BattleTech - Die Suche nach Jardine - Herbert A. Beas II - E-Book

BattleTech - Die Suche nach Jardine E-Book

Herbert A. Beas II

3,0

Beschreibung

BEGRABEN UNTER DER ASCHE DES KRIEGES … Die unabhängige Erkunderin und Schatzsucherin Dr. Brooklyn Stevens verdankt ihre Karriere dem Auffinden verschwundener Artefakte aus der Historie der Inneren Sphäre, doch in den letzten Tagen des VerCom-Bürgerkrieges bietet ihr das Angebot einer wissenschaftlichen Organisation, welche als Interstellar Expeditions bekannt ist, die Gelegenheit, den Fund ihres Lebens zu machen: Ein vermisster Planet, der in den Wirren der brutalen Nachfolgekriege verlorengegangen ist. Doch der Planet Jardine starb nicht einfach nur im Weltenbrand – er wurde komplett aus allen Karten gelöscht, und Brookes Auftraggeber möchte den Grund hierfür erfahren. Sie muss die einzige bekannte Verbindung zu dieser vergessenen Welt aufspüren: Ein gefährliches Raubtier, das auf Jardine beheimatet war und dessen ursprüngliche Entdeckerin unter mysteriösen Umständen zum Schweigen gebracht wurde. Irgendjemand möchte, dass der Planet im Verborgenen bleibt – und ist sich nicht zu schade dafür, sicherzustellen, dass Brookes Bestrebungen, die Wahrheit hinter Jardines Verschwinden zu enthüllen, in einer Tragödie enden.

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Titel

Herbert A. Beas II

Die Suche nach Jardine

Vergessene Welten I

Impressum

Yellow King Productions

Titelbild: Catalyst Game LabsRedaktion: Mario WeißÜbersetzer: Hartwig Nieder-Gassel Korrektorat und Lektorat: Mario Weiß, Michael Sellmeier, Christopher Denis, Thomas DoblingerLayout: Michael Mingers

©2026 The Topps Company, Inc. All rights reserved. Classic BattleTech, BattleTech, BattleMech and ’Mech are registered trademarks and/or trademarks of The Topps Company Inc. in the United States and/or other countries. Catalyst Game Labs and the Catalyst Game Labs logo are trademarks of InMediaRes Productions, LLC.

Deutsche Ausgabe Yellow King Productions, Neuöd - Gewerbepark 12a, D-92278 Illschwang unter Lizenz von INMEDIARES PRODUCTIONS, LLC., also doing business as CATALYST GAME LABS.

Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck, auch auszugsweise, die Verarbeitung und die Verbreitung des Werkes in jedweder Form, insbesondere zu Zwecken der Vervielfältigung auf fotomechanischem, digitalem oder sonstigem Weg sowie die Nutzung im Internet dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags erfolgen.

Produkt-Nr.: YKBT005E-Book-ISBN: 978-3-96331-983-9

PROLOG

Mein liebster Tyler!

Wir haben es also endlich bis hierher geschafft. Ich bin mir sicher, dass dich die üblichen Nachrichten von unterwegs inzwischen langweilen, weiß aber auch, welch große Sorgen du dir immer während dieser Feldexpeditionen machst. Was kann ich anderes sagen, als dir wie üblich zu versichern, dass es mir gut geht, ich dich immer noch liebe, dass ich dich sehr, sehr vermisse, und ich hoffe, in ein paar wenigen Monaten wieder zu Hause zu sein?

Es ist übrigens eine Schande, dass du nicht mitkommen konntest. Vom Orbit aus wirkt Rocky ziemlich faszinierend. Trouble sagt, dass die Scans, die er bislang durchgeführt hat, besagen, dass der Planet in eine Eiszeit zurückgefallen ist, möglicherweise dank des nuklearen Winters, der von der letzten Schlacht zwischen den Davions und den Steiners da unten ausgelöst wurde. Inzwischen sind die Strahlungswerte natürlich einigermaßen erträglich – sogar ohne Schutz überlebbar.

Aber es kommt noch besser. Wir glauben, dass diese ganzen Umweltschäden im Laufe der Jahre die Meeresströmungen durcheinandergebracht haben. Die Annie M ist jetzt an der Obsidianküste gestrandet. Ich benötigte nicht einmal die komplette Tauchausrüstung für arktische Verhältnisse oder den BohrMech, um an das Ziel herankommen zu können.

