Atlan 619: Planet in Flammen - Horst Hoffmann - E-Book

Atlan 619: Planet in Flammen E-Book

Horst Hoffmann

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Beschreibung

Die Verwirklichung von Atlans Ziel, das schon viele Strapazen und Opfer gekostet hat - das Ziel nämlich, in den Sektor Varnhagher-Ghynnst zu gelangen, um dort den Auftrag der Kosmokraten zu erfüllen - scheint nun außerhalb der Möglichkeiten des Arkoniden zu liegen. Denn beim entscheidenden Kampf gegen Hidden-X wurde Atlan die Grundlage zur Erfüllung seines Auftrags entzogen: das Wissen um die Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst. Doch Atlan gibt nicht auf! Im Bewusstsein, sich die verlorenen Koordinaten wieder besorgen zu müssen, folgt der Arkonide einer vagen Spur, die in die Randgebiete der Galaxis Xiinx-Markant führt, wo die SOL in erbitterte Kämpfe verwickelt wird. Inzwischen schreibt man an Bord des Generationenschiffs das Ende des Jahres 3807 Terrazeit. Der hoffnungslos anmutende Kampf gegen das Manifest C, das die SOL in die Vernichtung zu führen drohte, ist siegreich beendet - dank den Informationen vom Atlan-Team, das bereits in der Zentrumszone von Xiinx-Markant weilt. Für Cpt'Carch hingegen, den Extra, der die SOL verließ, um auf seinem Heimatplaneten Cpt in neuer Körperform wiedergeboren zu werden, beginnt der Kampf ums Überleben erst jetzt in dem Moment, als Anti-Homunk seine lebenden Bomben aussendet. Cpt'Carchs Heimatwelt ist plötzlich ein PLANET IN FLAMMEN ...

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 619

Planet in Flammen

Anti-Homunk schickt die lebenden Bomben

von Horst Hoffmann

Die Verwirklichung von Atlans Ziel, das schon viele Strapazen und Opfer gekostet hat – das Ziel nämlich, in den Sektor Varnhagher-Ghynnst zu gelangen, um dort den Auftrag der Kosmokraten zu erfüllen – scheint nun außerhalb der Möglichkeiten des Arkoniden zu liegen. Denn beim entscheidenden Kampf gegen Hidden-X wurde Atlan die Grundlage zur Erfüllung seines Auftrags entzogen: das Wissen um die Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst.

Doch Atlan gibt nicht auf! Im Bewusstsein, sich die verlorenen Koordinaten wieder besorgen zu müssen, folgt der Arkonide einer vagen Spur, die in die Randgebiete der Galaxis Xiinx-Markant führt, wo die SOL in erbitterte Kämpfe verwickelt wird.

Inzwischen schreibt man an Bord des Generationenschiffs das Ende des Jahres 3807 Terrazeit. Der hoffnungslos anmutende Kampf gegen das Manifest C, das die SOL in die Vernichtung zu führen drohte, ist siegreich beendet – dank den Informationen vom Atlan-Team, das bereits in der Zentrumszone von Xiinx-Markant weilt.

Für Cpt'Carch hingegen, den Extra, der die SOL verließ, um auf seinem Heimatplaneten Cpt in neuer Körperform wiedergeboren zu werden, beginnt der Kampf ums Überleben erst jetzt in dem Moment, als Anti-Homunk seine lebenden Bomben aussendet.

Die Hauptpersonen des Romans

Twoxl – Cpt'Carch in neuer Gestalt.

Promk – Anführer der Kalmorer.

Torl – Eine lebende Bombe.

Henny Lupino – Eine Solanerin riskiert ihr Leben.

Breckcrown Hayes – Seine SOL wird wieder in Kämpfe verwickelt.

Atlan

1.

Der unglaubliche Gegner

Ein helles Pfeifen weckte Clynth aus seinem Dämmerschlaf. Es war ein Geräusch, wie der Kalmorer es niemals vorher gehört hatte.

Müde schlug Clynth die Augen auf. Jatta saß ihm gegenüber am Feuer, die Beine an ihren Körper gezogen und die Knie mit den langen Armen umschlungen. Ihr Kopf mit der tiefschwarzen Haarmähne lag ruhig zwischen ihnen.

