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Die junge Lehrerin Paula hat gleich mehrere Gründe, ihrer Mainzer Schule den Rücken zu kehren. Einer davon ist ihr jüngerer Bruder Hannes. Somit kommt das Jobangebot eines bayrischen Dörfchens sehr gelegen. Doch die Idylle erweist sich als trügerisch und die skurrilen Bewohner bewahren so manches abgründige Geheimnis. Auch Hannes sorgt für zusätzliche Dramatik. Mit Rat und Tat zur Seite steht ihr Ex-Kollegin Julia. Als dann Daniel, der umstrittene Sohn des alten Bergdoktors auftaucht, überschlagen sich die Ereignisse. Teil 1 der Lämmerbachreihe
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Seitenzahl: 352
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Josie Hallbach
Bergdorf sucht... Lehrerin
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel 1:
Kapitel 2:
Kapitel 3:
Kapitel 4:
Kapitel 5:
Kapitel 6:
Kapitel 7:
Kapitel 8:
Kapitel 9:
Kapitel 10:
Kapitel 11:
Kapitel 12:
Kapitel 13:
Kapitel 14:
Kapitel 15:
Kapitel 16:
Kapitel 17:
Kapitel 18:
Kapitel 19:
Kapitel 20:
Kapitel 21:
Kapitel 22:
Kapitel 23:
Kapitel 24:
Kapitel 25:
Kapitel 26:
Kapitel 27:
Kapitel 28:
Kapitel 29:
Kapitel 30:
Kapitel 31:
Kapitel 32:
Kapitel 33:
Kapitel 34:
Kapitel 35:
Kapitel 36:
Kapitel 37:
Kapitel 38:
Kapitel 39:
Kapitel 40:
Kapitel 41:
Kapitel 42:
Kapitel 43:
Kapitel 44:
Kapitel 45:
Kapitel 46:
Kapitel 47:
Kapitel 48:
Kapitel 49:
Kapitel 50:
Kapitel 51:
Kapitel 52:
Kapitel 53:
Kapitel 54:
Kapitel 55:
Kapitel 56:
Kapitel 57:
Kapitel 58:
Kapitel 59:
Kapitel 60:
Kapitel 61:
Kapitel 62:
Kapitel 63:
Kapitel 64:
Kapitel 65:
Kapitel 66:
Kapitel 67:
Kapitel 68:
Impressum neobooks
Josie Hallbach
Bergdorf sucht… Lehrerin
Teil 1
Im Schulhaus von Lämmerbach traf sich der komplette Gemeinde-bzw. Kirchengemeinderat zu einer Sondersitzung. Die fünf Mitglieder waren, wenn man den Pfarrer und den Bürgermeister austauschte, ohnehin identisch und leider selten einer Meinung. Nun teilten sie sich aber notgedrungen die wackeligen Schulbänke.
Es ging um die Stellenbewerbung einer gewissen Paula Müller, 26 Jahre alt. Sie hatte sich überraschend auf die seit neun Monaten geschaltete Anzeige im „Evangelischen Gemeindeblatt“ gemeldet.
Pfarrer Martin Ebershäuser betonte ein ums andere Mal lautstark, dass dies nur mit einem göttlichen Wunder zu erklären sei. Die Idee mit dem Gemeindeblatt stammte selbstverständlich von ihm.
Die anderen Teilnehmer zeigten sich diesbezüglich zwar skeptischer, standen aber der unbekannten Bewerberin trotzdem denkbar aufgeschlossen gegenüber.
Der Bürgermeister sprach sogar hoffnungsvoll von einem entscheidenden Durchbruch in der Geschichte der kleinen Berggemeinde.
Lieselotte Kistner, Amtsbotin, Leichenwäscherin, Messnerin und Leiterin des Seniorenkreises in einer Person, schwoll das Herz vor Rührung, als sie hörte, dass dieses besagte Fräulein Müller ihren 15-jährigen Bruder mitbringen wolle, für den sie aus nicht näher erläuterten familiären Gründen die Verantwortung trug.
Der Repräsentant der Almbauern sah diesen Umstand deutlich kritischer, liebäugelte aber damit, den Abend bei einem Maß Bier in der Gastwirtschaft ausklingen zu lassen. Deshalb plädierte er für eine sofortige positive Abstimmung, da diese junge Frau ohnehin die einzige Kandidatin auf unabsehbare Zeit bleiben würde. Die anderen nickten zustimmend.
Lediglich die Hebamme bekam bei diesem eiligen Vorgehen Bedenken. Ihr Vorschlag, ein Vorstellungsgespräch zum gegenseitigen Kennenlernen anzuberaumen, wurde jedoch von allen Seiten entsetzt abgelehnt. An diesem Punkt waren sich die anderen ausnahmsweise einig: Niemand wollte ein unnötiges Risiko eingehen. Es genügte vollkommen, wenn die zukünftige Lehrerin zum spätestmöglichen Zeitpunkt mit den lokalen Gegebenheiten konfrontiert wurde.
So setzte man in freudiger Erwartung das Antwortschreiben auf.
Ein Hinweis für alle Bayern-Fans:
Der besseren Lesbarkeit wegen wird der bayrische Dialekt nur in geschmälerter Form und ohne jeglichen Anspruch auf Perfektion wiedergegeben.
„Das ist nicht dein Ernst“, sagte Julia und starrte ihr Gegenüber fassungslos an.
„Mein völliger Ernst“, erwiderte Paula und versuchte so gelassen wie möglich auszusehen. Innerlich machte sie sich allerdings auf ein anstrengendes Gespräch gefasst.
„Wo um alles in der Welt liegt Lämmerbach?“
„Irgendwo am Ende von Deutschland.“ Paulas Stimme klang so betont frisch, dass es bereits verdächtig wirkte. Sie versuchte sogar ein leichtes Grinsen.
„Du meinst wohl am Ende der Welt. Mensch Mädchen, ich versteh ja, dass du hier wegwillst. Aber schmeiß doch nicht gleich deine ganze Zukunft hin.“
„Ich nehme eine Lehrerstelle in einem netten, kleinen Bergdorf an, das ist alles.“ Ihr Grinsen wurde auf eine harte Probe gestellt. „Das Klima dort soll sehr gesund sein. Höhenluft.“
„Ich wusste gar nicht, dass du krank bist.“ Julia fuhr sich ungeduldig durch ihr langes blondes Haar. „Wie bist du überhaupt an diese Stelle gekommen?“
„Sie war im `Evangelischen Gemeindeblatt` ausgeschrieben.“ Paula hatte einen Hang zur Ehrlichkeit, der ihr im Leben nicht immer nur Pluspunkte einbrachte. Ihr selbst war die Anzeige wie eine Fügung des Himmels erschienen, als sie diese vor einigen Wochen entdeckt hatte. Aber davon konnte sie ihre Kollegin vermutlich schwer überzeugen. Deren Sinn für Religion endete spätestens bei den Weihnachtsgeschenken.