Es sieht also ganz so aus, als ob bei diesem Job alles gut läuft (endlich mal!). Mach dir also keine Sorgen, Süßer.

Ich werde mich dennoch schön warm in den schweren Umweltanzug einpacken, nur für dich.

Und ich werde auf mich aufpassen, wie immer.

In Liebe!

– Brooke

RSS ANNIE M

OBSIDIANKÜSTE

ROCKY

LYRANISCHE ALLIANZ

13. MAI 3067

»Brooke, sieh zu, dass du deinen Hintern in Sicherheit bringst!«

Ein mächtiger Knall, der durch die Isolierung ihres Druckhelms nur wenig gedämpft wurde, unterstrich die Worte, die in Brooke Stevens’ Ohren erklangen. Die Explosion, die der Länge nach durch das uralte Frachtschiff fuhr, verursachte eine kurze Kaskade aus längst abgestorbenen Seepocken, jahrhundertealten Eiszapfen und mineralischen Ablagerungen von der Decke und den Wänden rings um sie herum. Stärker noch als die erste Explosion erschütterte diese hier die verzogenen, abgenutzten Gitterlaufstege dermaßen heftig, dass sie mit ihrer freien Hand nach einem verrosteten Geländer an der Steuerbordwand greifen musste.

Nicht ganz unerwartet brach der Handlauf ab, verweigerte auf diese Weise jegliche – tatsächliche oder erhoffte – Unterstützung und lieferte Brooke einem hoffnungslosen Kampf gegen die Schwerkraft aus. Hilflos rudernd fiel sie nach hinten und spürte einen grellen Schmerz, der ihr linkes Bein entlangfuhr, als es fast ausgekugelt wurde. Die schwere Tragetasche, die sie noch immer mit der rechten Hand umklammert hielt, prallte mit einem gedämpften Scheppern von Metall auf Metall auf den Gitterrost. Instinktiv verstärkte sie ihren Griff um den Haltegurt, hielt ihn eisern fest, selbst als ihre andere Hand sich von dem nutzlosen Fragment des Geländers löste.

Der Schock des Schmerzes entlockte Brookes Lippen ein kurzes Aufjaulen, sodass für einen Moment das polarisierte Visier ihres schweren Helmes beschlug und danach als abgestandener Mief des ominösen Hackfleischs reflektiert wurde, das sie heute Morgen zum Frühstück gehabt hatte. Sie musste wegen des Geruchs genauso husten wie aufgrund der Pein.

»Brooke?« Obwohl aus Gründen der Übertragungsqualität jeglicher Emotionen beraubt, verriet die Stimme von Marissa Boerefijn dennoch ihre Besorgnis.

»Ich hab’ dich schon gehört, Marie!«, erwiderte Brooke heftig und biss sich dann auf die Lippe, als sie ihr linkes Bein wieder unter sich zog.

»Bist du okay?«

»Frag mich doch was noch Blöderes«, zischte sie.

Eine weitere Detonation erschütterte das Wrack des Schiffes und vereiste Bruchstücke regneten auf ihren Anzug herab. Brooke wuchtete sich in eine aufrechte Position, wobei sie durch zusammengebissene Zähne gefilterte Luft in ihre Lungen sog, als ihr Bein dabei schmerzerfüllt protestierte. Direkt vor ihr befand sich, nur vage beleuchtet von den (verbliebenen) Helmleuchten ihres Überlebensanzugs, die Öffnung der Luke, die sich als länglicher Fleck aus purer Schwärze vor dem fleckigen Grau und den mäandernden Schatten des heckwärtigen Schotts abzeichnete. Die schwere Tür, die vor kaum einer halben Stunde aufgeschweißt worden war, lag nun vor dem Zugang auf dem Boden und fungierte als Hindernis zu der dahinterliegenden Kammer. Die Tragetasche noch immer umklammert, bewegte sich Brooke weiter, atmete bei jedem anstrengenden, schmerzhaften Schritt gegen das Visier …

Es hätte alles so einfach sein sollen, rief sie sich einmal mehr ins Gedächtnis.

