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Ludwig Nohl

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Beschreibung

"Beethoven" von Ludwig Nohl zeichnet mit erzählerischer Verve das dramatische Leben des Komponisten nach, der 1770 in Bonn geboren wurde und in Wien zum revolutionären Gestalter der Musikgeschichte aufstieg. Nohl beschreibt Beethovens frühe Prägung durch Mozart und Haydn, sein unbeugsames Streben nach künstlerischer Autonomie und die erschütternde Erfahrung der Ertaubung, die aus dem gefeierten Virtuosen einen innerlich ringenden Titanen formte. Im Zentrum stehen die epochalen Werke: die neun Sinfonien, deren heroische Spannweite die Grenzen der Klassik sprengt; die späten Streichquartette, die visionär in die Moderne weisen; sowie die "Missa solemnis", in der metaphysische Inbrunst erklingt. Nohl verknüpft Werkanalyse mit lebendigen Briefzitaten und zeigt, wie Beethoven mit der "Eroica" den Freiheitsgeist der Französischen Revolution musikalisch entfachte und mit der "Neunten" ein utopisches Ideal universaler Brüderlichkeit verkündete. Das Buch beleuchtet auch Beethovens konfliktreiche Beziehungen zu Mäzenen, seine kompromisslose Moral, seine naturverbundenen Spaziergänge und die einsame Größe seiner letzten Jahre. Nohls Biografie, selbst ein Klassiker der Beethoven‑Literatur, macht deutlich, warum der Komponist als Brückenbauer zwischen Aufklärung und Romantik gilt und warum seine humanistische Botschaft noch heute Film, Popkultur, Wissenschaft, Protestbewegungen und Gedenkkultur inspiriert. Ihr feinfühliger Stil öffnet Leserinnen und Lesern das Herz für Beethovens kämpferischen Geist und unerschöpfliche schöpferische Energie bis heute hin.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Ludwig Nohl

Beethoven

e-artnow, 2025 Kontakt: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

1. Die Jugend und die erste Schaffenszeit
2. Eroica und Fidelio
3. Cmollsymphonie, Pastorale und Siebente
4. Die Missa solennis und die Neunte Symphonie
5. Die letzten Quartette

1. Die Jugend und die erste Schaffenszeit

(1770–94)
Inhaltsverzeichnis

Ludwig van Beethoven ward am 17. Dezember 1770 in Bonn – getauft. Nur dieses, der Tag der Taufe, ist uns festgestellt, und so hat man den 17. Dezember zugleich als den Geburtstag gelten zu lassen.

Sein Vater Johann van Beethoven war kurfürstlicher Capellsänger in Bonn. Doch stammte die Familie aus den Niederlanden. Erst der Großvater war (1732) nach Bonn gekommen, nachdem er als Knabe wegen eines Streites eigenwillig das Elternhaus verlassen hatte. Er hatte sich als Baßsänger in Kirche und Theater hervorgethan und war so 1763 kurfürstlicher Hofcapellmeister geworden. Auch sonst hatten ihm Fleiß und Ordnung einen wohlbestellten Hausstand und ein persönliches Ansehen begründet. Ein kleiner Weinhandel erlaubte ihm »sich eher zu rühren.« Doch trug eben dieser Nebenbetrieb bei, sein eigenes Glück wie das seines Sohnes zu untergraben. Seine Frau Josepha Poll verfiel dem Laster des Trunkes und mußte zuletzt nach Köln in ein Kloster gethan werden. Und leider theilte diesen Fehler der einzige überlebende Sohn, – »Johann van Beethoven verstand sich schon früh gut auf die Weinproben«, sagt der Bericht seiner Jugendgespielen, – und bald nahm die üble Schwäche so überhand, daß eine tiefe Störung des Hauswesens eintrat und schließlich gar Amtsentsetzung folgte. Beethovens Jugendfreund Stephan von Breuning sah selbst einmal, wie er den trunkenen Vater auf offener Straße aus den Händen der Polizei befreite.

