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DER KAMPF UM DIE VORHERRSCHAFT DER BATTLEMECHS GEHT WEITER … Fünfzehn Jahre, nachdem die Terranische Hegemonie erstmals den Mackie, den allerersten BattleMech zum Einsatz brachte, hat dieses Große Haus die anderen Häuser der Inneren Sphäre nach Belieben vor sich hergetrieben. Jeder, der den Versuch unternahm, gegen die Terraner und ihre Todesmaschinen anzugehen, wurde komplett besiegt. Doch es gibt andere Wege, das Schlachtenglück auszugleichen. Und das Lyranische Commonwealth ist drauf und dran, dabei eine der ältesten Strategien überhaupt einzusetzen: Wenn du es nicht schlagen kannst, nimm es ihnen weg. Ein Spezialeinsatzkommando wurde mit seiner bis dahin gefährlichsten Mission betraut: Infiltration einer schwer befestigten terranischen Welt und Diebstahl der Pläne des terranischen BattleMechs. Abgesehen davon, dass die Chancen für dieses Unternehmen alles andere als gut stehen, kämpft der Anführer des Teams auch noch gegen seine ganz eigenen Dämonen – solche, die zwölf Meter hoch aufragen und bei jedem Schritt den Boden erbeben lassen …
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Seitenzahl: 85
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Titel
Herbert A. Beas II
Prometheus entfesselt
Proliferationszyklus II
Impressum
Yellow King Productions
Titelbild: Catalyst Game LabsRedaktion: Mario WeißÜbersetzer: Hartwig Nieder-GasselKorrektorat und Lektorat: Mario Weiß, Michael Sellmeier, Christopher Denis, Thomas Doblinger Layout: Michael Mingers
©2026 The Topps Company, Inc. All rights reserved. Classic BattleTech, BattleTech, BattleMech and ’Mech are registered trademarks and/or trademarks of The Topps Company Inc. in the United States and/or other countries. Catalyst Game Labs and the Catalyst Game Labs logo are trademarks of InMediaRes Productions, LLC.
Deutsche Ausgabe Yellow King Productions, Neuöd - Gewerbepark 12a, D-92278 Illschwang unter Lizenz von INMEDIARES PRODUCTIONS, LLC., also doing business as CATALYST GAME LABS.
Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck, auch auszugsweise, die Verarbeitung und die Verbreitung des Werkes in jedweder Form, insbesondere zu Zwecken der Vervielfältigung auf fotomechanischem, digitalem oder sonstigem Weg sowie die Nutzung im Internet dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags erfolgen.
Produkt-Nr.: YKBT023E-Book-ISBN: 978-3-96331-862-7
Prometheus entfesselt
BATTLEMECH-TESTGELÄNDE DER TERRANISCHEN HEGEMONIE
HESPERUS II
LYRANISCHES COMMONWEALTH
7. FEBRUAR 2455
1903 UHR TSZ (TERRANISCHE STANDARDZEIT)
Huuh-whump!
Seitdem er diesen Auftrag angenommen hatte, sogar schon vor den fünf Monaten intensiven Trainings, verfolgten die Träume – Albträume – Colonel Simon Kelswa jede Nacht.
Huuh-whump!
Sie liefen wie in einem mies geschriebenen Holovid ab. Der Hyperrealismus der Träume – mit lebendigen Farben, widerhallenden Geräuschen, ja sogar einem eisigen Windzug – wurde in seinem Geist überdeutlich. Verstärkt, und mit Bedeutung angereichert. Sie hielten seine Gedanken gefangen und signalisierten ihm zugleich, dass sie nicht real waren. Kein bisschen real.
Huuh-whump!
Doch diesmal war etwas anders. Die Farben lagen halb im Schatten. Der Hall wurde vom Grollen ferner Explosionen und heulenden Sirenen erzeugt. Der Wind trug Hitze, Feuer, Qualm und den Gestank nach brennenden Chemikalien mit sich.
