Perry Rhodan 2306: Die Kristallbörse - Horst Hoffmann - E-Book

Perry Rhodan 2306: Die Kristallbörse E-Book

Horst Hoffmann

2,0

Beschreibung

Der mysteriöse Kämmerer - seine Truppen regieren die Raumplattform Auf der Erde und den Planeten der Milchstraße ist das Jahr 1344 Neuer Galaktischer Zeitrechnung angebrochen - dies entspricht dem Jahr 4931 alter Zeitrechnung. 13 Jahre sind vergangen, seit eine Veränderung der kosmischen Konstanten die Galaxis erschütterte. Seither hat sich die Lage normalisiert: Der interstellare Handel funktioniert wieder, die Technik macht erneut große Fortschritte. Da bricht die Vorhut der Terminalen Kolonne TRAITOR über die Milchstraße herein. Die Terminale Kolonne gehört zu den Chaosmächten, die nun nach der Galaxis greifen. So genannte Kolonnen-Forts entstehen unbeobachtet überall in der Galaxis, um die zivilisierten Welten unter die Knute TRAITORS zu zwingen. Eines dieser Forts - TRAICOON 0098 - wird im Solsystem zerstört, doch sein Kommandant kann fliehen. Noch ahnen die Bewohner der Galaxis nicht, wie brisant die Lage tatsächlich ist, und so geht vieles seinen alltäglichen Gang. Sogar oberhalb der Freihandelswelt Lepso, wo ein wichtiger Warenumschlagplatz liegt: Es ist DIE KRISTALLBÖRSE...

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Nr. 2306

Die Kristallbörse

Der mysteriöse Kämmerer – seine Truppen regieren die Raumplattform

Horst Hoffmann

Auf der Erde und den Planeten der Milchstraße ist das Jahr 1344 Neuer Galaktischer Zeitrechnung angebrochen – dies entspricht dem Jahr 4931 alter Zeitrechnung. 13 Jahre sind vergangen, seit eine Veränderung der kosmischen Konstanten die Galaxis erschütterte.

Seither hat sich die Lage normalisiert: Der interstellare Handel funktioniert wieder, die Technik macht erneut große Fortschritte. Da bricht die Vorhut der Terminalen Kolonne TRAITOR über die Milchstraße herein. Die Terminale Kolonne gehört zu den Chaosmächten, die nun nach der Galaxis greifen.

Sogenannte Kolonnen-Forts entstehen unbeobachtet überall in der Galaxis, um die zivilisierten Welten unter die Knute TRAITORS zu zwingen. Eines dieser Forts – TRAICOON 0098 – wird im Solsystem zerstört, doch sein Kommandant kann fliehen.

Die Hauptpersonen des Romans

Der Kämmerer – Der Herr über LE-prachtvoll verliert die Kontrolle.

Quergelqoonilaxyolqoor – Ein Matten-Willy beobachtet und wird beobachtet.

Thomasz Emanuel – Ein Mann Gottes zieht gegen Satan zu Felde.

Solomon G. Gill – Der TLD-Agent misstraut seinen Augen und Ohren.

Inez Hatcher

1.

25. Februar 1344 NGZ

Über Lepso

Der Kopf des Unithers explodierte in einem Regen aus Rot und Gelb und Weiß mitten in einem Atemzug des für terranische Begriffe klobigen Wesens. Der Rüssel, Teile der Kleidung und gelblich braune Hautfetzen flogen nach allen Richtungen davon. Der Rumpf saß noch für Sekunden im Kontursitz am Spieltisch, in Zeitlosigkeit erstarrt. Dann sackte er zusammen wie ein Ballon, aus dem man die Luft herausgelassen hatte.

Die sechs anderen Spieler – zwei Terraner, zwei Plophoserinnen, ein Arkonide und ein Epsaler – starrten entsetzt dorthin, wo eben noch einer von ihnen gesessen hatte. Sie wechselten angstvolle Blicke.

Dann lösten sie sich, einer nach dem anderen, auf. Es war erst wenige Minuten nach Mitternacht.

