zu gehen. Sie betrachteten den Weltraum als ihren eigentlichen Lebensbereich und das Schiff als ihre Heimat – und die meisten von ihnen scheuten davor zurück, das Schiff zu verlassen und einen Himmelskörper zu betreten.
Seit der Zeit, da die SOL unter dem Kommando der Solgeborenen auf große Fahrt ging und mit unbekanntem Ziel in den Tiefen des Sternenmeeres verschwand, sind mehr als zweihundert Jahre vergangen, und niemand hat in der Zwischenzeit etwas vom Verbleib des Generationenschiffs gehört.
Im Jahr 3791 ist es jedoch soweit – und ein Mann kommt wieder in Kontakt mit dem verschollenen Schiff. Dieser Mann ist Atlan. Die Kosmokraten entlassen ihn, damit er sich um die SOL kümmert.
Atlan – Der Arkonide bei den Menschen zweiten Grades.
Amos Ters – Ein Vystide.
Sedera Gampfer – Chefin einer Verteilerzentrale.
Elyt Avat – Anführer der Gang.
Dorsey Byrg und Sandy Wilson – Zwei technisch begabte Mitglieder der
Joung Kam lehnte lässig im Eingang der Lagerhalle, eine Hand in der Hosentasche, die andere mit dem Daumen hinter den leichten Thermostrahler an seiner Hüfte gehakt. Er schüttelte den Kopf.
»Manchmal frage ich mich«, sagte er, »warum wir das tun.«
Einer der anderen Haematen, wie Kam meist noch junge Männer, vierschrötige Kerle in Kampfkombinationen aus einem stählernen Blauschwarz, lachte trocken.
»Sie durchfüttern? Damit wenigstens die SOL-Farmer noch Arbeit haben, Joung. Damit sie nicht noch frecher werden. Ach, was weiß ich!«
Kam blickte finster drein. Seine Haltung konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er recht eigene Vorstellungen davon hatte, wie man mit den »normalen« Solanern umspringen sollte – also mit jenen, die weder zur SOLAG gehörten, noch zu den Buhrlos, Monstern, Extras oder SOL-Farmern. Amos Ters' Haltung ihnen gegenüber erschien ihm viel zu lasch. Doch Ters war sein direkter Vorgesetzter, und Kam hütete sich, ihn offen zu kritisieren.
Die knapp zwanzig Haematen, unter ihnen drei junge Frauen, beobachteten von einem der Eingänge aus, wie ein Dutzend Roboter eine Ladung Gemüse von einer der Farmen in die Verteilerstation brachten, die irgend jemand irgendwann einmal »Grouvy« getauft hatte. Die korrekte Bezeichnung lautete VS-3-SZ-1. Grouvy war eine von insgesamt acht solcher Stationen in der SZ-1. Von hier aus wurden zwölf Solaner-Gruppen unterschiedlicher Stärke versorgt, denen zusammen etwa 3000 Menschen angehörten. Früher einmal beherbergte die große Halle einen Info-Stand mit Bibliotheken und Archiven. Kaum jemand erinnerte sich noch daran. Kaum jemand interessierte sich noch für die Vergangenheit – außer den Terra-Idealisten und anderen Grüppchen, die auftauchten und wieder von der Bildfläche verschwanden. Nahrung und Kleidung waren den einfachen Solanern wichtiger. Oft nutzten sie die Gelegenheit, um Transporte zu überfallen oder blitzschnell eine »Sonderration« zu erhaschen. Darum waren Amos Ters und seine Haematen jedes Mal zur Stelle, wenn Nachschub für Grouvy ankam, hier im 23. Deck der SZ-1.
»Nichtstuer und unnötiger Ballast«, knurrte Kam, der aus seiner Ansicht keinen Hehl machte, dass die Mitglieder der SOLAG die SOL ganz gut allein führen und bevölkern könnten. »Ich verstehe den High Sideryt nicht.«
»Überlege dir, was du sagst«, flüsterte ihm sein Nebenmann zu, als Ters sich kurz zu ihnen umdrehte. Der Vystide in seinem enganliegenden, hochglänzenden, silbernen Metallfolienanzug stand in der Mitte der Halle neben einer Ahlnaten-Frau, die jede einzelne hereingetragene Ladung peinlich genau überprüfte.
