Bar Bibel - Cihan Anadologlu - E-Book

Bar Bibel E-Book

Cihan Anadologlu

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Beschreibung

Für alle, die mehr zum Thema Drinks und Cocktails wissen und sich dabei mit höchster Expertise unterhalten lassen möchten. Einer der besten Bartender und Barbesitzer der Welt, Cihan Anadologlu, entführt den Leser in die Welt der Bar: Neben 200 Cocktailklassikern verrät er seine 50 besten Eigenkreationen und hat seine Freunde der internationalen Barszene eingeladen, ihre angesagtesten Top-Drinks als Gastbeiträger zu teilen. Darüber hinaus widmet er sich dem wichtigen Thema des Drinks- & Foodpairings. Abgerundet durch eine nützliche Warenkunde und mit praktischen Hinweisen zum nötigen Equipment für Einsteiger und für Profis und die unverzichtbaren Techniken des Mixens wird die Bar Bibel zu einem Muss für alle Liebhaber echter Drinks und Cocktails!

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EPUB

Seitenzahl: 171

Veröffentlichungsjahr: 2017

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B A R  B I B E L
C I H A N A N A D O L O G L U
B A R  B I B E L
C I H A N  A N A D O L O G L U
F O T O S  V O N  D A N I E L  E S S W E I N
CALLWEY
Vorworte
6
Das »Hearthouse« und die Bar »Circle«
8
Die Geschichte des Cocktails
12
Cocktails, Longdrinks & Spirituosen
around the clock
16
Die 200 besten Drinks der Welt
18
Cihans 50 beste Eigenkreationen
64
9 Kreationen internationaler
Bartender
166
FOOD & COCKTAIL-PAIRINGS
186
SÄFTE, SIRUPS & ESPUMAS
220
AUSSTATTUNG
224
TECHNIKEN AN DER BAR
230
Service
234
Baradressen, Bezugsquellen,
Literaturempfehlungen
Register
237
Impressum
240
Inhalt
aus der Flasche ins Glas schießt – allerdings
ohne den üblichen Ausgießaufsatz. Auch ohne
Messbecher. Und jeder Barkeeper tat seinen
Job mit einer Haltung wahrer Bescheidenheit
und echter Neugier. Das imponierte mir un-
endlich.
Cihan hatte damals in der Branche schon ei-
nen großen Einfluss, er war Berater und teilte
sein Fachwissen mit Menschen auf der ganzen
Welt. Er gehört zu der neuen Generation deut-
scher und europäischer Barkeeper, die nicht
nur einwandfreie Cocktails mixen, sondern uns
außerdem in Erinnerung rufen, dass Klasse und
Bescheidenheit wesentliche Elemente ech-
ter Gastfreundschaft sind. In seiner Bar
»Circle« in München entwickelt Cihan zeit-
genössische und klassische Cocktails bis zur
Perfektion weiter und bietet den Gästen so
unvergessliche Erlebnisse.
Ich bin sicher, dass Cocktail-Fans und Pro-
fi-Barkeeper gleichermaßen sein Cocktail-
buch schätzen werden. Cihans einzigartige
Mixtechniken und seine Grundhaltung ma-
chen sogar die einfachsten Kreationen zu flüs-
sigen Kostbarkeiten. Ich kann es kaum erwar-
ten, mein Exemplar in den Händen zu halten
und endlich einige seiner faszinierenden Er-
findungen selbst auszuprobieren.
DUSHAN ZARIĆ
Mitbegründer »Employees Only NYC«
www.employeesonlynyc.com
6
VORWORT VON DUSHAN ZARIC
Vorwort von
Dushan Zaric
um
ersten
Mal
begegnete
ich
Cihan
eines
Abends
bei
uns
im
»Employees
Only«
in
New
York.
Ich hatte vorher schon von ihm gehört.
Klar
horcht
man
auf,
wenn
einem
die
Barkeeper-Kollegen
erzählen,
dass
letzte
Nacht der Typ aus der Münchener »Schu-
mann’s Bar« zu Besuch da war.
