Saint Tropez im Frühling - Stephane Rambicourt - E-Book

Saint Tropez im Frühling E-Book

Stephane Rambicourt

0,0

Beschreibung

Ein Roman mit dem Potential ihr Lieblingsbuch zu werden, spannend, unterhaltsam, emotional, informativ. "Saint Tropez im Frühling" ist die Geschichte einer Familie, deren Leben durch Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Politik und Mord auf den Kopf gestellt wird und erst in der Nähe von Saint Tropez wieder zur Ruhe kommt.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 542

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Stephane Rambicourt

Saint Tropez im Frühling

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Das Haus

Der Gesangverein

Konzertreise nach Südfrankreich

Geständnis

Das Foire Provençal

Clinique de Soleil

In Bad Wildbad

Das Attentat

Au revoir Bad Wildbad

Nina und Pauline

Jakob formt den Konzern

Wut und Hass

Ende

Impressum neobooks

Das Haus

Saint Tropez im Frühling

Stephane Rambicourt

Personen, Orte und Handlung dieser Geschichte sind frei erfunden. Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig und nicht gewollt.

Hurra, endlich sind Jakob und Mariella wieder vereint. Jakob hatte einen neuen Job in Bad Wildbad angenommen und seit mehr als einem Jahr eine Wochenendehe mit Mariella geführt. Aber jetzt war sich Jakob sicher, dass er in Wildbad mit Mariella und seiner Tochter Nina leben möchte.

Heute, nur 2 Tage vor Weihnachten, hatten sie einen ersten Besichtigungstermin für ein neues Zuhause. Jakob holte Mariella und Nina im Schwäbischen ab, um dann sofort wieder mit seinen Lieben zurück in die neue Heimat zu fahren. Jakob, der das Haus schon durch eine erste Besichtigung kannte, war total aus dem Häuschen und erzählte seinen beiden Frauen überschwänglich von dem neuen Haus.

Das Haus war ja auch etwas besonderes, hatte es doch in den 70ern bereits einen Architektenpreis für die außergewöhnliche Architektur und den außergewöhnlichen Grundriss gewonnen. Jakob war sich sicher, dass genau dieses Haus seiner Mariella gefallen werden wird. Er hatte sich überlegt, dass nur ein Haus in Frage kommt, welches auch Mariella, einer ausgewiesenen Designkennerin, auch gefällt und dieses Haus wird, da war sich Jakob sicher, ihren doch sehr hohen Ansprüchen mehr als gerecht werden.

Mariella und auch Nina hörten Jakob´s überschwänglichen Erzählungen zwar zu, aber beide hatten andere Dinge im Kopf.

Mariella fiel es sehr schwer ihre alte Heimatstadt zu verlassen. Sie hatte sich einen großen Freundeskreis aufgebaut und eine Arbeit, die sie sehr liebte. Aber sie wollte auch endlich wieder voll und ganz mit Jakob zusammen sein und die Wochenendehe endlich ad acta legen. In ihrem Kopf tobte der Kampf Für und Wider einen Umzug. Doch je näher sie der Stadt kamen und sie Jakob´s euphorische Berichte hörte, hatte das „Pro“ Bad Wildbad in ihrem Kopf gewonnen. Eine neue Arbeit als Lehrerin in einer Schule würde sie bestimmt auch in kurzer Zeit bekommen.

Auch für Nina war der Gedanken an einen Umzug nicht einfach. Zum einen stand sie kurz vor ihrem Abitur, sie brauchte nur noch ein Schuljahr, dann hatte sie Leistungskurse gewählt, die sie unbedingt weiter machen wollte und auch ihr großer Freundeskreis würde ihr bestimmt sehr fehlen. Sie musste, wenn der Umzug stattfinden würde, wieder bei null beginnen. Andererseits überlegte sie, okay neue Schule und neue Freunde wären eigentlich auch nicht schlecht. Aber ihre Leistungskurse waren für ihre Zukunft sehr wichtig. Sie wollte unbedingt Psychologie studieren und da dafür ein Numerus Clausus festgelegt ist, brauchte sie ein sehr gutes Abitur von mindestens 1,25. Letztendlich wollte sie aber auch ihre Eltern bei sich haben und so ist der Umzug wohl nicht zu meiden. Außerdem würde sie ja, nach dem Abitur, sowieso weggehen müssen um zu studieren. Also wird sie wohl nur das eine Jahr, oder wenn es schlecht kommt auch zwei Jahre bleiben.

So hatten sich Mariella und Tochter Nina bereits für Bad Wildbad entschieden, als sie endlich nach einer knapp zweistündigen Autofahrt ankamen.

Jakob führte seine beiden Frauen stolz zu dem neuen Haus und öffnete die Haustür.

„Herein mit euch beiden. Ich führe euch jetzt herum. Gut aufpassen, sonst verirrt ihr euch vielleicht“, lachte Jakob. Neugierig gingen Mariella und Nina durch die Wohnräume und sahen sich Zimmer für Zimmer an.

„Das gefällt mir sehr gut. Vor allem die unterschiedlichen Wohnebenen sind toll und auch die riesigen Fensterfronten. Ich bin echt begeistert und denke, hier könnte ich leben. Was meinst du Nina? Wie gefällt es dir?“ fragte Mariella.

„Ich denk, das ist ganz okay. Daddy, gibt es auch noch einen Garten?“ wollte Nina wissen.

„Na klar, und was für einen. Wir sind hier das letzte Haus und bis zum Wald ist es nicht sehr weit, vielleicht nicht einmal 100 m oder so. Aber auch der Garten selbst ist auf zwei Ebenen angelegt. Einmal zum Esszimmer raus und das andere mal zum Wohnzimmer. Kommt wir schauen uns das einmal an“, erklärte Jakob und ging vom Wohnzimmer aus auf die große Terrasse.

„Ja, das gefällt mir auch. Ich denke, wir sollten das Haus nehmen“, erklärte Mariella, „du hast auf der Fahrt nicht übertrieben.“

„Okay, dann müssen wir nur noch die Sache mit meiner Schule und den Leistungskursen klären“, lächelte Nina ihre Eltern an.

„Ich glaube das mit deinen Leistungskursen wird sich relativ schnell klären lassen und außerdem gibt es nicht nur hier, sondern auch in Neuenbürg oder Pforzheim Gymnasien. Wenn ihr beide damit einverstanden seid, werde ich gleich nach Weihnachten anrufen und den Mietvertrag machen lassen“, freute sich Jakob, „und nun sollten wir schnell noch die Zimmer ausmessen und anschließend langsam wieder nach Hause fahren. Nicht, dass es heute Nacht noch glatt wird.“

Nachdem sie alles vermessen hatten, fuhren Jakob, Mariella und Nina nach Hause.

„Wann soll denn der Umzug über die Bühne gehen?“ fragte Nina.

„Kurz vor deinem 18. Geburtstag denke ich, wäre das am Besten. Dann könntest du in unserem leeren Haus eine riesengroße Party machen und deinen Geburtstag und deinen Abschied gleichzeitig feiern. Und wenn es klappen sollte, auch noch gleich deinen Führerschein dazu. Was hältst du davon?“ fragte Jakob.

Plötzlich hellte sich Nina’s Miene auf und sie war Feuer und Flamme für den Umzug und natürlich wegen ihrer Party.

„Mal langsam Nina“, mischte sich Mariella ein, „ich meine, ich werde auch mit auf der Party sein und nach dem Rechten sehen.“

„Oh Mama. Ich werde 18 Jahre alt. Da brauche ich keinen Aufpasser mehr“, schimpfte Nina.

„Aufpasser vielleicht nicht, aber vielleicht jemand der dir hilft alles vorzubereiten?“ beschwichtigte Jakob.

„Ja, das ist okay, aber nicht bei der Party“, sagte Nina sauer.

„Wenn du mich überhaupt nicht dabei haben willst, gehe ich eben zu meiner Schwester oder bleib ganz in Wildbad, dann kannst du alles alleine machen. Auch das Aufräumen und saubermachen nach der Party natürlich“, erwiderte Mariella barsch.

„Hallo meine Damen. Ich bin sicher wir finden einen Weg, der euch beiden passt. Gut?“ fragte Jakob.

Nina setzte sich jetzt die Kopfhörer ihres MP3-Players auf und verkroch sich in eine Ecke des Rücksitzes.

„Mariella mein Schatz, ich denke wir sollten unserer Tochter das Ganze selbst überlassen. Wenn es hinterher zu heftig ist, wird sie sich schon selbst melden. Meinst du nicht?“ fragte Jakob.

„Ja, du hast ja Recht. Ich denke halt immer noch, dass sie unsere kleine Tochter ist und beschützt werden muss. Sie ist so schnell erwachsen geworden“, überlegte Mariella laut.

„Ja und in nicht allzu weiter Ferne wird sie ausziehen und irgendwo in Deutschland oder gar im Ausland studieren“, lachte Jakob.

„Stimmt ja, aber jetzt schon flügge werden? Ich weiß nicht“, entgegnete Mariella, „vielleicht ist die Geburtstagsparty ein Gradmesser. Ja, sie soll feiern und ich helfe ihr, wenn sie will. Aber die Folgen, wenn etwas aus dem Ruder läuft, muss sie dann auch selbst tragen.“

„Es ist schwer los zu lassen, aber für uns wird es langsam Zeit uns an den Gedanken zu gewöhnen“, lächelte Jakob.

Zuhause angekommen, gingen alle drei gleich zu Bett. In den folgenden Tagen machte Jakob den Mietvertrag klar. Anschließend fuhren Jakob und seine Familie mit Mariellas Schwester und Schwager in den Skiurlaub nach Südtirol.