Paula schaffte es dafür, ihre Gesprächspartnerin zum zweiten Mal aus der Fassung zu bringen. Die Hand blieb im Haar stecken. „Hör mal zu, mein Kind“, kam es im besten Erzieherinnenton, „lass uns in Ruhe über alles reden. Eine solche Entscheidung sollte man nicht überstürzen.“
Das angesprochene „Kind“ begann es sofort zu bereuen, sich nicht gleich nach Schulende aus dem Staub gemacht zu haben. Das Problem war, dass ihre Freundin ja irgendwie Recht hatte. Paula merkte selbst, wie überstürzt ihre Entscheidung wirkte, doch der Wunsch hier wegzukommen, war übermächtig. Jeder Tag fühlte sich wie Spießrutenlaufen an. Alle wussten Bescheid oder hatten zumindest einen Teil der Gerüchte mitbekommen. Wenn sie Jörg bloß sah, wäre sie am liebsten abwechselnd im Boden versunken oder hätte sich wutentbrannt auf ihn gestürzt. Sie verstand inzwischen selbst nicht mehr, wie sie sich in dieses aufgeblasene Ekelpaket hatte verlieben können. Warum sie ihm dermaßen auf den Leim gegangen war, ohne die Spur eines Misstrauens.
Lediglich Julias Eingreifen war es zu verdanken gewesen, dass sie bei der sich anbahnenden Katastrophe nicht völlig den Boden unter den Füßen verloren hatte. Seither fühlte sich die ältere Kollegin für sie verantwortlich.
„Setz dich!“ Unsanft wurde Paula auf einen Stuhl gedrückt und dann ging es zur Sache. „Erzähl mir von der Ausschreibung.“
Diese wagte nicht zu widersprechen. „Es ist ein kleines Bergdorf unweit der Österreichischen Grenze. Sie suchen eine Lehrerin oder einen Lehrer, der die wichtigsten Fächer bis zur mittleren Reifeprüfung unterrichten kann.“
„Aha!“ Ihre Gesprächspartnerin blickte keineswegs begeistert drein, so dass sie rasch ergänzte: „Bezahlung nach Tarif und flexible Arbeitszeiten. Es ist eben eine ländliche Gegend. Dafür wird einem sogar eine möblierte Wohnung zur Verfügung gestellt.“
„Aber Kühe musst du keine melken können, oder? Meine liebe Paula, wer bitte schön schreibt eine Lehrerstelle im ´Evangelischen Gemeindeblatt` aus? Wann warst du beim Vorstellungsgespräch?“
„Es gab kein Vorstellungsgespräch. Ich habe meine Bewerbung geschickt und gestern bekam ich die Zusage. Sie erwarten mich Ende August.“
Julia war inzwischen der Verzweiflung sichtbar nahe. Eine Hand lag auf Paulas Schulter während die andere sich aus dem Haar befreit hatte und nun wenige Zentimeter vor ihrem Kopf herumfuchtelte, wie ein Scheibenwischer im Wolkenbruchmodus. Auf der sonst so ebenmäßigen Stirn begannen sich steile Falten zu bilden. „Du musst völlig übergeschnappt sein, Herzchen. Heutzutage nimmt keiner eine Lehrkraft ohne Vorstellungsgespräch, außer...“ Sie ließ den Satz unvollendet. Dafür tippte ihr Zeigefinger an den Kopf der Freundin, „denk mal drüber nach. Macht dich das nicht misstrauisch? So naiv und weltfremd kannst selbst du nicht sein. Die ganze Sache stinkt doch kilometerweit gegen den Wind.“
Natürlich hatte Paula bereits darüber nachgedacht und wenn ihre Lage nicht so verzweifelt wäre… und nicht nur ihre… Auch ihr Bruder musste dringend von hier fort, je schneller und weiter desto besser. Alles, was sie in den letzten Monaten von ihm zu sehen bekommen hatte, war ziemlich unerquicklich gewesen. Nicht nur, dass er mit dieser entsetzlichen Clique herumhing, neulich war sogar die Polizei vor ihrer Tür aufgetaucht, weil er angeblich bei einem gescheiterten Einbruch beteiligt gewesen sein sollte, wenn auch nur zum Schmiere stehen. Man hatte ihr unmissverständlich klargemacht, dass Jugendliche bereits ab zwölf Jahren strafmündig wären und lediglich ihr Versprechen, den Bruder in Zukunft unter straffer Kontrolle zu halten, die Polizei davon überzeugen könne, die Sache nicht weiter zu verfolgen. Die ganze Geschichte hatte ihr einen Mordsschrecken eingejagt.
Das fällige Gespräch mit Hannes am Abend darauf war dann leider zum Monolog ihrerseits geraten. Sie kam nicht an ihn ran, und manchmal fragte sich Paula in solchen Momenten, ob sie überhaupt jemals ein halbwegs intaktes Verhältnis zu ihm gehabt hatte.
Vielleicht war sie deshalb so offen für die Sympathiebeteuerungen ihres älteren Kollegen gewesen? Jörg Markhoffs Aufmerksamkeiten fielen auf empfangsbereiten Boden. Hinzu kam, dass sich ihre seitherigen Erfahrungen mit Männern auf ihren selten vorhandenen Vater, mit dem sie ohnehin kein herzliches Verhältnis verband, romantische Fernsehfilme und entsprechend einseitige Literatur beliefen.
Kurzzeitig fühlte sie sich wie das hässliche Entlein, das sich zur eigenen Verblüffung in einen akzeptablen Schwan verwandelt. Dieses Hochgefühl hielt allerdings nur bis zu jenem Abend, als Jörg Markhoff urplötzlich vom Märchenprinzen zum Frosch mutierte.
Hinterher erfuhr sie von Julia, dass es im Kollegenkreis bereits Wetten gegeben habe, wie lange er wohl brauchen würde, um sie flach zu legen. Der Einsatz hatte fünfzig Euro betragen und die pessimistischste Prognose auf zwei Wochen gelautet.
Paula verspürte nach dem fälligen Schock den Wunsch, möglichst viele Kilometer zwischen sich und diese Schule zu bringen. Der Zeitpunkt für eine Versetzung war aber für alle Seiten ungünstig und deshalb bemühte sich der Direktor im Gegensatz zu ihr auch nicht sonderlich darum. Er musste sich schließlich nicht dem Gespött oder Mitleid der Kollegen aussetzen. Das eine war für sie so unangenehm wie das andere. Natürlich würde mit der Zeit Gras über die Sache wachsen, sie war ja noch jung und wenn jemand gehen sollte, wäre das doch eher Jörg. Außerdem gäbe es genug andere Männer, die nicht….
Paula hatte das Gerede der Leute um sich herum so satt, dass sie sich Einsamkeit, Ruhe und keine weiteren guten Ratschläge zu wünschen begann. Sie sehnte sich nach einem Platz, an dem niemand sie kannte und wo sie noch mal ganz von vorne anfangen konnte, und das mit gerade mal 26 Jahren. Gleichzeitig wusste sie, dass ihre Haltung niemand verstehen würde und sie somit auch mit keiner Unterstützung rechnen konnte, zumindest mit keiner menschlichen.
