Back to the roots? - Roswitha Scholz - E-Book

Back to the roots? E-Book

Roswitha Scholz

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Beschreibung

Heute erleben wir weltweit nicht nur einen massiven Rechtsruck, auch in linken und queerfeministischen Zusammenhängen lässt sich ein Rollback erkennen. Ein alter Klassenkampf-Marxismus wird wiederbelebt, manche entdecken gar den Marxismus-Leninismus neu. Dabei drohen Themen wie Sexismus, Rassismus, Antisemitismus sowie Homo- und Transphobie, wieder zu »Nebenwidersprüchen« zu verkommen. Dieses Buch, das Aufsätze der letzten dreißig Jahre versammelt, setzt diesen Tendenzen die Wert-Abspaltungs-Kritik entgegen, die aus einer Verbindung von Wertkritik und Kritischer Theorie hervorgegangen ist. Sie zielt darauf ab, soziale Ungleichheit, »Rasse«, Geschlecht, Antisemitismus, Antiziganismus, Trans- und Homophobie sowohl in ihrer Eigenlogik als auch ihrem inneren Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Ganzen zu begreifen.

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Seitenzahl: 568

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Roswitha Scholz

Back to the roots?

Zur Regression marxistisch-feministischer Theoriebildung heute

Texte aus 30 Jahren

© 2025 zu Klampen Verlag ∙ Röse 21 ∙ 31832 Springe ∙ zuklampen.de

Bei Fragen zur EU-Produktsicherheitsverordnung GPSR wenden Sie sich bitte an [email protected].

Umschlaggestaltung: © Stefan Hilden, Hildendesign ∙ München ∙ hildendesign.de

Satz: Germano Wallmann ∙ Gronau ∙ geisterwort.de

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH, Rudolstadt

ISBN Print: 978-3-98737-040-3

ISBN E-Book-Epub: 978-3-98737-451-7

ISBN E-Book-Pdf: 978-3-98737-450-0

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über ‹ http://dnb.dnb.de › abrufbar.

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG (»Text- und Data-Mining«) zu gewinnen, ist untersagt.

Vorwort

Die hier versammelten Texte stammen aus den letzten dreißig Jahren. Sie machen die Entwicklung der Wert-Abspaltungs-Kritik, einer marxistisch-feministischen Theorierichtung, deutlich. Sie hält die gängigen feministischen Anschlüsse an bestehende marxistische Richtungen für untauglich, um die heutigen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen, sich zuspitzenden Krisenprozesse zu begreifen. Dabei geht die Wert-Abspaltungs-Theorie davon aus, dass heutige Regressionen – keineswegs nur von rechts, sondern eben auch von einer marginalisierten Linken bzw. einem linken Feminismus, der auf traditionelle und überkommene Konzepte des Marxismus oder die Kritische Theorie zurückgreift – selbst nur ein Reflex und integraler Bestandteil dieser Krise sind und zu allem anderen als zu einer Transzendierung der bestehenden Verhältnisse führen.

Die 1990er Jahre waren die Zeit des Neoliberalismus und des Kasinokapitalismus. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks hatte marxistische Theorie nicht mehr viel zu melden. Foucault, Butler & Co bestimmten den Zeitgeist. Nach einer Serie von Krisen, dem Kollaps der Kleinen Tiger, der Dotcom-Krise Anfang der Nullerjahre und schließlich dem Finanzcrash von 2008 änderte sich dies. Mitte der Nullerjahre wurde Hartz IV eingeführt. Materielle Notlagen traten nun in den Vordergrund. Mittlerweile zeigt sich eine fundamentale Krise an allen Ecken und Enden, so dass von einer (ökologischen, ökonomischen, sozialen und politischen) »Polykrise« gesprochen wird. Insbesondere der Finanzcrash 2008 führte dazu, dass Marx’sche Theorie wieder zunehmend rezipiert wurde. Es entstanden Marx-Lesegruppen; eine neue Marxlektüre und ein westlicher Marxismus erlebten einen kleinen Höhenflug. Spätestens seit Mitte der 2010er Jahre schlug dann die Krise mit Wucht auch ideologisch durch. Die AfD gründete sich und im Zuge von Flüchtlingsbewegungen entstand in Deutschland Pegida.

In den USA wurde 2024 zum zweiten Mal Trump gewählt. Einer aus dem Ruder gelaufenen Globalisierung versucht man nun mit Deglobalisierungsmaßnahmen Herr zu werden und mit bizarren Ideen das zerbombte Palästina zur Riviera zu machen, Grönland zu kaufen u. a. Selbstverständlich sind radikale Streichungen der Sozialausgaben, was die Krise noch verschärfen dürfte. Die AfD wurde in Deutschland zweitstärkste Partei im Bundestag. Es kam weltweit zu einer Rechtswende. Diese fiel nicht vom Himmel. Insbesondere seit dem Zusammenbruch des Ostblocks machen sich rechte Tendenzen, Autoritarismus, Nationalismus, aggressive Abwehr von Flüchtlingen usw. bemerkbar, die mittlerweile kulminieren. (Bürger-)Kriege mehren sich. Besonders seit der Covid-19-Pandemie sind Verschwörungstheorien weit verbreitet.

Die Linke ist mit ihren Bemühungen in den 2010er Jahren (Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien, Chavez in Venezuela usw.) gescheitert, auch wenn die Partei »Die Linke« in Deutschland momentan einen Kristallisationspunkt für eine marginalisierte Linke darstellt und in letzter Zeit Zulauf bekommt. Ein Haupttrend innerhalb des übriggebliebenen Marxismus besteht darin, dass er sich dem Zeitgeist populistisch anzubiedern versucht. Dieser »neue« Klassenkampf-Marxismus zeichnet sich dadurch aus, dass er alle möglichen gesellschaftlichen Gruppen (Frauen, Homo- und Transpersonen, Migranten, Rassifizierte usw.) in einen Klassen-Kontext stellt und unter den Klassenbegriff zu subsumieren versucht und/oder Sexismus und Rassismus wieder gleich zu Nebenwidersprüchen erklärt. Manche scheuen sich nicht, auf einen anachronistischen Marxismus-Leninismus zurückzugreifen. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn »rote Gruppen« auftauchen, die dem autoritären »Charme« verblichener Traditionsmarxismen erliegen. »Back to the Roots« scheint für viele das Gebot der Stunde zu sein.

