Auf der Vespa durch England - von Motorliebe - E-Book

Auf der Vespa durch England E-Book

von Motorliebe

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Beschreibung

Was bringt einen dazu, mit der Vespa durch Großbritannien zu fahren? Ist es das großartige Wetter oder doch eher die Gourmetküche? Wieder einmal satteln die Motorliebe-Jungs ihre Vespas PX 200 aus den 80ern und wandeln auf den Spuren der Mod-Bewegung der 1960er-Jahre, deren bevorzugtes Fortbewegungsmittel ebenfalls der Roller war. Die Leser erwartet ein anekdotenreicher Bildband, der seinen Vorgängern in nichts nachsteht. Er lässt weder Routen- noch Reisebeschreibungen vermissen und zeichnet durch zahlreiche Interviews ein starkes Bild vom Istzustand des Landes. In den Kapiteln wird die Rundreise beschrieben, keine der Reparaturen verheimlicht, die Koordinaten, Höhenmeter, Steigungen, Benzin- und Ölverbrauch für Nachahmer exakt angegeben. Die Erfolgsserie "Mit der Vespa um die Welt" ist beim dritten Teil in Großbritannien angekommen. Im ersten Teil fuhren die kleinen Roller einmal quer durch die USA, im zweiten erkundete man in Island den Kontrast zwischen Feuer und Eis – so kommen die Autoren ihrem Fernziel – Japan ¬– mit jeder Reise ein Stück näher. • einzigartige Roadstory durch England und Schottland mit witzigen Begegnungen • total charmantes Reisebuch für Vespa-Fahrer und UK-Fans • anekdotenreicher Foto-Bildband für UK-Freunde • einmalige Locations • Vespa – ein Lebensgefühl ohne Einschränkung. Ohne Neid. Ohne Grenzen. • 3. Teil der Serie "Mit der Vespa um die Welt"

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Seitenzahl: 132

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1.Auflage 2017© Delius Klasing & Co. KG, Bielefeld

Folgende Ausgaben dieses Werkes sind verfügbar:ISBN 978-3-667-10920-0 (Print)ISBN 978-3-667-11235-4 (Epub)

Idee: MotorliebeText: Michael BlumensteinLektorat: Hanno VienkenFotos: Dani Heyne, Marius WolframTitelgestaltung und Layout: Dani Heyne, Stephan HaackLithografie: Mohn Media, Gütersloh

Datenkonvertierung E-Book: HGV Hanseatische Gesellschaft für Verlagsservice, München

Alle Rechte vorbehalten! Ohne ausdrückliche Erlaubnis des Verlages darf das Werk, auchTeile daraus, nicht vervielfältigt oder an Dritte weitergegeben werden.

www.delius-klasing.de

PROLOG

Hallo. Wir sind es wieder: Team Motorliebe. Nach den USA und nach Island haben wir unsere Reiseroute gen Osten fortgesetzt. Großbritannien, United Kingdom oder Vereinigtes Königreich – nennt es, wie Ihr wollt – stand auf unserem Kurs. Die Bezeichnungen hören sich groß an; das Land und die Landschaften sind es. Groß an Traditionen, groß an Geschichte, groß an Humor, groß, um es mit der Vespa zu bereisen. Wir wollten es groß erleben; mit unseren kleinen Zehnzöllern befahren, die Zeit zwischen Ankunft und Abreise genießen.

In Ullapool, in Schottlands Norden, sind wir gestartet und haben auf knapp 3.000 Kilometern primär die Westküste nach Süden berollert – Land’s End war das Ziel. Auf der Vespa durch Schottland, England und Isle of Man zeigt, wie schön, wie skurril, wie vertraut und doch immer wieder überraschend anders Land und Leute sind. Der Reiz dieser Episode? Nun ja, abgesehen von den mehr oder weniger bekannten Eigenheiten bereisten wir Teile Großbritanniens, als gerade klar wurde, dass die Briten der EU entschwinden. Logo, dass das immer wieder Thema war, und dabei nicht einmal von uns initiiert.

Aber natürlich geht es auch in diesem Buch hauptsächlich darum, dass unsere beiden italienischen Ladys unbekannte Orte entdecken und dort schräge Typen treffen und wir alles in gewohnter Weise dokumentieren. Nach wie vor ist die Reise das Ziel, die Reise mit den Vespas. Denn sie öffnen auch bei Briten, Schotten, Engländern, Cornish und den Manx Haus und Hof.