»Ach was!« Kam nickte Ters zu, wie um zu sagen, dass draußen alles ruhig sei. Der Vystide bedachte ihn mit unwilligen Blicken, um sich dann wieder der Frau zuzuwenden. Kam fluchte. »Ich sage euch, eines Tages bekommen wir alle mehr Schwierigkeiten mit den Faulenzern, als uns lieb sein kann, wenn wir jetzt nicht härter durchgreifen. Eine der Gruppen, die von hier aus beliefert werden, hat sich schon einen passenden Namen zugelegt. Sie nennt sich die Gang.«
»Gang?«
Kam zuckte die Schultern.
»So nannten sich früher einmal bewaffnete Banden auf der Erde.« Das Wort kam verächtlich über seine Lippen. »Ich weiß es von ihr.«
Er deutete mit dem Kinn auf die Ahlnatin.
Sedera Gampfer war bekannt dafür, dass sie ihre Position als Chefin der Verteilerstation in mancher Beziehung schamlos ausnutzte. Nicht nur, dass sie Spaß daran hatte, die Verteilung der Waren ziemlich willkürlich vorzunehmen. Sie war in der Wahl ihrer Partner nicht zimperlich. Mit wem sie gerade zusammen war, der konnte sich einiges an Sonderrationen in die Taschen stecken, solange er sie bei Laune hielt. Es hieß, dass sie fast mit jedem Gruppenoberhaupt in diesem Bereich der SOL-Zelle-1 schon ein Verhältnis gehabt habe. Dabei erfuhr sie so einiges, das sie wiederum für ihre Zwecke auszunutzen verstand. Nach außen hin wirkte sie eher sanft und beherrscht, aber das täuschte. Sedera war nicht mehr die Allerjüngste, doch immer noch attraktiver als die meisten Frauen hier. Und ihre Reize wusste sie nur zu gut einzusetzen, wenn es um ihren Vorteil ging.
Immerhin hatte ihr das schon einige handfeste Auseinandersetzungen mit Ters eingebracht – und einen auf Betreiben des Vystiden erhaltenen Verweis von den Magniden, ihre Arbeit sachlicher durchzuführen.
Kam wäre an Ters' Stelle anders mit ihr umgesprungen. Der Vystide war im Gegensatz zu den anderen Offizieren fast umgänglich und verwechselte Gerechtigkeit mit Schwäche. Früher oder später musste er einen Fehler begehen, auf den der ehrgeizige Haemate nur wartete.
Kam beobachtete noch eine Zeitlang die Roboter, wie sie die Gemüsebehälter in der Halle abstellten oder direkt auf Antigravscheiben legten. Auch einige Fleischpakete von gezüchteten Tieren waren dabei, und Synthonahrung aus den Labors und Gegenstände für den täglichen Bedarf. Kam sah Kleidungsstücke, die von irgendeiner der Solaner-Gruppen hergestellt worden waren. In jeder Gruppe, die oft regelrechte Stadtstaaten bildeten, gab es ein paar Männer und Frauen, die sich noch auf dieses und jenes Handwerk verstanden und somit der ansonsten überall herrschenden Langeweile entgingen.
Das änderte nichts an Kams Meinung über sie.
Der Haemate blickte über die Köpfe seiner Kameraden hinweg auf den Korridor hinaus. Tatsächlich ließ sich kein Solaner blicken, um im passenden Moment etwas zu stehlen. Das war um so überraschender, als nicht alle Tage Transporte von solchem Umfang in Grouvy eintrafen.
Kam murmelte eine Verwünschung. Insgeheim hatte er gehofft, dass etwas geschehen würde, bei dem er sich vielleicht hätte hervortun können.
