Ayurveda-Lehrbuch Band 1 - Srikanta Sena - E-Book

Ayurveda-Lehrbuch Band 1 E-Book

Srikanta Sena

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Beschreibung

Bis zum heutigen Tag ist die Caraka-Samhita das unverzichtbare Grundlagen-Werk für jeden, der Ayurveda als Arzt, Therapeut oder privat für sich und seine Lieben vollkommen verstehen und anwenden möchte. Alles Wissenswerte, was heute über Ayurveda gelehrt wird (und noch viel mehr), ist in der Caraka-Samhita enthalten.

»Alles Leid wurzelt in Unwissenheit, alles Glück in reinem Wissen.« (Sūtrasthānam 30.84) — »Wenn ich dieses essenzielle Wissen, wie es hier im Caraka-Samhita-Kompendium präsentiert wird, schon früher gekannt hätte, wäre mir sicher viel Leid erspart geblieben.«

Dies ist Band 1 von Ayurveda-Lehrbuch, Caraka-Samhita-Kompendium. Insgesamt gibt es vier Bände mit den acht Hauptteilen der Caraka-Samhita: Sutrasthanam (Grundlagen, Grundprinzipien des Ayurveda); Nidanasthanam (Diagnostik); Vimanasthanam (spezifische Merkmale und Aspekte von Krankheiten); Sarirasthanam (das Studium des menschlichen Körpers, Zeugung, Schwangerschaft und Geburt); Indriyasthanam (Zeichen des baldig bevorstehenden Todes); Cikitsasthanam (Therapeutik); Kalpasthanam (Präparate für Emesis und Purgation) und Siddhisthanam (Pañcakarma-Therapien).

Buch 1 umfasst die Hauptabschnitte "Die Vedische Kultur", "Sutrasthanam (Grundlagen, fundamentale Prinzipien des Ayurveda)" und "Nidanasthanam (Diagnostik)".

Jedes Buch enthält einen Anhang mit einem Quellenverzeichnis, einer Anleitung zur Aussprache des Sanskrit, einem Pflanzenverzeichnis, einem Glossar der Sanskritbegriffe und einem Tabellenverzeichnis. In Buch 3 gibt es außerdem noch ein Verzeichnis mit Heilmitteln, Präparaten und diätetischen Zubereitungen, die in den Kapiteln des Cikitsasthanam genannt und beschrieben werden.

Ayurveda-Lehrbuch, Caraka-Samhita-Kompendium ist auch als gebundene Ausgabe und als PDF-Datei auf einem USB-Stick für Lesen/Studium auf Tablet-PC und auch Notebook und Desktop-PC erhältlich.

Nutze diese digitale Version der Caraka-Samhita, um ganz entspannt Ayurveda auf deinem Ebook-Reader zu studieren.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ayurveda-Lehrbuch

Caraka-Samhitā-Kompendium

Band 1

I. Die vedische Kultur

II. Sutrasthānam

(Fundamentale Prinzipien des Ayurveda)

III. Nidānasthānam

(Diagnostik)

SRIKANTA SENA

Die Informationen in diesem Werk sind nicht dazu gedacht, einen Arzt zu ersetzen. Das Material soll der Bildung und Selbsthilfe dienen, der besseren Gesundheitspflege sowie der Gesunderhaltung. Autor und Verleger sind in keiner Weise für irgendwelche medizinischen Ansprüche im Zusammenhang mit dem hier vorgestellten Material verantwortlich.

© 2022 Atmarama Verlag, Karl-Heinz Degenhardt Haunestr. 4 36179 Bebra

www.atmarama.de

Inhaltsverzeichnis

EinleitungZur Geschichte der Caraka-SaṃhitāZum Aufbau der Caraka-SaṃhitāSūtrasthānam1. Āyurveda in einer Nussschale1.1 Wie Āyurveda zu den Menschen kam1.2 Fundamentale Prinzipien des Āyurveda1.3 Klassifizierung von Drogen nach Art und Verwendung1.5 Der beste Arzt2. Pulver, Pasten und Extrakte2.1 Weitere Drogen für pañcakarma2.2 Diätetische Zubereitungen2.3 Pulver und Pasten2.4 Fünfzig »große« Kräuterextrakte3. Gesundheitsvorsorge3.1 Tägliche Routine zur Erhaltung der Gesundheit3.2 Diät und Verhalten in den Jahreszeiten3.3 Unterdrückung körperlicher und geistiger Dränge3.4 Körperübungen3.5 Sinne, Geist und Intelligenz3.6 Sadvṛtta – Verhaltensregeln4. Therapeutik – Grundlagen4.1 Der kleine Vierer – Arzt, Patient, Assistent, Therapie4.2 Der große Vierer – vier Kategorien von Krankheiten4.3 Über drei Bestrebungen4.4 Über drei Ursachen von Krankheiten etc.4.5 Funktionen und Effekte von Vāyu, Agni und Soma5. Reinigungstherapien5.1 Snehana (Ölung)5.2 Svedana (Therapeutisches Schwitzen)5.3 Vamana (Emesis)5.4 Virecana (Purgation)6. Pathologie – fundamentale Prinzipien6.1 Kopf- und Herzkrankheiten6.2 Merkmale gestörter doṣas6.3 Merkmale verminderter dhātus6.4 Störungen in den dhātus6.5 Störungen der srotas6.6 Sieben Piḍakas – Karbunkel, Furunkel, Abszesse6.7 Schwellungen6.8 Allgemeine Störungen – Krankheitsbilder6.9 Spezifische Störungen7. Diätetik7.1 Über Fettleibigkeit und Magerkeit7.2 Über den Schlaf7.3 Sechs therapeutische Maßnahmen7.4 Krankheiten und Therapien bei Über- und Unterernährung7.5 Über reines und unreines Blut7.6 Prominente Nahrungsmittel, Drogen, Therapien etc.7.7 Attribute, Energien und Aktionen von Substanzen7.8 Eigenschaften einiger Nahrungsmittel und Getränke7.9 Antagonistischer Gebrauch von Nahrungsmitteln7.10 Die Methode der Ernährung7.11 Quantität der Nahrung und āma8. Schlussbetrachtung8.1 Der Förderer und der Zerstörer der Lebenskraft8.2 Merkmale des echten Arztes8.3 Der Schutz des Herzens8.4 Wer gilt als ein Kenner des Āyurveda?8.5 Die Definition von Leben8.6 Die Definition von glücklichem Leben8.7 Die Definition von segensreichem Leben8.8 Die acht Zweige des Āyurveda8.9 Ziel des Āyurveda8.10 Wer Āyurveda studieren sollte8.11 Die zehn Themenbereiche des Agniveśa-tantraNidānasthānam1. Fünf Faktoren der Diagnose2. Jvara nidāna (Diagnose von Fieber)2.1 Ursachen und Pathogenese von vātika jvara2.2 Symptome bei vātika jvara2.3 Pathogenese und Symptome bei paittika jvara2.4 Ursachen und Symptome von ślaiṣmika jvara2.5 Sannipātika und dvidoṣaja jvara2.6 Ursachen und Merkmale von agantu jvara2.7 Prodrome von jvara2.8 Ursprung und Effekt von jvara2.9 Therapie bei jvara3. Raktapitta nidāna (Diagnose von Hämorrhagie)3.1 Ursachen und Pathogenese3.2 Prodrome von raktapitta3.3 Komplikationen bei raktapitta3.4 Passagen der Krankheit und Prognose3.5 Ursachen der Unheilbarkeit von Krankheiten3.6 Symptome der Unheilbarkeit von raktapitta4. Gulma nidāna (Diagnose von Gulma)4.1 Ätiologische Faktoren bei vātagulma4.2 Pathogenese und Symptome von vātagulma4.3 Ätiologische Faktoren und Symptome von pittagulma4.4 Ätiologische Faktoren und Symptome von śleṣmagulma4.5 Nicayagulma4.6 Raktagulma4.7 Prodrome4.8 Therapie5. Prameha nidāna (Diagnose von hartnäckigen Harnstörungen)5.1 Interaktion von 3 Faktoren bei der Entstehung von Krankheiten5.2 Pathogene Faktoren von kaphaja prameha5.3 Pathogenese von kaphaja prameha5.4 Symptome und Arten von kaphaja prameha5.5 Ätiologische Faktoren und Arten von pittaja prameha5.6 Ätiologie und Pathogenese von vātaja prameha5.7 Spezifische Merkmale der 20 Arten von prameha5.8 Prodrome und Komplikationen von prameha5.9 Schlussbemerkung6. Kuṣṭha nidāna (Diagnose von hartnäckigen Hautkrankheiten)6.1 Ätiologie aller Arten von kuṣṭhas6.2 Prodrome von kuṣṭha6.3 Symptome und Merkmale der sieben Kuṣṭha-Arten6.4 Prognose6.5 Komplikationen6.6 Schlussbemerkung7. Śoṣa nidāna (Diagnose von fortschreitender Auszehrung)7.1 Vier Kategorien ätiologischer Faktoren und Pathogenese7.2 Prodrome von rājayakṣma7.3 Elf Symptome von rājayakṣmā und Prognose7.4 Fazit8. Unmāda nidāna (Diagnose von Geistesgestörtheit)8.1 Ätiologische Faktoren von doṣaja unmāda8.2 Allgemeine Symptome und Perversionen8.3 Prodromalsymptome8.4 Spezifische Symptome8.5 Therapeutische Maßnahmen8.6 Ursachen für die exogene Art von unmāda8.7 Prodromalsymptome der exogenen Art8.8 Vermittler, Aktionen und Symptome8.9 Umstände, Zeit und Ort der Attacke8.10 Dreifache Absicht der Mittler, Prognose und Therapie8.11 Schlussbemerkung9. Apasmāra nidāna (Diagnose von Epilepsie)9.1 Ätiologische Faktoren9.2 Definition von apasmāra9.3 Prodromalsymptome9.4 Charakteristische Merkmale9.5 Therapie10. Schlussbetrachtung10.1 Mythologischer Ursprung der acht Krankheiten10.2 Krankheiten als Ursache anderer Störungen10.3 Aktionen verursachender Faktoren10.4 Beziehung zwischen Symptomen und Krankheiten10.5 Effekte und Prinzipien von TherapienDie Vedische Kultur1. Die vedischen Schriften2. Drei Instanzen des Wissens3. Varṇāśrama dharma – Das vedische Gesellschaftssystem4. Vedische Kosmologie5. Der Nabel der Welt6. Die Mutter aller Lebewesen7. Bußen und EntsagungAnhangQuellenverzeichnisAnleitung zur Aussprache des SanskritPflanzenverzeichnisSanskrit-GlossarePersonen und PersonengruppenAyurvedische FachbegriffeTabellenverzeichnis

Einleitung

Der Begriff Āyurveda setzt sich zusammen aus den beiden Sanskritwörtern veda (Wissen; Wissenschaft) und āyus (Leben; Lebensspanne, Lebensdauer). Āyurveda ist die göttliche, zeitlose Wissenschaft vom Leben oder vom gesunden, langen Leben. Āyurveda existiert ewig und ist in dieser Welt (auf der Erde) in manchen Zeiten manifestiert und in anderen Zeiten unmanifestiert. Seit ein paar tausend Jahren ist diese Wissenschaft glücklicherweise präsent auf der Erde und intelligente Menschen, die an ihrem eigenen Wohlbefinden und am Glück anderer Menschen interessiert sind, machen mit Freude ausgiebig Gebrauch davon.

Was ist Leben und was bedeutet Wissenschaft in Bezug auf Leben nach vedischem Verständnis? Der große Lehrer und Kenner des Āyurveda, Punarvasu Ātreya, definiert in der Caraka-Saṃhitā Leben mittels folgender Synonyme: nityaga (beständiger Fluss), cetanānuvritti (Fortbestand des Bewusstseins), jīvita (Beseelung), anubandha (Verbindung von Körper, Geist und Seele) und dhāri (Erhaltung des Körpers). Āyurveda ist die Wissenschaft, durch die āyus (das Leben) verstanden wird. Āyurveda beinhaltet perfektes Wissen über den Körper, Diagnostik, Therapeutik, Pharmakologie etc. und darüber hinaus umfassendes philosophisches Wissen über die spirituelle Situation des Lebewesens in der Verbindung mit der materiellen Natur, über die Ursachen des Leids und die endgültige Befreiung oder das Erlangen von permanentem Glück. Die Wissenschaft vom Leben ist also nicht auf Prävention und Beseitigung von Krankheiten beschränkt, wie aufgrund unzureichender Informationen oft angenommen wird.