Huuh-whump!
Doch jetzt war das Stampfen real. Viel realer noch als die Holovid-Geheimdienstberichte, die er vor Jahren gesehen hatte. Real genug, um die Erde erbeben und Fensterscheiben klirren zu lassen. Jetzt, im Zentrum eines brennenden Gebäudekomplexes, verblassten die Erinnerungen an jene ersten Eindrücke und wurden ersetzt durch die gedankenleere Benommenheit, die Simon an einen kleinen Flecken mit Trümmern übersäten Asphaltes fesselte. Alleine, inmitten massiver Gebäude, die in Flammen und Rauch gehüllt waren.
Die Monster kommen!
Selbst Simons Albträume hielten dem Vergleich nicht stand. Die stampfende, scheppernde Symphonie des Todes kündigte eine Inkarnation aus Metall an – eine, von der er gehofft hatte, sie nie aus dieser Nähe erblicken zu müssen, und das, obwohl er diesen Auftrag angenommen hatte.
Huuh-whump! Huuh-whump!
Jeder Schritt des führenden Monsters ließ die Erde erzittern, ließ um ihn herum Staubwolken vom Boden aufsteigen. Größere Trümmerteile tanzten im Rhythmus der Einschläge. Das Geräusch hallte in den von Menschen errichteten Schluchten aus Bürogebäuden wider, ließ Simons Herz bei jedem weltzerberstenden Aufprall stillstehen. Über das Getöse hinweg nahm er vage zur Kenntnis, dass jemand nach ihm rief, seinen Namen in einem verärgerten, drängenden Tonfall brüllte.
Aber es war zu spät.
Die Monster waren da.
Huuh-whump!
Mit einem weiteren markerschütternden Schritt kam die erste metallene Monstrosität, deren Hülle in Wüstentarnfleck scharf im orangen Lichtschein kontrastierte, schließlich um die Ecke. Von hinten durch züngelnde Flammen und flackernde Straßenlaternen erhellt, Beine und Unterleib in eine tief hängende Wolke aus grauschwarzem Rauch gehüllt, glich sie in jeder Beziehung einem titanischen Staubteufel, der dem Fegefeuer selbst entstiegen sein musste.
Simons Augen, trocken und brennend, traten bei diesem Anblick hervor. Ohne eigenes Zutun sog seine Lunge durch zusammengebissene Zähne einen weiteren Zug sengender, hesperanischer Luft ein, ohne den erstickenden Geschmack nach glühendem Metall und Ozon wahrzunehmen.
Die Schultern des Monsters streiften dreistöckige Bürogebäude und Lagerhäuser so beiläufig wie ein Mann, der über einen voll besetzten Parkplatz ging. Sein Kopf – eine Kugel aus Metall auf einem Gebirge aus Panzerung – zeigte als Gesicht ein rundes Portal aus unendlicher Ferroglasschwärze, ein Auge, das langsam den Boden absuchte.
Dieses nach Opfern Ausschau haltende Auge aus glänzender Finsternis ließ Simon an Ort und Stelle erstarren wie eine tharkadische Gazelle im Scheinwerferlicht eines herankommenden Hoverkreuzers.
Es sieht mich!
