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Amédé Ricard ist Präfekt des Departement Var. Er ist ein Polizist mit einem hervorragenden Spürsinn geblieben und die Polizeiarbeit machte ihm immer noch mehr Spaß, als die reine Verwaltungsarbeit eines Präfekten. In seiner Zeit als Poliziechef von Cogolin hat er den Spitznamen "Flic de la Mèditerranée - Bulle vom Mittelmeer" bekommen, dem er wieder einmal sehr gerecht wird. Er liebt die Bäckerin Florentine Vallmer, die jetzt dier elterlichen Bäckerei in Cogolin übernommen hat und mit der er im Paradies, der Kleinstadt Cogolin wohnt. Durch den Mord an drei Geschäftleuten beginnt eine spannende Geschichte um die illegale Entsorgung von Giftmüll, organisierte Kriminalität bis hin zu Terrorakten. Unerwartete Hilfe bei der Aufklärung der Verbrechen erhält Amédé Ricard von seinem 4-jährigen Sohn Henri Simon. Amédé Ricard räumt in seinem zweiten Fall mit dem Verbrechen in Südfrankreich und korrupten Politikern ordentlich auf. Aber weitere spannende Fälle warten noch auf den Flic de la Méditerranée.
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Seitenzahl: 304
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Stephane Rambicourt
Commandant Amédé räumt auf - Papa im Wald stinkt's
Der Bulle vom Mittelmeer - Le Flic de la Méditerranée
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Unruhe im Paradies
Spürsinn
Der Fund
Der Zugriff misslingt
Boulangerie Vallmer
Zugriff
Nachwuchs
Fahndungserfolg
Frank Bonnet
Florentine expandiert
Die Giftmüllmafia
Florent Barolo
Impressum neobooks
Amédé Ricard, le Flic de la Méditerranée, 45 Jahre alt, gut aussehender Südfranzose, dunkle Haare braune Augen, athletischer Körperbau und wohnhaft in seinem Paradies, der Kleinstadt Cogolin, am Golfe de Saint Tropez gelegen, war nun bereits seit mehr als vier Jahren Präfekt des Departements Var.
Seine Arbeit wurde von allen Menschen im Departement, aber auch von der Zentralregierung in Paris anerkannt. Mit den benachbarten Departments pflegte er einen ständigen Gedanken- und Informationsaustausch. Mit dem Präfekten Frank Dupont aus Marseille verband ihn eine enge freundschaftliche Beziehung. Dupont unterstützte Amédé in Fragen der Verwaltung, weil er durch und durch Verwaltungsbeamter ist und Amédé unterstützte Dupont gerne in Polizeifragen, weil Amédé wiederum Polizist aus Leidenschaft ist.
Die Verbrechensrate im Departement Var, war nach Amédé’s großer Aufräumaktion zu Beginn seiner Amtszeit als Präfekt, erheblich gesunken, sodass es fast nur noch um Kleinkriminalität oder um kleinere Schmuggeleien, meist Tabak, ging.
Seine Frau Florentine Ricard, Tochter von Henri und Marie Vallmer, 42 Jahre alt, Modelfigur, lange braune Haare und braune Augen, noch immer total in ihren Ehemann Amédé verliebt und Mutter des jetzt vierjährigen Henri Simon, leidenschaftliche Bäckerin, hatte ihre traumatischen Erlebnisse aus der Zeit ihrer Meisterprüfung, dank professioneller Hilfe, aufgearbeitet und auch vollständig überwunden. Sie machte auch anstandslos regelmäßig einen Drogentest um sich und ihrem Mann zu beweisen, dass sie endgültig clean war. Außerdem hatte ihr Vater, Henri, ihr wie versprochen die Boulangerie Vallmer, die seit vielen Generationen in Familienbesitz und wegen der wunderbaren Tarte Tropezienne eine Attraktion der Kleinstadt ist, überschrieben, übergeben und sich aus dem Geschäftsbetrieb zurückgezogen.
Die mittlerweile fast 70 Jahre alten Henri und Marie Vallmer halfen nur noch in Notfällen in der Bäckerei aus. Für ihre aus dem Betrieb ausgeschiedenen Eltern, hatte Florentine eine Bäckerin und eine Verkäuferin eingestellt, die sich beide als großer Glücksgriff erwiesen.
Das Geschäft florierte und Florentines Vater Henri konnte, wann immer er wollte, in der Bäckerei mitarbeiten. Auch die Tarte Tropezienne aus dem Hause Vallmer war weiterhin der Renner und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Neu hatte Florentine Macarons in ihr Sortiment aufgenommen, die ihr wie die Tarte Tropezienne regelrecht aus der Hand gerissen wurden. Sogar große Fastfoodketten hatten schon bei ihr angefragt und wollten die Macarons in großen Mengen einkaufen, was Florentine aber strikt ablehnte. Sie wollte Qualität für ihre Kunden und nicht Quantität.
Amédé und Florentines Sohn, Henri Simon, inzwischen vier Jahre alt, ebenso hübsch wie seine Eltern war der ganze Stolz seiner Eltern und der Großeltern. Er verbrachte viel Zeit bei seiner Mutter in der Backstube oder bei den Großeltern Henri und Marie. Henri Simon war ein sehr aufgeweckter Junge, der sich für alles interessierte und auch sehr an seinen Großeltern hing. So war es auch an der Zeit, dass der junge Mann, Florentine nannte ihn immer ihren kleinen Helden, in den Kindergarten ging. Es hatte sich so eingespielt, dass Amédé seinen Sohn am Morgen, bevor er zur Arbeit fuhr, in den Kindergarten brachte und Florentine, oder ihre Eltern, ihn am Nachtmittag abholten. Henri Simon fühlte sich pudelwohl im Kindergarten und heckte dort natürlich auch hin und wieder einen kleinen Streich aus.