War das zu kompliziert? Okay, nochmal einfach: Auch dieses Buch ist kein Reiseführer, kein Abenteuerroman, keine Blaupause für ideale Rollertouren oder gar Selbstfindungstrips. Es ist ein anekdotenreicher Bildband, der Reisehungrige, Träumer, Abenteurer und Rollerfans einlädt, ein Stück mit uns zu fahren. Den Blick über die flachen Lenker schweifen zu lassen und diese wunderbare Welt aufzusaugen. Um die Lust und den Mut zu finden, selbst etwas zu starten. Denn es sind die erfüllten Träume, die uns wirklich reich machen.

Die richtige Vorbereitung der Reise ist alles – wir hatten dieses Mal keine. Dass es früh dunkel und spät hell wurde, störte dabei noch am wenigsten. Doch seit dieser Tour lieben wir unsere schwach leuchtenden Gelb-Scheinwerfer etwas weniger.

INHALT

1ULLAPOOL–OBAN Dudelsack, Strand, Musik

2OBAN–LANCASTER Whisky, Kilt, Moscow

3ISLE OF MAN Tattoo auf der TT

4LANCASTER–COTSWOLDS Roller, Bunkerlady, Sattel

5COTSWOLDS–MALVERN Schlösser, Hunde, Dreiräder

6MALVERN–LANDS END Banksy, Lambretta, Surfer

7LONDON Comics, Regenschirm, Maschinen

NACHWORT

VERSCHLEISSTEIL-THEORIE

Wir fahren auch diese Tour mit unseren gut 30-jährigen Vespa PX 200 – alles original. Mit zehn PS, die mittels Viergang-Handschaltung sortiert werden, sind sie ausreichend kräftig, um jeweils knapp 80 Kilogramm Lebendgewicht zu bewegen. Problemzonen für die vermeintlich regenreiche UK-Tour?

01 START IM SCHOTTISCHEN NORDWESTEN

Reise Nummer drei kann starten. Nach der Tour durch die USA und der durch Island sitzen wir wieder guter Dinge in unserem Transport-Foto-Schlaf-Ersatzteil-Kochfahrzeug und reiten die Kilometer ab – die beiden PX fest verzurrt mit an Bord. Ziel der Bus(tor)tour und Startpunkt dieser Vespareise ist Ullapool, im Nordwesten Schottlands. Hier heißt es „Leinen los“, Vespas raus und wirklich ablegen. Das Wetter ist phänomenal, die Stimmung ebenso. Was also soll schon schiefgehen?

Der Rücken schmerzt, die Schultern drücken sich an den Sitznachbar, der in den letzten Wochen zu viel trainiert hat, und die Augen fallen immer wieder zu. Tag eins der dritten „Auf der Vespa durch …“-Tour startet leise. Und das liegt nicht nur daran, dass dieser Tag ganz zaghaft das Ruder von der Nacht übernehmen darf. Es ist Mitte September und wir sind auf dem Weg Richtung Eurotunnel. Der, der Frankreich mit England verbindet, die EU mit Großbritannien.

Wie in den Jahren zuvor müssen die Vespas erst einmal an den Ort des Geschehens gelangen. Einem klassischen Warmstart auf der Vespa von zu Hause macht unser Zeitkontingent einen Strich durch die Rechnung. Vier Wochen stehen auf der Habenseite – ab heute, ab jetzt. Doch die Zeit rennt, das erfährt jeder Tag für Tag. Daher wollen wir wieder möglichst viel mitnehmen: Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen, Erinnerungen, Bekanntschaften und vielleicht sogar Freunde. Oder einfach ausgedrückt: Leben mitnehmen. Denn es ist zu kurz, um es zu vertrödeln. Zu fantastisch, um nichts damit anzufangen. Ab dem Zeitpunkt X, und der ist variabel oder beeinflussbar, können wir selbst über unser Leben bestimmen. Auch mit 60 ist noch Zeit genug. Denn es ist erst zu spät, wenn es vorbei ist. So sind wir auch selbst dran Schuld, dass wir mit unserem 25 Jahre alten Transit mit enger Dreiersitzbank an den Start gegangen sind. Knapp 2.000 Kilometer müssen wir runterspulen, bis wir in Ullapool, dem Anfangspunkt unserer Reise ankommen. Aber warum soll diese Tour auch einfacher sein als „Auf der Vespa durch die USA“ oder „Auf der Vespa durch Island“? Der Weg ist das Ziel. Ähhh … nein, nicht immer. Denn hier in dem Metallkasten, zusammengekauert auf Sitzgelegenheiten, die den Komfort von Omas Küchenstuhl lässig unterbieten, sollte das Ziel bitte vor dem Start liegen. Immerhin dauert unsere Kanalüberfahrt kaum 90 Minuten und kostet mit 125 Euro (hin und zurück) einen Appel und ein Ei – verglichen mit dem Aufwand, den wir in den USA und in Island betreiben mussten (finanziell und zeitlich). Einen Fährkoller gibt es heute auch nicht, obgleich wir froh sind, auf der Fähre zwischen Calais und Dover keinen Hunger bekommen zu haben. Die Qualität des gebotenen Futters ist ähnlich großartig wie das Essen auf dem Islanddampfer im Jahr zuvor. In Dover angedockt, sind es noch etwa 1.100 Kilometer auf Schnellstraßen, bis in den Norden. Das Gute: Wir bekommen ein Gefühl für die Insel, fürs „Auf-der-falschen-Seite-Fahren“, den Verkehr und die Möglichkeiten, die das Land so bietet.