Hier haben wir nun sogleich den Einblick in eine Jugendzeit, die Beethovens Geistes- und Gemüthskraft hart erprobte. Denn nach der angesehenen Stellung des Großvaters und durch seine eigene frühe Anstellung als kurfürstlicher Hoforganist wie die bedeutende Entwicklung seines Talentes genoß Beethoven frühe den Umgang der besseren Gesellschaft und wirkte als Künstler in den Familien des Adels wie bei Hofe. Doch wird berichtet, daß es stets mit der größten Zartheit geschah, wenn sie, er und seine zwei jüngeren Brüder, den Vater ins Haus zurückzubringen suchten, und niemals hören wir ein hartes Wort über den Mann, der seine Jugend zu einer so schweren gemacht, ja ein solches von einem Dritten machte ihn geradezu böse. Allein die Verschlossenheit und eine gewisse Trotzigkeit seines Jugend- und Manneswesens müssen doch auf solche frühen herben Erfahrungen zurückgeführt werden.

Und wer kennt die Verwickelungen, die hier das Unheil überhand nehmen ließen! Denn wenn es gleich heißt: »Johann van Beethoven hatte einen flüchtigen Geist«, so wissen doch auch diese Jugendgespielen von seinem Charakter nichts Schlimmes zu sagen. Nur Jähzorn und Halsstarrigkeit scheinen sein altniederländisches Erbtheil gewesen zu sein, und dieses zeigte in reichlichem Maße auch unser Meister. Doch während der Großvater sich zu so guter Stellung aufgeschwungen und stets eine solche Haltung zu bewahren gewußt hatte, daß Beethoven ihn förmlich als ein Vorbild seines Lebens nehmen und als von einem »Ehrenmanne« noch später gern von ihm sprechen konnte, brachte es sein Vater nicht über den geringbesoldeten Capellsänger. Und nicht einmal diesem Stande entsprach die Wahl seiner Frau.

Magdalena Kewerich aus Ehrenbreitstein, eine »hübsche schlanke Person«, die einige Zeit als Kammerjungfer bei vornehmen Herrschaften gedient hatte und schon mit neunzehn Jahren die Wittwe eines kurtrierschen Leibkammerdieners war, wurde 1763 Johann van Beethovens Frau. Da nun diese Heirath nicht nach des Hofcapellmeisters Sinn sein konnte, so zog der Sohn, der bisher mit dem vereinsamten Vater zusammen gewohnt hatte, in ein Nebengebäude des Hauses Nr. 515 der Bonngasse, welches also Beethovens Geburtshaus ward.

Vermögen besaß die junge Frau ebenfalls nicht, und so trat, nachdem ziemlich rasch mehrere Kinder gekommen waren, von denen der 1774 geborene Karl und der 1776 geborene Johann eine Rolle in Beethovens Leben spielen, bald materielle Bedrängniß ein. Anfangs hatte der wohlhabende Großvater nachgeholfen, und seine stattliche Gestalt im rothen Rock, mit dem großen Kopf und den »dicken Augen« blieb bei dem Knaben Ludwig, der mit der größten Innigkeit an ihm gehangen, auch tief haften, obwol er erst drei Jahre zählte, als der Großvater starb. Bei zunehmender Bedrängniß machte der Vater einige Gesuche um Aufbesserung. Allein seine nur »ziemliche« Aufführung und seine »abgängige« Stimme ließen sie fehlschlagen. So suchte er sich denn mit Unterrichtgeben weiter zu helfen und wirkte auch im Theater mit, denn er spielte zugleich Violine. Doch bald verschlangen Krankheiten auch die immerhin nicht bedeutende Erbschaft: die Glas- und Porzellanschränke wandelten nebst dem Silberservice und der Leinwand, »die man durch einen Ring hätte ziehen können«, eins nach dem andern zum Trödler, und die Noth selbst konnte wieder den Vater nur mehr seiner Schwäche verfallen lassen.