Die in diesem Sammelband vertretene Position schlägt einen anderen Weg ein. Ganz knapp und stark verkürzt skizziert geht es ihr um Folgendes: Für sie ist die Arbeiterklasse und deren Integration im Fordismus immanenter Bestandteil des Kapitalismus. Überdies entwickelte sich der Kapitalismus in den letzten Jahrzehnten von einer Industriegesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft mit einer breiten Mittelschicht, wobei gerade die unteren Mittelschichten schon seit längerem vom Abstieg bedroht sind. Die Unterschicht wird heute überwiegend von Frauen und Migranten gestellt. Dabei ist es vor allem der »prozessierende Widerspruch« (Marx), der für die geschichtliche Entwicklung maßgeblich ist. D. h. durch Rationalisierungsmaßnahmen bei gleichzeitig erhöhtem Produktenausstoß kommt es zu Degradierung, Ausgrenzung und Überflüssigwerden von Arbeitskräften. Viele befürchten nun, »asozial« zu werden und herauszufallen. Diese Dimensionen können jedoch durch den Klassenbegriff nicht mehr angemessen erfasst werden. Im Kern ist es auch der »prozessierende Widerspruch«, der eine Dynamik in Gang setzt, die zu Migrationsbewegungen und ökologischer Zerstörung, zu Crashs wie 2008, ja zur heutigen »Polykrise« mit ihren Verfallserscheinungen insgesamt führt.

Jedoch genügt es nicht, Ware, Wert, abstrakte Arbeit und Kapital als Grundkategorien zu bestimmen. Genauso muss einer Abspaltung des Weiblichen, der Reproduktionstätigkeiten (Hege, Liebe, Pflege usw.) auch in ihrer professionellen Form in dialektischer Verbindung mit dem Wert als Grundkategorie Rechnung getragen werden. Zudem ist von der Wert-Abspaltung als Basiszusammenhang der kapitalistisch-patriarchalen (Welt-)Gesellschaft auszugehen. Dabei muss auch die kulturell-symbolische und sozialpsychologische Seite in Augenschein genommen werden. In diesem Zusammenhang sind ebenfalls Rassismus, Antisemitismus, Trans- und Homophobie sowie der meist sträflich vernachlässigte Antiziganismus in ihren Eigenlogiken zu analysieren, ohne dass sie zu Nebenwidersprüchen degradiert werden, aber auch ohne einem identitätspolitischen Reduktionismus zu verfallen und einen gesellschaftlichen Formzusammenhang zu verwerfen. Auf die Bestimmung eines Formzusammenhanges im Sinne der Wert-Abspaltungs-Theorie ist dabei zu pochen, wobei dieser jedoch schon immer gleichermaßen beinhaltet, auch dem stattzugeben, was in ihm nicht aufgeht, und unterschiedlichen Ebenen und Phänomenen mit ihren unterschiedlichen Logiken Raum zu geben. Insbesondere dies unterscheidet diesen theoretischen Zugang von einem Klassenkampf- und Nebenwiderspruchsmarxismus, auf den selbst feministische Ansätze, die auf der Kritischen Theorie Adornos basieren, heute wieder zurückzufallen drohen.

Der komplexe und widersprüchliche Zusammenhang der Wert-Abspaltung als gesellschaftliches Formprinzip wird im ersten Teil behandelt. Im zweiten Teil geht es sodann um konkretere Problemstellungen, nämlich um die Ungleichheits- und Diskriminierungsdimensionen Klasse/soziale und ökonomische Ungleichheit, Antiziganismus und Homo- und Transphobie. Dabei sind Behinderung und psychische Krankheit Desiderate, die es in Nachfolgeprojekten auszuarbeiten gilt (die Altersdimension vor dem Hintergrund der Wert-Abspaltungs-Kritik hat Andreas Urban ausgearbeitet, in: exit! Nr. 15 & 17). Der dritte Teil besteht aus zwei Aufsätzen, die sich mit dem Thema Regression befassen. Sichtbar wird hierbei u. a., dass sich ein struktureller Antisemitismus schon zu Hochzeiten der Spekulation in den 1990er Jahren bemerkbar machte und sich der Rückgriff auf einen anachronistisch gewordenen Traditionsmarxismus bereits in den Nullerjahren angedeutet hat, Tendenzen, die sich mittlerweile ausgewachsen haben. Genau genommen ist der Begriff der Regression insofern unzutreffend, als Sexismus, Rassismus, Antisemitismus usw. schon seit Jahrzehnten »in der Mitte« der Gesellschaft nachgewiesen werden konnten, ehe sie heute in rechten Bewegungen im Massenformat kulminierten; ob dieser Breitenwirkung seit Mitte der 2010er Jahre soll er hier dennoch Verwendung finden, hat das Ressentiment gegen Frauen und Minderheiten seitdem doch eine neue Qualität erreicht. Dementsprechend wird heute denn auch von einer »Großen Regression« (Heinrich Geiselberger) gesprochen. Es ist nicht zuletzt ein Ziel dieses Sammelbandes, derartigen Tendenzen massiv entgegen zu treten. Im letzten, dem vierten Teil, findet schließlich eine Auseinandersetzung mit neueren feministischen und intersektionellen Konzepten statt, die im Gegensatz zur Wert-Abspaltungs-Kritik häufig in einem traditionellen und anachronistischen, meines Erachtens regressiven Marxismusverständnis befangen sind.

Es sei noch darauf hingewiesen, dass Wiederholungen in diesem Sammelband unvermeidlich sind, da in verschiedenen Kontexten und im Hinblick auf verschiedene Gegenstände mit ihren Eigenlogiken insbesondere zentrale wert-abspaltungskritische Basisannahmen erst einmal transparent gemacht werden müssen, um den Zusammenhang zu den jeweiligen Thematiken nachvollziehbar aufzeigen zu können.

Roswitha Scholz, März 2025

I. Grundsätzliches: Kapitalismus, Patriarchat und die »Anderen«

Das warenproduzierende Patriarchat

Thesen zu Kapitalismus und Geschlechterverhältnis (2013)

In den 1990er Jahren standen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks kulturalistische und differenztheoretische Ansätze in der Frauenforschung, die nun zur Genderforschung mutierte, hoch im Kurs. Marxofeministische Konzepte, die bis Ende der 80er Jahre die Diskussion bestimmt hatten, traten in den Hintergrund. Mittlerweile erleben nun durch zunehmende Delegitimierung des Neoliberalismus in der sich zuspitzenden ökonomischen Krise (Stichworte: Prekariat, Unterschicht, Hartz IV in der BRD etc. – die Spanier/innen können noch ein ganz anderes Lied davon singen!) diverse Marxismen wieder einen Auftrieb.

Der Ideologie, wir hätten es zunehmend mit einer »Verwirrung der Geschlechter« zu tun, wie sie seit Mitte der 80er Jahre und besonders in den 90er Jahren vorherrschend war, folgt nun die Ernüchterung. Es wird deutlich, dass es mit der vielbeschworenen Angleichung der Geschlechter doch nicht so weit her ist und das dekonstruktivistische »Spiel mit den Zeichen« nicht viel eingebracht hat.

