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1932 in Wichita, USA, von Walter und Olive Ann Beech gegründet, mauserte sich die Firma recht bald zu einem Hersteller von innovativen und bemerkenswert robusten wie langlebigen Flugzeugen sowohl im militärischen als auch im zivilen Sektor. Einige hervorzuhebende Modelle sind z.B. die Beech »Staggerwing«, die Beech T-34 »Mentor«, die Beech »Bonanza« oder die weltweit sehr verbreitete Beech »King Air«, die noch heute produziert wird. Dieser Typenkompass ergänzt die bereits bestehende Reihe sinnvoll und mit dem bereits lieferbaren Typenkompass »Cessna« und dem noch folgenden »Piper« sind die großen drei US-Hersteller der ersten Stunde im Motorbuch-Programm vertreten.
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Seitenzahl: 89
Veröffentlichungsjahr: 2014
Marc Volland
Beechcraft
seit 1932
Paul Pietsch Verlage
Walter Herschel Beech wurde am 30.01.1891 in der Nähe von dem Ort Pulaski im amerikanischen Bundesstaat Tennessee geboren. Schon in frühen Jahren zeigte der Sohn eines Farmers großes technisches Verständnis. Als junger Mann half er bei der Wartung und Installation von Sägemühlen, Heiz- und Stromkraftwerken. Später ging er für den LKW-Hersteller White als Repräsentant nach Europa. Hier zeigte sich eine weitere Begabung von Beech, denn er war ein hervorragender Verhandler und Verkäufer.
Seinen ersten Soloflug absolvierte Beech am 11.07.1914. Als die USA1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, verpflichtete er sich bei den amerikanischen Luftstreitkräften und arbeitete drei Jahre als Pilot, Fluglehrer und Mechaniker. Danach tingelte er als »Barnstormer« durch die Lande und arbeitete als Charterpilot.
Im April 1921 trat Beech eine Stelle bei der Laird Airplane Company (1924 in Swallow Airplane Manufacturing Company umbenannt) in Wichita an. Er arbeitete als Test- und Demonstrationspilot und, aufgrund seines Allround-Talents, als »Mädchen für alles«. Hier lernte er auch Lloyd Carlton Stearman kennen. Zusammen entwarfen und bauten sie die Doppeldecker Swallow und New Swallow, die für ihre Zeit technisch sehr innovativ waren. Mit großem Erfolg nahmen sie an Air Races teil, wodurch ihre Namen in der Szene berühmt wurden.
Aufgrund technischer Differenzen mit ihren Vorgesetzten verließen Beech und Stearman gegen Ende 1924 die Swallow Airplane Company. In ihren Köpfen hatten sie Vorstellungen für Flugzeuge, die alle bisherigen Maschinen in den Schatten stellen sollten. Sie konnten den jungen Flugzeugkonstrukteur Clyde Vernon Cessna für ihre Idee begeistern und zusammen mit lokalen Investoren gründeten sie im Februar 1925 die Travel Air Manufacturing Company in Wichita, Kansas.
Travel Air 1000(Andre Wadman)
Travel Air #1 absolvierte seinen Erstflug am 13.03.1925. Optische erinnerte es stark an die New Swallow, verfügte jedoch über einen verkleideten Stahlrohrrahmen statt eines Holzrumpfes. Angetrieben wurde die #1 von einem OX-5-Motor mit 90 PS. Das Flugzeug verfügte über hervorragende Flugeigenschaften, sowie eine hohe Reichweite und Geschwindigkeit. Nicht nur mit #1, sondern mit allen gefertigten Modellen nahm das Unternehmen sehr erfolgreich an Air Races im ganzen Land teil. Durch diese »Werbung« verkauften sich die Flugzeuge von Travel Air glänzend!
Travel Air 2000(Gabriel Desmond)
Eine wichtige Neuerung wurde 1926 durch Vernon Cessna eingeführt: In seiner Freizeit entwarf er einen abgestrebten Hochdecker mit Platz für fünf Passagiere und einem Piloten in einer geschlossenen Kabine. Beech war zuerst wenig überzeugt von dem Entwurf, eine Bestellung von National Air Transport änderte aber seine Meinung und eine kleine Serie von zehn Flugzeugen wurde gefertigt. Es erhielt den Namen Travel Air 5000, auf dessen Basis die größere Travel Air 6000 entworfen wurde, von der über 150 Exemplare verkauft wurden!
1927 verließen Stearman und Cessna das Unternehmen und gingen ihren eigenen Plänen und Zielen erfolgreich nach.