Amédé und Florentine liebten sich noch immer sehr, sie konnten sich oft kaum von einander trennen. Wenn Florentine um 5 Uhr morgens in die Bäckerei ging, oder Amédé, wenn er in Cogolin zu tun hatte, kurz bei seiner geliebten Frau vorbei schaute, lagen sie sich immer in den Armen und küssten sich.
Für beide war Cogolin auch weiterhin das Paradies, ihr Paradies.
Als Präfekt war Amédé unter anderem ja auch für die Stadtplanung zuständig und so konnte er sehr gut steuern, dass das alte ursprüngliche Cogolin nicht durch Luxussanierungen von diversen Immobilienfonds zerstört wurde.
Die kleine südfranzösische Stadt hatte immer noch das wunderbare Flair und die Ausstrahlung, die Amédé so liebte. Versuche der Stadt Cogolin, durch den Bau neuer Hotels innerhalb des Stadtkerns, mehr Touristen in die Stadt zu holen, blockte Amédé ab und sorgte dafür, dass die alten Hotels mit Fördergeldern des Landes oder der EU renoviert und verbessert wurden.
So war Cogolin immer noch die kleine provencalische Stadt in der das Leben einen Gang langsamer ging, als in den hektischen Touristenhochburgen Saint Tropez, Port Grimaud oder Sainte Maxime.
Türkisgrün schimmerte das Wasser im Golf von Saint Tropez. Die Abendsonne schien mit ihrer ganzen Kraft auf das alte Fischerboot „La Rouge“, das Kurs auf die verlassene Werft neben der Retortenstadt Port de Cogolin nahm.
Das kleine Schiff lag sehr tief im Wasser und der Schiffsmotor röhrte laut, um die schwere Last, die das Schiff transportierte, weiter voran zu bringen.
Der Kapitän, Peter Blanc, eine alter, sehr ungepflegter Mann mit mürrischem Gesicht, Ende 60, Zigarettenkippe im Mundwinkel und einer alten versifften Mütze auf dem Kopf, steuerte zielgenau in den kleinen Hafen der Werft. Grimmig grinsend verließ er den Führerstand und warf den beiden herbei geeilten Männern die Leinen zu, die das Schiff gut vertäuten und sofort wieder verschwanden.
Blanc ging nun langsam, aufmerksam die Umgebung prüfend, zum Bug des Fischerbootes. Als er sicher war, dass niemand in der Nähe war, schlurfte er zu einer der Ladeluken und klopfte zweimal mit dem Fuß dagegen. Als sich die Luke leicht öffnete, stampfte der Kapitän grinsend kräftig darauf, sodass sich die Luke sofort wieder schloss. Anschließend verließ er eilig das Schiff und verschwand von der Werft.
Das Schiff dümpelte im Takt der Wellen leicht vor sich hin.
Erst nach Einbruch der Dunkelheit kehrte der alte Kapitän zurück. Als er wieder auf dem Schiff war, stampfte er jetzt dreimal kräftig gegen die Ladeluke, die sich wieder vorsichtig öffnete.
Vier junge, große, kräftige, dunkelhäutige Männer kletterten aus der Luke, streckten ihre Glieder und holten tief Luft. Der Kapitän reichte den Männern eine Flasche billigen Wein, den die Vier gierig tranken.
Als sich ein kleiner Lastwagen dem Schiff näherte, brachen die Männer plötzlich in hektische Betriebsamkeit aus, öffneten alle Luken des alten Fischkutters und begannen das Schiff zu entladen.
Aus dem Laderaum des Schiffes wurden Fässer mit Olivenöl und schwere Säcke mit Tabak an Bord befördert und von dort direkt auf den Lastwagen geladen.
Nach 1 Stunde waren alle Fässer und Säcke umgeladen und der Lastwagen verließ das Werftgelände.
Die vier Arbeiter hatten nur eine kurze Erholungspause, denn es kam erneut ein Lastwagen. Männer in schwarzen Schutzanzügen entluden den alten Lastwagen und Blanc’s Männer, ohne irgendeinen Schutz brachten die Fässer an Bord des Schiffes, wo sie von Peter Blanc an der Reling vertäut wurden. Als alles fertig war, übergab der Lastwagenfahrer Blanc einen Schlüssel und fuhr mit seinen Helfern davon.
Seit der Ankunft des Schiffes an der alten stillgelegten Werft, ist bisher kein Wort gesprochen worden. Alle, die Arbeiter des Schiffes und die Besatzungen der Lastwagen wussten genau, was zu tun war.
Der alte Kapitän schaltete sein supermodernes Radargerät ein, das normale schaltete er ab, um nicht identifiziert werden zu können. Dann setzte er sein bisher abgeschaltetes Funkgerät in Betrieb, um zu prüfen, ob irgendwo in der Nähe Polizei oder Küstenwache sind. Er zappte durch alle Kanäle auf denen Polizei und Küstenwache kommunizierten. Erst als er mit seinen Nachforschungen zufrieden war, warf er den Motor an und seine Helfer machten die Leinen los. Leise, mit stark gedrosseltem Motor und ohne eingeschaltete Positionslampen steuerte er in der Dunkelheit; so leise wie möglich und langsam, in Richtung offenes Meer.
Auf Höhe Saint Tropez sah er plötzlich einen Radarkontakt, der sich sehr schnell und direkt auf ihn zu bewegte.
Durch das Fernglas konnte der alte Kapitän sehen, dass es ein ziviles Motorboot mit 3 Männern an Bord war. Er stieß einen kurzen Pfiff aus und seine Helfer rannten in die Kajüte und kehrten mit Maschinenpistolen zurück.
Als das Motorboot in Schussweite der „La Rouge“ war, eröffneten die vier Komplizen Blanc’s, ohne Warnung, plötzlich das Feuer auf das Motorboot. Nach kurzer Zeit trat sofort wieder Stille ein und das Fischerboot „La Rouge“ fuhr unbehelligt weiter.
Der Kapitän grinste vor sich hin, weil er sich sicher war, dass an Bord des Motorbootes niemand den Beschuss überlebt hatte.
