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In dem Buch "Barbara – die Weise Frau von Eschviller- sage femme de Eschviller beschreibt das Leben einer besonderen Frau die in der Zeit von 1716 bis 1780 gelebt hat. Sie hatte die besondere Gabe der Voraussage von großen wichtigen Ereignissen, die das Land und die Menschen bedrohten. Sie lebte in der wunderschönen Landschaft von Lothringen, an der heutigen deutschen Grenze. Die Orte Eschviller und Volmunster sind heute noch sehr schöne Ausflugsziele für Menschen aller Nationalitäten. Auch hatte sie als Wundheilerin, in einer Zeit in der es keine Ärzte für die normalen Menschen gab, große Erfolge mit ihrer Kräuterheilkunde. Hohe Persönlichkeiten wurden von ihr mit einem seit jahrhunderten ausgestorbenen Heilkraut behandelt und geheilt. Barbara Lux war eine außergewöhnliche Frau, die auch bereits in ihrer Zeit den Rechte der Frauen eingefordert hat, wenn man so will eine Vorkämpferin für Frauenrechte und die Anerkennung von Frauen. Sie ist nicht nur eine außergewöhnliche Frau gewesen, die war auch eine direkte Vorfahrin des Autors, weshalb sie für ihn auch ein Vorbild ist.
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Seitenzahl: 276
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Stéphane Rambicourt
Barbara
Die Weise Frau von Eschviller
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
1
2
3
4
5
6
8
9
Epilog
Danke
Impressum neobooks
Barbara
Die Weise Frau Von Eschviller
„Sage femme de Eschviller“
historischer Roman
Stéphane Rambicourt
Die folgende Geschichte erzählt die Geschichte von Barbara Roth, Tochter des Müllers Nicolaus Lux und seiner Ehefrau Anna Catharina.
Barbara war die „Weise Frau“ von Eschviller, der Sage femme de Eschviller.
Eine Weise Frau? Ist das eine Frau mit weißem Haar oder gar eine Frau mit einem sehr großen Wissen?
Nein, eine „weise Frau“ war eine ganz besondere Frau, die über prophetische Fähigkeiten verfügte und Ereignisse vorher sagen konnte.
Zur Zeit der Inquisition sind viele von Ihnen als Hexen verbrannt worden, weil ihnen Zauberkräfte nachgesagt wurde.
Manch ein Mann konnte es nicht sehen, wenn eine Frau gescheiter war, als er selbst.
Andere hatten nur Angst, dass die Frauen etwas von ihrem Lotterleben verraten könnten und sie damit Ansehen verlieren würden.
„Weise Frauen“ sind bereits im Volksglauben der germanischen Stämme bekannt. In nordgermanischen Quellen wird diesen Frauen nicht nur die prophetische Gabe der Weissagung, sondern auch Zauberkräfte zugesprochen.
Von prophetischen Frauen mit der Gabe der Weissagung berichtet zum Beispiel das Nibelungenlied, wo eine „Weise Frau“ den Untergang der Burgunden verkündete.
Bei den Norwegern und Isländern zogen Frauen mit prophetischer Gabe in der Winterszeit von Gehöft zu Gehöft und verkündeten den Menschen ihr kommendes Schicksal.
Wegen dieser prophetischer Gabe glaubte man, dass den Frauen etwas Göttliches inne wohne, und man erbat deshalb um ihren Rat.
Eschviller ist ein kleines Dorf, das an der lothringisch-pfälzischen Grenze liegt. Der Nachbarort Volmunster liegt, nur getrennt durch einen Wald, der zur Getreidemühle gehörte, wenige Kilometer entfernt.
Die Müllertochter Barbara Roth aus der Getreidemühle war eine in Eschviller und in dem gesamten Wasgau bekannte und geachtete Person, die durch ihre zurückhaltende Art in der Lage war Ereignisse vorher zu sagen und sich sehr gut in der Kräuterheilkunde auskannte. Die Menschen vertrauten ihr und kamen mit ihren Verletzungen und Krankheiten zu ihr.
Da leider nichts über diese außergewöhnliche Frau überliefert wurde, könnte sich die nachfolgende Geschichte so abgespielt haben.
Festzuhalten ist allerdings, „jede Frau hat etwas göttliches in sich und muss beschützt werden“.
Der 9. Juni 1716, ein sonniger warmer Tag geht dem Ende zu, als plötzlich Johanna, die 16 jährige Tochter des Müllers Nicolaus Lux, in die Mühle gerannt kam und laut nach ihrem Vater rief.
„Papa, Papa, ich glaube es ist soweit. Mutsch hat Wehen. Adam (Zwillingsbruder von Johanna) ist schon losgelaufen um die Hebammen zu holen. Anna und Margaretha haben auch schon einen Kessel für heißes Wasser aufgestellt. Kommst du bitte gleich mit? Johann und Peter können die Arbeit hier bestimmt alleine fertig machen. Komm endlich“, rief Johanna völlig außer Atem.
Nicolaus Lux blickte von der Arbeit auf, stellte die Mühle ab und rannte schnell die wenigen Meter zum Wohnhaus und dort ins Schlafzimmer zu seiner Frau.