Die Börsen-Garde fand Argen Thambs Leiche einige Minuten später in dessen Kabine, von wo aus sein Holo in den Spielsalon projiziert worden war. Ihr Bericht besagte später, dass der Unither durch eine Miniatur-Sprengkapsel gestorben war, die er zerbissen haben musste, als er beim Glücksspiel verlor.

Weitere Recherchen führten auf eine andere Spur: Der Unither war als Händler nach LE-prachtvoll gekommen, und hatte im Auftrag eines interstellaren Konzerns für einige Millionen Galax violette Criipas verkauft. Das war mehr, als normalerweise für eine halbe Tonne des gesuchten Hyperkristalls bewilligt wurde. Dem Unither war es jedoch anscheinend noch nicht genug gewesen, denn er hatte seinen Gewinn beim Spiel zu verdoppeln versucht – und alles verloren.

Über seine Hintermänner war nichts bekannt. Alle Ermittlungen in diese Richtung verliefen im Sand. Das – und gerade das – legte den Verdacht nahe, dass Argen Thamb aus Angst sein Leben beendet hatte; Angst vor denen, die ihn geschickt hatten, um ihre Schätze zu veräußern.

Der Fall wurde dem Börsen-Kämmerer vorgetragen. Der geheimnisvolle Mann, dessen Gesicht stets hinter einer Maske verborgen war, erklärte die Angelegenheit zur Chefsache. Es war nicht das erste Besorgnis erregende Vorkommnis in den letzten Tagen auf LE-prachtvoll.

Niemand kannte den Kämmerer. Niemand wusste um seine Identität. Doch wenn er ein Mensch war und menschliche Gedanken und Gefühle kannte, begann der neue Tag mit einem schlechten Omen.

2.

LE-prachtvoll

Das Spiel beginnt

Jorgas Etoto war der unumstrittene Chef der Etoto-Sippe. Die Zeit, als seine Schwester Drunata ihm diesen Rang streitig gemacht hatte, lag lange zurück. Statt Intrigen spann sie nun nur noch Raumfahrergarn um die gute alte ETOTO X, deren Kommandantin sie gewesen war, und ihre Abenteuer lange vor dem Hyperimpedanz-Schock. Ihre 37 Enkel lauschten ihr fasziniert, sehr zum Verdruss des alten Springer-Patriarchen.

Aber auch diese Zeit war längst vorbei. Heute hieß der Stolz der Sippe ETOTO XII. Jorgas Etoto gehörten 227 Schiffe, darunter mehrere Spezialraumer, doch die ETOTO XII war neu, erst vor einem halben Jahr aus der Werft gekommen und bestens auf die neuen Verhältnisse abgestimmt. Sie war ein fliegender Palast. Wo sie auftauchte, erregte die Walze Aufsehen.

So auch auf LE-prachtvoll, wo sie in einer der großen Ladebuchten stand und darauf wartete, ihre Fracht löschen zu können. Doch dazu musste Jorgas diese erst einmal verkaufen.

Und das war in diesen Tagen, da die halbe Galaxis den Hyperkristallen nachjagte, nicht mehr so einfach. Schon gar nicht auf LE-prachtvoll.

»Hör zu«, sagte Jorgas Etoto zu dem hoch gewachsenen, um nicht zu sagen: dürren Arkoniden.

Er war klapprig, so blass wie ein Ara und schien absolut keinen Humor zu besitzen. Jorgas’ lockere Sprüche verfingen bei ihm nicht. Er verzog keine Miene und fragte seit einer halben Stunde monoton nur das eine: »Kann ich mehr von der Ware sehen?«

»Hör zu«, sagte der Mehandor. »Es ist so einfach. Wir sind hier, um Khalumvatt zu verkaufen, roten Khalumvatt, besten Khalumvatt. Du bist hier, um guten roten Khalumvatt zu kaufen. Also, was hast du für ein Problem? Warum hebst du nicht deinen arkonidischen Hintern und stimmst dich mit deinen Auftraggebern ab? Ich halte die Ware, sagen wir … fünf Stunden, für dich zurück. Aber danach kann ich für nichts garantieren. Es gibt viele, die …«

»Ich möchte mehr davon sehen«, beharrte der Arkonide.