Auch die anderen Eingänge waren von Soldaten bewacht. Die Ferraten, die zur Entlastung der Vystiden sonst die Verteilerstation mit einigen alten Kampfrobotern kontrollierten, standen gelangweilt an den Wänden oder halfen den Robotern, wobei sie sich oft gegenseitig im Weg standen.
Acht weitere Maschinen erschienen, alle vollbepackt mit Kisten, Beuteln und Kleidungsstücken oder Decken. Kam lehnte interesselos im Eingang und hoffte, dass dieser ganze Zirkus bald vorüber sein würde und irgendwo in diesem Teil des Schiffes etwas geschah, das ihm Gelegenheit gab, seine angestauten Aggressionen loszuwerden.
Es geschah – und es geschah hier.
Zunächst sah es nur so aus, als wollten sich zwei der Roboter an den anderen vorbeidrängeln, um ihre Last möglichst schnell abzuliefern. Kam beobachtete sie ohne wirkliches Interesse.
Dies änderte sich, als er sah, dass sie sich hinter Ters' und Sederas Rücken vorbeischlichen, wobei sie es geschickt verstanden, die Unachtsamkeit und das Durcheinanderlaufen der Ferraten auszunutzen.
Kams Gestalt straffte sich. Er wollte seinen Nebenmann schon mit dem Ellbogen anstoßen, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Dann zögerte er.
Unauffällig sah er sich um. Niemand außer ihm schien das seltsame Verhalten der beiden Roboter bemerkt zu haben. Aller Augen waren auf Ters und Sedera gerichtet, die sich plötzlich heftig und lautstark zu streiten begannen.
Und das schien das Zeichen für die Roboter zu sein.
Die beiden Maschinenwesen huschten auf eine Wand zu, in der sich nun vor ihnen blitzschnell ein Schott öffnete. Sie glitten hindurch. Es schloss sich hinter ihnen.
Kam wartete darauf, dass jemand aufschrie und hinüberdeutete. Doch der Alarm blieb aus. Amüsiert oder verärgert über die weitere Verzögerung verfolgten die Männer und Frauen das Wortgefecht zwischen dem Offizier und der Ahlnaten-Frau. Niemand hatte die Ausbrecher gesehen. Niemand vermisste sie und das, was sie aus der Halle gebracht hatten.
Nun verstand Joung Kam von Kybernetik kaum etwas, von anderen Techniken und Wissenschaften nicht viel mehr. Nur eines wusste er: Roboter aßen kein Gemüse und stiegen nicht in für Menschen bestimmte Kleidungsstücke. Das aber konnte folglich nur bedeuten, dass sie für jemanden »arbeiteten« – für jemanden, der es verstanden hatte, an ihrer Programmierung zu drehen.
Aber wer sollte das sein? Und wer verstand sich überhaupt noch auf so etwas, außer den Spezialisten in Reihen der SOLAG?
Jemand, der das Zeug brauchen kann, das sie schleppen!, dachte der Haemate. Jemand, der jetzt irgendwo in der Nähe auf seine Lieferung wartet!
Das war seine ersehnte Chance.
Joung Kam drückte sich durch die Gruppe der umstehenden Haematen auf den Korridor hinaus. Er ging über den Korridor, bis er außer Sichtweite der Kameraden war. Dann bog er ab.
Er wusste, auf welchen Gang das Schott führte, durch das die Roboter verschwunden waren. Kam begann zu laufen. Er verschwendete keinen Gedanken daran, dass er Amos Ters hätte Meldung machen müssen. Sollte sein Verdacht zutreffen und er den Coup der Unbekannten vereiteln können, hatte Ters bald ohnehin nicht mehr viel zu sagen. Er, Joung Kam, aber konnte sich seine Sporen verdienen.
