Haydn - Ludwig Nohl - E-Book

Haydn E-Book

Ludwig Nohl

0,0
0,49 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Joseph Haydn, 1732 im niederösterreichischen Rohrau geboren, begann als Chorknabe am Stephansdom und wurde zum Architekten der Wiener Klassik. Als Kapellmeister der Fürsten Esterházy formte er in ländlicher Abgeschiedenheit ein neues symphonisches Idiom: dramatische Kontraste, pointierte Humorblitze, liedhafte Themen und kühne Modulationen. Mehr als hundert Sinfonien – darunter die "Londoner" und "Pariser" Zyklen – sowie die wegweisenden Quartette op. 20 und op. 33 setzten Maßstäbe für Mozart, Beethoven und Schubert. Haydns Neugier führte ihn zur Entwicklung des Klaviertrios, zur Vollendung der Sonatenform und zu großen Oratorien wie "Die Schöpfung" und "Die Jahreszeiten", in denen Natur, Glaube und Aufklärung verschmelzen. Seine Englandreisen machten ihn zum ersten internationalen Musikstar und stärkten das Selbstverständnis des freischaffenden Komponisten. Ludwig Nohls 1877 erschienene Biographie "Haydn" entfaltet diese Lebensbahn aus Briefen, Anekdoten und Partituren. Nohl beschreibt den humorvollen, pflichtbewussten und zutiefst optimistischen Meister, der aus begrenzten Mitteln unerschöpfliche Klangwelten schuf. Ohne akademische Schwere, doch mit analytischer Klarheit erklärt er Haydns strukturelle Erfindungen, seine Wirkung auf die Konzertkultur und seinen anhaltenden Nachhall in Jazz, Filmmusik und Neuer Musik. Das Buch würdigt einen Künstler, dessen Werk bis heute Leichtigkeit mit architektonischer Strenge vereint und dessen Lebensweg zeigt, dass Neugier, Fleiß und Menschlichkeit die stärksten Motoren künstlerischer Erneuerung sind.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2025

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ludwig Nohl

Haydn

e-artnow, 2025 Kontakt: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

1. Die Jugend und erste Bildung
2. Beim Fürsten Esterhazy
3. Die erste Londoner Reise
4. Kaiserlied, Schöpfung und Jahreszeiten

1. Die Jugend und erste Bildung

(1732–53)
Inhaltsverzeichnis

»Sieh, mein lieber Hummel, das Haus, wo der Haydn geboren wurde, eine schlechte Bauernhütte, wo ein so großer Mann geboren wurde!« dieses Wort sprach 1827 auf seinem Todesbette über den Schöpfer der Symphonie und des Quartetts derjenige, der beiden die schönste Krone aufsetzen sollte, Beethoven.

Es war in dem Marktflecken Rohrau bei Bruck an der Leitha in Niederösterreich, also hart an der ungarischen Grenze, wo am 31. März 1732 Joseph Haydn das Licht der Welt erblickte. Der kleine Ort gehörte den Grafen Harrach, die denn auch in den 1790er Jahren dem von seinen Londoner Triumphen heimkehrenden Meister in ihrem Park ein Denkmal errichtet haben.

Haydn's Vater war Wagner. Das Geschäft bestand seit langem in der Familie. Er selbst war nach Handwerksbrauch gewandert und soll dabei bis Frankfurt am Main gekommen sein. Seine Ehe war mit zwölf Kindern gesegnet, von denen jedoch nur die Hälfte am Leben blieb. Diese wurden in ihrer katholischen Confession zur Gottesfurcht erzogen und weil sie arm waren, auch zu Sparen und Fleiß angehalten. »Meine Eltern haben mich schon in der zartesten Jugend mit Strenge an Reinlichkeit und Ordnung gewöhnt, diese beiden Dinge sind mir zur zweiten Natur geworden,« sagte Haydn im Alter selbst. Die Mutter war aufs zärtlichste für sein Wohl besorgt, und wenigstens der Vater erlebte auch noch den Lohn solcher braven Erziehung, Haydns Anstellung als Kapellmeister. Die Art, wie dieser viele Jahre später in seinem Testamente auch des Grabes der Mutter gedenkt, bezeugt, daß sie ihm dereinst viel gewesen war.