Clynth lauschte. Das Pfeifen verklang, und nichts war mehr zu hören außer dem leisen Knistern der trockenen Scheite.

Der Kalmorer warf einen Blick auf den doppelt faustgroßen blaugrauen Klumpen, der zwei Schritte neben ihm auf dem Boden des Felseneinschnitts lag. Für einen Moment glaubte er, dass ein Teil seiner Oberfläche sich erhellte. Dann sagte er sich, dass es nur der Widerschein des Feuers war, das gespenstische Schatten auf die Felsen ringsum zauberte.

Es war nichts, dachte er. Ein Traum oder eine Einbildung. Twoxls Warnungen vor einer neuen Gefahr lässt uns Dinge sehen und hören, die überhaupt nicht vorhanden sind.

Clynth legte Scheite nach und zog sich seine Decke bis über die Schultern. Nicht nur wegen der nächtlichen Kälte sehnte er sich nach dem neuen Tag. Er wollte zur Siedlung am Wasser zurück. Die Körbe waren randvoll mit Cpt'Wons. Nachts zu marschieren, konnte in diesem unerforschten Teil der Welt sehr schnell den Tod bedeuten. Denn überall lauerten die hungrigen Cpt'Taks. Es schien mehr von ihnen zu geben als vor der Katastrophe.

Der Kalmorer schlief nicht mehr ein. Er kämpfte gegen die Müdigkeit an. Bis zum Sonnenaufgang war es kaum noch eine Stunde. Es hieß wachsam zu sein, denn auch die Eier der Cpt'Cpts bedeuteten Gefahr. Jetzt, nachdem jener Einfluss durch Twoxl ausgeschaltet war, der ihre Entwicklung über mehr als fünfzig Jahre hinweg verhindert hatte, konnten sie sich in Cpt'Taks verwandeln.

So geschah es nun laufend in der Siedlung. Niemand vermochte den Prozess aufzuhalten, der nicht bei der ersten Verwandlung endete.

Cpt'Taks vollzogen den nächsten Schritt und wurden zu Cpt'Noks, die einmal die Herren, Freunde und Beschützer der Kalmorer gewesen waren.

Aber die neuen Cpt'Noks starben nach wenigen Stunden. Was die Metamorphose der Cpt'Cpts so lange verhindert hatte, existierte nicht mehr – wohl aber das, was die Cpt'Noks und Cpt'Kuls dahingerafft hatte und auch jetzt nicht leben ließ. Einzig Twoxl war dagegen immun, doch das hing mit seiner einmaligen Entwicklung zusammen. Denn er war Cpt'Carch gewesen.

Clynth schrak auf, als er das Pfeifen wieder hörte. Jetzt klang es viel schriller – und nahe.

Der Kalmorer sprang in die Höhe und warf den Kopf weit in den Nacken. Auch Jatta war wach und starrte erschreckt in den Himmel.

Drei, vier Sterne standen nicht wie die anderen funkelnd am Firmament, sondern bewegten sich über die Berge. Sie zogen eine gerade Bahn, wurden schneller und heller. Das Pfeifen steigerte sich. Clynth sah weitere Lichter, die scheinbar aus dem Nichts entstanden und bald so grell waren, dass sie seine Augen blendeten.

»Clynth!«, schrie Jatta. »Die Sterne stürzen herab!«

Er dachte das gleiche. Das Pfeifen änderte sich, wurde zu einem ohrenbetäubendem Brausen. Clynth presste sich beide Hände gegen den Kopf und schloss die Augen. Jatta warf sich flach hin, als die Helligkeit unerträglich wurde und der erste Aufschlag erfolgte.

Clynth spürte das Beben des Felsens unter seinen Füßen, einmal, zweimal, dreimal. Der letzte Schlag ließ ihn vornüberstürzen. Noch einmal zog ein Licht heulend seine Bahn und verlor sich in der Ferne. Dann war wieder Stille.

Clynth lag neben Jatta. Sie kroch zu ihm und suchte Schutz in seinen kräftigen Armen. Er begriff überhaupt nichts. Er fühlte nur rein instinktiv, dass er Zeuge von etwas Ungeheuerlichem geworden war.

Der Kalmorer wartete eine Weile. Erst als es ruhig blieb, richtete er sich auf. Jatta klammerte sich an ihn.