Was Leben ist und was wirkliches Wissen ist, wird in den Veden und zahlreichen Schriften in ihrer Nachfolge gründlich analysiert und erklärt. Āyurveda basiert auf diesem Wissen und ist Teil davon, deshalb ist es notwendig, zumindest die wichtigsten Aspekte des Wissens der Veden und der vedischen Kultur zu kennen, um Āyurveda richtig zu verstehen. Dieser Anspruch soll nun in optimaler Weise mit der vorliegenden Bearbeitung der Caraka-Saṃhitā erfüllt werden.

Die vier Vedas Yajur, Sama, Ṛg und Atharva – Āyurveda gilt als ein Zweig des Atharva Veda – sind ursprüngliche Abhandlungen des Wissens und beinhalten die Schöpfungsgeschichte, Chronologien bedeutender Persönlichkeiten vom Beginn über die Gegenwart bis zur Vernichtung des Universums, Hymnen zur Verehrung der Götter, Vorschriften für Opferungen (yajñas), Wissen über Mathematik, Architektur, Musik, Astrologie und Astronomie usw. Außer dem Wissen über die Materie, ihre Manipulation und Nutznießung, enthalten die Vedas und Nachfolgeschriften spirituelles Wissen, Wissen über das Selbst, über die Aufgabe und das Ziel des menschlichen Lebens, über die Stellung der Götter, die Persönlichkeit Gottes, das spirituelle Reich und die Beziehung der Lebewesen zum Höchsten.

Brahmā, das erste Lebewesen im Universum, der vom Höchsten Herrn mit der Schöpfung betraut worden ist, empfing als Erster das vedische Wissen direkt von Kṛṣṇa. Er unterrichtete seine Söhne darin, die es wiederum ihren Schülern offenbarten usw. Aufgezeichnet wurde dieses Wissen das erste Mal – und zwar in der Sanskritsprache – am Ende des dvāpara-yuga, vor etwa fünftausend Jahren, von Dvaipāyana Vyāsa, einer Inkarnation des Höchsten Herrn. Davor wurde es mündlich überliefert – nicht etwa weil es keine Schrift gab, sondern da die großen ṛṣis (Weisen) ein exzellentes Gedächtnis und hervorragende Intelligenz besaßen und sich einmal Gehörtes ohne Schwierigkeiten einprägen konnten, gab es keine Notwendigkeit für sie, etwas nachzulesen, was sie schon einmal gehört hatten. Mit dem Einsetzen des kali-yuga, des jetzigen Zeitalters, des Zeitalters des Streites und der Heuchelei, vermindern sich Intelligenz, Gedächtniskraft, Stärke, Lebensspanne etc., deshalb wurde es notwendig, das vedische Wissen zum Nutzen aller Menschen schriftlich festzuhalten.

Die Absolute Wahrheit zu erkennen, ist das höchste Ziel und die Vollkommenheit für ein Lebewesen in der menschlichen Lebensform. Alles Wissen ist im Grunde genommen nur offenbart, um das Lebewesen allmählich mit göttlicher Erkenntnis zu erleuchten, um das göttliche Bewusstsein wiederzuerwecken. In diesem Licht kann man auch Āyurveda sehen. In der Bhagavad-gītā beschreibt der Höchste Herr selbst den Vorgang der Erkenntnis, der Erleuchtung. Verschiedene Aussagen der Caraka-Saṃhitā, die sich auf spirituelle Aspekte des Āyurveda beziehen, sollen im vorliegenden Buch durch Zitate aus der Bhagavad-gītā und anderen vedischen Schriften erhellt werden. In der Gītā (15.15) sagt der Herr: sarvasya cāhaṃ hṛdi sanniviṣṭo mattaḥ smṛtir jñānam apohanaṃ cavedaiś ca sarvair aham eva vedyo vedānta-kṛd veda-vid eva cāham – »Ich weile im Herzen eines jeden, von mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Das Ziel aller Veden ist es, Mich zu erkennen. Wahrlich, ich bin der Verfasser des Vedānta und Ich bin der Kenner der Veden.«

Im Grunde genommen ist es falsch, von spirituellen und materiellen Aspekten des Āyurveda zu reden. Āyurveda beschäftigt sich insbesondere mit dem Wissen der Erhaltung und Förderung der Gesundheit als einer Voraussetzung für das Erreichen des erhabenen Zieles der Vollkommenheit und kann daher als Medizin in einem höheren Sinne betrachtet werden. Das Wissen über die Bestandteile des Körpers, das Lebewesen im Körper, die Verbindung des Lebewesens mit dem Körper, die Ursachen von Krankheiten, die Funktionen der Elemente des Körpers, die Effekte von Substanzen etc. ist nicht durch jahrhunderte- oder jahrtausendelange Forschungsarbeit, durch Experiment und Spekulation, allmählich erlangt worden, sondern ist offenbartes, ewiges Wissen und ist somit frei von den vier Defekten oder Unzulänglichkeiten menschlicher Forschung.

Die Defekte sind: 1. das bedingte Lebewesen in der materiellen Welt besitzt unvollkommene Sinne (karaṇāpāṭava); 2. es unterliegt der Täuschung, Illusion (pramāda); 3. es begeht Fehler (bhrama) und 4. es hat die Neigung zu betrügen (vipralipsā).[1] Diese vier Unzulänglichkeiten sind Ursache vieler grundlegender falscher Vorstellungen oder Irrtümer, die weit verbreitet sind in der modernen Welt und den Menschen vom Beginn ihres Lebens eingebleut werden, die aber nicht vereinbar sind mit Āyurveda – zum Beispiel: zu glauben, die Menschheit wäre die am höchsten entwickelte Lebensform; zu glauben, nur auf der Erde gäbe es intelligentes Leben; die darwinische Theorie der Evolution; die Behauptung, je weiter man in der Geschichte zurückgehe, desto primitiver, unintelligenter, unzivilisierter die Menschheit; technischen Fortschritt mit Zivilisation gleichzusetzen; Materie als Ursprung des Lebens zu betrachten; Bewusstsein als Symptom chemischer Reaktionen im Gehirn anzusehen. Wir unterliegen noch vielen anderen Irrtümern, die mit den oben genannten zusammenhängen. Das vedische Wissen widerlegt diese falschen Vorstellungen anhand von drei Quellen der Wissensaneignung, die in der Caraka-Saṃhitā im Zusammenhang mit Beweis für Reinkarnation und in der Sektion über Therapeutik beschrieben werden.

Zur Geschichte der Caraka-Saṃhitā

Aufgrund der vier Unzulänglichkeiten ist es nicht möglich, sich vollkommenes Wissen über eine Sache allein durch Wahrnehmung und Folgerung anzueignen. Der vedische Weg der Aneignung von Wissen besteht deshalb darin, vollkommenes Wissen von autorisierten Lehrern (ācāryas) zu empfangen. So kam auch Āyurveda zu den Menschen. Prajāpati Dakṣa empfing diesen Veda von Brahmā, die beiden Aśvinī-kumāra genannten devas (Halbgötter) empfingen das Wissen von Prajāpati. Indra, der König der himmlischen Planeten und Herr über Regen, Donner und Blitz, empfing es von den Aśvinīs, zwei großen Ärzten der Halbgötter.

Der Weise Bharadvāja empfing es von Indra, Punarvasu Ātreya und andere Weise empfingen es von Bharadvāja. Agniveśa, ein Schüler Ātreyas, ist der nächste in der Kette. Er legte als Erster ein schriftliches Kompendium über Āyurveda vor – bekannt als Agniveśa-tantra –, welches später, ein paar Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung, von dem Arzt und Philosoph Caraka erweitert und überarbeitet wurde und unter dem Namen Caraka-Saṃhitā Berühmtheit erlangte. Carakas Edition wurde dann im 3. bis 4. Jahrhundert n.Chr. noch einmal von Dṛḍhabala überarbeitet. Er rekonstruierte das letzte Drittel – Siddhi- und Kalpasthānam und 17 Kapitel des Cikitsasthānam –, das aus irgendeinem Grund beschädigt worden oder verloren gegangen war, anhand von relevantem Material aus verschiedenen Abhandlungen. Agniveśa-tantra existiert leider nicht mehr und es lässt sich auch nicht feststellen, wann genau in der Geschichte sie verfasst wurde.

Mit der Caraka-Saṃhitā haben sich nach ihrem Erscheinen im Laufe der Jahrhunderte bis in die heutige Zeit noch viele Gelehrte beschäftigt und ihre Kommentare dazu geschrieben. Zwei der bedeutendsten von ihnen sind Bhaṭṭāra Hariścandra (5.-6. Jahrhundert n.Chr.) und Cakrapāṇidatta (11. Jahrhundert) mit ihren Werken Caraka-nyāsa bzw. Āyurveda-dīpikā. Im 11. Jahrhundert wurde die Caraka-Saṃhitā ins Persische und ins Arabische übersetzt und Ende des 19. Jahrhunderts das erste Mal ins Englische. 1949 erschien eine englische Edition von Shree Gulabkumar. Danach wurden in jüngster Zeit noch zwei Editionen mit Originalversen und englischer Übersetzung des Textes veröffentlicht – die eine mit einem umfangreichen Anhang der Flora und Fauna der Caraka-Saṃhitā, anatomischen, therapeutischen, pathologischen Begriffen etc. von Prof. Priyavrat Sharma und die andere von R.K. Sharma und B. Dash. Letztere Ausgabe enthält auch Cakrapāṇis Kommentare. Außer den Übersetzungen in verschiedenen indischen Sprachen und in Englisch gibt es kaum Übersetzungen in anderen Sprachen, obwohl dieses Werk heute in vielen Schriften und Aufsätzen häufig erwähnt wird in Bezug auf Āyurveda und Medizin im Allgemeinen.

Es gibt noch zwei andere große Werke über Ayurveda – Aṣṭāṅga-hṛdayam und Suśruta-Saṃhitā – und drei kleinere klassische Werke – Sarṅgadhara-Saṃhitā, Madhava-nidānam und Bhāvaprakāśa. Von der Suśruta-Saṃhitā nimmt man an, dass sie in der gleichen Epoche entstand wie die Caraka-Saṃhitā. Aṣṭāṅga-hṛdayam ist zwischen 500 und 600 n.Chr. erschienen, Bhāvaprakāśa im 14. Jahrhundert n.Chr., Sarṅgadhara-Saṃhitā im 15. Jahrhundert n.Chr. und Madhava-nidānam um 700 n.Chr. Die drei großen Klassiker des Āyurveda unterscheiden sich in der Betonung verschiedener medizinischer Aspekte, dem Umfang des Wissens und der Art der Wissensvermittlung voneinander. Die Suśruta-Saṃhitā beinhaltet auch chirurgisches Wissen, das unter anderem für die Behandlung der Auswirkungen von Kriegen (durch Waffen hervorgerufene Wunden etc.) wichtig war. Im Gegensatz zu Suśruta-Saṃhitā und Aṣṭāṅga-hṛdayam vermittelt die Caraka-Saṃhitā grundlegendes spirituelles Wissen der Sāṅkhya-Philosophie und enthält auch Konzepte der Yoga-Philosophie. In der Caraka-Saṃhitā wird Āyurveda am umfassendsten erklärt und deshalb gilt sie als das wichtigste Werk über die Wissenschaft vom Leben.

Ātreya Muni ist die zentrale Figur in der Caraka-Saṃhitā. Das gesamte Werk besteht aus Dialogen zwischen Ātreya und seinem Schüler Agniveśa und aus Diskussionen über verschiedene Themen des Āyurveda zwischen verschiedenen ṛṣis (Weisen) unter dem Vorsitz von Ātreya. Die vier Veden Ṛg, Yajur, Atharva und Sāma und Schriften in ihrer Nachfolge werden als śruti (»das, was man durch Hören empfängt«) und smṛti (»das, was man erinnert«) bezeichnet, weil sie mündlich überliefert wurden von Lehrer zu Schüler, bevor Śrīla Vyāsadeva sie schriftlich aufzeichnete. Aus ihnen geht hervor, dass Wohltätigkeit (dāna), Entsagung (tapas), religiöse Opfer (yajña), Wahrhaftigkeit (satya), Gewaltlosigkeit (ahiṃsa) und sexuelle Enthaltsamkeit (brahmacarya) zu vollkommenem Wohlbefinden führen.