Der Vater war ein »von Natur aus großer Liebhaber der Musik« mit einem leidlichen Tenor und hatte »ohne eine Note zu kennen« auf der Wanderschaft die Harfe klimpern gelernt. Abends nach der Arbeit sangen sie miteinander, und voll Rührung gedachte noch der Greis dieser musikalischen Jugendergötzung. Er selbst, der kleine »Sepperl«, hatte dabei durch feines Gehör und eine gute Stimme überrascht, ja er sang dem Vater schon bald »alle seine simpeln kurzen Stücke ordentlich nach.« Ebenso ahmte er mit einem kleinen Stecken das Geigenspiel nach, und ein Verwandter aus der Nähe beobachtete bei solcher Gelegenheit das sichere Ton- und Taktgefühl des fünfjährigen Knaben. Dieser Verwandte, welcher Schulmeister und Chorregent in dem nahen Städtchen Hainburg war, nahm ihn, der eigentlich dem geistlichen Stande bestimmt war, dann auch eines Tages mit sich dorthin, um ihn eine Kunst erlernen zu lassen, die ihm die Erreichung jenes Zieles unfehlbar eröffnen werde. Haydn kam seitdem nicht anders als zum Besuche in die Heimat zurück. Aber daß er ihrer und seiner meist unbemittelten Verwandten zeitlebens in Liebe und Achtung gedachte, sagt sein Wort aus alten Tagen: »Ich lebe weniger für mich, als für meine armen Verwandten, denen ich nach meinem Tode etwas zu hinterlassen wünsche.« Er schämte sich seiner niedrigen Herkunft so wenig, daß er vielmehr selbst oft davon sprach, sagen die Biographischen Notizen über ihn. Ebenso gedachte er aber im Testamente des Pfarrers und Schullehrers wie der armen Kinder seines bescheidenen Geburtsortes. Und 1795, als er selbst bei der Einweihung jenes Harrachschen Denkmals dort wieder anwesend war, war er in der väterlichen Wohnstube niedergekniet, hatte die Schwelle geküßt und zugleich selbst auf die Ofenbank hingewiesen, wo er einst die kleinen Spielkünste geübt hatte, die der Anlaß seiner großen Künstlerlaufbahn wurden. »Junge Leute werden an meinem Beispiele sehen können, daß aus dem Nichts doch Etwas werden kann: was ich bin, ist alles ein Werk der dringendsten Noth,« sagte er bei Erinnerung dieser allerdings sehr geringen Anfänge.

Die »musikalischen Anfangsgründe sammt anderen jugendlichen Nothwendigkeiten« erlernte nun in der alten Heunenburg Haydn bei jenem »Herrn Vetter« Matthias Frankh. »Gott der Allmächtige, welchem ich allein so unermessene Gnade zu danken habe, gab mir besonders in der Musik so viel Leichtigkeit, indem ich schon in meinem 6. Jahre ganz dreist einige Messen auf dem Chor herabsang und auch etwas auf dem Clavier und Violin spielte«, sagt er selbst um 1776 in einer autobiographischen Skizze, die sich in den »Musikerbriefen« (2. Aufl. Leipzig 1873) befindet. Aber er lernte zugleich dort sämmtliche üblichen Instrumente kennen und die meisten selbst spielen. »Ich danke es diesem Manne noch im Grabe, daß er mich zu so vielerlei angehalten hat, wenn ich gleich dabei mehr Prügel als zu essen bekam,« lautet hierüber sein späteres humoristisches Bekenntniß. Leider entsprach dieser letzteren Anklage auch die übrige Behandlung im Hause seines Herrn Vetters. »Ich mußte mit Schmerzen wahrnehmen, daß die Unreinlichkeit den Meister spielte, und ob ich mir gleich auf meine kleine Person viel einbildete, so konnte ich doch nicht verhindern, daß nicht dann und wann die Spuren der Unsauberkeit sichtbar wurden, die mich auf das empfindlichste beschämten, ich war ein kleiner Igel,« sagt er wieder selbst. Er trug schon damals »der Reinlichkeit wegen« eine Perrücke, ohne welche man allerdings den »Papa Haydn« sich nicht wohl zu denken vermag.