Die »Neuentdeckung« marxistischer Theorie einerseits und die Einsicht, dass der Feminismus keineswegs anachronistisch und überflüssig geworden ist, auch wenn er in den Spielarten der letzten Jahrzehnte nicht mehr fortgesetzt werden kann, verlangen meines Erachtens nun einen neuen marxo-feministischen, theoretischen Rahmen, der geeignet ist, der heutigen Entwicklung nach dem Ende des »realexistierenden Sozialismus« und in der fortschreitenden kapitalistischen Weltkrise Rechnung zu tragen. Denn es versteht sich von selbst, dass an traditionell marxistische Vorstellungen im 21. Jahrhundert nicht einfach bruchlos angeknüpft werden kann. Ein direkter Anschluss ohne kritische Weiterentwicklung ist auch an solche Theorien nicht möglich, auf die ich mich im Folgenden selbst teilweise stütze, wie etwa die Kritische Theorie Adornos, auch wenn in diesen Untersuchungen meines Erachtens wichtige Vorarbeiten für eine patriarchatskritische Theorie der Gegenwart geliefert wurden. Dabei müssen auch manche Theorieansätze, die sich in der bisherigen Feminismusdebatte der letzten 20 Jahre auf Adorno und die Kritische Theorie insgesamt gestützt haben, modifiziert werden. Auf all dies kann ich hier jedoch nicht ausführlich eingehen (vgl. u. a. Scholz 2000, Scholz 2005a).

Stattdessen möchte ich einige theoretische Aspekte, der von mir vertretenen Theorie des Geschlechterverhältnisses, der Wert-Abspaltungstheorie, vortragen, die ich in der Auseinandersetzung mit derartigen Theorieansätzen gewonnen habe. Dabei kann auch das asymmetrische Geschlechterverhältnis heute, wie ich zeigen werde, nicht mehr im Sinne des »klassischen« modernen Geschlechterverhältnisses in Augenschein genommen werden; allerdings ist es unerlässlich, sich der Ursprünge in der Modernisierungsgeschichte zu versichern. Theoretischer Bezugspunkt ist dabei neben der erwähnten Kritischen Theorie Adornos eine neue fundamental-kritische Theorie des »Werts« und der »abstrakten Arbeit« als Weiterentwicklung der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie, deren prominenteste Vertreter in den letzten Jahrzehnten Robert Kurz und teilweise Moishe Postone waren (vgl. etwa Kurz 1991 und 1999, vgl. auch Postone 1988 und 2003). Deren Ansätze gedenke ich feministisch zu wenden.

1.

Gemäß diesem neuen wertkritischen Verständnis steht nicht der sogenannte Mehrwert für sich, das heißt die bloß äußerlich bestimmte Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital qua juristischer Eigentumsverhältnisse, im Zentrum der Kritik, sondern bereits die Wertform selbst, also der gesellschaftliche Charakter des warenproduzierenden Systems und damit die Tätigkeitsform der abstrakten Arbeit. »Arbeit« entsteht demzufolge erst im Kapitalismus zusammen mit der Verallgemeinerung der Warenproduktion und darf deshalb nicht ontologisiert werden.

Als Waren repräsentieren die Produkte »vergangene abstrakte Arbeit« und insofern »Wert«, das heißt, sie stellen eine bestimmte (auf dem Markt als gesellschaftlich gültig anerkannte) Quantität verausgabter menschlicher Energie dar. Und diese »Darstellung« drückt sich wiederum im Geld als dem universellen Vermittler und gleichzeitigen Selbstzweck in der Kapitalform aus.

Auf diese Weise erscheinen die Personen einerseits als ungesellschaftlich und die Gesellschaft durch Sachen konstituiert, die sich über die abstrakte Quantität des Werts miteinander vermitteln. Das Resultat ist eine Entfremdung der Gesellschaftsmitglieder, denn ihre eigene Gesellschaftlichkeit wird nur über ihre Produkte gestiftet, also tote Dinge, in der gesellschaftlichen Darstellungsform losgelöst von jedem konkret-sinnlichen Inhalt. Diesen Zusammenhang meint der Begriff des Fetischismus.

In vormodernen Gesellschaften hingegen wurde unter anderen (personalen statt warenförmig versachlichten) Herrschaftsverhältnissen primär für den Gebrauch produziert, und zwar sowohl im agrarischen Bereich als auch im Handwerk, das spezielle Zunftgesetze hatte, die ein abstraktes Gewinnstreben ausschlossen. Der sehr begrenzte vormoderne Warenaustausch fand nicht über Märkte im modernen Sinne mit Konkurrenzverhältnissen statt. Es konnte damals noch nicht von einer gesellschaftlichen »Totalität« wie heute gesprochen werden, in der Geld und Wert zu einem abstrakten Selbstzweck der Kapitalverwertung geworden sind. In der Moderne geht es also darum, aus Geld mehr Geld und insofern »Mehrwert« zu machen; aber nicht als bloß subjektiver Bereicherungszweck, sondern als tautologischer System-Bezug des Werts auf sich selbst. Marx spricht in dieser Hinsicht vom »automatischen Subjekt«. Menschliche Bedürfnisse werden nebensächlich und Arbeitskraft selbst wird zur Ware; das heißt, das menschliche Produktionsvermögen ist zu einem fremdbestimmten geworden, aber nicht im Sinne personaler Herrschaft, sondern im Sinne anonymer blinder Mechanismen. Nur deshalb sind die Produktionstätigkeiten in der Moderne in die Form abstrakter Arbeit gepresst. Schließlich wird mit der Entfaltung des Kapitalismus das gesamte Leben rund um den Erdball durch die Selbstbewegung des Geldes geprägt, und damit zusammenhängend erscheint die erst im Kapitalismus entstandene abstrakte Arbeit jetzt unhistorisch als ontologisches Prinzip.

Gegenüber diesem Systemzusammenhang problematisierte der traditionelle Marxismus nur die juristische Aneignung des Mehrwerts durch die »Kapitalistenklasse«. Die Kapitalismuskritik und die Vorstellungen einer postkapitalistischen Gesellschaft beschränkten sich daher auf das Ziel einer »gerechten Verteilung« innerhalb des warenproduzierenden Systems und seiner unüberwundenen Formen.

Heute ist dieses Denken für eine Erneuerung der Kapitalismuskritik ungeeignet, weil es sich alle grundlegenden kapitalistischen Vergesellschaftungsprinzipien zu eigen gemacht hatte, insbesondere die Kategorien des Werts und der abstrakten Arbeit. Diese Kategorien wurden als überhistorische Menschheitsbedingungen missverstanden. Dabei wird aus der Warte einer radikalen Wertkritik auch der vergangene »real existierende« Sozialismus als warenproduzierendes System einer staatsbürokratischen »nachholenden Modernisierung« im Osten und Süden betrachtet, das vermittelt über Weltmarktprozesse und den Wettlauf in der Produktivkraftentwicklung mit dem Westen auf der postfordistischen Stufenleiter der kapitalistischen Entwicklung Ende der 80er Jahre zusammenbrechen musste (vgl. dazu genauer Kurz 1991). Im Westen werden seither im Zuge von Krise und Globalisierung die sozialen Reformen wieder zurückgenommen.

2.