Punarvasu Ātreya und alle ācāryas (Lehrer des vedischen Wissens) oder āptas, wie sie auch genannt werden, sind entsagungsvoll, friedfertig, wahrhaftig etc. und sie sind frei von Anhaftung, Selbstsucht, Gier, Betrug, Lust, Neid und anderen Eigenschaften, die aus rajas (Leidenschaft) und tamas (Unwissenheit) hervorgehen. Sie besitzen Weisheit, praktisch verwirklichtes Wissen und einen reinen Geist und Intellekt. Ist es nicht besser, solche Menschen als Autoritäten des Wissens anzuerkennen, anstatt den mentalen Spekulanten zu folgen, die sich bei der Wissenserwerbung nur auf ihre fehlerhaften Sinne, ihre Instrumente erweiterter Sinneswahrnehmung (Mikroskope, Fernrohre etc.) und ihren begrenzten Verstand verlassen und die obendrein nicht frei sind vom Einfluss der Erscheinungsweisen der Leidenschaft und Unwissenheit und nur bedingtes Wissen verbreiten, das dem Glück der Menschen und anderer Lebewesen nicht dienlich ist, sondern nur ihrer Eitelkeit und ihrem Bankkonto und dem einiger Geschäftemacher dient? Wenn es um die Aneignung von Wissen geht, sollten diejenigen, die genügend Intelligenz besitzen, jedenfalls genau prüfen, welcher Quelle von Wissen und welchem Lehrer sie ihr Vertrauen schenken und Wissen nicht blind annehmen.

Zum Aufbau der Caraka-Saṃhitā

Die Caraka-Saṃhitā ist in acht sthānas (Hauptteile) unterteilt: Sūtra-, Nidāna-, Vimāna-, Śarīra-, Indriya-, Cikitsā-, Kalpa- und Siddhisthānam. Sūtrasthānam umfasst dreißig adhyāyas (Kapitel) und erklärt fundamentale Prinzipien des Ayurveda. Nidāna-, Vimāna- und Śārīrasthāna haben jeweils acht adhyāyas und behandeln Diagnostik, spezifische Aspekte und detailliertes Wissen über den Körper und seinen Bewohner resp. Indriyasthānam besteht aus zwölf adhyāyas und handelt von den Zeichen imminenten Todes, Cikitsāsthānam beschäftigt sich in dreißig Kapiteln mit Therapeutik, Kalpasthānam und Siddhisthānam haben jeweils zwölf Kapitel und behandeln Pharmakologie (Präparate für Emesis und Purgation) und Pañcakarma-Therapien. Alle Verse der einzelnen Kapitel sind im Original numeriert, wie es allgemein üblich ist in der vedischen Literatur.

Im Gegensatz zur zweibändigen gebundenen Ausgabe von Ayurveda-Lehrbuch, Caraka-Samhitā-Kompendium, besteht die Ebook-Version aus vier Büchern oder Bänden. Band 1 enthält Teil I: Die vedische Kultur und Philosophie, Teil II: Sūtrasthānam und Teil III: Nidānasthānam. Band 2 besteht aus den Hauptabschnitten Vimāna-, Śarīra- und Indriyasthānam. Band 3 enthält Cikitsāsthānam, den größten Abschnitt der Caraka-Samhitā und Band 4 enthält Kalpasthānam und Siddhisthānam.

Die meisten pharmazeutischen Präparate, z.B. in der Cikitsa-Sektion, sind genannt. Drogen in Rezepturen sind nicht immer vollständig aufgezählt. Dieses Werk ist ein ausführliches Kompendium der Caraka-Saṃhitā mit nicht zu knappen Erläuterungen zu spirituellen Aspekten des Āyurveda und zur vedischen Kultur, die man in keinem anderen Ayurveda-Buch in dem Umfang finden wird.

Um dem mit dem vedischen Wissen nicht vertrauten Leser den Zugang zu erleichtern und um nicht den Textfluss zu unterbrechen durch häufiges Erklären von Dingen, deren Kenntnis Caraka bei seinen Lesern voraussetzen konnte und die sicher auch manchen Lesern dieses Buches bekannt sein werden, ist der Bearbeitung des eigentlichen Textes der Caraka-Saṃhitā eine sieben Kapitel umfassende kurze Einführung in die wichtigsten Elemente der vedischen Kultur und Philosophie vorangestellt. Die Kapitel lauten: 1. Die vedischen Schriften, 2. Drei Instanzen des Wissens, 3. Das vedische Gesellschaftssystem, 4. Vedische Kosmologie, 5. Der Nabel der Welt,[2] 6. Die Mutter aller Lebewesen,[3] 7. Bußen und Entsagung.

Sanskritbegriffe außer Eigennamen (Namen von Pflanzenarten, Personen etc.) sind in Überschriften normal und im Text, abgesehen von einigen Ausnahmen, durchweg kursiv dargestellt. Leser, die nur wenige oder überhaupt keine Sanskritbegriffe kennen, werden es am Anfang etwas schwer haben. Manche Fachbegriffe lassen sich nur schwer übersetzen, andere können nur durch Umschreibung erklärt werden, deshalb ist ihr Gebrauch angebracht. Und diejenigen, die sich dadurch nicht abschrecken lassen vom Studium der Caraka-Saṃhitā, werden immensen Gewinn erzielen und außerdem später andere vedische Schriften um so leichter studieren können.

Zum Nachschlagen gibt es im Anhang zwei Glossare fast aller Sanskritwörter und ayurvedischen Fachbegriffe, die in diesem Buch verwendet werden. Sie sind hauptsächlich nach ihrer Bedeutung im jeweiligen Kontext übersetzt.

Der Anhang enthält auch eine Liste fast aller in diesem Buch aufgeführten Pflanzen mit ihren botanischen Namen. In Band 3 mit dem Cikitsāsthānam, dem Abschnitt über Therapeutik, gibt es im Anhang außerdem noch eine Liste vieler in der Caraka-Saṃhitā aufgeführten Arzneimittel, Präparate und diätetischen Zubereitungen, die hauptsächlich in den Therapie-Kapiteln verschiedener Krankheiten mit Zusammensetzung beschrieben werden. Sie sind geordnet nach ihrer Form – cūrṇas (Pulver), ghṛtas (arzneiliche Ghee-Präparate), tailas (arzneiliche Massageöle), ariṣṭas (vergorene Kräutergetränke), Kräuterpasten und anderes.

Die Caraka-Saṃhitā ist als ein Lehrbuch für das Āyurveda-Studium verfasst worden und zwar sowohl für angehende Ärzte als auch für diejenigen, die mit diesem Wissen nur sich und ihren Lieben dienen wollen. Der Hauptzweck des vorliegenden Buches ist, intelligenten Personen einen Eindruck von der erhabensten Wissenschaft, Āyurveda, zu vermitteln, die es den Menschen ermöglicht, durch einfache Methoden und das Befolgen einfacher Regeln ihren Gesundheitszustand zu verbessern, ihre Gesundheit wiederzuerlangen oder zu erhalten und – was das Wichtigste ist – in Gesundheit und optimalem Wohlbefinden spirituell zu wachsen und dem Ziel des Lebens ein wenig näher zu rücken. Gleichzeitig soll das Werk dem Leser einen Einblick in die vedische Kultur, die Kultur der göttlichen Weisheit, geben, von der Āyurveda nicht getrennt werden kann.

[1] Fehlerhaftes, falsches Wissen, das nicht der Wahrheit entspricht, zu verbreiten – aus welchem Grund auch immer – ist eine Manifestation der Neigung zu betrügen. Solche Art des Betrugs kann äußerst schädlich sein für die Gesundheit von Körper und Geist vieler Lebewesen und ist eines der größten Übel dieser Zeit.  ↩︎

[2] Es geht um yajñas, vedische Opferausführungen für Śrī Viṣṇu, die Wurzel und Seele des Universums.  ↩︎

[3] Kühe werden in den Veden als »Mütter aller Lebewesen« bezeichnet. Warum? – das erfahren Sie hier.  ↩︎

Sūtrasthānam

Das Fundament des Ayurveda

Sūtrasthānam wird als der glückverheißende Kopf von Agniveśas Abhandlung über Āyurveda bezeichnet. Dieser Abschnitt ist eine Zusammenfassung des gesamten Werkes und besteht im Original aus 30 Kapiteln, wobei jeweils vier Kapitel themenweise zusammengefasst sind. Das ergibt sieben catuṣkas (Vierer). Die letzten beiden Kapitel werden saṃgrahādhyāya (abschließende Kapitel) genannt. Behandelt werden Drogen, Gesundheit, Ernährung, Krankheiten und grundlegende Konzepte. Die Themen des Sūtrasthānam sind hier in acht Kapiteln zusammengefasst und werden in den folgenden sthānas weiter vertieft und in verschiedenen Zusammenhängen im Detail besprochen.

1. Āyurveda in einer Nussschale

1.1 Wie Āyurveda zu den Menschen kam

Zuerst berichtet Caraka wie Āyurveda zu den Menschen kam. Als die Menschen immer öfter von Krankheiten heimgesucht wurden, die ihre Lebensspanne verkürzten und die Frommen daran hinderten, dharma zu befolgen, tapasya zu praktizieren, die Vedas zu studieren, yajñas auszuführen, usw., versammelten sich Aṅgirā, Vasiṣṭha, Kaśyapa, Punarvasu Ātreya, Gautama, Pulastya, Agastya und viele andere maharṣis (große Weise), die immer um das Wohl aller Lebewesen bemüht sind, an einem glückverheißenden, himmlischen Platz in den Bergen des Himalaya, der von kinnaras, gandharvas und anderen Himmelsbewohnern gerne aufgesucht wird und berieten sich, wie den Menschen zu helfen sei, da sie Mitleid mit ihnen empfanden.[1]

»Dharma, artha, kāma, mokṣa (religiöse Pflichten, wirtschaftliche Entwicklung, Sinnengenuss und Befreiung) – diesen vier Prinzipien können kranke Menschen nur schwer oder überhaupt nicht folgen. Das menschliche Leben beginnt mit der Erfüllung vorgeschriebener religiöser Pflichten und endet [oder sollte enden] mit der Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod. Wenn dharma von Krankheit behindert wird, rückt mokṣa in weite Ferne.«

So dachten die großen Weisen und suchten nach einer Lösung des Problems. Da erkannten sie Indra, den König der devas (Halbgötter) und anderer Bewohner der himmlischen Planeten, der auch als Śakra und Amaraprabhu (Herr der Unsterblichen) bekannt ist, als ihren Retter. Sie entsandten Bharadvāja, um von Indra das Mittel der Beseitigung von Krankheiten zu erbitten. Und so empfing der Weise Āyurveda vom überaus mächtigen Herrscher der Himmelsbewohner. Da die ṛṣis selbstbeherrscht waren, einen scharfen Intellekt und ein exzellentes Gedächtnis besaßen, waren sie fähig, einmal Gehörtes jederzeit zu erinnern und wiederzugeben, ohne dass sie sich mit Niederschreiben aufhalten mussten.

Bharadvāja kehrte mit den erhaltenen Unterweisungen zu jenem Platz im Himalaya zurück und gab das Wissen an alle versammelten Weisen weiter. Später unterrichtete Ātreya Muni seine sechs Schüler Agniveśa, Bhelā, Jatūkarṇa, Parāśara, Hārīta und Kṣārapāṇi in Āyurveda. Agniveśa verfasste als Erster ein Kompendium, das von den Weisen mit großem Applaus gepriesen wurde.[2] Dann begann ein göttlicher Wind zu wehen und die devas ließen als Zeichen ihrer Freude Blumen vom Himmel herabregnen. So gesegnet konnte Āyurveda nun den Menschen gelehrt werden.

1.2 Fundamentale Prinzipien des Āyurveda

Nach dieser Einführung folgt nun eine Vers-für-Vers-Übersetzung der ślokas 41-67 mit Devanagari und lateinischer Transliteration der Verse. Diese ślokas sind fundamentale Leit- und Lehrsätze des Āyurveda. Sie definieren Āyurveda, āyus, sāmānya, viśeṣa, dravya, guṇa, karman, kāraṇa, dhātusāmya, hetu, doṣa, rasa, samavāya, vyādhi und puruṣa.

