Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers - Bernhard Hoëcker - E-Book

Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers E-Book

Bernhard Hoecker

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Beschreibung

Wandern ist out, Geocaching ist in! Geocaching: die moderne Schnitzeljagd! Ausgerüstet mit dem GPS-Gerät werden querfeldein die verschlüsselten Koordinaten geknackt, um den Cache zu heben. Caches sind wasserdichte Tupperdosen – als Schätze in Wäldern verscharrt, in Seen versenkt oder unter Parkbänke geklebt. Jede freie Minute widmet sich Bernhard Hoëcker der geheimnisvollen Schatzsuche. Mit viel Humor erzählt er von seinen außergewöhnlichen Abenteuern und erklärt alles, was man über Geocaching wissen muss.

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Seitenzahl: 378

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Bernhard Hoëcker

Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers

Mit Gëocaching zurück zur Natur

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Wie alles begann

So macht der Urlaub doppelt Spaß

Der Einsamkeit entgehen

Wieso einfach, wenn’s auch schwer geht

Wenn die Sonne Pause hat

Die Masse macht’s

Nur gucken

Hänschen, piep einmal

Gehirnakrobatik

Zeitreisen

Mein ist die Rache, spricht der Herr

Wenn einer eine Reise tut

Der Mensch im Cacher

Fehlplanung

Alte Spiele neu entdeckt

Mittelalter

Wenn das Schicksal stärker ist

Nach-Vorwort

Lexikon

Danksagung

Fußnoten

VORWORT

Lieber Leser,

du hältst hier ein Buch in der Hand, das von einer ganz anderen Seite meines Lebens berichtet. Nein, nicht das Leben im Rampenlicht, in der Öffentlichkeit, umgeben von schreienden Menschen und sich die Kleider vom Leib reißenden Fanblöcken. Ja, ich war mal auf einer Veranstaltung mit Tokio Hotel.

Es geht vielmehr um eine stille Seite von mir. Eine Seite, die ich auslebe, wenn ich allein oder höchstens zu dritt oder viert bin.

Große Lust, ein Buch zu schreiben, hatte ich eigentlich nie. Wie konnte es also dazu kommen? Irgendwann hat mich dann eine Verlagsagentin gefragt, ob ich das nicht mal machen wolle. Ich wehrte mich, weigerte mich, blieb tapfer und standhaft, sagte letztendlich «Ja».

Nur wovon sollte es handeln? Zunächst dachte ich an irgendetwas, was mit Wissen zu tun hat, denn ich liebe solche Bücher. Aber sie werden meist von Fachleuten geschrieben, die sehr viel Wissen haben und mehr oder weniger gut schreiben können. Ich selbst dagegen weiß von zu vielen Dingen viel zu wenig und von nichts wirklich viel, sodass ich meinem eigenen Anspruch niemals hätte gerecht werden können.

Irgendwann sah mein Manager mich auf einer Feier jemand anderem voller Begeisterung vom Geocachen erzählen und schlug vor, genau darüber ein Buch zu schreiben. Ich sagte natürlich nein, das geht nicht. Das ist ein Hobby, das kennt kaum einer. Wie soll jemand das interessant finden, wenn er es selbst nicht erlebt hat? Doch nach der Lektüre von Feuersteins Reisen wusste ich: Es geht. Auch wenn Cachen nicht – oder noch nicht – ganz so bekannt ist wie Weltreisen.

Ich habe mich dann hingesetzt und einfach angefangen. Ein Dreivierteljahr später war ich fertig, und das Ergebnis hältst du gerade in der Hand.

Leider konnte ich in diesem Buch nicht die gesamte Bandbreite meines Hobbys darstellen, einerseits weil das Geocachen so vielfältig ist, dass es den Rahmen dieses Buches sprengen würde, andererseits weil es so umfangreich ist, dass es meinen privaten Cacherzeitrahmen sprengen würde. Deshalb können hier nicht alle Fragen geklärt werden, und ich empfehle einem jeden weiterführende Literatur oder, noch viel besser: einfach machen!

Da dieses Hobby in die Kategorie «Rätsel und wie ich sie löse» fällt, habe ich versucht, möglichst keine Hinweise zu geben, die bei der Suche nach den Caches wichtig sein könnten. Auch habe ich in den Geschichten nicht alles erzählt oder Dinge hinzuerfunden und manchmal sogar richtig gelogen, um nichts zu verraten, was ein jeder selbst herausfinden soll.

Sollten eingefleischte Cacher mit Hilfe dieses Buches etwas leichter zum Ziel gelangen, weil am Ende doch etwas so war, wie ich es beschrieben habe, dann war das purer Zufall. Jedenfalls hoffe ich, dass es weder das Abenteuer schmälern noch den betroffenen Owner in wütender Raserei auf die Palme bringen wird. Allerdings möchte ich an dieser Stelle eine grundsätzliche «Spoilerwarnung» aussprechen, also darauf aufmerksam machen, dass in diesem Buch durchaus der ein oder andere Hinweis zum Lösen eines Caches zu finden ist. Wen es stört, der sollte unbedingt ERST suchen und DANN lesen.

EINLEITUNG

1Ein Gespenst geht um in der Welt, das Gespenst des Geocaching …

Dabei handelt es sich um ein Hobby, dem ich mich seit knapp zwei Jahren widme. Wie das leider bei allen meinen Hobbys ist, weiß die weitaus größte Zahl der Menschen gar nicht, dass ich es überhaupt habe. Teilweise wissen die Leute nicht einmal, dass es mich gibt, was bei einer Bevölkerungszahl von rund sechs Milliarden auf dieser Erde auch nicht sonderlich verwunderlich ist.

Aber es gibt durchaus eine beachtliche Anzahl Menschen, die Kenntnis davon haben, dass es mich gibt, allerdings wissen die wiederum nicht, dass ich dieses Hobby habe. Das soll sich im Laufe dieses Buches ändern, und wenn man die Sache mal logisch betrachtet, hat es sich schon geändert, denn im ersten Absatz habe ich es bereits gesagt oder besser geschrieben.

Dann gibt es noch Menschen, die sehr wohl wissen, dass ich dieses Hobby habe, und welche, die nicht mehr hören wollen, dass ich dieses Hobby habe. Letztere gehören zu meinem engen Freundeskreis. Das mag daran liegen, dass ich offenbar dazu neige, den ein oder anderen Sachverhalt mehrfach, häufig, wiederholt und manchmal auch alles zusammen nochmal von vorne zu erläutern. Daher neigen diese Menschen gelegentlich dazu, mich alleine zu lassen. Leider merke ich das oft erst sehr spät…

Das Ganze nimmt teilweise groteske Züge an. Letztens fragt mich auf einer Hochzeitsfeier ein unerfahrener Gast so ganz nebenbei, um ein eigentlich längst erstorbenes Gespräch wiederzubeleben, was ich denn so für Hobbys hätte.

Sofort fangen meine Augen an zu funkeln, mein Herzschlag setzt für einen Moment aus, und ich lasse das bereits erhobene Glas Cola, das nur noch dazu da war, geleert zu werden, um einen Grund zu haben, endlich den Gesprächspartner zu wechseln, kurz vor meinem Mund, etwa auf Höhe des zweiten Doppelkinns von unten, verharren. Ich mustere mein Gegenüber eingehend, dann blicke ich mich langsam und vorsichtig um.