Der Gesangverein

Der Umzug nach Bad Wildbad und die große Geburtstags-, Führerschein- und Abschiedsparty von Nina waren vorbei und die kleine Familie Groß lebte sich gut in ihrer neuen Wohnung ein. Ninas Party hatte auch keine größeren Probleme oder Ärger verursacht.

Mariella konnte sehr schnell an der Grundschule der kleinen Kurstadt mit ihrer Arbeit beginnen und auch Nina hatte Glück. In dem Gymnasium in Neuenbürg wurden genau die Leistungskurse angeboten, die sie wollte und sie fand auch sehr schnell Anschluss.

Da sie auch die Führerscheinprüfung bestanden hatte, durfte sie oft mit dem Cabrio ihres Vaters zur Schule fahren.

Jakob, Mariella und Nina fühlten sich in ihrer neuen Heimat sehr wohl.

Da Mariella in der Regel täglich erst gegen 14 Uhr von der Schule nach Hause kam, verbrachte Jakob seine Mittagspause mit einigen Kollegen gerne in einem kleinen Cafè in der Nähe seiner Arbeitsstelle. Dort lernte er schnell den Wirt und dessen Ehefrau kennen. Jakob verstand sich sehr gut mit den Wirtsleuten und so wurde dieses Cafè schnell zu Jakob´s und Mariella’s Stammlokal, nicht zuletzt auch, weil es in diesem kleinen Lokal ausgezeichnete Speisen gab.

Neben den Wirtsleuten freundeten sich Mariella und Jakob auch mit anderen Stammgästen an, die unter anderem auch Mitglied in einem Gesangverein waren. Jakob und auch Mariella fanden die Erzählungen über die Konzerte, Konzertreisen und Ausflüge, aber auch die Geschichten über das Vereinsleben, amüsant und hoch interessant. So dauerte es auch nicht lange, bis sich das Ehepaar Groß überreden ließ bei einer Probestunde des Gesangvereins mitzumachen. Jakob hatte bisher zwar nichts mit Chormusik am Hut, aber Mariella hatte sich bereits länger Gedanken gemacht, wie sie Jakob gestand, in einen Chor einzutreten. Jakob ging deshalb nur Mariella zuliebe mit zur Probestunde. Er hatte keine Ahnung in welcher Stimmlage er singen konnte und so war die Probestunde eine kleine Tortur für ihn. Er konnte keine Noten lesen und so brummte er einfach mit seinem Nebenmann mit und irgendwann im Verlauf der Chorprobe machte es Jakob dann doch Spaß im Chor mitzusingen. Bei dem anschließenden gemeinsamen Ausgang der Chormitglieder wurden Mariella und Jakob sehr herzlich aufgenommen und gebeten auf alle Fälle wieder zu kommen.

„Aber ich kann doch gar nicht singen“, sagte Jakob.

„Natürlich können sie singen“, erwiderte der Chorleiter Tom Grau lachend.

„Ich kenne aber nicht einmal die Noten“, erklärte Jakob.

„Das ist doch kein Problem, da helfen wir ihnen weiter. Sie müssen nur mitmachen, dann klappt das schon“, antwortete Herr Grau freundlich.

„Na gut, ich werde es mir überlegen“, lachte nun auch Jakob.

Das Ehepaar Groß verbrachte einen schönen Abend im Kreis der Chormitglieder und so war es auch kein Wunder, dass Jakob und Mariella neue Mitglieder des Gesangvereins wurden.

Nina wunderte sich sehr über das neue Engagement ihrer Eltern, freute sich aber auch, dass diese so in der neuen Heimat Anschluss gefunden hatten. Sie selbst bereitete sich intensiv auf ihre Wertungsklausuren und ihre Abiturprüfungen vor, immer ihr Ziel vor Augen Psychologie studieren zu wollen und deshalb ein sehr gutes Abitur abzulegen. Diesem Ziel kam sie immer näher und hatte nur noch ein paar Monate Schule vor sich. Denn Ende März begannen die Abiturprüfungen.

Kurz vor den Sommerferien bekam Mariella die Chance, durch eine Weiterbildung an einer katholischen Akademie, ihr berufliches Profil zur Reformpädagogin aufzuwerten. Dieses Studium wurde berufsbegleitend angeboten und so konnte sie, neben ihrem Job an der Schule, auch studieren.

Als Mariella dies Jakob berichtete, war dieser sehr froh, dass Mariella sich in ihrem Job nun auch noch gegenüber ihrer früheren Heimat wesentlich verbessern konnte. Er riet ihr deshalb dieses Angebot unbedingt wahrzunehmen. Mariella war sehr glücklich über Jakob´s Freude und sagte bereits am folgenden Tag ihrer Rektorin zu. Start des Studiums sollte bereits im Oktober sein und über knapp 2 Jahre hinweg gehen, meistens an den Wochenenden oder auch Feiertagen.

Auch für Jakob lief es in seinem Beruf sehr gut und er stand kurz vor einer Beförderung zum Alleingeschäftsführer des Klinikkonzerns, für den er arbeitete.

Mariella und Jakob, und auch Nina waren jetzt allesamt sehr froh, doch den Umzug in eine neue Stadt gewagt zu haben.

Auch im Gesangverein konnte Jakob seine Unsicherheit beim Notenlesen immer besser abbauen. Er sang einfach so, wie sein Nebenmann und kam immer besser zurecht.

Anlässlich einer Chorprobe, teilte dann Fritz Einsel der Vereinsvorsitzende mit, dass der Chor Ende Mai des nächsten Jahres, an einem europäischen Chorwettbewerb im südfranzösischen Frejus mitmachen soll. Nach einer kurzen Diskussion der Sängerinnen und Sängern wurde beschlossen diese Chorreise zu unternehmen und auch die beiden anderen Chöre der Stadt mit einzubeziehen.

Der Chorleiter, der auch diese Chöre leitete, versprach sich umgehend mit den Vereinsvorsitzenden in Verbindung zu setzen und ein ansprechendes Programm auszuarbeiten.

Jakob und Mariella freuten sich sehr auf diese Konzertreise, weil sie selbst noch nie an so etwas mitgewirkt hatten. Und dann noch nach Südfrankreich zu kommen, wenn auch nur für wenige Tage, war für beide etwas Besonderes.

Mariella checkte zu Hause gleich, ob der Reisetermin mit den Abiturprüfungen von Nina kollidieren würde, was aber nicht der Fall war. Der Termin fiel genau in Ninas große Abiturreise nach Rom. Auch ihre Studienkurse wurden von dem Termin nicht durchkreuzt, so dass einer Teilnahme an der Konzertreise nichts im Wege stand.

Die folgenden Wochen vergingen wie im Flug. Nina büffelte für ihre Klausuren um die erwarteten Einreichungsnoten zu bekommen und Jakob übte mit Mariella Noten zu lesen und zu singen. Für Mariella war dies kein Problem, da sie hervorragend Klavier spielen konnte und Jakob hatte den Ehrgeiz bei der Konzertreise gut und sicher singen zu können.

Im Oktober begann dann Mariellas Zusatzstudium. Jakob ließ es sich nicht nehmen, seine geliebte Frau und auch ihre Kollegin Patrizia, selbst in die Nähe von Ulm zu fahren und nach 4 Tagen wieder abzuholen.

Mariella berichtete ihrem Jakob nach den ersten Kursen überschwänglich, wie toll es war und dass sie sich mit einigen Studienkolleginnen angefreundet hatte.

Kurz vor Weihnachten fand das traditionelle weihnachtliche Chorkonzert des Vereins auf dem Programm. Jakob hatte Lampenfieber, da er selbst noch nie bei einem Konzert gesungen hatte. Mariella war in dieser Hinsicht viel cooler und beruhigte ihren Mann. Nina hatte versprochen sich dieses Konzert anzuhören, obwohl es absolut nicht ihre Musikrichtung war. Die Aufführung fand in einer Kirche mit einer schönen Akustik statt und war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Der Gesangverein trug ein weihnachtliches Oratorium vor und erhielt einen sehr, sehr großen Applaus der Besucher. Jakob war erleichtert, dass er dies dank Mariella und auch Dank des Chorleiters Tom Grau gut überstanden und keinen hörbaren Fehler gemacht hatte.

Auch Nina war begeistert. Sie hätte nie gedacht, dass ihr Vater in der Lage war fehlerfrei zu singen.

Nach dem Konzert gingen alle Chormitglieder mit ihren Angehörigen und Freunden gemeinsam zum Essen. Hier teilte der Chorleiter dann auch mit, dass dieses eben aufgeführte Oratorium auch in Südfrankreich gesungen werden wird. Der Vereinsvorsitzende erklärte dann auch noch zusätzlich, dass das Rahmenprogramm bereits stehen würde. Geplant war, dieses Konzert bei dem europäischen Chorfestival und anschließend auch noch in der südfranzösischen Partnerstadt Cogolin, die nur wenige Kilometer von Frejus entfernt ist, in einer sehr alten Kirche aufzuführen.

„Neben dem musikalischen Bereich, haben wir, die anderen Vereinsvorsitzenden und ich, uns auf ein schönes Rahmenprogramm geeinigt“, sagte der Vereinsvorsitzende Einsel, „wir werden in unserer Partnerstadt in einem Hotel direkt am Meer wohnen, unseren Partnerverein treffen und einen Tagesausflug nach Monte Carlo machen. Wir fahren mit drei großen, modernen und vor allem bequemen Reisebussen. Ich hoffe das ist so in eurem Sinn.“

Der Applaus der Sängerinnen und Sänger war Zustimmung genug und so gab es nur noch ein Thema an diesem Abend, Südfrankreich.