Drei Stunden später, weit draußen auf dem offenen Meer, stoppte der Kapitän den Motor, öffnete die Schlösser der Fässer und seine Helfer kippten, wie angewiesen, deren Inhalt ins Meer und versenkten anschließend die Fässer auf nimmer wiedersehen in der Tiefe des Meeres.
Die „La Rouge“ setzte nun ihren Weg in Richtung seiner Fanggründe fort, um dort zu fischen.
Am frühen Samstagmorgen kehrte sie, nur noch mit dem alten Kapitän an Bord, in seinen Heimathafen Toulon zurück, als ob nichts passiert wäre. Seine Helfer hatte Blanc bereits vorher an der Küste in einem Schlauchboot abgesetzt.
Mühsam entlud er seinen bescheidenen Fang und verkaufte ihn in aller Seelenruhe direkt am Hafen. Während des Fischverkaufes bekam er heimlich seinen Lohn für die Nachtarbeit in einem Umschlag zugesteckt und auch wieder neue Aufträge, die er nickend annahm.
Am späten Nachmittag, Peter Blanc lag schnarchend in seiner Koje, wurde er plötzlich durch das Heulen der Schiffssirene eines Küstenwachenschnellbootes geweckt.
Müde, aber neugierig, schleppte er sich an Deck seines Kutters und sah, wie die Küstenwache ein großes, bestimmt auch sehr teures Motorboot in den Hafen schleppte.
Im Nu hatte sich eine Menschenansammlung gebildet, die heftig diskutierten und mutmaßten, was mit dem Motorboot passiert sein könnte.
„Schaut mal, das Motorboot ist ja völlig durchlöchert, wie mit Kugeln“, rief ein Mann aus der Gruppe.
„Da liegen auch noch drei Männer drin“, rief ein Anderer erschrocken.
„Das waren bestimmt Dealer oder Rauschgiftschmuggler, so wie das aussieht“, rief eine Frau.
Die Küstenwache hatte nun angelegt und Polizeibeamte sperrten sofort die Umgebung ab. Sie drängten die Gruppe der Schaulustigen zurück. Kurze Zeit später traf auch schon die Spurensicherung und die Kriminalpolizei der Police Nationale aus Toulon ein und nahm die Ermittlungen auf.
„Das Motorboot ist auf einen Geschäftsmann in Saint Tropez registriert. Ich gebe unserem Chef kurz Bescheid, damit der sich mit der dortigen Polizei in Verbindung setzt“, erklärte ein Beamter der Küstenwache und telefonierte sofort mit seinem Chef Jules Vernon.
Der Chef der Küstenwache, ein knapp 50 Jahre alter sehr erfahrener Kapitän zu See, mit seiner typischen Kapitänsuniform, schmächtiger Statur, aber sehr wachen, intelligenten Augen, informierte daraufhin sofort die Präfektur und auch seinen Kollegen Gerard Bois in Saint Tropez.
Bois schickte sofort zwei seiner Mitarbeiter zur Wohnung des Geschäftsmannes, die die Todesnachricht der Ehefrau überbrachten und auch wenn möglich eine kleine erste Befragung durchführen sollten.
Zurück im Polizeirevier erstatteten die Beamten ihrem Chef sofort Bericht.
„Die Frau ist völlig fertig. Ihr Ehemann, Inhaber einer großen Softwarefirma in Lyon und zwei seiner Freunde, auch aus Lyon, wollten gestern Abend gegen 23 Uhr noch auf ein Fest eines Geschäftsfreundes in Grimaud fahren. Die Entscheidung zu dem Fest zu fahren ist, wie die Frau sagte, sehr spontan gefallen. Der Mann muss anscheinend gesagt haben, dass er mit dem Motorboot schneller sei. Hier ist die Adresse wo das Fest stattgefunden haben soll. Ich habe mit der Frau vereinbart, dass wir sie nach Toulon bringen. Die kann in dem Zustand nicht selbst fahren und hat niemanden, der sie fahren könnte“, berichtete der Beamte seinem Chef.
„Drogen, familiäre Probleme?“ fragte Gerard Bois, ein intelligenter smarter Polizist in den besten Jahren, nach.
„Glaube ich nicht, sehr unwahrscheinlich meiner Meinung nach. Gut man steckt in den Menschen nicht drin, aber ich halte es für äußerst unwahrscheinlich“, erwiderte der andere Beamte.
„Warum wird dann jemand in der Art erschossen? Das sieht schon fast wie ein Bandenkrieg oder eine Hinrichtung aus. Ich kümmere mich um einen Backroundcheck und ihr bringt die Frau nach Toulon und beobachtet sie genau, wie sie reagiert und so weiter“, erklärte Gerard Bois und machte sich sofort an die Arbeit.
Kurze Zeit später stand für Gerard Bois fest, dass die getöteten Geschäftsleute wirklich sauber waren und auch das Fest in Grimaud stattgefunden hatte.
Er informierte daraufhin sofort die Präfektur und den Chef der Küstenwache Jules Vernon, mit dem er seit der Sprengung eines Drogenhändlerringes in Saint Tropez eng befreundet war.
„Du, Jules. Die drei Geschäftsleute sind, soweit ich bisher weiß, sauber. Ich kann mir nicht vorstellen was da passiert ist. Also Drogen können wir bei den Toten definitiv ausschließen. Trotzdem sieht das aus wie eine Hinrichtung. Was denkst du, könnte es sein, dass die irgendwelchen Schmugglern in die Quere gekommen sind?“ überlegte Gerard Bois laut.
„Denkbar, aber ich denke eher an Mafia, organisierte Kriminalität; dürfte hier eher eine Rolle spielen. Welcher Schmuggler fährt schon mit israelischen Maschinenpistolen durch die Gegend. Habt ihr schon mit der Frau gesprochen?“ fragte Vernon nach.
„Ja, anscheinend ganz normale Leute, die mit ihrem Kopf viel Geld verdient haben. Die Frau müsste demnächst bei dir eintreffen“, antwortete Bois nachdenklich.