Die Gespräche im Raum verstummen, sämtliche Menschen, die mich kennen, legen schützend ihre Arme um Freund oder Freundin. Oder beides. Dabei flüstern sie: «Oh Gott!», und: «Da hat schon wieder einer diese Frage gestellt!», und: «Wie kommen wir hier wieder raus?», und: «Verdammt, ich habe Frau und Kind… muss das alles hier so enden?» Teilweise werden hektisch Sachen zusammengerafft, und über alle verfügbaren Rettungswege versuchen die Eingeweihten mit den ihnen Anvertrauten die Räumlichkeiten zu verlassen.

Ich setze in aller Seelenruhe das Glas ab, lehne mich an die Wand und sorge dafür, dass mein Opfer keinen Grund hat zu gehen. Mit geübtem Handgriff fülle ich sein Glas bis zum Rand auf. Jetzt kann er nämlich auch nicht trinken, ohne etwas auf sein schickes Hemd zu schütten. Folglich wird er das Glas in der nächsten Zeit nicht leeren und kann somit nicht fliehen. Er versteift sich quasi vor mir und stellt sich tot: wehrlos, hilflos, hoffnungslos. Mein Opossum2des heutigen Abends.

Dann beginne ich ganz harmlos: «Geocachen…»

Aus dem Augenwinkel sehe ich einen Freund heranschleichen, der verzweifelt versucht, mein Gegenüber irgendwie von mir wegzulocken. Während er ihm zuwinkt, formt er wild mit den Lippen Worte. Er wendet dabei den Trick an, nur eine Seite seines Mundes zu bewegen, damit die mir zugewandte Lippenhälfte ruhig bleibt und ich denke, er würde nicht reden. Leider verwechselt er dabei gerne mal die Seiten, und der Geheimhaltungsgrad sinkt ganz weit nach unten…

Deshalb sagt mein naiver Gesprächspartner, obwohl er mein siegessicheres Lächeln unmöglich übersehen haben kann: «Geocachen, was ist denn das?»

Ein Raunen geht durch die Reihen der verbliebenen Gäste, vielerorts ist ein entsetztes «NEIN!» zu hören. Zwei meiner Freunde stürzen sich aus dem Fenster. Bei einer Kellerparty schürft man sich dabei zwar nur die Stirn auf, aber ich verstehe, dass sie es wenigstens versuchen mussten.

Ich setze an: «Also. Das ist eine moderne Schnitzeljagd. Jemand versteckt eine Tupperdose im Wald…»

Auch die Braut verlässt nun den Raum mit den Worten: «Es ist meine Hochzeit! Es hätte so ein schöner Tag werden können! Davon träumt man als Frau ein ganzes Leben! Ich hab dir gesagt, ich will den nicht einladen!»

Darauf der Bräutigam: «Ich kann doch nichts dafür, dass er gefragt hat.»

«Aber du kennst den, DEN er gefragt hat…»

Ich lasse mich von so etwas natürlich nicht stören, immerhin bemerke ich einen Hauch von Neugierde im Gesicht meines Gegenübers und fahre fort: «…und merkt sich die GPS-Koordinaten.»

«GP… Was für Koordinaten?»

JA! Er ist tatsächlich ahnungslos, und ich kann, nein DARF ganz von vorne anfangen. «GPS. Das ist ein System zur Ortsbestimmung, satellitenbasiert. Damit weiß man immer, wo man sich auf der Erde befindet. Es funktioniert folgendermaßen…»

So geht das jetzt lange. Sehr lange. Sehr, sehr lange.

Irgendwann verliert mein Gesprächspartner das Bewusstsein und bricht zusammen. Dabei entleert sich das volle Glas Cola über ihm, und er kommt mit einem «Er war so schön, dieser kurze Moment» wieder zu sich. Sofort frage ich ihn, wo ich denn stehengeblieben sei. Da er zwischendurch geschlafen haben muss, liegt dieser Punkt weit, weit vorne im Gespräch, und ich darf wieder bei Adam und Eva beginnen. Irgendwann bin ich fertig, und der Gast wird aus dem Zimmer getragen. Wiederbelebungsversuche werden in der Regel unterlassen. Es ist besser für ihn, er könnte aufwachen und sich an jedes Detail erinnern. Das wäre zwar nicht das Schlimmste, aber würde auch nur die kleinste Lücke auftauchen, ich würde sie füllen. Mit Vergnügen!

Der Sektenbeauftragte der Landeskirche kommt vorbei und sagt: «Ich habe Sie schon lange unter Beobachtung. Alle, die sich mit Ihren wirren Gedanken beschäftigen, verlieren ihre Selbstkontrolle.»

«Guter Mann, es geht nicht um Religion, es geht um Geocachen.»

«Geocachen? Was ist denn das?»

Knapp zwei Stunden später liegt er neben dem anderen Gast auf der Straße und bekommt Frischluft zugefächelt.

Viel schöner ist es da, wenn es sich um meine eigene Geburtstagsfeier handelt. Dann kann ich reden, erzählen, aufbauen. Auf Details und Fakten, die die anderen schon kennen. Und falls es wider Erwarten nichts zum Aufbauen gibt, lege ich gerne noch einmal das ein oder andere Fundament. Und keiner kann sich wehren! Schließlich ist mein Geburtstag! Jeder muss zuhören!

Gut, inzwischen kommt natürlich so gut wie keiner mehr zu meinen Feiern, weil sie alle wissen, was sie erwartet. Nur andere Geocacher und Menschen mit starkem Charakter, die Herausforderungen suchen und sicher sind, dass sie diesmal als Sieger hervorgehen. Einem von ihnen bin ich sehr dankbar, denn der sagte auf der letzten Feier kurz vor dem Zusammenbruch: «Warum schreibst du eigentlich kein Buch? Dann haben wir alle Ruhe.»

Jetzt haben alle Ruhe…

Dennoch, die Frage bleibt: Geocachen? Was ist denn das?

Im Prinzip ist es ganz einfach: Jemand versteckt eine Tupperdose, notiert sich die Koordinaten, jemand anders nutzt diese und sucht die Dose.

Leider ergeben sich aus diesem Satz mit 16Wörtern insgesamt neun Fragen. Macht einen Unklarheitsquotienten3von ~ 56Prozent.

1.Wer ist dieser Jemand?

2.Wie versteckt man denn da?

3. Tupperdose?

4. Wo wird da was notiert?

5.Was sind denn das für Koordinaten?

6.Wer ist der zweite Jemand?

7.Wie nutzt man?

8.Wieso sucht man?

9.Wenn man die Dose hat, was dann?