Die Weihnachtsfeiertage und das anschließende Neujahrsfest waren vorbei und Nina wartete auf die Einreichungsnoten für das Abitur. Endlich im Februar war es soweit. Mit einem leicht betrübten Gesicht kam Nina nach Hause zu Mariella und Jakob.

„Dieser Idiot von Französischlehrer“, schimpfte Nina, „haut der mir doch eine 1,75 rein, weil ich im mündlichen etwas schwächer sein soll. Mit dem Durchschnitt hab ich keine Chance auf Psychologie. Ich brauche eine 1,25 und komme jetzt auf eine 1,5.“

Jakob und Mariella versuchten ihre Tochter zu beruhigen, was ihnen aber nicht gelang. Sie verschwand in ihrem Zimmer. Nach einiger Zeit kam sie und erklärte ihren Eltern:

„Der Idiot kann machen was er will. Ich bekomme meine 1,25 oder noch besser beim Abitur. Ich werde mich einfach zusätzlich noch mündlich prüfen lassen, wenn es im schriftlichen nicht zu einer glatten 1 reicht und dann kann der mir mal den Rücken runter rutschen, der Idiot.“

Jakob und Mariella fingen an zu lachen und auch Nina lachte.

„Genau so mach ich das“, rief sie und umarmte ihre Eltern.

„Kleines, du machst das schon richtig. Und wenn es nicht so funktioniert wie du dir das vorstellst geht die Welt auch nicht unter“, erklärte Jakob und Mariella nickte.

„Ich möchte aber Psychologie studieren und da brauch ich eben diese 1,25“, antwortete Nina.

„Hast du einen Plan B, falls das nicht funktionieren sollte?“ fragte Mariella.

„Nein, das will ich auch nicht. Ihr wisst doch, Psychologie war schon immer mein Traum. Ich will etwas mit Menschen machen“, erwiderte Nina.

„Wie wäre es mit Medizin? Mit Pädagogik? Und da gibt es noch viele andere Berufe, die mit Menschen zu tun haben“, meinte Mariella.

„Nein, Psychologie oder nichts“, erklärte Nina trotzig.

„Okay, bei einer 1,5 hast du doch trotzdem die Chance das Studium zu machen. Eventuell musst du ein oder zwei Semester Wartezeit in Kauf nehmen. Wäre doch auch nicht schlimm“, schlug Jakob vor.

„Die ganze Diskussion bringt nix. Warten wir ab, wie das Abi läuft“, entgegnete Nina wieder friedlich, „was macht eigentlich eure Konzertreise?“

„Es läuft alles. Bin sehr gespannt auf dieses Cogolin, das soll in der Nähe von Saint Tropez sein. Und wenn wir in Monte Carlo sind, ist zeitgleich der Formel 1 Grad Prix dort. Das ist bestimmt auch sehr spannend“, freute sich Jakob.

„Das glaub ich dir. Das ist doch eher dein Ding als zu singen“, lachten Mariella und Nina gemeinsam.

„Nein, das Singen macht mir jetzt ja auch Spaß“, lachte Jakob zurück.

Als Jakob und Mariella später im Bett lagen, fragte Jakob: „Du erzählst gar nichts mehr von deinem Studium. Macht es keinen Spaß mehr?“

„Natürlich macht es mir großen Spaß. Es ist alles wunderbar und in Ordnung“, antwortete Mariella zögerlich.

„Wenn ich dir helfen kann, sag es nur, ich tu es gerne“, erwiderte Jakob.

„Lass uns schlafen“, würgte Mariella das Thema ab und drehte Jakob den Rücken zu.

Irritierte machte er seine Nachttischlampe aus und schlief schnell ein.

Der Reisetermin rückte immer näher und Ninas letzte schriftliche Abiturprüfungen standen an.

Mariella, Nina und Jakob waren zuversichtlich, dass die Prüfungen so verlaufen werden, wie Nina es sich wünschte. Jakob wusste, seine Tochter hatte einen wahnsinnigen Ehrgeiz und trotzdem eine unfassbare innere Ruhe. Er ließ es sich nicht nehmen, sie zum Abschluss des schriftlichen Teils des Abiturs selbst zur Schule zu fahren und dort auf sie zu warten. Nach 2 langen Stunden kam Nina lachend aus dem Gebäude.

„So, das war es. Dem blöden Idioten von Französischlehrer hab ich es gezeigt“, lachte Nina und stieg ins Auto ein, „in einer Woche haben wir das Ergebnis, aber ich bin sehr zuversichtlich.“

„Wenn das so ist, lade ich dich zum Essen ein, was meinst du?“ fragte Jakob lachend.

„Gerne, und wo? Ich hätte mal wieder Lust auf Fastfood. Hab schon lange keine Burger mehr gegessen“, erklärte Nina und so fuhr Jakob zum nächsten Fast-Food-Restaurant in Pforzheim. Dort aßen sie mit Wonne ihre Burger und Pommes Frites, holten dann Mariella von der Schule ab und fuhren nach Hause.

Die Woche war schnell vorbei und Nina fuhr zum Gymnasium um zu sehen, wie sie abgeschnitten hatte. Vor dem großen Aushang stehend rief sie plötzlich: „Ja, ja.“ und reckte ihre Faust nach oben. Sie hatte es tatsächlich genau so geschafft wie sie wollte. Sie rief deshalb von unterwegs aus an: „Daddy, eine 1,1“, lachte sie, „denen hab ich es aber gezeigt. Ins mündliche Abi muss ich auch nicht. So und jetzt können wir alle in Ruhe in Urlaub fahren. Vielleicht brauchen Mom und ich noch neue Klamotten für die Reise?“

„Okay, Okay hab ich deiner Mutter ja auch versprochen. Wir werden morgen fahren. Aber komm jetzt erstmal nach Hause, oder triffst du dich noch mit deinen Freunden?“, beschwichtigte Jakob seine Tochter.

„Eher weniger. Einige haben gesagt, dass sie sich jetzt voll laufen lassen wollen. Aber das ist nicht mein Ding. Ich werde jetzt los fahren. Also bis gleich“, flötete Jakob´s Tochter ins Telefon.

„Mariella, Nina hat ne 1,1. Das ist doch der Wahnsinn, oder?“ rief Jakob seiner Frau zu, die gerade in der Küche hantierte.

„Was hat sie?“ fragte Mariella ungläubig nach.

„Na einen 1,1 Durchschnitt und ins mündliche muss sie auch nicht. Sie ist fertig und hat definitiv ihr Ziel erreicht“, lachte Jakob erlöst.

„Ja, das hat sie und den Studienplatz wird sie bestimmt auch bekommen“, sagte Mariella nachdenklich.

„Was ist denn mit dir? Freust du dich nicht?“ fragte Jakob besorgt.

„Doch, doch, ich freue mich auf der einen Seite und auf der anderen Seite muss ich daran denken, dass unser Baby bald aus dem Nest fliegen wird und das macht mich traurig“, antwortete Mariella.

„Sie wird studieren, das wollten wir doch auch und ich glaube nicht, dass sie sehr weit weg gehen wird. Mit Tübingen und Heidelberg sind doch die besten Unis nicht sehr weit weg von hier. Außerdem ist sie bereits 19 Jahre alt, da will man sich doch selbständig machen oder nicht?“ lachte Jakob.

„Stimmt ja alles was du sagst, trotzdem wird sie mir fehlen“, lächelte Mariella.

„Meinst du, wir sollten ihr ein Auto zum bestandenen Abitur kaufen? Brauchen wird sie es bestimmt sowieso“, schlug Jakob vor.

„Ja, das wird wohl so sein. Machen wir das. Kümmerst du dich drum?“ erwiderte Mariella, „und morgen gehen wir alle drei nach Pforzheim oder Karlsruhe shoppen. Wenn wir nach Südfrankreich fahren, möchte ich tolle Klamotten haben und Nina soll auch vernünftige Sachen haben, wenn sie nach Rom fährt. Hast du eigentlich schon diese komischen Blusen gesehen, die wir bei den Auftritten anziehen sollen?“

„Also das mit dem shoppen gehen ist gebongt und nein, eure Blusen hab ich noch nicht gesehen“, antwortete Jakob.

„Elvira hat sie mir heute in die Schule gebracht. Die sind echt krass. Richtiger Oma-Look. Ob ich die anziehen werde, weiß ich noch nicht, aber vielleicht finde ich morgen eine in der gleichen Farbe, die nicht so grauenhaft und altmodisch aussieht“, erklärte Mariella.

„Ich glaub das solltest du mit eurer Obersängerin abklären. Aber zeig mal her“, sagte Jakob.

Mariella holte die Bluse und hielt sie an sich. Jakob musste laut lachen „das geht aber gar nicht. So eine hatte meine Oma vor 40 Jahren an. Wir werden morgen mal sehen, ob es nicht etwas Besseres gibt. Dann ziehst du die an und sagst einfach, dass die andere Bluse Rotweinflecken bekommen hat.“

„Das hab ich mir auch gedacht. Die kann man, vor allem ich, nicht anziehen; außerdem 100% Polyacryl. Da schwitzt man und bei meiner Haut gibt es bestimmt auch eine allergische Reaktion“, erklärte Mariella.

„Da hast du doch deine Entschuldigung für eine neue Bluse. Vielleicht gibt es noch andere Sängerinnen, denen es ebenso geht“, überlegte Jakob.