Doch spätestens zu diesem Zeitpunkt kam ihre Religiosität ins Spiel. Dank drei Jahren Kinderkirche und einem christlichen Gospelchor, den sie in sporadischen Abständen besucht hatte, war immerhin so viel Glaube bei ihr hängen geblieben, dass sie vor schwierigen Entscheidungen normalerweise ihr Heil im Gebet suchte. Sie glaubte, dass es einen Gott gibt und dieser bei Bedarf in das Leben einzelner Menschen eingreift. Sie erinnerte sich an diese Möglichkeit und betete intensiv für eine neue Stelle. Zwei Tage später entdeckte sie die Anzeige im „Evangelischen Gemeindeblatt“ und stand staunend davor. War das nicht die Antwort auf ihr Gebet? Die Bedingungen klangen nahezu perfekt und schienen genau auf ihre Situation zu passen. In ländlicher Idylle und mangels einschlägiger Zivilisation und Ablenkung konnte sie vielleicht sogar ihren Bruder unter Kontrolle bekommen und zum Lernen bewegen, so dass er die Mittlere Reife schaffte.
Das alles waren Argumente, die Lämmerbach zur ersten und sowieso einzigen Wahl machten. Die sofortige Zusage, die sie auf ihre Bewerbung erhielt, tat seinen Teil dazu.
„Mein Entschluss steht fest“, sagte Paula, aus ihren Gedanken auftauchend. „Ich habe es vorhin dem Direktor mitgeteilt. Zum Schuljahresende wechsle ich.“
Julia nickte grimmig. „Na gut. Du willst es wohl nicht anders. Aber behaupte hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.“
„Du bist hiermit von sämtlichen Verpflichtungen entbunden.“ Es sollte ironisch klingen. Doch ihre Stimme klang lange nicht mehr so sicher wie zu Beginn des Gesprächs.
Sie stand bereits an der Tür, als die Freundin ihren letzten Trumpf ausspielte: „Was hält denn Hannes von deiner Idee?“
„Er weiß noch nichts davon.“ Der nervöse Unterton war nun unüberhörbar, „aber ich werde es ihm gleich heute Abend mitteilen.“
„Na dann, viel Spaß.“
Das Gespräch mit ihrem Bruder übertraf alle bangen Erwartungen.
Mit einigem Aufwand brachte Paula ihn erst mal soweit, dass er ihr beim Abendessen überhaupt zuhörte und sich nicht sofort in sein Zimmer oder nach draußen verflüchtigte.
Dann sagte er ganze zehn Minuten lang kein Wort, sondern stocherte nur lustlos in seinen Spaghetti herum, während sie sich über den Ort in den Bergen und dessen Möglichkeiten und Vorteile fast den Mund fusselig redete.
„Ich finde, Lämmerbach klingt ganz hübsch, findest du nicht? So nach Schafen.“ Langsam ging ihr der Stoff aus. Bisher hätte sie mit dem gleichen Erfolg ihre Mühe an eine Parkuhr verschwenden können.
„Es klingt nach völlig belämmert und passt somit hundert Prozent zu dir“, sagte Hannes endlich. „Falls du tatsächlich glaubst, ich würde da mitgehen, musst du wirklich total irre sein.“
„Du hast keine Wahl. Ich habe das Sorgerecht für dich.“ Paula kratzte alles, was sie an Autorität besaß zusammen und warf es in die Waagschale.
Hannes lachte, allerdings klang es keineswegs froh. „Jetzt fällt dir wohl nichts mehr ein. Vergiss es einfach! Es ist eine Sch...Idee. Was kann ich dafür, dass du es nicht mal schaffst, irgendwelche ältere Kollegen bei der Stange zu halten?“
Der Hieb war gut platziert. Er hatte also genug von Jörg mitbekommen, um ihre Hauptbeweggründe zu erahnen. Dabei hatte sie seither gedacht, Hannes würde in einer anderen Welt leben und sie als Schwester bestenfalls durch einen dunstigen Schleier wahrnehmen.
„Und wie hast du dir deine Zukunft denn vorgestellt?“, fragte Paula, weil ihr nichts Besseres mehr einfiel und sie vorrangig damit beschäftigt war, ihre seelischen Wunden zu lecken.
„Ich komm bei einem meiner Kumpels unter. In letzter Not gehe ich zu Paps nach Portugal. Das ist immer noch besser als mit dir irgendwo hin. Glaub nicht, irgendjemand, am allerwenigsten du, wird es schaffen, mich an diesen bescheuerten Ort zu bringen. Wo liegt dieses Belämmertbach überhaupt?“
Das wusste Paula selbst nicht so genau, war aber bereit, auf der Karte nachzuschauen.
„Gib dir keine Mühe. Wahrscheinlich findest du diesen Ort nicht mal bei Google Earth. Die letzten, nicht registrierten Quadratkilometer in Deutschland. Ich habe ja nichts dagegen, wenn du in die Wildnis gehen möchtest. Aber lass mich dabei aus dem Spiel.“
„Du weißt genau, dass das nicht geht. Paps Frau wird dich nicht aufnehmen, das hat sie deutlich genug erklärt.“
„Und wenn schon. Irgendeine Unterkunft werde ich auftreiben. Nur weil du meinst, alles hinschmeißen zu müssen, muss ich nicht das gleiche tun. Ich bleib bei meinen Freunden.“
„Schöne Freunde, was man so mitbekommt.“
„Du kennst sie ja überhaupt nicht. Hast du dich je für sie interessiert? Komm mir also nicht mit deinem Psycho-Lehrer-Geschwätz.“ Damit verschwand er Tür knallend in seinem Zimmer.
Zurück blieb eine ratlose Paula. Machte sie denn alles falsch? Am liebsten hätte sie sich irgendwo verkrochen und geheult. Aber außer Kopfschmerzen brachte das nichts, das wusste sie aus bitterer Erfahrung. Wenn sie eins begriffen hatte, dann, dass niemand sie aus einer verfahrenen Lage retten würde, weder ihr Vater noch sonst irgendein Mensch. Sie musste ihr Leben selbst in die Hand nehmen und dummerweise das ihres Bruders gleich mit.
In diesem Augenblick klingelte es.
Zwei von Hannes’ Kumpels standen draußen. Alle wirkten gleichermaßen cool und finster mit ihren gestylten Haaren, den weiten Hosen, Piercings und Tattoos an den unmöglichsten Stellen; dazu den obligatorischen MP3-Player lässig im Ohr. Sie hatte sich tatsächlich nie die Mühe gemacht, sie auseinander zu halten.
„Er ist in seinem Zimmer“, sagte Paula und trat einen Schritt zur Seite. Die Besucher ließen sich nicht zweimal bitten.
Während sie die Küche aufräumte, ging es gut zur Sache. Die Stereoanlage lief auf Hochtouren und es klang, als würden man Kleinholz aus den Möbeln machen.
Irgendwann hatte Paula genug. „Könnt ihr nicht wenigstens ein bisschen leiser sein. Der Vermieter…“ weiter kam sie nicht. Das Zimmer wirkte, als hätte ein Orkan darin gewütet. Ein umgeworfenes Bücherregal, Kleider hingen aus dem Schrank und lagen auf dem Boden verstreut, der Schreibtisch stand offen und der Inhalt der Schubladen verteilte sich über den Rest des Raums. Nicht, dass Hannes je sonderlich viel Sinn für Ordnung besessen hätte, aber das überstieg selbst seine Grenze.