Deshalb erkläre ich das Ganze lieber etwas genauer: Ich verstecke also zum Beispiel eine Tupperdose, in die ich einen kleinen Notizblock stecke, im Schwarzwald in einem hohlen Baumstamm. Mit Hilfe eines GPS-Gerätes4notiere ich mir die Koordinaten, die die genaue Lage dieses Baumes beschreiben. Anschließend hinterlege ich diese Daten unter dem Namen «Schwarzwalds hohle Eiche» auf einer Internetplattform5. Ein anderer Geocacher, der sich in Schwarzwaldnähe befindet, sucht nun unter dem Stichwort «Schwarzwald» auf derselben Internetplattform nach versteckten Caches, stößt dabei auf meine Daten, gibt sie in sein GPS-Gerät ein und macht sich auf die Suche nach diesem Baum. Er entdeckt die Dose und schreibt «Ich war da» auf den Notizblock. Wieder zu Hause angekommen, trägt er sich außerdem auf der Website ein, auf der er den Hinweis gefunden hat. So weiß ich dann, dass jemand meinen Cache gefunden hat.

Um das mal maximal allgemein zu formulieren: Irgendjemand bewegt sich irgendwohin und versteckt irgendwo irgendwas irgendwie. Er notiert sich das irgendwo, also das erste Irgendwo, in Form von GPS-Koordinaten und stellt diese dann ins Internet. Ein anderer Geocacher versucht nun, die diversen Fragepronomen hinter den jeweiligen «irgend» zu ersetzen.

Das Irgendjemand ist relativ einfach zu benennen, denn das steht in der Beschreibung drin, das erste Irgendwo ist da schon schwieriger, man muss es entweder durch Lösen eines Rätsels herausfinden, oder man hat es schon, weil der Ort des Versteckes in Koordinaten angegeben ist. Ab jetzt wird es richtig spannend:

Wo genau an den angegebenen Koordinaten liegt das versteckte Irgendetwas? Unter der Erde? Auf einem Baum? Hinter einem Stein? Neben einer Mauer? Über einem Vordach? In einer Höhle? Vor einer Wurzel? Mitten auf dem Feld? An einer Stange? Bei einer Wegkreuzung? Außerhalb einer Burgmauer? Oben im Baum? Unter einer Parkbank? Unweit eines Verkehrsschildes? In einem Metallrohr? Unten im Wasser? Entlang einer Reihe Straßenlaternen? Über einer Türverkleidung? Jenseits des Flusses? Inmitten von Laub? Diesseits der Straße? Gegenüber der Kirche? Zwischen Betonplatten?

Natürlich fehlt noch das Irgendwie: Hat der Versteckende den Cache vergraben, festgebunden, angenagelt, aufgehängt, abgeseilt, mit einem Magneten befestigt, hingelegt, unter Wasser versteckt, mit Laub bedeckt, der Umgebung angepasst oder so offensichtlich platziert, dass man ihn einfach nicht sieht?

Und – nicht zu vergessen – das Was: Ist es eine große Box oder eine kleine Filmdose6, eine Tüte, eine Kiste, ein Haus oder nur ein Stuhlprobenröhrchen7?

Was ist darin? Mal nur ein kleiner Zettel, auf dem man dann notiert, wer man ist und wann man da war. Oder aber es liegen ganz viele kleine Schätze («Trades») zum Tauschen drin, von denen man sich einen nimmt und dafür etwas Gleichwertiges hineinlegt. Doch das kommt später noch ausführlicher.

Am Ende setzt man sich vor den Computer und gibt einen so genannten Log ein, in dem man beschreibt, wie viel Spaß das alles gemacht hat. Auch wenn man es absolut furchtbar fand. Nein, Ehrlichkeit hat keinen Platz in diesem Geschäft. (Ich weiß das, schließlich komme ich gerade von einer erfolglosen Suche zurück…) Außerdem schreiben hier die erfolgreichen Sucher, was sie so für Erfahrungen gemacht haben. Diejenigen, die nicht ganz so erfolgreich waren, erklären dagegen, warum sie es nicht geschafft haben. Dabei betonen sie meist, dass es aber definitiv nicht an ihnen, sondern an der Aufgabe, den Mitcachern, dem Wetter oder irgendwelchen Außerirdischen gelegen habe.

Wann ich zum ersten Mal von dieser Art Sport hörte, weiß ich nicht mehr so genau. Im Zweifelsfall war es ein Artikel im Spiegel oder im Focus, vielleicht auch in Schöner Wohnen. Doch im Grunde spielt es gar keine Rolle.

Ich weiß nur noch, wie mir vor ein oder zwei Jahren ein Freund ganz stolz sein GPS-Gerät gezeigt hat. Ich fand es total spannend und begeidete8ihn sehr darum. «Toll, jetzt kannst du damit dieses Geocaching machen», sagte ich begeistert.

«Dieses was?»

Keine Angst, ich wollte und konnte damals noch gar nicht erklären, was das genau war, deshalb hielt ich meine Antwort recht allgemein. So verfing ich mich wenigstens nicht in Widersprüchen, die später womöglich gegen mich verwendet werden konnten. Ich sagte daher nur: «Irgendwelche bekloppten Typen rennen damit durch die Gegend und suchen Tupperdosen. Frag mich bitte nicht, ich habe echt Besseres zu tun. Keine Ahnung, wer so bescheuert ist.»

Jetzt weiß ich es: ICH, ich bin so bescheuert. Aber egal, es fühlt sich gut an.

Zum Glück bin ich nicht der Einzige. Es gibt sehr viele, die das machen, und sie kommen aus allen Gesellschaftsschichten: Männer, Frauen, Alte, Junge, Große, Kleine, Dicke, Dünne, Arme, Reiche, Blonde, Schwarzhaarige und gar nicht Haarige.

Am besten beschreibe ich das kurz mit einem Zitat. Ich habe mal ein Buch über skurrile Tode von Wissenschaftlern gelesen.9Darin zitiert der Autor den Zoologen Edward O.Wilson, der sich über Wissenschaftler auslässt, und dieses Zitat lässt sich getrost auch hier anwenden, wenn man das Wort «Wissenschaftler» gegen «Geocacher» austauscht: «Charakterlich ist unter ihnen [den Geocachern] alles vertreten, was die Gesellschaft hergibt. Unter einer zufälligen Auswahl von tausend Geocachern wird man das gesamte menschliche Spektrum finden – gutmütig bis hinterhältig, angepasst bis psychopathisch, zwanglos bis zwangsneurotisch, ernst bis leichtfertig, gesellig bis eremitisch. Manche sind so teilnahmslos wie amerikanische Steuereintreiber im April, andere sind klinische Fälle von manischer Depression.»

Prinzipiell ist bei diesem Hobby Spaß an Technik von Vorteil. Leider gibt es noch keine gestrickten GPS-Geräte, deshalb sind die Waldorfschüler unter den passionierten Geocachern leicht unterrepräsentiert. Außerdem braucht man einen Internetzugang, da die Koordinaten der Caches nur im Netz gesammelt zu finden sind.

Jeder Cacher betreibt diese Hobby natürlich aus anderen Motiven. Ich persönlich bin zum Beispiel oft unterwegs. Deshalb weile ich oft an irgendwelchen Orten, weit, weit weg von jeder Zivilisation. Zum Beispiel in Berlin. Da ich kein großer Shopping-Fan bin und die örtlichen Outdoor-Läden für maximal 17Stunden Unterhaltung sorgen, versuche ich bei diesen Gelegenheiten ein wenig das Umland kennenzulernen. Das heißt: spazieren gehen, frische Luft schnappen und mich wundern, was es alles so gibt. Mit Hilfe der versteckten «Schätze» komme ich auf diese Art und Weise an Orte und Stellen, die ich sonst nie entdeckt hätte – und manchmal leider auch nicht hätte entdecken wollen. Das kann ein Wald sein, eine alte Industrielandschaft, ein schönes Feld, ein kleiner, ruhiger Fleck, aber auch ein Höhlensystem, eine architektonische Besonderheit oder einfach nur ein Ort mit schönem Ausblick.