Cihan entpuppte sich als unglaublich nett
und
respektvoll,
als
wahrer
Meister
der
europäischen Barkeeper-Tradition. Jemand,
der von Natur aus tonnenweise Charisma be-
sitzt, aber zu taktvoll und zu bescheiden ist,
um damit hausieren zu gehen. Jemand, bei
dem die Menschen, die ihn ihren Freund nen-
nen dürfen (ich eingeschlossen), sich glücklich
schätzen können.
Als wir uns an diesem Abend kennenlern-
ten, hatten wir beide eine Menge Fragen. Ich
wollte alles über das »Schumann’s« erfahren,
und er löcherte mich über das »EO«. Damals
freundeten wir uns an; er und manche seiner
Barkeeper-Kollegen
kamen
immer
wieder
nach New York, und unser Bar-Team statte-
te dem »Schumann’s« Gegenbesuche ab. Wir
wurden quasi Bruder- und Schwester-Bars.
Bei einem dieser Besuche bat man mich, gast-
weise im »Schumann’s« Drinks zu mixen. Ich
war gespannt darauf und fühlte mich wirklich
geehrt, dass sie mich da ranließen; schließ-
lich wusste ich, wie präzise sie arbeiteten
und wie viel sie zu tun hatten. In jener Nacht
stand ich mit Cihan und seinem Team hinter
der Bar. Mich beeindruckte die Leichtigkeit,
mit der der Service ablief, außerordentlich:
Ohne Pause wurden Bestellungen angenom-
men, Drinks gezaubert und Essen serviert.
Ich sah, wie Cihan seine Cocktails zuberei-
tete, während er sich locker mit mehreren
Gästen unterhielt, die an der Bar saßen. Im
»Schumann’s” arbeitete man mit der Tech-
nik des Freepouring, des freien Ausgießens,
bei dem das Getränk in einem langen Strahl
Z
tet hatte. Ein paar meiner Ideen habe ich de-
finitiv dort geklaut.
Am Abend hielten wir in der Bar unsere Ver-
anstaltung ab, und beim Kaffeetrinken zeigte
mir Cihan die Getränkekarte. Normalerweise
standen auf den Tischen schlichte Getränke-
karten mit fünf Drinks, aber für diesen Abend
hatte er keine Mühen gescheut und eine loka-
le Künstlerin engagiert, die eine umwerfende
dreidimensionale Pop-up-Speisekarte kreierte.
Cihan verkörpert eine neue Generation des
modernen Bartenders. Er hat klein angefan-
gen, immer hart gearbeitet und nie seine Träu-
me aufgegeben. Nichts und niemand kann ihn
davon abhalten, immer ein bisschen mehr zu
leisten, als man erwartet. Er hat allen gezeigt,
dass man mit positiver Energie, wahrhafter
Leidenschaft und ansteckendem Enthusias-
mus zwar vielleicht nicht die Welt verändert,
aber sein eigenes Leben bereichern und den
Menschen um sich herum den Tag verschö-
nern kann. Genau diese Eigenschaften zeich-
nen jeden großen Bartender aus.
Wenn Ihnen Cihan nächstes Mal einen Drink,
ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee anbie-
tet, nehmen Sie an – es gibt dazu immer ir-
gendeine Kleinigkeit, die Ihnen ein Lächeln ins
Gesicht zaubert.
ALEX KRATENA
Founder
www.alexkratena.com
www.pourdrink.org
7
VORWORT VON ALEX KRATENA
Vorwort von
Alex Kratena
Kaffee, verschwand Cihan kurz im Gemein-
schaftsraum. Er kam zurück, reichte mir einen
Schlips und eine Jacke und sagte: Das ziehst
du heute an.
Ich konnte es nicht fassen – die Jungs hatten
mir für die Schicht eine Jacke anfertigen und
mit meinem Namen besticken lassen. In der
Nacht herrschte Trubel, eine Menge Leute
kamen, und ich war natürlich am Kämpfen,
schließlich hatte ich hier noch nie gearbeitet
und Mühe, mich zurechtzufinden. Aber je-
desmal, wenn ich nach rechts schaute, stand
Cihan da, und statt auszuflippen, versprühte
er einfach unendlich viel positive Energie.