Mit dem »Wert« bzw. der abstrakten Arbeit ist die Grundform des Kapitalismus meines Erachtens jedoch noch nicht hinreichend als fetischistisches Verhältnis bestimmt. Gleichermaßen muss dem Umstand Rechnung getragen werden, dass im Kapitalismus auch Reproduktionstätigkeiten anfallen, die vor allem von Frauen erledigt werden. Dementsprechend meint Wert-Abspaltung, dass im Kern als weiblich bestimmte Reproduktionstätigkeiten, aber auch damit verbundene Gefühle, Eigenschaften, Haltungen (Emotionalität, Sinnlichkeit, Fürsorglichkeit u. ä.) eben vom Wert/der abstrakten Arbeit abgespalten sind. Der weibliche Lebenszusammenhang, die weiblichen Reproduktionstätigkeiten im Kapitalismus, haben so einen anderen Charakter als die abstrakte Arbeit; deshalb können sie auch nicht umstandslos unter den Arbeitsbegriff subsumiert werden. Es handelt sich um eine Seite der kapitalistischen Gesellschaft, die durch das Marxsche Begriffsinstrumentarium nicht erfasst werden kann. Diese Seite ist mit dem Wert zusammen gesetzt, gehört notwendig zu ihm; andererseits befindet sie sich jedoch außerhalb davon und ist deswegen auch seine Voraussetzung. In diesem Zusammenhang übernehme ich von Frigga Haug, dass es in der Moderne einerseits eine »Zeitsparlogik« gibt, die prinzipiell der Produktionssphäre, der »betriebswirtschaftlichen Vernutzungslogik« (Robert Kurz) entsprechend zuzuordnen ist, und andererseits eine »Logik der Zeitverausgabung«, die dem Reproduktionsbereich entspricht, auch wenn Haug ansonsten eher altmarxistischen Annahmen verpflichtet ist (vgl. Haug 1996).

Wert und Abspaltung stehen so in einem dialektischen Verhältnis zueinander. Das eine kann nicht aus dem anderen abgeleitet werden, sondern beide Momente gehen auseinander hervor. Insofern kann die Wert-Abspaltung auch als übergeordnete Logik begriffen werden, die über die warenförmigen Binnenkategorien hinausgeht. Exakt in diesem Sinne ist ein Verständnis von (fetischistischer) Vergesellschaftung zu gewinnen, und eben nicht allein über den »Wert«.

Betont werden muss dabei jedoch, dass die scheinbar unmittelbar gegebene Sinnlichkeit im Reproduktionsbereich, der Konsum und die ihn umgebenden Tätigkeiten, als auch die Bedürfnisse, die hier befriedigt werden, selbst vor dem Hintergrund der Wert-Abspaltung als Gesamtprozess historisch geworden sind. Sie dürfen nicht als unmittelbar-natürliche missverstanden werden, auch wenn Essen, Trinken, Lieben usw. nicht nur in Symbolisierungen aufgehen, wie dies Vulgärkonstruktivismen behaupten.

Die Kategorien zur Kritik der politischen Ökonomie reichen jedoch auch noch in anderer Hinsicht nicht aus. Die Wert-Abspaltung impliziert ein spezifisches sozialpsychologisches Verhältnis. Bestimmte minder bewertete Eigenschaften (Sinnlichkeit, Emotionalität, Verstandes- und Charakterschwäche usw.) werden »der Frau« zugeschrieben und vom männlich-modernen Subjekt abgespalten. Derartige geschlechtsspezifische Zuschreibungen charakterisieren wesentlich die symbolische Ordnung des warenproduzierenden Patriarchats. Es gilt also beim kapitalistischen Geschlechterverhältnis über das Moment der materiellen Reproduktion hinaus sowohl die sozialpsychologische als auch die kulturell-symbolische Dimension zu berücksichtigen. Gerade auch in der Existenz auf diesen Ebenen erweist sich die Wert-Abspaltung als Formprinzip des warenproduzierenden Patriarchats.

3.

Das asymmetrische Geschlechterverhältnis ist meines Erachtens in theoretischer Hinsicht beschränkt auf die Moderne/Postmoderne zu untersuchen. Dies soll nicht heißen, dass dieses Verhältnis keine vormoderne Geschichte hat; allerdings nahm es mit der Verallgemeinerung der Warenform eine gänzlich neue Qualität an. Frauen sollten nun primär für den minder bewerteten, nicht in Geld darstellbaren Reproduktionsbereich, Männer für die kapitalistische Produktionssphäre und die Öffentlichkeit zuständig sein. Widersprochen wird so Auffassungen, die das Geschlechterverhältnis im Kapitalismus als vorkapitalistischen »Rest« sehen. So taucht zum Beispiel die Kleinfamilie, wie wir sie kennen, erst im 18. Jahrhundert auf; wie sich überhaupt eine öffentliche und eine private Sphäre in unserem Sinne erst seit der Neuzeit herausbildeten. Behauptet wird von mir dabei, dass nicht bloß die kapitalistische Warenproduktion in diesem Zeitraum ihren historischen Lauf nahm, sondern vielmehr nun eine gesellschaftliche Dynamik in Gang kam, die das Wert-Abspaltungsverhältnis zum Grundprinzip hat.

4.

Dabei gehe ich wiederum mit F. Haug davon aus, dass das warenproduzierende Patriarchat als Zivilisationsmodell aufzufassen ist, modifiziere ihre Überlegungen jedoch gemäß der Wert-Abspaltungstheorie (vgl. Haug 1996, 229 ff.). Wie im Grunde hinlänglich bekannt, zeichnet sich die symbolische Ordnung des warenproduzierenden Patriarchats demnach durch folgende Annahmen aus: Politik und Ökonomie sind dem Mann zugeordnet; männliche Sexualität wird zum Beispiel als subjekthaft, aggressiv, gewaltsam u. ä. angenommen. Frauen firmieren dagegen als reine Körper. »Der Mann« wird so als Mensch/Geistmann/Körperüberwinder gesehen, die Frau dagegen als Nichtmensch, als Körper. Der Krieg ist männlich konnotiert, Frauen dagegen gelten als friedfertig, passiv, willenlos, geistlos. Männer müssen nach Ruhm, Tapferkeit, unsterblichen Werken streben. Frauen obliegt die Sorge um die Einzelnen wie für die Menschheit. Dabei werden ihre Taten gesellschaftlich minder bewertet und in der Theoriebildung vergessen, wobei in der Sexualisierung der Frau ihre Unterordnung unter den Mann beschlossen liegt und ihre gesellschaftliche Marginalisierung eingeschrieben ist. Der Mann wird als Held und werktätig gedacht. Dabei muss Natur produktiv unterworfen, beherrscht werden. Der Mann befindet sich ständig im Wettstreit mit anderen.