*
Ein Deck tiefer, ziemlich genau unter der Verteilerstation, lag das Gebiet der Gang, die nicht nur einigen Vystiden und Sedera Gampfer ein Begriff war. Der High Sideryt und die Magniden hatten ein wachsames Auge auf die Gruppen, die sich immer wieder neu bildeten, auflösten oder mit anderen zusammenschlossen. Allgemein konnte man sagen, dass die einzelnen Gruppen der »normalen« Solaner sich um so stärker voneinander abgrenzten, je länger die Krisen an Bord des mächtigen Schiffes andauerten und je massiver sie das Leben der Besatzung bedrohten. Die Spitze der SOLAG förderte sogar diesen Prozess, denn natürlich wusste sie, dass sie gegen eine geeinte Besatzung nicht viel zu bestellen hätte. Zerstrittene Gruppen waren leichter zu lenken. Oft genug griff die SOLAG manipulierend in die Verhältnisse einzelner Gruppen untereinander ein, etwa wenn eine von ihnen zu stark wurde. In solchen Fällen verstand die Schiffsführung es geschickt, andere Solaner gegen diese aufzuhetzen, wobei natürlich darauf geachtet werden muss, dass keine länger anhaltenden Kämpfe an Bord tobten. Genau genommen war dies eine Gratwanderung, die jederzeit verhängnisvoll ausgehen konnte.
Zwar waren die einfachen Solaner offiziell nicht bewaffnet, so dass die Gefahr eines regelrechten Bürgerkriegs kaum gegeben war. Sie verfügten über vergleichsweise primitive Hieb- und Stichwaffen. Unter der Hand jedoch wurden oft genug einzelne gestohlene Strahler gehandelt. Gruppen, die über Energiewaffen verfügten, waren anderen gegenüber natürlich im Vorteil. Doch selbst das Wissen um solche Waffen in Händen vereinzelter Männer und Frauen brauchte Chart Deccon und den Magniden noch keine schlaflosen Nächte zu bereiten. Zum einen hatten sie die Vystiden, Ferraten und Kampfroboter, die jeden Aufstand schnell im Keim ersticken konnten, zum anderen blieb den Anführern der einzelnen Gruppen gar nichts anders übrig, als mit der SOLAG zu kooperieren, wollten sie möglichst lange in Amt und Würden bleiben.
Natürlich gab es auch solche unter den Solanern, die Einheit und gemeinsames Handeln predigten. Immer wieder tauchten solche Propheten auf. Doch in der Regel waren sie schnell mundtot gemacht.
Wie groß, einflussreich und stark die Solaner-Gruppen im einzelnen waren, hing letztlich davon ab, welchen Bereich der drei SOL-Zellen sie beherrschten und kontrollierten. Wer in der Nähe von Labors angesiedelt war, entwickelte sich anders als jene, die in ehemaligen Kabinenfluchten, Lagerhallen oder Korridoren lebten oder neben Maschinenräumen ihr Dasein fristeten.
Trotz des fast schon programmatischen Namens stellte die Gang mit ihren nur 190 bis 200 Mitgliedern für die SOLAG kein Problem dar. Die Mitgliederzahl schwankte stetig, bedingt durch Geburten und Todesfälle – und der Tod war an Bord der SOL für Unvorsichtige ein schneller Besucher.
Die Gruppe nannte ihr Gebiet seit einiger Zeit Centerhaven. Und wo immer sie den uralten Begriff Gang aufgeschnappt hatten – die Männer und Frauen von Centerhaven hatten noch andere, ähnliche Bezeichnungen für sich und ihr Umfeld parat. So war Elyt Avat, ihr Anführer, für sie der »Boss«. Die wenigen Buhrlos in Centerhaven hießen »Space Kids«, und die drei Extras, mit denen man Centerhaven teilte, bekamen Namen je nach ihrem Aussehen.
Wer diese und andere Eigenheiten der Gang kannte, wusste auch sogleich über den jungen Mann Bescheid, dessen Namenszusatz »Manhattan« lautete.
Dorsey »Manhattan« Byrg und sein fast ständiger Begleiter Sandy Wilson gehörten noch zu den jungen Burschen der Gang. Sie waren kaum der Pubertät entwachsen, hatten die Köpfe voller verrückter Ideen und galten als unzertrennlich. Spötter sagten, dass sie selbst ihre Mädchen miteinander teilten.