Er lag auf dem Boden und einer seiner Kumpels kniete neben ihm, während der andere ihn festhielt. Falls Paula bis zu diesem Zeitpunkt noch Zweifel an der Absicht der beiden Besucher gehabt hätte, wäre das Messer in der Hand des einen durchaus geeignet gewesen, sie zu überzeugen.
„Hey, was soll das?“, fragte sie und schnappte sich ohne zu zögern den nächstbesten, schweren Gegenstand, in diesem Fall den Schirmständer aus Metall. Ihre Schwäche für Miss Marple–Krimis zahlte sich endlich aus. „Wenn ihr nicht sofort verschwindet, hole ich die Polizei.“
„Das glaube ich kaum“, erwiderte der Festhalter. „Du wirst deinen Bruder doch nicht im Knast besuchen wollen.“
„Halt dich da raus, Paula“, ächzte Hannes. „Das geht dich nichts an.“
„Wer weiß“, sagte der andere Kumpel, „vielleicht hat sie ja die Knete.“
Der mit dem Messer bewachte Hannes weiterhin, während der andere sich mit betont boshaftem Gesichtsausdruck vor Paula aufbaute. Er überragte sie um mindestens einen Kopf und hatte die Statur eines Ringers. „Na Schnecke, wie sieht’s mit uns beiden aus? Du magst es doch sicher, wenn ich mich ein bisschen um dich kümmere? Wir könnten eine flotte Nummer schieben, vielleicht wird dein Bruder anschließend etwas freigiebiger…“ Er grinste anzüglich und machte eine eindeutige Geste.
„Wag es nicht, mich anzufassen“, keuchte Paula vor Empörung und brachte den Schirmständer in Verteidigungsposition.
Ihr Kontrahent kicherte anerkennend. „Wow, du gehst ja richtig ab. Normalerweise stehe ich nicht auf ältere Tussis, aber bei dir würde ich glatt eine Ausnahme machen.“
„Lass sie in Ruhe“, kam es heldenmütig von Hannes.
„F… dich…Ich glaube nicht, dass du momentan in der Lage bist, Bedingungen zu stellen.“
„Um was geht es hier überhaupt?“ Seltsamerweise fühlte sie zwar ihren Puls hämmern, doch die Angst hielt sich in Grenzen. Sie war sich nahezu sicher, dass der Ringertyp nur bluffte.
„Um Kohle, mein Täubchen. Dein verf…Bruder schuldet uns zwei Riesen.“
Paula glaubte sich verhört zu haben. „2000! Stimmt das, Hannes?“
„Ja, aber es ist nicht so, wie es sich anhört“, gab dieser mit gequetschter Stimme zu bedenken. Gequetscht deshalb, weil sein Hals immer noch von einer kriminellen Pranke umklammert wurde.
„Wir warten nicht mehr länger, merk dir das, du H…. Du kannst uns nicht verarschen. Entweder du zahlst oder Freddy kommt persönlich vorbei und der wird nicht so zart mit dir umspringt.“
Diese Drohung zeigte endlich Wirkung und Hannes gestand: „Ich habe gerade keinen einzigen Cent.“
Der Würger stieß ein paar Ausdrücke aus, die Paula nicht in ihrem aktiven Wortschatz führte, deren Sinn sie aber ohne Probleme erahnen konnte. „Dann also zu dir, Mutti. Zahlst du für deinen lausigen Bruder oder sollen wir uns intensiv mit dir beschäftigen? Mein Freund ist schon ganz wild darauf.“
Paula dachte praktisch. „Ihr könnt 500 Euro haben. Die habe ich heute von der Bank geholt.“
„Dann schaff sie her, aber fix. Fe, du begleitest sie, damit sie keine Dummheiten macht.“
„Tu es nicht, Paula!“, rief Hannes tapfer dazwischen, wurde aber durch einen Fußtritt, kombiniert mit ein paar Flüchen, ruhiggestellt.
Paula holte unter dem wachsamen Blick von Felix, dem wandelnden Kleiderschrank, das Geld aus ihrer Kasse. Man konnte unschwer erkennen, dass diese anschließend leer war.
Außer weiteren anzüglichen Bemerkungen wagte er zum Glück nicht, in näheren Kontakt mit ihr zu treten, obwohl sie inzwischen den Schirmständer abgestellt hatte. Er hätte sich ohnehin nur als Filmrequisite geeignet.
„Besser als nichts. Den Laptop und die Stereoanlage nehmen wir als Anzahlung mit.“ Die Gestalt neben Hannes, der wohl als Anführer der Beiden fungierte, ließ von ihm ab und steckte das Geld ein. Felix machte sich parallel an den Abbau der Technik.
„Hey, das könnt ihr nicht. Da sind meine ganzen Programme und Spiele drauf“, wagte Hannes lauthals und mit neu gewonnenem Mut zu protestieren. Der Laptop war das großzügige Geburtstagsgeschenk seines Vaters gewesen.
„Dein Problem. Hättest halt rechtzeitig deine Schulden bezahlt. Nächste Woche holen wir den Rest, und wehe du hast nicht alles beisammen.“
„Das schaffe ich niemals bis dahin, aber ich jobbe während der Sommerferien. Wenn die Schule wieder anfängt, habe ich das Geld, versprochen.“
Die zwei schauten sich abwägend an. Dann sagte Felix: „Also gut, am ersten Schultag sind wir da und wenn ein einziger Cent fehlt, fürchte ich, können wir Freddy nicht mehr zurückhalten. Und das gilt für euch beide.“
Fünf Minuten später endete der Spuk und die dunklen Gestalten waren mit Paulas Geld, Hannes’ Laptop und seiner Stereoanlage verschwunden.
Paula ließ sich aufs Sofa fallen und holte das fällige Zittern nach. Als sie sich wieder halbwegs unter Kontrolle hatte, knöpfte sie sich ihren Bruder vor. Dieser wirkte gespenstisch kleinlaut und überraschend mitteilsam. Allerdings war die Geschichte, die herauskam, wenig erbaulich.
Hannes zog, seit er bei Paula wohnte, mit einer Gang von Jugendlichen um die Häuser, deren Anführer Freddy hieß: Ein Erwachsener, der mit Drogen dealte und noch so einiges andere am Laufen hatte. Natürlich durfte Hannes probieren. Freddy und die anderen aus der Clique hatten sich erstaunlich großzügig gezeigt, wenn es um Alkohol, Gras oder irgendwelche Tabletten ging; bis vor zwei Monaten. Da verlangte Freddy plötzlich, dass Hannes seine Schulden begleichen solle und setzte ihm eine Frist von einer Woche.
Das mit dem Einbruch, den er mit zwei anderen aus der Gang übernommen hatte, um an Geld zu kommen, war gründlich in die Hose gegangen und seither hatte Hannes mit Verzögerungstaktik und Ausreden agiert und sich ansonsten so dünn wie möglich gemacht. Als er drei Wochen lang nichts von Freddy und seinen Bodyguards zu sehen bekam, glaubte er, die ganze Sache wäre erledigt. Bis heute Abend eben.