Diese Vorstellung bestimmt auch die Ordnungsbilder der modernen Gesellschaft insgesamt. Mehr noch: Leistungsfähigkeit und -Willigkeit, rationelle, wirtschaftliche, effektive Zeitverausgabung bestimmen das Zivilisationsmodell auch in seinen objektiven Strukturen als Gesamtzusammenhang, seine Mechanismen und seine Geschichte ebenso wie die Handlungsmaximen der Einzelnen. Insofern könnte auch etwas reißerisch und zugespitzt vom männlichen Geschlecht als dem »Geschlecht des Kapitalismus« die Rede sein; vor dem Hintergrund, dass eine dualistische Fassung von Männlichkeit und Weiblichkeit die dominierende Vorstellung von Geschlecht in der Moderne überhaupt ist. Das warenproduzierende Zivilisationsmodell hat somit Frauenunterdrückung, die Marginalisierung von Frauen sowie damit gleichzeitig eine Vernachlässigung des Sozialen und der Natur zur Voraussetzung. Deshalb sind Subjekt-Objekt, Geist-Natur, Herrschaft-Unterwerfung, Mann-Frau etc. typische Dichotomien, antagonistische Gegensätze des warenproduzierenden Patriarchats (vgl. Haug 1996, 229 ff.).

In diesem Zusammenhang gilt es jedoch Missverständnissen vorzubeugen. Die Wert-Abspaltung ist auch in dem Sinne als Meta-Ebene zu begreifen, als es um eine theoretische Bestimmung auf einem sehr hohen Abstraktionsniveau geht. Das heißt für die empirisch Einzelnen, dass sie sich weder den gesellschaftlich-kulturellen Kulturmustern entziehen können, allerdings ebenso wenig in ihnen aufgehen. Zudem unterliegen Geschlechtervorstellungen dem historischen Wandel, wie noch zu sehen sein wird. Vor einer simplifizierenden Interpretation der Wert-Abspaltungstheorie etwa nach dem Muster einer »neuen Weiblichkeit«, wie wir sie aus dem Differenz-Feminismus der 80er Jahre kennen, oder gar im Sinne eines neuen »Eva-Prinzips«, wie es neuerdings wieder von konservativer Seite propagiert wird (vgl. Herman 2006), sei also gewarnt.

Festzuhalten gilt es dabei: Abstrakte Arbeit und Hausarbeit sowie einschlägige Kulturmuster von Männlichkeit und Weiblichkeit bedingen sich gegenseitig. Es ist unsinnig, hier zu fragen, ob zunächst die Henne oder das Ei da war. Auf eine solch undialektische Fragestellung rekurrieren jedoch Dekonstruktivistinnen, wenn sie darauf bestehen, dass Männlichkeit und Weiblichkeit »zunächst einmal« kulturell hergestellt werden müssten, »bevor« eine geschlechtliche Verteilung der Tätigkeiten erfolgt (vgl. Gildemeister/Wetterer 1992, 214 ff.), aber auch F. Haug, wenn sie umgekehrt in ontologisierender Weise annimmt, dass sich im Laufe der (Menschheits-)Geschichte an eine vorgängige geschlechtliche Arbeitsteilung, die im Grunde als »Basis« gedacht ist, dann sekundär kulturelle Bedeutungen heften (vgl. Haug 1996, 127 f.).

5.

Es kann also im Sinne der Wert-Abspaltungstheorie auch nicht gemäß dem traditionellen Basis-Überbau-Schema davon ausgegangen werden, dass die materielle Ebene der geschlechtlichen Arbeitsteilung den Primat hat. Vielmehr sind die materiellen, die kulturell-symbolischen und die sozialpsychologischen Momente auf derselben Relevanzebene anzusiedeln. Die kulturell-symbolische Dimension, wie sich kollektive Vorstellungen herausbilden, was Männer und Frauen sind, erschließt sich zum Beispiel über Diskursanalysen im Anschluss an Foucault (vgl. die Arbeiten von Landweer 1990, Honegger 1991 und Duden 1987). Die sozialpsychologische Seite des Mann-Seins, des Frau-Seins und des Werdens der kapitalistisch-patriarchalen Individuen lässt sich mit einem psychoanalytischen Instrumentarium erfassen. Sichtbar wird so, dass beim männlichen Kind, das später einmal dominiert, eine Desidentifikation mit der Mutter stattfinden muss und damit eine Verdrängung/Abspaltung des Weiblichen einhergeht, um eine männliche Identität ausbilden zu können. Dagegen muss sich das Mädchen mit der Mutter identifizieren, um eine weibliche Identität zu erwerben und bereit zu sein, eine untergeordnete Position nicht nur im häuslichen Bereich einzunehmen. Zumindest gilt dies für die klassische Moderne. Was passiert, wenn die Kleinfamilie sich auflöst, wäre zu untersuchen (vgl. etwa Chodorow 1985).

Überhaupt geht es bei der Auseinandersetzung darum, sowohl die Beschränkungen der verschiedenen Ansätze (zum Beispiel das behavioristische Menschenbild, den Positivismus, die Machtontologie bei Foucault) aufzuzeigen als auch ihrer gleichzeitigen Berechtigung nachzukommen, die sie in einer verdinglichten, disparaten und fragmentierten Gesellschaft haben. Es kann also nicht um ein ableitungslogisches Vorgehen bei der wert-abspaltungskritischen Integration der verschiedenen Ansätze gehen. Gerade in der Postmoderne müssen mit Adorno theoretische Zwangsvereinheitlichungen in Frage gestellt werden. Vielmehr geht es darum, zu »synthetisieren ohne eindimensional zu systematisieren«, und zwar ohne dass die erkenntnistheoretischen Prämissen gleichgemacht werden, wie die Adorno-Schülerin Regina Becker-Schmidt richtig sagt, auch wenn sich deren Ansatz ansonsten von der Wert-Abspaltungstheorie unterscheidet (vgl. Becker-Schmidt 1987, 214).

6.

Im warenproduzierenden, modernen Patriarchat bilden sich, wie schon gezeigt, ein öffentlicher Bereich, der seinerseits verschiedene Sphären umfasst (Wirtschaft, Politik, Wissenschaft usw.), und ein Privatbereich heraus, wobei Frauen primär dem Privatbereich zugeordnet werden. Diese verschiedenen Bereiche sind einerseits relativ autonom, auf der anderen Seite bedingen sie sich aber; sie stehen also in einem dialektischen Verhältnis zueinander. Entscheidend ist nun, dass die Privatsphäre nicht als Emanation des »Werts« angesehen werden kann, sondern eben ein abgespaltener Bereich ist. Es braucht eine Sphäre, in die Tätigkeiten wie Hege, Pflege, »Liebe« abgeschoben werden, die der Wertlogik, der Zeitsparlogik mit ihrer Moral von Konkurrenz, Profit, Leistung etc. entgegengesetzt ist. Aus diesem Verhältnis zwischen Privatsphäre und öffentlichem Bereich erklärt sich so auch die Existenz von Männerbünden, die sich über den Affekt gegen das »Weibliche« gründen. So sind der gesamte Staat und die Politik über die Prinzipien Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit seit dem 18. Jahrhundert männerbündisch konstituiert.