Ein paar Jahre später war ich wieder mal in der
Stadt und weil Cihan wusste, dass ich kommen
wollte, bestand er darauf, mich abzuholen. Als
ich im Flughafen durch die Glastür ging, war
er da, mit strahlendem Lächeln und trotz des
späten Feierabends gut gelaunt und unglaub-
lich liebenswürdig. Er hatte seinen Dienstplan
geändert und war extra bis zum Flughafen
rausgefahren, um mit mir Kaffee zu trinken,
zu reden und mich in die Stadt mitzunehmen.
Wir gingen ins Parkhaus, und ich war beein-
druckt: Der Mann fuhr einen absolut fantas-
tischen Wagen. In London nehme ich immer
das Fahrrad, deswegen konnte ich mir einen
Kommentar nicht verkneifen.
Aber Cihan hatte nicht vor, mit seinem coo-
len Auto anzugeben, er wollte sich bei einer
Tasse Kaffee mit mir unterhalten. Er sagte, er
bekomme alle paar Monate ein anderes Auto
gestellt, weil er Markenbotschafter sei.
Letztes Jahr gab ich in Deutschland mehrere
Kurse und brauchte einen Veranstaltungsort.
Wen rufe ich also an? Natürlich Cihan! Ich
wusste, er wollte eine neue Bar eröffnen, und
brannte schon darauf, sie anzuschauen. Als ich
den Raum betrat, war ich fasziniert, nicht nur
vom Konzept, den Drinks und der schicken
Ausstattung, sondern vor allem von den vielen
winzigen Details, auf die dieser Mann geach-
s war ein typischer Dienstag- oder
Mittwochabend – so normal, dass
ich mich nicht mal an den genauen
Wochentag erinnere. In der Bar war viel los,
aber es passierte nichts Überraschendes. Als
es ruhiger wurde, ging ich nach hinten, um
einen Kaffee zu trinken und meine Mails zu
checken.
Während ich mit meinem Espresso dasaß,
las ich eine Nachricht mit dem Angebot, in
Deutschland als Gastbarkeeper zu arbeiten.
Ich traute meinen Augen kaum: Es ging um
das »Schumann’s« – wow!
Cihan hatte ich vorher schon ein paarmal ge-
troffen; aber jetzt sollten wir zum ersten Mal
zusammen hinter der Bar stehen. Als ich an-
kam, wurde ich gleich von ihm empfangen. Er
führte mich herum, stellte alle im Team vor –
alles unter Kontrolle, alles vorbereitet – und
ging dann mit mir essen.
Am nächsten Tag, wir machten uns gerade
fertig, und ich trank noch einen schnellen
E
Das »Hearthouse«
und die Bar »Circle«
9
DAS »HEARTHOUSE« UND DIE BAR »CIRCLE«
ls Bartender ist man Handwerker:
Wir kreieren und garnieren unsere
Cocktails und erfinden uns dabei
jeden Tag neu. Genau das mache ich auch in
meiner Bar »Circle by Cihan Aanadologlu«,
die sich im ersten Stock des Hearthouse,
Münchens erstem Private Member Club, be-
findet. Nur Member und deren Gäste kön-
nen in meine Bar und meine einzigartigen
Cocktail-Interpretationen kosten. Von der
Cocktail-Geschichte über das »Hearthouse«
und meine Bar bis zu ausgewählten Cocktail-
Rezepten: It’s Cocktail time!
CIHAN ANADOLOGLU
Meine Leidenschaft? Bartending! Meine ers-
ten Schritte in die Barwelt machte ich bereits
in meiner Jugend in New York City. Nach er-
folgreichen Jahren in den besten Koch- und
Hotelfachschulen der Welt war es an der Zeit,
mich in die Arbeitswelt zu integrieren, um »on
the job« noch mehr dazuzulernen.
Bald folgten die Höhepunkte meiner Karriere,
wie meine Zeit als Chefbarkeeper in der welt-
berühmten »Schumann’s Bar« in München
oder meine Zusammenarbeit mit ausgewähl-
ten Michelin-Sterneköchen, die mich stets
zu neuen Ideen inspiriert haben. Als Experte
auf meinem Gebiet habe ich zahlreiche Bars
und Restaurants rund um den Globus eröff-
net, lebte in Metropolen wie New York, Hong-
kong, London und München. Ich beschäftige
mich auch mit journalistischen Aktivitäten für
verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.