Doch eines stand von früh an als ein Hoffnungsstern an dem trüben Himmel seiner Existenz: das Talent seines Sohnes Ludwig. Denn dasselbe zeigte sich ebenfalls bereits in erster Kindheit und konnte dem Vater, der selbst immerhin ein »guter Musiker« war, am wenigsten entgehen. Und wenn er auch selbst den vollen Erfolg hier nicht mehr erleben sollte, es war in der That dieses Talent, durch welches späterhin einzig die Familie vor dem Untergang gerettet und ihr Name sogar wieder zu hellem Klange erhoben werden sollte. Denn als zumal nach der Geburt jenes jüngsten Bruders und einer kleinen bald verstorbenen Schwester die Verhältnisse sich stets mehr zerrütteten, verfiel der Vater darauf den Sohn gleich dem kleinen Mozart, der kurz zuvor auch in Bonn gewesen war, zu einem Wunderkinde heranzubilden, um dann auf Reisen mit ihm die so sehr bedurften weiteren Existenzmittel zu gewinnen. So ward denn der Knabe mit Ernst angehalten Clavier und bald auch Violine zu spielen, und es muß bei diesen täglichen Uebungen härter zugegangen sein, als zu einer regelrechten Ausbildung erforderlich ist. Denn er wurde sogar vom Spielen mit den Kindern weggeholt, und die Jugendfreunde sahen ihn auf einem Bänkchen vor dem Claviere stehen und weinend seine Aufgaben üben. Auch Strafen fehlten nicht und selbst mahnende Freunde brachten den Vater nicht von solcher unerbittlichen Strenge ab. Doch ward der Zweck erreicht, und die anhaltende und regelmäßige Uebung legte den Grund zu einer Fertigkeit, die ihn schon als siebenjährigen Knaben vor die Oeffentlichkeit führte. In einer Kölner Zeitung kündete der Vater an, daß am 26. März (Beethovens Todestag!) 1778, »sein Söhnchen von 6 Jahren mit verschiedenen Clavierconcerten die Ehre haben werde aufzuwarten, wo er allen hohen Herrschaften ein völliges Vergnügen zu leisten sich schmeichele, um so mehr, da er zum größten Vergnügen des ganzen Hofes sich hören zu lassen die Gnade gehabt habe.« Der Knabe ward, damit das Wunder um so größer sei, um ein Jahr jünger gemacht, und dies erzeugte in ihm selbst einen Irrthum über sein Alter, der noch den nahezu Vierzigjährigen täuschte.

Ueber seine weiteren Jugendlehrer können wir uns kurz fassen. Seine Schule war vorzugsweise die Noth des Lebens, die ihn seine Kunst treiben und üben hieß, um sie zu beherrschen und mit ihr in der Welt vorwärts zu kommen. Außer dem Vater unterrichtete den achtjährigen Knaben ein Jahr lang der Sänger Tobias Pfeiffer, der bei Beethovens in Kost und Logis war. Er war ein fertiger Clavierspieler und Beethoven erkannte ihn auch dadurch als einen seiner Hauptlehrer an, daß er ihm noch von Wien aus Unterstützung zukommen ließ. Wie jedoch dieser Unterricht und das Leben im Beethoven'schen Hause beschaffen war, erkennt man aus der Erinnerung der Hausgenossen, daß wenn Pfeiffer oft spät in der Nacht mit dem Vater von dem Wirthshause kam, der kleine Ludwig noch aus dem Bette geholt und bis zum frühen Morgen am Clavier gehalten ward. Dagegen war der Erfolg dieser Unterrichtung bereits ein solcher, daß wenn der Knabe mit seinem Lehrer, der auch Flöte blies, zusammen »variirte«, die Leute draußen stehen blieben und die schöne Musik lobten. Im Jahre 1781 finden wir den zehnjährigen Ludwig denn auch mit seiner Mutter auf einer Reise nach Holland, wo er in großen Häusern spielte und die Leute durch seine Fertigkeit in Erstaunen setzte. Doch muß es mit dem Ertrag der Reise nicht ebenso gut gestanden sein. Denn auf eine Frage antwortete der Knabe: »Die Holländer, das sind Pfennigfuchser, ich werde Holland nimmermehr besuchen.«