„Cathi, wie geht es dir?“ fragt er atemlos, „ist alles in Ordnung?“
„Ja, mein Nic, alles gut. Ich hab ja schon 10 Kinder zur Welt gebracht. Aber Unsere Nummer elf wird etwas ganz Besonderes, du wirst sehen“, lächelte die in Wehen liegende Frau.
„Ja, jedes unserer Kinder ist etwas Besonderes. Ich bin froh um jedes und ich bin sehr, sehr stolz auf dich. Denk dran wir alle brauchen dich aber auch. Ohne dich wäre ich nur die Hälfte wert“, brummte der stolze Müller mit Tränen der Rührung in den Augen, „die Hebamme wird gleich hier sein und dir helfen.“
Anna Catharina Lux, Ehefrau des Müllers, lächelte und ergriff die Hand ihres Mannes um gegen die Schmerzen der Wehen leichter ankämpfen zu können.
Als der Schmerz nachließ, Schweißtropfen lagen auf ihrem Gesicht, rief sie ihren ältesten Sohn Johann zu sich.
„Hans, bitte sag auch meines Eltern Bescheid. Sie sind heute Morgen nach Eschviller aufgebrochen und sollten auf dem Rückweg sein. Vater hat dort ein Geschäft abschließen wollen. Nimm das Pferd“, bat Anna Catharina ihren ältesten Sohn, der inzwischen auch im Schlafzimmer stand.
„Ja, ich reite sofort los. Keine Angst Mutsch, Oma wird rechtzeitig hier sein“, erklärte der junge Mann und machte sich sofort auf den Weg. Er kam aber bereits nur fünf Minuten später zurück.
„Hier sind sie, Mutter. Sie sind gerade auf den Mühlenhof gelaufen als ich aufsatteln wollte“, lächelte Johann Lux verlegen, während seine Großmutter sofort an das Bett der Tochter eilte.
Sofort erteilte die erfahrene Großmutter Anweisungen wer von den Kindern was zu tun hatte. Johanna, die älteste Tochter, war froh, dass die Großmutter ihr die jetzt Verantwortung abnahm, und sie für ihre bisher erledigten Aufgaben sehr lobte. Sichtlich stolz ob des Lobes ihrer Großmutter, nahm sie ein Tuch und tupfte das Gesicht ihrer Mutter ab.
„Und jetzt aber alle raus aus dem Schlafzimmer, außer dir Johanna, Anna Catharina braucht jetzt Ruhe um sich auf die Geburt einstellen zu können“, bestimmte die alte Dame resolut.
„Ja, meine Tochter, ich wünsche dir alles Gute und du wirst sehen dieses Kind das heute geboren wird, wird etwas ganz, ganz Besonderes werden“, verabschiedete sich der Vater der werdenden Mutter lächelnd.
„Meine Cathi, ich bin draußen vor der Tür wenn du mich brauchst“, brummte der Müller Nicolaus Lux verlegen, während seine in den Wehen liegende Frau ihm zu zwinkerte.
Gerade als alle das Schlafzimmer verlassen hatten, trafen auch die Geburtshelferinnen aus Volmunster mit Sohn Adam ein.
Als die Türe geschlossen war und Nicolaus mit seinen Söhnen, Töchtern und dem Schwiegervater vor dem Schlafzimmer warteten, öffnete sich plötzlich die Tür und eine Geburtshelferin rief „Sofort heißes Wasser.“
Nicolaus und Adam rannten die Treppe zu Küche hinunter und nahmen den Kessel mit heißem Wasser vom Feuer und brachten den Kessel direkt in das Schlafzimmer.
Nach einer gefühlten Stunde, aber wirklichen nur viertel Stunde, ertönte im Schlafzimmer der Schrei eines neugeborenen Babys. Alle fielen sich in die Arme und umarmten sich. Nicolaus Lux, der stolze Erbpacht-Müller der Getreidemühle von Volmunster, hatte Tränen in den Augen.
Wenig später öffnete sich die Tür zum Schlafzimmer und die Großmutter trat mit dem Baby vor die Türe.
„Es ist alles gut gegangen. Eine wunderschöne Tochter. Keine Probleme und auch Anna Catharina geht es gut. Sie ist müde, was ja auch verständlich ist. Ihr könnt gleich zu Anna Catharina rein, aber leise bitte“, lächelte die Großmutter sichtlich erleichtert.
Sofort ging Nicolaus ins Schlafzimmer und nahm seine Ehefrau schluchzend in die Arme.
„Nic, alles gut. Wir brauchen einen Namen für unsere Tochter. Ich wäre für Barbara, nach der Heiligen Barbara. Was meinst du?“ fragte die sichtlich müde Ehefrau von Nicolaus.
„Ja, sie wird eine Kämpferin. Sie soll Barbara heißen meine geliebte Ehefrau“, freute sich Nicolaus.
„So und jetzt raus, damit Anna Catharina sich erholen und schlafen kann und Barbara ist ein sehr schöner Namen“, lachte die Großmutter, ohne auch nur einen Moment das Geschehen im Raum aus dem Auge zu lassen.
Nicolaus Lux lächelte und streichelte auch seiner Tochter Johanna anerkennend über den Kopf, bevor er den Raum verließ um zu den anderen in die große geräumige Wohnküche zu gehen.