„Okay, ich werde mit ihr reden. Die ganze Sache ist meiner Meinung nach sonderbar“, entgegnete Vernon und legte auf.
An diesem Samstagmorgen besuchte Amédé Ricard, Präfekt des Departements Var und „le Flic de la Méditerranée“, mit seinem Sohn Henri Simon, seine über alles geliebte Ehefrau Florentine in der Boulangerie Vallmer in Cogolin.
Im Laden half an diesem Tag Marie Vallmer, Florentines Mutter, typische Südfranzösin, Ende 60, klein rundlich und herzensgut im Verkauf aus, weil eine der Verkäuferinnen kurzfristig wegen Krankheit ausgefallen war.
„Hey! Da kommt ja mein Sonnenschein“, rief Marie fröhlich und fing den ihr in die Arme springenden Henri Simon herzlich auf, drückte ihn an sich und herzte ihn.
„Na ihr Zwei, schön, dass ihr uns besuchen kommt. Flo ist bestimmt bald fertig in der Backstube“, lachte Marie.
„Ich geh zu ihr in die Backstube. Kommst du mit mein Großer“, fragte Amédé lachend seinen Sohn.
„Bei Oma bleiben“ sagte Henri Simon.
„Natürlich kannst du bei mir bleiben, mein Süßer“, freute sich Marie.
„Na gut. Ich bin nur kurz bei Flo und dann sind wir auch schon wieder weg“, sagte Amédé lächelnd und ging in die Backstube
Florentine war gerade mit dem Saubermachen der Backbleche beschäftigt.
„Hallo mein Schatz, alles gut?“ fragte Amédé, nahm Florentine in den Arm und küsste sie innig.
„Wo ist denn Henri Simon?“ fragte Florentine und musste lachen, als Amédé nur mit dem Daumen in den Laden zeigte.
„Ich wollte nur kurz fragen, ob ich auf dem Wochenmarkt etwas einkaufen soll und ob wir heute Nachmittag gemeinsam in den Supermarkt fahren wollen“, erkundigte sich Amédé, ohne Florentine loszulassen.
„Nimm doch frisches Obst und Gemüse vom Markt mit und heute Nachmittag holen wir gemeinsam den Rest im Supermarkt La Foux, Okay? Aber ich habe noch zu Arbeiten. Holt ihr mich gegen 14 Uhr ab?“ erwiderte Florentine.
„Klar, machen wir das. Und jetzt geh ich mit Henri Simon auf den Markt, anschließend noch einen kleinen Kaffee im Café de Jardin trinken und dann holen wir dich ab“, lachte Amédé, setzte Florentine ab und ging mit seinem Sohn auf den Wochenmarkt einkaufen.
Unterwegs trafen sie viele Bekannte und Freunde, mit denen sich Amédé unterhielt und Henri Simon langsam ungeduldig wurde.
Amédé beeilte sich mit seinem Einkauf und ging anschließend mit seinem Sohn in sein Stammcafé, bestellte für sich Kaffee und für Henri Simon Eis.
Während Henri Simon spielte und zwischendurch immer wieder einmal an seinem Eis aß, erhielt Amédé auf seinem Diensthandy einen Anruf.
„Hallo Chef, die Küstenwache, Vernon am Apparat. Wir haben heute ein abgetriebenes Motorboot etwa 3 Seemeilen von Saint Tropez entfernt im offenen Meer mit drei Leichen entdeckt. Die Leichen sind total durchlöchert, sieht irgendwie nach einer Hinrichtung oder so aus. Auf jedenfall wurden sie mit israelischen Maschinenpistolen erschossen. Saint Tropez meint, dass es keinen Drogenhintergrund gibt, hatte gerade die Ehefrau da. Keine Anzeichen für Drogen, familiäre Probleme oder ähnliches. Bois könnte sich Schmuggler vorstellen, aber welcher Schmuggler hat schon solche automatische Waffen an Bord und warum gerade dieses Motorboot. Ich wollte sie nur unterrichten, auch weil es ein relativ bekannter IT-Spezialist aus Lyon ist“, erklärte Vernon freundlich.
„Gut, kommen sie, Bois und Toulon am Montag in mein Büro. Dann sollten die Berichte der Spurensicherung und auch die Obduktionsberichte vorliegen. Bis dahin das übliche Programm, wie Hintergrundcheck, Konten usw.“, erwiderte Amédé und legte auf.
In Gedanken an die Mitteilung der Küstenwache, bemerkte er nicht, dass Henri Simon plötzlich vor im stand.
„Papa, will Spielplatz gehen. Komm“, quengelte der Kleine und zog an Amédé’s Hand.
„Ja, das machen wir“, lachte Amédé trank seinen Kaffee aus, bezahlte und ging mit dem Kleinen los, „aber erst noch schnell zu Mama und ihr die Einkäufe bringen, dann gehen wir auf den Spielplatz.“
Sie brachten die Einkäufe zu Florentine und gingen sofort weiter zu Place Victor-Hugo auf dem auch ein Spielplatz ist.
Plötzlich sah Henri Simon seinen Großvater, riss sich von Amédé’s Hand los und rannte auf seinen Großvater zu.
„Opaaaaa“, rief der kleine Mann und sprang seinem Großvater Henri in die Arme.
„Ja, was macht ihr denn hier?“ fragte Henri lachend.
„Dein Enkel will unbedingt auf den Spielplatz, da kann man doch nicht nein sagen“, grinste Amédé.
„Henri Simon, magst du mit dem Opa zum Spielplatz gehen?“ fragte Henri.
„Au ja und Papa auch“, freute sich Henri Simon.
„Na dann kommt“, lachte Henri und nahm Henri Simon an der Hand.
Als sie an den Spielgeräten angekommen waren, flitzte Henri Simon los und setzte sich auf die Schaukel und schaukelte. Amédé und Henri setzten sich in der Zwischenzeit auf eine Parkbank.