Die 6000 war der erste »Airliner« von Travel Air und bot bis zu sechs Reisenden Platz. National Air Transport setzte den Typ auf ihren Post- und Passagierrouten in den USA ein. (Mark Silvestri)
Im gleichen Jahr kam eine junge Frau namens Olive Ann Mellor zu Travel Air. Geboren am 25.09.1903 zeigte sie schon früh ein großes Verständnis für Zahlen und gute Fähigkeiten im Umgang mit Geld. Bei den Flugzeugbauern sollte Sie die Buchhaltung in Ordnung bringen und wurde schnell ein wichtiges Mitglied im Unternehmen. 1930 heiratete sie Ihren Chef Walter Beech.
1929 war Travel Air ein extrem erfolgreiches Unternehmen: Seit 1925 waren über 900 Flugzeuge gebaut und verkauft worden. Im Jahr 1929 produzierte man 25 Exemplare in der Woche. Das Produktportfolio bestand aus neun verschiedenen offenen Doppeldeckern und drei geschlossenen Hochdeckern. Walter Beech hatte jedoch noch Größeres vor und um Geld zu erlangen verkaufte er im Juli des gleichen Jahres das Unternehmen an Curtiss-Wright, um mit frischem Kapital die weitere Expansion zu finanzieren. Beech wurde bei CW Vizepräsident für den Verkauf, behielt zudem die Verantwortung für die Flugzeugproduktion bei Travel Air.
1931 musste jedoch das Werk in Wichita geschlossen werden, denn im Rahmen der großen Weltwirtschaftskrise brach die Nachfrage nach Flugzeugen ein. Walter Beech erhielt einen Schreibtisch-Job in der Hauptverwaltung von CW in New York. Olive blieb in Kansas.
Unzufrieden mit seinen neuen Aufgaben, der großen Distanz zu seiner Frau und der mangelnden Risiko- und Innovationsbereitschaft seines Arbeitgebers kündigte Walter Beech 1932 seinen Arbeitsplatz. Er träumte von einem Flugzeug, das besser, schneller und hochwertiger sein sollte als alles bisher Dagewesene! Walter und Olive hatten es zu bescheidenem Reichtum gebracht, setzten alles auf eine Karte und gründeten die Beech Aircraft Company. Die ersten Jahre waren nicht leicht und die Gehälter der Angestellten, unter ihnen viele ehemalige Travel-Air-Mitarbeiter, sowie notwendiges Material wurden von dem Ersparten der Eheleute bezahlt. Mit der Abschwächung der großen Depression nahm aber die Nachfrage nach Flugzeugen wieder zu. Mit dem Modell 17 konnte das Unternehmen seiner betuchten Kundschaft ein modernes und bequemes Flugzeug anbieten, welches am laufenden Band Rennen gewann und Weltrekorde aufstellte. Die Staggerwing genannte Maschine verkaufte sich praktisch von alleine und machte den Namen Beech in aller Welt bekannt.
Mit dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg produzierte auch Beechcraft exklusiv für den Bedarf der Streitkräfte. Das Unternehmen wuchs schnell, um mit der Nachfrage Schritt halten zu können. 1941 zählte man über 6000 Mitarbeiter und fertigte nicht nur eigene Flugzeuge, sondern montierte auch Teile für Douglas und Boeing. Mit dem Sieg gegen Japan am 14.08.1945 wurde die Kriegsproduktion eingestellt. Über 7000 Flugzeuge hatte Beechcraft in den Kriegsjahren an das Militär übergeben können.
Tausende Twin Beech wurden in den Jahren des Zweiten Weltkriegs für das Militär produziert. (U.S. Air Force)
Walter Herschel Beech galt als absoluter Perfektionist. Er duldete keine halben Sachen und verlangte von sich und seinen Mitarbeitern stets das Äußerste. Er hatte ein gutes Gespür für die Bedürfnisse seiner Kunden und wusste, was sie wollten, noch bevor sie es selber wussten. Zusammen mit seinen Ingenieuren schuf er die Bonanza, einen absoluten Evergreen, der die Nachkriegsjahre bei Beechcraft prägte. Verschiedenste Flugzeuge wurden auf der Basis dieses Einmots entwickelt.
Am 29. November 1950 verstarb Walter Herschel Beech an den Folgen eines Herzinfarktes. Olive Ann übernahm die Führung des Unternehmens. Mit ihrer Begabung für Zahlen und ihrer Fähigkeit stets die richtigen Mitarbeiter um sich zu versammeln, führte sie das Unternehmen erfolgreich im Sinne ihres Mannes fort.