„Kinder, heute ist der 09. Juni anno Domini 1716 und wir haben seit heute eine Barbara“, lachte Nicolaus und nahm eine Flasche Schnaps aus dem Schrank. Er schenkte für seinen Schwiegervater, seinen Sohn Johann und für sich einen Schnaps ein, hob das Glas und rief laut „auf unsere Barbara – es lebe Barbara“ und alle stimmten in den Ruf ein.
„Valtin, ihr sagtet vorhin. Dieses Kind wird etwas besonderes sein. Wie kommt ihr darauf?“ wollte Nicolaus jetzt von seinem Schwiegervater wissen.
„Nicolaus, das ist so. Vorhin auf dem Rückweg von Eschviller, kam ein fast weißer Hirsch aus deinem Wald. Catharina blieb etwas zurück und ich ging langsam weiter. Der Hirsch stand richtig furchterregend auf dem Weg. Plötzlich senkt er seinen Kopf, so als ob er einen Diener vor mir machen würde. Dann erhob er sich, röhrte laut und verschwand wieder im Wald. Es war so als ob der Hirsch uns sagen wollte, heute wird noch etwas Wunderbares und außergewöhnliches geschehen. Und nun ist die kleine Babette da. Anna Catharina geht es soweit ganz gut“, berichtete der Schwiegervater lächelnd.
„Wisst ihr, es ist schon sonderbar, weil dasselbe Anna Catharina vor eurem Eintreffen und vor der Geburt zu mir gesagt hat. Aber ist es nicht so, dass jedes Kind etwas ganz besonderes ist?“ sinnierte Nicolaus Lux.
„Natürlich, aber es gibt eben Situationen die einfach nur unvergesslich und außergewöhnlich sind. Und so einen Moment hatte ich heute“, erklärte der alte Mann lachend.
Die Taufe der kleinen Barbara wurde eine Woche später im großen Familienkreis und mit dem neuen Pfarrer Maginot gefeiert.
Barbara wuchs anschließend in einem beschützten Elternhaus mit viel Liebe und Fürsorge auf. Von ihrer Mutter lernte sie viel über die Natur und die Pflanzen im Wald und von ihrem Vater lernte sie die Wolken zu lesen, um zu wissen wie in den nächsten Tagen das Wetter werden wird.
Als sie eines Tages mit ihrer Mutter gemeinsam im Wald unterwegs war um Kräuter und Pilze zu sammeln, Barbara war gerade mal zehn Jahre alt, begegnete ihr mitten im Wald eine sehr alte Frau. Die Frau ging mit einem sehr nach vorne gebeugten Oberkörper langsam auf sie zu. Die Kleidung war etwas zerlumpt. Unter dem Arm hatte die alte Frau ein Reisigbündel und auf dem gebeugten Rücken eine schwere Trage aus Binsen in dem sich anscheinend Kräuter befanden. Um nicht nach vorne zu fallen stützte sich die alte Frau an einem langen geschnitzten Stock ab.
Als diese seltsame Frau, ihr unbekannte Frau, nur noch wenige Meter von Barbara entfernt war, erkannte das Kind, dass die Frau offensichtlich blind war.
„Guten Tag, Mütterchen“, sagte Barbara freundlich, „soll ich euch tragen helfen? Eure Trage sieht schwer aus und mir würde es nichts ausmachen sie zu tragen.“
Die alte Frau blickte in Richtung des Kindes, ohne es wahrnehmen zu können.
„Du bist doch bestimmt die Babara vom Müller? Ich hab schon so einiges von dir gehört. Wie alt bis du denn“, flüsterte die alte Frau lächelnd.
„Ja, der Müller ist mein Vater und ich bin mit meiner Mutter hier im Wald unterwegs um Kräuter und auch Pilze zu sammeln. Ich habe auch schon einiges gefunden“, erwiderte die kleine Barbara freundlich, „wenn ihr möchtet kann ich euch gerne etwas aus meinem Korb abgeben. Und ich bin jetzt gerade zehn Jahre alt geworden.“
„Das war am 9. Juni, stimmt doch? Das ist lieb von dir mein Kind“, erklärte die alte Frau freundlich, „aber es ist nicht notwenig. Ich habe alles was ich brauche.“
„Oder soll ich euch tragen helfen? Ich tu es gerne“, entgegnete das Kind, „habt ihr es noch weit zu tragen?“
„Nein Babettchen, meine Hütte steht da hinten. Es ist nicht mehr weit“, sagte die Alte behutsam.
„Kommt ihr im Haus denn auch klar oder sollen meine Mutter und ich euch helfen?“ flötete die kleine Barbara fröhlich und unbefangen.
„Ich glaub nicht, dass die Müllerin mir helfen kann. Weißt du die Menschen haben Angst vor mir und wollen nichts mit mir zu tun haben“, sagte die alte Frau traurig.
„Das glaub ich nicht. Meine Mutter ist eine herzensgute und liebe Frau, die für fast alles Verständnis hat. Ich kann sie ja mal rufen“, ereiferte sich Barbara.
„Nein, lass nur“, sagte jetzt ernst werdend die alte Frau, „sag ihr bitte auch nicht dass du mich getroffen hast. Sie würde sonst Angst bekommen.“
„Na gut. Darf ich euch wenigstens mal besuchen“, fragte Barbara.
„Wenn du mich findest, gerne. Ich bin aber sehr oft unterwegs“, entgegnete die Alte jetzt wieder lächelnd, „aber du kannst mir einen kleinen Gefallen tun.“
„Ja, sehr gerne“, freute sich jetzt Barbara.