„Wir haben jetzt noch eine Chorprobe, da werde ich das sagen mit der Allergie und dass ich eine neue Bluse in der gleichen Farbe habe“, lachte jetzt Mariella.

Kurze Zeit später traf Nina zu Hause ein. Nach einer überschwänglichen Begrüßung und Beglückwünschung zum bestandenen Abitur sagte Nina „Denen hab ich’s aber jetzt gezeigt. Bin mal gespannt, ob der doofe Französischlehrer beim Abifest etwas sagt. Und morgen shoppen geht klar?“

„Natürlich, wo wollen wir hin fahren? Pforzheim oder Karlsruhe, von mir aus Stuttgart, mir ist es egal. Wo soll es hin gehen?“, fragte Jakob.

„Ich denke wir sollten zuerst nach Pforzheim und wenn wir da nichts finden nach Stuttgart fahren. Was meinst du Nina?“ erwiderte Mariella.

„Also ich kenn mich in Stuttgart aus, in Pforzheim nicht, aber wenn du meinst, eine neue Erfahrung schadet ja nie“, lachte Nina.

Jakob, der seinen beiden Frauen zuhörte, musste lachen.

„“Hey, lachst du uns aus?“ fragte Mariella.

„Nein, das würde mir nie einfallen. Ich freue mich nur über eure Diskussion, eine echte Mutter-Tochter-Diskussion“, lachte Jakob.

Als sie über Jakob´s Worte kurz nachdachten, mussten Mariella und Nina auch herzhaft lachen. Sie waren sich ja einig, hatten aber trotzdem weiter diskutiert.

„Also endgültig, morgen fahren wir zuerst nach Pforzheim und sehen uns dort die Geschäfte an und wenn ihr nichts findet, können wir ja immer noch nach Stuttgart fahren“, entgegnete Jakob lachend, „wie sieht es aus, wollen wir heute Abend noch ein wenig feiern und schön ausgehen?“

„Das ist eine gute Idee, lieber Ehemann. Heute ist ja ein besonderer Tag“, antwortete Mariella lachend.

„Und wann bekomme ich mein Geschenk für das bestandene Abitur? Ausgehen ist doch nicht alles, oder?“ schimpfte Nina lachend.

„Also liebe Tochter, heute ist zwar ein besonderer Tag, du hast deine Abi-Note erfahren, aber dein Zeugnis und die Urkunde hast du noch nicht. An diesem Tag bekommst du dann auch dein Geschenk, in Ordnung?“ erwiderte Jakob.

„Schade, hatte gedacht ich bekomme es bereits heute. Aber was ist es denn? Schmuck, Geld oder was?“ drängelte Nina.

„Was würdest du dir denn wünschen?“ erkundigte sich Mariella.

„Ein kleines Auto wäre toll, dann bräuchte ich nicht ständig euer Auto zu nehmen, Klamotten, Schmuck oder auch Geld wären auch okay. Aber ein kleines Auto würde ich mir schon wünschen“, phantasierte Nina.

„Na, dann warte einfach mal ab, was es sein wird. Eines kann ich aber sagen, du brauchst nicht zu suchen, es ist nicht hier im Haus“, lachte Mariella und nahm ihre Tochter in die Arme.

„Na meine Damen wie sieht es denn aus, wollten wir nicht ausgehen und ein wenig feiern? Dann macht euch mal schön“, schubste Jakob seine beiden Frauen an.

Mariella und Nina flitzten in das Schlafzimmer bzw. in Ninas Zimmer und zogen sich rasch um. Jakob, der auf die beiden wartete, hatte in der Zwischenzeit Cocktails gemixt, die er den beiden Frauen reichte.

„Wow, toll seht ihr aus. Dir Nina noch einmal herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abitur“, sprach Jakob und hob sein Glas um mit beiden anzustoßen.

„Hey, da ist ja Alkohol drin. Dann müssen wir wohl jetzt zu Fuß in die Stadt gehen?“ erklärte Mariella entrüstet.

„Nein, wir nehmen ein Taxi. Das wird bestimmt auch gleich da sein und zurück nehmen wir auch ein Taxi, okay?“ lachte Jakob.

Sie hatten gerade angestoßen und einen Schluck getrunken, als der Taxifahrer bereits klingelte.

„Also, dann mal los meine Damen“, sagte Jakob, ging zur Tür und öffnete dem Taxifahrer, „wir sind sofort da, einen kleinen Moment noch.“

Der Taxifahrer nickte und ging zu seinem Auto.

Sie fuhren in die Stadt und ließen sich am Hotel-Restaurant des Hotels „Goldener Engel“ absetzen. Nina freute sich sehr, als sie sah, wohin ihre Eltern sie ausführten und drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange. Im Hotel wurden sie vom Hotelier persönlich zu ihrem Tisch geführt. Jakob und Mariella kannten den Inhaber gut und so traute der sich auch zu fragen: „Gibt es heute etwas zu feiern?“

„Ja klar, unsere Nina hat heute das Abitur bestanden und das mit einer 1,1. Das muss man doch feiern“, erklärte Jakob stolz.

„Ja, da habt ihr aber recht, das muss gefeiert werden. Nina, darf ich sie und ihre Eltern zu Champagner einladen?“ entgegnete der Hotelier.

„Ja, gerne“, freute sich Nina.

Dieser rief eine Kellnerin heran, orderte den Champagner und flüsterte ihr noch etwas ins Ohr. Die Kellnerin nickte und lächelte. Kurze Zeit später kam sie mit zwei Flaschen Champagner an den Tisch.

Sie öffnete eine Flasche und schenkte ein.

„Mmh, der schmeckt aber toll“ lachte Nina.

„Ja, das ist auch ein ganz besonderer Champagner, den habe ich selbst bei einem Winzer in der Region Montagne de Reims ausgewählt und mitgebracht. Der ist nur für ganz besondere Anlässe und ihr Abitur ist ein solcher Anlass. Die zweite Flasche ist für sie persönlich als Geschenk von mir. Lassen sie sich den Tropfen gut schmecken. Lasst uns jetzt anstoßen“, erklärte der Hotelier stolz.

Jakob, Mariella und Nina erhoben sich und stießen mit dem Hotelier an. Anschließend verbeugte er sich kurz und ließ die kleine Familie alleine.

„Ich würde gerne für uns ein spezielles Menü bestellen, seid ihr damit einverstanden?“ fragte Jakob und beide Frauen nickten.

Jakob bestellte für alle ein 7 Gänge Menü, das keine Wünsche offen ließ. Nina glaubte wie auf Wolken zu schweben, das lag aber nicht an dem außergewöhnlichen Champagner oder dem hervorragenden Bordeaux, den ihr Vater ausgesucht hatte. Es lag wohl daran, dass jetzt allmählich die Anspannung der vergangenen Wochen von ihr abfiel und auch an der Atmosphäre des Sternelokals und der liebevollen Fürsorge ihrer Eltern. Als sie kurz vor Mitternacht aufbrachen, hatten Nina und Mariella einen kleinen Schwips und Jakob führte seine Damen zu dem bestellten Taxi, das sie sicher nach Hause brachte.

Jakob, der am folgenden Tag wie immer im Büro seiner Arbeit nachging, übergab kurz vor Feierabend seinem Vertreter die Geschäfte und wollte gerade gehen, als seine Sekretärin, Frau Albert, eine freundliche End-50gerin, in sein Büro kam und ihm noch einen an ihn persönlich gerichteten Brief, auf dem „Eilt sehr“ stand, übergab.

Jakob öffnete schnell das Kuvert und hatte einen Brief in der Hand, der aus Zeitungsbuchstaben zusammengesetzt war. Jakob las laut: „JAKOB GROß, ICH KRIEG DICH! MACH DEIN TESTAMENT! DU WIRST NICHT MEHR LANGE LEBEN! DU BIST SCHULD AN MEINEM UNGLÜCK!“

Frau Albert, die gerade aus dem Büro gehen wollte, hörte den Text und fragte:

„Was ist das denn?“

„Keine Ahnung was das soll. Irgendein Spinner spielt sich wohl auf und will mir Angst einjagen. Packen sie das weg. Ich gehe jetzt nach Hause und in Urlaub“, erklärte Jakob nachdenklich.

„Soll ich den Brief nicht der Polizei geben?“ fragte Frau Albert besorgt.

„Nein, werfen sie den Müll weg und dann ist es vergessen“, grinste Jakob und verließ sein Büro.

Auf dem Heimweg überlegte er, ob er Mariella davon erzählen sollte, entschied sich aber ihr nichts davon zu sagen. Mariella hätte sich bestimmt unnötig Sorgen gemacht.

Trotzdem fragte er sich wer ihm denn so einen Brief schicken würde. Er fand keine Erklärung und schob die Gedanken an diesen Brief einfach weg. Jetzt wollte er einfach unbeschwert mit seinen beiden Frauen einkaufen gehen. In ein paar Tagen waren Nina, Mariella und er sowieso für eine Weile nicht mehr in der Stadt.

Konzertreise nach Südfrankreich

Die Tage bis zur Konzertreise von Mariella und Jakob vergingen wie im Fluge. Mariella hatte eine moderne Bluse in Pforzheim gefunden, mit der auch der Sängervorstand einverstanden war. Ausschlaggebend für die Zustimmung waren die befürchtete Allergie und die Drohung Mariellas die Konzertreise mit Jakob nicht mitzumachen.

Auch Nina hatte in Pforzheim schöne Kleider für die Abschlussfahrt nach Rom gefunden, so dass nun alle drei Groß’s den Reisen freudig entgegen sahen.