Damit soll freilich nicht gesagt werden, dass das Patriarchat in den solcherart aufgespaltenen Sphären »sitzt«. Frauen waren zum Beispiel schon immer auch im Erwerbsbereich tätig. Dennoch zeigt sich die Abspaltung auch hier, sind Frauen auch innerhalb der öffentlichen Sphären als minder bewertete situiert, verdienen sie weniger als Männer, ist ihnen der Weg in die oberen Etagen trotz Angela Merkel & Co. nach wie vor nicht ohne weiteres offen. All dies verweist eben wiederum auf die Wert-Abspaltung als durchgängiges (nicht mechanisch in Sphären aufteilbares), gesellschaftliches Formprinzip auf einem entsprechend hohen Abstraktionsniveau. Das bedeutet, dass das Wirken der Wert-Abspaltung durch alle Ebenen und Bereiche hindurchgeht, also auch durch die verschiedenen Bereiche der Öffentlichkeit.

7.

Somit verbietet sich im Sinne der Wert-Abspaltungstheorie ein identitätslogisches Vorgehen, das heißt eines, das alles im Begriff, in der Struktur aufgehen lässt und Ungleichnamiges unter sich subsumiert, und zwar sowohl was die Übertragung von Mechanismen, Strukturen, Merkmalen des warenproduzierenden Patriarchats auf nicht-warenproduzierende Gesellschaften angeht, als auch was eine In-Eins-Setzung verschiedener Ebenen, Sphären, Bereiche im warenproduzierenden Patriarchat selbst betrifft, die von qualitativen Unterschieden absieht. Dabei ist vom Wert-Abspaltungsverhältnis als einer gesellschaftlichen Grundstruktur auszugehen, der das androzentrisch-universalistische, identitätslogische Denken entspricht, und nicht bloß vom Wert. Denn entscheidend ist nicht einfach, dass es – unter Absehen von verschiedenen Qualitäten – das gemeinsame Dritte, die durchschnittliche Arbeitszeit, die abstrakte Arbeit ist, die gewissermaßen hinter der Äquivalenzform des Geldes steht; vielmehr hat es der Wert seinerseits noch einmal nötig, die Hausarbeit, das Lebensweltliche, das Sinnliche, Emotionale, Nichtbegriffliche, Nichteindeutige als minderwertig zu betrachten und auszugrenzen.

Dabei ist die Abspaltung jedoch nicht deckungsgleich mit dem Nicht-Identischen bei Adorno; stattdessen stellt sie eben die dunkle Kehrseite des Werts selbst dar. Damit ist die Abspaltung allerdings Voraussetzung, dass das Kontingente, Nicht-Regelhafte, das Nicht-Analytische, mit wissenschaftlichen Mitteln nicht Erfassbare in den männlich dominierten Bereichen Wissenschaft, Politik und Ökonomie weithin unterbelichtet blieb; also ein klassifizierendes Denken federführend ist, das nicht die besondere Qualität, die Sache selbst in Augenschein nehmen kann und damit einhergehende Differenzen, Brüche, Ambivalenzen, Ungleichzeitigkeiten usw. nicht wahrzunehmen und auszuhalten vermag.

Umgekehrt bedeutet dies für die »vergesellschaftete Gesellschaft« des Kapitalismus, um hier eine Formulierung Adornos zu verwenden, allerdings genauso, dass die genannten Ebenen und Bereiche nicht bloß irreduzibel als »reale« aufeinander bezogen werden, sondern dass sie gleichermaßen in ihrer objektiven »inneren« Verbundenheit betrachtet werden müssen gemäß der basalen Ebene der Wert-Abspaltung als Formprinzip der gesellschaftlichen Totalität, die Gesellschaft überhaupt auf der Wesens- als auch auf der Erscheinungsebene konstituiert.

Dabei weiß die Wert-Abspaltungstheorie zugleich immer auch um ihre Grenzen als Theorie.

8.

Die Infragestellung der Wert-Abspaltungstheorie seitens ihrer selbst geht dabei so weit, sich selbst in ihrer Absolutsetzung als gesellschaftliches Formprinzip Einhalt zu gebieten. Was ihrem Begriff entspricht, kann nicht zum »Hauptwiderspruch« erhoben werden. Denn nach meinen bisherigen Ausführungen kann sich die Theorie der Wert-Abspaltung genauso wenig als »Logik des Einen« setzen wie die Theorie des Werts. In ihrer Kritik der Identitätslogik bleibt sie sich vielmehr treu und kann nur bestehen, indem sie sich relativiert, ja wo es nötig ist, sich sogar dementiert. Und dies meint auch, dass die Theorie der Wert-Abspaltung anderen Formen der sozialen Benachteiligung (ökonomische Disparitäten, Leiden unter Rassismus und Antisemitismus) theoretisch gleichberechtigt Platz einräumen muss. Diesen hier in mancherlei Hinsicht vielleicht kryptisch anmutenden Gedanken kann ich hier jedoch nicht weiter nachgehen (vgl. dazu ausführlicher Scholz 2005b) und muss meine Ausführungen auf das moderne Geschlechterverhältnis im engeren Sinne beschränken.

9.

Den angedeuteten erkenntnistheoretischen Prämissen der wert-abspaltungskritischen Theoriebildung gemäß darf auch keine lineare Betrachtungsweise gewählt werden, wenn es um die Analyse der warenförmig-patriarchalen Entwicklung in den verschiedenen Weltregionen geht. Diese Entwicklung hat nicht in allen Gesellschaften in derselben Weise stattgefunden, bis hin zu (vormals) geschlechtssymmetrischen Gesellschaften, die das moderne Geschlechterverhältnis bis heute nicht bzw. nicht gänzlich übernommen haben (vgl. u. a. Weiss 1995); es gilt aber auch »anders gestrickten« patriarchalen Verhältnissen Rechnung zu tragen, die im Zuge der Weltmarktentwicklung vom modern-westlichen versachlichten Patriarchat überlagert worden sind, ohne gänzlich ihre Eigenart verloren zu haben.

In diesem Zusammenhang muss ferner berücksichtigt werden, dass sich das Geschlechterverhältnis und die Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit auch innerhalb der abendländisch-modernen Geschichte nicht immer gleich darstellen. Dabei ist festzuhalten, dass sowohl der moderne Arbeitsbegriff als auch der Geschlechterdualismus Produkte der spezifischen Entwicklung hin zum Kapitalismus sind und beides Hand in Hand geht. Erst im 18. Jahrhundert bildete sich das moderne »System der Zweigeschlechtlichkeit« (Carol Hagemann-White) heraus und es kam zu einer »Polarisierung der Geschlechtscharaktere« (Karin Hausen); vorher wurden Frauen dagegen eher als eine gewissermaßen bloß andere Variante des Mann-Seins betrachtet. Deshalb wird in den Sozial- und Geschichtswissenschaften der letzten 15 Jahre von der Institution eines »Ein-Geschlechtmodells« in vorbürgerlichen Zeiten ausgegangen. So sah man etwa in der Vagina einen nach innen gestülpten Penis (vgl. Laqueur 1996). Obwohl Frauen auch damals als minderwertig galten, hatten sie über informelle Wege noch viele Möglichkeiten Einfluss zu nehmen, solange sich eine moderne Öffentlichkeit im großen Maßstab noch nicht herausgebildet hatte. Der Mann hatte in vor- und frühmodernen Gesellschaften eher eine symbolische Vorrangstellung. Frauen wurden noch nicht ausschließlich als Hausfrau und Mutter definiert, wie dies ab dem 18. Jahrhundert der Fall war. Der weibliche Beitrag zur materiellen Reproduktion wurde in agrarischen Gesellschaften ähnlich wichtig erachtet wie der des Mannes (vgl. Heintz/Honegger 1981). War das moderne Geschlechterverhältnis mit den entsprechenden polaren Geschlechterzuweisungen zunächst auf das Bürgertum beschränkt, so breitete es sich mit der Verallgemeinerung der Kleinfamilie allmählich auf alle Schichten und Klassen aus mit einem letzten Schub der fordistischen Entwicklung in der 1950er Jahren.