Paula wollte alles im Nachhinein der Polizei melden. Schließlich waren sie bedroht und ausgeraubt worden, man hatte ihr Eigentum beschädigt und dieser Freddy dealte anscheinend ganz offen mit Drogen. Wenn das nicht genug Gründe waren, wusste sie auch nicht.
Aber Hannes redete mit einer solchen Sprachgewandtheit auf sie ein, dass ihr Entschluss von Minute zu Minute mehr ins Wanken geriet. Es war wohl nicht allzu sinnvoll, die Polizei weiter auf ihn aufmerksam zu machen, besonders nach der Geschichte mit dem Ladendiebstahl. So viel verstand Paula ziemlich schnell. Denn unter Umständen gäbe es da noch die eine oder andere unklare Sache, mit der er eventuell in Zusammenhang gebracht werden könne. Es existiere sowieso bereits eine Polizeiakte über ihn und er stünde somit auf einer Art schwarzen Liste. Sie wolle doch bestimmt keinen Bruder, der vorbestraft wäre.
Paula besaß nicht den Mut, näher nachzufragen, sondern starrte ihn nur entsetzt an.
Aber eigentlich sei alles gar nicht so schlimm, erklärte Hannes. Den Laptop müsse er zwar abschreiben, aber das würde er wohl oder übel verschmerzen. Der Prozessor war ohnehin nicht mehr auf dem neuesten Stand. Und um die Stereoanlage sei es auch nicht schade.
Paula schüttelte ärgerlich den Kopf. „Ich versteh nicht, wie du glauben konntest, sie würden dir das Zeug schenken. Ohnehin dachte ich, du wüsstest, wie gefährlich Drogen sind.“ Ein bisschen Erziehung konnte sie sich nicht verkneifen. Schließlich war sie nicht umsonst Lehrerin geworden.
„Diese Pillen sind völlig harmlos. Die bekommst du überall. Und von den harten Sachen habe ich nichts genommen, Ehrenwort.“
„Und was ist mit Alkohol und Marihuana?“
„Komm jetzt bloß nicht als Moralapostel.“
„Wie hast du dir das mit der Rückzahlung vorgestellt?“
„Was heißt hier Rückzahlung? Sie können froh sein, dass sie den Laptop bekommen haben und…“ Er warf seiner Schwester einen verächtlichen Blick zu, „…dein Geld.“
„Vergiss nicht, dass sie wiederkommen wollen.“
„Ich dachte, nach den Sommerferien hören wir uns ohnehin das Schweigen der Lämmer an“, erwiderte Hannes und verdrückte sich postwendend auf sein Zimmer, bevor Paula den Mund zu einer überraschten Entgegnung öffnen konnte.
In den kommenden Wochen bekam Paula immer mal wieder Zweifelanfälle, ob sie tatsächlich das Richtige tat. Bis vor einem viertel Jahr war sie nämlich noch der Überzeugung gewesen, sie hätte einen absoluten Traumjob ergattert. Die Mainzer Realschule besaß einen guten Ruf und das Kollegium hatte sie vor zwei Jahren als Neueinsteigerin herzlich aufgenommen. Außerdem war es ihr über Beziehungen sogar gelungen, eine süße, bezahlbare Wohnung in der Altstadt zu finden, fußläufig zur Arbeitsstelle, jeden Tag am Dom und den hübschen Fachwerkhäusern vorbei. Ihre Schüler mochten sie und sie unterrichtete mit viel Herzblut. Dazu war Mainz eine wirklich gemütliche Stadt, wenn man einmal vom Karneval absah, der die Bevölkerung für ein paar Tage in den Ausnahmezustand versetzte.
Und das alles wollte sie aufgeben wegen einer einzigen dummen Geschichte?
Aber genau an dieser Stelle ihrer Überlegungen kam jedes Mal Hannes ins Spiel. In seinem jungen Leben war schon eine Menge schiefgelaufen. In ihrem natürlich auch, aber die elf Jahre machten eben einen Unterschied.
Begonnen hatte es, als ihr Vater meinte, er müsse seine Karrierechancen nützen und sich im Auftrag seiner Firma nach Portugal versetzen ließ. Von da an tauchte er nur noch als Gast in ihrem Leben auf. Für einen fünfjährigen Jungen war es hart, plötzlich partiell vaterlos zu sein und Mutter hatte als Konsequenz daraus Depressionen bekommen. Sie war mit der Situation hoffnungslos überfordert gewesen, hatte sich aber keine Hilfe geholt, sondern sich immer weiter zurückgezogen. Kurz nach Paulas 18. Geburtstag kam dann der Tiefpunkt und sie setzte ihrem Elend mit einer Überdosis Schlaftabletten ein Ende.
Ein Siebenjähriger sollte seine Mutter nicht morgens tot im Bett vorfinden. Sein hysterisches Geschrei war in der halben Nachbarschaft zu hören gewesen. Der Totenschein hatte zum Glück unverbindlich auf Herzversagen gelautet, weil der herbeigerufene Arzt ihnen zusätzlichen Kummer ersparen wollte.
Hannes war anschließend psychologisch betreut und in ein Internat gesteckt worden, und Paula hatte brav ihr Abitur gemacht. Erst während des Studiums begann sie aus diesem Lebensalptraum zu erwachen. Ihr Vater hatte inzwischen eine Portugiesin geheiratet, mit der er ohnehin seit fünf Jahren liiert war und blieb vor Ort, in einem netten Bungalow an der Algarve. Natürlich durften seine Kinder ihn jederzeit besuchen. Aber nach den ersten zwei Probewochen in den Sommerferien hatten Hannes und sie freiwillig auf weitere Versuche verzichtet.
Dafür gelang es ihrem Bruder in den nächsten Jahren ein recht eigenwilliges Leben zu führen, während sie sich parallel dazu mit voller Kraft auf ihr Studium gestürzt hatte, um es in Rekordzeit zu beenden. Von ihrem Vater durfte sie, außer finanziellen Zuwendungen, mit wenig Unterstützung rechnen. Er entledigte sich kurzerhand seiner erzieherischen Pflichten und übergab die Beaufsichtigung seines Sohnes vertrauensvoll Paulas pädagogischer Kompetenz.
Dadurch blieb der ohnehin klägliche Rest ihres Privatlebens auf der Strecke. Die Tage bestanden aus Vorlesungen, Lernen, Jobben und regelmäßigen Besuchen bei ihrem kleinen Bruder, die allerdings auf wenig Gegenliebe stießen. Studentenpartys, Freundschaften, nächtliche Diskussionen, Flirten und all die Dinge, die normalerweise ein Studentenleben auszeichneten, lernte sie nur aus zweiter Hand kennen. Das Leben ihrer Mitstudenten schien sich in einer anderen Welt abzuspielen, zu der sie keinen Zutritt bekam. Sie war eine Außenseiterin und wurde auch so behandelt. Paula, die stets Vernünftige und Strebsame, von der man sich bestenfalls mal irgendwelche Unterlagen auslieh.