»Was war das?«, fragte sie flüsternd. »Ich sah deutlich, wie die Sterne immer näherkamen und ...«

»Sie sind über uns hinweggezogen«, murmelte Clynth. »Aber der letzte muss ganz nahe heruntergekommen sein. Und es ... waren keine Sterne.«

Sterne fielen nicht einfach herab.

Clynth drehte sich um und suchte nach dem Twoxl-Stein. Er musste eine Antwort wissen, denn als Teil des großen Twoxl wusste er fast alles.

»Er ist nicht mehr da!«, entfuhr es dem Eingeborenen.

»Dann ist er geflohen«, flüsterte Jatta. »Und wenn wir klug sind, tun wir das auch. Ich will gar nicht wissen, was da zu uns herunterkam, Clynth! Lass uns jetzt aufbrechen und nicht bis zum Morgen warten!«

Clynth blieb unsicher stehen, als Jatta sich anschickte, zu den Körben zu gehen. Er war kein Feigling. Zwar schlug auch ihm das Herz bis zum Hals, doch er wollte nicht einfach davonlaufen.

»Clynth!«, drängte die Gefährtin.

Eine gewisse Neugier mischte sich in die kreatürliche Scheu vor dem Unheimlichen. Der Kalmorer stieg auf einen Felsen und versuchte, über den Rand des Einschnitts zu blicken. Die Deckung befand sich im Hang eines Berges, durch den sich die Furche viele Bogenschüsse weit zog. Am Fuß des Berges lag eine mittelgroße Ebene.

»So komm, Clynth!« Jattas Stimme verriet aufkommenden Zorn. »Oder ich gehe allein!«

Sie wusste so gut wie er, dass sie das nicht tun würde. Clynth schüttelte langsam den Kopf.

»Twoxl ist nicht geflohen«, sagte er. »Er wird nach dem Licht suchen.«

»Dann lass ihn suchen! Er ist schneller und klüger als wir!«

Sie hätte es nicht sagen dürfen. Jatta erreichte damit nur das Gegenteil von dem, was sie wollte.

Vor wenigen Tagen erst waren sie in die Siedlung am Wasser gekommen, Flüchtlinge, deren Dorf durch die Beben und Stürme zerstört worden war wie so viele andere. Sie hatten Aufnahme gefunden, Freunde und noch etwas viel Wichtigeres.

Promk, der Anführer der Kalmorer am Wasser, verkündete den Beginn einer neuen Zeit. Die Kalmorer, innerhalb weniger Jahrzehnte intelligent geworden, sollten nicht länger in kleinen Gruppen ein sinnloses Dasein führen, sondern zusammen etwas Großes schaffen – ein Volk, das vielleicht einmal die Nachfolge der Cpt'Cpts antreten würde.

Jedem kam eine neue Verantwortung zu, nicht nur für sich selbst, sondern für die Gesamtheit, sollte das Werk gelingen. Und die Kalmorer durften sich nicht darauf verlassen, dass Twoxl immer zu ihrem Schutz da sein würde.

»Ich muss wissen, was es war«, sagte Clynth. »Vielleicht sind wir die einzigen, die unsere Brüder und Schwestern warnen können.«

»Du bist verrückt!«, rief Jatta. »Wovor warnen?«

»Das eben müssen wir herausfinden.«

Clynth ging zum Feuer zurück, löschte es mit der Decke aus und nickte Jatta auffordernd zu. Sie sah die Entschlossenheit in seinem Gesicht und gab auf. Fluchend folgte sie ihm die Felsen hinauf, bis sie auf dem abfallenden Hang standen und die Ebene in ihrer ganzen Ausdehnung vor sich sahen.

Clynth konnte den Aufschrei nicht unterdrücken.

Er hatte erwartet, ein Licht auf dem freien Gelände zu sehen.

Statt dessen war die Ebene von kleinen, funkelnden Körpern übersät.

*

Promk drehte den Kopf über die Schulter und sah Twoxl heranschweben. Es überraschte ihn nicht, denn die ganze Siedlung war auf den Beinen. Die Nachricht von den Himmelslichtern hatte sich rasend schnell verbreitet und auch den Cpt'Kul erreicht, der seit seiner Rückkehr aus den Bergen bei den Käfigen der Cpt'Taks wachte.