Ninas Abschlussfahrt startete bereits 2 Tage vor Jakob´s und Mariellas Abreise und endete auch 3 Tage nach Rückkehr ihrer Eltern aus Südfrankreich.

Es war nicht Ninas erste Reise ohne ihre Eltern. Sie hatte bereits mehrere Reisen mit ihrer Freundin Toni nach Venedig, Wien und Florenz gemacht, so dass Mariella sich nicht um ihre Tochter sorgen musste.

Am Tag nach Ninas Abfahrt, rief plötzlich Jakob’s Sekretärin zu Hause an. Mariella, die am Apparat war fragte: „Hallo Frau Albert, mein Mann hat Urlaub. Ist es so dringend?“

„Frau Groß ich muss unbedingt ihren Mann sprechen. Es ist wieder so ein Brief gekommen und ich mache mir langsam Sorgen“, erklärte Frau Albert.

„Was für ein Brief? Und warum wieder?“ wollte Mariella jetzt wissen.

„Nun am letzten Arbeitstag kam ein Brief in dem ihrem Mann gedroht wurde, das ihn jemand kriegen und umbringen will. Hat er ihnen das nicht erzählt?“ fragte Frau Albert.

„Nein, das hat er nicht. Moment, ich hole ihn sofort ans Telefon“, erwiderte Mariella ärgerlich und holte Jakob.

„Frau Albert, was gibt es denn so wichtiges. Hat das nicht Zeit bis ich wieder im Büro bin?“ fragte Jakob und bemerkte erst jetzt, dass Mariella neben ihm mit verschränkten Armen und bösem Gesicht stand.

„Es ist wieder so ein Brief gekommen“, antwortete die Sekretärin.

„Was für ein Brief?“ wollte Jakob wissen.

„Na wieder so ein Drohbrief. Ich hab ihn aufgemacht. Da steht, sie werden bald einen bösen Unfall haben und nicht überleben. Daneben ist eine Todesanzeige. Soll ich die Briefe jetzt der Polizei geben?“ sprudelte es aus der Sekretärin heraus.

„So ein Quatsch. Da macht einer einen Scherz. Vergessen sie das Ganze und werfen sie das Zeug in den Müll. Ich will mich mit so einem Mist nicht befassen. Und jetzt hab ich Urlaub. Haben sie verstanden?“ schimpfte Jakob.

„Ja Chef. Hab verstanden, aber“, Jakob unterbrach sie sofort und sagte bestimmt „nichts aber. Tschüß.“

„Chef passen sie auf sich auf, tschüß“, erwiderte Frau Albert besorgt.

„Was sind das für Briefe? Um was geht es da?“ fragte Mariella ärgerlich als Jakob aufgelegt hatte.

„Irgendein Spaßvogel will mir mit solchen Briefen Angst machen, aber keine Ahnung warum. Wahrscheinlich ein Spinner und jetzt reg dich nicht so auf“, versuchte Jakob seine Frau zu beruhigen.

„Und warum sagst du mir nichts davon?“ schimpfte Mariella.

„Zum einen weil es Müll ist und ich dich, zum anderen, nicht beunruhigen wollte“, versuchte Jakob sich zu rechtfertigen.

„Na gut. Wir sind morgen weg und dann passiert wohl nichts“, erklärte Mariella und ging nach oben um ihre Koffer fertig zu packen.

Der Tag der Konzertreise kam. Euphorisiert fuhren Jakob und Mariella kurz nach 4 Uhr morgens mit dem Taxi zum Busbahnhof. Die beiden hatten die Drohbriefe wieder vergessen. Sie wurden bereits von einigen Sängerinnen und Sängern auf das Herzlichste begrüßt. Der Bus war noch nicht eingetroffen und auch eine Reihe von Sängerinnen und Sängern fehlten noch. Die Busse der befreundeten Gesangvereine waren auch noch nicht da. Sie mussten alle noch etwa 30 Minuten warten, bis der moderne Reisebus eintraf.

Mariella und Jakob bestiegen als eine der Ersten den Bus und wählten einen für sie beliebigen Platz aus. Das war jedoch ein großer Fehler, sich einfach auf einen beliebigen Platz im Bus zu setzen, denn einige der älteren Sängerinnen hatten sich verabredet, vorbestimmte Plätze im Bus für sich in Anspruch zu nehmen. So wurden Jakob und Mariella von ihren Sitzen vertrieben, so dass sie am Ende fast ganz hinten im Bus endlich ihre Plätze einnehmen konnten.

„Ganz schön krass“, flüsterte Jakob seiner Frau zu.

Mariella nickte und meinte leise: „Wenn das die ganze Zeit so geht, wird die Reise wohl nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber mal sehen was noch passiert.“

Vor der Abfahrt gingen Fritz Einsel, der Vorsitzende des Vereins und sein Kassenwart, Karl Maile, gemeinsam durch die Reihen um zu prüfen wer eventuell noch fehlen würde. Da aber alle da waren, hätte der Bus abfahren können. Es fehlten aber noch die Busse der beiden anderen Gesangvereine. Als diese dann auch endlich eintrafen, ging es endlich los. Jakob und Mariella machten es sich bequem und versuchten noch etwas zu schlafen. Gegen 9 Uhr erreichten sie Dijon und machten an einer Raststätte eine kleine Frühstückspause, anschließend ging es wieder zügig weiter.

„Was macht eigentlich dein Studium, mein Schatz?“ fragte Jakob beiläufig.

„Da ist alles in Ordnung. Warum fragst du?“ entgegnete Mariella.

„Na, du erzählst nichts mehr davon. Man könnte denken, dass du da ein Problem hast. Erzähl doch, vielleicht kann ich dir helfen?“ erklärte Jakob fürsorglich.

„Nein, alles in Ordnung. Schau mal die schöne Landschaft hier“, lenkte Mariella ab, so dass Jakob sich wunderte und das Thema für sich abschloss.

In der Nähe von Lyon sollte dann ein vorbestelltes Mittagessen eingenommen und vom Gesangverein bezahlt werden um schnell weiter fahren zu können. Sie erreichten rechtzeitig die Raststätte und konnten auch zügig das bestellte Mittagessen einnehmen. Nach dem Essen verließ Jakob die Raststätte, um noch schnell eine Zigarette zu rauchen. Plötzlich sah er, wie einige seiner Vereinskollegen schimpfend aus der Raststätte kamen und die Straße in seine Richtung gehend überquerten.

„Was ist denn passiert?“ fragte Jakob eine Sängerin.

„Unser Kassenwart hat wohl kein Geld mitgenommen. Der spinnt doch. So etwas kann doch nicht sein“, echauffierte sie sich weiter.

„Hat denn der Vorstand kein Geld dabei, um zu bezahlen?“ fragte Jakob nach.

„Nein, der hat sich vermutlich versteckt und ist nicht zu finden“, schimpfte die Sängerin weiter.

„Ich geh mal rein“, entgegnete Jakob.

Als er die Straße überqueren wollte, bemerkte er wie ein Auto mit quietschenden Reifen losfuhr und auf ihn zu raste. Jakob konnte gerade noch rechtzeitig zur Seite springen um nicht überfahren zu werden. Er landete aber unsanft an einer Autostoßstange und rappelte sich wieder auf. Die Sängerinnen die das mit angesehen hatten, kamen sofort zu ihm und wollten ihm helfen.

„Danke, ist nichts passiert. Ich geh jetzt mal zu Karl. Vielleicht kann ich ihm helfen“, erklärte Jakob und ging los.

Am Kassentresen sah er sofort den Kassenwart, der wild mit Händen und Füssen gestikulierend, mit einem Kellner verhandelte. Jakob ging zu den beiden hin und fragte: „Karl, kann ich irgendwie helfen?“

„Jakob, ich hab meine Tasche mit dem ganzen Geld für die Reise zu Hause vergessen und der Kellner will jetzt Geld sehen“, erklärte Karl Maile weinerlich.

„Hast du keine Kreditkarte mit?“ fragte Jakob.

„Schon, aber nur meine private“, erklärte er.

„Dann bezahl halt mit deiner Karte und hol dir das Geld vom Verein, ist doch kein Problem“, beschwichtigte Jakob.

„Wenn meine Frau das mitbekommt, gibt es auch noch privaten Krach“, erklärte er traurig.

„Wo ist eigentlich unser Vorstand, vielleicht hat der genug Geld mit?“ fragte Jakob.

„Nein, der ist doch selbst fast pleite“, sagte Karl Maile.

„Gut, dann musst du wohl oder übel den Krach mit deiner Frau inkauf nehmen“, erklärte Jakob sachlich.

„Könntest du vielleicht?“ fragte der Kassenwart hinterlistig.

„Können schon, aber einsehen tu ich das nicht und machen auch nicht“, erklärte Jakob bestimmt, „bezahl jetzt, damit wir weiterkommen.“

„Nein“, erklärte der Kassenwart trotzig.

„Dann bleib halt hier und warte bis die Polizei kommt. Der Kellner wird bestimmt gleich anrufen“, erklärte Jakob, „außerdem brauchst du ja noch einiges an Geld für den Ausflug nach Monte Carlo usw.. Die Busse der anderen Vereine werden bestimmt gleich losfahren. Beweg dich und finde eine Lösung. Soll ich mal deine Frau suchen und ihr Bescheid sagen?“

„Na gut, mir ist jetzt schon alles egal. Ich bezahl und überlege mir wie es weitergeht“, erklärte der Kassenwart, nahm seine Kreditkarte und gab sie dem Kellner, der nur leicht lächelte. Jakob erklärte dem Kellner kurz die Lage, der grinste und machte die Abrechnung. Endlich war die Angelegenheit erledigt und die Fahrt konnte weitergehen.