Schließlich hatte die Annie M fast dreihundert Jahre lang auf dem Grund von Rockys Obsidianmeer gelegen, einen Atomkrieg überstanden, war aufgrund von radikalen Änderungen der lokalen Strömung in Richtung der Küste getrieben, war eingefroren worden, als die Eiszeit des Planeten die Temperatur an der Oberfläche auf –20 Grad Celsius und darunter sinken ließ. Ganz sicher hätte man wohl annehmen dürfen, dass die Zeit und die Naturgewalten jegliche Sprengfallen unbrauchbar gemacht hatten, die von den Randweltlern zurückgelassen worden waren, als diese ihren geheimen Schatz versenkten, um ihn zu einem späteren Zeitpunkt bergen zu können.

So jedenfalls hatten Brooke und ihr Team sich das vorgestellt. Sicherlich eine vernünftige Annahme. Bis sie herausfanden, dass die Frachträume bis unter das Dach mit uralter Munition vollgestapelt waren. Chemische Sensoren, die an ihrem Anzug angebracht waren, hatten Daten an Marissa übermittelt, die in der relativen Geborgenheit der McKenna zurückgeblieben war. Die umgebaute Astrolux-Sternenyacht parkte irgendwo knapp jenseits des ehemaligen Strandes der Obsidianküste, der sich in eine Tundra verwandelt hatte, ein paar Kilometer nordwestlich von hier.

Die Daten – und deren blitzschnelle Analyse durch Tibor »Trouble« Mitternacht, an seiner eigenen Station auf der McKenna – förderten rasch das Vorhandensein ausgelaufener chemischer Treibstoffe und Gefechtsköpfe zutage. Nachdem er auf dem Untergrund, wo er sich im Laufe der letzten 100 Jahre oder so angesammelt hatte, nur zur Hälfte gefroren war, erwies sich dieser chemische Cocktail als extrem instabil, ein sprichwörtliches Pulverfass, das nur noch auf einen Funken wartete.

Glücklicherweise wurde der Frachtraum, der Brookes Ziel war, von den Munitionsbunkern durch mehrere rostige Schotts und ein Deck getrennt, das mit abgestorbenen, vereisten Seepocken und anderen seltsamen mineralischen Ablagerungen überzogen war.

Unglücklicherweise lag dieser Frachtraum – mitsamt den schweren Edelstahltresoren darin, die den wahren Schatz bargen – knapp unterhalb des Wasserspiegels, umschlossen von Eis, das erst noch mithilfe einer Handvoll Thermalladungen verflüssigt werden musste.

Im Vergleich zu anderen Aufgaben, die Brooke schon auf sich genommen hatte, war es ein Kinderspiel, in undurchsichtigen Matsch einzutauchen, um mithilfe eines handlichen Plasmabrenners korrodierte Tresorverriegelungen aufzuschweißen, genauso wie das blinde Herumtasten, um Gegenstände nur durch Befühlen zu bergen. Allerdings musste es dann irgendwann im Verlauf ihrer Bemühungen zu einem Funkenschlag oder einer Vibration gekommen sein, die sie nicht vorhergesehen hatte. Vielleicht war sogar eine übrig gebliebene, funktionsfähige und uralte Sprengfalle verantwortlich.

Was auch immer der Auslöser gewesen sein mochte, das Ergebnis hatte aus einer Kettenreaktion bestanden, die in diesem Augenblick nach und nach die explosive Fracht der Annie M entzündete. Sprengkopf für dreihundertjährigen Sprengkopf …

»Brooke!«

Eine donnernde Detonation folgte ihr, als sie sich im Watschelgang durch eine weitere offene Luke duckte und eine schmale Wendeltreppe erreichte, die voller Trümmer und anderem Unrat war. Noch vor einer halben Stunde war sie genau diese Stufen angesichts der konservierten Relikte, bei denen es sich auch um über dreihundert Jahre zuvor noch lebendige, atmende Besatzungsmitglieder hätte handeln können, betont langsam heruntergekommen. Jetzt polterte sie die uralten Eisenstufen mit schmerzerfüllten Beinen hinauf – obendrein behindert durch einige zusätzliche Kilos noch nicht identifizierter Schätze und einen teilweise erstarrten Überlebensanzug, wobei sie Stücke aus Eis, altem Metall und vielleicht sogar Überbleibsel längst dahingeschiedener Körper aufwirbelte.