Heute jedoch stand weder Byrg noch Wilson der Sinn nach Frauen. Sie hatten eine andere, faszinierendere Leidenschaft.
Centerhaven lag in der Nähe einer alten Reparaturwerkstatt der SZ-1, und dort verbrachten die beiden Jünglinge jede freie Minute, kramten in allen möglichen verstaubten Lagerräumen herum, immer auf der Suche nach etwas, mit dem sich etwas Aufregendes anfangen ließ.
Denn auch die Gang erstickte in Langeweile.
An diesem Tag war das anders.
Sandy Wilson und Dorsey »Manhattan« Byrg hockten in einem Raum der alten Werkstatt, den sie schon oft als Versteck benutzt hatten, wenn aufgebrachte Gruppenangehörige hinter ihnen her waren, denen sie mit ihren selbstgebastelten Maschinen Schrecken eingejagt hatten. Um eine Energiefräse herum waren zu Dutzenden leere Kisten gestapelt und vor den einzigen Eingang geschoben. Nur ein Loch blieb offen, gerade groß genug, um einen Mann hindurchkriechen zu lassen.
Byrg trommelte unruhig mit den Fingern der rechten Hand auf den glatten Boden. Wilson lag ausgestreckt neben ihm und starrte auf den Eingang.
»Du machst mich verrückt mit deinem Getrommle«, sagte er, ohne sich umzudrehen.
»Aber sie müssten schon da sein«, flüsterte Byrg, als hätte er Angst vor versteckten Abhörgeräten. Unruhig rutschte er bis zur Wand und ließ sich mit dem Rücken dagegen fallen. »Sie sind überfällig.«
»Bleib ruhig, Junge«, murmelte Wilson. »Cool ...«
»Cool! Cool! Auch dann noch, wenn sie uns auf die Schliche kommen?«
Wilson schien durch nichts zu beeindrucken. Träge drehte er sich auf die Seite und blickte den Freund kopfschüttelnd an.
»Wolltest du's tun oder nicht, eh? Es war deine Idee, wenn ich dich daran erinnern darf. Sicher gab's bei der Verteilung eine Verzögerung. Was weiß ich? Vielleicht macht Ters mit seinen Gorillas oben Stunk, oder Sedera macht dem Vystiden schöne Augen. Nun sieh mich nicht so an, Dorsey. Die Roboter werden schon kommen.«
»Ja«, knurrte Manhattan. »Kampfroboter!«
»Dorsey, manchmal glaube ich, dass du ...« Wilson winkte ab, grinste still in sich hinein und schob sich wieder in Lauerstellung.
»Ich muss verrückt gewesen sein, als ich mich darauf einließ«, fuhr Byrg in seiner Selbstbemitleidung fort. »Total verrückt. Eine Schnapsidee!«
»Deine Idee, Dorsey«, sagte Wilson nur.
Byrg richtete sich an der Wand auf und begann, unruhig auf und ab zu gehen, trat gegen am Boden liegende Schachteln und fluchte.
»Sie kommen nicht mehr, ich sag's dir. Außerdem – wie konnte ich wissen, dass du damit Ernst machen würdest? Verrückt, alles verrückt, und dabei soll der Mensch cool bleiben.«
»Und wir haben sowieso nicht mehr lange zu leben«, knurrte Wilson. »Dorsey, jetzt halt endlich die Klappe!«
»Ich sag ja schon nichts mehr.«
Manhattan zog sich in seinen Schmollwinkel zurück und versuchte, ruhig zu sein. Er blickte an sich herab und musterte dann den Freund.
Sie sahen heruntergekommen aus, aber kaum einer aus der Gruppe trug mehr als Fetzen am Leib – außer dem Boss natürlich. Avat trug immer hochgeschlossene Kleidung bis zum Hals und sogar Handschuhe.