„Hast du schon gehört was passiert ist?“ fragte Henri seinen Schwiegersohn.
„Was meinst du?“ erkundigte sich Amédé.
„Da wurde doch ein Motorboot durchlöchert vor Saint Tropez gefunden. Die Küstenwache hat es abgeschleppt. Weiß man schon was passiert ist?“ wollte Henri wissen.
„Woher weißt du das denn schon wieder?“ lächelte Amédé.
„Jean hat das in Toulon mitbekommen, als er Fisch für sein Lokal eingekauft hat“, grinste Henri.
„Ich hab auch davon gehört, aber man weiß noch nicht was passiert ist“, antwortete Amédé.
„Jean meint, dass das nach einem Drogenkrieg auf dem Meer ausgesehen hat und die Dealer sich gegenseitig umgebracht haben“, flüsterte Henri.
„Möglich ist vieles. Wir hatten ja die letzten Jahre in der Hinsicht Ruhe. Könnte schon sein, dass es wieder losgeht. Aber warum sollten die aufeinander schießen? Der eine will doch etwas vom anderen. Eigentlich kein Grund um zu schießen. Am Montag werde ich eventuell mehr wissen“, erklärte Amédé nachdenklich.
„Aber du hast dafür deine Leute, klar? Überlegen darfst du, aber nicht mehr“, brummte Henri.
„Ja, passt schon“, lächelte Amédé.
„Papa, Opa, schaut wie hoch ich schaukeln kann“, ertönte nun die Stimme des kleinen Henri Simon. Und Vater und Großvater lobten ihn für seine Leistung.
Sie verbrachten nun noch gemeinsam die restliche Zeit auf dem Spielplatz, spielten und lachten viel.
Pünktlich um 14 Uhr gingen die Drei gemeinsam in die Bäckerei um Florentine und Marie abzuholen.
„Du Flo“, fragte Marie, „ihr wollt doch noch einkaufen gehen. Sollen wir Henri Simon so lange mit zu uns nach Hause nehmen? Dann könnt ihr in Ruhe einkaufen.“
„Ja, ja, Mama. Schon klar. Natürlich darf er mit zu euch. Wir holen ihn dann ab, wenn wir zurück sind, okay?“ lachte Florentine und drückte ihrer Mutter ein Kuss auf die Wange.
„Jaaaaaa, Juhuuuuuuu“, freute sich Henri Simon und nahm Großvater und Großmutter an der Hand und zog sie mit sich.
„Da sieht man, wie schnell man abgemeldet ist“, lachte Amédé und ging mit Florentine nach Hause.
Dort versorgten sie Amédé’s Einkäufe vom Markt und auch Florentines Leckereien aus der Bäckerei.
„Mmmmhhhh, eine Tarte Tropezienne“, freute sich Amédé.
„Ich weiß doch was meinen beiden Männern schmeckt“, lachte Florentine, „aber jetzt fahren wir zum Supermarkt La Foux. Wir haben kein Fleisch mehr und Kindernahrung geht auch langsam aus, dann brauchen wir Waschmittel und vieles mehr.“
„Na dann los, meine Liebste“, lachte Amédé, holte mehrere Plastikkisten und ging mit Florentine zum Auto.
Auf dem Weg zum Supermarkt fiel Amédé, immer noch Polizist durch und durch, plötzlich ein Lastwagen auf, der vor ihm fuhr und stark verätzte Ladeklappen hatte.
„Schau dir den mal an, so einer sollte eigentlich nicht mehr auf die Straße dürfen“, lästerte Amédé.
„Wieso meinst du?“ fragte Florentine.
„Na schau einmal, der ist total mit Säure, Lauge oder so verätzt und fällt auch schon fast auseinander. Sogar die Reifen sind angegriffen. Der kommt aus der Gegend um Grenoble. Wenn der von hier wäre, würde ich den sofort rausziehen lassen“, schimpfte Amédé.
„Lass doch gut sein, das ist Sache von Madeleine oder Bois und außerdem fahren bei uns viele Autos herum, die auf der Straße eigentlich nichts mehr zu suchen hätten“, beruhigte Florentine ihren Mann.
„Hast ja recht mein Schatz“, lenkte Amédé ein, „aber wenn ich den nochmal hier sehe, ruf ich Madeleine oder Bois an. Der Lastwagen da ist meiner Meinung nach sehr gefährlich, vorallem für andere Verkehrsteilnehmer und die Umwelt, wer weiß was der geladen hat.“
Wenig später erreichten sie den Supermarkt in La Foux, kauften ein und machten sich einen schönen gemeinsamen Nachmittag. Der Lastwagen war vergessen.
Wieder zu Hause angekommen transportierten beide die Einkäufe in die Wohnung, als das Telefon klingelte.
„Ihr seid schon zurück vom Einkaufen? Gut. Mein Enkel hat gerade beschlossen, dass er hier schlafen möchte“, lachte Marie ins Telefon.
„Wie bitte“, lachte auch Florentine, „wir kommen gleich zu euch.“
„Also von mir aus geht das in Ordnung“, lachte Marie, „aber vielleicht sollte er einen Schlafanzug und frische Wäsche haben.“
„Mama, ihr verwöhnt den Kleinen aber auch so sehr“, sagte Florentine grinsend, „bis gleich.“
„Was ist denn?“ erkundigte sich Amédé.
„Dein Sohn hat beschlossen, dass er bei Opa und Oma schlafen will“, grinste Florentine.
„Bitte? Wie kommt er denn da drauf?“, lächelte Amédé.
„Keine Ahnung. Aber ich denke wir sollten ausprobieren, ob er das durchhält. Ich hole ein paar Sachen, die er braucht und dann fahren wir rüber“, sagte Florentine fröhlich.
Knapp 10 Minuten später waren Amédé und Florentine bei ihren Eltern, als auch schon Henri Simon auf sie zugestürmt kam.
„Will bei Opa und Oma schlafen. Bitte, bitte Mama“, bettelte der kleine Mann seine Mutter an.