Außerdem bin ich ein klassischer «Techi»: Sobald irgendwo etwas herumsteht, an dem eine Diode blinkt, ein Knopf zum Verstellen einlädt, ein Bildschirm leuchtet oder sich sogar etwas programmieren lässt, verfallen meine Muskeln augenblicklich in unkontrolliertes Zucken. Meine Wahrnehmung wird eingeschränkt, und ich will nur noch eins: da hin. Egal ob Handys, Laptops, Fernseher, Funkgeräte, MP3-Player, Spielekonsolen oder Kaffeevollautomaten.10An allen diesen Geräten kann man mindestens die Standardeinstellungen verändern. Lassen sich die einzelnen Geräte dann auch noch miteinander vernetzen, setzt es bei mir völlig aus.

Genau das passiert beim Cachen. Mit UMTS online Cachebeschreibungen laden und die Koordinaten via USB aufs GPS spielen, dabei über Bluetooth Leute anrufen, deren Nummer ich mir kurz vorher über IrdA von woanders besorgt habe… Da braucht es keinen Regenbogen, um mich glücklich zu machen, keinen Sonnenstrahl, um mich zum Lächeln zu bringen, keinen Kaffeevollautomaten, um mich wach zu halten.

Sollte man als ausgeprägter Techi einmal auf jemanden treffen, der einem voller Stolz seine neueste, mit Strom betriebene Errungenschaft präsentiert, ist es extrem wichtig, das richtige Verhalten an den Tag zu legen: Man spricht in leicht abwertendem Tonfall. Selbst die neueste Errungenschaft ist stets als veraltet zu bezeichnen. Grundsätzlich sind sämtliche Marken, die man nicht besitzt, für Anfänger sehr gut, für einen selbst natürlich überhaupt nicht zu gebrauchen. Spätestens wenn der Kaufpreis fällt, kommt dann der todbringende Satz: «Ach, das hab ich bei eBay aber billiger gesehen.»

Natürlich kann man auch subtiler vorgehen. Ich zum Beispiel lasse mir gerne das neue Gerät zeigen und sage anschließend: «Ach, ist das dieses Modell, bei dem man…» Nun spule ich eine Anzahl den Rahmen dieses Buches sprengende Eigenschaften ab. Wenn mein Gegenüber dann sagt: «Nein, das ist das kleinere», gebe ich das Gerät mit einem verächtlichen «Ach so» leicht angewidert zurück und drehe mich wortlos weg, um mit jemand anderem weiterzureden.

So ähnlich muss man sich auch verhalten, wenn man auf andere Cacher trifft. Erzählen sie einem von ihrer letzten Suche, hat man natürlich eine mindestens ebenso spannende, wenn nicht bessere Geschichte auf Lager. Alle Caches, die man selbst gefunden hat, sind immer «besonders» gewesen, egal wie langweilig man sie tatsächlich fand.

Doch nicht nur Freunde von leuchtenden Displays und digitalen Handgeräten sind engagierte Cacher, die Begeisterung für dieses Hobby hat längst auch Normalsterbliche erfasst. Zum Beispiel Familien mit Kindern. Wer erinnert sich nicht an die sonntäglichen Ausflüge und den irgendwann durch die Wohnung schallenden Satz: «So, dann mal Schuhe an. Wir gehen jetzt spazieren»? Das macht natürlich keiner freiwillig mit, wenn er gerade diese kurze Phase zwischen Junge und Mann, zwischen Mädchen und Frau durchlebt, also die Zeit zwischen fünf und 18Jahren. Die eigentliche Aufgabe der Pubertät ist nicht, dass sich die Kinder von ihren Eltern lösen, sondern dass sich die Eltern von ihren Kindern lösen. Deshalb hat die Natur auch dieses penetrante Gemecker und das Ich-finde-irgendwie-alles-doof-außer-mir-natürlich-aber-das-eigentlich-auch-bloß-nicht-immer-das-andere-ist-dafür-echt-cool-außer-ein-paar-Sachen-aber-welche-sag-ich-nicht-kann-gleich-schon-wieder-anders-sein-Gefühl erfunden.

In dieser Zeit, da wird Revolution geprobt, die Pubertätswaffe voll ausgefahren. Meist ist man als Teenager absolut chancenlos und muss zur Strafe anschließend auch noch bei Tante Tilli Kaffee trinken. Deshalb nutzen manche Eltern das Cachen, um ihre Kinder auszutricksen, weil «Sonntagsspaziergang» natürlich nicht annähernd so toll klingt wie «Schatzsuche». Nun gut, im Nachhinein betrachtet ist der Unterschied zwischen «Ich fand den Spaziergang doof» und «Ich fand die Schatzsuche doof» eher marginal. Das liegt aber vor allem daran, dass man am Ende doch wieder bei Tante Tilli rumsitzen und den anderen beim Kaffeetrinken zugucken muss.

Natürlich gibt es auch unter Cachern besondere Menschen, quasi die Spezialisten unter den Spezialisten, die nur eine bestimmte Art von Caches suchen. Welche Art, wäre jetzt müßig zu beschreiben, weil ich die einzelnen Arten noch gar nicht erklärt habe, das kommt später, und zwar in aller Ausführlichkeit. Wenn du, lieber Leser, die verschiedenen Caches schon kennst, dann bist du entweder selbst Cacher und hast deine eigenen Gründe dafür, wie und wo du welche Caches suchst. Oder du bist kein Cacher und hast das Buch von hinten nach vorn oder durcheinander gelesen, und dieses unorganisierte Verhalten will ich nicht auch noch belohnen.

Bei vielen bleibt allerdings spätestens jetzt die Frage im Raume stehen: Warum? Was motiviert einen erwachsenen Menschen, so etwas zu tun? Meiner Meinung nach ist dieses Verhalten ganz tief in unserem Inneren angelegt. Schließlich kennt jeder von uns die Faszination der klassischen Schnitzeljagd. Wo geht es lang? Wie sieht der nächste Hinweis aus? Auch in der Vorweihnachtszeit hat ein jeder schon mal das prickelnde Gefühl empfunden, als er das lange gesuchte, von den Eltern versteckte Geschenk endlich unter dem Stapel Pullover im Kleiderschrank fand und vorab in der Hand hielt.

Schon die alten Ägypter haben ihre Pharaonen nicht einfach nur in der Erde verscharrt, sondern ihnen große Pyramiden gebaut11und mit vielen Gängen und Fallstricken den Weg dorthin zu einem wahren Abenteuer gemacht.

Auch Indiana Jones hat Millionen Menschen auf seine persönliche «Geocaching-Tour» mitgenommen, natürlich nicht mit GPS-Gerät und Tupperdose, sondern mit verschlüsselten Botschaften und einer langen Peitsche. Beim Cachen kann man genau dieses Gefühl am eigenen Leib erleben. Das Finden, nicht das mit der Peitsche.