Derweilen war es nun auch an das Orgelspiel gegangen, und ein Bruder Willibald im nahen Franziskanerkloster führte ihn darin bald soweit, daß er beim Gottesdienst als Gehülfe gebraucht werden konnte. Seine Hauptlehrer in dieser Kunst waren aber zunächst der alte kurfürstliche Hoforganist van den Eeden und dann dessen Nachfolger Christian Gottlob Neefe. Der letztere hat auch in der Composition den ersten entscheidenden Einfluß auf Beethoven geübt, und er selbst dankte ihm später »für den guten Rath bei dem Weiterkommen in seiner göttlichen Kunst«. »Werde ich einst ein großer Mann, so haben auch Sie Theil daran,« schließt der Brief. Er stammte aus Sachsen und stand so einerseits auf der Grundlage der norddeutschen Organistenkunst, hatte aber andrerseits in der Composition die Richtung der neuen Ph. E. Bach'schen Sonate genommen und war außerdem durch allgemeine geistige Bildung und gefälligere künstlerische Form ausgezeichnet. Schon im Jahre 1782 konnte er den elfjährigen Knaben als seinen »Vicar« annehmen und ihm so die Anwartschaft auf die Hoforganistenstelle selbst verschaffen. Von ihm stammt denn auch der erste öffentliche Bericht über Beethoven, und hier erfahren wir, daß die Hauptgrundlage dieses Unterrichtes Bach's Wohltemperirtes Clavier, jenes » Non plus ultra« der Contrapunctik wie der Technik war. Die Bach'schen Fugen waren es daher auch, durch deren ausgezeichneten Vortrag er sich später in Wien zuerst seinen Ruf verschaffte. Aber auch der Compositionsunterricht trug seine Früchte und ein Heft Variationen über einen Marsch wie drei Sonaten erschienen schon damals im Druck.

»Dieses junge Genie verdiente Unterstützung, daß er reisen könnte, er würde gewiß ein zweiter Mozart werden,« hatte Neefe schon in jenem Bericht von 1783 geschrieben. Bald nachher war dann die Ausbildung des »Genies« auch auf anderen Gebieten vorgegangen: der 12jährige Organistenvicar hatte gar, wenn Neefe verhindert war, die Proben im Theater zu leiten, und dieses brachte damals, wie wir noch sehen werden, auch in Bonn die besten Stücke der Zeit. So gewannen die künstlerische Anschauung und die technische Fertigkeit einen stets weiteren Umkreis, und es existirt schon aus diesen frühen Jahren eine Anekdote, wonach er als Hoforganist, – denn dies war er schon 1784, mit dreizehn Jahren! – einmal beim Gottesdienste den sehr tonfesten kurfürstlichen Sänger Heller durch seine kühnen Ausweichungen ganz aus dem Tone geworfen. Der Kurfürst untersagte wol für die Zukunft »derlei Geniestreiche«, war aber wie sein Capellmeister Luchesi von der außerordentlichen Befähigung des jungen Mannes ganz überrascht.

Solche Erfahrungen mochten denn Anlaß sein, daß man an den Unterricht eines wirklichen Großmeisters für ihn dachte, und in der That finden wir im Frühjahr 1787 den Bonner Hoforganisten bei Mozart in Wien.

Die kleine Gestalt, zwar kräftig, aber »fast plump organisirt von Körper« und mit einer stumpfen runden Nase, konnte beim ersten Anblick wenig Eindruck machen. Mozart belobte das Vorgetragene, das er für ein eingelerntes Paradestück hielt, etwas kühl, worauf ihn aber Beethoven um ein Thema zum Phantasiren bat und dann so spielte, daß Mozart lebhaft ausrief: »Auf den gebt Acht, der wird einmal in der Welt von sich reden machen.« Gleichwol war von Unterrichtung nicht viel die Rede. Mozart stack zu tief in der Composition des Don Juan und mancherlei herben Erlebnissen, so daß er ihm nur wenig vorgespielt und nur einige Stunden gegeben hat. Zudem rief den jungen Mann die heftige Erkrankung der Mutter schon nach wenig Wochen in die Heimat zurück, und hier harrten seiner weitere Schicksalsschläge: die gute Mutter starb und des Vaters Schwäche nahm eben dann so überhand, daß er bald nachher seines Amtes entsetzt werden mußte. Dadurch ward dem ältesten Sohne die Pflicht auferlegt, seine beiden jüngern Brüder zu erhalten und zu erziehen.