„Wenn du das wirklich möchtest, okay. Dann darfst du bei Opa und Oma schlafen“, willigte Florentine ein und gab ihrer Mutter die Kleidung und vor allem auch das wichtige Schlaftier.
„Wir probieren es einfach mal aus, ob er durchhält. Mit was habt ihr ihn denn bestochen?“ fragte Florentine ihre Mutter grinsend.
Marie legte den Finger auf ihre Lippen und ging leise voraus zu Henri’s Arbeitszimmer. Dort saßen Opa und Enkel gemeinsam auf dem Boden und spielten mit einer Modelleisenbahn.
„Also ihr seid mir Eltern“, lachte Florentine, als sie die glücklichen Augen der beiden Henri’s sah.
„Mama, guck mal, Eisenbahn“, rief Henri Simon und Henri wurde plötzlich rot im Gesicht und verlegen.
„Wann hast du die denn gekauft?“ fragte Amédé.
„Die hab ich schon vor über vier Jahren gekauft, da war der Kleine noch nicht auf der Welt“, erklärte Henri verlegen.
„So etwas hab ich nie gehabt“, schmunzelte Florentine.
„Er ist ja auch ein Junge und außerdem hast du nie gesagt, dass du eine Eisenbahn haben möchtest“, grinste Marie.
„Na gut, könnte es sein, dass mein Schatz auch mitspielen will“, lachte sich Florentine, als sie Amédé ansah.
„Natürlich“, lächelte Amédé und setzte sich zu Henri und seinem Sohn auf den Boden.
Marie und Florentine gingen gemeinsam in die Küche.
„Jetzt haben wir drei Kinder da drüben“, schmunzelte Marie.
„Ich finde es so wunderschön. Danke Mama“, erwiderte Florentine und umarmte ihre Mutter, „vielleicht haben wir jetzt einmal wieder einen gemeinsamen Abend für uns.“
„Ist doch in Ordnung. Wenn es Probleme gibt, melde ich mich schon. Versprochen“, erklärte Marie.
Nach einer Stunde verabschiedeten sich Florentine und Amédé von ihrem Sohn, Marie und Henri. Auf der Heimfahrt sagte Amédé plötzlich:
„Meine über alles geliebte Ehefrau, wir haben heute sturmfreie Bude. Wahnsinn.“
„Na mal sehen wie er durchhält, unser kleiner Held“, grinste Florentine.
Zu Hause aßen sie eine Kleinigkeit zu Abend, alberten miteinander herum und landeten gemeinsam auf ihrem Sofa.
„Du Schatz, das ist auch mal wieder schön, zu zweit alleine zu sein“, flüsterte Amédé seiner Florentine ins Ohr.
„Stimmt, das hatten wir beide schon lange nicht mehr. Aber unser kleiner Mann fehlt mir bereits jetzt schon“, sagte Florentine lächelnd.
„Na dann muss ich dich und du mich ersatzweise knuddeln, sonst bekommen wir ja noch Knuddelentzug“, lachte Amédé, küsste seine Frau und verbrachte eine lange heiße Liebesnacht mit ihr.
Am nächsten Morgen, sie konnten seit langem einmal wieder richtig ausschlafen und in Ruhe gemeinsam frühstücken, wurde Florentine unruhig.
„Mir fehlt Henri Simon so, können wir nicht schnell rüber fahren und ihn abholen?“ bat Florentine.
„Ja, klar. Sag mal, was denkst du. Wir könnten doch mal wieder mit Papa und Mama zu Colette Mittagessen gehen?“ überlegte Amédé.
„Das ist eine sehr gute Idee. Ich rufe gleich bei Mama an und sag ihr Bescheid“, freute sich Florentine und hatte bereits das Telefon in der Hand.
„Hallo Mama. Wie war denn die Nacht?“ fragte sie ihre Mutter neugierig.
„Alles gut. Keine Probleme. Die beiden Henri’s haben gut durchgeschlafen“, lachte Marie herzhaft.
„Echt? Du musst mir nachher erzählen, wie ihr das gemacht habt“, grinste Florentine, „was hältst du davon, Amédé hatte die Idee, mal wieder gemeinsam, mit euch zu Colette Mittagessen zu gehen.“
„Das ist eine gute Idee. Kommt ihr her oder wollen wir uns bei Colette treffen?“ erwiderte Marie.
„Wir kommen zu euch und gehen dann gemeinsam zum Place Dolet. Bis gleich Mama“, schmunzelte Florentine.
„Erzähl, wie war die Nacht. Haben sie überlebt?“ lachte Amédé.
„Mama sagt, dass Henri Simon durchgeschlafen hat. Bin mal gespannt, was sie zu erzählen haben“, freute sich Florentine, „wir gehen dann gemeinsam zu Colette zum Essen.“
Kurze Zeit später trafen Amédé und Florentine bei Marie ein.
„Ich höre ja gar nichts, wo ist denn mein kleiner Held“, fragte Florentine erstaunt.
„Eisenbahn“, lachte Marie, ging voraus zum Arbeitszimmer ihres Mannes.
Henri lag auf dem Boden und Henri Simon, mit einer Eisenbahnermütze und einer blinkende Signallampe, saß auf ihm drauf. Dabei sangen beide Kinderlieder.
Es war ein Anblick für Götter. Marie, Florentine und Amédé lachten und freuten sich sehr, als sie die beiden Henri’s so sahen.
Erst jetzt erblickte Henri Simon seine Eltern, sprang auf und rannte auf beide zu und drückte sich fest an sie.
„Na wie hat es meinem kleinen Helden bei Opa und Oma gefallen?“ fragte Florentine, während sie Henri Simon umarmte und küsste.
„Toll Mama. Ganz lange Eisenbahn spielt“, freute sich Henri Simon.
„So, so, ganz lange Eisenbahn gespielt. Dann weiß ich warum mein Schatz durchgeschlafen hat“, schmunzelte Florentine.