Kaum hatte sie ihr Referendariat beendet, flog Hannes wegen mehrerer Delikte, unter anderem Drogenkonsums, vor einem halben Jahr hochkant aus dem Internat. Sie holte ihn zu sich und meldete ihn als Schüler in ihrer Arbeitsstätte an. Hannes zeigte sich dafür jedoch keineswegs dankbar. Im Prinzip zeigte er sich überhaupt nicht. Nur zu bald gingen ihr die Entschuldigungen aus. Alle Versuche, Kontakt zu ihm aufzubauen, prallten wie an einer Wand ab. Deshalb musste sie dringend von hier weg.
Am letzten Schultag schenkte ihr Julia zwei Heimatromane. Einen unter der Rubrik „Der Bergdoktor-Teil 3“. Der andere trug den Titel „Alpenglühen – Die Sennerin vom Silberwald.“ Auf den Titelbildern waren fotogene, glückliche Menschen in Trachtenmode zu erkennen, außer dem attraktiven Bergdoktor natürlich. Der trug einen weißen Kittel und das unvermeidliche Stethoskop um den Hals.
„Ein bisschen Insiderwissen kann nicht schaden. Zum Lokalkolorit schnuppern. Das ist sicher fast so gut wie ein Reiseführer. Alles Gute.“ Ein paar Umarmungen, ein Blumenstrauß von den Kollegen und vorbei war es.
Die restlichen Wochen vergingen mit dem Ausräumen und Renovieren der Wohnung. Hannes verlegte sich sogar aufs Mithelfen. Allerdings hatte sich seine Redseligkeit mit dem einen Abend gründlich erschöpft. So kam Paula wieder vermehrt in den Genuss seines Schweigens, wenn er nicht gerade ihren PC blockierte, um im Internet zu surfen, zu chatten oder sich irgendwelchen Ballerspielen hinzugeben. Aber wenigstens boykottierte er nicht mehr die Abreise. Offensichtlich legte er keinen Wert auf weitere Besuche.
Einen Teil ihrer Möbel verkauften sie bei Ebay, ein anderer Teil blieb für die Nachmieterin in der Wohnung zurück. Lediglich ein paar kleinere Stücke, die in den zur Ladefläche umfunktionierten Rückraum ihres Golfs passten, sollten mit ihnen die Reise nach Lämmerbach antreten.
In der letzten Nacht vor ihrer Abfahrt überfiel Paula ein Alptraum. Sie sah sich an einem Abgrund stehen, unter ihr die totale Leere. Sie hatte Todesangst. Plötzlich tauchte Jörg neben ihr auf. Er blickte sie abschätzend an, lachte höhnisch und meinte: „Du traust dich ja eh nicht. Du bist nichts weiter als eine verklemmte, graue Maus.“
Der Schmerz über diese Worte war plötzlich größer als ihre Angst. Ohne weiter nachzudenken nahm sie Anlauf und sprang. Das Letzte, was sie wahrnahm, war etwas Rotes, das mit rasender Geschwindigkeit auf sie zukam.
Paula erwachte schweißgebadet und wusste, dass dieser Traum mehr gewesen war als ein bloßes Hirngespinst. Er hatte etwas Prophetisches gehabt und war Ausdruck ihrer momentanen Situation.
Am Montag, den 23. August morgens um acht ging es los. Ihr alter Golf war bis oben hin vollgestopft, vollgetankt und generalüberholt. Die Besorgnis der letzten Nacht hatte sich leider nicht in Luft aufgelöst. In Paula kribbelte die Nervosität wie ein Haufen Ameisen auf Beutezug. Aber sie wollte Hannes nichts davon merken lassen. Deshalb machte sie einen auf betont optimistisch. Sie sagte nicht einmal etwas zu seiner neuen Frisur, die aussah, als ob man den Lehrling zum ersten Mal auf einen Kunden losgelassen hätte. Lange und kurze Haare bildeten ausgefranste Koalitionen. Mit Gel hatte er dazuhin ein paar wahllose Strähnen nach oben betoniert. Löchrige Jeans, samt einem Shirt mit Totenkopf vervollkommneten sein Outfit. Den guten Ersteindruck konnten sie abschreiben.
Die dreihundert Kilometer auf der Autobahn lief zum Glück alles wie am Schnürchen. Von der Beifahrerseite kamen entweder Schnarch-Geräusche oder monotone Bassläufe aus dem MP3-Player.
Die Kilometer danach, durch unzählige Dörfer, waren da schon zäher. Aber die immer höher werdenden Gipfel sahen echt imposant aus. So nah war sie den Bergen noch nie gekommen, zumindest als Autofahrerin.
Nach einer kurzen Rast standen sie schließlich vor dem ersten wirklichen Problem. Die Anfahrtsbeschreibung, die ihr mit der Zusage auf ihre Bewerbung geschickt worden war, endete in einem Ort, der Lammfeld hieß. Weit und breit war kein weiteres Dorf zu sehen. Sie hatte auch auf keiner Straßenkarte ein wie auch immer geartetes „Lämmerbach“ entdecken können. Aber das teilte sie Hannes vorsichtshalber erst zu diesem Zeitpunkt mit. Sein Google Earth-Gespött mit dem weißen Flecken auf der Landkarte klang ihr noch unangenehm im Ohr.
„So sieht also das Ende der Zivilisation aus“, sagte er daraufhin und versagte jegliche Mitarbeit, indem er die Augen schloss und sich mit verschränkten Armen in seinen Autositz zurücklehnte.
Eine ältere Frau in einer blumigen Kittelschürze, die mit ihrem Besen am Straßenrand herumhantierte, erwies sich als hilfreicher. Sie kicherte auf Paulas Nachfrage. „Wo denkens hin? Lämmerbach en Ortsteil von Lammfeld. Nie im Leben. Gott sei‘s gedankt.“
Dies war Paulas Erstkontakt mit dem hiesigen Dialekt und außerdem nicht die Auskunft, die sie erwartet hatte.
Die Einheimische beugte sich trotzdem neugierig ins Autoinnere. „San Sie etwa die Lehrerin?“ Fast hätte man meinen können, ihr Tonfall bekäme einen mitleidigen Anstrich. Aber vielleicht reagierte Paula in diesem Punkt auch übersensibel. Die ungewohnte Aussprache kostete sie ohnehin reichlich Mühe, überhaupt etwas zu verstehen.
„Woher wissen Sie das?“, erkundigte sie sich höflich, nachdem sie die Überraschung halbwegs verdaut hatte.
„Ha. Des weiß jeder hier. Lämmerbach is schließlich unser Nachbargmeinde. Zu unserm großn Leidwesn“, fügte die Alte hinzu und bekreuzigte sich schnell. Plötzlich ließ sie den Besen fahren, griff durch das geöffnete Seitenfenster und packte Paula bei der Schulter. Diese derb schüttelnd, zischte sie: „Noch könnens umdrehn, junge Frau. Hörens?“
Hannes öffnete bei dieser Attacke tatsächlich die Augen und wirkte allein dadurch merklich wacher.