Mittlerweile bin ich ein international renom-
mierter Bartender, Berater der Lebensmittel-
und Getränkeindustrie, Autor und Miteigen-
tümer der Bar »Circle by Cihan Anadologlu«
in München und teile regelmäßig als Gastbar-
tender mein Know-how in aller Welt.
Eine meiner größten Leistungen ist die Aus-
zeichnung »Bacardi Grey Goose Global Finals«.
Ich erhielt die Ehre, meinen eigenen Cocktail
für die Oscars 2014 zu kreieren. 2014 bekam
ich in New Orleans bei den »Tales of the Cock-
tail« als Barchef erneut einen Award: »Best In-
ternational High Volume Cocktail Bar«.
Und tatsächlich habe ich auf meinem Weg
den perfekten Partner gefunden, um meinen
Traum zu verwirklichen: das »Hearthouse« in
Das »Hearthouse« in München versteht sich als ein Ort der Begegnung
im Herzen der Stadt, eine Plattform für Networking und kreativen Austausch.
Gesellschaftsübergreifend und innovativ für Member und deren Gäste,
die Exklusivität, Privatsphäre, Qualität, aber auch Ausschweifungen lieben –
eine einmalige Kombination von unterschiedlichsten Angeboten an
einem Ort zur selben Zeit.
München. In Zusammenarbeit entstand die
Bar »Circle« im ersten Stock.
DAS HEARTHOUSE
2016 eröffneten wir Münchens ersten Pri-
vate Member Club im Herzen der Stadt.
Unsere Member sollen hier nicht nur Ex-
klusivität finden, sondern Inspiration erfah-
ren und Begegnungen wagen. Das »Heart-
house« umfasst zwei Restaurants, zwei Bars,
einen Nachtclub, ein Separee, ein Wohnzim-
mer, Business- und Meeting-Räume sowie
Event-Flächen und bietet ein kulturelles
Programm, dessen Akteure DJanes, Star-
barkeeper, Schauspieler und Schriftsteller
»Es hinterlässt bei den
Gastgebern nur selten einen
guten Eindruck, wenn der
Gast plötzlich bewusstlos
zu Boden sackt.«
Anthony Bourdain
A
10
sind: von Film-Screenings und Live-Musik
über gemütliche Fußball abende, Performan-
ces, Lesungen und Cocktail-Sessions bis hin
zu Vernissagen.
Auch meine eigene Bar »Circle« hat hier ih-
ren festen Platz gefunden: Die japanisch in-
spirierte Ausstattung ist ein einmaliger Hö-
hepunkt der Münchener Barkultur. Eigens
hergestellte Essenzen und Liköre sowie eine
einzigartige
Spirituosen-Auswahl
ergänzen
das Cocktail-Portfolio, das sich thematisch an
den vier Jahreszeiten orientiert. Zudem wur-
de das »Circle« als »Most innovative Bar« mit
dem Fizzz Award ausgezeichnet, von Drinks
International in »World’s Top 100 Cock-
tail Bars« gelistet und bei den Mixology Bar
Awards 2017 als »Beste europäische Bar« so-
wie »Neue Bar des Jahres« nominiert.
... DAS »CIRCLE« UND
MEINE PHILOSOPHIE ÜBER
DAS BARTENDING
»Ich bin 91 Jahre alt und weiß immer noch
nicht, wie man richtig und perfekt Sushi zu-
bereitet« – so die Worte eines alten Sushi-
Meisters in Tokio. Das brachte mich zum
Nachdenken: Demut und Bescheidenheit
sind die Grundlage eines zufriedenen Le-
bens. Die Liebe zum Beruf, der Drang zum
Perfektionismus, die innere Zufriedenheit,
wenn Gäste glücklich deine Bar verlassen,
haben mich dazu veranlasst, für meinen Beruf
zu »leben«.