Im Bus herrschte totale Stille und als Jakob für Mariella und sich etwas zu trinken holte, sah er Karl Maile und dessen Ehefrau mit knallrotem Gesicht und schweigend nebeneinander sitzen.

Von dem Vorfall auf dem Rastplatz sagte Jakob nichts zu Mariella.

Kurz nach 22 Uhr erreichten sie ihr Hotel in Marines de Cogolin. Jakob und Mariella nahmen ihre Koffer und gingen zu Karl Maile, der die Zimmerverteilung machen sollte, aber damit völlig überfordert war.

„Du Schatz, unser Kassenwart ist total überfordert. Ich glaub ich muss dem helfen, sonst kriegt der noch einen Herzinfarkt nach dem heutigen Tag“, flüsterte Jakob seiner Frau zu, die nur kurz nickte.

„Kann ich helfen“, fragte Jakob in die Menschentraube um den Kassenwart.

„Bitte, Bitte. Der ist doch völlig überfordert“, riefen einige Sängerinnen und schoben Jakob zum Kassenwart.

„Brauchst du Hilfe?“ fragte Jakob freundlich.

„Das wäre toll, unser Vorstand hat mich wieder einmal alleine sitzen lassen“, erklärte der Kassenwart schwitzend.

„Gut“, sagte Jakob, nahm zwei Finger in den Mund und ließ einen lauten Pfiff ertönen, „Ruhe jetzt. Ich lese die Namen und die Zimmernummern vor, Karl sucht den zugehörigen Schlüssel raus und ihr geht bitte ruhig und schnell auf eure Zimmer. Und bitte keine Diskussionen.“

Augenblicklich war Ruhe und Jakob rief einzeln die Namen auf, Karl Maile suchte die Schlüssel heraus, gab sie Jakob und der reichte die Schlüssel weiter. Nach 10 Minuten war die Zimmerverteilung beendet und Jakob wollte Mariella auf das Zimmer folgen, aber er hatte die Zimmernummer vergessen. Er ging deshalb von Zimmer zu Zimmer, klopfte kurz an und fragte ob alles in Ordnung sei. Dabei musste er einigen Sängerinnen und Sängern behilflich sein z.B. abgeschlossene Koffer öffnen. Endlich hatte er Mariella und sein Zimmer gefunden. Mariella hatte bereits die Koffer ausgepackt, als Jakob ins Zimmer kam.

„Puhh, wo sind wir denn da rein geraten. In dem Verein klappt ja gar nichts“, schimpfte Jakob.

„Reg dich nicht auf, Schatz“, beschwichtigte Mariella ihren Jakob, „magst du noch einen Spaziergang machen, damit du wieder runter kommst und ruhiger wirst?“

„Gute Idee, dann sehen wir auch wo wir hier eigentlich gelandet sind“, lachte Jakob und nahm seine Mariella in die Arme.

Sie spazierten Arm in Arm aus dem Haus und konnten feststellen, dass sie direkt an einem Jachthafen waren. Langsam gingen sie am Wasser entlang, als sie zwei Personen auf einer Bank sitzen sahen. Beim näher kommen stellten sie fest, dass es der Kassenwart, Karl Maile, und dessen Ehefrau waren. Jakob und Mariella gingen auf beide zu.

„Auch noch ein wenig die Beine vertreten?“ sagte Jakob.

„Ja, so etwas wie heute hab ich noch nicht erlebt. Das war schon grenzwertig“, sagte der Kassenwart.

„Es ist deine eigene Schuld und Dusseligkeit“, schimpfte seine Frau.

„Das kann doch jedem passieren. Hast du dir schon Gedanken gemacht wie du an Geld kommst, Karl?“ fragte Mariella.

„Wir werden wohl alles aus eigener Tasche bezahlen müssen“, antwortete die Frau des Kassenwarts.

„Kommt unser Bürgermeister nicht zu den Konzerten in Frejus?“ fragte Jakob.

„Ich weiß nicht, aber ich denke schon“, antwortete der Karl Maile.

„Könnte jemand in deine Wohnung rein kommen und die Geldtasche holen?“ erkundigte sich Jakob.

„Ja, unser Sohn. Warum?“ erwiderte der Kassenwart.

„Dann ruf ihm an und sag ihm, dass er die Geldtasche holt und dem Bürgermeister mitgibt. Wenn der Samstag oder Sonntag kommt, reicht das alle mal für den Ausflug am Dienstag“, schlug Jakob vor.

„Daran hab ich gar nicht gedacht, ich rufe gleich an. Danke zum 3. Mal heute“, erklärte der Kassenwart beschämt.

„Kein Problem. Wo ist eigentlich Fritz, unser Vorstand?“ erkundigte sich Mariella.

„Der ist in dem Partnerschaftsverein und hat hier Freunde bei denen er wohnt“, antwortete der Kassenwart.

„Ahja“, entgegnete Jakob vielsagend, „Schön ist es hier. Wir gehen noch ein Stück weiter. Gute Nacht.“

Jakob und Mariella spazierten weiter, umrundeten den kleinen aber feinen Jachthafen und gingen anschließend auf ihr Zimmer.

Am nächsten Morgen war laut Plan für 8 Uhr das Frühstück und um 9.30 Uhr eine Chorprobe mit den beiden anderen Gesangvereinen angesetzt. Mariella und Jakob saßen pünktlich im Bus und warteten auf die Abfahrt. Der Busfahrer fragte Jakob, ob er wisse wo es hingehen würde. Jakob und auch Mariella mussten verneinen, da im Plan nur die Chorprobe stand, aber nicht wo.

„Ich könnte mir vorstellen in der alten Kirche, aber sicher ist das nicht“, erklärte Mariella, „waren sie schon einmal hier?“

Der Busfahrer schüttelte den Kopf.

„Ich frag mal bei den anderen Busfahrern nach, vielleicht gibt es da jemand der eine Ahnung hat“, erklärte der Busfahrer biestig und stieg aus.

Zwischenzeitlich kamen alle Sängerinnen und Sänger des Gesangvereins am Bus an und auch der Fahrer kam zurück.

„Ja, Kirche stimmt“, sagte er knapp zu Mariella, startete den Motor und fuhr hinter den beiden anderen Bussen her.

An der alten Kirche, die mitten in der kleinen Stadt war, wartete bereits der Vorsitzende des Gesangvereins Fritz Einsel. Einige Sängerinnen und Sänger gingen schimpfend auf ihn zu. Dabei zeigten sie immer wieder auf Jakob und Mariella. Den beiden Groß’s war das zwischenzeitlich alles egal. Sie waren jetzt zum ersten Mal in Südfrankreich und das wollten sie genießen. Die Probe dauerte den ganzen Vormittag und anschließend waren die Chöre bei dem örtlichen Gesangverein zum Mittagessen eingeladen. Hier lernten Jakob und Mariella die französischen Sänger Grégoiré und Marie Gabin kennen. Da Jakob und Mariella fließend französisch sprachen, war die Verständigung problemlos.

Grégoiré und Marie waren ein Ehepaar im gleichen Alter wie Jakob und Mariella und so war es auch nicht verwunderlich, dass beide Ehepaare sich auf Anhieb gut verstanden. Grégoiré und Marie arbeiteten beide gemeinsam in der Torpedofabrik von Saint Tropez und hatten viel zu erzählen. Das gemeinsame Mittagessen zog sich bis in den späten Nachmittag. Anschließend stand ein kleiner Ausflug nach Saint Tropez auf dem Programm.

Von Grégoiré und Marie hatten die Groß’s erfahren was sie sich in Saint Tropez unbedingt ansehen sollten. Außerdem verabredeten sie sich für 20 Uhr in dem Café du Port an der Hafenpromenade.

Kurz bevor der Bus in Saint Tropez ankam, flüsterte Mariella: „Lass uns alleine losziehen, ohne gaggernden Anhang.“

Jakob nickte und flüsterte Mariella zu: „wir warten mit dem Aussteigen bis alle draußen sind, okay?“

Mariella drückte Jakob´s Hand zum Einverständnis. Als der Bus anhielt, warteten die beiden bis alle ausgestiegen waren und sich wie eine Schafherde in einer Richtung auf den Weg machten.

„Los geht es“, lachte Jakob und stieg mit Mariella aus, ging aber in eine andere Richtung als die anderen. Jakob fand es faszinierend, dass Saint Tropez komplett für den Verkehr gesperrt war. Nur Taxis und Linienbusse durften fahren.

Entsprechend der Beschreibung von Grégoiré suchten sie den Place de Lices, auf welchem Boule gespielt wurde. Dort fanden sie dann auch ein kleines Lokal, weit weg vom Touristenrummel, in dem sie sehr gut und zu normalen Preisen essen konnten. Als sie fertig waren, setzten sie sich auf den Place de Lices und schauten den Boule spielenden Franzosen eine Weile zu.

„Verstehst du warum die ständig diskutieren? Die haben doch einen Meterstab dabei“, lachte Jakob.

„Nein, aber ich finde es richtig schön hier unter den alten Platanen, die Kaffee und Pastis trinkenden Männer, die sich amüsieren. So sieht wohl heile Welt aus“, lachte Mariella.

Anschließend spazierten sie langsam in Richtung Hafenpromenade und schauten sich die Geschäfte entlang der Straße an. Immer wenn sie Sängerinnen oder Sänger aus ihrem Verein ausmachen konnten, wechselten sie in eine Seitengasse oder in ein Geschäft. Doch plötzlich standen sie einigen Mitgliedern ihres Gesangvereins gegenüber.