Twoxl bestand augenblicklich nur aus drei seiner Teile, die er Komponenten nannte und zur Unterscheidung mit Zahlen belegte. Allerdings galt dies nur für ihn. Für Promk und jeden anderen Kalmorer war eines der doppelt faustgroßen Gebilde wie das andere – unförmig, an Steine erinnernd.

»Du hast die Lichter gesehen?«, fragte der Cpt'Kul. Seine Stimme klang zirpend. Promk konnte nicht feststellen, welche der drei Komponenten sie mit Hilfe der Sprechmembrane produzierte. Vielleicht war es jene, die ihm die schwach schimmernde Sehfläche zuwandte.

»Ich sah sie«, bestätigte der Kalmorer. »Jedenfalls noch die letzten von ihnen. Sie zogen weit über die Siedlung hinweg.«

»Aber du weißt, was sie bedeuten können. Ceemer, der in den vergeistigten Cpt'Cpts aufging, warnte mich deutlich genug. Anti-Homunk, der eigentliche Feind meines Volkes, weiß vermutlich von der Vernichtung seines körperlosen Roboters. Zeepkörob konnte im Moment seines Erlöschens eine Botschaft senden. Anti-Homunk wird nichts unversucht lassen, um die Zone zu zerstören, die die Vergeistigten um Cpt herum aufgebaut haben. Denn sie ist ihm hinderlich. Sie schirmt unsere Welt von Anti-Homunks verderblichen Einflüssen ab.«

Soviel Promk von Twoxls Worten verstand, wurde der Weltraum um Cpt von einer negativen Macht beherrscht, die für das Absterben der höheren Cpt-Formen verantwortlich war und nichts duldete, das sich ihren Zielen widersetzte.

»Zeepkörob konnte Cpt nicht zerstören – und damit die Vergeistigten beseitigen, wie ihm aufgetragen war«, fuhr Twoxl fort. »Anti-Homunk wird also andere schicken, die uns auslöschen sollen.«

Uns – damit meinte Twoxl das ganze Volk.

Es war immer noch schwer für Promk, sich ein Bild von der komplizierten Entwicklung der Cpt'Cpts zu machen – vom Cpt'Won bis hin zu dem, was Twoxl als Endstadium bezeichnete.

Am Anfang standen die Cpt'Wons – kleine flache Eier, die man an Felsen, in Höhlen und Ruinen fand. Nach drei Jahren lösten sie sich zu einem zähen Sekret auf, und aus diesem entstanden die gefräßigen, hochgefährlichen Cpt'Taks, die zweite Form. Erst vor kurzem war es den Kalmorern am stehenden Fluss gelungen, sie zu zähmen.

Auf sie folgten die Cpt'Noks. Sie waren einmal die einzige intelligente Lebensform auf Cpt gewesen, hatten die Siedlungen bewohnt und jeweils 77 Jahre gelebt, bevor sie verschwanden.

Sie waren nie wirklich verschwunden und nie wirklich die einzige intelligente Art auf Cpt gewesen. Das wusste Promk nun, und andere hatten es vor ihm geahnt. Kennzeichnend für alle Entwicklungsstadien der Cpt'Cpts war, dass keine Form wusste, wie die nächsthöhere aussah.

Twoxl stellte die vierte Form dar. Kalmorer auf der Jagd hatten oft von den seltsamen Steinen berichtet, die wie verstreut in den Bergen lagen. Es handelte sich jedoch nicht um Steine, sondern um die Komponenten eines Cpt'Kul. Immer bildeten sieben von ihnen die Einheit. Sie konnten getrennt operieren und sich dann über selbst größte Entfernungen hinweg unterhalten.

Die sechste und letzte Form stellten die vergeistigten Cpt'Cpts dar.

Wie die fünfte Form aussah und ob es sie überhaupt noch gab, war und blieb ein Rätsel.

»Was tun wir?«, fragte Promk.

»Im Augenblick gar nichts«, entgegnete Twoxl. »Es genügt, dass bereits zwei von euch in Gefahr sind.«

Promk starrte ihn verständnislos an.

»Clynth und Jatta«, sagte Twoxl. »Sie sind noch nicht aus den Bergen zurück, wo sie neue Cpt'Wons abernten sollten. Die Lichter am Himmel, Promk – sie sind überall auf Cpt niedergegangen. Eine meiner Komponenten war bei Clynth und Jatta. Die anderen drei beobachten die gelandeten Lichter ebenfalls.«

»Weshalb sagst du das jetzt erst?«, fragte der Kalmorer heftig.