»Brooke!«, schrie Marissa erneut.

»Ich weiß! Ich weiß!«

Als die Explosion das unter ihr liegende Deck nahezu aufriss, klammerte sie sich fest an das Treppengeländer, dankte dem Schicksal für diese Unterstützung, und bahnte sich ihren Weg zum oberen Deck, wobei sie einen Blick auf dämmriges Tageslicht irgendwo jenseits der offenen Luke dort oben erhaschen konnte.

Dann begann sich die Welt zum Geräusch kreischenden Metalls zu drehen, wodurch Brooke mehrere Stufen zurückgeworfen wurde, sodass sie mit der Schulter voran auf den Treppenabsatz krachte. Die Tragetasche, die ihren Sturz nachvollzog, schwang zurück und landete mit vollem Gewicht auf ihrer Brust. Ein weiterer Schmerzenslaut entfloh ihr zwischen zusammengebissenen Zähnen. Sie sah Sterne, während sie sich dazu zwang, wieder auf die Füße zu kommen. Dabei nahm sie am Rande wahr, dass auch das Schiff selbst weiter erbebte und in Bewegung geraten war.

»Marie!«, knurrte sie.

»Sie kentert, Brooke!«, antwortete Marissa haspelnd.

»Wir sind gestrandet, um Basts Wi-!«

»Nur der Bug war auf dem Eisschelf, Dummkopf!«, mischte sich unvermittelt die rauere Stimme von Tibor ein. »Wie es aussieht, hat die letzte Erschütterung die äußere Schiffswand aufgerissen, und du befindest dich genau in der Hälfte, die nicht auf Grund liegt!«

»Na, klasse!«, entfuhr es Brooke. Sie wuchtete sich wieder hoch und machte sich mit der Tragetasche in der Hand auf den Weg zu den oberen Decks. Sie konnte verfolgen, wie der graue Schaft aus Tageslicht sich Stück für Stück erbebend wegdrehte. Jeder einzelne Schritt wurde zu einer Herausforderung in Sachen Balance – und Schmerzunterdrückung –, während das Heck der Annie M immer weiter krängte, und das Deck, auf dem sie schließlich nach ein paar weiteren quälenden Sekunden herauskam, zur Hälfte in halbgefrorenem Meerwassermatsch versunken war.

Soweit es uralte, seetaugliche Frachtschiffe betraf, handelte es sich bei der 30 000 Tonnen schweren Annie M um einen eher kleinen Koloss, mit einer Länge von bloßen zweihundert Metern vom Bug bis zum Heck. Obwohl sie rein technisch gesehen gestrandet war, bestand ihr letzter Ruheplatz aus nicht viel mehr als gerade mal 20 Metern, um die sich der ruinierte Bug auf eine Sandbank aus gefrorenem, trümmerdurchsetztem Sediment geschoben hatte. Somit hing ihre lange Hecksektion – einschließlich der altersschwachen Aufbauten, aus denen Brooke gerade aufgetaucht war, nur teilweise überflutet – noch im Wasser.

Der Umstand, dass das Schiff nie vollständig auf den Grund des Meeres gesunken war, besagte einiges über die bemerkenswerten Fähigkeiten ihrer Konstrukteure und – so nahm Brooke an – die gleichermaßen große Inkompetenz ihrer letzten Besatzung, der es nicht gelungen war, sie ordentlich zu versenken.

Nun aber erbebte die Hecksektion heftig, als die letzte Explosion das Schiff ein weiteres Mal erschütterte. Mit einem mächtigen Aufbäumen flogen uralte Deckplatten gen Himmel und der vordere Backbord-Ladebaum – der letzte Überlebende von fünf solcher Ladevorrichtungen, die das ehrwürdige Schiff einst aufgewiesen hatte – ging über Bord. Durch die Erschütterung richtete sich Brookes Aufmerksamkeit zugleich auf das eigentliche Problem. Der leckgeschlagene Rumpf der Annie M neigte sich immer weiter gen Steuerbord, wobei sich die Hecksektion im wahrsten Sinne des Wortes aus dem auf Grund gelaufenen Bug herauswand …

… mit Brooke noch immer an Bord.