Doch auch im Großen wurde das Geocachen schon angewendet. Lieber Leser, du erlaubst mir doch sicher einen kleinen Ausflug in die Geschichte dieser Freizeitbeschäftigung:

Schon 1980 hat ein Finne um Helsinki herum einige kleine Schätze versteckt, die mit Hilfe einer Landkarte zu finden waren. Erst später hat man dann GPS-Geräte dazu benutzt.

Doch was ist das eigentlich, wovon da die ganze Zeit die Rede ist? Was genau ist GPS? Zuerst einmal ist es eine Abkürzung. Nicht für «Geocacher packen Sachen» oder «Geh ruhig, aber pass auf, die Socken könnten nass werden» oder «Gehst du cachen, plane ich Scheidung» oder «Ganz persönliches Schicksal» oder «Große Pakete sind sauteuer» oder «Gemütlich Pilze suchen». Nein, es heißt «Global Positioning System». (sprich: gloubel posischening süstem). Also ein globales (weltweites) Positionierungs-(wo ist was?)System (Gebilde, dessen wesentliche Teile so aufeinander bezogen sind und in einer Weise wechselwirken, dass sie aus einer übergeordneten Sicht heraus als aufgaben-, sinn- bzw. zweckgebundene Einheit angesehen werden können).

Die Amerikaner haben seit 1978 rund 24Satelliten ins All befördert. Diese senden Signale aus, mit deren Hilfe passende Empfänger jederzeit feststellen können, wo sie sich auf dem Erdball gerade befinden. Geschickterweise schweben die Satelliten aber nicht einfach so in der Atmosphäre herum und freuen sich der schönen Aussicht… Nein, die Amerikaner sind ja schlau und haben die entsprechenden Empfänger in die verschiedensten Dinge eingebaut, etwa in Flugzeuge oder Schiffe oder auch Raketen. Mit Hilfe der Satelliten können sie diese dann ganz genau über den Erdball navigieren.

Im Grunde war das so eine Art Geocachen der 80er: Der Gegner (damals war es noch DER RUSSE, später hat dann irgendwer gemerkt, dass mehrere Menschen in diesem Land leben) hat eine Fabrik oder eine wichtige Eisenbahnlinie im Land versteckt, und die Raketen von den Guten (selbstverständlich die Amerikaner) haben diese mit Hilfe der GPS-Koordinaten zu finden versucht. Im Prinzip haben die Guten sich damals auch schon vor Ort eingetragen, allerdings mit sehr viel größeren Zeichen als heute üblich, und wenn man es sich mal genau überlegt, wollte das im Grunde niemand lesen.

Natürlich waren die von den Satelliten ausgesendeten Daten verschlüsselt, und den richtigen Code hatten nur das amerikanische Militär und seine Verbündeten. Erst Bill Clinton hat diese Signale am 01.Mai 2000 freigegeben. Jetzt kann sie jeder mit dem entsprechenden Gerät empfangen und seine Position überall auf der Erde bestimmen.12

Schon zwei Tage, nachdem die Signale freigegeben waren, ist ein gewisser Dave Ulmer losgezogen und hat mit Hilfe dieser Signale den ersten dokumentierten Cache der Welt versteckt und im Internet mit den Koordinaten N 45° 17.460, W 122° 24.800 veröffentlicht. Wieder drei Tage später ist ein Typ namens Mike Teague durch die Gegend gerannt und hat genau diesen Cache gefunden. Und zack, war das Hobby geboren. Der erste deutsche Geocache wurde übrigens angeblich am 10.Februar 2000 gelegt, und zwar genau hier: N 52° 13.534, O 013° 40.686, das ist südlich von Berlin.13

Seitdem gibt es immer mehr Menschen auf der Erde («Geo»), die diese Dosen in irgendwelchen Verstecken («Caches») suchen und meist sogar finden. So auch ich.

Spätestens wenn ich mit meinem Bericht an dieser Stelle angekommen bin, werde ich gefragt: «Wo liegen die Dinger denn überall?» Und genau das ist schon die Antwort: «Überall.» Weltweit lagen Mitte des Jahres 2006 rund 323000Geocaches herum, davon allein 3800014in Deutschland.

Neulich habe ich einem Freund in der Schweiz nebenbei von meiner neuen Freizeitbeschäftigung erzählt. Natürlich wollte er sofort wissen, wo man Geocaching machen kann. Ich sagte kurz «Moment», sah mir bei Google Earth14seine Gegend an, ließ mir die dort liegenden Caches anzeigen und erklärte ihm: «Es gibt genau fünf Stück im Umkreis von vier Kilometern.» Er stutzte, fühlte sich verfolgt und wechselte den Wohnort.

Ebenso erging es meiner Lektorin. Auf ihr skeptisches «Ach, und wo sind die?» setzte ich mich rasch an ihren Computer und konnte ihr sofort zehn Caches in unmittelbarer Nähe des Verlages nennen. Einer lag sogar unter dem Gebäude, das auf Stelzen gebaut ist und somit eine ideale Voraussetzung zum Verstecken bietet. Während sie noch staunte, sah ich mir das Firmennetzwerk an, kopierte schnell ein paar Personaldaten und besserte meinen Vertrag nach.

WIE ALLES BEGANN

Mein allerallerallerallererster Cache war gleich ein so genannter «Multicache», bei dem man über mehrere Stationen zum Ziel gelangt. Im Gegensatz dazu führen einen die Koordinaten bei einem «Traditional» direkt zum Versteck, ohne jede Zwischenstation und sonstige Umwege.

Ich bin durch meinen Freund Micha tiefer in die Materie eingedrungen. Micha ist der Mensch, der mir damals stolz sein GPS-Gerät gezeigt hat. Ich habe ihn, wie sich das für einen echten Techi gehört, natürlich begeidet und mich nicht weiter dafür interessiert. Ein paar Monate später waren wir dann zusammen am Niederrhein unterwegs, und im Vorfeld der Reise erzählte er mir ganz begeistert, dass er dieses tolle Gerät mitnehmen wolle und damit super navigieren könne und außerdem immer genau wisse, wo er sich gerade befinde. Ich war ein wenig überrascht, dass er dafür ein technisches Gerät braucht, denn ich weiß meistens, wo ich mich gerade befinde. Schließlich falle ich eher selten aus dem Himmel herab und lande irgendwo auf der Erde, da meine Reiseplanung dann doch einen Hauch mehr Vorbereitung beinhaltet.

Im Laufe seiner Ausführungen erinnerte ich ihn nochmal an dieses «Geodingsirgendwas», wovon ich schon mal gehört hatte, und machte ihm einen Vorschlag: «He, lass uns das doch mal ausprobieren.»

«Oh ja», kam es begeistert zurück.

«Wir sehen einfach im Internet nach. Bestimmt gibt es etwas in unserer Nähe, was wir suchen können.»

Wir wollten es also unbedingt wagen.

An dieser Stelle muss ich eines zugeben: Wenn ich mit anderen Leuten etwas «unbedingt» machen will, endet das schon mal gerne damit, dass die anderen es tun und ich später sage: «Ach ja, stimmt. Toll, dass du dich darum gekümmert hast.»