Apropos Land: Etwas Erdkunde gefällig? Großbritannien (GB) oder United Kingdom (UK) besteht aus verschiedenen Landesteilen, von denen England der größte ist. Schottland, Wales, Nordirland folgen, ebenso wie etwa 800 kleinere und kleinste Inseln. Die Isle of Man und die Kanalinseln Guernsey und Jersey – an denen wir gerade mit der Fähre vorbeischippern – gehören irgendwie nicht dazu, was für die Einwohner und einige solvente Besucher durchaus positive Eigenschaften haben kann. 65 Millionen Menschen leben auf allen Inseln – verteilt auf 244.000 Quadratkilometer. Nordirland hängt zwangsläufig fest verbunden an Irland dran und ist damit die einzige physische Landesgrenze mit einem „echten Ausland“. 55 Millionen Briten leben in England, 8,5 Millionen davon in London. Eine Einordnung, was diese Zahlen auf der doch überschaubaren Fläche bewirken, werden wir im Verlauf der Reise noch bekommen. Zum Vergleich: In Deutschland leben 82 Millionen Menschen auf fast 360.000 Quadratkilometern. Das bedeutet 230 Menschen pro Quadratkilometer. In Schottland sind es sparsame 68 pro Quadratkilometer. England hat 415 zu bieten. Reicht? Okay.

Nach einem Fish-and-Chips-Stopp und Blick auf die White Cliffs pflügen wir mit berauschenden 112 km/h dem Norden entgegen und lauschen passenderweise „The Landscape is Changing“ von Depeche Mode aus dem krächzenden High-End-Zwei-Lautsprechersystem des Vans. Er, die Vespas und wir fühlen uns noch immer etwas beengt vom Platzangebot der Insel und im Fahrzeug selbst. Wachmacher entlang der Strecke gibt es kaum, es sei denn, es ist mal wieder eines der vielen geografischen oder architektonischen Glanzlichter zu erblicken. Je weiter wir gen Norden kommen, desto interessanter wird die Umgebung und lässt uns hoffen, nach Island nicht in ein naturgigantisches Desaster zu fallen. Ullapool ist in Reichweite, die Stimmung top – denn das Wetter ist nach wie vor hervorragend. Angekommen am überschaubar besiedelten Broomfield Campingplatz oberhalb von Ullapool ist ein Hotspot am Wasser schnell gefunden, die 22 Pfund Übernachtungspauschale sollen sich ja lohnen. Wir krabbeln aus der Fahrgastzelle in die Freiheit, lassen die Gelenke knacken und atmen tief durch. Und nochmal gaaanz tief, weil es so schön ist. Klare, zwölf Grad kühle Herbstluft mit einem algigen Meeresbouqet empfängt uns und lässt die Mundwinkel trotz potenziertem Müdigkeitsfaktor nach oben wandern. Der Van darf ausdünsten und wir setzen uns an die Grasnarbe zum Strand, Füße im kalten Sand und genießen die Aussicht. Nochmal durchatmen, Aussicht genießen, Meer hören, saftig-kurze Wiese anfassen, zurücklegen und das Leben spüren …