„Du bist ein sehr außergewöhnliches Kind, freundlich und hilfsbereit. Bleibe bitte so wie du bist zu jedermann und zu jeder Frau. Du wirst bestimmt noch sehr lange an unsere heutige Begegnung denken. Ich werde dein sehr helles Köpfchen leiten, ohne dass du es bemerken wirst“, sagte die alte Frau in einem sehr bestimmenden Ton, „lebe wohl kleine Babette.“
Die Alte ging weiter und war bereits nach der nächsten Wegbiegung völlig verschwunden. Barbara die das ebenso wahrnahm, wunderte sich sehr, wie es möglich war so schnell einfach zu verschwinden.
Als ihre Mutter aus derselben Richtung kam, in die die alte Frau gegangen war, rannte Barbara auf sie zu und fragte sie stürmisch: „Mutsch hast du die alte Frau eben gesehen?“
„Nein Kind mir ist niemand begegnet“, antwortete Anna Catharina Lux lächelnd.
„Komisch, du müsstest ihr doch begegnet sein. Aber sag mal du hast doch gesagt, dass dieser Wald zu unserer Mühle gehört. Das ist doch so?“ wollte die neugierige Barbara wissen.
„Also Kind, mir ist niemand begegnet und ja der Wald hier gehört zur Mühle“, entgegnete die Müllerin lächelnd.
„Mutsch kann es sein, dass jemand hier im Wald wohnt?“ wollte das Kind jetzt wissen.
„Nein, hier wohnt weit und breit niemand und jetzt reicht es mir aber mit deiner ständigen Fragerei. Komm, wir haben genug gesammelt. Gehen wir nach Hause“, sagte Barbaras Mutter in einem Ton der keinerlei weitere Fragen zuließ.
Am Abend ging Barbara fröhlich vor sich hin pfeifend in die Mühle um ihren Vater und ihre Brüder Johann und Adam zu fragen, wann sie ihr Tagwerk beenden.
„Pip, Mutsch lässt fragen wann ihr zum Nachtmahl kommt. Wir Kinder sollen ja schon bald ins Bett gehen müssen, aber ich bin ja kein Kind mehr, deshalb sollte ich doch länger aufbleiben können“, erklärte die kleine Barbara lachend.
„Babette, klar du bist ja schon erwachsen und könntest auch bald heiraten“, feixte ihr Bruder Adam lachend.
„Ja klar, aber das mit dem Heiraten hat ja noch Zeit. Nein Kind, wir sind so gut wie fertig und schon beim Saubermachen. Also sag Mutsch wir kommen gleich rüber und sie kann schon alles richten“, versuchte der Müller die grinsenden Brüder abzulenken.
Nach dem Abendessen setzte sich der Müller Nicolaus Lux entspannt vor das Wohnhaus und entzündete sich, die Wolken beobachtend, eine Pfeife und rauchte genussvoll. Wenig später kuschelte sich Barbara an ihren Vater.
„Du sag mal“, flüsterte Barbara leise zu ihrem Vater, „wem gehört denn der Wald hier um die Mühle herum und wohnt dort vielleicht jemand den wir nicht kennen?“
„Mein Kind, du bist aber neugierig, aber gut. Der Wald gehört eigentlich dem Herzog von Lothringen, aber der hat mir auf Erbpacht die Mühle mit dem dazugehörigen Wald verpachtet. Dafür bekommt er von mir jedes Jahr etwas Geld und einen kleinen Anteil vom Mehl. In unserem Wald, ob dort jemand wohnt magst du wissen? Nein, dort wohnt niemand und es gibt auch keine Hütte. Der Bach, also die Schwalb, gehört ebenso zu unserer Mühle und die Fische, die sich dort tummeln, auch“, erklärte der Vater, annehmend, dass die kleine zehnjährige Babette das alles nicht verstand.
Barbara überlegte etwas und fragte ihren Vater nachdenklich: „Mir ist heute im Wald eine alte Frau begegnet, die mich und dich sogar gekannt hat und die hat gesagt sie würde im Wald wohnen, in einer Hütte. Ich wollte ihr beim Tragen ihrer Sachen helfen, aber sie hat das nicht wollen und ist weitergegangen und war dann plötzlich verschwunden. Mutsch hat sie auch nicht gesehen, obwohl sie aus derselben Richtung gekommen ist, in die die seltsame Frau gegangen war.“ Barbara beschrieb ihrem Vater genau die Frau, mit der sie gesprochen hatte.
Müller Lux kannte seine Tochter und wusste, dass sie nicht flunkert oder zu viel Phantasie entwickelt. Sie war ein sehr aufgewecktes, wissbegieriges Kind, rücksichtsvoll und jederzeit hilfsbereit. Deshalb machte er sich Gedanken mit wem wohl seine Tochter im Wald zusammen getroffen sein könnte, fand aber keine Lösung. Er wollte seine Tochter aber nicht beunruhigen und seine Gedanken verbergen.
„Siehst du die Wolken am Himmel? Die eine sieht aus wie ein Schäfchen“, lenkte der Vater ab.
„Oh das Schäfchen ist ja ganz alleine. Das tut mir aber einerseits leid, für das Schäfchen, anderseits bedeutet, das doch, dass es morgen gutes Wetter gibt und die Bauern ihr Getreide bringen werden und du dann viel zu tun haben wirst“, erwiderte die kleine Barbara.