Genau so war es auch in diesem Fall. Wir saßen in der Nähe von Xanten auf einem Campingplatz vor unseren Zelten. Dass meines technisch ausgereifter war, muss ich wohl nicht eigens erwähnen. Da zückte Micha auf einmal ein paar Bogen Papier. Es waren die Cache-Beschreibungen, die er auf einer Webseite herausgesucht und dann ausgedruckt hatte.

Er fragte: «Na, hast du auch was mit?»

Mit einem lockeren «Ja, aber lass erst mal deine sehen» lenkte ich ihn ab, und er gab mir tatsächlich die Zettel. Ich verstand gar nichts. Was waren das für komische Zahlen? Irgendwelche Sterne, Smileys und Logos waren auch abgebildet, die mir ebenfalls nichts sagten.

«Ah, die sind viel besser als meine, viel klarer. Lass uns ruhig die nehmen», war alles, was ich herausbrachte. «Sag mir nur kurz, was sind das für Zahlen?»

«Das sind die Koordinaten, da sollen wir parken. Von dort aus geht es dann zu dieser Stelle hier», er zeigte wieder auf eine lange Reihe von Zahlen, «wo wir einen weiteren Hinweis finden sollten.»

«Warum geben die keine Adresse an?»

«Weil das nicht Sinn der Sache ist.»

«Aber das wäre doch viel einfacher…»

Er schaute mich an, ich schaute zurück. Er schaute noch etwas länger, ich hielt dem Blick stand. Schließlich schloss er die Augen, atmete tief durch und fing an zu erklären: «Hör zu, die Erde ist mit Linien überzogen.» Er malte mir ein schönes Bild auf den Zettel.

«Ähm…», setzte ich an.

«Theoretisch», unterbrach er mich. «Die Linien sind quasi nummeriert, und an den Schnittpunkten kann man dann anhand der beiden Nummern genau bestimmen, wo man sich befindet. Wir sind hier an Punkt (2/​1) und sollen nach (3/​3). Da die Erde ein kleines Stück größer ist als dieser Zettel, gibt es nicht bloß drei Linien von Nord nach Süd und Ost nach West, sondern bis zu 360, die dann nochmal unterteilt sind.

Ich verstand. Nachdem wir uns durch den großen Aktenstapel Papier gewühlt hatten, entschieden wir uns für den Cache «NORDSEEKÜSTE». Wie gesagt, ein Multicache.

Auf meine Frage, ob wir uns bei unserem allerersten Cache vielleicht nicht gleich einen Mehrstationenschatz vornehmen sollten, sondern eher einen, der ganz traditionell genau da liegt, wo uns die Koordinaten hinführen, ging Micha gar nicht ein, sondern verschwand nur mit einem «Ts, ts, ts» im Zelt.

Na gut, dachte ich, der Mutige wird belohnt. Wir gaben die Werte in sein GPS-Gerät ein.

«Mit Hilfe von Satelliten, deren Signale dieses Gerät empfangen kann, wissen wir immer relativ genau, wo wir uns befinden und wie weit es bis zum nächsten Punkt der Schnitzeljagd ist», fuhr Micha auf einmal ungefragt fort.

Was muss der Kerl so oberlehrerhaft mit mir reden?, fragte ich mich. Ich weiß genau, wovon der spricht. Na ja – heute.

Wir fuhren los und fanden den Parkplatz, besser gesagt ich fuhr, und ER fand den Parkplatz. In der Zwischenzeit hatte ich gelernt, dass dieses Gerät auf dem Display drei für uns relevante Seiten anzeigen konnte. Erstens eine Karte, auf der auch Straßennamen und Ortschaften angegeben waren. Hatte ich schon mal gehört. Dann eine Übersicht über die Anzahl der empfangenen Satelliten und deren Sendestärke. Je mehr Satelliten und je stärker der Empfang, desto besser. Hatte ich auch schon mal gehört – zwar bei einem Handy und es ging um irgendwelche Balken, aber das Prinzip war dasselbe: Mehr ist besser. Und schließlich noch ein Kompass, der allerdings kein richtiger Kompass war… also eigentlich schon, aber nur, wenn man sich bewegte.

«Was?»

«Also…»

Sofort bekam Micha wieder diesen väterlichen Blick, den ich so hasse, weil er mir unmissverständlich klarmacht, dass er gerade seine gesamte Zufriedenheit aus der Tatsache zieht, mehr zu wissen als ich. Eine Rolle, die ich selbst nur zu gut kenne.

«Hier siehst du die vier Himmelsrichtungen und einen Pfeil. Ich habe das Gerät so eingestellt, dass der Pfeil immer in Richtung unseres nächsten Zieles zeigt. Das Gerät weiß, wie wir uns bewegen, weil es regelmäßig unseren aktuellen Standort mit dem von vor ein paar Sekunden vergleicht. Wenn man diese beiden Punkte miteinander verbindet, ergeben sie eine Linie, die… AUA!»

Ich musste ihm versehentlich den Autoschlüssel in die Hand bohren, denn er wollte gerade wieder anfangen, ein Bild zu malen.

Kurz darauf stiegen wir aus und liefen von dem Parkplatz aus munter am Ufer eines kleinen Sees entlang. Da wir mitten in der Woche unterwegs waren, war es recht leer, es herrschten also ideale Bedingungen. Wir waren unbeobachtet und konnten uns daher eigentlich nicht blamieren. Der asphaltierte Weg, gesäumt von einzelnen Bäumen, führte an einem Spielplatz und einer Bootsanlegestelle vorbei. Wenig später ließen wir einen Kiosk rechts liegen und gingen weiter. Wir waren schon mindestens 200Meter gegangen, und ich fing an innerlich zu fluchen. Noch war ich Anfänger, noch wusste ich nicht, was ich sehr viel später auf ganz anderen Touren zu erleiden hatte. Heute fange ich schon wesentlich früher an zu fluchen.

Auf einmal sagte Micha: «Wir sind da!»

«Woher weißt du das?», fragte ich.

«Weil das hier steht.»

«Wo?»

«Auf dem Display. Entfernung zum Ziel: 0Meter.»

Die Technik überzeugte mich. Wir waren also an dem Ort angekommen, wo meine allererste Suche beginnen sollte. Ich sah auf den Boden und sagte: «Hier ist nichts.»

«Ja, wir müssen den Cache auch suchen», erklärte Micha mir.

«Wieso suchen? Wir sind doch laut modernster Technik genau an der Stelle, an der wir sein müssen. Okay, ich bin durchaus bereit, einen Schritt nach links oder rechts zu gehen, falls ich direkt auf dem Hinweis stehen sollte.»

«Pass auf…»

Noch so ein Satz, und mein ganzes Gefühlszentrum würde anfangen zu schreien: «Nein, nein, nein, nein!», stattdessen sagte ich: «Ja?»

«Die Signale können ein bisschen ungenau sein, Empfangsstörungen und so, deshalb gibt es eine gewisse Ungenauigkeit bei der Berechnung der aktuellen Position. Hier, sieh mal», er drückte mir das Gerät mitten ins Gesicht, «da steht 15Meter. Das heißt, wir müssen in einem Umkreis von 15Metern suchen.»

