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Fünf Jahre sind vergangen, seit das letzte Buch „panta rhei“ von Karl-Friedrich Reinhardt erschien. „Ich komme einfach nicht dazu, meine Texte zu veröffentlichen, weil ich immer schreiben muss.“ Nun liegt es endlich vor, das neue Buch „Aus allen Ecken“, eine Kette blitzender Gedankensplitter aus den letzten Jahren. Reinhardt, geboren noch im großen Krieg, zeigt uns die bitteren und süßen Erfahrungen eines langen Lebens mit einer ausgewählten Sammlung konzentrierter Aphorismen, Schlaglichter auf Situationen, wie wir sie alle schon erlebten.
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Seitenzahl: 40
Veröffentlichungsjahr: 2026
Fünf Jahre sind vergangen, seit das letzte Buch „panta rhei“ von Karl-Friedrich Reinhardt erschien. „Ich komme einfach nicht dazu, meine Texte zu veröffentlichen, weil ich immer schreiben muss.“ Nun liegt es endlich vor, das neue Buch „Aus allen Ecken“, eine Kette blitzender Gedankensplitter aus den letzten Jahren.
Reinhardt, geboren noch im großen Krieg, zeigt uns die bitteren und süßen Erfahrungen eines langen Lebens mit einer ausgewählten Sammlung konzentrierter Aphorismen, Schlaglichter auf Situationen, wie wir sie alle schon erlebten.
Von Karl-Friedrich Reinhardt erschienen im bod-Verlag bereits
Herrn Humboldts letzte Reise
Erzählungen, Theaterstücke, Gedichte
PB, 208 Seiten
ISBN 978-3-7392-7690-9
Panta rhei/ Bitterkerne
Doppelband Lyrik und Aphorismen
PB, 224 Seiten
ISBN 978-3-7526-9467-3
Für Heino
Graue Zeiten
Geplante Brüche
Vom Rande der Zeit
suche ich in den Ecken und
finde die grauen Flocken
aus der anderen Zeit
die ich vergessen wollte
im Laufe der Zeit.
Ein Mann
ist ein Mann
wenn es nicht mehr
wichtig ist
ein Mann zu sein.
Eine Frau
ist eine Frau
die sich nicht entscheiden will
wer sie heute ist oder
morgen sein könnte.
Auf leeren Sockeln
sitzen die Katzen und gähnen,
sonst nichts.
Denkmäler erzählen grundsätzlich
erfundene Geschichten.
Wer sich fürchtet
vor dem Paternoster
der muss dran glauben.
Nach der nächsten Katastrophe
wird es keine Geschichtsbücher
mehr geben.
Täglich vom eigenen Ruhm
besoffen stolpert man regelmäßig
in einen schrecklichen Kater.
Halten wir den Kopf schräg
verändert sich der Horizont
nicht.
Der Tod
ist die einzige Gegenwart
er hat weder Vergangenheit
noch Zukunft.
Wer gegen die eigenen Schwächen
kämpft, wird nicht stärker,
nur klüger.
Als er alles wusste
über sich
begann er von vorn.
Virus ist variabel,
Tod ist endgültig.
Wer stets nur auf das Ende
starrt vergisst
den langen Weg zum Ende.
Wenn das Ende
zum Punkt kommt,
sind wir am Anfang.
Es gibt nicht das Gute,
es gibt nicht das Böse,
es gibt den einen Gedanken
in uns.
K. lief so lange
dem Leben hinterher,
bis es zu Ende war.
Die am lautesten schreien
nach der Freiheit sehnen sich
ihre Freiheit abzugeben.
Das ist ihre persönliche Freiheit.
Schrumpfköpfe gibt es
nicht nur am Amazonas.
Wer nicht mehr träumt,
ist tot.
Andererseits
rufen immer die Gleichen
denen das Einerseits
völlig gleichgültig war.
Der rote Fleck
im Schwarzen verändert
keine Farben.
Je geringer der Abstand,
desto größer die Entfernung.
Allein
im eigenen Kopf
ist Erfüllung und Leere
zugleich.
Der Konjunktiv
in seiner größten Schwäche
war K.s größte Stärke.
Hohle Köpfe sind
keine Klangräume.
Je heller das Licht
der Wissenschaft leuchtet,
desto mehr stehen wir
im Dunklen.
Vor allem die Pausen
müssen gespielt werden
können.
Wer im eigenen Gefängnis sitzt,
hat die Höchststrafe.
Dieses eine Leben in sich.
Wer glaubt,
ein gemeinsames Lösungs
Wort wäre die Lösung,
kennt nicht viele Worte.
Wer ist der eigene Herr
in seinem Kopf.
Prinzipienlose Prinzipienreiter
können ohne Mühe
rückwärts reiten.
Selbst wenn wir alle einsam
werden,
bleibt der Schizophrene
nie allein.
Mit dem Wachsen der Wissenschaft
wird auch der Glaube stärker,
gleichgültig woran.
Wie arm ist die Dekadence,
wenn sie den Dernier cri verpasst.
Wenn Neugier
zur neuen Gier wird,
sind wir einen Schritt weiter.
Kann man an der Datumsgrenze
auch die Zeit verändern.
Je mehr wir lernen,
desto größer wird der Glaube
an das Gegenteil.
Der Nagel auf dem Kopf trifft
eventuell ein Gehirn.
Wer stets die milde Christlichkeit
im Gesicht trägt,
kennt auch noch andere Masken.
Es gibt nur einen Weg
nach Rom.
Zerstören wir das Glas
zwischen uns entsteht
keine Nähe
es bleiben nur die Narben.
Meine Einstellung
hat sich nicht verändert,
seit man mich eingestellt hat.
Der unbedingte Glaube
an das Echo
ersetzt keinen Dialog.
Gemessen an der Zeit
die wir nicht miteinander
verbracht haben
haben wir ziemlich viel
Zeit miteinander verbracht.
Wer sein Haus
auf einer Kreuzung baut,
darf sich nicht wundern
über ungebetene Gäste.
Wir wollten immer
nur das Beste.
Das haben wir bekommen.
Aus der Sicht unserer Feinde.
Schaue ich aus dem Fenster
ins fremde Leben,
bleibt mein Hintern
doch immer zurück.
Jeder steckt
in seiner eigenen Mauer
fest.
Wer ständig träumt,
über den Regenbogen zu laufen,
sollte die Farbenlehre kennen.
Traum ist wie Phantasie
plus das kleine Einmaleins
der Physik.
Jede Raupe ist beweglicher
als ein Schmetterling.
Wenn tausend Zwerge
sich aufeinander stellen,
bleiben sie doch Zwerge.
Als Pessimist freue ich mich
heute schon auf den Film,
das Buch, die Zusammenarbeit und
die Ehe, weil ich weiß,
wie es zu Ende gehen wird.
Auch die Flucht
durch ein geöffnetes Fenster
hilft nicht immer weiter.
Wären wir immer im Recht,
wäre die Welt ständig im Unrecht.
Wenn ich denn den Einen lieben
könnte,
würde ich mich duzen.
In der Abendsonne
werfen auch Zwerge
lange Schatten.
Die wahren Kenner der Berge
leben im flachen Land.
Wer im Hochsommer
Pelzmantel trägt, weiß
worauf es ankommt.
Wenn der Kopf hohl ist,
sind die Worte leer.
Wer ständig schwärmt
von der Weite des Himmels