Ich sehe meinen Beruf nicht als »Gastro« oder
»Nachtarbeit« an, auch wenn viele diese Aus-
drücke dafür benutzen. Es ist vielmehr die Lie-
be dazu, jeden Gast glücklich nach Hause ge-
hen zu lassen. Offenheit und Ehrlichkeit sich
selbst und dem Gast gegenüber sind ebenso
feste Bestandteile der Gastfreundschaft und
die Grundlage jeden Erfolgs.
Was machst du eigentlich hauptberuflich?
Diese Frage höre ich oft. Bartending ist für
mich nicht einfach Cocktailmixen, Drinks aus -
schenken oder etwas, das man nebenbei zu
Uni-Zeiten »auch mal gemacht« hat. »Barten-
der zu sein, ist keine einfache Sache, es ist kei-
ne Frage des Könnens, sondern eine Frage des
Charakters«, so der leider kürzlich verstorbe-
ne Bartender Sasha Petraske, und er trifft es
damit auf den Punkt:
Wir sind keine Mixologen, auch wenn der
Ausdruck heutzutage sehr gern benutzt wird;
ich lehne diesen Ausdruck für unseren Beruf
vehement ab! Auch Künstler sind wir nicht,
Die DNA-Freunde und »Hearthouse«-Betreiber Daniel,
Ayhan, Cihan (Betreiber »Circle«), Nikias
»Wenn man sich für einen
Beruf entschieden hat, sollte
man alles daransetzen, um
seiner Arbeit zu verfallen und
sie zu lieben. Beschwere
dich niemals über deine Arbeit.
Das ist das Geheimnis des
Erfolgs und der Schlüssel dazu,
gelobt zu werden und seinen
Beruf ehrenvoll auszuüben.«
Jiro Ono
DAS »HEARTHOUSE« UND DIE BAR »CIRCLE«
11
nur weil wir unsere Cocktails garnieren. Das
wäre übertrieben. Kein Sternekoch nennt sich
Künstler – sondern Koch –, und genau das sind
wir ebenso: Bartender.
Wir sind Handwerker – das beschreibt un-
seren Beruf am ehesten. Wir kennen unsere
Stammgäste und halten uns immer im Hin-
tergrund. Wir wissen, wann jemand genug hat
und lassen es gar nicht erst soweit kommen.
Wir wissen, was unsere Gäste gern trinken und
können uns schon im Vorfeld Gedanken über
die Cocktails und Drinks machen. Wir sind
nicht der Star des Abends und sollten es auch
nie sein. Kurzum: Wir kennen unsere Gäste
und haben stets ein Gespür für sie und ihre
Wünsche.
Der Beruf des Bartenders ist einzigartig, er
erfordert auch einige Opfer, doch die Leiden-
schaft, die man dafür mitbringt, macht dies
ziemlich schnell wieder wett! Jeden Tag lerne
ich dazu, jeder Tag ist neu und voller Ereignis-
se und jeden Tag erfinde ich mich neu!
CREATIVITY, PERFECTION, CURIOSITY,
TRADITION,
EXPERIENCE,
KNOW-
LEDGE, PURISM, HUMILITY, SERENITY,
SURPRISE, ENTERTAINMENT, PROVO-
CATION sind die Eigenschaften, die sich im-
mer in meinem Schaffen finden.
Was soll ich noch sagen? Ich liebe es einfach!
Die japanische Craft-Cocktailbar »Circle by Cihan
Anadologlu« im ersten Stock des »Hearthouse«.
DAS »HEARTHOUSE« UND DIE BAR »CIRCLE«
Die Geschichte
des Cocktails
13
DIE GESCHICHTE DES COCKTAILS
un, es gibt viele weitere Geschich-
ten, die sich um das Wort »Cock-
tail« und den Ort seiner Entstehung
ranken …
Sie kennen sicher die Hahnenkampf-Varian-
te? Einwanderer aus Mexiko und Südamerika
haben ihre Hähne kämpfen lassen, den Hah-
nenschwanz des unterlegenen Hahnes dem
Gewinner gewidmet und dabei den Sieger mit
»on the Cocks Tail« gerühmt und dabei ge-
trunken. Könnte gut möglich sein, dass auch
das Wort »Cocktail« hierbei eine Rolle gespielt
haben kann – ist aber eher unwahrscheinlich.