„Und warum sollte ich das tun?“ Paula versuchte die Krallenhand so dezent wie möglich von ihrer Schulter zu streifen. Hatten sie es hier etwa mit einer geistig Verwirrten zu tun?
„Weil dort Leib und Seel in Gefahr sin.“
Hannes hatte so viel von dem Gespräch verstanden, dass seine Neugierde geweckt worden war. Er sagte zu Paula gewandt: „Klingt vernünftig, findest du nicht?“ Dann beugte er sich ein Stückchen an ihr vorbei, um die Sprecherin direkt in Augenschein zu nehmen. „Und was geht in diesem Lämmerbach denn so krass ab?“
Die Angesprochene fühlte sich geschmeichelt und kam der Informationsbitte ohne zu zögern nach. „Sie habet offensichtlich keu Ahnung. Anders kann ich mir net erklärn, warum Sie hier sin. Kein Mensch betritt freiwillig des Tal von dene Ketzer. Do drübn gehts scho lang nimmer mit rechte Dinge zu.“ Es folgte ein eigentümlich prüfender Blick. Aber wenigstens fuchtelte die Hand nicht mehr ihm Innenraum herum oder wurde übergriffig. „Lassens sich warnen. Niemand kann einen dort schützn und dabei herrschn teilweis Zuständ wie in Sodom und Gomorrha. Vielleicht fällt ja bald Feuer vom Himmel und vernichtet allesamt.“, beendete sie ihren Monolog und schlug erneut ein Kreuz vor ihrer Brust.
Paula mutmaßte inzwischen, dass diese debile Dorfbewohnerin normalerweise unter strengem Gewahrsam ihren Lebensabend verbrachte. Trotzdem hatte sie einiges zu verdauen. Geistesgestört hin oder her. Warum behauptet jemand solche schrecklichen Dinge? Sie musste schauen, dass sie hier wegkam, bevor Hannes eine Revolution probte. Er sah schon ganz danach aus. Deshalb kämpfte sie sich zu einem mühsamen Lächeln durch und meinte: „Von dem allem können wir uns ja bald selbst überzeugen. Ich müsste nur wissen, wie ich jetzt weiterfahren soll.“ Energisch griff sie ans Lenkrad, um das Zittern ihrer Hände zu verbergen.
Die alte Frau wirkte von dieser Reaktion sichtlich enttäuscht. „Jo mei, no rennens halt in ihr Unglück, wenn Se sich absolut nix sagn lassn wolln… Der einzige Weg nach Lämmerbach führt übern Pass.“
„Über welchen Pass?“ Paula fürchtete, etwas falsch verstanden zu haben, aber als Antwort bekam sie nur ein stures Nicken. Als sie immer noch nicht begriff, zeigte die Hand der selbsternannten Prophetin nach Südwesten. Das Einzige was man in dieser Richtung erkennen konnte, war ein gewaltiger Berg, steil, felsig, unbewohnt und wenig einladend. „Und wo ist die Straße?“
„Sie fahret bis zum Ortsend, da befindet sich en großer Bretterzaun. An dem links und immer em Weg folgn. Pfiad euch Gott. Der is ohnehin der Einzige, der Ihnen noch helfn kann.“ Die kauzige Einheimische schlug ein letztes Kreuz, dieses Mal auf Paulas Stirn, bevor sie mitsamt ihrem Besen eilig in einem der Vorgärten verschwand.
„Du meine Güte, war die durchgeknallt“, stellte Hannes beeindruckt fest, als seine Schwester nach einem nervösen Fehlstart den richtigen Gang gefunden hatte und sich durch den Rest des Ortes vorarbeitete. „Vielleicht sind hier ja alle so.“
Sie verschwieg besser, was sie dachte und hoffte, dass Hannes von ihren Überlegungen nichts ahnte. Auf was hatte sie sich da bloß eingelassen?
Der Zaun war schnell entdeckt. Ein kleiner Pfeil mit dem Hinweis „Lämmerbach, 15 km“ wies den Weg. Die fünfzehn Kilometer konnten allerdings nur ein Irrtum sein. Dazu entpuppte sich die Straße bestenfalls als Feldweg.
„Stimmt es etwa doch, dass die Erde eine Scheibe ist und man durch einen großen Bretterzaun am Runterfallen gehindert wird? Ich hielt dieses Weltbild seit dem Mittelalter für überholt“, kommentierte ihr Beisitzer, erwartete aber keine Antwort, sondern zog, zum Zeichen der Ruhebedürftigkeit, die Kapuze seines Shirts über den frisurtechnisch verunstalteten Kopf.
Kaum hatte Paula das Auto auf die holprige, enge Straße gelenkt, endete allerdings seine gespielte Gelassenheit. „Hey, pass doch auf“, brummte er genervt, nachdem er ein paarmal durchgeschüttelt worden war und öffnete widerwillig die Augen. Den Rest der Fahrt blieben diese weit offen.
Nach ungefähr einem Kilometer begann sich der Weg in Serpentinen den Berg hoch zu winden und wurde, falls das überhaupt möglich war, noch schmaler. Dazu wies er reichlich Schlaglöcher auf. Das konnte doch unmöglich eine reguläre Straße für Autos sein. Paula hatte Mühe, die nächsten Kurven in einem Schwung zu nehmen und musste notgedrungen zurücksetzen.
„Eine kurze Frage.“ Hannes klemmte inzwischen knapp hinter der Windschutzscheibe. „Was machst du eigentlich, wenn hier Gegenverkehr kommt?“
„Vielleicht ist das eine Einbahnstraße?“, wagte die Chauffeurin zu hoffen.
Hannes schüttelte mitleidig den Kopf. Als ihnen auf halber Höhe ein Motorroller entgegenbrummte, erübrigte sich diese Frage sowieso.
Der Abgrund hinter jeder Kehre wurde tiefer und das flaue Gefühl in Paulas Magen wuchs. Sie war keine routinierte Autofahrerin und in den letzten Jahren selten dazu gekommen, in der Gegend herumzufahren. Diese Straße übertraf alle Alpträume, die sie je in Bezug auf den Straßenverkehr gehabt hatte. Nicht einmal eine Leitplanke hinderte den freien Blick in den Abgrund. An manchen Stellen war lediglich ein dicker Draht gespannt, der wohl als psychologische Begrenzung dienen sollte.
„Was ist eigentlich Sodom und das andere Wort Camorra oder so. Eine Geheimorganisation?“, fragte Hannes plötzlich.
Paula hatte zwar genug mit dem Autofahren zu tun und keinen Kopf, um sich auf heikle Fragen zu konzentrieren, aber etwas theologische Bildung konnte bei ihrem Bruder kaum schaden. Außerdem war er selten so gesprächig. „Sodom und Gomorrha heißt das. Es waren zwei Städte im Alten Testament. Sie wurden von Gott durch Feuer vernichtet.“
„Warum?“
„Sie lebten nicht nach Gottes Willen.“ Diese Antwort war äußerst unpräzise, aber mit einem Abgrund von mehreren hundert Metern vor Augen, fühlte sich Paula einer Diskussion zum Thema sexuelle Perversion einfach nicht gewachsen. Vermutlich hätte sie die auf der Ebene zwar genauso wenig heil überstanden, doch glücklicherweise fragte Hannes nicht weiter.