„Ja mein Kind so sieht das aus. Das Wetter ist des Bauern Freund aber auch sein Leid, wenn es zuviel regnet oder so“, lächelte der Müller, „so jetzt wird es aber Zeit für dich ins Bett zu gehen. Ab mit dir und schlafe gut.“
Barbara umarmte ihren Vater und ging fröhlich zu Bett. Spät am Abend, als der Müller und seine Frau auch schlafen gingen, fragte er seine Frau: „Hast du die alte Frau aus Babettes Erzählung wirklich nicht mitbekommen?“
„Nein Nic, ich hatte sie auch immer im Blick. Zwar habe ich gesehen dass sie einige Zeit stand, als ob sie mit jemandem redet, aber gesehen habe ich niemanden“, antwortete die Müllerin, „ich mach mir deshalb ja auch Gedanken, denn es gibt da eine alte Sage über unseren Wald, die ich mal von einer alten Frau aus dem Dorf gehört habe, und zwar dass dort eine sehr alte Frau gelebt soll, die eine prophetische Gabe und auch Zauberkräfte gehabt haben soll. Andere sagten sie sei eine Kräuterfrau gewesen, die Menschen gesund gemacht hat. Aber das sind alles nur Sagen aus längst vergangen Zeiten. Wir sollten, glaube ich, das nicht so sehr ernst nehmen.“
Der Müller nickte nachdenklich. „Es stimmt wohl, diese alte Kräuterfrau soll meine Urgrossmutter Margaretha gewesen sein. Sie hat lange vor dem großen Krieg hier im Dorf gelebt.“
Die Intelligenz von Barbara wurde in den folgenden Monaten und Jahren immer stärker ausgeprägt. Im Gegensatz zu den allermeisten anderen Männer und Frauen konnte sie Lesen und Schreiben und auch Rechnen. Lesen und schreiben brachte ihr ihre Mutter und rechnen ihr Vater und ihre Brüder bei. Ebenso ungebremst war ihre Neugier auf die natürlichen Abläufe in Fauna und Flora. Sie lernte immer mehr Heilpflanzen kennen, die sie in ihrem Wald finden konnte. Ihre Eltern und auch der Pfarrer von Volmunster, Hochwürden Maginot, der sogar im Besitz des seltenen Heilkräuterbuches „Gart der Gesundheit“ von 1485 war, unterstützten die wissbegierige Babette nach Kräften. Auch ihr Aussehen änderte sich. Jetzt hatte sie langes blondes Haar, welches ihre große Schwester ihr zu einem langen Zopf geflochten hatte, den sie mit Kämmen zu einem Dutt geformt hatte. Barbara lebte ein ungezwungenes freies Leben und verbrachte sehr viel Zeit im heimischen Wald. Sie konnte die Wildtiere im Wald und die Fische in den Gewässern beobachten und stundenlang zu sehen, ohne dass Langeweile aufkam. Ihr Wissensdurst fand kein Ende.
Etwa zwei Jahre später, Barbara war jetzt zwölf Jahre alt, begannen bei ihr Träume, in denen sie immer wieder die alte Frau aus dem Wald vor sich sah und sich mit ihr über Heilkräuter, Tiere und den Wald unterhielt.
Eines Nachts erschien die Greisin Barbara wieder im Traum, doch etwas war anders als bisher.
„Hallo Barbara“, sagte die Alte, „höre jetzt genau zu was ich dir sage. Es ist sehr, sehr wichtig für die Menschen in deiner Umgebung. Was ich dir sage ist von ganz großer Bedeutung und muss ganz, ganz schnell an alle wichtigen Persönlichkeiten, dem Herzog, dem Bürgermeister und allen Pfarrern weitergegeben werden. Du wirst dabei aber auf großes Unverständnis stoßen. Sie werden dir vermutlich nicht glauben. Deshalb musst du selbst die wichtigsten Orte besuchen und nach Beweisen suchen. Und jetzt achte genau auf meine Worte. Am 2. Dezember 1728 wird es ein sehr großes und sehr schweres Erdbeben geben. Ein Beben der Erde, das die Welt bis dahin noch nicht gesehen hat. Nur wer Vorkehrungen trifft und an diesem Tag nicht in der Nähe eines Hauses ist wird überleben. Gehe an genau diese Orte die dir gegeben sind, lege dein Ohr an den Boden und achte auf ein Brummen aus dem Inneren der Erde.“
„Wie soll ich das denn machen“, antwortete Barbara zitternd, „wer wird mir denn glauben?“
„Babette, du bist nun fast erwachsen. Du wirst einen Weg, deinen eigenen Weg, finden“, entgegnete die alte Frau.
„Darf ich euch fragen wer ihr seid? Und darf ich sagen wer mir das gesagt hat?“ wollte Barbara im Traum ängstlich wissen.
„Meinen Namen?“ die Alte lächelte, „Mein Name ist wie Schall und Rauch. Manche nannten mich Nostradamus, andere Jeanne d'Arc oder das Orakel von Delphi. Vertraue mir einfach und gehe nach deiner Bestimmung. Du wirst eines Tages als weise Frau von Eschviller in die Geschichtsbücher eingehen.“
Barbara wollte in ihrem Traum noch weiter mit der Alten reden, aber die war plötzlich verschwunden.