10.

Die Wert-Abspaltung ist somit keine starre Struktur, wie sie bei manchen soziologischen Strukturmodellen anzutreffen ist, sondern ein Prozess. Sie ist also nicht als statisch und als immer dieselbe zu begreifen. In der Postmoderne zeigt sie wiederum ein neues Gesicht. Frauen gelten nun als »doppelt vergesellschaftet« (Regina Becker-Schmidt), das heißt, sie sind für Familie und Beruf gleichermaßen zuständig, auch in biographischer Versetzung. Das neue daran ist jedoch nicht dieses Faktum – ein großer Teil von Frauen war auch früher schon irgendwie berufstätig –, sondern dass diese Tatsache im Zuge der Veränderungen in den letzten Jahrzehnten und die damit einhergehenden strukturellen Widersprüche nun ins Bewusstsein treten.

Dabei muss, wie schon angedeutet, prinzipiell von einer Dialektik zwischen Individuum und Gesellschaft ausgegangen werden: Die Individuen gehen einerseits niemals in den objektiven Strukturen und den Kulturmustern auf, andererseits wäre jedoch auch die Annahme verfehlt, dass diese Strukturen und Muster ihnen bloß äußerlich gegenüberstehen; so geraten die Widersprüche der »doppelten Vergesellschaftung« mit einer Differenzierung der Frauenrolle im Zuge von Individualisierungstendenzen in der Postmoderne erst voll ins Blickfeld. Gegenwärtige Diskursanalysen von Filmen, Werbung, Romanen usw. ergeben, dass Frauen schon lange nicht mehr primär als Hausfrau und Mutter gesehen werden.

Deshalb ist es übrigens nicht nur müßig, sondern höchst fragwürdig, wenn Queer-Bewegungen, deren klassische Bezugstheoretikerin Judith Butler ist, den modernen Geschlechterdualismus dekonstruieren zu müssen glauben. Sie sehen in der internen Subversion des bürgerlichen Geschlechterdualismus durch wiederholende, parodistische Praktiken, wie sie in schwulen und lesbischen Subkulturen anzutreffen sind, eine Möglichkeit, die moderne Geschlechtsidentität radikal unglaubwürdig zu machen (vgl. Butler 1991). Das Problem dabei ist jedoch, dass hier karikierend unglaubwürdig gemacht werden soll, was im kapitalistischen Sinne selber schon obsolet ist. Es haben längst »Realdekonstruktionen« stattgefunden, ablesbar etwa an der »doppelten Vergesellschaftung« von Frauen, aber auch an der Kleidung, dem Habitus von Männern und Frauen etc., ohne, dass die Geschlechterhierarchie deswegen prinzipiell verschwunden wäre. Anstatt die klassisch modernen und die modifizierten bzw. flexibilisierten postmodernen Geschlechtervorstellungen in Frage zu stellen, affirmiert Butler aber so bloß die schlechte postmoderne (Geschlechter-) Realität. Das kulturalistische Konzept von Butler gibt so keine Antwort auf aktuelle Fragen, vielmehr wird das eigentliche Problem des hierarchischen Geschlechterverhältnisses in der Postmoderne, das sich nicht zuletzt in der (pseudo-)zwittrigen Frau zeigt, im Grunde mit progressiver Attitüde als Lösung kredenzt.

Mittlerweile wird versucht, Queer-Theory durch eine materielle Perspektive anzureichern, insbesondere im Sinne einer Care-Dimension. Dies hilft meines Erachtens allerdings nicht weiter. Es geht nicht darum, beide Ansätze scheinbar unkompliziert zusammenzuwerfen; vielmehr muss die gesamte Analyse auf ein neues Fundament, nämlich das der Wert-Abspaltungstheorie, gestellt werden, die auch eine Kritik der heute sogenannten Heteronormativität erlaubt und in diesem Kontext Queer jedoch gleichzeitig auch als kapitalismuskonforme immanente Widerspruchsbearbeitung dechiffriert. Manchmal hat man den Eindruck, dass in entsprechenden Kreisen Transgender-Identitäten fast schon zum »neuen Menschen« verklärt werden. Zu vermuten ist jedoch, dass das mit ebensolchen Identitäten und den entsprechenden Diskriminierungen wenig zu tun hat, sondern mit den Interessen einer sich neu orientierten Hetero-Dominanzkultur selbst.

11.

Entscheidend bei der Bestimmung des postmodernen Geschlechterverhältnisses ist es nun, auf einer Dialektik zwischen Wesen und Erscheinung zu bestehen. Das heißt, Veränderungen des Geschlechterverhältnisses müssen selbst aus Mechanismen und Strukturen der Wert-Abspaltung verstanden werden, die als Formprinzip alle gesellschaftlichen Ebenen bestimmt. Dabei untergraben vor allem die Produktivkraftentwicklung und die Marktdynamik, die eben selbst auf der Wert-Abspaltung in diesem Sinne beruhen, ihre eigene Voraussetzung, indem sie bewirken, dass Frauen sich ein gutes Stück von ihrer traditionellen Rolle entfernen. So wurden seit den 1950er Jahren immer mehr Frauen in den Bereich der abstrakten Arbeit, in den Erwerbsprozess eingebunden, u. a. bedingt durch Rationalisierungsprozesse im Haushalt, die Möglichkeit der Empfängnisverhütung, das bildungsmäßige Gleichziehen mit den Männern, die Auch-Berufstätigkeit von Müttern u. ä., wie vor allem Ulrich Beck gezeigt hat (vgl. Beck 1986, 174 ff.). Insofern hat freilich auch die »doppelte Vergesellschaftung« von Frauen eine neue Qualität angenommen.

Obwohl nun Frauen zu einem Gutteil in die »offizielle« Gesellschaft integriert worden sind, bleiben sie dennoch immer noch für Haushalt und Kinder zuständig, müssen sie mehr kämpfen als Männer, um in die oberen Etagen zu gelangen, verdienen sie im Durchschnitt weiterhin weniger als Männer usw. Die Wert-Abspaltungsstruktur hat sich somit gewandelt, ist aber prinzipiell gesehen noch durchaus vorhanden. In diesem Zusammenhang spricht einiges dafür, dass wir vermutlich wieder auf ein »Ein-Geschlechtmodell« zugehen mit dem Inhalt: Frauen sind Männer, bloß anders. Ein Modell, das allerdings durch den klassisch-modernen Wert-Abspaltungsprozess hindurch gegangen ist; es hat somit ein anderes Gesicht als in vormodernen Zeiten (vgl. u. a. Hauser 1996).