हिताहितं सुखं दुःखमायुस्तस्य हिताहितम् । मानं च तच्च यत्रोक्तम् आयुर्वेदं स उच्यते ॥४१॥

hitāhitaṃ sukhaṃ duḥkham-āyustasya hitāhitammānaṃ ca tacca yatroktam āyurvedaṃ sa ucyate

Āyurveda behandelt gutes und schlechtes, glückliches und unglückliches Leben, seine Förderer und Nichtförderer, sein Maß[3] und seine Natur. [1.41]

शरीरेन्द्रियसत्त्वात्मसंयोगो धारि जीवितम् । नित्यगश्चानुबन्धश्च पर्यायैरायुरुच्यते ॥४२॥

śarīrendriya-sattvātmasaṃ-yogo dhāri jīvitamnityagaś-cānubandhaś-ca paryāyair-āyur-ucyate

Āyus bedeutet die Verbindung von Körper, Sinnen, Geist und Selbst und ist bekannt unter den Synonymen dhāri (»das, was den Körper erhält«), jīvita (»was den Körper beseelt«), nityaga (»was als Substratum dient«) und anubandha (»was von einem Körper zum anderen transmigriert«).[4] [1.42]

तस्यायुषः पुण्यतमो वेदो वेदविदां मतः । वक्ष्यते यन्मनुष्याणां लोकयोरुभयोर्हितम् ॥४३॥

tasyāyuṣaḥ puṇyatamo vedo veda-vidāṃ mataḥvakṣyate yan-manuṣyāṇāṃ lokayor-ubhayor-hitam

Die Gelehrten der Vedas betrachten Āyurveda als die tugendhafteste aller Wissenschaften. Sie ist gleichermaßen nützlich für diese Existenz und für die nächste.[5] [1.43]

सर्वदा सर्वभावानां सामान्यं वृद्धिकारणम् । ह्रासहेतुर्विशेषश्च प्रवृत्तिरुभयस्य तु ॥४४॥

sarvadā sarva-bhāvānāṃ sāmānyaṃ vṛddhi kāraṇamhrāsa-hetur-viśeṣaś-ca pravṛttir-ubhayasya tu

Sāmānya (Ähnlichkeit) ist immer die Ursache von Zunahme, und viśeṣa (Unähnlichkeit) ist immer die Ursache von Abnahme. Beides wirkt durch Anwendung. [1.44]

सामान्यमेकत्वकरं विशेषस्तु पृथक्त्वकृत् । तुल्यार्थता हि सामान्यं विशेषस्तु विपर्ययः ॥४५॥

sāmānyam-ekatva-karaṃ viśeṣas tu pṛthaktvakṛttulyārthatā hi sāmānyaṃ viśeṣas tu svaparyayaḥ

Sāmānya erzeugt Einheit, während viśeṣa das Gegenteil bewirkt. Ähnlichkeit erfordert ähnlichen Zweck (oder Aktion), während Unähnlichkeit das Gegenteil erfordert.[6] [1.45]

सत्त्वमात्मा शरीरं च त्रयमेतत्त्रिदण्डवत् । लोकस्तिष्ठति संयोगात्तत्र सर्वं प्रतिष्ठितम् ॥४६॥ स पुमांश्चेतनं तच्च तच्चाधिकरणं स्मृतम् । वेदस्यास्य तदर्थं हि वेदोऽयं सम्प्रकाशितः ॥४७॥

sattvam-ātmā śarīraṃ ca trayam-etat-tridaṇḍavatlokas-tiṣṭhati saṃyogāt-tatra sarvam pratiṣṭhitamsa pumāṃś-cetanaṃ tacca taccādhikaraṇaṃ smṛtamvedasyāsya tad arthaṃ hi vedo ’yaṃ samprakāśitaḥ

Körper, Geist und Selbst sind eine Dreiheit, auf welcher das Wissen vom Leben basiert. Diese lebendige Dreiheit ist bewusstes Individuum (puruṣa), und sie ist der Ort dieses Veda. Für sie allein ist Āyurveda ans Licht gebracht worden. [1.46-47]

खादीन्यात्मा मनः कालो दिशश्च द्रव्यसंग्रहः । सेन्द्रियं चेतनं द्रव्यं निरिन्द्रियमचेतनम् ॥४८॥

khādīnyātmā manaḥ kālo diśaś ca dravyasaṃgrahaḥsendriyaṃ cetanaṃ dravyaṃ nirindriyam acetanam

Ākāśa (das Element Äther) etc., manas (Geist), ātman (Selbst), kāla (Zeit) und diśa (Raum) sind dravyas (Substanzen). Dravyas mit Sinnesorganen sind bewusst, und dravyas ohne Sinnesorgane sind unbewusst.[7] [1.48]

सार्था गुर्वादयो बुद्धिः प्रयत्नान्ताः परादयः । गुणाः प्रोक्ताः . प्रयत्नादि कर्म चेष्टितमुच्यते ॥४९॥

sārthā gurvādayo buddhiḥ prayatnāntāḥ parādayaḥguṇāḥ proktāḥ prayatnādi karma ceṣṭitam ucyate

Artha (Sinnesobjekte);[8]guruḥ usw.;[9]buddhiḥ (Intelligenz, Verstandeskraft); para usw.[10] und prayatna etc.[11] werden guṇas (Eigenschaften) genannt. (Kurative) Bemühung und andere Aktionen werden karma genannt. [1.49]

समवायोऽपृथग्भावो भूम्यादीनां गुणैर्मतः । स नित्यो यत्र हि द्रव्यं न तत्रानियतो गुणः ॥५०॥

samavāyo ’pṛthagbhāvo bhūmyādhināṃ guṇair-mataḥsa nityo yatra hi dravyaṃ na tatrāni-yato guṇaḥ

Samavāya bedeutet die inseparable Verbindung von bhūmi (pṛthivī – das Element Erde) etc. mit ihren guṇas. Diese Verbindung ist ewig, denn es gibt kein dravya ohne guṇa und kein guṇa ohne dravya. [1.50]

यत्राश्रिताः कर्मगुणाः कारणं समवायि यत् । तद्द्रव्यं समवायी तु निश्चेष्टः कारणं गुणः ॥५१॥

yatrāśritāḥ karma-guṇāḥ kāraṇaṃ samavāyi yattad dravyaṃ samavāyī tu niśceṣṭaḥ kāraṇaṃ guṇāḥ

Dravya ist das Substrat von karma und guṇa und die inhärente Ursache (ihres Effekts); Guṇa ist die dravya-inhärente Ursache ohne Aktion.[12] [1.51]

संयोगे च विभागे च कारणं द्रव्यमाश्रितम् । कर्तव्यस्य क्रिया कर्म कर्म नान्यदपेक्षते ॥५२॥

saṃyoge ca vibhāge ca kāraṇaṃ dravyamāśritamkartavyasya kriyā karma karma nānyadapekṣate

Karma ist der in dravya lokalisierte verursachende Faktor von Verbindung und Trennung. Karma ist Aktion in Bezug auf etwas, das erreicht werden soll. Karma benötigt keinen anderen Faktor. [1.52]

इत्युक्तं कारणं कार्यं धातुसाम्यमिहोच्यते । धातुसाम्यक्रिया चोक्ता तन्त्रस्यास्य प्रयोजनम् ॥५३॥

ity uktaṃ kāraṇaṃ kāryaṃ dhātusāmyam ihocyatedhātusāmya-kriyā coktā tantrasyāsya prayojanam

Soviel zur Ursache (kāraṇa).[13] Der Effekt (kārya) und das Objekt dieser Abhandlung ist der Erhalt bzw. das Erlangen von dhātusāmya.[14] [1.53]

कालबुद्धीन्द्रियार्थानां योगो मिथ्या न चाति च । द्वयाश्रयाणां व्याधीनां त्रिविधो हेतुसंग्रहः ॥५४॥

kāla-buddhīndrayārthānāṃ yogo mithyā na cāti cadvayāśrayāṇāṃ vyādhīnāṃ trividho hetu-saṃgrahaḥ

Pervertierter, negativer und exzessiver Gebrauch von kāla, buddhi und indriyārtha (Zeit, Intelligenz und Sinnesobjekte) ist die dreifache Ursache psychischer und somatischer Störungen. [1.54]

शरीरं सत्त्वसञ्ज्ञं च व्याधीनामाश्रयो मतः । तथा सुखानां, योगस्तु सुखानां कारणं समः ॥५५॥

śarīraṃ sattva-saṃjñāṃ ca vyādhīnām-āśrayo mataḥtathā sukhānāṃ yogastu sukhānāṃ kāraṇaṃ samaḥ

Körper und Geist sind beide Orte von Leid (Krankheit) und Glück (Gesundheit). Maßvoller Gebrauch ist die Ursache von Glück. [1.55]

निर्विकारः परस्त्वात्मा सत्त्वभूतगुणेन्द्रियैः । चैतन्ये कारणं नित्यो द्रष्टा पश्यति हि क्रियाः ॥५६॥

nirvikāraḥ paras-tv-ātmā sattva-bhūta-guṇendriyaiḥcaitanye kāraṇaṃ nityo draṣṭā paśyati hi kriyāḥ

Ātman (das Selbst, die individuelle spirituelle Seele) ist frei von Abnormalitäten (Krankheit). Sie ist die Ursache des Bewusstseins in der Verbindung von sattva (Geist), bhūtas (Elemente)[15] und indriyaḥ (Sinne). Ātman ist ewig und ist Seher und Beobachter aller Handlungen (die mit dem Körper ausgeführt werden oder im Geist ablaufen). [1.56]

वायुः पित्तं कफश्चोक्तः शारीरो दोषसंग्रहः । मानसः पुनरुद्दिष्टो रजश्च तम एव च ॥५७॥

vāyuḥ pittaṃ kaphaś coktaḥ śārīro doṣa-saṃgrahaḥmānasaḥ punar udiṣṭo rajas ca tama eva ca

Vāyu, pitta und kapha sind körperliche doṣas,[16] und rajas und tamas sind mentale doṣas.[17] [1.57]

प्रशाम्यत्यौषधैः पूर्वो दैवयुक्तिव्यपाश्रयैः । मानसो ज्ञानविज्ञानधैर्यस्मृतिसमाधिभिः ॥५८॥

praśāmyaty-auṣadhaiḥ pūrvo daiva-yukti-vyapāśrayaiḥmānaso jñāna-vijñāna-dhairya-smṛti-samādhibhiḥ

Störung von vāyu, pitta und kapha wird durch Maßnahmen rationaler und göttlicher Natur überwunden;[18]rajas und tamas werden durch spirituelles Wissen und Verwirklichung (jñāna-vijñāna), Stetigkeit, Erinnerung und Meditation (samādhi) überwunden.[19] [1.58]

रूक्षः शीतो लघुः सूक्ष्मश्चलोऽथ विशदः खरः । विपरीतगुणैर्द्रव्यैर्मारुतः सम्प्रशाम्यति ॥५९॥ सस्नेहमुष्णं तीक्ष्णं च द्रवमम्लं सरं कटु । विपरीतगुणैः पित्तं द्रव्यैराशु प्रशाम्यति ॥६०॥ गुरुशीतमृदुस्निग्धमधुरस्थिरपिच्छिलाः । श्लेष्मणः प्रशमं यान्ति विपरीतगुणैर्गुणाः ॥६१॥

rūkṣaḥ śīto laghuḥ sūkṣmaścalo’tha viśadaḥ kharaḥviparīta-guṇair-dravyair-mārutaḥ saṃpraśāmyatisa sneham uṣṇaṃ tīkṣṇaṃ ca dravam amlaṃ saraṃ kaṭuviparīta-guṇaiḥ pittaṃ dravyairāśu praśāmyatiguruḥ śīta mṛdu snigdha madhura sthira picchilāḥśleṣmaṇaḥ praśamaṃ yānti viparīta-guṇair-guṇāḥ

Vāyu (mārutaḥ) ist trocken, kalt, leicht, fein, mobil, nicht-schleimig und rau. Pitta ist leicht ölig, heiß, scharf, flüssig, sauer, mobil. Die Eigenschaften von kapha sind schwer, kalt, weich, ölig/glatt, süß, träge/fest, schleimig. Vāyu, pitta und kapha werden besänftigt durch Drogen mit Eigenschaften, die vāyu, pitta bzw. kapha konträr sind. [1.59-61]

विपरीतगुणैर्देशमात्राकालोपपादितैः । भेषजैर्विनिवर्तन्ते विकाराः साध्यसम्मताः ॥६२॥ साधनं न त्वसाध्यानां व्याधीनामुपदिश्यते ।

viparīta-guṇair deśam ātrā kālopapāditaiḥbheṣajair vinivartante vikārāḥ sādhyasaṃ matāḥ sādhanaṃ na tvasādhyānāṃ vyādhīnām upadiśyate