Ich konnte ihm mühelos folgen. So langsam setzte sich ein kleines Samenkorn Verständnis für die Schwierigkeit dieses Noch-nicht-Hobbys in mir fest.

Aufmerksam blickte ich mich um: Hinter uns war der Weg, rechts und links waren Wiesen, vorne beschrieb der Weg eine Rechtskurve. Etwas weiter entfernt war ein schmaler Gebüschstreifen mit einem Maschendrahtzaun, auf der anderen Seite Richtung See kam erst ein vollgeschmierter Container, dann ging es zwei Meter leicht bergab Richtung Wasser.

Wir fingen an zu suchen. Nach etwa zehn Minuten erfolglosem Hin-und-her-Streifen rief ich: «Wonach eigentlich?»

«Wonach was?», fragte Micha verwirrt.

«Wonach suchen wir?», wiederholte ich, schon leicht genervt.

«Nach irgendeinem Hinweis.»

Für einen kurzen Moment ging ich jede Form von Folter durch, die mir in den letzten Jahren bei der intensiven Lektüre von Mittelalterromanen untergekommen war. Schließlich entspannte ich mich und sagte frohlockend: «Nach WAS für einem Hinweis?»

«Keine Ahnung, Zahlen oder so.»

Micha lugte hinter dem Container hervor, lächelte wissend und fing wieder an zu dozieren: «Vielleicht eine dreistellige Zahl. Vielleicht stehen auch noch zwei Buchstaben dabei. Ein ‹N› für Norden und ein ‹O› für Osten oder ein ‹E› für East. Das dürfte von Vorteil sein.» Damit zog er den Kopf zurück. Gerade noch rechtzeitig, bevor der Ast seine Stirn getroffen hätte, der mir versehentlich aus der Hand gefallen war. Dass die Sturzbahn des Astes erst nach oben und anschließend nach unten ging, musste eine spontane Laune der Natur gewesen sein.

Wir suchten weiter nach dem ersten Hinweis. Streiften durchs Gebüsch, beugten uns über den See, verbogen den Maschendrahtzaun. Ich hatte in der Zwischenzeit so ziemlich jedes Zeichen auf dem Container entdeckt, in mehrere Sprachen übersetzt und interpretiert. Ohne Erfolg. Es waren wohl alles Telefonnummern und Geburtsdaten. Ziemlich viele Menschen hatten sich in ziemlich vielen Farbvariationen verewigt, sodass mir bald klar wurde: Ja, «they were here». Bald hatte ich die Finger in so ziemlich jede Baumöffnung gesteckt, die ich aufstöbern konnte, und fand darin so manches Mal mehr, als ich finden wollte.

Irgendwann fragte ich Micha: «Wie verstecken diese komischen Cacher denn ihre Hinweise?»

«Ich hab gelesen, sie schreiben sie mit Filzstift auf irgendwas drauf», sagte er.

«Ach ja? Du kannst lesen?», erwiderte ich. Man merkt, die Stimmung war allmählich leicht angespannt.

Nach längerem Suchen, die Sonne war inzwischen ein paar Mal auf- und untergegangen, hörte ich von der Seite ein langgezogenes «Aaahhhhhh».

Sofort reagierte ich mit einem «Nee, ne?».

«Doch!», lautete die Antwort.

«Wo?»

«Hier.»

Ich lief hin, und vor lauter Freude, dass wir endlich fündig geworden waren, konnte ich mich gar nicht richtig darüber ärgern. Der Hinweis war allen Ernstes mit wasserfestem Filzstift auf den Spannverschluss eines Maschendrahtzaunes geschrieben. Jetzt mal Spaß beiseite: Wie soll man denn bitte darauf kommen? Das ist viel zu schwer, da gehört gefälligst ein dicker Pfeil auf den Boden, der darauf zeigt. Abgesehen davon sollten mit Absperrseilen alle Wege unpassierbar gemacht werden, die einen in die falsche Richtung lenken, mehrere Fackeln die Strecke beleuchten und am Ende ein großes Feuerwerk direkt über dem Hinweis die Suche zu einem einzigartigen Erfolgserlebnis machen. Aber nein, der Owner, also derjenige, der den Cache gelegt hat, hatte all das offenbar nicht nötig.

Wenn die neu sind, können sie ruhig ein bisschen suchen, hat er sich wohl gedacht, so sieht es nämlich aus. Die Suche soll schließlich Spaß machen, da verstecken wir den ersten Hinweis ein bisschen besser, und auch wenn die armen Schweine vor Verzweiflung weinen, ist mir das völlig egal.

Grrrrrrrrrrrrrr. Im Nachhinein betrachtet war es übrigens eine der leichtesten Stationen…

Wir gaben also die neuen Koordinaten in Michas GPS-Gerät ein. Genau genommen hat er das natürlich getan, denn die Regel Nummer eins bei technischen Geräten lautet: niemals aus der Hand geben. Der andere kann das Ding nachher besser bedienen als man selbst. Und wo sollen wir dann unser Selbstbewusstsein hernehmen?

Wir machten uns also auf zur zweiten Station. Es ging weiterhin den See entlang, immer schön auf dem asphaltierten Weg, verlaufen war unmöglich. So hatte ich mir das vorgestellt! Dann waren wir da. Diesmal standen wir an einer Kreuzung, rechts ein Trampelpfad zum See, links ging es Richtung Zivilisation. Dazu ein Durchfahrtverbotsschild, ein Zaun und sehr viel Gebüsch. Das war alles, was uns zur Verfügung stand.

Wieder fingen wir an zu suchen. Wonach, wissen wir bis heute nicht. Wenn ich die Aktion nun als erfolglos bezeichne, so beschreibt das nicht annähernd das, als was wir sie letztendlich empfanden. Wir waren enttäuscht, ja gedemütigt. Wir suchten überall: auf dem Weg, an dem Schild. Ich schlug mich sogar in die Büsche, woraufhin die Büsche ihre Stacheln15in meinen Körper schlugen. Alles erfolglos. Jedes Mal, wenn irgendwelche vereinzelten Spaziergänger oder Jogger vorbeikamen, taten wir natürlich so, als würden wir nur kurz warten, uns die Schuhe zubinden oder etwas in den Taschen suchen.

Irgendwann liefen wir frustriert zurück zum Auto und waren uns hundertprozentig sicher, dass die Sache nicht mit rechten Dingen zuging. Da fehlte irgendwas, es konnte unmöglich an uns liegen. Wir hatten so viel Erfahrung, denn auch wenn das unser erster Cache war, oder besser NICHT war, hatten wir doch immerhin die erste Station gemeistert.

Nichtsdestotrotz – wir ließen uns nicht unterkriegen. Der Reiz, zu suchen und irgendwann doch einmal zu finden, war einfach zu groß. Es hatte uns gepackt. Wie die Strömung, die einen langsam vom Land ins Meer zieht, wie der Treibsand, der einen unaufhaltsam in die Tiefe zerrt16, so hatte uns das Cacherfieber ergriffen. Außerdem wollten wir nicht ohne jeden Erfolg zu unseren Zelten zurückkehren.