Durch dieses Erlebnis in ihrem Traum schlief sie sehr unruhig, so dass sie von ihrer kleinen Schwester Anna Maria wach gerüttelt werden musste. Schweiß gebadet, versuchte Barbara weiter zu schlafen, was ihr aber nicht gelang.
Am folgenden Morgen stand sie müde auf und fühlte sich wie gerädert. Mühevoll zog sie sich an und ging langsam in die Küche in der ihre Mutter das Frühstück für die jüngeren Kinder bereitete. Als sie zum Frühstück kam, schaute ihre Mutter sie sehr besorgt an und fühlte ob sie vielleicht Fieber haben könnte. Kopfschüttelnd erklärte die Mutter in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete: „Babette, sofort ins Bett und du Anna Maria geh in die Mühle und hole deinen Vater hierher.“
Nachdem sich Barbara ins Bett geschleppt hatte, kamen Mutter und Vater diskutierend zu ihr.
„Kind was ist denn los mit dir?“, wollte der Müller wissen.
„Ach Pip, mir geht es gar nicht gut. Ich hatte heute Nacht einen Alptraum. Meine Schwester hat mich dann geweckt und ich konnte dann nicht mehr schlafen. Weil ich immer an den Traum denken musste und jetzt nicht weiß was ich tun soll und auch wie ich das tun könnte“, erklärte Barbara in weinerlichem Ton.
„Magst du mir den Traum erzählen Kleines?“ fragte der Vater einfühlsam.
„Ja aber ihr dürft mich deshalb nicht auslachen oder verurteilen. Es ist etwas sehr, sehr sonderbares“, erklärte Barbara ernst.
„Gut Kind, wir hören“, schaltete sich jetzt auch die Mutter ein.
Zögerlich beginnt Barbara zu erzählen: „Also ihr könnt euch vielleicht noch erinnern, als ich mit Mama im Wald Kräuter und Pilze gesammelt hab. Ist schon eine Weile her. Ich habe dort doch diese seltsame alte Frau getroffen, die Mama nicht gesehen hat. Die Frau ist mir heute in der Nacht im Traum erschienen und hat mir Anweisungen gegeben. Jetzt weiß ich nicht wie ich mich verhalten soll.“
Der gestandene Müller Nicolaus Lux und seine Frau Anna Catharina zuckten beide unmerklich zusammen.
Leicht mit dem Kopf nickend bat der Vater seine Tochter: „Erzähl, was dich so verwirrt, Kind. Vielleicht können wir dir helfen?“
„Also gut“, erwiderte Barbara, „Sie meinte, was sie mir sagt ist von ganz großer Bedeutung und muss ganz, ganz schnell an alle wichtigen Persönlichkeiten, dem Herzog, dem Bürgermeister und allen Pfarrern weitergegeben werden. Ich würde dabei aber auf großes Unverständnis stoßen. Sie werden mir vermutlich nicht glauben. Deshalb musst ich selbst die wichtigsten Orte besuchen und nach Beweisen suchen. Sie sagte weiter, und jetzt achte genau auf meine Worte. Am 2. Dezember 1728 wird es ein sehr großes und sehr schweres Beben geben. Ein Beben der Erde, das die Welt bis dahin noch nicht gesehen hat. Nur wer Vorkehrungen trifft und an diesem Tag nicht in der Nähe eines Hauses ist wird überleben. Sie meinte, gehe an genau diese Orte die dir gegeben sind, lege dein Ohr an den Boden und achte auf ein Brummen aus dem Inneren der Erde. Ich hab die seltsame Frau auch gefragt wer sie denn ist, da hat sie gesagt mein Name ist wie Schall und Rauch. Manche würden sie Nostradamus, andere Jeanne d'Arc oder das Orakel von Delphi nennen. Ich soll ihr vertrauen und nach meiner Bestimmung gehen. Sie sagte noch wörtlich: Du wirst eines Tages als weise Frau von Eschviller in die Geschichtsbücher eingehen. Also ich weiß nicht was ich tun soll, ich weiß auch nicht wer die Menschen sein sollen, von denen sie sprach und was sind Geschichtsbücher? So und jetzt ist es raus, alles!“
„Mein Kind“, begann die Mutter nachdenklich, „du bleibst jetzt erst einmal in deinem Bett und erholst dich. Versuche nicht an das alles zu denken. Hier ist dein Lavendel-Kissen, das wird dir helfen. Dein Vater und ich werden uns unten in der Küche unterhalten.“
Mit dem Kopf leicht nickend, nahm sie ihr Lavendel-Kissen und roch daran. Der wohltuende Geruch machte sie schnell müde.
Die Müllersleute gingen in die Wohnküche. Der Müller nahm zwei Schnapsgläschen aus dem Schrank, während Anna Catharina die beiden Gläschen füllte. Sie sahen sich an und kippten den Schnaps in ihre Kehlen. Beide schüttelten sich heftig und setzten sich auf die selbstgebaute Eckbank.
„Jetzt ist das eingetreten, was ich unbedingt vermeiden wollte“, begann die Müllerin.
„Wie soll ich das jetzt verstehen Frau?“ fragte der Müller irritiert.