War nun dies in der That eine harte Schule des Lebens, die aber andrerseits dazu diente, seinem Charakter jenen ehernen Halt zu geben, der ihn auch in den schwersten Prüfungen nicht untergehen ließ, so gewann der Aufenthalt in Bonn fortan für ihn fast die gleichen Vortheile, die er in der musikalischen Großstadt Wien gesucht hatte. Denn Maximilian Franz, aus der »Biographie Mozarts« (Nr. 1121) als dessen Freund und Beschützer bekannt und seit dem Jahre 1784 Kurfürst von Köln, gehörte zu jenen edlen Fürsten des vorigen Jahrhunderts, die ihre Residenz zu einer Stätte jeder schönen Bildung und namentlich der ernsteren Kunstpflege machten.

Als jüngster Sohn Maria Theresias hatte er die sorgfältige Erziehung dieses Kaiserhauses gewonnen und besaß an Joseph II. das beste Vorbild. Seinen geistlichen Beruf erfaßte er mit Ernst, ebenso seine Regentenpflicht. Dem Wesen und Treiben der »großen Pfaffengasse am Rhein« war er ebenso abhold wie dem verrotteten Zustande, in dem seine verschwenderischen Vorgänger das Land hinterlassen hatten. Ueberallhin strebte er Ordnung und neues Gedeihen zu bringen. Es wehte ein frischer Wind durch das ganze Leben der kleinen Residenz, solange er dort war. Er war selbst noch jung, ein Dreißiger, und hatte feine Sitten. »Man war vielleicht bisher gewohnt unter Köln sich ein Land der Finsterniß zu denken, man wird aber ganz anderer Meinung, wenn man an den Hof des Kurfürsten kommt«, sagt ein gleichzeitiger Bericht von »diesem menschlichsten und besten Fürsten«. Besonders die Capellisten, unter welche wir uns also auch diesen jungen Hoforganisten begriffen denken müssen, seien ganz aufgeklärte, gesund denkende Männer von einem sehr eleganten Ton und Benehmen.

Der Kurfürst hatte 1786 die Universität eröffnet und begründete ein öffentliches Lesezimmer, das er auch selbst ungenirt besuchte. »Alle diese Anstalten huldigten in meinem Auge einem unbekannten Genius der Menschheit und mein Gemüth ahnte zum ersten Male die Hoheit der Wissenschaft,« sagt der Maler Gerhard Kügelgen, ein Landsmann Beethovens von damals, und sollte dieser selbst anders empfunden haben? Die ausschließliche Hinleitung auf den musikalischen Unterricht freilich hatte seine Schulbildung wenig vorschreiten lassen: schon das Rechnen ward ihm durchs ganze Leben schwer, und ebenso lag er mit der Orthographie stets mehr im Streit, als selbst jene Zeit vertrug. Etwas Latein und Französisch hatte er gelernt. Allein jener Hauch einer edleren Geistesbildung, der damals Bonn durchzog und durch den nahen Verkehr mit den gebildetsten Männern der Stadt auch ihn lebendig berührte, führte ihn schon früh auch in dieser Hinsicht auf Höhen, die andere Künstler und gar Musiker jener Zeit gar nicht kannten, die aber ihm stets mehr ein neues Schaffensgebiet für seine Kunst eröffneten. Denn so sehr auch solche ernste und vielseitige geistige Beschäftigung ihm seitdem stets ein unentbehrliches Bedürfen war und er, wie er später selbst sagt, »ohne auch im mindesten Anspruch auf eigentliche Gelehrsamkeit zu machen, sich von Kindheit an bestrebte, den Sinn der Bessern und Weisen jedes Zeitalters zu fassen,« so blieb, wie ebenfalls Kügelgen von sich sagt, »doch sein Herz liebevoll der Kunst zugewandt«. Und gerade seine Kunst ward damals in Bonn in der That mit Ernst und Hingebung gepflegt.