„Habt ihr schon gegessen?“ wurde Mariella von Karin gefragt.

„Ja, außergewöhnlich gut sogar und recht preisgünstig“, antwortete Mariella.

„Wir waren auch essen, aber das Essen war Müll und total überteuert. Können wir uns euch anschließen?“ fragte Karin, eine der jüngeren Sängerinnen.

„Oh, wir sind jetzt verabredet, nicht böse sein“, entgegnete Mariella.

„Ihr habt es gut, ihr könnt euch mit den Leuten hier unterhalten. Von uns kann keiner französisch, leider“, erklärte die junge Frau schnippisch und ging mit ihrem Anhang weiter.

Jakob und Mariella waren froh, dass sie nicht mit einer Gruppe unterwegs waren, denen man schon von weitem ansah, dass sie deutsche Touristen waren.

Sie gingen wieder Arm in Arm langsam in Richtung der Hafenpromenade, immer darauf achtend, nicht in die typischen Abzockläden für Touristen zu gehen, sondern sich wie Einheimische oder zumindest Franzosen zu bewegen.

An der Hafenpromenade angekommen, schauten sie sich zwar auch die riesigen Jachten und Schiffe im vorbeigehen an, aber sie vermieden es den Exhibitionisten auf den Schiffen beim Abendessen zu zusehen, wie es vor allem die Touristen machten.

„Das ist doch schon peinlich, was manche Touristen machen. Was meinst du, was die selber sagen würden, wenn jemand ihnen zu Hause beim Abendessen auf der Terrasse zusehen würde“, sagte Jakob kopfschüttelnd.

Plötzlich sah Mariella ein Winken und erkannte Grégoiré und Marie Gabin, die bereits im Café warteten. Als Jakob und Mariella das französische Ehepaar erreicht hatten, meinte Grégoiré flachsend:

„Ihr seid wohl keine Touristen, so wie ihr euch hier bewegt. Man könnte glauben, ihr seid Einheimische.“

„Ich finde es peinlich, wie sich deutsche Touristen oft im Ausland geben. Aber manche wissen es halt nicht besser“, erklärte Jakob lachend.

Nachdem sie sich richtig begrüßt hatten, natürlich mit Umarmung und Küsschen, setzten sie sich und Grégoiré winkte kurz mit dem Arm. Sofort war ein Kellner, wie Jakob und Mariella meinten, da.

„Darf ich euch René Jobert, unseren Freund und Bürgermeister von Cogolin vorstellen? Er wollte euch unbedingt kennen lernen, nachdem wir ihm von heute Nachmittag erzählt haben“, erklärte Marie.

Nachdem sie sich begrüßt hatten, setzte sich der Bürgermeister zu den beiden Ehepaaren und fragte nach deren Getränkewünschen. Dabei stellte sich heraus, dass dieses Lokal ihm gehörte.

„Seid ihr eigentlich auch in dem Partnerschaftsverein? Ich habe euch noch nie gesehen“, fragte der Bürgermeister freundlich.

„Nein, wir sind, zumindest bisher, nur in dem Gesangverein mit dem wir jetzt hier sein dürfen“, lachte Mariella, „von dem Partnerschaftsverein bei uns zu Hause habe ich zwar schon gehört, war aber der Meinung, dass das wohl eine in sich geschlossene Gruppe ist.“

„Grégoiré und Marie werden euch mal erklären, um was es bei dem Verein geht. Für mich persönlich steht einfach der Gedanke der Völkerverständigung zwischen Franzosen und Deutschen im Vordergrund. Von wegen Erbfeindschaft und so. Ihr müsst wissen, dass wir hier in der Provence während des 2. Weltkrieges nicht besetzt waren und auch die Vichy-Regierung abgelehnt haben. Die Resistance hatte wohl auch hier sehr tiefe Wurzeln. Aber das ist Gott sei dank alles vorbei und wir sind heute sehr gute Freunde geworden“, erklärte René, „ich fände es sehr schön, wenn ihr euch dem Partnerschaftsverein anschließen würdet. Überlegt es euch. Aber jetzt muss ich weiter arbeiten.“

Nachdem der Bürgermeister sich verabschiedet hatte und die bestellten Getränke serviert worden waren, sprachen Jakob und Grégoiré noch kurz über den Partnerschaftsverein und klinkten sich anschließend in das Gespräch von Marie und Mariella über die Chöre, die Sehenswürdigkeiten und den morgigen Tag in Cogolin ein. Dabei erfuhr Jakob, dass der nächste Tag vom Partnerschaftsverein organisiert wird und auch viele aus dem Verein mit dabei sein werden. Die beiden Ehepaare lachten sehr viel, so dass Jakob und Mariella die Busabfahrt fast vergessen hatten. Da Mariella noch nicht gehen wollte, ging Jakob zum Bus und erklärte dem Fahrer, dass er und seine Frau nicht mit zurück fahren, sondern sich später ein Taxi nehmen würden.

So verbrachten Jakob und Mariella noch einen langen Abend mit Grégoiré und Marie, die sie dann auch in ihrem Auto zu ihrem Hotel brachten.

Als Jakob und Mariella im Bett lagen, überlegten beide gemeinsam noch lange, ob sie bei dem Partnerschaftsverein von Bad Wildbad mitmachen sollten oder nicht. Dabei fiel Jakob seine eigene Familiengeschichte ein, die er bisher selbst Mariella noch nie erzählt hatte.

„Ich weiß nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass die uns bzw. mich bei dem Verein nicht dabei haben wollen“, flüsterte Jakob.

Mariella hob ihren Kopf und sah Jakob an: „Wie kommst du denn darauf?“

Jakob begann leise zu erzählen, „mein Vater, das weißt du ja aus eigener Erfahrung mit ihm, ist nicht unbedingt ein Vorzeigevater gewesen. Er war im 2. Weltkrieg auch nicht unbedingt ein Unschuldslamm.“

„Wieso meinst du das?“ fragte Mariella.

„Nun, er hat wohl Dinge gemacht, die er besser nicht gemacht hätte und wenn rauskommen würde was er getan hat und wir in dem Partnerschaftsverein wären, würden die uns mit Sicherheit hochkant rauswerfen“, flüsterte Jakob.

„Was hat er denn getan?“ wollte Mariella wissen.

„Nun er war bei der Partei und der SS“, sagte Jakob.

„Ja und? Da waren viele die dahin mussten“, erwiderte Mariella.

„Mein Vater war Freiwilliger und in Berlin und Oranienburg stationiert“, erklärte Jakob.

„Jetzt red halt“, flüsterte Mariella ungeduldig.

„Na gut. Er war bei der Waffen-SS Totenkopfeinheit Brandenburg. Die sollen wohl mit die schlimmsten Verbrecher in der Zeit gewesen sein. Im Warschauer Ghetto ebenso wie in Oranienburg im KZ Sachsenhausen. Was er selbst genau gemacht hat, weiß ich nicht und will es eigentlich auch gar nicht wissen. Aber was man so liest, war die ganze Einheit sehr grausam. So jetzt ist es raus“, erzählte Jakob.

„Aber da kannst du doch nichts dafür“, erwiderte Mariella.

„Das ist den Menschen eigentlich egal, Hauptsache sie haben jemanden, den sie durch den Schmutz ziehen können“, sagte Jakob traurig.

„Dann behalte das Ganze für dich, mir hast du ja auch über 20 Jahre nichts davon erzählt, obwohl ich deinen Vater auf das Schlimmste hab kennen lernen müssen. Und was stimmt, weißt du ja auch nicht genau“, antwortete Mariella und streichelte Jakob über die Wangen.

„Die Geschichte ist mir erst vorhin auf der Heimfahrt, als ich an die Worte des Bürgermeisters gedacht hatte, wieder in den Sinn gekommen. Ich würde ja auch gerne bei dem Partnerschaftsverein mitmachen, aber“, Jakob machte eine Pause.

„Nix aber. Gerade deshalb werden wir beide gemeinsam mitmachen. Nur so kann man verhindern, dass sich so etwas noch einmal wiederholt. Klar! Außerdem ist die Staatsanwaltschaft nicht hinter deinem Vater her gewesen so lange er gelebt hat, und du hättest bestimmt keine Zulassung für Geheimdokumente bekommen. Außerdem, Franzosen und Deutsche waren über Jahrhunderte Erbfeinde. Heute ist das anders. Jetzt sind wir Freunde und vergiss nicht, wir haben beide Vorfahren, die aus dem heutigen Frankreich, aus dem Elsass, stammen“, erklärte Mariella bestimmt, „und jetzt wird geschlafen morgen wird wieder ein langer Tag werden.“

„Es war aber ein sehr schöner Abend mit Grégoiré und Marie und es war auch richtig, sich von der Gruppe abzusetzen. Aber das mit meinem Vater macht mir doch ganz schön zu schaffen. Gute Nacht mein Spatzl“, erklärte Jakob und nahm Mariella in den Arm.

In dieser Nacht schlief Jakob sehr unruhig und wachte auch sehr früh, um 6 Uhr, auf. Da Mariella noch schlief, zog er sich an und ging nach draußen zum Jachthafen. Dabei rauchte er eine Zigarette, während er hinaus auf das Meer schaute.

Kurz nach 7 Uhr bekam Jakob Gesellschaft und wurde so aus seinen Gedanken geholt. Karl Maile kam auf ihn zu und setzte sich zu ihm.

„Na Karl, klappt es mit dem Geld“ fragte Jakob.