„Ich wusste bereits vor der Geburt unserer Babette, dass sie eine gewisse Bestimmung für diese Welt haben wird. Ich sagte dir doch vor der Geburt, dass unsere Tochter etwas ganz besonderes sein wird. Nun jede Mutter meint, dass ihr Kind etwas ganz besonderes ist, was ja auch so stimmt. Aber für unsere Barbara wurde schon vor der Geburt der Weg einer weisen Frau vorbestimmt. Ich wusste das sogar bevor wir verheiratet waren. Du weißt vielleicht noch der frühere Erzbischof von Metz war ein guter Freund meines Vaters und der hat mir prophezeit, dass mein elftes Kind eine Tochter sein wird und für sie der Weg der Weisen Frau vorbestimmt ist“, erläuterte Anna Catharina Lux, die Müllerin nachdenklich.
„Bitte? Und du hast mir das nicht gesagt? Ich habe dir aber auch etwas verschwiegen. Es hat mit einem Erlebnis deines verstorbenen Vaters zu tun. Er und deine Mutter waren doch wegen eines Geschäfts oder so in Eschviller, als Barbara geboren wurde. Auf dem Rückweg ist es dann passiert. Mitten in unserem Wald kam ein fast weißer Hirsch aus dem Wald. Deine Mutter blieb zurück und er ging langsam weiter. Der Hirsch stand richtig Furcht erregend auf seinem Weg. Plötzlich senkt er seinen Kopf, so als ob er einen Diener vor deinem Vater machen würde. Dann erhob der Hirsch sich, röhrte laut und verschwand im Wald. Dein Vater meinte es sei so als ob der Hirsch sagen wollte, heute wird noch etwas Wunderbares und außergewöhnliches Geschehen. Und nun ist die kleine Barbara da. Das waren die Worte deines Vaters und auch seine, so sehr aufgeklärte, tapfere Frau, deine Mutter, war der gleichen Meinung“, lächelte der Müller seine Frau an, „und jetzt sitzen wir hier und wissen nicht was wir tun sollen.“
„Meine oder deine Eltern können wir nicht mehr fragen, aber der alte Erzbischof von Metz meinte damals er würde diese Informationen auch an seine Nachfolger übergeben, so dass wohl irgendwo etwas geschrieben stehen müsste. Ich werde heute sofort nach Metz fahren und versuchen zum Erzbischof zu kommen oder soll ich vorher mit unserem Pfarrer reden?“ entgegnete die Müllerin.
„Ich denke, das mit dem Pfarrer und mit dem Erzbischof wäre soweit wichtig und richtig. Aber hilft das unserer Babette?“ fragte der Müller.
„Was sollen oder können wir sonst machen? Ich sage Johanna Bescheid, sie soll für unsere Babette einen Baldrian-Tee bereiten und dann soll die Kleine sich erstmal ausschlafen“, erklärte Anna Catharina und gab ihrer ältesten Tochter sofort die Anweisungen, „und ich geh jetzt sofort zu unserem Pfarrer.“
Nicolaus Lux ging zurück in seine Mühle, konnte sich aber nicht gut auf seine Arbeit zu konzentrieren. Er rief seinen Sohn Johann Adam zu sich und übergab ihm die Aufträge des Tages. Anschließend ging er zurück zum Haus um nach Barbara zu sehen.
„Pip, alles in Ordnung. Die Kleine schläft ganz ruhig“, beruhigte ihn seine älteste Tochter Johanna.
„Danke Hanna, wir sind alle im Moment etwas aufgeregt“, erklärte der Müller seiner Tochter.
„Was ist eigentlich eine weise Frau?“ fragte Johanna ihren Vater.
„Ja Kind. Das sind besondere Frauen, die sich auf Prophezeiungen, Zauberei und auch auf die Heilkunde verstehen“, antwortete der Müller.
„Und so eine ist unsere Babette? Also zaubern kann sie bestimmt nicht, sonst hätte sie das bereits ausprobiert,“ bohrte Johanna weiter. Als Antwort bekam sie nur ein nicken des Vaters.
Johanna setzte daraufhin wieder ihre Arbeit in der Küche mit den Vorbereitungen für das Mittagessen fort.
Anna Catharina erreichte zur gleichen Zeit die Kirche und schaute kurz rein, ob der Pfarrer sich gerade in der Kirche befand. Als sie ihn nicht sah, ging sie Richtung Pfarrhaus, dabei stellte sie fest, dass der Pfarrer auch nicht in der Sakristei war. Im Pfarrhaus erreichte sie den Pfarrer, der gerade über seiner Predigt für den Tag saß.
„Gelobt sei Jesus Christus“, grüßte die Müllerin den Pfarrer.
„In Ewigkeit, Amen“, erwiderte der Pfarrer, „Müllerin was führt dich außerhalb des Gottesdienstes zu mir? Ist etwas passiert? Ist etwas mit Babette?“
„Wie kommen ihr darauf, dass ich wegen unserer Barbara hier sein könnte?“ fragte die Müllerin neugierig.
Lächelnd erwiderte der greise Pfarrer: „Ich habe gerade heute wieder einmal das Dosier von Erzbischof Henri-Charles du Cambout de Coislin in der Hand gehabt und ich glaube zum hundertsten Mal durchgelesen. Ist es jetzt schon soweit? Sie ist ja erst zwölf Jahre alt.“
Der erstaunten Müllerin fiel nichts anderes ein als nur zu nicken.