Die Entwicklung und der Bau von Flugzeugen blieb weiterhin das Kerngeschäft von Beechcraft. Die Herstellung und Montage von Flugzeugteilen für andere Hersteller wurde aber über die Jahre zu einem zweiten Standbein. So wurden unter anderem Flügel für die Lockheed T-33, Querruder für Boeings B-47, Kraftstofftanks für die American F-100 und ganze Rumpfeinheiten von Bells Jetranger montiert. Auch am Raumfahrtprogramm der NASA hatte Beech einen großen Anteil und fertigte Teile für das Space Shuttle und andere Raumfahrzeuge.
Weniger Erfolg hatte eine kurze Liaison mit dem französischen Hersteller Morane-Saulnier Mitte der 50er-Jahre: Die Amerikaner erwarben die Vertriebsrechte für den viersitzigen Geschäftsreise-Jet MS760 Paris, konnten jedoch, trotz umfangreichen Marketingbemühungen, nur zwei Exemplare verkaufen. 1969 versuchte Beechcraft erneut günstig die eigene Produktpalette um einen Jet zu ergänzen, als man mit der Hawker Siddeley Gruppe einen Kooperationsvertrag schloss um die HS-125 in den USA zu vermarkten. Im Sommer 1975 wurde der Vertrag wieder aufgekündigt, nachdem nur 60 Jets verkauft werden konnten.
Am 08.02.1980 wurde die Beech Aircraft Corporation ein Tochterunternehmen des Rüstungskonzerns Raytheon. Olive Beech, die bis dahin die Geschäftsführerin des Unternehmens war, wurde Mitglied des Aufsichtsrates des Mutterkonzerns, trat aber 1982 von allen Aufgaben zurück. Sie verstarb am 6.7.1993. Sie gilt als die »First Lady of Aviation« und erhielt während ihrer Laufbahn viele Ehrungen und Auszeichnungen. Einen Pilotenschein hat sie jedoch nie besessen.
Bis zu den 80er-Jahren gab es für den Umsatz, den Gewinn und den Mitarbeiterzahlen bei Beechcraft nur einen Weg: Nach oben. Fehlentwicklungen, schleppender Absatz durch globale Wirtschaftskrisen und der Trend zu Jets machten dem Unternehmen jedoch zunehmend zu schaffen. Die Rendite wurde schlechter, Verluste wurden eingefahren und Mitarbeiter mussten entlassen werden. Beechcraft konnte sich immer wieder teilweise von Rückschlägen erholen, fand jedoch nie zu alter Stärke zurück.
1993 erwarb Raytheon die Hawker Businessjet-Produktlinie von British Aerospace und nannte sie in Raytheon Corporate Jets um. Ein Jahr später wurde das erworbene Unternehmen mit Beechcraft zur Raytheon Aircraft Company verschmolzen. Der Name des Firmengründers Walter Beech verschwand komplett aus den Bezeichnungen der Flugzeuge, welche von nun an als Raytheon Bonanza oder Raytheon 1900 verkauft wurden. Acht Jahre später besann die Geschäftsführung sich aber wieder auf die Wurzeln des Unternehmens und der Name Beechcraft wurde für alle in Wichita produzierten Produkte erneut eingeführt.
Hawker 800XP (Marc Volland)
Im Jahre 2006 erfolgte ein erneuter Besitzerwechsel: Ein Konsortium gegründet von den Investmentfirmen Goldman Sachs und der Onex Corporation erwarben den traditionsreichen Flugzeugbauer und formten die Hawker Beechcraft Corporation.
Durch die große Rezession am Ende des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends geriet Hawker Beechcraft aber in immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Aufträge blieben aus oder wurden storniert. Mehrere tausend Mitarbeiter mussten entlassen werden. Neuentwicklungen wurden eingestellt oder verlangsamt, weil das nötige Geld fehlte.
Der 03.05.2012 schockte jedoch Beechcraft-Freunde in aller Welt, als Hawker Beechcraft Insolvenz nach dem amerikanischen Chapter 11-Verfahren anmeldete. Schulden in Höhe von US-$ 2,5 Milliarden ließen der Unternehmensführung keine andere Möglichkeit.
Dem Flugzeugbauer soll durch diesen Schritt die Chance gegeben werden sich neu zu organisieren und zu restrukturieren.
Die Firmeninhaber sind zuversichtlich, dass ihnen dies gelingen wird und die Geschichte von Beechcraft weiter fortgeschrieben werden kann.
Seit über 50 Jahren in Produktion und trotzdem top-modern! Mit den Modellen der King-Air-Reihe soll Beechcraft der Neuanfang nach der Insolvenz glücken. Für die sparsamen Turboprops konnte in den letzten Jahren wieder eine erhöhte Nachfrage verzeichnet werden, dank steigender Rohstoffpreise.