Die alten bürgerlichen Geschlechterverhältnisse sind dem »Turbokapitalismus« mit seiner rigorosen Flexibilitätsanforderung nicht mehr angemessen; es kommt zu einer Ausbildung von Zwangs-Flexi-Identitäten, die sich aber immer noch geschlechtsspezifisch jeweils anders darstellen (vgl. Schultz 1994, vgl. auch Wichterich 1998). Das alte Frauenbild ist obsolet, die »doppelt vergesellschaftete« Frau steht auf der Tagesordnung. Mehr noch: Neuere Analysen zum Thema »Globalisierung und Geschlechterverhältnisse« legen die Schlussfolgerung nahe, dass nach einer Zeit, in der es so scheinen konnte (oder auch tatsächlich so war), als hätten sich Frauen systemimmanent immer mehr Freiräume ergattert, es im Zuge von Globalisierungstendenzen gleichzeitig zu einer Verwilderung des Patriarchats kommt. Dabei müssen freilich auch hier die verschiedenen gesellschaftlich-kulturellen Kontexte in verschiedenen Weltregionen berücksichtigt werden. Genauso muss die unterschiedliche Situiertheit von Frauen grundsätzlich berücksichtigt werden, wenn eine Logik von Gewinnen und Verlieren triumphiert, die demnächst noch die Gewinner, im Zuge eines Absturzes der Mittelklasse, zu verschlingen droht (vgl. Kurz 2005). So können sich etwa in Deutschland gutsituierte (Karriere-)Frauen meist schlecht bezahlte Migrantinnen aus dem Ostblock als »Dienstbotinnen« und Pflegepersonen leisten. Auf diese Weise findet eine Umverteilung der Pflege- und Sorgearbeiten innerhalb von weiblichen Lebenswelten statt.

Für einen großen Teil der Bevölkerung meint »Verwilderung des Patriarchats« jedoch auch in Europa, dass verstärkt Tendenzen sichtbar werden, wie wir sie zumindest zum Teil aus den (»Schwarzen«-)Ghettos der USA oder den Slums in sogenannten Drittweltländern kennen: Frauen sind für Geld und Überleben gleichermaßen zuständig. Sie werden zunehmend in den Weltmarkt integriert, ohne eine Chance zur eigenen Existenzsicherung zu bekommen. Sie ziehen die Kinder unter Heranziehung von weiblichen Verwandten und Nachbarinnen auf (auch hier findet eine weiblichkeitsinterne Verteilung der Sorgearbeiten statt). Die Männer kommen und gehen, hangeln sich von Job zu Job und von Frau zu Frau, die sie womöglich noch miternährt. Der Mann hat durch das Prekärwerden der Beschäftigungsverhältnisse, verbunden mit der Erosion der traditionellen Familienstruktur, nicht mehr die Rolle des Familienernährers inne (vgl. Schultz 1994). Die soziale Atomisierung und Individualisierung schreitet vor dem Hintergrund ungesicherter Existenzformen und bei einer zunehmend schlechter werdenden allgemeinen ökonomischen Lage immer weiter voran, ohne dass die Geschlechterhierarchie beim Rückzug des Sozialstaats und den Zwangsmaßnahmen der Krisenverwaltung prinzipiell verschwindet.

Die Wert-Abspaltung als gesellschaftliches Formprinzip löst sich gewissermaßen bloß aus den starren institutionellen Halterungen der Moderne (vor allem Familie und Arbeit). Das warenproduzierende Patriarchat verwildert so nur, ohne, dass das Verhältnis von Wert bzw. abstrakter Arbeit und abgespaltenen Momenten der Reproduktion, überwunden wäre. Dabei ist zu konstatieren, dass vor allem auch auf den verschiedensten Ebenen das Ausmaß männlicher Gewalt wächst. Es kommt gleichzeitig auch zu Veränderungen in der psychischen Befindlichkeit von Frauen. In der Postmoderne bildet sich ein »gleichgeschlechtlicher Gefühlscode« heraus, der dem alten Code der Männer entspricht, wie Kornelia Hauser, im Anschluss an Arlie Hochschild, konstatiert (allerdings im Kontext optimistischerer Einschätzungen als der meinen, vgl. Hauser 1996). Dennoch müssen auch hier noch alte Affektstrukturen nachwirken, käme es doch andernfalls nicht weiterhin dazu, dass Frauen abgespaltene Reproduktionstätigkeiten noch in postmodernen »Ein-Geschlecht-Verhältnissen« übernehmen.

Zwar klagt der Turbokapitalismus wie gesagt geschlechtsspezifische Flexi-Zwangsidentitäten ein. Andererseits kann nicht davon ausgegangen werden, dass das entsprechende postmoderne Geschlechter-Modell der »doppelt vergesellschafteten« Frauen im gegenwärtigen Krisenkapitalismus die soziale Reproduktion dauerhaft stabilisieren kann, dreht er selbst doch zunehmend durch und schlägt im »Kollaps der Modernisierung« (Kurz 1991) von Rationalität in Irrationalität um. Die »doppelte Vergesellschaftung« der individualisierten Frauen ist unter diesem Aspekt dennoch auf paradoxe Weise im Sinne einer Funktionalität für das warenproduzierende Patriarchat im Verfall zu sehen. So werden zum Beispiel krisenverwalterische Selbsthilfegruppen in der sogenannten Dritten Welt vor allem von Frauen getragen, wobei gesagt werden muss, dass Reproduktionstätigkeiten generell in Zeiten der Just-in-time-Orientierung noch mehr ins Hintertreffen geraten als bisher. Sie werden gewissermaßen als Müll vor allem den doppelt belasteten Frauen zugewiesen. Überhaupt wird Frauen heute die Rolle von Krisenmanagerinnen zugewiesen. Sie sollen nun als »Putz- und Entseuchungsmittel« (Christina Türmer-Rohr) herhalten, wenn der Karren im Dreck steckt. Noch der Schrei nach der Quote in Führungspositionen (der seit 2008 besonders laut ertönt) ist in diesem Kontext zu sehen. Falsch wäre es meines Erachtens hierin eine Tendenz zur weiteren Emanzipation zu erblicken; vielmehr handelt es sich dabei um eine Art invertiertem Sexismus.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen könnte man dann auch diskutieren, welche weiteren theoretischen und praktischen Konsequenzen gezogen werden müssen, um aus den Dilemmata der Wert-Abspaltungsvergesellschaftung hinauszukommen, die heute zunehmend Mensch und Natur auf ein »Minimum« setzt und der im Sinne altlinker oder keynesianischer Reformprogramme ebenso wenig beizukommen ist, wie mit heute sehr beliebten Konzepten einer solidarischen Ökonomie im bloßen Gemeinschaftskontext.

Literatur

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