Eine erneute Explosion, die stärker war als die dutzend anderen, die ihr vorausgegangen waren, sprengte die verzogenen oberen Decks des uralten Frachtschiffes mit einem Blitz aus goldenem Feuer auseinander. Indem es genau mittschiffs einen sauberen Riss quer über den Rumpf erzeugte, brachte dieses Beben die verbliebenen Decksplatten auf beiden Seiten zum Tanzen und versprühte Eis und Trümmer in alle Richtungen. Die Schockwelle traf Brooke direkt, warf sie gegen die Wände der Aufbauten und drohte, sie zurück ins Innere des Wracks zu schleudern, als das Heck seine gemächliche Drehung hin zu einem letzten Ruheplatz in Seitenlage auf dem flachen, düsteren Meeresgrund beschleunigte.

»Scheiße!«

»Ganz genau – Scheiße«, wiederholte Tibor in ihren Ohren. »Ich konnte die Explosion von der Küste aus sehen. Bist du in Ordnung?«

Unvermittelt musste Brooke einen Lachzwang unterdrücken, trotz der Schmerzen, die in ihrer Seite und in den Beinen pulsierten, und klemmte ihren freien Arm hinter einen verbogenen Träger an den Aufbauten, als sich die Neigung des Decks vergrößerte. Eine Locke aus kastanienbraunem Haar, die sich schließlich aus dem fest hochgesteckten Dutt gelöst hatte, den sie unter dem Helm trug, suchte sich genau diesen Moment aus, um ihr über das rechte Auge zu fallen. Sie versuchte, diese fortzupusten, brachte es dabei allerdings nur zuwege, ihr Helmvisier erneut beschlagen zu lassen. »Ich bin hier ziemlich beschäftigt, Leute«, sagte sie stattdessen. »Wo ist mein verdammter Schweber?«

»Halte dich nach links«, wies Marissa sie an.

Brooke schaute nach links und seufzte. Die Todesrolle der Annie M ließ diese Seite des Schiffes höher und höher steigen, während sich Brookes Seite gemächlich dem Meer zuneigte. Um zum Schweber gelangen zu können, müsste sie die zunehmend steiler werdende Schräge emporklettern, dabei die Tragetasche festhalten und auf eventuelle weitere Explosionen achten, die das, was von dem Schiff noch übrig geblieben war, in eine Wolke aus rostigem Metall und toter Meeresfauna verwandeln würde.

»Zum Teufel damit!«, schrie sie und wandte sich um.

»Das andere links!«, brüllte Tibor über den Lärm aus ächzendem Metall und grummelnden Detonationen hinweg.

Brooke ignorierte ihn, schlang sich die Tragetasche über die Schulter, ergriff den Halteriemen mit beiden Händen und setzte über die Steuerbordreling hinweg. Mit geschlossenen Augen und angespannt in Erwartung des Schocks, stürzte sie in den schlammigen, eisigen Matsch der Obsidiansee, gerade mal zwei Meter unterhalb des versinkenden Decks der Annie M …

FÄHRE MCKENNA

AUF ABFLUGKURS

ROCKY

LYRANISCHE ALLIANZ

Brooke sog geräuschvoll eine Lunge voll Luft durch ihre Nase ein und biss sich auf die Unterlippe, während Marissa sie mit dünnen, nervösen Fingern abtastete. Im Spiegel, der vor ihr auf dem Schott angebracht worden war, konnte Brooke die massive Prellung sehen, die jede Rippe auf ihrer rechten Seite betonte und unter ihrem Sport-BH verschwand. Ein noch viel hässlicherer Fleck in Blau und Schwarz schaute unter dem Stützverband hervor, der jetzt ihr linkes Knie umschloss. Dabei deutete dieser auf eine noch üblere Verletzung hin, welche ihren linken Knöchel auf das Doppelte seiner normalen Größe hatte anschwellen lassen und der unteren Hälfte ihres Beines eine ungesunde violette Färbung verlieh.

»Herr im Himmel, Brooke«, murmelte Marissa leise. »Du hattest Glück, dass dieser Anzug gepolstert war …«