Von der Art der musikalischen Unterrichtung in Hainburg hören wir auch wenigstens einen Zug. Es war eben in der Charwoche, in welcher viele Processionen abgehalten werden. Frankh war durch den Tod seines Paukenschlägers in große Verlegenheit gesetzt. Er warf also sein Auge auf den kleinen Sepperl, dieser sollte in der Eile Pauken schlagen lernen. Er zeigte ihm die Handgriffe und ließ ihn dann allein. Der Knabe nahm einen Korb, wie ihn die Bauern zum Mehl beim Brodbacken gebrauchen, überspannte denselben mit einem Tuche, stellte ihn auf einen mit Zeug überzogenen Stuhl und paukte nun mit so viel Begeisterung darauf los, daß er gar nicht merkte, wie das Mehl aus dem Körbchen staubte und den Stuhl verdarb. Er bekam wol einen Verweis, allein sein Lehrer war rasch besänftigt, als er mit Staunen bemerkte, daß Joseph so geschwind ein fertiger Paukenschläger geworden war. Da nun aber Sepperl noch sehr klein von Gestalt war, konnte er den bisherigen Paukenträger nicht erreichen und man mußte ihm einen kleineren Menschen geben, der jedoch zum Unglück bucklig war, wodurch selbst in der Procession Lachen erregt ward. Allein Haydn gewann so auch von diesem Instrumente genaue praktische Kenntniß, und bekanntlich spielt der Paukenschlag in seinen Symphonien seine besondere Rolle: Haydn ist der erste, der das Instrument nach seiner vollen Individualität und zu freien künstlerischen Zwecken in der Instrumentalmusik verwendet. Er ließ sich denn auch gern in dieser Kunst loben und gab, wie wir sehen werden, später noch in London dem Paukenschläger Nachhilfe in ihrer Verwendung.

Dieser erste praktische Erfolg aber bestärkte den Schulmeister selbst darin, daß im Grunde Musik Haydns zukünftige Berufsbeschäftigung sei. Sein »gelehriger Fleiß« wurde denn auch bald allgemein belobt und seine angenehme Stimme blieb zudem die beste persönliche Empfehlung. So kam es, daß er bereits nach zwei Jahren in große und man darf sagen, größte musikalische Verhältnisse kam, nach Wien.

Der Stadtpfarrer stand mit dem k. k. Hofcapellmeister Reutter in enger Freundschaft, sie waren Gevattern. Es mußte sich fügen, daß Reutter in Geschäften von Wien durch Hainburg reiste und bei dem Stadtpfarrer auf kurze Zeit abgestiegen war, bei welcher Gelegenheit er auch von dem Zweck seiner Reise sprach, daß er nämlich Knaben suche, welche schöne Stimme und Fähigkeit genug besäßen, um Chordienste thun zu können. Der Pfarrer erinnerte sich sogleich unseres Josephs. Reutter wollte den geschickten Knaben sehen. Er erschien. Reutter fragte ihn: ›Büberl, kannst du einen Triller schlagen?‹ Joseph mochte der Meinung sein, es sei nicht erlaubt mehr zu können als andere ehrliche Leute, und beantwortete daher die Frage mit den Worten: ›Das kann ja der Schulmeister auch nicht.‹ ›Schau,‹ erwiderte Reutter, ›ich will dir einen Triller vormachen, gib recht acht, wie ich ihn mache.‹ Kaum hatte er denselben geendigt, so stellte sich Joseph mit der größten Freimüthigkeit vor ihn hin und schlug nach höchstens zwei Versuchen einen so vollkommenen Triller, daß Reutter vor Verwunderung bravo rief, in die Tasche griff und dem kleinen Virtuosen einen Siebzehner (50 Pf.) schenkte. So erzählt der Maler Dies, der Haydns Umgang von 1805 bis zu dessen Tode genoß und darnach 1810 die so werthvollen »Biographischen Nachrichten« über ihn herausgab.