MARIA’S ELEGY RAUMHAFEN (ANLAGE DER TERRANISCHEN HEGEMONIE)
HESPERUS II
LYRANISCHES COMMONWEALTH
1. FEBRUAR 2455
1137 UHR TSZ
»Eure Hoheit, Ihr müsst mich nicht daran erinnern, wie schlecht die Situation da draußen für uns aussieht, aber ist das wirklich die Lösung? Das Kombinat und die Liga üben schon genug Druck auf uns aus, und die Lehnstuhlgeneräle, die für uns den Laden schmeißen, haben alle Hände voll zu tun – ist nicht böse gemeint. Euer Plan … ich meine, wollen wir es wirklich riskieren, jetzt eine weitere Front zu eröffnen?«
Sechs Tage zuvor, als er und sein Team auf der knarrenden Metallrampe des Landungsschiffs Firebringer die ersten Schritte hinunter und in die glühende Hitze des zur Terranischen Hegemonie gehörenden Raumhafenkomplexes auf Hesperus II machten, hallte Simons Unterredung mit dem Archon immer noch in seinen Gedanken nach. Er schob sie schleunigst beiseite. Hier gab es – zumindest im Moment – keine Colonels oder Archons. Nur eine weitere Gruppe angelernter Außenwelt-Arbeiter, die von der Commonwealth Mining Corporation zu ihrer hesperanischen Niederlassung CMO 7 entsandt worden war. Natürlich hatte man für sie nicht die erstklassigen, klimatisierten Einrichtungen des gehobenen Managements und der VIPs am Hauptraumhafen gebucht. Stattdessen warteten zwei dunkelblaue, staubige und verbeulte Bodentransporter an ihrer außen liegenden Landeplattform, weit entfernt von den Hauptgebäuden. Zusammen mit ihrer Eskorte aus einem Paar Jeeps zeigten alle vier Fahrzeuge das Drei-Sterne-Logo der Maria’s Elegy-Raumhafensicherheit und auch das bekanntere Sonnensystem-Emblem der Terranischen Hegemonie. Ihre Besatzungen waren natürlich gekommen, um alle von Simons fünfundzwanzig Männern oberflächlich nach Waffen und Schmuggelware zu durchsuchen, bevor man sie zu den äußeren Terminals und den von der CMO gestellten Taxis dahinter brachte – Sicherheits- und Willkommenstruppe in einem.
Zeit, mit der Show zu beginnen.
»Colonel … du kennst die Verhältnisse ebenso gut wie ich. Wir haben schon ein Fünftel des Tamar Paktes an die Dracs verloren, und Marik setzt uns gehörig unter Druck. Wir müssen jeden Vorteil nutzen, den wir finden können, und während wir gerade miteinander reden, befindet sich einer direkt auf unserem Gelände …«
Gemäß den Sicherheitsvorschriften befahlen die Wachen Simon und seinen Leuten, aus dem relativ kühlen Schatten herauszutreten, den die Firebringer, ihr klotziges altes 1000-Tonnen-Shuttle, bot. Während die Terraner ihren Pflichten nachkamen, wobei sie kein einziges Mal ein Lächeln zustande brachten oder sich auch nur einmal auf so etwas wie ein Gespräch mit den Lyranern einließen, fühlte Simon, wie sich langsam ein Sonnenbrand auf seiner Glatze ausbreitete. Die grelle, hesperanische Sonne fraß sich, angelockt von seinem natürlichen dunklen Teint, gierig in seine Haut.
Auf einem Stück saurem Tabak kauend wartete er ab, gab Desinteresse vor und kratzte sich an der Seite seines breiten, glattrasierten Unterkiefers, während seine dunklen, haselnussbraunen Augen die Sicherheitstruppen abschätzten und die eigenen Leute in Augenschein nahmen, welche fünf Monate zuvor vom Archon höchstpersönlich ausgesucht worden waren.
Sie alle – Männer und Frauen gleichermaßen – behielten ihre Pose professioneller Geringschätzigkeit, wie man sie von einer Truppe Raubeine erwarten durfte, perfekt bei. Einige von ihnen hatten sogar Spaß daran, und Simon konnte genau erkennen, wer, nur dadurch, dass er in ihren Augen das Glitzern grausamer Häme ausmachte, wenn sie auf eine ganze Batterie an Standardfragen mit Flüchen und schnippischen Antworten reagierten. Johann, der Shuttlepilot, blinzelte seiner Inspektorin anzüglich zu, als sie sich ihm mit dem Metalldetektor näherte, und machte eine große Sache daraus, ihr seinen Unterleib entgegenzustrecken, als der Stab seine Leibesmitte erreicht hatte.