Heilbare Krankheiten werden beseitigt durch Drogen, die gegensätzliche Eigenschaften besitzen unter Berücksichtigung von Zeit, Ort und Dosis. Die Behandlung unheilbarer Krankheiten wird nicht empfohlen. [1.62]

भूयश्चातो यथाद्रव्यं गुणकर्माणि वक्ष्यते ॥६३॥

bhūyaś cāto yathā dravyaṁ guṇa karmāṇi vakṣyate

Nun sollen Eigenschaften und Aktionen (guṇa und karman) von Drogen (dravya) im Detail beschrieben werden. [1.63]

रसनार्थो रसस्तस्य द्रव्यमापः क्षितिस्तथा । निर्वृत्तौ च विशेषे च प्रत्ययाः खादयस्त्रयः ॥६४॥

rasanārtho rasastasya dravyam āpaḥ kṣitis tathānirvṛttau ca viśeṣe ca pratyayāḥ khādayastrayaḥ

Rasa (Geschmack) ist das Objekt von rasanā (Geschmackssinn).[20]Ap (Wasser) und pṛthivī (Erde) bilden das Substrat für die Manifestation von rasa. Die anderen drei bhūtas (vāyu, tejas und ākāśa) sind verursachende Faktoren für Manifestation und Differenzierung von rasa. [1.64]

स्वादुरम्लोऽथ लवणः कटुकस्तिक्त एव च । कषायश्चेति षट्कोऽयं रसानां संग्रहः स्मृतः ॥६५॥

svādur amlo’tha lavaṇaḥ kaṭukas tikta eva cakaṣāyaśceti ṣaṭko’thaṃ rasānāṃ saṃgrahaḥ

Es gibt sechs rasas – süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb (madhura, amla, lavaṇa, kaṭu, tikta, kaṣāya). [1.65]

स्वाद्वम्ललवणा वायुं, कषायस्वादुतिक्तकाः । जयन्ति पित्तं, श्लेष्माणं कषायकटुतिक्तकाः ॥६६॥

svādvamla lavaṇā vāyuṃ kaṣāya svādu tiktakāḥjayanti pittaṃ śleṣmāṇaṃ kaṣāya kaṭu tiktakāḥ

Süß, sauer und salzig überwinden vāyu; herb, süß und bitter überwinden pitta; und bitter, herb und scharf überwinden kapha. [1.66]

किञ्चिद्दोषप्रशमनं किञ्चिद्धातुप्रदूषणम् । स्वस्थवृत्तौ मतं किञ्चित्त्रिविधं द्रव्यमुच्यते ॥६७॥

kiṃcid doṣa-praśamanaṃ kiṃcid dhātu-pradūṣaṇamsvastha vṛttau mataṃ kiṃcit trivighaṃ dravyam ucyate

Dravyas lassen sich entsprechend ihrer Wirkung in drei Gruppen unterteilen:

(1)

dravyas

, die

doṣas

beruhigen, besänftigen (

doṣapraśamanaṁ

);

(2)

dravyas

, die

dhātus

schädigen, morbid beeinträchtigen (

dhātupradūṣaṇam

) und

(3)

dravyas

, die die Gesundheit erhalten. [1.67]

1.3 Klassifizierung von Drogen

Klassifizierung von Drogen nach ihrer Herkunft

Eine andere Dreiteilung richtet sich nach der Herkunft der Drogen: Drogen können (1) aus dem Tierreich, (2) aus dem Pflanzenreich und (3) aus dem Mineralreich stammen.

TierreichMilch, Honig, Milchprodukte, Fett, Knochen, Gelatine, Haut, Urin, Haare, Sehnen, Nägel, Fleisch, Blut, Fäkalien etc. von TierenPflanzenreichWurzel, Rinde, Holz, Harz, Früchte, Samen, Stengel, Saft, Blüten, Blätter, Sprossen, Öl, Knollen, Dornen und Asche von Pflanzen.MineralreichGold, die fünf lohas (Silber, Blei, Zinn, Kupfer, Eisen), Edelsteine, Silikate, Kalzite, Ocker, Galenit, Realgar, Salz etc.
Drogen für pañcakarma

Agniveśa gibt nun eine Aufzählung wichtiger Pflanzen, die für pañcakarma gebraucht werden.[21] Er nennt 16 Pflanzen, deren Wurzeln und 19 Pflanzen deren Früchte verwendet werden.

Die 16 Pflanzen, deren Wurzeln verwendet werden, sind: Hastidanti, Haimavatī, Śyāmā, Trivṛt, Adhoguḍā, Saptala, Śvetā, Dantī, Indravaruni, Jyotiṣmatī, Bimbi, Śaṇapuṣpī, Viśanika, Ajagandhā, Dravantī und Kṣīriṇī.

Die 19 Pflanzen, deren Früchte verwendet werden, sind: Śaṅkhini, Viḍaṅga, Trapuṣa, Madana, Dhāmārgava, Ikṣvāku, Jīmūta, Kṛtavedhana, Klītaka, Prakīryā, Udakīryā, Pratyakpuṣpā, Abhayā, Antaḥkoṭarapuṣpī, Hastīparnī, Śārada, Kampillaka, Āragvadha und Kuṭaja.

Pañcakarma-TherapieWurzeln vonvamana (Emesis)Śaṇapuṣpī, Bimbī und Haimavatīśirovirecana (Kopfreinigung)Śvetā und Jyotiṣmatīvirecana (Purgation)Hastidanti, Śyāmā, Trivṛt, Dantī, Vṛddhadāru, Saptala, Indravaruni, Viśanika, Ajagandhā, Dravantī und KṣīriṇīPancakarma-TherapieFrüchte vonvirecana (Purgation)Śaṅkhini, Viḍaṅga, Klītaka, Prakīryā, Udakīryā, Abhayā, Antaḥkoṭarapuṣpī, Śārada, Kampillaka, Āragvadhavamana (Emesis) und āsthāpana (nicht-öliges Enema)Trapuṣa, Madana, Dhāmārgava, Ikṣvāku, Jīmūta, Kṛtavedhana, Kuṭaja und Hastiparnīśirovirecana (Kopfreinigung)Pratyakpuṣpā

Es gibt weitaus mehr Pflanzen, die in den Reinigungstherapien Verwendung finden, aber die 35 erwähnten gehören zu den wichtigsten.

Außer diesen Pflanzen werden noch 3 Arten Bäume, deren Rinde und 3 Arten Bäume, deren Latex (Milchsaft) für pañcakarma benutzt werden, beschrieben.

Rinde vonAnwendung / nützlich beiPūtīka und Tilvakatherapeutische PurgationKṛṣṇagandhāhartnäckige Hautkrankheiten, Ödeme, Hämorrhoiden, Abszess, Erysipel, Ringelflechte und GangränMilchsaft vonAnwendungSnuhītherapeutische PurgationAśmantakatherapeutische EmesisArkatherapeutische Emesis und Purgation
Vier fettige, ölige Substanzen

Ghṛta (Ghee, Butterfett),

Pflanzenöl,

Fett von Tieren (

vasā

) und

Knochenmark von Tieren (

majjā

).

Sie werden eingenommen, einmassiert und (durch die Nase) eingezogen und sind Bestandteil von öligen Einläufen (anuvāsana). Sie fördern Weichheit, Vitalität, gesunde Hautfarbe, Stärke und Entwicklung und besänftigen vāta, pitta und kapha.

Fünf Salze (pañca lavaṇa)

Die 5 Salze sind:

sauvarcalā

(gewonnen aus Pflanzen wie Suvarcalā etc.),

saindhava

(Steinsalz),

biḍa

(gewonnen aus Exkreten),

audbhida

(aus Erde gewonnen) und

sāmudra

(aus Meerwasser gewonnen).

Sie sind heiß, scharf, befeuchtend, appetitanregend, verdauungsfördernd und werden in Pasten, Salben, Massageölen, Medikamenten, Speisen, svedana (Dampfbäder), Emetika, Enemata, Purgativa, Kopfreinigung und chirurgischen Maßnahmen zur Heilung von Indigestion, ānāha, vāta, gulma, śūla und udara (verschiedene Krankheiten) verwendet.

Acht Arten Urin

Die 8 Arten Urin kommen von Schaf, Kuh, Ziege, Büffel, Pferd, Esel, Elefant und Kamel. Im Allgemeinen ist Urin scharf oder scharf-salzig, leicht rau und in Pasten, Salben, āsthāpana-Enema, Purgativa und Fomentation nützlich bei Bauchkrankheiten, Hämorrhoiden, Anämie, Hautkrankheiten, gulma (Phantomtumor), Bauchschmerzen und Bauchaufblähung. Er fördert auch Appetit und Verdauung und hat außerdem anthelmintische und entgiftende Eigenschaften. Er reduziert kapha, reguliert die Bewegung vātas und eliminiert krankhaftes pitta durch Purgation.

8 Arten UrinMedizinischer NutzenKuhurinKuhurin ist leicht süß und beseitigt alle angeregten doṣas, Parasiten, Lepra und andere hartnäckige Hautkrankheiten.KamelurinKamelurin ist leicht bitter und beseitigt Bronchitis, Dyspnoe und Hämorrhoiden.PferdeurinPferdeurin ist bitter-scharf und beseitigt Lepra, Wunden und Gifte.EselurinEselurin beseitigt Epilepsie, Geistesgestörtheit und Besessenheit.ElefantenurinUrin von Elefanten ist salzig und beseitigt Parasiten, kuṣṭha (Lepra u.a. hartnäckige Hautkrankheiten), Gifte, Harnretention, Hämorrhoiden und kapha-Störungen.BüffelurinBüffelurin ist leicht alkalisch, zusammenziehend und beseitigt Hämorrhoiden und Darmerkrankungen.ZiegenurinZiegenurin ist zusammenziehend-süß, beseitigt alle angeregten doṣas und reinigt die srotas (Körperkanäle).SchafsurinUrin von Schafen ist leicht bitter und ölig und nicht pitta-antagonistisch.
Acht Arten Milch

Milch wird von denselben Tieren genommen, außer vom Esel. Dazu kommt noch die Milch von Frauen.

Eigenschaften: Im Allgemeinen ist Milch süß, fettig, kalt, erfrischend, spermatogen, galactogen, wachstumsfördernd, Intellekt fördernd, vitalisierend, wundheilungsfördernd, gesund für alle Lebewesen.

Wirkung: Sie beseitigt innere Blutungen, Müdigkeit, Durst, Dyspnoe, Husten und malas (Unreinheiten; Abfallprodukte), besänftigt doṣas und gibt Kraft. Sie ist sehr nützlich bei Schwäche, Wunden, Anämie, Gastritis, Abmagerung, Diarrhoe, Fieber, Ödemen, Verstopfung, Brennen, Störungen des weiblichen Genitaltrakts und des Samens, Urindefizienz und vāta-pitta.

Anwendungsformen: Sie wird verwendet in Pasten, Bädern, Enemata, Purgativa, Emetika und für snehana (Ölung).

Die Eigenschaften der verschiedenen Milcharten werden im Kapitel über Diätetik unter »Eigenschaften einiger Nahrungsmittel und Getränke« im Einzelnen beschrieben.

1.5 Der beste Arzt

Das 1. Kapitel des Sūtrasthānam endet mit einigen wichtigen Unterweisungen bezüglich Arzt und Droge. Es heißt dort, dass derjenige als der beste Arzt gilt, der alle genannten Drogen kennt und sie entsprechend Ort, Zeit und Körperkonstitution etc. anwenden kann.

Eine Droge, die man nicht kennt, kann fatal sein wie Gift, Waffen, Feuer oder Blitz, während eine Droge, die man kennt, segensreich und belebend wie Nektar sein kann. Drogen, deren Eigenschaften unbekannt sind und die außerdem noch falsch angewendet werden, führen zu Komplikationen.

Ein starkes Gift wird zur besten Droge, wenn es richtig angewendet wird, während selbst die beste Droge, falsch angewendet, starkes Gift werden kann. Deshalb sollte ein weiser Mensch, der nach langem Leben und Gesundheit trachtet, keine Medizin von einem verantwortungslosen Arzt oder Quacksalber annehmen. Man mag sich vielleicht eher vom Donnerkeil Indras (Blitz) erholen, wenn man von ihm getroffen worden ist, als von der Medizin, die von einem unwissenden Arzt verordnet wurde.

Ein Arzt, der sündhaft handelt, keine Tugend und kein Wissen besitzt und dennoch kranken Personen, die ihm vertrauen, Medizin verordnet, sollte als der personifizierte Tod angesehen werden, und es ist eine Sünde, mit einer solchen Person auch nur zu reden.