Der alte Patriarch schluckte. Er zog die dichten, feuerroten Brauen zusammen, dass sie wie ein dicker Strich über den kleinen, funkelnden Augen wirkten, und griff sich in den falschen Bart, der bis auf den Tisch reichte. Der Gesichtsschmuck war ein Implantat, für das er viel Geld bezahlt hatte, nachdem ihm bei einer Schießerei das halbe Kinn weggebrannt worden war.

Etoto sah sich verstohlen nach seinen Söhnen um, drei von sieben, und der einzigen Tochter, Tugasha. Die vier standen hinter ihm, die Arme verschränkt, mit finsterem Blick. Tugasha machte ein unanständiges Zeichen. Rubahl, der älteste Sohn, fuhr sich mit dem Zeigefinger über die Kehle.

Jorgas Etoto nickte grimmig und drehte sich in dem bequemen Kontursitz wieder dem großen runden Tisch und dem dünnen Mann zu, der ihm immer noch gegenübersaß. Er zeigte auf den kaum mehr als fingerkuppengroßen Kristall in einem transparenten Spezialbehältnis auf der Platte.

»Mehr anschauen kostet extra. Hier siehst du eine Probe von zehn Gramm Gewicht. Deine Leute …«, er hob den Kopf und deutete mit dem Kinn auf die beiden Arkoniden hinter seinem Gegenüber, »… haben sie gründlich geprüft. Sie haben Echtheit und ausgesuchte Qualität bestätigt. Also, was willst du noch? Ich habe dir einen Preis genannt, einen fairen Preis, der …«

»Einen Wucherpreis«, unterbrach ihn der Arkonide mit einem Gesicht wie aus Wachs.

»Für Khalumvatt dieser Reinheit zahlst du dieser Tage auf LE-prachtvoll überall zehn Millionen Galax pro Gramm!« Etoto schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. »Das ist der aktuelle Handelswert. Weil du mir aber sympathisch bist und irgendwie ja zur Familie gehörst, hab ich dir einen Freundschaftspreis gemacht: Du bekommst den Kristall für sage und schreibe acht Millionen pro Gramm. Aber wenn du dich weiter so anstellst, könnte ich es mir wieder überlegen.« Er sah demonstrativ auf sein Armband. »Ich habe meine Zeit nicht gestohlen.«

»Ich will mehr sehen«, wiederholte der Arkonide monoton. »Diese Probe hier ist in Ordnung. Aber du willst dreißig Kilo verkaufen. Ich bin befugt und bereit, sie dir abzukaufen, doch ich will mehr sehen!«

»Du zweifelst an der Echtheit der Ware?« Jorgas Etotos Stimme hatte einen neuen Klang bekommen. Aus den Augenwinkeln heraus sah er, wie sich die Haltung seiner Söhne und des »Mädchens« – das immerhin vorgestern 67 Jahre geworden war, sein Schädel brummte immer noch – veränderte. Sie waren bereit, und er hatte das Spiel satt.

»Diese Probe ist einwandfrei«, sagte der Arkonide. Wie ein verdammter Roboter!, dachte Etoto. Ist er einer? »Wenn der Rest auch so ist, kaufe ich.«

Etoto starrte ihn an. So kamen sie nicht weiter. Selbst acht Millionen pro Gramm waren ein gutes Geschäft. Es war ein großer Deal – konnte ein großer Deal werden. Aber wenn er dem Arkoniden den Gefallen tat, konnte es auch verdammt brenzlig für ihn werden.

Wie gut waren seine Leute? Waren es die Einzigen, oder konnte er noch andere rufen?

Besaßen sie verborgene Waffen? Wie standen die Chancen?