»Dreckiger Abschaum«, grummelte sie.
»Aber es handelt sich dabei um eine direkte Infiltrationsmission, Eure Hoheit. Der Nachrichtendienst kann das sicher viel besser -«
»Das Corps hat seine Gelegenheit gehabt, Colonel. Tatsächlich hatte es sogar etliche Gelegenheiten. Und das kostete uns fünfzehn Jahre vergeblicher Bemühungen. Dieser Plan erfordert ein Team, das fähig ist, jedes Hindernis aus dem Weg zu räumen und dabei die Verluste auf allen Seiten so gering wie möglich zu halten. Sie müssen mit maximaler Effektivität kämpfen können, aber auch nur dann, wenn dies absolut notwendig ist.«
»Ein Präzisionsschlag, also?«
»Genau. Ein Präzisionsschlag.«
»Name und Marke, bitte?«
Das musste jetzt das fünfte Mal sein, dass ihm jemand diese Frage stellte, seit die Firebringer im System eingetroffen war, und bei jeder Wiederholung fragte sich Simon, was auf diese Weise überhaupt verifiziert werden konnte.
»Hör mal zu, Jefe«, raunzte er die Wache an. »Wie oft willst du uns diesen Scheiß noch fragen? Sind das Abzeichen und die Daumenabdrücke, die wir euch gegeben haben, nicht genug?«
Der Hegemonieoffizier war, wie er da so stand, sicher einen Kopf kleiner als Simon und wog klitschnass vielleicht gerade mal 44 Kilogramm (den dünnen Schweißfilm, der die Spitzen seines von der Sonne gebleichten Haares schon jetzt an dessen Stirn kleben ließ, nicht mitgerechnet). Sein stechender Blick, smaragdgrünen Dolchen gleich, sprach jedoch von gleichwertiger Willensstärke – wenn schon nicht physischer Kraft –, verglichen mit dem Mann, der ihn jetzt überragte.
Es reichte aus, um ihn auf Simons Wertschätzungsskala einen Platz nach oben rücken zu lassen, nicht dass er es sich leisten konnte, ihm das auch zu zeigen.
»Wenn Sie wollen, Mister, können wir hier auch noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag rumstehen«, schoss er zurück. »Ich werde nach Stunden bezahlt und wollte sowieso noch an meiner Sonnenbräune arbeiten – während Sie und Ihre Schlaumeiertruppe, soweit ich vermute, noch nicht einmal eingestempelt haben.«
Nach außen hin stieß Simon einen Seufzer stiller Verzweiflung aus und spie den letzten Rest seines Tabaks auf den koksgrauen Ferrobetonbelag. Rauch stieg von dem Fleck auf.
Innerlich merkte er sich den Namen der Wache und begrüßte deren Hartnäckigkeit. »Zum verfickten zwanzigsten Mal«, knurrte er. »Der Name ist Lorenzo. Augosto Lorenzo. Und die Kennung lautet Charlie-Michael-Charlie null-drei-vier-eins-sechs-für’n Arsch-Baker.«
Die Wache – mit dem Namen Daelun, gemäß seiner verstaubten blauen Montur – grinste zurück und ließ dabei kurz ein blendend weißes Gebiss aufblitzen, während er die Angaben in sein Notepad eingab und es dann zuklappte. »Na also«, sagte er. »Das war doch nun wirklich nicht so schwer, oder, Mister Lorenzo?«
»Ich habe die besten Männer für diese Mission bereits ausgesucht, Colonel. Und ehrlich gesagt kann ich mir niemand Besseren als dich vorstellen, um sie anzuführen. Ein Mann, der den Wert des menschlichen Lebens zu würdigen weiß, ein Soldat, der selbst im Kampf noch subtil vorgehen kann. Das sprichwörtliche Phantom im Nebel.«
»Ich fühle mich geehrt, Eure Hoheit, aber ein Auftrag wie dieser, und das ganz ohne adäquate Aufklärung -«