Deshalb sollte derjenige, der danach trachtet ein Arzt zu werden, sich bemühen, gute Eigenschaften zu entwickeln und sich Wissen aneignen und so ein Wohltäter und Lebenspender der Menschen werden.

Die Medizin ist als richtig angewandt zu betrachten, welche einen störungsfreien Zustand bewirkt, und der Arzt ist der beste, der den Patienten von Störungen befreit. Erfolg zeigt die richtige Anwendung aller Maßnahmen und dass der Arzt mit guten Eigenschaften ausgestattet ist.

[1] Es gibt »himmlische« Orte auf der Erde, die gewöhnlichen Menschen verborgen und unerreichbar sind. Aṅgirā, Vasiṣṭha, Gautama und Pulastya sind direkte Söhne Brahmās. Rṣis sind immer um das Wohl aller Lebewesen bemüht. In diesem Kontext sollte man noch verstehen, dass man diese ṛṣis nicht mit unseren modernen menschlichen Maßstäben messen kann. Ihre Lebensspanne ist unvorstellbar lang und sie sind in ihrem Dasein nicht wie wir Menschen auf einen Planeten begrenzt.  ↩︎

[2] Dieses Kompendium wurde später als Agniveśa-tantra bekannt.  ↩︎

[3] die Lebensdauer  ↩︎

[4] Diese vier Begriffe – dhāri etc. – beziehen sich auf puruṣa, das Selbst. Es gibt keinen lebenden Körper ohne die Anwesenheit des Selbst im Körper. Die Verbindung von puruṣa und Körper wird in Śārīrasthāna, Kap. 38 ausführlich behandelt.  ↩︎

[5] Āyurveda ist das Wissen vom Leben, von der Natur des Menschen, von den Dingen, die ein gesundes, glückliches Leben fördern und den Dingen, die Krankheit verursachen. Was nützen alle Arten von Vedas (Wissenschaften) – sei es der Veda der Architektur, der Musik, der Astrologie, der Mathematik oder was auch immer – wenn der Mensch nicht glücklich und gesund ist? Deshalb betrachten die Gelehrten der Vedas Āyurveda als die beste Wissenschaft, sowohl für dieses Leben als auch das nächste, das ein höheres ist, wenn der Mensch in diesem Leben seine vorgeschriebenen Pflichten (dharma) erfüllt und sündhafte Handlungen vermieden hat.  ↩︎

[6] Wie und wo das sāmānya-viśeṣa-Prinzip zur Anwendung kommt, wird im Verlauf der Abhandlung noch klar werden.  ↩︎

[7] Dies ist der Unterschied zwischen den dravyas der Materie und den Lebewesen einschließlich Pflanzen. Bewusstsein ist eine Eigenschaft der spirituellen Seelen und die materiellen Körper der Lebewesen sind verschiedene Arten der Bedeckung der Seelen und ihres Bewusstseins. Bei Pflanzen ist das Bewusstsein sehr bedeckt (sie sind im Vergleich zu Menschen fast unbewusst), Tiere besitzen entwickelteres Bewusstsein und bei Menschen unterscheidet man drei Stadien des Bewusstseins (Wachsein, Träumen, Tiefschlaf).  ↩︎

[8] Gandha, rasa, rūpa, sparśa und śabda — Geruch, Geschmack, Form, Berührung und Klang  ↩︎

[9] Guruḥ-laghu (schwer-leicht), śīta-uṣṇa (kalt-heiß) etc. (Siehe Śārīrasthānam 6.2)   ↩︎

[10] Parādi-guṇas – paratva (Exzellenz), aparatva (Nichtexzellenz) etc. Siehe Sūtrasthānam 7.7.13  ↩︎

[11] Icchā (Verlangen), dveṣa (Abneigung), sukha (Glück), duḥkha (Leid) und prayatna (Bemühung)  ↩︎

[12] Das Verständnis von dravya-guṇa-karma ist für die Verordnung und Anwendung von Drogen und diätetischen Zubereitungen von Bedeutung.  ↩︎

[13] Dravya, guṇa, karma, sāmānya, viśeṣa und samavāya bilden die Ursache (für das Erlangen oder den Erhalt von Gesundheit).  ↩︎

[14] Dhātusāmya bedeutet Ausgeglichenheit, normaler, gesunder Zustand der dhātus (Körpergewebearten; nährende und erhaltende Faktoren wie Lymphe, Blut, etc.).  ↩︎

[15] Es gibt fünf bhūtas oder mahābhūtas (große Elemente) – pṛthivī, ap, tejas, vāyu und ākāśa (Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther).  ↩︎

[16] Vāyu (vāta), pitta und kapha sind Faktoren, die verantwortlich sind für physiologische Funktionen und die auch pathogene Faktoren sind. Doṣa bedeutet wörtl. »Fehler, Störung, Defekt«. Vāta, pitta und kapha werden doṣas genannt, wenn sie gestört sind oder da sie leicht gestört werden können.  ↩︎

[17] Rajas oder rajo-guṇa bedeutet Leidenschaft und tamas oder tamo-guṇa bedeutet Dumpfheit, Dunkelheit, Unwissenheit.  ↩︎

[18] Therapien basierend auf pflanzlichen und anderen Heilmitteln und Bußen, Entsagung, religiöse Riten, Pilgerreisen und dergleichen. Göttliche Therapie ist hauptsächlich dann wichtig, wenn eine Krankheit karmischer Natur ist, d. h. sich als Reaktion bestimmter sündhafter Handlungen (Handlungen wider die göttliche Ordnung) des Kranken manifestiert hat und die Krankheit nicht durch rationale Therapie überwunden werden kann.  ↩︎

[19] Über die Überwindung von rajas und tamas wird im Laufe der Abhandlung noch viel zu hören sein, besonders in Śārīrasthānam, Kap. 2 und 3   ↩︎

[20] Unter den Sinnesobjekten (rasa, gandha etc.) ist rasa für das Verständnis von Drogen und ihre Anwendung besonders wichtig.  ↩︎

[21] Pañcakarma bedeutet die fünf therapeutischen Maßnahmen zur Ausleitung von verdorbenen doṣas, āma und malas durch (1) śirovirecana (Kopfreinigung), (2) vamana (Emesis), (3) virecana (Purgation), (4) āsthāpana (nicht-öliges Enema) und (5) anuvāsana (öliges Enema). Diese Anwendungen sind von großer Bedeutung bei der Behandlung verschiedenster Störungen.  ↩︎

2. Pulver, Pasten und Extrakte

In diesem Kapitel sind die Kapitel 2–4 der Sūtra-Sektion zusammengefasst. Im zweiten Kapitel nennt der Autor diätetische Zubereitungen und weitere Drogen für pañcakarma einschließlich der Störungen, die sie beseitigen sollen. Dass schon gleich zu Anfang auf pañcakarma Bezug genommen wird, zeigt, welch große Bedeutung Āyurveda den fünf Reinigungstherapien beimisst.

2.1 Weitere Drogen für pañcakarma

Kopfreinigung: Samen von apāmārga, pippalī, marica, elā, haridrā, śuṇṭhī, vidaṅga, śigru, sarśapa, tumburu, ajājī, ela, harenu, surasā, laśuna, haridrā, dāruharidrā, zwei Salze (saindhava, sauvarcala) und jyotiṣmatī gehören zu den Drogen, die den Kopf von angesammelten doṣas bei Kopfschmerzen, Anosmie, chronischer Rhinitis, Helminthiasis, Epilepsie etc. reinigen.

Emesis: Pippalī, elā, nimba, madana, ikṣvāku u.a. werden für Emesis bei verschiedenen Störungen des āmāśaya (Magen) aufgrund von kapha- und pitta-Ansammlungen als milde Drogen verwendet.

Emesis und Purgation: Im Kapitel 4 werden zwölf Gruppen von Rezepten mit insgesamt 600 Drogen für Emesis und Purgation genannt. Davon basieren 133 Rezepte auf madanaphala, 39 auf devadālī, 45 auf kaṭutumbī, 60 auf dhāmārgava, 18 auf kuṭaja, 60 auf kośātakī, 110 auf śyāmā und trivṛt, 12 auf āragvadha, 16 auf lodhra, 20 auf snuhī, 39 auf kośātakī und śaṇkhinī und 48 auf dantī und dravantī. Die Rezepte werden in der Sektion Kalpasthānam im Einzelnen beschrieben. Die Hauptbestandteile für diese Medikamente werden aus Wurzel, Harz, Rinde, Blatt, Blüte oder Frucht obiger 14 Pflanzenarten gewonnen und mit vielen anderen Drogen verarbeitet.

Purgation: Triphalā, vacā, drākṣā, pīlu, dantī, trivrit, aragvadha, dravanti und andere Drogen sind nützlich für die Beseitigung von doṣas aus dem pakvāśaya (Kolon).

Enema: Bilva, yava, balā, gokṣura, guḍūcī, eraṇḍa, Fette, Salze und viele andere Drogen können für āsthāpana (nicht-öliges Enema) bei udavarta und Verstopfung und für anuvāsana (öliges Enema) zur Besänftigung von erregtem vāta verwendet werden.

Diese fünf therapeutischen Maßnahmen werden angewendet, nachdem sich der Patient snehana und svedana (Ölung und Schwitzkur) unterzogen hat.

Die richtige Anwendung von Drogen hängt von Dosis und Zeit ab, und der Erfolg basiert auf der richtigen Anwendung. Deshalb gilt derjenige, der Drogen richtig anzuwenden weiß, als der Beste unter den Kennern von Drogen.

2.2 Diätetische Zubereitungen

Diätetische Zubereitungen können bei der Behandlung verschiedener Krankheiten nützlich oder angebracht sein. Caraka nennt 28 peyās[22], zubereitet mit verschiedenen Drogen, für verschiedene Störungen. Ein paar Beispiele seien hier angeführt:

Peyā (yavāgū) zubereitet mitEffekt, NutzenPippalī, cavya, citraka und śuṇṭhīstimuliert den Appetit und befreit von KolikViḍaṅga, pippalīmūla, śigru, marica und Buttermilchbeseitigt ParasitenHarītakī, pippalīmūla und śuṇṭhīist hilfreich für die Beseitigung von BlähungenGerste, Ghṛta, Öl, pippalī und āmalakīist nützlich für den HalsUrdbohnen, Ghṛta und Milchist aphrodisischSesamsaat und Ghṛtafördert ÖligkeitŚyāmāka, kuśa und āmalakīfördert Rauheit, Trockenheit (Trocknung)Śālaparnī, balā, bilva, pṛśniparṇī und dāḍima (Granatapfel)ist nützlich bei paittika- und ślaiṣmika-Diarrhoe[23]Hrībera, utpala, musta, pṛśniparni, Ziegenmilch und Wasserbeseitigt blutige Diarrhoe

2.3 Pulver und Pasten

Im dritten Kapitel des Sūtrasthānam werden im Original 32 Pulver und Pasten (pradeha) beschrieben, die bei Hautkrankheiten, Leukoderma, Hämorrhoiden, Alopezie und anderen Erkrankungen angewendet werden können. Wir beschränken uns hier auf ein paar Beispiele.

Vacā, hareṇu, trivṛtā, dantī, bhallātaka, gairika (roter Ocker) pulverisiert und anschließend mit Ochsengalle imprägniert und mit Senföl vermischt ergibt eine Paste, die sehr effektiv ist bei kuṣṭha (Lepra-Arten), Leukoderma, Alopezie, Hämorrhoiden, Haut-Parasiten, Analfisteln und anderen Hautkrankheiten.

In Buttermilch zerstoßene Blätter von Āragvadha, Kākamācī und Karavīra werden auf Körperstellen, die von Hautkrankheiten befallen sind, aufgetragen. Die betroffenen Stellen sollten zuvor mit Öl bestrichen worden sein.

Śatapuṣpā, madhuyaṣṭi, balā, priyāla, kaśeruka, vidārī vermischt mit Ghṛta und pulverisiertem Kandiszucker ergibt eine Paste, die bei Gicht nützlich ist.

Eine einfache Paste für Gicht besteht aus Ziegenmilch, Ghṛta und Weizenmehl.

Śaileya, elā, aguru, kuṣṭha, caṇḍā, tagara, tvak, devadāru, rāsnā – eine Paste aus diesen Drogen beseitigt Kälte im Körper.