Wieder im Auto, kramten wir sofort die anderen Cachebeschreibungen heraus. Irgendwas musste sich doch finden lassen. Hier, der klang gut. Angeblich auch für Kinder geeignet, das war genau das Richtige für uns. Wir machten uns also direkt auf zum nächsten Cache. «Moylands letztes Schlossgespenst» lag in einem Wald, der direkt an einen größeren Schlosspark angrenzte. Auf befestigten Wegen sollte auch dieser Cache leicht zu Fuß erreichbar sein. Es waren gerade mal zwei Stationen, das war eindeutig zu schaffen. Allerdings bestand die erste gleich aus einer ganz besonderen Aufgabe: Peilung.

«Bist du sicher, dass wir das tun sollten?», fragte ich Micha.

«Warum denn nicht?»

«Wir haben schon die einfachen Aufgaben nicht geschafft und jetzt eine schwere?»

«Die Aufgabe ist nicht schwer, sondern kinderleicht. Das geht so: Stell dich als Erstes an einen bestimmten Punkt. Entweder an die angegebenen Koordinaten oder, was viel netter von den Cachelegern ist, an eine beschriebene oder gar fotografierte Stelle, und gehe von dort aus 100Meter in Richtung 127Grad. Das klingt zwar sehr kompliziert, aber ich kann dir dabei helfen. Hat man ein Gerät mit Karte, geht es relativ einfach. Man muss das Fadenkreuz mit Hilfe eines Joysticks17(hat man nasse Hände oder Handschuhe an, verwandelt sich das Wort «joy» allerdings sofort in «fuck») über das Display bewegen. Dann muss man bloß die Gradabweichung und die Entfernung beobachten und so lange weitermachen, bis alle Zahlen genau so aussehen wie die auf der Cachebeschreibung. Fehlt einem die Karte, dann, ja dann… habe ich auch keine Ahnung, wie das klappen soll», erklärte Micha.

«Was hast du gesagt?», erwiderte ich.

Stille kam von Micha.

Stille kam von mir.

Er griff wieder zu Zettel und Stift und fing an zu zeichnen.

«Also, wir befinden uns hier auf dem Kreuz, Norden ist oben. 127Grad gibt die Richtung an, das ist in etwa nach schräg unten. Wenn wir jetzt das Gerät so drehen, dass der Pfeil genau auf 127Grad zeigt, und wir der Linie 100Meter folgen, müssten wir genau da ankommen, wo wir hinwollen.»

Jetzt verstand ich. Behauptete ich zumindest.

Ob ich da hinwollte, war mir noch nicht ganz klar, und auch nicht, wie wir auf gerader Linie an diese Stelle gelangen sollten, wenn da ein umzäuntes Gelände und ein stehendes Gewässer im Weg waren. Schließlich war da ein Schloss, und das war eingesperrt, von einem Wassergraben, einer Mauer und einem Zaun, über den ich definitiv NICHT klettern wollte. Sonnenklar war mir dagegen, dass ich es für eine Unverschämtheit von Micha hielt, mir hier kleine Kinderzeichnungen vorzulegen, als ob ich total bescheuert wäre. Das hätte er mir auch so erklären können. Und dann dieser alberne Baum, wirklich! Gut, das Gespenst war süß. Das hängt jetzt vergrößert bei mir an der Wand.

Diesmal lief es jedoch schon besser als beim letzten Cache. Nachdem wir geparkt hatten, betraten wir die kleine, frei zugängliche Parkanlage, die das Schloss «Moyland» umgibt. Die erste Station war relativ leicht zu finden. Zur Cachebeschreibung gehörte das Bild einer «Saugstelle», und genau da mussten wir hin. Von dort führten wir (oder besser Micha) die Peilung durch und machten uns wieder auf den Weg.

Wir hatten uns fest vorgenommen, diesmal erfolgreich zu sein und engagierter an die Sache heranzugehen. Aber das war nicht einfach, und wir mussten wirklich all unsere Kräfte einsetzen, damit wir letztendlich erfolgreich waren. Eine Familie mit einem siebenjährigen Kind war ebenfalls auf der Suche nach dem Cache unterwegs und spazierte nur zehn Meter vor uns um das Schloss herum. Und ich muss sagen: Respekt, Micha. Als er die drei sah, ließ er den Rucksack mit unseren Regensachen einfach fallen und rannte mit Blick auf sein GPS-Gerät los. Er stellte den Eltern ein Bein und beförderte das Kind mit einem gezielten Bodycheck ins Gebüsch. So waren wir die Ersten am angepeilten Punkt.

Diesmal war die Suche nach dem Cache insgesamt etwas einfacher, weil wir nicht wieder all die verschiedenen Versteckmöglichkeiten durchgehen mussten. Da rechts und links Bäume waren, mussten wir bloß die 12332Wurzeln und Stämme um uns herum näher in Augenschein nehmen. Wir hoben und verbogen Holz an allen möglichen Stellen, nur gestört durch eine Familie, die irgendwann ihr weinendes Kind an uns vorbeitrug. Nach ein paar Minuten war ich endlich erfolgreich: Ein kleines Zeichen, ein «G», ließ mich stutzig werden. Es war auf einen Aststumpf gemalt. Irgendwo hier am Baum musste demnach der Cache versteckt sein.

Wir wussten aus der Cachebeschreibung lediglich, dass es sich um einen so genannten «Micro» handelte, also etwa in der Größe einer Filmdose. Bald hatten wir fast den ganzen Baum geschält und das Wurzelwerk komplett von Erde befreit, da stieß Micha mich an. Ich sah ihm ins Gesicht und erschrak. Eine Träne lief ihm die Wange herunter und hinterließ einen sauberen Streifen in seinem ansonsten recht verdreckten Antlitz. Ich folgte seinem Blick, folgte der Richtung, die sein ausgestreckter Zeigefinger vorgab. Und dann sah ich ihn. Den Cache. Ein kleines weißes Etwas lugte zwischen der Borke des Stammes hervor. Es war ein winziges Gespenst.

Ganz vorsichtig lösten wir es heraus und legten es sanft auf den mit Nadeln bedeckten Waldboden. Wir öffneten die darin eingelassene Filmdose und fanden tatsächlich Notizzettel und Stift. Mit zitternden Fingern falteten wir den Zettel auseinander und trugen uns ein. Wie schön, zu sehen, wenn die Farbe des Stifts Linien auf dem Papier hinterlässt und man seinen eigenen Namen erkennen kann. Wir waren so stolz.

Es war scheu und ließ sich nur unter großen Mühen fotografieren.

Ich muss schon sagen, den ersten Cache zu heben18ist wirklich ein unglaubliches Gefühl. Das ist so, wie wenn ein gigantischer Sonnenauf- und ein Sonnenuntergang gleichzeitig den morgend- und abendlichen Himmel in flammendes Rot tauchen. Man blickt auf dieses kleine Etwas und sagt zum ersten Mal: «Wie bescheuert muss jemand sein, eine Geisterfigur an einem Baum zu verstecken?» Und gleich darauf: «Wie bescheuert sind erst diejenigen, die wegen so etwas durch die Gegend rennen?» Diese Sätze sage ich auch heute eigentlich jedes Mal und vor allem mehrmals, wenn ich wieder mal auf der Suche nach einem Cache unterwegs bin.