Der Kleine benutzte nun die Zwischenzeit bis zum 8. Lebensjahre, wo er erst ins Capellhaus eintreten konnte, zu Gesangübungen, – denn dies hatte der Herr Hofcapellmeister, als er dem Vater die Zusage gegeben hatte, für des Knaben Fortkommen zu sorgen, zur Bedingung gemacht, – er bediente sich dazu, da er keinen regelrechten Lehrer fand, aus eigener Erfindung der natürlichsten Methode, schlechtweg die Töne der Tonleiter zu singen, und machte dadurch so rasche Fortschritte, daß Reutter, als der Knabe in Wien ankam, über seine Fertigkeit in Staunen gerieth.

Das Capellhaus war das der Stephanskirche. Allein die Capellknaben hatten auch außer bei den ohnehin sehr häufigen Gottesdiensten noch in auswärtigen Aufführungen mannichfacher Art mitzuwirken und waren dadurch in ihrer eigenen Ausbildung bedeutend gehemmt. Haydn sagt zwar selbst, daß er hier »nebst dem Studiren die Singkunst, das Clavier und die Violine von sehr guten Meistern erlernt« und sowol in der Kirche wie bei Hofe mit großem Beifall gesungen habe. Allein wenn schon das »Studiren« nur der nothdürftige Unterricht in Religion, Schreiben, Rechnen und Latein war und darin zuletzt doch wieder er selbst sein eigentlicher Lehrer zu sein hatte, so stand es mit der Kunst in der Hauptsache noch schlechter. Denn der Herr Hofcapellmeister bekümmerte sich nicht viel um seine Capellschüler und erscheint obendrein als ein etwas hochfahrender Herr. »Ich war auf keinem Instrumente ein Hexenmeister, aber ich kannte die Kraft und Wirkung aller, ich war kein schlechter Clavierspieler und Sänger und konnte auch ein Concert auf der Violine vortragen,« durfte trotzdem Haydn später sagen. Das Singen aber war schon rein praktisch genommen seine Hauptübung und demgemäß auch seine Stärke, weshalb er denn auch als deutscher Instrumentalcomponist zuerst gesangmäßig, das heißt melodiös schrieb. Darum legte er aber auch darauf zeitlebens großen Werth und tadelte es oft, daß so viele Componisten nichts davon verständen. In diesen beiden Dingen bestand also, abgesehen von dem praktischen Musikunterricht, der Hauptsache nach dasjenige, was er in dieser seiner zehnjährigen Capellhauszeit in Wien als künstlerische Jugendschulung genoß: er hörte stets viel a capella, d. h. reine Chor-Musik mit ihrem contrapunctischen Gewebe und lernte ebenso jede Art von Sologesang und Instrumentalmusik kennen, und beides um so eindringlicher, als er selbst bei allem mitwirkte. Doch sind ihm auch ganze zwei Stunden in der musikalischen Theorie von dem »braven Reutter« gegeben worden.