Die Paste aus śaivāla, kamala, utpala, vetra, punnāga, prapauṇḍarīka, uśīra, lodhra, priyaṅgu, kāleyaka, candana und Ghṛta beseitigt Hitze.

Kuṣṭha, śatapuṣpā, vacā und Gerstemehl vermischt mit Öl und Essig wird bei vātika-Krankheiten[24] empfohlen.

Pradeha zubereitet mit śirīṣa und sindhuvāra neutralisiert rasch Gifte.

2.4 Fünfzig »große« Kräuterextrakte

Die fünf Quellen von Kräuterextrakten in diesem Kompendium sind Pflanzen mit madhura-, kaṭu-, tikta-, amla- und kaṣāya-rasa.

Es gibt fünf Arten der Extraktion von Heilkräutern: svarasa (Saft), kalka (Paste), kvātha (Abkochung), śīta und phāṇṭa.[25] Die Kraft der Zubereitungen vermindert sich in der angegebenen Reihenfolge. Ihre Anwendung hängt vom Schweregrad der Krankheit und von der Stärke des Patienten ab. Sie sind nicht überall gleich-nützlich.

Agniveśa nennt nun genau 500 Heilpflanzen, die in 10 Gruppen mit insgesamt 50 »großen Extrakten« (pañcaśan mahākaśāyā) nach ihrem Effekt zusammengefasst sind. Jede der 50 mahākaśāyā-Gruppen enthält 10 Drogen als Beispiele.

Die großen Extrakte der Gruppe I enthalten Drogen, die (1) den Gewebeaufbau fördern (bṛṃhanīya), (2) den Gewebeabbau fördern (lekhanīya), (3) vitalisieren (jīvanīya), (4) Verstopfung beseitigen (bhedanīya), (5) Wunden heilen (sandhānīya) und (6) den Appetit anregen (dīpanīya).

Gruppe II enthält Drogen, die (1) tonisieren (balya), (2) Ausstrahlung und Hautfarbe verbessern (varṇya), (3) wohltuend sind für das Herz (hṛdya) und (4) wohltuend sind für den Hals (kaṇṭhya).

Gruppe III enthält (1) Übersättigung beseitigende (tṛptighna), (2) antihämorrhoidale (arśoghna), (3) antidermatosische (kuṣṭhaghna), (4) anthelmintische (kṛmighna), (5) antiprurigische (kaṇḍūghna) und (6) antitoxische (viṣaghna) Drogen.

Gruppe IV enthält (1) die Milchbildung fördernde (stanyajanana), (2) Brustmilch reinigende (stanyaśodhana), (3) die Samenproduktion fördernde (śukrajanana) und (4) Samen reinigende (śukraśodhana) Drogen.

Die Untergruppen der Gruppe V enthalten unterstützende Drogen für (1) Ölung (snehopaga), (2) Diaphoresis (svedopaga), (3) Emesis (vamanopaga), (4) Purgation (virecanopaga), (5) Kopfreinigung (śirovirecanopaga), (6) nicht-öliges Enema (āsthāpanopaga) und (7) öliges Enema (anuvāsanopaga).

Gruppe VI besteht aus drei großen Extrakten, welche (1) Schluckauf beseitigende (hikkānigrahaṇa), (2) Durst stillende (tṛṣṇānigrahaṇa) und (3) anti-emetische (chardinigrahaṇa) Drogen enthalten.

Die großen Extrakte der Gruppe VII enthalten Drogen, die (1) den Kot festigen (purīṣasaṃgraṇīya), (2) Kot verfärben (purīṣavirajanīya), (3) Urin verfärben (mūtravirajanīya), (4) antidiuretische (mūtrasaṃgrahaṇīya) und (5) diuretische Wirkung (mūtravirecanīya) haben.

Gruppe VIII enthält (1) Dyspnoe beseitigende (śvasahara), (2) hustenstillende (kāsahara), (3) entzündungshemmende (śothahara), (4) fiebersenkende (jvarahara) und (5) Müdigkeit beseitigende (śramahara) Drogen.

Gruppe IX besteht aus fünf großen Extrakten mit (1) Brennen beseitigenden (dāhapraśamana), (2) Kältegefühl beseitigenden (śītapraśamana), (3) Urtikaria beseitigenden, anti-allergischen (udardapraśamana), (4) Kolik beseitigenden (śūlapraśamana) und (5) Gliederschmerzen beseitigenden (aṅgamardapraśamana) Drogen.

Die Untergruppen der Gruppe X enthalten (1) die Entwicklung des Fötus fördernde (prajāsthāpana), (2) blutstillende (śoṇitasthāpana), (3) schmerzlindernde (vedanāsthāpana), (4) wiederbelebende (saṃjñāsthāpana) und (5) verjüngende (Jugendlichkeit erhaltende) (vayaḥsthāpana) Drogen.

Einige Drogen besitzen aufgrund ihrer Eigenschaften ein breites Effektspektrum und können deshalb vielfältig angewendet werden. Sie sind in mehreren Gruppen zugleich aufgeführt, z.B. pippalī, āmalakī, aśvagandhā, śuṇṭhī.

KlasseBeispiele von Drogenbṛṃhanīya (Gewebe aufbauend)Kṣīriṇī, Rājakṣavaka, Aśvagandha, Kākolī, Vātyāyanī, Bhadraudanī, Bhāradvājī, Payasyā, Ṛṣyagandhālekhanīya (Gewebe reduzierend)Mustā, Kuṣṭha, Haridrā, Dāruharidrā, Vacā, Ativiṣā, Kaṭurohiṇī, Citraka, Cirabilva, Haimavatījīvanīya (vitalisierend)Jīvaka, Ṛṣabhaka, Medā, Mahāmedā, Kākolī, Kṣīrakākolī, Mudgaparṇī, Māṣaparṇī, Jīvantī, Madhukabhedanīya (Verstopfung beseitigend)Suvahā, Arka, Urubuka, Agnimukhī, Citrā, Citraka, Cirabilva, Śaṅkinī, Śakulādanī, Svarṇakṣīriṇīsandhānīya (Wunden heilend)Madhuka, Madhuparṇī, Pṛṣṇiparṇī, Ambaṣṭhakī, Samaṅgā, Mocarasa, Dhātakī, Lodhra, Priyaṅgu, Kaṭphaladīpanīya (Appetit stimulierend)Pippalī, Pippalīmūla, Cavya, Citraka, Śṛṅgavera, Amlavetasa, schwarzer Pfeffer, Ajamodā, Bhallātaka, Hiṅguniryāsabalya (stärkend)Aindrī, Ṛṣabhī, Atirasā, Ṛṣyaproktā, Payasyā, Aśvagandhā, Sthirā, Rohiṇī, Balā, Atibalāvarṇya (gesunden Teint fördernd)Candana, Tuṅga, Padmaka, Uśīra, Madhuka, Mañjiṣṭhā, Sārivā, Payasyā, Sitā, Latākaṇṭhya (wohltuend für den Hals)Sārivā, Ikṣumūla, Madhuka, Pippalī, Drākṣā, Kaiṭarya, Haṃsapādī, Bṛhatī, Kaṇṭakārikāhṛdya (wohltuend fürs Herz)Āmra, Āmrātaka, Likuca, Karamarda, Vṛkṣāmla, Amlavetasa, Kuvala, Badara, Dādima, Mātuluṅgatṛptighna (Übersättigung beseitigend)Nāgara, Cavya, Citraka, Viḍaṅga, Mūrvā, Guḍūcī, Vacā, Mustā, Pippalī, Paṭolaarśoghna (anti-hämorrhoidal)Kuṭaja, Bilva, Citraka, Nāgara, Ativiṣā, Abhāya, Dhanvayāsaka, Dāruharidrā, Vacā, Cavyakuṣṭhaghna (anti-dermatosisch)Khadira, Abhāya, Āmalaka, Haridrā, Aruṣkara, Saptaparṇa, Āragvadha, Karavīra, Viḍaṅga, Jātīpravālakaṇḍūghna (Juckreiz beseitigend)Candana, Nalada, Kṛtamāla, Naktamāla, Nimba, Kutaja, Sarṣapa, Madhuka, Dāruharidrā, Mustākṛmighna (anthelmintisch)Akṣīva, schwarzer Pfeffer, Gaṇḍīra, Kebuka, Viḍaṅga, Nirguṇḍī, Kiṇihī, Śvadaṃṣṭrā, Vṛṣaparṇikā, Ākhuparṇikāviṣaghna (antitoxisch)Haridrā, Mañjiṣṭhā, Suvahā, Sūkṣamailā, Pālindī, Candana, Kataka, Śirīṣa, Sindhuvāra, Śleṣmātakastanyajanana (Milchbildung fördernd)Vīraṇa, Śāli, Ṣaṣṭika, Ikṣuvālikā, Darbha, Kuśa, Kāśa, Gundrā, Itkaṭa, Kattṛṇastanyaśodhana (Brustmilch reinigend)Pāṭhā, Mahauṣadha, Suradāru, Mustā, Mūrvā, Guḍūcī, Vatsaka, Kirātatikta, Kaṭurohiṇī, Sārivāśukrajanana (Samenbildung fördernd)Jīvaka, Ṛṣabhaka, Kākolī, Kṣīrakākolī, Mudgaparṇī, Māṣaparṇī, Vṛddhadāru, Jaṭīlā, Kuliṅgāśukraśodhana (śukra reinigend)Kuṣṭha, Elavāluka, Kaṭphala, Samudraphena, Kadamba, Ikṣu, Kaṇḍekṣu, Ikṣuraka, Vasuka, Uśīrasnehopaga (ölend/befeuchtend)Mṛdvīkā, Madhuka, Madhuparṇī, Medā, Vidārī, Kṣirakākolī, Jīvaka, Jīvantī, Śālaparṇīsvedopaga (diaphoretisch)Śobhāñjanaka, Eraṇḍaka, Arka, Vṛścīra, Punarnavā, Yava, Tila, Kulattha, Māṣa, Badaravamanopaga (emetisch)Madhu, Madhuka, Kovidāra, Karbudāra, Nīpa, Vidula, Bimbī, Śaṇapuṣpī, Sadāpuṣpā, Pratyakpuṣpāvirecanopaga (purgativ)Drākṣā, Kāśmarya, Paruṣka, Abhayā, Āmalaka, Bibhītaka, Kuvala, Badara, Karkandhu, Pīluśirovirecanopaga (kopfreinigend)Jyotiṣmatī, Kṣavaka, schwarzer Pfeffer, Pippalī, Viḍaṅga, Śigru, Sarṣapa, Apāmārga, Śveta, Mahāśvetāāsthāpanopaga (Drogen für nichtöliges Enema)Trivṛt, Bilva, Pippalī, Kuṣṭha, Sarṣapa, Vacā, Vatsaka, Śatapuṣpā, Madhuka, Madanaanuvāsanopaga (Drogen für öliges Enema)Rāsnā, Suradāru, Bilva, Madana, Śatapuṣpā, Vṛścīra, Punarnavā, Śvadaṃṣṭrā, Agnimantha, Syonākahikkānigrahaṇa (hikkā beseitigend)Śaṭhī, Puṣkaramūla, Badara, Kaṇṭakārikā, Bṛhatī, Vṛkṣaruhā, Abhayā, Pippalī, Durālabhā, Kulīraśṛṅgītṛṣṇānigrahaṇa (Durst beseitigend)Nāgara, Dhanvayāsaka, Mustā, Parpaṭaka, Candana, Kirātatikta, Guḍūcī, Hrīvera, Dhānyaka, Paṭolachardinigrahaṇa (anti-emetisch)Jambu, Āmra, Mātuluṅga, Badara, Dāḍima, Yava, Yaṣṭika, Uśīra, Mṛt, Lājapurīṣasaṃgraṇīya (Kot festigend)Priyaṅgu, Ananta, Āmra, Kaṭvaṅga, Lodhra, Mocarasa, Samaṅgā, Dhātakī, Padmā, Padmapurīṣavirajanīya (Kot depigmentierend)Jambu, Śallakī, Kacchurā, Madhūka, Śālmalī, Śrīveṣṭaka, Payasyā, Tila, Utpalamūtravirajanīya (Urin depigmentierend)Jambū, Āmra, Plakṣa, Vaṭa, Kapītana, Udumbara, Aśvattha, Bhallātaka, Aśmantaka, Somavalkamūtrasaṃgrahanīya (anti-diuretisch)Padma, Utpala, Nalina, Kumuda, Saugandhika, Puṇḍarīka, Śatapatra, Madhuka, Priyaṅgu, Dhātakīmūtravirecanīya (diuretisch)Vṛkṣādanī, Śvadaṃṣṭrā, Vasuka, Vaśira, Pāṣāṇabheda, Darbha, Kuśa, Kāśa, Gundrā, Itkaṭaśvāsahara (Dyspnoe beseitigend)Śaṭhī, Puṣkaramūla, Amlavetasa, Kardamom, Asafoetida, Aguru, Surasā, Tāmalakī, Jīvantī, Caṇḍākāsahara (Husten beseitigend)Drākṣā, Abhayā, Āmalaka, Pippalī, Durālabhā, Śṛṅgī, Kaṇṭakārikā, Vṛścīra, Punarnavā, Tāmalakīśothahara (Ödeme heilend)Pāṭalā, Agnimantha, Śyonāka, Bilva, Kāśmarya, Kaṇṭakārikā, Bṛhatī, Śālaparṇī, Pṛṣṇiparṇī, Gokṣurakajvarahara (fiebersenkend)Sārivā, Pāṭhā, Mañjiṣṭhā, Drākṣā, Pīlu, Parūṣaka, Abhayā, Āmalaka, Bibhītakaśramahara (Müdigkeit beseitigend)Drākṣā, Kharjūra, Priyāla, Badara, Dāḍima, Phalgu, Parūṣaka, Ikṣu, Yava, Ṣaṣṭikadāhapraśamana (Brennen beseitigend)Lājā, Candana, Kāśmarya, Madhūka, Zucker, Nīlotpala, Uśīra, Sārivā, Guḍūcī, Hrīberaśītapraśamana (Kältegefühl beseitigend)Tagara, Aguru, Dhānyaka, Pippalī, Śṛṅgavera, Bhūtīka, Vacā, Kaṇṭakārī, Agnimantha, Śyonākaudardapraśamana (anti-allergisch)Tinduka, Priyāla, Badara, Khadira, Kadara, Saptaparṇa, Aśvakarṇa, Arjuna, Asana, Irimedāśūlapraśamana (intestinal antispasmodisch)Pippalī, Pippalīmūla, Cavya, Citraka, Śṛṅgavera, schwarzer Pfeffer, Ajamodā, Ajagandhā, Ajājī, Gaṇḍīraaṅgamardapraśamana (Gliederschmerzen lindernd)Vidārīgandhā, Pṛṣṇiparṇī, Bṛhatī, Kaṇṭakārikā, Eraṇḍa, Kākolī, Candana, Uśīra, Kardamom, Madhukaprajāsthāpana (Fötusentwicklung fördernd)Aindrī, Brāhmī, Śatavīryā, Sahasravīryā, Amoghā, Avyathā, Aśivā, Ariṣṭā, Vāṭyapuṣpī, Viśvaksenakāntāśoṇitasthāpana (blutstillend)Madhuka, Rudhira, Mocarasa, Tonstücke, Lodhra, Gairika, Priyaṅgu, Honig, Zuckervedanāsthāpana (schmerzlindernd)Śāla, Kaṭphala, Kadamba, Padmaka, Tumba, Mocarasa, Śirīṣa, Vañjula, Elavāluka, Aśokasaṃjñāsthāpana (wiederbelebend)Asafoetida, Kaiṭarya, Irimedā, Vacā, Coraka, Vayasthā, Golomī, Jaṭilā, Palaṅkaṣā, Aśokarohiṇīvayaḥsthāpana (verjüngend)Amṛtā, Abhayā, Dhātrī, Muktā, Śvetā, Jīvantī, Atirasā, Maṇḍūkaparṇī, Sthirā, Punarnavā