„Gibt es eine Weissagung?“ wollte der Priester nun wissen.
„Ja, ich denke. Aber sie ist doch erst zwölf Jahre alt?“ klagte die Müllerin.
„Müllerin, das Schicksal nimmt keine Rücksicht auf Alter, Jahreszeit oder sonst etwas. Ist es schlimm?“ beruhigte sie der Pfarrer.
„Wenn es sich bewahrheiten sollte, kann es sehr schlimm werden“, antwortete die etwas verwirrte Müllerin.
„Gut, ich möchte mich morgen nachmittag mit der Babette bereden. So hat es der Erzbischof auch vorbestimmt, bevor sonst irgendetwas unternommen werden soll. Er hat sehr, sehr genaue Anweisungen erteilt. Ich komme morgen nach der Frühmesse und anschließendem Frühstück zur Mühle. Dann werden wir weiter sehen. Ich hab auch den Auftrag vom Erzbischof, wenn sie reisen muss, sie zu begleiten. Das müssen wir alles bereden“, bestimmte der Pfarrer und legte seine Hand beruhigend auf die Schulter der Müllerin.
Anna Catharina erhob sich, wandte sich der Tür zu. Während der Pfarrer sagte: „Gelobt sei Jesus Christus.“
Die Müllerin brachte gerade noch ein „in Ewigkeit Amen“ über die Lippen, während sie sich in Gedanken versunken auf den Heimweg machte. Ihr Gehirn spielte verrückt und sie fragte sich, was denn hier jetzt gerade passiert. Wie in Trance ging sie nach Hause.
Als sie die Mühle fast erreicht hatte, konnte sie plötzlich nicht mehr weiter gehen. Sie setzte sich ins Gras und atmete kräftig mehrfach durch. Nach einiger Zeit hatte sie ihre Contenance wieder erreicht.
„Oh mein Gott, wie soll das alles noch werden. Warum muss mein Kind dieses Schicksal tragen. Wohin bisher solche Schicksale meistens führen? Oft nur bis zum Scheiterhaufen, um als Hexe verbrannt zu werden“, murmelte die taffe Müllerin gebrochen vor sich hin, „nein, das muss ich verhindern. Mein Kind ist keine Hexe. Ihr darf nichts passieren und wenn sie reisen muss, werde ich sie begleiten wie sich das gehört“, sagte die Frau jetzt entschlossen.
Sie erhob sich und ging entschlossen und zielstrebig auf ihre Mühle zu. Plötzlich, während ihres Weges, hatte sie eine Idee, die sie nicht mehr los lies.
„Die können alle denken was sie wollen. Aber meine Babette wird keine „weise Frau“ wie man sie kennt. Sie wird vor allem eine Geburtshelferin, Heilkundige und Kräuterfrau. Und mit den Weissagungen werden wir auch umgehen lernen“, sagte sie die taffe Müllerin zu sich selbst und setzte entschlossen ihren Weg fort. Am Wohnhaus der Mühle angekommen, traf sie am Eingang auf ihre älteste Tochter Johanna, die gerade Wäsche auf die Leine hängen wollte.
„Wie geht es denn unserer Babette?“ erkundigte sich die Mutter entschlossen.
„Mutsch, da bist du ja. Unser kleiner Engel schläft friedlich, tief und fest. Sie wird wohl den verpassten Schlaf aus der Nacht nachholen“, begrüßte Hanna ihre Mutter.
„Danke mein Kind. Komm wir gehen jetzt gemeinsam zu ihr und wir werden sie jetzt nicht mehr aus den Augen lassen. Eine oder auch einer von uns wird immer bei ihr sein“, bestimmte die Müllerin und ging entschlossenen Schrittes voraus.
„Ist dein Vater in der Mühle?“ fragte Anna Catharina Lux, als beide vor der Tür angekommen waren. Hanna nickte nur kurz mit dem Kopf.
„Gut, wir werden jetzt nach der Kleinen sehen. Ich werde dann noch kurz mit deinem Vater sprechen und du bleibst bitte bei ihr, bis du abgelöst wirst. Verstanden? Die Wäsche kann auch deine Schwester aufhängen“, sagte die Müllerin bestimmend, so dass ihrer ältesten Tochter nur ein kurzes Kopfnicken übrig blieb. Sie wusste, dass sie ihre Schwester nicht mehr aus den Augen lassen durfte.
Die Müllerin Anna Catharina Lux öffnete leise die Türe zum Schlafraum und schaute hinein. Als sie sah dass Barbara tief schlief und ruhig atmete, ging sie auf Zehenspitzen zu ihr und fühlte an der Stirn, ob sie noch fiebrig war. Erleichtert stellte sie fest, dass das Kind kein Fieber mehr hatte und nun auch wirklich ihr Schlafbedürfnis nachholte.
Leise schlich sie sich wieder vor die Tür, wo Hanna gewartet hatte.
„Kind, es scheint alles in Ordnung zu sein. Sie hat kein Fieber mehr und atmet völlig ruhig. Bleib bitte hier, oder immer in der Nähe, damit du hörst, wenn sie wach werden sollte. Dann sagst du mir sofort bescheid“, entschied die Mutter.
Johanna nickte kurz und fragte schüchtern und sehr leise: „Werden die Büttel uns unsere Babette wegholen und sie als Hexe verbrennen, Mutter?“