Aber es hilft nichts, fünf Minuten später packt uns der Tatendrang. Die PX 200 wollen ebenso ins Freie. Obwohl wenig Benzin im Tank, haben sie den Innenraum gut eingedampft. Benzin macht süchtig? Kann sein; wir mögen es lieber in Kombination mit Öl und feuernden Funken, dann ist der Cocktail unserer. Die Vespas sind draußen, ankicken, zwei-, dreimal und der Kolben dreht wie von Geisterhand alleine weiter. Eine Runde über den Campingplatz, um zu zeigen, dass wir angekommen sind, ist obligatorisch. Flugs noch zur einzigen Tanke am Ortsausgang und rund sechs Liter feinstes „unleaded“ rein, 120 Milliliter Zweitaktergold obendrauf und die Ladys sind happy und knattern zum Platz zurück. Wir arrangieren im Van alles so, dass es Sinn ergeben könnte, nutzen jede Ecke geschickt aus, um platzeffizient zu verstauen und bei Bedarf alles wiederzufinden. Immerhin nächtigen zwei von uns oben im Dachzelt und einer auf der Klappliege unten, da will alles organisiert sein. Drumherum gesellen sich Foto- und Videoausrüstung, Werkzeug, Ersatzteile, Gepäck, Kochutensilien, Nahrung und weiteres Gerät mit mehr oder weniger hohem Nutzwert; Hauptsache, wir haben es mal dabei. Eine Drohne ist dieses Jahr nicht Bestandteil der Ausrüstung. Unsere schlummert in Teilen irgendwo an der isländischen Nordwestküste, tief unten in einer Schlucht. Eine neue war nicht drin.

Schottland begrüßt uns mit Sonne,sensationellen Strecken und: Möwenkacke.

Die Möwen wecken uns um halb sieben. Start für Tag eins der „Mit der Vespa durch Schottland, England und Isle of Man“-Reise. Es ist noch dunkel. Und das ist gut so, denn so sehen wir nicht direkt, wie uns die Möwen nachts eingeschissen haben. Danke nach oben. Die Vespas haben unter einer Haube geschlafen, der Mist blieb ihnen somit erspart. Es geht von Ullapool nach Forres, rund 150 Kilometer Richtung Osten, vorbei an Inverness, der Hauptstadt der schottischen Highlands, auf einer der schönsten Verbindungsstraßen des Landes, der A835. Diese führt vorbei am Ben Wyvis, mit 1.046 Metern wäre er der höchste Berg Englands. In Schottland liegt er abgeschlagen auf Platz 22. Ben Nevis ist das Maß der Dinge, ihn werden wir noch zu Gesicht bekommen. Das kleine Kaff Forres hat keine 10.000 Einwohner, aber eine bekannte Whisky-Destillerie, einen bekannten (und guten) Bäcker und ein kleines Familienunternehmen, das den Dudelsack revolutionieren möchte.

Das hört sich interessant an, sind Dudelsäcke doch ein Markenzeichen Schottlands. Burgess Backpipes heißt der Laden, der sich wenig schmuckhaft im „Industriegebiet“ befindet. Wir parken und sammeln unser Zeug zusammen, als das Rolltor öffnet und ein freundlicher Mittzwanziger uns verschmitzt begrüßt. Das zumindest vermuten wir, denn wirklich verstehen können wir Scott nicht. Wir sind froh, als Scotts Vater Burgess mit Telefon am Ohr hinter der Garage hervorlugt und uns mit Gesten mitteilt, dass er gleich für uns da sei – verstanden, das war Universalsprache. Als Scott merkt, dass wir dem Schottischen nur rudimentär folgen können, schwenkt er um und bittet uns in den Verkaufsraum direkt neben der Manufaktur. Burgess legt nun das Telefon beiseite und freut sich diebisch, dass wir da sind. Zuvor wurde alles nur per Mail abgeklärt und so ein paar Typen mit Vespas, aus Deutschland kommend, erweckten bei ihm offensichtlich nicht wirklich Vertrauen. Burgess Bagpipes gibt es erst seit 2015. Vater und Sohn betreiben das Geschäft mit einer Leidenschaft, die jedem ihrer Sätze zu entnehmen ist. Dabei scheren sie sich jedoch nicht um Traditionen. Sie liegen den Jungs im Blut: Scotts Opa war John McDugoll, der Godfather of Dudelsack sozusagen. Weltmeister, Lehrer und Juror. Sein Leben drehte sich um den Blasebalg mit Flöten. Als er 2014 starb, gründeten Enkel und Schwiegersohn Burgess Bagpipes, einen von rund 20 Dudelsack-Herstellern in Schottland. Das Besondere bei ihnen ist die Art der Produktion. Scott, der ein abgeschlossenes Musikstudium besitzt und zahlreiche Instrumente perfekt beherrscht, und Burgess, der noch nie Dudelsack gespielt hat und auch nie spielen wird, verwenden für ihre Pfeifen African Blackwood. Das edle Holz wird etwa fünf Jahre unter konditionierten Bedingungen gelagert, um perfekt für die Herstellung der Pfeifen geeignet zu sein.

Team Motorliebe startet mal wieder der Sonne entgegen. Das Wetter ist bei den Schotten besser als dessen Ruf. Glaubt es uns, wir wissen es.

SAG MAL, BURGESS

WOHER KOMMT DIE BEGEISTERUNG, DASS AUCH DEIN SOHN SCOTT IM FAMILIENBETRIEB MITMISCHT?