Fünf Minuten später, auf der Spitze des Berges, machten sie Halt. Eine Ausbuchtung ermöglichte das gefahrenfreie Abstellen des Autos. Mit wackeligen Knien stieg Paula aus und atmete erst einmal tief durch. Den ersten Teil des Passes hatten sie überlebt. Jetzt musste sie nur wieder auf der anderen Seite hinunter. Schlimmer konnte es kaum mehr werden. Von spätsommerlichen Temperaturen war hier oben leider keine Rede mehr. Der Wind zerrte an ihrer Bluse, zerzauste in Nullkommanix ihre Kurzhaarfrisur und ließ sie bis auf die Knochen frösteln.
Sie widerstand dem Wunsch, ins Auto zurück zu flüchten. Ihre volle Blase würde garantiert keine weiteren Schlaglöcher mehr durchstehen und ob sie in der nächsten Stunde in die Nähe einer Toilette kamen, war fraglich.
Hier oben gab es leider keine Bäume, nur nackte Felsen und ein paar Flechten und Gräser, die sich überlebenswillig bei diesem unwirtlichen Klima an die Hänge klammerten. Die Wolken hingen zudem so tief, dass keine Weitblicke möglich waren. Fast schien es, als habe der Rest der Welt aufgehört zu existieren. Wenn man mit dem Auto auf dieser Straße liegenblieb, durfte man mit keiner schnellen Hilfe rechnen.
Hinter einem Sichtschutz-Steinhaufen kauerte sich Paula schließlich nieder, versuchte auf dem abschüssigen Gelände Bodenhaftung zu behalten und gleichzeitig gegen den Wind anzupinkeln. Nicht, dass sie in dieser einsamen Gegend mit Voyeuren gerechnet hätte, schlimmstenfalls tauchte vielleicht ein Murmeltier oder eine Bergziege auf. Und von Hannes ging auch keine Spanner-Gefahr aus. Der hatte sich hinter seinen MP3-Player verkrochen und spielte mal wieder den Unbeteiligten.
Trotzdem war sie erleichtert, diese Aktion unbeschadet überstanden zu haben. Mit entspannter Blase fühlte man sich gleich deutlich besser. Sie wagte sich sogar um die nächste Ecke und dort todesmutig bis an die Kante vor, um einen ersten Blick auf ihre zukünftige Heimat werfen zu können. Auf der Südseite des Kammes waberte die Wolkenwand weniger dicht und ließ Gucklöcher frei.
Unter ihr öffnete sich ein grünes Tal. Umrahmt von hohen Bergwipfeln wirkte es fast, als wäre dieser Ort vor tausenden von Jahren einfach dort vergessen worden. Waren es die Bemerkungen der verrückten Frau gewesen oder die letzten Kilometer Fahrt? Paula bekam plötzlich Beklemmungsgefühle.
In genau diesem Augenblick stahl sich jedoch ein einziger Sonnenstrahl durch die Wolkendecke und zog einen hellen Streifen mitten durch diesen abgelegenen Winkel. Es verlieh diesem Anblick etwas Verwunschenes, Unwirkliches, so als wäre es ein Bild aus einem Fantasyfilm, bei dem jeden Moment magische Gestalten auftauchen konnten. In Paulas Vorstellung sah es allerdings aus, als würde Gott mit seinem Finger auf dieses Tal zeigen und sie hielt unwillkürlich den Atem an.
Direkt unten in der Senke konnte man eine kleine Ansammlung von vielleicht fünfzig Häusern ausmachen, die den Dorfkern bildeten, die meisten davon aus grauem Stein erbaut und selbst aus der Ferne betrachtet ziemlich baufällig. Die dominante Kirche am Ortsrand war ebenfalls gut erkennbar. An den Hängen der umliegenden Berge waren verstreut weitere Stein- oder Holzhäuser zu entdecken, offensichtlich bewirtschaftete Almen, erkennbar an den vielen Punkten auf den grünen Wiesen, die sich bei genauerer Betrachtung sicher als Kühe oder Schafe entpuppen würden. Ein kleines Gewässer bahnte sich seinen Weg von dem höchsten Gipfel herunter und vereinigte sich mit ein paar weiteren Rinnsalen zu einem größeren Bachlauf, der dann aufgestaut und verbreitert in der Nähe des Dorfkerns vorbeifloss.
Beeindruckt kehrte Paula zu ihrem Bruder zurück, um ihn auf dieses besondere Bild aufmerksam zu machen. Aber Hannes war zu sehr damit beschäftigt, eine SMS zu verschicken, als dass er einen Blick auf seine künftige Umgebung hätte investieren mögen. Er murmelte nur unwillig: „Ich weiß wie Bäume und Gras aussehen, vielen Dank.“
Nachdem die Sonne wieder hinter den Wolken verschwunden war und alles nun einheitlich trist und leider wenig einladend aussah, kletterte Paula durchgefroren ins Auto zurück. Ein letzter Blick zurück in die Zivilisation, dann begab sie sich mit einem Stoßgebet auf die Fahrt ins Tal und hoffte, dass ihre Bremsen durchhielten.
„Hurra, es scheint immerhin Strom zu geben.“, verkündete ihr Bruder nach den ersten beiden Kehren, als er der wenig dekorativen Strommasten ansichtig wurde, die sich durch das ganze Gelände zogen und wenig Idylle aufkommen ließen. Die grauen Holzpfähle mit den darüber gespannten dicken Leitungen wirkten wie Fremdkörper in der Landschaft.
Nach drei weiteren Kurven wurde vom Beifahrersitz jedoch ein unterdrückter Fluch abgeschickt. „Sch…Das darf ja wohl nicht wahr sein. Ich habe keinen Empfang mehr.“ Er starrte wie hypnotisiert auf sein Handy. Aber alles Klopfen, Schütteln und aus dem Fenster halten nützte nichts.
Eine halbe Stunde später erreichten sie immer noch mobilnetzlos die ersten Häuser von Lämmerbach. Ersatzweise empfing sie dafür Kuhstallgeruch und eine bunte Menschenmenge, die die Dorfstraße versperrte.
Schon Stunden vorher war in Lämmerbach der halbe Ort in Bewegung gewesen. Die Lehrerwohnung im oberen Stockwerk der Schule war gelüftet und geputzt worden und die Betten wurden bezogen. Selbst Kühlschrank und Vorratskammer hatten sich durch hilfreiche Hände gefüllt.
Nach einem Anruf um 14 Uhr, der von einem unbekannten Golf mit auswärtigem Kennzeichen berichtete, blieb gerade noch genügend Zeit, sich ordentlich anzuziehen, die Begrüßungsrede durchzugehen und den Kindern die Blumen in die Hand zu drücken.
Den Kirchenchor, den Pfarrer Ebershäuser hatte singen lassen wollen, fand der Bürgermeister dann doch zu übertrieben, ganz davon abgesehen, dass sich die einzig brauchbare Bassstimme auf der Alm befand und die anwesende Altstimme erkältet klang.