„Naja, lange, was heißt lange. Bis er müde war und dann ging es ohne Probleme ins Bett“, verteidigte sich Marie grinsend.
„Mama, es ist das Recht der Großeltern, den Enkeln Dinge zuzulassen, die die Eltern nicht zulassen“, lachte Amédé.
„Mama, guck meine Eisenbahn“, erklärte jetzt Henri Simon stolz und setzte sich wieder auf den Bauch seines Großvaters.
„Das ist aber eine tolle Eisenbahn und damit kannst du immer spielen, wenn du bei Oma und Opa bist“, erwiderte Florentine, „aber jetzt gehen wir zusammen spazieren und dann essen. Kommt ihr beide?“
„Okay, komm Opa. Spazieren gehen und vielleicht Spielplatz gehen“, freute sich Henri Simon und versuchte seinen Opa an der Hand hochzuziehen.
Lachend erhob sich Henri und nahm seinen Enkel liebevoll in den Arm.
„Also dann los“, grinste er und zog sich schnell um.
Kurze Zeit später waren sie gemeinsam auf dem Weg zum Place Dolet, an dem Colette ihr Restaurant hatte. Unterwegs achteten sie darauf, dass sie nicht an einem Spielplatz vorbei kamen, so dass Henri Simon ohne Probleme zum Lokal gelotst werden konnte.
Fröhlich lachend nahmen sie an einem großen Tisch platz und wenig später erschien Colette um die Bestellungen ihrer neuen Gäste aufzunehmen.
„Colette. Unser Enkel hat heute Nach zum ersten Mal ganz alleine bei uns geschlafen“, musste Marie ihrer Freundin sofort erzählen.
„Und es hat gut geklappt? Ist ja auch etwas Besonderes bei Opa und Oma schlafen zu dürfen“, freute sich Colette mit.
„Na junger Mann, was möchtest du denn gerne trinken?“ fragte Colette lächelnd Henri Simon.
„Bin kein Mann“, brummte der Kleine verlegen.
„Nein, das ist mein kleiner Held“, lachte Florentine, während Amédé und Henri die Getränke und nachdem sie die Speisekarte schnell durchgesehen hatten, auch das Essen bestellten.
Während sie auf das Essen warteten, spielten Henri Simon, Henri und Amédé fröhlich lachend auf dem Place Dolet. Anschließend aßen alle mit großem Appetit und machten sich auf den Rückweg.
Als sie die Rue Jean Jaures überquerten, fiel Amédé der Lastwagen mit den Verätzungen auf, den er am Vortag schon gesehen hatte. Er entschuldigte sich kurz bei seiner Familie, die weiter in Richtung Place Victor-Hugo gingen, und lief zu dem Lastwagen hin. Er sah sich das Fahrzeug genau an und stellte wieder die verätzten Ladeklappen fest. Dann versuchte er in die geschlossene Plane zu sehen, als er plötzlich von einem Mann, mittleren Alters und fast zwei Meter groß, unfreundlich angesprochen wurde.
„Gibt es ein Problem?“ fragte der Mann.
„Nein, nur ich würde mit der Kiste hier nicht mehr fahren, die fällt ja schon fast auseinander“, antwortete Amédé vorsichtig.
„Ist nicht ihr Problem und jetzt verschwinden sie. Der Lastwagen geht sie nichts an“, schimpfte der Mann.
Bei Amédé machte sich plötzlich sein Bauchgefühl bemerkbar.
„Ja, klar. Kein Problem. Bin schon weg“, erwiderte Amédé, prägte sich im Weggehen das Kennzeichen genau ein und ging seiner Familie nach.
Als er außer Sichtweite des Mannes war, nahm er sein Handy und rief auf dem Polizeirevier Cogolin an, stellte sich dem Polizisten in der Telefonzentrale kurz vor und erklärte ihm:
„Hört mal, in der Rue Jean Jaures in Höhe der Metzgerei steht ein Lastwagen. Die Ladeklappen sind total verätzt und die Reifen haben wohl auch etwas abbekommen. Außerdem sieht es so aus, als ob da etwas ausläuft. Schaut euch die Kiste doch mal genauer an. Aber vorsichtig.“
Anschließend gab er noch das Kennzeichen durch und verabschiedete sich, kurz bevor er seine Familie erreicht hatte.
„Gibt es ein Problem?“ fragte Henri.
„Keine Ahnung. Der Lastwagen ist mir gestern, als wir zum Einkaufen gefahren sind, schon mal aufgefallen. Die Reifen und die Ladeklappen sind total verätzt. Außerdem sah es gerade so aus, als ob da etwas Grünes ausläuft. Ich hab auf dem Revier hier angerufen. Die sollen sich die Kiste mal genauer ansehen“, antwortete Amédé nachdenklich.
„Das ist schon eine Sauerei, mit solchem Zeug die Umwelt zu verschmutzen. Aber unsere Polizei wird sich kümmern“, erwiderte Henri, „Herr Präfekt.“
Als sie am Place Victor-Hugo ankamen, sah Henri Simon den Spielplatz und quengelte so lange bis sie alle zum Spielplatz gingen.
Henri war von dem Kleinen auserkoren worden, ihm beim Klettern zu helfen. Marie, Florentine und Amédé setzten sich auf eine Parkbank und schauten den beiden zu.
Kurze Zeit später klingelte Amédé’s Handy.
„Herr Präfekt. Wir haben das Kennzeichen überprüft. Das ist anscheinend gefälscht und an der Stelle, die sie angegeben haben steht der Lastwagen nicht mehr. Allerdings haben unsere Kollegen dort eine komisch grüne stinkende Flüssigkeit gefunden und eine Probe genommen. Die Feuerwehr wird sich um die Entsorgung von der Straße kümmern und wir lassen die Probe testen“, erklärte der junge Beamte des Polizeireviers Cogolin.