Bei den aktuellen Preisen standen Käufer für dreißig Kilo Khalumvatt dieser Güteklasse nicht eben Schlange, trotz des hohen Bedarfs. 24 Milliarden Galax waren ein Betrag, bei dem selbst reichen Galaktikern übel werden konnte. Knapper Markt – hoher Preis, dachte Etoto zufrieden, aber man darf’s nicht übersteuern. Wie auch immer die Preisschlacht um hochwertige Hyperkristalle sich weiterhin entwickeln würde, die 24 Milliarden brauchte er jetzt. Sie würden reichen, um die zehn neuen Schiffe zu kaufen, die er dringend brauchte. Oder einen ganzen Planeten mitsamt Regierung. Aber wenn sie ihm auf die Schliche kamen …

»Geh ins Schiff, Rubahl«, sagte der Patriarch zu seinem Ältesten. »Bring eine weitere Probe.«

»Bist du sicher, dass …?«

»Hopp!«, schnauzte Jorgas ihn an. »Ich warte!«

Er drehte sich nicht um, ließ den Arkoniden nicht aus den Augen.

Ein Spieler, dachte er grimmig. Aber wie gut ist er?

Wie gut waren seine Männer? Welche Tricks hatten sie drauf?

Etoto wartete. Er schwitzte.

*

»Es tut sich was«, sagte Inez Hatcher.

»Glaubst du … oder weißt du?«, fragte Solomon G. Gill.

»Ich hab ein Gespür dafür«, erwiderte die Terranerin. »Ich kann es riechen.«

Gill musterte sie schweigend. Inez Hatcher und er waren als terranische Handelsagenten nach LE-prachtvoll gekommen. Inez war hübsch, gut gewachsen, mit einem ovalen Gesicht und großen Augen, einem schmalen Mund und platinblond gefärbten, kurzen Haaren. Sie lächelte ihn an und nickte. »Das weißt du doch, oder?«

Natürlich wusste er es. Sie spielten eines ihrer alten Spiele, um die Zeit des Wartens zu verkürzen. Er und die 27-Jährige waren nicht das, als was sie hier geführt wurden – nicht nur. Er, fünf Jahre älter als sie, dunkler, sportlicher Typ mit viel Muskelmasse, dafür ohne Haare, drehte sich wieder dem flachen Schirm zu, der auseinander gefaltet auf seinen Knien lag. Sekundenlang starrte er auf das eigentlich nur als Schoner dargestellte Abbild der gigantischen Plattform, auf der sie sich seit gut zwei Wochen befanden. Selbst in dieser Form ließen sich ihre gewaltigen Ausmaße erkennen, was nicht nur an dem Planeten als Größenvergleich lag, über dem sie sich in einem 600-Kilometer-Orbit befand.

Lepso.

LE-prachtvoll, ursprünglich als Konkurrenz zum Galaktischen Spielkasino BASIS gedacht; 1329 NGZ als eine Art Erlebnispark konzipiert und ein Jahr später als eine gewollte Reminiszenz an die Werkstattplattformen der legendären Paddler aus Andromeda gebaut.

Da die originalen Paddler-Plattformen riesige Ausmaße erreicht hatten, war auch LE-prachtvoll bei ihrer Konstruktion künstlich aufgeblasen worden. Zwölf Kilometer Durchmesser bei 3,5 Kilometern Dicke waren für eine private Investition nicht unbedingt ein Pappenstiel. Diese Maße kamen allerdings nur deshalb zu Stande, weil allein die Außenschale der Plattform aus stabilem Material bestand. Das Innere war zu einem großen Teil nicht ausgebaut und somit komplett leer.

Gill tippte mit dem Zeigefinger auf den Schirm. Das Bild wechselte und zeigte die Kernzelle von 1500 Metern Durchmesser. Allein sie war wirklich voll ausgestattet. Dort befanden sich sämtliche Anlagen. Der gesamte Rest war von vornherein als Luftblase ausgelegt nach dem Motto: »Beeindrucken durch Größe«.

LE-prachtvoll – mittlerweile in der Galaxis besser bekannt als die Kristallbörse.

»Träumst du schon wieder?«, fragte Inez Hatcher. Gill winkte flüchtig ab und tippte wieder auf den Faltschirm, mehrere Male schnell hintereinander.

Das Bild wechselte in Sprüngen.