Einzelnheiten über diese Jugendzeit erzählt noch Dies. Joseph sei trotz aller Vernachlässigung seiner Ausbildung mit seinem damaligen Stande zufrieden gewesen, und zwar, weil Reutter von seinem Talente so eingenommen war, daß er dem Vater erklärte, »und wenn er zwölf Söhne hätte, so würde er für alle sorgen.« So kamen noch zwei Brüder, darunter der spätere Salzburger Capellmeister Michael Haydn, der aus der Biographie Mozarts bekannt ist, ins Capellhaus nach Wien, und Joseph hatte die »unendliche Freude« sie unterrichten zu müssen. Schon damals beschäftigte er sich übrigens eifrig mit Componiren. Auf jedes Blättchen Papier, das er fand, zog er mühevoll Linien und steckte sie voll Notenköpfe, denn er meinte, es sei schon recht, wenn nur das Papier recht voll sei. Reutter überraschte ihn einmal in einem Augenblick, wo er ein solches zwölfstimmiges Salve regina d. i. der englische Gruß auf einem mehr als ellenlangen Papiere vor sich ausgebreitet liegen hatte. »He, was machst du da, Büberl?« sagte er, sah aber dann das lange Blatt doch durch, lachte herzlich über die reiche Aussaat des Wortes salve (Gegrüßet seist du), noch mehr über den riesenmäßigen Einfall, als Knabe sich an zwölf Stimmen zu wagen und fügte hinzu: »O du dummes Büberl, sind dir denn zwei Stimmen nicht genug?« »Aus solchen hingeworfenen kurzen Anmerkungen wußte Joseph Nutzen zu ziehen,« heißt es dabei. Weiter rieth ihm aber Reutter, die in der Kirche aufgeführten Stücke auf beliebige Art zu variiren, und diese Uebung brachte ihn früh auf eigene Ideen, welche dann Reutter corrigirte. »Das Talent lag freilich in mir, dadurch und durch vielen Fleiß schritt ich vorwärts. Wenn meine Kameraden spielten, nahm ich mein Clavierl untern Arm und ging damit auf den Boden, um ungestörter mich auf selbem üben zu können,« sagt Haydn selbst.

Wenn also Dies weiter von dieser Jugendzeit berichtet: »Ich mußte jedoch die Umstände errathen, denn Haydn erzählte mit einer Behutsamkeit und Achtung gegen seinen Lehrer, die seinem Herzen zur Ehre gereicht,« so haben wir dies um so höher zu stellen, als wir dabei das Folgende hören. »Was aber für ihn sehr empfindlich war und in seinem Alter schmerzhaft sein mußte, war der Umstand, daß es schien, als ließe man absichtlich mit dem Geiste zugleich den Körper verhungern. Josephs Magen mußte sich an immerwährendes Fasten gewöhnen. Doch suchte er sich bei vorfallenden musikalischen Akademien, wo den Chorknaben etwas zur Stärkung gereicht wurde, für eine Weile zu entschädigen. Sobald Joseph diese für seinen Magen wichtige Entdeckung gemacht hatte, bekam er eine unglaubliche Zuneigung zu den musikalischen Akademien. Er befliß sich so schön wie möglich zu singen, um als ein geschickter Sänger bekannt und überall hingerufen zu werden, damit er Gelegenheit finde, seinen nagenden Hunger zu stillen.« Dabei steckte er sich denn auch gelegentlich die Taschen voll Nudeln oder sonst etwas Gutem. Reutter hatte eben selbst keine große Einnahme für seine Chorknaben. So mußten sie darben.

Gleichwohl fehlte auch diesem so empfindlich eingeengten Dasein der jugendlich heitere Uebermuth nicht. Unser Dies erzählt: »Zur Zeit, als der Hof das Lustschloß zu Schönbrunn erbauen ließ, mußte Haydn die Pfingstfeier hindurch dort in den Kirchenmusiken singen. Außer der Zeit, die er in der Kirche zubringen mußte, gesellte er sich zu andern Knaben, bestieg die Baugerüste und lärmte auf den Bretern umher. Was geschah? Die Knaben erblicken plötzlich eine Dame. Es war Maria Theresia selbst, die sogleich jemanden beorderte, die lärmenden Knaben von dem Gerüst zu entfernen und mit Schillingsstrafe (Prügel) zu bedrohen, wenn sie sich wieder auf demselben sehen lassen würden. Haydn war am folgenden Tage vom Vorwitz getrieben, bestieg allein das Gerüst, wurde erhascht und erhielt richtig den versprochenen Schilling. Viele Jahre nachher, als Haydn schon im Dienste des Fürsten Esterhazy stand, war die Kaiserin einst in Esterhaz (in Ungarn). Haydn stellte sich vor dieselbe hin und machte seine unterthänigste Danksagung für den erhaltenen Schilling. Er mußte den ganzen Vorfall erzählen, worüber viel gelacht wurde.«

Hier sehen wir denn zugleich unseren Helden schon als Meister in Amt und Würden. Wie dornenvoll war die Bahn dorthin!