„Haben sie das Fahrzeug zur Fahndung ausgeschrieben? Ich hab den übrigens gestern schon einmal gesehen, der ist in Richtung Port Cogolin oder Port Grimaud gefahren. Ihre Chefin Madeleine Mora soll mir morgen mal anrufen. Da stimmt irgendetwas nicht, nicht nur wegen dem Kennzeichen. Da ist irgendwas oberfaul, das spüre ich“, erwiderte Amédé und legte auf.
„Schatz, musst du schon wieder arbeiten? Es ist Wochenende und es ist Sonntag. Du weißt doch, am 7. Tag sollst du ruhen“, sagte Florentine lächelnd.
„Ja meine Liebste. Aber ich kann da irgendwie nicht anders. Du erinnerst dich noch an den Lastwagen von gestern? Der stand gerade noch in der Rue Jean Jaures vor der Metzgerei. Ich hab mir den kurz angesehen. Dann kam ein Mann, unangenehmer Typ, und hat mich verscheucht. Aber mein Bauchgefühl hat sich gemeldet. Also hab ich, damit meine Frau nicht böse ist, beim Polizeirevier angerufen und die Nummer des Kennzeichens durchgegeben. Die Kollegen haben festgestellt, dass es gefälscht ist. Aus dem Lastwagen ist aber auch etwas ausgelaufen. Mit der Kiste stimmt etwas nicht. Das spüre ich ganz deutlich. Ich hab gebeten, dass Madeleine mich morgen deswegen anruft“, erzählte Amédé.
„Na gut. Aber nicht wieder selbst Detektiv spielen. Dafür hast du deine Leute, Herr Präfekt, klar“, stellte Florentine klar und Amédé nickte nachdenklich, „mach dir keinen Kopf, unsere Polizei findet den Lastwagen und zieht ihn aus dem Verkehr.“
„Weißt du, mich macht es fuchsteufelswild, wenn solche Idioten wissentlich und absichtlich unsere Umwelt kaputt machen und alles nur wegen Geld. Überleg mal, Henri Simon sieht so einen lustigen grünen Fleck auf der Straße, rennt hin, greift rein und verätzt sich dabei die Finger, die Hand oder gar den Mund. Unverantwortlich so etwas. Das sind Verbrecher, denen das Handwerk gelegt werden muss“, steigerte sich Amédé in seinen Ärger hinein.
„Schatz, du hast ja recht, aber deine Polizei in Cogolin kümmert sich drum. Du hast die Geschichte gemeldet, ins Rollen gebracht, jetzt lass die hier ihre Arbeit machen. Okay?“ beschwichtigte Florentine ihren Mann.
Amédé stand auf, ging zu den beiden Henri’s, die sich köstlich zu amüsieren schienen und beteiligte sich an deren Spiel.
Nach etwa einer Stunde gingen sie gemeinsam zum Haus der Vallmers, holten Henri Simon’s Kleider und auch sein wichtiges Schlaftier und fuhren nach Hause.
Während Henri Simon seinen Mittagsschlaf machte, kochte Florentine für ihren Mann Kaffee, den er auf der Terrasse trank und dabei seine Pfeife rauchte.
„Hier ist es so schön, so ruhig, einfach wundervoll“, schwärmte Amédé, „schau mal, der Tour de l’Horloge, wie der in der herrlichen Sonne strahlt, einfach wunderschön.“
„Wie sagst du immer? Das ist dein Paradies, nein, es ist auch mein Paradies, mein Schatz“, erwiderte Florentine und strich ihrem Mann lächelnd über die Wangen und setzte sich auf seinen Schoß.
„Meine schöne und tolle Ehefrau. Ich liebe dich über alles“, seufzte Amédé.
„Und ich dich auch mein Schatz“, erklärte Florentine, während sie sich fest an ihrem Mann schmiegte.
„Mir fällt gerade ein, morgen geht die Kindergartengruppe in den Wald. Bin mal gespannt was unser kleiner Held dann erzählt“, lächelte Florentine.
„Ich auch. Ich finde es aber gut, dass die das machen. Da lernen die Kinder auch etwas über die Natur“, lächelte Amédé.
„Die gehen auf jedenfall, egal wie das Wetter ist. Das heißt, wenn du ihn morgen in den Kindergarten bringst und es nach Regen aussieht, nimmst du die Gummistiefel und die Matschhose mit“, lächelte Florentine.
Plötzlich stand Henri Simon neben ihnen.
„Will auch schmusen“, brabbelte Henri Simon, kletterte auf seine Eltern und schmuste mit ihnen.
Zur gleichen Zeit machte der Fischkutter „La Rouge“ wieder am Anleger der alten verlassenen Werft, in der Nähe von Port Cogolin, fest. Wieder wurden nach Einbruch der Dunkelheit, Fässer, Säcke entladen und auf einen Lastwagen aufgeladen, sowie Fässer auf das Schiff gebracht, die wie am Abend zuvor im Meer verklappt wurden. Anschließend holte Peter Blanc seine Netze ein und fuhr nach Toulon in den Hafen.
Am nächsten Morgen, Florentine war wie immer um 5 Uhr in die Bäckerei zur Arbeit gegangen, brachte Amédé seinen Sohn in den Kindergarten. Nachdem er sich noch mit der Erzieherin kurz über den geplanten Waldaufenthalt der Kinder unterhalten hatte, fuhr er weiter zur Präfektur in Toulon zur Arbeit.
Während der Fahrt ließ er sich noch von dem Chef der Küstenwache Jules Vernon über den aktuellen Stand der Ermittlungen berichten. Anschließend legte er einen Breefingtermin fest, an dem Küstenwache, Polizei Toulon und Polizei Saint Tropez Bericht erstatten sollten.
Er erledigte einige Routinearbeiten, als auch schon die Polizeichefs aus Toulon, Saint Tropez und der Küstenwache bei ihm eintrafen und an seinem Besprechungstisch platz nahmen.
„So, schießt mal los. Was wissen wir, was haben wir?“ begann Amédé.
Zunächst begann Jules Vernon von der Küstenwache mit seinem Bericht.