»Ich dachte nur gerade daran, was für ein gewiefter Fuchs dieser Homer G. Adams immer noch ist«, sagte er, ohne aufzublicken. Der Schirm zeigte jetzt einen großen, fast luxuriös eingerichteten Saal mit Barnischen, Sitzgruppen, Podesten, langen Tischen und dergleichen mehr. Hier trafen sich sowohl Abenteuersucher als auch ernsthafte und weniger ernsthafte Geschäftsleute, vom kleinen Händler bis zum Bevollmächtigten eines der großen galaktischen Konzerne, manchmal auch eines Sternenreichs. Und wenn man viel Glück hatte, sogar …

»Du meinst seinen Coup, als er 1337 NGZ die infolge der gestiegenen Hyperimpedanz Pleite gegangene Plattform zu einem Spottpreis kaufte und zu dem machte, was sie heute ist? Zwar immer noch Erlebnis- und Themenpark und ein bisschen Spielhölle für den, der’s nötig hat, aber vor allen Dingen die Börse?« Inez trat neben ihn und sah ihm über die Schulter. »Imposant, nicht wahr? Und vor allem die Art, wie er es gemacht hat. Er hat sein Gebot zum genau richtigen Zeitpunkt abgegeben und sofort den Zuschlag erhalten. Für ein Butterbrot.«

»Du hast Recht«, murmelte Gill.

»Natürlich. Das habe ich meistens. Schon vergessen?«

Er lachte kurz. »Ich meine nicht Adams. Ich … Sieh dir das an.«

Sie legte ihm die Hand auf die Schulter und beugte sich tiefer. Auf dem Schirm war jetzt ein großer Tisch zu sehen, um den zwei Parteien von Männern und eine Frau standen. Sie redeten aufgeregt aufeinander ein. Dann sprangen die beiden, die sich gegenübergesessen hatten, gleichzeitig auf.

»Wir haben richtig gelegen«, sagte Gill. »Gutes Näschen! Wir sollten uns langsam bereitmachen.«

Inez lachte. »Das bin ich schon lange.«

Solomon G. Gill stand auf, faltete den Schirm zusammen und steckte ihn ein. Er und seine Partnerin klatschten sich ab.

Es ging los.

*

Der braune Matsch hatte einen Durchmesser von etwa zwei Metern. Er warf Blasen und bildete Pseudopodien aus, Stielaugen und lange Fühler, die sich ortend in alle Richtungen drehten. Manchmal verharrten sie in ihrer Bewegung und zitterten leicht.

Der braune Matsch hatte sich durch die Trümmerlandschaft geschoben, ohne dass ein bestimmtes System in seiner Wanderung zu erkennen gewesen wäre. Er war über die Reste abgestürzter Gleiter und Flugpanzer geglitten und an den Ruinen einer Stadt vorbei. Er war tefrodischen Leichen ausgewichen und hatte respektlos an den Panzeranzügen maahkscher Raumlandesoldaten geschnuppert. Es gab nichts mehr zu schnuppern. Sie waren nicht nur schon lange tot, sie hatten auch nie wirklich gelebt. Die Maahks in diesem Teil der Erlebnislandschaft von LE-prachtvoll, dem »Themenpark Paddler/Andromeda«, waren nichts anderes als Roboter – und damit eigentlich das, wonach der braune Matsch suchte.

Der braune Matsch – sein Name lautete übrigens Quergelqoonilaxyolqoor, aber selbst seine Artgenossen nannten ihn nur Quergel – hatte seinen Posbi verloren. Hier in diesem Park, wo die Maahk-Attrappen, im Gegensatz zu den Tefrodern, gegen die sie eigentlich kämpfen sollten, nach der Übernahme durch Taxit, der Wiederinstandsetzung und der Neueröffnung vor fünf Jahren nicht reaktiviert worden waren. Die Tefroder waren, bis auf die Leichen, echt und lieferten einen eindrucksvollen Kampf gegen Gegner ab, die allesamt nicht echt waren. Das führte manchmal zu grotesken Situationen – und neugierige Besucher in die Irre.