„Ja, unser Bürgermeister kommt morgen und bringt die Tasche mit. Und wie war euer gestriger Abend? Ihr seid ja nicht mit dem Bus zurück gefahren“, fragte Maile.

„Es war ein richtig schöner Abend“, antwortete Jakob.

„Werdet ihr in den Partnerschaftsverein gehen? Die beiden Franzosen mit denen ihr zusammen wart, sind soweit ich weiß auch dabei“, fragte der Sängerkollege und Kassenwart neugierig.

„Ich denke schon“, erwiderte Jakob, „warum?“

„Aber ihr bleibt doch auch bei unserem Chor“, wollte der Kassenwart wissen.

„Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?“ erwiderte Jakob.

„Könnte ja sein, dass es euch bei uns dann nicht mehr gefällt“, murmelte Karl Maile.

„Das kann ich mir nicht vorstellen, dafür macht es uns bei euch viel zu viel Spaß“, lachte Jakob, „aber man könnte doch das Eine tun ohne das Andere zu lassen. Ich denke Mariella sieht das genau so.“

„Hoffentlich, ihr wisst ja selbst, dass unser Verein völlig überaltert ist und da tut ihr jungen Leute uns natürlich sehr gut. Und eine solche Desorganisation wie bei dieser Fahrt hat es auch noch nie gegeben“, erklärte der Kassenwart.

„Mach dir mal deswegen keine Sorgen, ich denke schon, dass wir weiter singen werden“, sagte Jakob verständnisvoll, „kennst du den Partnerschaftsverein etwas besser?“

„Nein, ich weiß nur, die setzen sich für die Städtepartnerschaft ein und sehen sich als elitäre Gruppe in der Stadt. Dort heißt es nur, das ist die Bussi-Bussi-Gesellschaft oder Schickeria. Also für mich wären die nichts, nicht mein Fall“, antwortete Maile.

„Mich würde das schon interessieren. Kennst du jemanden, außer unserem Vorstand, der da dabei ist?“ erkundigte sich Jakob.

„Klar unser Bürgermeister zum Beispiel und auch einige von den Gemeinderäten, ach einige Lehrer sind auch dabei oder Rechtsanwälte, Ärzte soweit ich weiß“, überlegte der Kassenwart.

„Hast du das Programm für den heutigen Tag im Kopf?“ wollte Jakob wissen.

„Nach dem Frühstück geht es nach Cogolin, dort gibt es eine Stadtbesichtigung und anschließend ein offizieller Bürgermeisterempfang. Am Nachmittag Chorprobe in der Kirche. Der restliche Tag steht dann zur freien Verfügung. Unsere Auftritte bei dem Festival sind ja erst morgen und übermorgen, also Samstag und Sonntag“, erklärte Maile.

Jakob zündete sich noch eine Zigarette an, lehnte sich auf der Parkbank zurück und sagte: „Herrlich ist das hier, da könnte ich mich daran gewöhnen.“

Der Kassenwart nickte und lächelte dabei. Sie saßen nun eine Weile schweigend nebeneinander, als Jakob plötzlich aufstand und erklärte, dass er jetzt zum Frühstück gehen würde.

Kaum hatte Jakob den Frühstücksraum betreten, kam auch schon Mariella.

„Hey, bist heute aber sehr früh aufgestanden“, lächelte sie.

„Ja, konnte nicht so richtig gut schlafen. Die Geschichte, die ich dir gestern erzählt habe, geht mir nicht aus dem Kopf. Egal. Ich hab gerade Karl draußen getroffen. Der macht sich Sorgen, dass wir in den Partnerschaftsverein gehen und dann den Gesangverein verlassen“, erklärte Jakob, „hab ihm aber gesagt, dass wir nicht vorhaben den Gesangverein zu verlassen, aber uns mit dem Gedanken tragen in den Partnerschaftsverein zu gehen.“

„Sehe ich genau so. Hier sind wir so herzlich aufgenommen worden, da möchte ich eigentlich nicht wieder raus gehen“, erwiderte Mariella.

Jakob und Mariella frühstückten ausgiebig, als plötzlich Karl Maile laut ankündigte, dass der Bus zur Stadtführung in einer halben Stunde abfahren wird. Die beiden Groß’s beeilten sich und waren dann rechtzeitig am Bus.

Die Stadtführung wurde von Henri, einem Angestellten der Stadtverwaltung vorgenommen, der in seiner Militärzeit in Baden-Baden stationiert war und sehr gut deutsch sprechen konnte. Außer ihm waren einige Mitglieder des örtlichen Partnerschaftsvereins anwesend. Diese hatten offensichtlich die Information, dass Jakob und Mariella gut französisch sprachen und bemühten sich sehr um die beiden und erklärten ihnen Dinge, die Henri den Mitgliedern der Gesangvereine nicht erzählte. Nach einem Besuch in dem Saliermuseum machte sich die ganze Gruppe auf zum Empfang beim Bürgermeister.

Jakob und Mariella ließen den anderen den Vortritt und so waren beide in der hinteren Reihe bei dem Stehempfang.

Bei der Begrüßung seiner Gäste, begrüßte Bürgermeister René Jobert seine neuen Freunde Jakob und Mariella Groß ganz besonders. Plötzlich drehten sich alle vor ihnen stehenden Sängerinnen und Sänger zu Jakob und Mariella um. Karl Maile sah Jakob fragend an, als ob er ihn fragen wollte „woher kennst du den Bürgermeister von Cogolin?“

Jakob zuckte nur kurz mit den Schultern und nach einem kleinen Applaus für den Bürgermeister setzte dieser seine Rede fort, in der er sich über das gute partnerschaftliche Verhältnis der Städte Cogolin und Bad Wildbad ausließ.

Nach seiner Rede kam der Bürgermeister zu Jakob und Mariella und begrüßte sie nochmals mit den obligatorischen Küsschen, um sie dann anschließend einigen seiner anwesenden Gemeinderäte vorzustellen. Jakob und Mariella wussten nicht wie ihnen geschah, während René und die anderen Mitglieder des Partnerschaftsvereins sich primär um Jakob und Mariella kümmerten. Es wurden ihnen Gläser mit Wein und Snaks gebracht, während die anderen Sängerinnen und Sänger sich in kleine Gruppen verbanden und gespannt auf Jakob, Mariella und den Bürgermeister schauten. Kurz vor 15 Uhr rief Chorleiter Tom Grau zur Chorprobe auf und der Rathaussaal leerte sich schnell. Zwei Französinnen begleiteten Jakob und Mariella zur Kirche und luden sie nach der Chorprobe zum Essen ein, was Jakob und Mariella gerne annahmen, da sie für den freien Abend nichts geplant hatten. Während Jakob und Mariella sich ganz normal an ihre Plätze im Chor begaben, kam Karl Maile zu Jakob und fragte:

„Woher kennst du denn den Bürgermeister von hier und wieso hat der euch bei der Begrüßung genannt?“

„Jetzt mach dir nicht ins Hemd, Karl. Wir kennen René seit gestern Abend und warum er uns besonders begrüßt hat, musst du ihn schon selbst fragen, ich weiß es jedenfalls nicht. Außerdem ist Mariella ganz meiner Meinung, was den Chor betrifft, okay?“ antwortete Jakob etwas genervt.

Maile nickte und verschwand an seinen Platz.

Die Chorprobe verlief sehr gut und war nach zwei Stunden beendet.

Mariella und Jakob verließen gerade die Kirche, um in Richtung des Busses zu gehen, als sie von der Gastgeberin der Essenseinladung abgeholt wurden. Sie hatten bisher noch keine ruhige Minute erwischt um sich zu unterhalten. Immer war jemand in ihrer Nähe und so gingen sie gemeinsam mit ihrer Gastgeberin Colette zu Fuß die wenigen Meter bis zu deren Lokal.

Dort wurden sie unter anderem von René, Henri, Grégoiré und Marie bereits erwartet.

Nach der obligatorischen Begrüßung und einem wundervollen Aperitif, begleitet von einer angenehmen lustigen Atmosphäre erwartete Mariella und Jakob ein 7 gängiges Menü. Das „Abendessen“ zog sich so bis nach 24 Uhr hin und Mariella und Jakob hatten viel Spaß mit den neuen Bekannten und Freunden. Grégoiré ließ es sich nicht nehmen die beiden Groß’s zum Hotel zu fahren.

Als sie endlich in ihrem Hotelzimmer waren, fielen Jakob und Mariella erst einmal erschöpft auf das Bett und schwiegen.

„Was war das denn heute für ein Tag“, brummte Mariella zufrieden.

„Wahnsinn“, lächelte Jakob.

„Ich kann noch nicht schlafen. Soviel hab ich, glaube ich, noch nie gegessen. War aber auch außergewöhnlich gut. Ich glaube, wir sollten vielleicht noch ein paar Schritte gehen, damit wir schlafen können“, schlug Mariella vor.

„Gute Idee“, stöhnte Jakob und erhob sich mühsam vom Bett.

„Hilfe, ich komme nicht hoch. Zuviel gegessen“, lachte Mariella zufrieden.

Jakob reichte ihr seine Hand und zog sie sanft vom Bett hoch. Anschließend gingen sie zu dem kleinen Jachthafen.

„War das heute irgendwie peinlich. Erst rennen die vom Partnerschaftsclub nur um uns herum, dann begrüßt uns René beim Empfang als seine neuen Freunde und dann auch noch das tolle Abendessen. Ich glaub die anderen Sänger und Sängerinnen sind ganz schön neidisch. Die haben das ja auch alles mitgekriegt. Hoffentlich haben die sich bis morgen wieder beruhigt“, erklärte Jakob leise.