[22] Flüssige Getreidebreie oder sämige Getreidesuppen. Ein anderes Wort für peyā, das auch häufig verwendet wird, ist yavāgū.  ↩︎

[23] Durch pitta bzw. śleṣma (kapha) verursachte Diarrhoe.  ↩︎

[24] Durch vāta (vāyu) verursachte Krankheiten.  ↩︎

[25] Wenn eine Droge (Heilkraut) für eine Nacht in heißem Wasser gelassen wird, wird der Extrakt śīta genannt und wenn eine Droge für kurze Zeit in heißem (oder auch kaltem) Wasser mazeriert, wird der Extrakt phāṇṭa genannt.  ↩︎

3. Gesundheitsvorsorge

In diesem Kapitel werden in sechs Abschnitten die Themen der Kapitel 5–8 des Sūtrasthānam behandelt: 1. tägliche Routine zur Erhaltung der Gesundheit (Körperpflege, Quantität der Diät, etc.), 2. Diät und Verhalten in den Jahreszeiten, 3. die Unterdrückung bzw. Nichtunterdrückung körperlicher und geistiger Dränge, 4. Körperübungen, 5. Sinne, Geist und Intelligenz und 6. sadvṛtta – rechtes Verhalten.

3.1 Tägliche Routine zur Erhaltung der Gesundheit

Die Quantität der Diät

Ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der Gesundheit ist die Ernährung. Bei der Nahrungsaufnahme spielt die Quantität der Nahrung eine entscheidende Rolle. Sie hängt von agni (Verdauungsfeuer; Kraft der Verdauung) ab. Die Quantität, die zeitig verdaut wird, ohne die Körperfunktionen zu stören, sollte als das richtige Maß betrachtet werden.

In leicht verdaulichen Nahrungsmitteln dominieren die Elemente vāyu (Luft) und tejas (Feuer), während in schwer verdaulichen Nahrungsmitteln die Elemente pṛthivī (Erde) und ap (Wasser) vorherrschen.

Die leichten Nahrungsmittel stimulieren aufgrund ihrer Eigenschaften die Verdauung und rufen, selbst wenn sie bis zur Sättigung gegessen werden, kaum Störungen hervor, während die schwer verdaulichen Speisen Störungen verursachen, wenn sie bis zur Sättigung genossen werden, es sei denn der Esser besitzt ein starkes Verdauungsfeuer und verrichtet schwere körperliche Arbeit oder körperliche Übungen.

Von den schweren Nahrungsmitteln sollte höchstens bis zur Hälfte des Sättigungspunktes genommen werden. Um agni zu erhalten, sollte man nie bis zur völligen Sättigung Nahrung zu sich nehmen. Nahrung, die in der richtigen Menge genommen wird, schenkt Kraft, Ausstrahlung und Gesundheit.

Schwere Fleischsorten, Joghurt und Urdbohnen sollte man nicht regelmäßig nehmen. Linsen, Steinsalz, āmalakī, Reis, Gerste und andere Getreidearten, Milch, Ghṛta und Honig kann man regelmäßig nehmen. In summa: man sollte täglich solche Nahrungsmittel zu sich nehmen, welche die Gesundheit erhalten und Störungen verhindern. Umfassendes Wissen darüber folgt im Kapitel 7: »Diätetik«.

Augenpflege

Augensalben, Augentropfen, Augenbäder etc. dienen zur Reinigung der Augen. Ein Sammelbegriff für Mittel, die diesem Zwecke dienen, ist añjana.[26]Sauvira añjana[27] sollte täglich angewendet werden und rasāñjana[28] alle acht Tage einmal, um die Augensekretion zu stimulieren. Die Sicht wird von tejas (pitta) beherrscht und kann deshalb leicht durch kapha behindert werden. Deshalb sind Mittel, die kapha in den Augen lindern oder beseitigen, nützlich für die Klärung der Sicht. Wie verschmutzte Metalle (Gold, Silber etc.) fleckenlos rein werden, wenn man sie mit Öl und anderen Substanzen säubert, so wird die Sicht eines Menschen rein und klar, wie der Mond am wolkenlosen Himmel durch die Anwendung von añjana, Augentropfen etc.

Therapeutisches Rauchen

Aus Pulvern von candana, patra, elā, guggul, udumbara, musta, tvak und anderen Drogen wird eine Paste hergestellt, auf ein daumendickes, acht fingerbreites Schilfrohr gestrichen und, wenn getrocknet, zusammen mit etwas Ghṛta, Fett und Wachs in einer Pfeife mit langem Mundstück geraucht. Die Rauchmischung sollte fettig sein und aus Drogen mit madhura-rasa bestehen. Sie kräftigt die Sinnesorgane, den Schädel, die Haare und die Stimme und kann einmal am Tag geraucht werden.

Für Kopfreinigung sollte eine Mischung aus śvetā, jyotiṣmatī, aguru und anderen aromatischen Substanzen verwendet werden. Das Rauchen einer solchen Mischung beseitigt die verschiedensten Kopfkrankheiten wie Rhinitis, Kopf-, Augen-, Zahn- und Ohrenschmerzen, Husten, Kieferkrampf, übermäßige Schleimabsonderung, Alopezie, Parasiten, Tonsillitis, Dyspnoe, Schluckauf, Schwäche der Zähne, Juckreiz, Niesen, übermäßiges Schlafen etc. und verhindert vāta- und kapha-Störungen.

Das Rauchen zur Reinigung kann mehrmals am Tag durchgeführt werden. Es ist angebracht in Zeiten, wo kapha und vāta angeregt sind und zwar nach dem Bad, nach den Mahlzeiten, nach Emesis, nach Niesen, nach dem Zähneputzen, nach Schnupfen, nach Anwendung von Kollyrium und nach dem Schlaf.

Die Symptome richtigen Rauchens sind Leichtigkeit des Kopfes, Reinigung der Brust, des Halses und der Sinnesorgane und die Beruhigung angeregter doṣas. Übermäßiges Rauchen und Rauchen zum falschen Zeitpunkt trocknet Hals und Kopf aus und verursacht Taubheit, Blindheit, Stummheit, Schwindel, Ohnmacht, Fehlfunktionen der Sinne und innere Blutungen. In solchen Fällen sind Schnupfen von Ölen und die Einnahme von Ghṛta und nährender Diät angebracht. Bei vāta-pitta-Komplikationen sollten die Gegenmaßnahmen ölig, bei Hämorrhagie kalt und bei kapha-pitta rau sein.

In folgenden Fällen ist Rauchen kontraindiziert: bei Schwangerschaft, Vergiftungen, Müdigkeit, āma (Zustand unverdauter Nahrung), pitta, Durst, Schwindel, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Abmagerung, Verletzung, Augendefekten; nach Purgation, Enema und Blutungen; nachdem man Wein, Honig, Milch, fette Substanzen oder Nahrung mit Joghurt eingenommen hat; in Zuständen des Ärgers, der Rauheit des Körpers (Haut etc.), der Trockenheit des Gaumens; bei Kopfverletzungen, Harnstörungen und Alkoholismus (Alkoholvergiftung). Rauchen in diesen Fällen und zur falschen Zeit führt zu ernsthafter Verschlimmerung der Störungen und zu Komplikationen.

Wenn Störungen in Kopf, Nase oder Augen lokalisiert sind, sollte der Rauch durch die Nase und bei Störungen im Hals durch den Mund inhaliert werden. Man sollte den Rauch niemals durch die Nase ausstoßen, da dies den Augen schweren Schaden zufügen kann. Beim durch die Nase rauchen, schließt man ein Nasenloch mit einem Finger und inhaliert durch das andere dreimal hintereinander. Diesen Vorgang wiederholt man mit konzentriertem Geist dreimal für jedes Nasenloch und achtet dabei auf eine gerade Sitzhaltung.

Wenn nach dem Rauchen die Stimme nicht klar, der Hals voller kapha (Schleim) und der Kopf kalt und schwer ist, hat man nicht richtig geraucht.

Das Rauchinstrument sollte mindestens 24 Fingerbreiten lang sein für reinigendes Rauchen, 32 Fingerbreiten für ölendes Rauchen und 36 Fingerbreiten für routinemäßiges Rauchen, damit der Rauch genügend abgeschwächt wird. Der Pfeifenkopf sollte am besten aus Stein oder Metall (Gold, Silber, Eisen, Messing etc.) gefertigt sein.

Das Schnupfen von Aṇu taila

Jedes Jahr im Frühling und im Herbst und zu Beginn der Regenzeit sollte man an klaren Tagen aṇu taila schnupfen.[29] Diese Praktik verhindert das Ergrauen und Ausfallen der Haare, stärkt die Sinnesorgane, beseitigt Steifheit im Nacken, Kiefersperre, Migräne, chronische Rhinitis, Kopfschmerzen, Kopfzittern etc., stärkt die Sehnen, Gelenke, Adern und Knochen des Kopfes und verbessert Stimme und Gesichtsausdruck.

Aṇu taila ist ein Öl, das aus candana, aguru, patra, balā, elā, viḍaṅga, musta, śatāvarī