Auch das französische Wort »coquetier« soll
in die Geschichte des Cocktails involviert sein:
Aus einem »coquetier« (dt. Eierbecher) hat
man früher seinen Drink getrunken.
Um es kurz zu halten: Keiner kann wirklich
behaupten, zu wissen, wo der Cocktail seinen
Ursprung hat. Doch steht seit den neuesten
Recherchen und Gesprächen mit Historikern
fest: Cocktails haben ursprünglich etwas mit
Pferden zu tun.
Um die Gesundheit eines Pferdes festzu-
stellen, steckte man früher dem Pferd einen
mit Ingwer eingeriebenen Stock in den Af-
ter. Sofort öffnete der Gaul das Maul und
die Zähne traten hervor, sodass er vor einem
Verkauf begutachtet werden konnte. »On the
Cocks Tail« wurde darauf getrunken, wenn der
Handel zustande kam und gebührend gefei-
ert wurde. Dies ist die letzte, wichtigste und
wahrscheinlich eheste Version des Ursprungs
des Begriffs »Cocktail«, den Historiker noch
vor allen anderen Theorien bewiesen haben.
Der Cocktail ist per definitionem eigentlich
eine Untergruppe der Misch- und Mixgeträn-
ke – so wie Juleps, Slings und Toddies. Leider
verbindet man damit bis heute einen Oberbe-
griff für alle Mischgetränke.
Als der Cocktail Mitte des 19. Jahrhunderts
weltweit bekannt wurde, bekam der Beruf des
Bartenders immer mehr Beachtung und wurde
durch geschicktes Entertainment auch lukra-
tiv. Immer mehr Leute fingen an, »Cocktails«
zu trinken, die ursprünglich als morgendliche
Medizin vorgesehen waren.
In den letzten 15 Jahren des 19. Jahrhunderts
wurde die Bar ein Treffpunkt für alle. Das Wort
»Bar« leitet sich übrigens von »Barriere« ab,
die den Bartender vom Gast trennen sollte.
Ein Mindestalter für das Trinken gab es damals
nicht, wer über die Barriere schauen konnte,
durfte trinken. Frauen war es nicht erlaubt,
die »Bar« zu betreten – sie wurden nur zum
Zweck der »Unterhaltung« zugelassen.
Einer der bekanntesten Bartender zu seiner
Zeit und Autor des ersten Cocktail-Buches
war Jerry Thomas. Sein Klassiker
How to Mix
Drinks – The Bonvivant’s Companion
erschien
im Jahre 1862. Er verdeutlichte hier die ver-
schiedenen Getränkekategorien und ebenso
die Gruppe des Cocktails. Nun fingen im-
mer mehr Bartender an, Cocktail-Bücher zu
schreiben, die in der heutigen Zeit sehr schwer
Der erste bekannte Cocktail war
ein Gemisch aus Gerste, Weinsäure,
Honig und Apfelsaft, das in einem
circa 5000 Jahre alten Tongefäß am
Ufer des Tigris zwischen Iran und
Irak gefunden wurde.
1803 kam das Wort »Cocktail« zum ersten Mal in der Zeitung
Farmer's Cabinet
vor. Drei Jahre später wurde im
Balance & Columbian Repository
be-
schrieben, dass der sogenannte »Bittered Sling« der Name eines Cocktails
sei. Auf die Antwort eines Leserbriefes schrieb Harry Croswell die
Definition des Wortes nieder: »Cock Tail then, is a stimulating liquor,
composed of spirits of any kind, sugar, water and bitters, it is
vulgary called a bittered sling.«
N
14
DIE GESCHICHTE DES COCKTAILS
auffindbar sind, aber die Grundlage unseres
Berufes darlegen. Dies war der Grundstein
der Cocktailgeschichte.