Quergel war mit seinem Posbi vor vier Wochen nach LE-prachtvoll gekommen, um eine Weile die Atmosphäre der Erlebnis-Plattform zu genießen. Der Bereich, in dem auch jetzt wieder reger Spielbetrieb herrschte, interessierte sie ebenso wenig wie die Kristallbörse. Damit bildeten sie eine Minderheit, denn acht von zehn Besuchern, die in diesen Tagen den Weg nach LE-prachtvoll fanden, kamen wegen der Hyperkristalle. Die restlichen zwei teilten sich brüderlich in die, die des Spiels wegen kamen, und jene, die historisch interessiert waren.

Quergel war so fasziniert von den Tefrodern gewesen, dass er seinen Posbi zuerst aus den Stielaugen und dann ganz verloren hatte. Und seitdem war er auf der Suche nach ihm.

Zum Glück hatte er sich auf der Hundertsonnenwelt einen »Ammensender« implantieren lassen: Mit diesem Wunderwerk der Technik war es ihm möglich, »seinen« Posbi direkt anzufunken und zu orten. Meist benutzte er ihn nur als Sender, um mit dem empfindungsfähigen Roboter zu sprechen, ihn psychologisch zu betreuen – zumindest das, was Matten-Willys darunter verstanden. Quergel war bass erstaunt gewesen, als sein Posbi nicht auf Funkanrufe reagiert hatte und nicht mehr zu orten gewesen war. Beides machte ihm Angst. Am Ammensender konnte es nicht liegen, das Gerät wies keine Fehlfunktion auf. LE-prachtvoll war zwar riesig, doch ein ausgeklügeltes System an Orientierungshilfen und Info-Säulen in jedem größeren Raum sorgte dafür, dass sich hier niemand verlaufen konnte, der alle Sinne beieinander hatte. Sein Posbi hätte von sich aus merken müssen, dass sie einander verloren hatten, und seinerseits nach seinem Begleiter suchen müssen.

Auf keinen Fall hätte er sich ohne Grund taub gestellt oder gar in Luft aufgelöst – wenn ihm nicht etwas passiert wäre.

Aber jetzt hatte Quergel eine Spur; eine Ortung. Der braune Matsch zog sich zusammen und bildete einige hundert kleine Füße aus, die ihn schneller trugen als jede noch so rutschige Laufsohle.

Eines allerdings verstand der Matten-Willy nicht: Wenn seine Ortung stimmte, bewegte sich sein Posbi aus dem Inneren der 1500 Meter durchmessenden Kernzelle der Plattform hinaus und hinein ins Niemandsland, wo es nichts gab als leere Hallen und Gänge und Schächte, bis hin zu den Randbereichen mit ihren Hangars und Ladebuchten. Nur in der Kernzelle lagen die verschiedenen Themenparks, spielten sich in großen Holo-Panoramen die großen Schlachten der letzten fünfzigtausend Jahre ab, kämpften lebende Tefroder gegen robotische Maahk-Attrappen.

Quergel wusste, dass LE-prachtvoll in die Kugelzelle und sechs nach Farben gekennzeichnete Sektoren unterteilt war. Die beiden Sektoren Weiß und Gelb waren Sperrzonen. In Gelb wurden, so hieß es, die Eigentumsvorräte der Plattform aufbewahrt, mit dem streng gehüteten Börsen-Schatz, über den die tollsten Spekulationen im Umlauf waren. Über Weiß wusste Quergel nichts. Schwarz galt als Ausbaureserve, und die ehemals hohlen Bereiche Rot, Grün und Blau wurden derzeit noch als Börsenplätze neu gestaltet, teils als vermietete Depots, teils als Hangars für eintreffenden Raumschiffsverkehr.

Der Posbi befand sich im Sektor Grün. Aber was wollte er da? Warum gab er keine Antwort? Wenn er ihn orten konnte, musste er da sein. Und wenn er da war, musste er ihn auch hören.

Quergel seufzte blubbernd und lief schneller.

*

»Das ist kein roter Khalumvatt«, sagte der Arkonide, ohne eine Miene zu verziehen. »Das ist wertloses Howalgonium, vermischt mit minderwertigen Quarzen. Du bist ein Betrüger, Jorgas Etoto.«

Der Patriarch starrte ihn an, sah ihm fest in die Augen. Dann wanderte sein Blick zurück zu der zweiten »Probe«, die Rubahl von der ETOTO XII gebracht hatte.