„Wahrscheinlich von Scotts Opa, John Mc Dugoll, er war unter anderem 1960 Weltmeister im Dudelsackspielen. Und es fühlt sich einfach gut an, ein handwerkliches Meisterstück herzustellen, das auch noch wunderschöne Musik macht – wenn der Spieler es beherrscht.“

DUDELSÄCKE? IST DAS NICHT TOTAL OLDSCHOOL?

„Kommt drauf an, wer es wie macht. Uns gibt’s erst seit 2015 und wir scheren uns wenig um Traditionen. Wir wollen einfach die besten Dudelsäcke der Welt herstellen.“

AUS WAS BESTEHT EIN DUDELSACK?

„Es gibt nicht ‚den‘ Dudelsack. Great Highland Bagpipes, Borderpipes, Smallpipes sind nur eine grobe Unterteilung, die aber bereits sehr verschieden sind. Wir verwenden für die Herstellung ausschließlich Afrikanisches Grenadill. Das ist schwarzes Holz, das fünf Jahre unter definierten Bedingungen ‚reifen‘ muss, um so zu werden, wie wir es möchten; und Titan. Titan ist ein atemberaubender Werkstoff, doch fast niemand verwendet ihn. Wir geben 25 Jahre Garantie auf unsere Pfeifen, die bei einem Preis von etwa 900 Pfund beginnen.“

DER SPIELER MACHT ALSO DIE MUSIK. SEIT WANN DUDELST DU?

„Gar nicht. Die besten Dudelsack-Hersteller spielen nämlich nicht.“

WAS MAGST DU AN SCHOTTLAND UND WAS NICHT?

„Die Schotten sind supernett, aufgeschlossen und progressiv. Irgendwie ist Schottland das beste Land der Welt. Bis aufs Wetter…“

WENN DU EINE SACHE IN SCHOTTLAND ÄNDERN KÖNNTEST, WAS WÄRE DAS?

„Nichts. Es ist tatsächlich ziemlich perfekt. Und: Ich scheiß aufs Wetter.“

BURGESS UND SCOTT HAYGRÜNDER VON BURGESS BAGPIPES MIT SEINEM SOHN, HERSTELLER VON DUDELSÄCKEN AUS FORRES

DAS ZIEL IST DER WEGOfFROAD KÖNNEN DIE VESPAS SEIT USA UND ISLAND; PILOT: SO LALA

Ergänzt wird das liebevoll bearbeitete Holz mit Titanbauteilen – erstmals, wie uns die beiden versichern. Die Symbiose aus dunklem Holz und fein schimmerndem Edelmetall gibt dem fertigen Produkt eine ganz eigene Aura und angeblich ein spezielles Gefühl beim Spielen. In jedem Fall geben die Jungs 25 Jahre Garantie auf ihre Produkte, die mit den besten Bags and Bellows (Blasebalg) vereint werden. Diese werden bei Zulieferern nach Wunsch hergestellt. Zum Abschied spielt Scott auf einer gerade fertiggestellten Highlandpipe und wir freuen uns über das Exklusivkonzert im passenden Umfeld – zumindest, wenn unser Blick über das Industriegebiet hinaus schweift. Die zwei freuen sich über unseren Besuch mit den Zweitaktern – da steckt ja auch Musik drin.

Nach einer Stärkung mit edlem, hausgemachtem Shortbread (das ist das Gebäck, das bei uns meist von den Pappschachteln mit roten Schottenkaros her bekannt ist) in der erwähnten Bäckerei machen wir uns auf den Weg in Richtung Westküste. Die A832, auf die wir kurz hinter Loch Droma abbiegen, soll atemberaubend sein und führt uns – über Umwege – nach Plockton. Plockton? Obwohl das Dörfchen keine 400 Einwohner hat, kennt es ganz Großbritannien. Und das liegt nicht an den wunderschönen Palmen, die in dem milden Klima an der Küste wachsen. Plockton ist DAS TV-Dorf in Schottland. Uns interessieren die britischen Blockbuster weniger; verschlafen-süß ist Plockton dennoch. Wir möchten weiter auf die Isle of Skye und vorher über die dazugehörige Skye-Bridge fahren, die seit 1995 einen Teil der Inneren Hebriden (dazu zählt die Insel Skye) mit Schottland verbindet. Ein imposantes Bauwerk, welches durch das knappe über unseren Köpfen Hinwegfliegen zweier Jagdbomber noch nachhaltiger wirkt. Dabei wollten wir lediglich einen Entspannungsstopp am Loch Alsh in der Sonne machen.