Mit der Destillierung mehrerer Spirituosen
und Exporten von Alkoholika in alle Welt wur-
den die Klassiker erfunden und gemixt. Die
Rezepturen von damals sind nicht wirklich ge-
nießbar, und die Mengenangaben mussten erst
recherchiert werden, um den Cocktail an sich
zu verstehen. Nun, ab Beginn des 20. Jahr-
hunderts, wurde der Cocktail immer populärer,
und immer mehr Menschen tranken ihn.
Dies führte von 1919 bis 1933 zur Prohibition.
Das 14 Jahre währende Alkoholverbot ver-
änderte die Cocktail- und Barkultur grund-
legend. Sogenannte »Speakeasy Bars« etab-
lierten sich überall in den USA, genossen sie
doch den Ruf, geheim zu sein und nicht jedem
Eintritt zu gewähren. Die bekannteste waren
der »21 Club« in Manhattan sowie der »Green
Mile Club« in Chicago. Ebenso kamen die so-
»Viele Cocktails und deren
geschichtliche Hintergünde zu
kennen, ist unglaublich wichtig
und für einen Bartender nur
von Vorteil.«
Es musste nicht immer Paris oder London sein: Um
1935 gab es auch in Berlin eine ausgesprochen etab-
lierte Barkultur wie hier im Majestic Hotel.
genannten »Bootlegged Cocktails« auf, die in
Flachmännern unter der Kleidung getragen
wurden.
Geheime
Destillerien
verdienten
sich eine goldene Nase damit, Alkohol herzu-
stellen, wurden immer wieder von der Polizei
»ausgehoben« und der Alkohol wurde vernich-
tet. Eine Legende in der damaligen Szene war
Al Capone, der durch den Schmuggel von Al-
kohol reich wurde. 1933 endete die Prohibiti-
on, und Franklin D. Roosevelt – der damalige
Präsident der USA – war der Erste, der mit
einem Cocktail darauf anstieß.
In dieser Zeit wurde in Europa natürlich wei-
terhin Alkohol konsumiert, und viele bekann-
te Bartender erfanden weitere Klassiker. Einer
der renommiertesten Barmänner war Frank
Meier aus dem Ritz Hotel in Paris mit seinem
Buchklassiker
The Artistry of Mixing Drinks
.
Nun war auch die Geburtsstunde der Tiki
Cocktails gekommen. Die
Piña Colada,
der
Zombi
und der
Mai Tai
hielten den Siegeszug in
die Bars, und alte Klassiker gerieten in Verges-
senheit. Diese Zeit war bekannt als die Zeit der
bunten Säfte und likörhaltigen Cocktails. Es
wurden nicht mehr Cocktails und Drinks ge-
trunken, die einen Mengeninhalt von 6 bis 8 cl
hatten und aus Spirituosen bestanden. Statt-
dessen hielten verrückte Namen wie
Lady-
killer, Blue Lagoon
usw. Einzug in die Cocktail-
und Barkarten der damaligen Zeit.
Erst im 21. Jahrhundert fand die Renaissance
der Cocktails statt, und Bartender aus New
York und London gruben die »verlorenen« Re-
zepte wieder aus. Auch in Deutschland trug
man einen großen Teil dazu bei, die Barkultur
zu fördern und eine andere Richtung einzu-
schlagen.
Das Ergebnis ist bekannt, nicht nur Spirituo-
senunternehmen haben den Trend erkannt
und vergessene Alkoholika wieder auf den
Markt gebracht, auch Bartender haben die
Rezepte aus den alten Büchern neu aufgesetzt
und teilweise weiterentwickelt.
Immer mehr Küchengeräte sind mittlerwei-
le Teil der Barkultur, und selbst die Medizin-
technik bleibt nicht verschont. Infusionen,
Essenzen, sogar destillierte Spirituosen sowie
Bitters und hochwertige Liköre sind nur einige
der Materialien, mit denen Bartender heutzu-
tage arbeiten.
15
DIE GESCHICHTE DES COCKTAILS
»Ein guter Bartender sollte sich in erster Linie
immer darum bemühen, seine Gäste zufriedenzustellen,
indem er auf ihre Wünsche eingeht. Wenn
er bisher noch nicht ausreichend viel gelernt hat,
sollte er höflichst und zuvorkommend fragen,
wie die Gäste gern ihre Getränke serviert bekommen