»Beruhige dich, Promk«, sagte Twoxl. »Ich werde alles tun, um Clynth und Jatta zu schützen.«

*

Clynth und Jatta bewegten sich in der Deckung von herumliegenden Felsen. Der Hang lag hinter ihnen, vor ihnen leuchteten die Lichter wie glühende Riesenpilze.

Es sah nicht so aus, als sollten weitere von ihnen vom Himmel kommen. Während des vorsichtigen Abstiegs war kein einziges Mal mehr das Pfeifen zu hören gewesen. Statt dessen lastete nun ein unheimliches Summen über der Ebene.

»Das Leuchten wird schwächer«, flüsterte Clynth, als er in einem Moosfeld lag, nur den Kopf erhoben. Tatsächlich verloren die Lichter an Intensität, einige erloschen bereits. In der einsetzenden Morgendämmerung konnte der Kalmorer zum ersten Mal Einzelheiten ausmachen. Sein gedachter Vergleich mit Riesenpilzen traf zu. Wo die Helligkeit wich, stand ein Gebilde mit dickem Stiel und einem halbkugelförmigen Hut darauf.

Jatta hatte die Angst weitgehend verloren. Auch sie war von brennender Neugier erfasst, nachdem nichts von dem eingetreten war, was sie befürchtet haben mochte. Weder hatten die Lichter sich bewegt oder gar angegriffen, noch schienen die Sternengötter die beiden Kalmorer für ihre Vermessenheit strafen zu wollen. Alles war ruhig bis auf das Summen.

Und doch hatte Clynth das Gefühl, als bereitete sich etwas ganz langsam vor. Er suchte nach dem Twoxl-Teil und fand ihn nicht.

»Siehst du den einzelnen Pilz dort vorn, Jatta?«, flüsterte er. »Wir können bis fast an ihn herankriechen, ohne von ihm entdeckt zu werden.«

»Wieso sollte er uns entdecken können?«, fragte die Gefährtin verwirrt. »Er hat keine Augen und ...«

»Twoxl sieht auch ohne Augen. Bleib dicht bei mir.«

Der Kalmorer schob sich lautlos voran. Nichts rührte sich. Die Ebene mit den Pilzen darauf wirkte wie eingefroren. Über die Hälfte von ihnen waren inzwischen erloschen. Dafür steigerte sich die Eindringlichkeit des Summens.

Die Pilzgebilde waren unterschiedlich groß. Einige besaßen die Höhe eines Kalmorers, während andere kaum größer waren als ein Getreidehalm. Das traf auch auf ihre Dicke zu. Gemeinsam war ihnen nur die Grundform und dass sie wie eingepflanzt in der Ebene standen.

Nur noch wenige Schritte von dem etwas abseits stehenden Etwas entfernt, blieben Clynth und Jatta liegen. Glattpoliertes Metall und Glas waren ihnen unbekannt, und so konnten sie lediglich feststellen, dass die Oberfläche des Pilzhuts durchscheinend schimmerte und der Stiel unnatürlich glänzte.

Das Summen schwoll nun sprunghaft an. Clynth hörte das Pochen seines Blutes in den Schläfen. Als er die Bewegung hinter der Huthülle wahrnahm, war es zu spät zur Flucht.

Krachend barst der Pilzhut in Stücke.

Jatta schrie auf. Als Clynth ihr die Hand auf den Mund presste, hatte sich der Kopf des Wesens schon zu ihnen umgedreht.

Es schien aus dem schimmernden Stiel herauszuwachsen. Unter zwei weit hervorquellenden Kugelaugen spaltete ein breites Maul den runden Schädel. Er saß auf einem kurzen Hals, der schulterlos in einen Oberkörper überging, aus dem vier dünne Arme ragten. An ihren Enden befanden sich mehrere schlangenförmige Finger. Sie klammerten sich an den Rand der Stielröhre, so dass es schien, als wollte sich der Körper aus ihr herauszwängen.

Clynth wagte nicht zu atmen. Jatta hatte die Augen geschlossen. Clynth versuchte aufzuspringen und davonzulaufen, doch seine Glieder versagten ihm den Dienst.